Creator-Restaurant soll in San Francisco eröffnen - mit Maschinen, die vollautomatisch Burger für 6 Dollar in fünf Minuten herstellen

22.06.2018 23:54:02, Jürgen Auer, keine Kommentare

Läßt sich die Essenszubereitung in Restaurants automatisieren? Eine Frage, die in Großstädten durchaus interessant ist. Wie können viele Angestellte aus umliegenden Büros mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden?

Alex Vardakostas hat jedenfalls über acht Jahre getüftelt. Und will nun, Ende Juni, ein Restaurant in San Franciso eröffnen. Der endgültige Start soll im September erfolgen.
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Taste test: Burger robot startup Creator opens first restaurant - $6 of algorithmic deliciousness

https://techcrunch.com/2018/06/21/creator-hamburger-robot/

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Die Burger bestellen die Kunden über eine App. Die Bestellung löst eine ganze Kette von Operationen aus. Ein Brötchen wird in zwei Hälften geschnitten, getoastet und mit Butter bestrichen.

Soßen kommen millilitergenau drauf, dazu Zutaten wie Tomaten und Gurken. Parallel dazu wird die Burgerscheibe gebraten, schließlich aufgelegt. Das Ganze dauert immer etwa 5 Minuten.

Der Gründer Alex Vardakostas:

> “This is the kind of burger you would get for $12 to $18 [at an upscale restaurant], and it’s $6”

Normalerweise würden Burger in einer solchen Qualität 12 - 18 Dollar kosten. Die Einsparungen in der Küche würden sich auswirken.

> “We spend more on our ingredients than any other burger restaurant.”

Das Thema hatte ihn schon lange beschäftigt. Seine Eltern hatten ebenfalls ein Burgergeschäft:

> “My job was to make several hundred of the same burger every day. You realize there’s so much opportunity not taken because you don’t have the right tools, and it’s hard work.”

Hundertfach dieselben Burger machen, das Tag für Tag. Davon eine Entlastung finden.

Das Zitat stammt aus dem Video, das leider den eigentlichen Ablauf nur sehr ausschnittsweise zeigt:

A robot cooks burgers at startup restaurant Creator

https://www.youtube.com/watch?v=CbL_3le40qc

Ferner sieht das danach aus, daß der Burger in zwei Hälften in einer Art Schachtel ausgegeben wird. Erst, wenn man die beiden Schachteln "beherzt zusammengeklappt" werden (2:12 im Video), ist der Burger tatsächlich aufeinandergestapelt.

Trotzdem ändert das natürlich nichts daran, daß Mitarbeiter so von sehr vielen Routinetätigkeiten entlastet werden.

Die Mitarbeiter dürften sich wahrscheinlich mit dem Drumherum beschäftigen. Die Maschinen müssen regelmäßig mit neuen Zutaten bestückt werden. Leider fehlt auch eine Information darüber, wie hoch die Kapazität ist, wieviele Burger also pro Stunde auf diese Weise hergestellt werden können und wieviele Bestellungen parallel von einer Maschine bearbeitet werden können.

Das Braten der Burger kann jedenfalls gesteuert werden, so daß dieser englisch, medium oder durchgebraten wird.

Traditionelle Burger-Restaurants seien um 50 % größer, was vor allem daran liegt, daß die Küche im Hintergrund sehr viel Platz benötigt. Hier steht die Küche dagegen auf Rädern, wird hereingerollt und mit Strom versorgt.

Klar ist jedenfalls, daß dieses Geschäft ein Massenmarkt werden könnte. Allerdings soll das nicht einfach lizenziert werden. Der Gründer:

> “I don’t want someone putting frozen beef in there or charging way more”

Er will nicht, daß das mit gefrorenem Beef genutzt wird. Sie verwenden nur frische Zutaten, auch das Fleisch ist frisch. Stattdessen will das Unternehmen organisch wachsen.

> “Our business model is pretty simple. We take a really good burger that people like and sell it for half the price.”

Das Geschäftsmodell sei simpel: Ein wirklich guter Burger mit guten Zutaten, den Leute lieben - zum halben Preis.

USA überlegt, eigene Regeln zum Datenschutz festzulegen, um Gegengewicht zur Datenschutz-Grundverordnung DSGVO - GDPR zu schaffen

21.06.2018 23:56:58, Jürgen Auer, keine Kommentare

In den Jahren bis 2016 wurde die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) diskutiert, dann die entsprechende Richtlinie verabschiedet. Seit dem 25.05.2018 ist die europäische Übergangsfrist abgelaufen und die DSGVO damit gültig.

Damit müssen sich auch US-Unternehmen mit Kunden in Europa an dieses Regelwerk halten.

Und nun? Die einen bezeichnen die DSGVO als furchtbar, andere meinen, es sei alles nur halb so schlimm. Manche US-Unternehmen überlegen, ob sie gewisse Prinzipien der DSGVO nicht weltweit einführen.

Und selbst die USA scheinen nun zu überlegen, ob sie nicht etwas ähnliches beschließen.
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Scoop: The White House looks to coordinate online privacy plan

https://www.axios.com/scoop-the-white-house-looks-to-coordinate-online-privacy-plan-a51691cf-78d9-466e-8deb-27a66b1843c7.html

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Der erste Absatz ist doch verblüffend:

> The preliminary conversations show that the White House wants a voice in the contentious domestic and global debate about how to protect consumer privacy online. So far, Europe’s strict General Data Protection Regulation has set the terms of the debate, alarming companies and some regulators in the U.S.

Die Diskussionen zeigen, daß das Weiße Haus eine Stimme in der globalen Debatte haben möchte, wie Daten von Nutzern online geschützt werden können. Die europäische Regelung, im englischsprachigen Raum mit "General Data Protection Regulation" (GDPR) abgekürzt, hat die Debatte bestimmt, einen Maßstab gesetzt. Und alarmiert nun Unternehmen und einige Regulierer in den USA.

Gail Slater, eine Mitarbeiterin des US-Präsidenten, hat sich bereits mit US-Unternehmen getroffen. Ferner mit Mitgliedern von The Business Roundtable und mit dem CEO von dem Information Technology Industry Council, einen Zusammenschluß großer US-Technikunternehmen.

Es gibt verschiedene Varianten, wie Lösungen aussehen könnten.

So könnte das NIST, das National Institute of Standards and Technology, einen entsprechenden Vorschlag erarbeiten. Obama hatte 2013 etwas ähnliches zur Cybersecurity gestartet. Das wurde später vom Kongress aufgegriffen.

Ebenso wäre es denkbar, daß ein Präsidentenerlaß eine Private-Public Partnership in Gang bringt, die sich zu einem De-facto-Standard entwickeln könnten. Allerdings ist unklar, wie sich so etwas auf die Arbeit der Federal Trade Commission (FTC) auswirken würde, die die Aufsicht über den Datenschutz bei Privatunternehmen hat.

Die Aussage

> Europe’s GDPR has set a high-water mark for companies that handle user data, as the EU can levy hefty fines on companies that don’t comply. Slater indicated the administration is interested in developing a counter-weight to GDPR so that it is not the de-facto global standard

ist schon verblüffend: Die DSGVO habe einen hohen Maßstab gesetzt, die EU könne heftige Bußgelder gegen Unternehmen verhängen, die sich nicht daran halten. Gemäß Slater ist die Administration daran interessiert, ein Gegengewicht zur DSGVO zu schaffen, so daß diese nicht zum globalen Standard wird.

In Kalifornien gibt es eine Initiative für striktere Gesetze, den California Consumer Privacy Act. Manche befürchten, daß es einen Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen geben könnte. Da ist eine einheitliche Regelung für den gesamten europäischen Raum deutlich besser.

Ferner hat der Facebook - Cambridge - Skandal auch in den USA so einige zum Nachdenken angeregt.

Gail Slater will die DSGVO nicht klonen. Aber:

> Slater said she thinks that “giving consumers more control over their data” and “more access to their data” are good principles contained in GDPR. But she also raised that some portions, like the "right to be forgotten" may not work under U.S. law.

Das Prinzip, daß Nutzern mehr Kontrolle über die Daten bekämen, sei gut. Aber das "Recht auf Vergessen" würde nach dem US-Recht nicht funktionieren.

Ferner seien die Regeln für kleine Unternehmen zu kompliziert.

Tja: Eine interessante Entwicklung, die sich da anbahnt. Praktisch hat die EU das diskutiert und durchgezogen. Damit gibt es einen europaweit einheitlichen Rechtsrahmen für ein Thema, das angesichts der weltweiten Nutzung von werbefinanzierten Social-Media-Plattformen für so ziemlich alle Menschen weltweit relevant ist. So daß sich zwangsläufig für alle anderen Länder die Frage stellt: Kopieren, klonen? Oder etwas eigenes, womöglich schwächeres entwickeln?

Transcend Packaging - Paper Straws - Fabrik für Papierstrohhalme in Grossbritannien - Restaurants wollen Plastikstrohhalme ausrangieren - warum verzichten Kunden nicht einfach?

20.06.2018 23:44:02, Jürgen Auer, keine Kommentare

Manchmal staune ich ja doch: Da gibt es diverse Berichte, daß an diversen Stellen in der Welt Plastik angeschwemmt wird. Nun gibt es in Großbritannien Überlegungen, den Gebrauch von Einmalgegenständen aus Plastik zu verbieten. Ein Ziel: Plastikstrohhalme sollen verboten werden.

Nun soll in Wales, in Ebbw Vale, eine Fabrik eröffnet werden. Die Papierstrohhalme im Bereich von mehreren hundert Millionen Stück herstellen soll. Über Jahrzehnte hinweg gab es solche Fabriken nicht.
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Paper straw factory to open in Britain as restaurants ditch plastic - Production line in Ebbw Vale, Wales, to make straws for McDonald’s and others

https://www.theguardian.com/business/2018/jun/17/paper-straw-factory-to-open-in-britain-as-restaurants-ditch-plastic-mcdonalds

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Geliefert werden sollen die Papierstrohhalme an Kunden wie McDonald’s und andere Unternehmen, die Großabnehmer dafür sind. Um eine Alternative zu haben, wenn es tatsächlich zu einer solchen gesetzlichen Regelung kommt. Transcend Packaging heißt das neue Unternehmen.

Paper Straws

http://transcendpackaging.com/paper-straws/

Mark Varney von diesem Unternehmen:

> “When the BBC’s Blue Planet II was on the telly and the government started talking about the dangers of plastic straws, we saw a niche in the market.”

Zwar wollen Unternehmen wie Costa Coffee, Wetherspoons und Pizza Express Plastikstrohhalme ausrangieren. Aber woher nimmt man Ersatz?

> “It is great that all these businesses are phasing out plastic straws, but the problem for them was where to get paper ones from,” Varney said. “Everyone is having to import them from China, and when you look at the carbon footprint of that it kind of defeats the exercise.”

Es sei grandios, wenn all diese Unternehmen nun Plastikstrohhalme rausschmeißen. Aber woher kommt Ersatz? Wenn alle den Ersatz aus China importieren und man sich die Kosten dafür ansieht, dann ist das etwas widersprüchlich.

Deshalb der Ansatz:

> “We set up this company to give the the customers what they actually want: biodegradable paper straws made in the UK”

Das Unternehmen wurde gegründet, um den Kunden das anbieten zu können, was sie aktuell wollen: Abbaubare Papierstrohhalme, hergestellt in Großbritannien.

Mit McDonald’s gibt es bereits eine Vereinbarung. Da sollen 1361 Filialen ab September beliefert werden. Insgesamt verbraucht McDonald’s 1,8 Millionen Strohhalme pro Tag.

Laut Varney sei McDonald’s nur die "Spitze des Eisbergs".

> “Once a giant brand like McDonald’s says they are switching to paper, I suspect everyone else will follow,”

Wenn McDonald’s wechselt, dann werden diverse andere Unternehmen ebenfalls wechseln.

Paul Pomroy von McDonald’s berichtet, daß das kundengetrieben sei. Kunden wollten weg von Plastikstrohhalmen. Es habe Kundenkampagnen gegeben:

> The Last Straw, Straw Wars, Straws Suck and No Straw Please

Das folgte auf die BBC’s Blue Planet II - Ausstrahlungen 2017.

Die Papierstrohhalme seien zwar teurer, aber das fällt nicht wirklich ins Gewicht. Plastikstrohhalme kosten etwa 10 Pence für 1000 Stück, Papierstrohhalme kommen auf etwa 14 - 15 Pence.

Persönlich fällt mir dazu nur ein: Warum verzichten nicht Kunden einfach massiv auf Strohhalme?

The Bus Tiny Home - Converting an old 1966 GMC Bus into mobile Home - einen alten GMC-Bus in drei Jahren in ein mobiles Haus verwandeln - das tiny House von Jessie Lipskin

19.06.2018 23:04:36, Jürgen Auer, ein Kommentar

Was kann man mit einem alten Bus, Baujahr 1966 machen? Ok, man kann ihn verschrotten. Oder als speziellen Transporter nutzen. Jessie Lipskin fand jedenfalls einen alten GMC - Bus von 1966 bei Ebay. Sie kaufte ihn - und wandelte ihn innerhalb von drei Jahren in ein neues, schickes kleines Heim auf Rädern um.

Inspiriert war sie von dem Film "Garbage Warrior". Da ist von Michael Reynolds die Rede, der viel mit Materialrecycling arbeitet. Das inspirierte sie.
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Woman Spends 3 Years Converting Old Bus Into Mobile Home, And It Looks Better Than Most Apartments

https://www.boredpanda.com/old-bus-redesigned-mobile-home-jessie-lipskin/

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> “[It] really resonated with me. I began to consume everything I could read, more about sustainable lifestyles. Ultimately, a home on wheels seemed like a perfect solution: I could easily explore new places (finding a permanent place to settle, in the short term, was not a priority for me), and I could continue to live a vegan lifestyle.”

Sie begann, viel darüber zu lesen. Ein Heim auf Rädern schien ihr die perfekte Lösung zu sein. Sie kann einfach neue Orte entdecken und sie kann einen veganen Lebensstil pflegen.

Typische RVs (= Recreational vehicle, Wohnmobil) behagten ihr nicht:

> “RVs lacked the aesthetic I was going for, so I landed on a vintage bus conversion which could be registered and insured as an RV.”

Da fehlte ihr die Ästhetik. Aber sie konnte ihren historischen Bus entsprechend umbauen, so daß sie diesen als RV registrieren und versichern konnte.

Das Schwierigste an dem Projekt: Die passenden Leute zu finden, die ihr bei jenen Dingen halfen, bei denen sie sich zu wenig auskannte.

70.000 Dollar hat sie in den Bus gesteckt. Viel für einen Bus, wenig für ein Haus. Seit Januar lebt sie in dem Bus.

Mehr gibt es auf ihrem Instagram-Account:

The Bus Tiny Home

https://www.instagram.com/thebustinyhome/

Nach dem Ausräumen der Sitzplätze war das eine "große leere Fläche". Dann kam sehr viel Holz hinein.

Allerdings will sie ihn nun wohl doch verkaufen: Zumindest ergibt sich das aus einem zehnminütigen Video, das den Bus vorstellt:

1966 Greyhound Commuter Bus Tiny Home: FOR SALE! @thebustinyhome on IG

https://www.youtube.com/watch?v=TtYHkeojUUc

Sie will international reisen.

Auf Craigslist findet sich ein Inserat:

1966 GMC Greyhound Commuter Bus to RV Fishbowl - $149000

https://newyork.craigslist.org/jsy/rvs/d/1966-gmc-greyhound-commuter/6616719770.html

Demnach gibt es zwei Schlafbereiche für insgesamt 4 Personen. Da gibt es 22 verschiedene Bilder und eine Auflistung, wie sich die Gesamtkosten von 149.000 Dollar zusammensetzen.

Roadsworth - Strassenkunst, die Fahrbahnmarkierungen kreativ umgestaltet in Pusteblumen, Zebrastreifen mit Geländer oder als Reissverschluss

18.06.2018 23:17:48, Jürgen Auer, ein Kommentar

Vor zehn und zwanzig Jahren war das noch eindeutiger: In Städten hat das Auto Prioriät, alle anderen Verkehrsteilnehmer haben sich diesem unterzuordnen.

Der kanadische Künstler Roadsworth hatte schon 2001 damit begonnen, Fahrbahnmarkierungen kreativ zu ergänzen. Um diese Fixierung auf das Auto infragezustellen.

2004 wurde er verhaftet, 53 Fälle von Sachbeschädigungen und Vandalismus. Inzwischen erhält er aber diverse Aufträge, um Straßen nun ganz offiziell zu verschönern.
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ROADSWORTH – DIE FAHRBAHNMARKIERUNG ALS LEINWAND

http://www.urbanophil.net/kunst/roadsworth-die-fahrbahnmarkierung-als-leinwand/

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In diesem Beitrag von 2014 gibt es nur ein paar Beispiele. Die Parkplatzmarkierungen, die zu Pusteblumen werden. Der Zebrastreifen mit diversen Ständern, dazwischen eine gemalte Kordel. Oder ein Zebrastreifen, der "fast unverändert" ist: Nur ein paar Ergänzungen und auf einer Seite ein Fischkopf, schon ist der ganze Zebrastreifen zum stilisierten Fisch geworden.

Viel mehr davon gibt es auf seiner Website:

Roadsworth

http://www.roadsworth.com/

Auch dies

http://www.roadsworth.com/#/big-car-1/

ist doch ein deutlich verschönerter Straßenübergang.

Oder der Straßenübergang als halb geöffnete Sardinendose:

HECHO EN CASA

http://www.roadsworth.com/#/hecho-en-casa-1/

Teils

http://www.roadsworth.com/#/ocean-crossings/

dürften das Aufnahmen mit Drohnen sein.

Auf seinem Instagram-Account

https://www.instagram.com/roadsworth/

gibt es 134 Beiträge zum Durchscrollen.

Bei den Instragram-Beiträgen sind zumindest teilweise Ortsangaben mit dabei. So sind die oberen Zebrastreifen-Umgestaltungen in Taiwan entstanden.

Den Parkplatz mit Blättern

https://www.instagram.com/p/BHPqT-kj7P0/

gibt es in Indianapolis. Den Instagram-Account gibt es allerdings erst seit 2014.

Where are my Glasses - Ron Arad kombiniert mundgeblasene Gläser mit metallischen Brillengestellen für die Venini-Blown-Glass-Vase-Collection - bei der Milan Design Week

17.06.2018 22:59:49, Jürgen Auer, 2 Kommentare

Wer eine Brille trägt, der kennt das ab und zu: Wo ist die Brille, wo sind meine Gläser? Ok, und manchmal passiert es sogar, daß man die Brille sucht. Und sie auf der Nase hat.

Aber was ist, wenn man die Gläser - ok, nur die metallischen Gestelle - mit Glas kombiniert?

Und zwar so, daß ein Glasbläser einen Glaszylinder bläst, der durch ein Glasgestell durchpaßt. Und der anschließend zu einer größeren Kugel aufgeblasen wird.

Das Ergebnis sind Brillengestelle mit Gläsern, die bsp. als Blumenvasen genutzt werden könnten.

Ron Arad hat zusammen mit dem Unternehmen Venini solche Gegenstände hergestellt.
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ron arad asks 'where are my glasses?' for venini blown glass vase collection

https://www.designboom.com/design/ron-arad-glasses-venini-milan-design-week-06-15-2018/

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Ausgestellt wurden einige dieser Objekte bei der Milan Design Week.

Ein Video

ron arad: ‘where are my glasses’ for venini at milan design week

https://vimeo.com/275276245

zeigt Teile der Herstellung.

Da wird einerseits das Glas erhitzt, andererseits natürlich auch das Brillengestell. Dann kann ein schmaler Glaszylinder senkrecht durch die eine Öffnung eines Brillengestells geschoben werden. Ein zweiter, anders eingefärbter Glaszylinder kommt durch die zweite Öffnung durch. Das erfordert einen zweiten Glasbläser. Das Ergebnis sind zwei Vasen, die eng nebeneinanderstehen und die durch das Brillengestell untrennbar miteinander verbunden sind.

Schick sind aber auch diese bauchigen Gläser, bei denen das Brillengestell unten am Glas anliegt. Das wirkt, als seien das Gesichter.

Da dürfte eine bauchige Vase in das knapp über der Unterlage gehaltene Brillengestell hineingeblasen worden sein. So daß das Glas nicht gleichmäßig rund ist, sondern von drei Seiten her durch das Brillengestell eingefaßt wird.

Auf der Website von Ron Arad

http://www.ronarad.co.uk/

fanden sich leider noch keine weiteren Hinweise.

Electrified Bike - Problem Fahrraddiebstahl - schloss-freies E-Bike mit Stealth-Locking, Besitzer-Erkennung und Alarmsystem - von VanMoof - Niederlande

16.06.2018 23:13:23, Jürgen Auer, 3 Kommentare

Die Zahl der Personen, die mit Fahrrädern unterwegs sind, steigt. Einerseits ist das nur zu begrüßen. Es entlastet die Umwelt und die Bewegung ist gut für die Radfahrer. Andererseits steigt das Risiko von Fahrraddiebstählen. Schlösser und Ketten, die 20 oder 30 Euro kosten, lassen sich - mit geeignetem Werkzeug - leicht knacken.

Verschärft wird das Problem durch die wachsende Zahl von E-Bikes. Diese sind erst recht ein lohnendes Ziel für Diebe.

Das niederländische Unternehmen VanMoof will nun dagegensteuern. Mit einem E-Bike, das ohne sichtbare Kette oder einen anderen mechanischen Diebstahlschutz auskommt.

Mit zwei Modellen S2 und X2.
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VanMoof launches lock-free Electrified bike that can "take care of itself"

https://www.dezeen.com/2018/06/15/vanmoof-bike-electrified-s2-x2/

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Das Prinzip:

> The Electrified S2 and X2 model bicycles boast "stealth locking" that activates with a kick, rider-recognition technology that automatically unlocks the bike on approach and an alarm system that activates if tampering is detected. The security features negate the need for a traditional bike lock.

Am Hinterrad gibt es einen Druckknopf, den man mit dem Fuß eindrücken kann. Das aktiviert das Sicherungssystem. In dem Video

VanMoof Electrified S2 & X2 – Ride the future

https://www.youtube.com/watch?v=g9_Pz1ebApc

ist das bei etwa 1:05 zu sehen. Wie das genau funktioniert, erschließt sich mir nicht. Jedenfalls sind die Räder ziemlich komplett blockiert. Wird versucht, das Fahrrad zu bewegen, gehen die Lampen an.

Ferner gibt es eine zubuchbare Option, bei der bei einem Diebstahl "Bike Hunter" des Unternehmens das Fahrrad orten.

Das Prinzip, erläutert von einem der Gründer:

> "We can build bigger and tougher locks, or we can truly solve the problem by making our bikes pointless to steal in the first place,"

Wir können größere und stärkere Schlösser produzieren. Oder wir lösen das Problem, so daß die Fahrräder vom Abstellort nicht mehr entfernt werden können.

Wenn der Besitzer zurückkommt, wird er per Bluetooth erkannt und das Rad wieder aktiviert.

Der andere Gründer zu diesem Problem:

> Fear of bike theft prevents most of us from buying and riding a good-quality bike. What we've seen is that by removing that fear (as opposed to just making a bigger lock) and getting people on better bikes, they enjoy riding much more and therefore ride further and more often.

Die Sorge, daß das Fahrrad gestohlen wird, hält Leute davon ab, ein qualitativ hochwertiges Fahrrad zu kaufen und zu fahren. Wenn wir diese Angst reduzieren (anstatt die Schlösser größer zu machen), dann kaufen die Leute eher bessere Fahrräder und sie fahren lieber und häufiger.

Für E-Bikes sei das besonders relevant. Diese sind teurer und sie werden häufiger für längere Strecken zum Pendeln genutzt.

> Solving bike theft properly is therefore an essential element for a bike-friendly city.

Das Problem des Fahrraddiebstahls zu lösen ist folglich ein wesentlicher Bestandteil einer fahrradfreundlichen Stadt.

Mit einer Batterieladung kann man 150 Kilometer fahren. Das gesamte Laden dauert vier Stunden. Aber ein 50 % - Laden ist in 80 Minuten geschafft.

Auf der Seite

Electrified S2 / X2

https://www.vanmoof.com/de_de/electrified-s2-x2

ist das zumindest etwas näher erläutert. Demnach gibt es erst einmal laute Warnsignale, falls ein Dieb versucht, das Fahrrad zu bewegen. Reicht das noch nicht, gibt es wohl noch ein deutlich kräftigeres Signal. Dann folgen die Lampen, die SOS blinken.

Der Preis dürfte mit €2398 bei einem früheren Kauf und €3398 später im Bereich dessen liegen, was für E-Bikes üblich ist. Wobei mir da etwas die Marktkenntnis fehlt.

Woven Bamboo - geflochtener Bambus, der Räume mit riesigen Skulpturen erfüllt - die Arbeiten von Tanabe Chikuunsai IV

15.06.2018 23:44:11, Jürgen Auer, ein Kommentar

Mit Bambus, den man in schmale Streifen schneidet, kann man flechten. Aber was passiert, wenn man dieses Prinzip auf "größere Einheiten" ausdehnt?

So daß sich Gebilde entwickeln, bei denen aus einer geflochtenen Fläche röhrenförmige Strukturen entstehen, die sich bis zur Decke fortsetzen und dort wieder in eine geflochtene Fläche münden.

Der Japaner Tanabe Chikuunsai IV baut so ziemlich große Skulpturen, die sich in den vorhandenen Raum einbetten, quasi mit diesem verwachsen. Als ob die Bambus-Skulptur aus der einen Wand heraus- und in die nächste Wand wieder hereinwachsen würde.
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Recycled Bamboo Installations Intertwine in Site-Specific Configurations by Tanabe Chikuunsai IV

http://www.thisiscolossal.com/2018/06/bamboo-installations-by-tanabe-chikuunsai-iv/

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Die Technik basiert darauf, daß er zunächst einzelne Bambusstreifen befeuchtet, um so die "perfekte Kurve" zu erzeugen. Der Bambus wird dabei massiv wiederverwendet. So wurden einzelne Streifen schon in zehn verschiedene Skulpturen verbaut.

Im letzten Jahr gab es eine Skulptur im Metropolitan Museum of Art:

四代田邊竹雲斎造 「門」インスタレーション - The Gate

https://metmuseum.org/art/collection/search/751990

Dazu gibt es ein Timelapse-Video, das den Aufbau der Skulptur zeigt: Das läßt sich ja nicht anderswo aufbauen und ins Museum transportieren. Sondern muß vor Ort aufgebaut werden.
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Japanese Bamboo Art: Installation Time-lapse

https://www.youtube.com/watch?v=uWEHxJiZzoo

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> In conjunction with the exhibition Japanese Bamboo Art: The Abbey Collection, on view June 13, 2017–February 4, 2018, this video features time-lapse photography of bamboo artist Tanabe Chikuunsai IV installing The Gate (Mon) in The Met's Arts of Japan galleries.

Man sieht daran auch, daß das nicht ein Kunstwerk ist, daß von einer einzigen Person erschaffen wird. Sondern daß mindestens 3 Personen, zeitweilig sogar noch sehr viel mehr Personen benötigt werden, um die komplexe Struktur zu halten. Bis sie durch weitere eingeflochtene Streifen so stabil wird, daß sie sich selbst trägt.

Bubbles - Seifenblasen - Melody Yang von der Gazillion Bubble Show zeigt einige ihrer Seifenblasen - Künste

14.06.2018 23:21:06, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bubbles - Seifenblasen: Da mag man an Kindergeburtstage denken. Vielleicht jetzt, im Sommer, auch an manche Künstler draußen, die große Seifenblasen erzeugen.

In den USA gibt es die Gazillion Bubble Show. Da geht es ausschließlich um Seifenblasen. Eine der Künstlerinnen dieser Show ist Melody Yang.

Sie erläutert in einem Video einige ihrer Techniken. Wobei natürlich das wichtigste Geheimnis eines bleiben dürfte: Wie macht man eine Lauge, bei der die Seifenblasen teilweise so dermaßen lange halten, anstatt zu zerplatzen?
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How Artist Melody Yang Makes Mind-Blowing World Record Bubbles

https://laughingsquid.com/melody-yang-blowing-bubbles/

Der Ausgangsartikel bei Wired:

THIS BUBBLE ARTISAN MIGHT BLOW UP, BUT SHE WON'T GO POP

https://www.wired.com/story/soap-bubble-artist/

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Im Theater würde das sofort auffallen: Der Geruch von Seife, die Klebrigkeit der Teppichböden, die Armlehnen. Bei der Show erzeugen auch Fans viele Seifenblasen im Publikum.

Es gibt Seifenblasen, die mit Rauch gefüllt sind. Riesige Seifenblasen mit mehreren Kindern drin.

Melody Yang:

> "People love it. It's just something that is so universal," she says. "It's something that takes you back to your childhood because a lot of the times when we see a bubble we see it when we're very young, and we're just like 'what is that?' You know, it puts us back in the moment."

Leute lieben es. Es sei so etwas universales. Es bringt die Leute zurück in ihre Kindheit.

Ihre Eltern treten seit Jahrzehnten mit solchen Shows auf. Die beiden Kinder sind in dieses Metier hineingewachsen.

Die Familie hat mehr als 12 Weltrekorde erreicht. U.a. das größte Tier in einer Seifenblase - ein Elefant. Die meisten Menschen - 181. Und

> the world's Longest Soap Bubble Wall (a 166-foot, 11-inch bubble).

Das Video (auf Wired bzw. auf YouTube) - 8:02 Minuten.

How This Woman Makes Mind-Blowing Bubbles | WIRED

https://www.youtube.com/watch?v=FZpftZccc6U

> Melody Yang and her family hold numerous world records for their bubbles. She shows us how she makes some of the fun creations from their stage performance, the Gazillion Bubble Show.

Die Website der Gazillion Bubble Show:

http://gazillionbubbleshow.com/

Seit 2007 gibt es regelmäßige Shows in New York.

Bundesfinanzhof: Sind Gebrauchtwagenhändler Kleinunternehmer? Vorabentscheidungsersuchen aufgrund geänderter Verwaltungsauffassung zum Europäischen Gerichtshof - XI R 7/16

13.06.2018 23:56:56, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer mit Gebrauchtwaren handelt, der kauft Waren häufig von Privatpersonen ein, die keine Umsatzsteuer abführen. Also entfällt auch die Möglichkeit für den Gebrauchtwarenhändler, daß er die von ihm zu zahlende Umsatzsteuer um die selbst gezahlte Vorsteuer mindert.

Da galt bis Ende 2009 die Auffassung in der Finanzverwaltung, daß Gebrauchtwarenhändler, insbesondere auch Gebrauchtwagenhändler, der Differenzbesteuerung unterliegen:

Verkaufspreis abzüglich Einkaufspreis - das wird als Bemessungsgrundlage genommen. Also im Prinzip als 119 %, davon werden die 19 % berechnet und ans Finanzamt abgeführt.

Mit dem 01.01.2010 gab es aber eine geänderte Position in der Finanzverwaltung. Demnach müsse die Berechnung nach vereinnahmten Entgelten erfolgen.

Wirkung: Ein Gebrauchtwagenhändler hatte im Jahr 2009 17.328 EUR (für 2009) und 17.470 (für 2010) gemäß Differenzbesteuerung als Bemessungsgrundlage berechnet und betrachtete sich folglich als Kleinunternehmer. Das Finanzamt berechnete nach vereinnahmten Entgelten, das lag mit 27.358 EUR (für 2009) bzw. 25.115 EUR (für 2010) deutlich drüber.

Das Finanzgericht hatte der Klage stattgegeben. Der Bundesfinanzhof hat das Verfahren nun per Beschluss ausgesetzt, um es dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen.
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EuGH-Vorlage: Sind Gebrauchtwagenhändler Kleinunternehmer? Beschluss vom 7.2.2018, XI R 7/16

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=36751&pos=0&anz=33

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> Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) soll auf Vorlage des Bundesfinanzhofs (BFH) klären, ob für die Kleinunternehmerregelung in Fällen der sog. Differenzbesteuerung auf die Handelsspanne abzustellen ist. Der Vorlagebeschluss des BFH vom 7. Februar 2018 XI R 7/16 ist für die Umsatzbesteuerung im Handel mit gebrauchten Gegenständen von großer Bedeutung.

Das betrifft also sehr viele Personen, die auf diese Weise Handel treiben. Auch, wer bsp. von Ärzten Gebrauchtwaren einkauft, ist davon betroffen. Ärzte sind nicht vorsteuerabzugsberechtigt, also wäre ein Verkauf von einem Arzt ohne ausgewiesene Vorsteuer.

Das Finanzgericht hatte noch eindeutig zugunsten des Gebrauchtwagenhändlers entschieden.

> Dagegen hält der BFH, der dazu neigt, zur Ermittlung der betreffenden Umsatzgrößen auf die Differenzbeträge abzustellen, eine Klärung durch den EuGH für erforderlich. Dies beruht darauf, dass an der Auslegung des Art. 288 Satz 1 Nr. 1 der Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem, an deren Vorgaben sich das nationale Umsatzsteuerrecht aufgrund einer europarechtlichen Harmonisierung zu orientieren hat, Zweifel bestehen.

Der Beschluß:

BUNDESFINANZHOF Beschluss (EuGH-Vorlage) vom 7.2.2018, XI R 7/16 - ECLI:DE:BFH:2018:B.070218.XIR7.16.0

EuGH-Vorlage zur Anwendung der Kleinunternehmerregelung bei der Differenzbesteuerung unterliegenden Wiederverkäufern

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=33&pos=0&nr=36766&linked=ant

Dort wird in RN 4 / 5 die explizite Änderung genannt:

> Für das Jahr 2009 stellte die deutsche Finanzverwaltung in Abschn. 251 Abs. 1 Satz 4 der Umsatzsteuer-Richtlinien (UStR) 2008 vom 10. Dezember 2007 (Bundessteuerblatt --BStBl-- I 2007, Sondernummer 2/2007) hinsichtlich der Ermittlung des für die Anwendung der Kleinunternehmerregelung maßgeblichen Gesamtumsatzes im Sinne des § 19 Abs. 3 Satz 1 UStG unter anderem in Fällen der Differenzbesteuerung (§ 25a UStG) ebenfalls auf die Handelsspanne ab.

Ab 01.01.2010:

> Dagegen stellte das Bundesministerium der Finanzen mit Schreiben vom 16. Juni 2009 IV B 9 - S 7360/08/10001 (BStBl I 2009, 755) für diese Fälle ab dem Jahr 2010 auf die vereinnahmten Entgelte ab. Mit Wirkung vom 1. Januar 2010 war Abschn. 251 Abs. 1 Satz 4 UStR 2008 nicht mehr anzuwenden.

Demnach seien für die Anwendung der Kleinunternehmerregelung bzw. für die Ermittlung der Bemessungsgrundlage die vereinnahmten Entgelte zu berücksichtigen. Die sind natürlich immer deutlich höher.

Das Finanzgericht hatte sich unmittelbar auf eine EU-Richtlinie bezogen und deshalb entgegen der Auffassung der Finanzverwaltung entschieden (RN 10):

> Zwar ziele § 19 Abs. 1 UStG für die Ermittlung der Umsatzgrenze auf den Gesamtumsatz und nicht auf die Handelsspanne ab. Die Vorschrift stehe jedoch nicht im Einklang mit Art. 288 Satz 1 Nr. 1 der Richtlinie 2006/112/EG, auf die sich der Kläger unmittelbar berufen könne. Nach dieser unionsrechtlichen Bestimmung setze sich der Umsatz, der bei der Anwendung der Kleinunternehmerregelung zugrunde zu legen sei, aus dem Betrag der Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen zusammen, soweit diese besteuert würden. Da bei der Differenzbesteuerung nach Art. 315 der Richtlinie 2006/112/EG nur die Handelsspanne besteuert werde, könne nur diese für die Bemessung der Umsatzgrenze herangezogen werden.

Mal sehen, wie der Europäische Gerichtshof das Vorabentscheidungsersuchen auflöst. Für die betroffenen Händler macht das einen deutlichen Unterschied aus.

Cyclo Knitter - in fünf Minuten auf dem Bahnsteig per Fahrradfahren einen Winterschal stricken - ein praktisches Kunstwerk von George Barratt-Jones

12.06.2018 22:53:44, Jürgen Auer, keine Kommentare

Sie sind auf einem Bahnhof. Ihr Zug kommt erst in 10 Minuten. Ihnen ist kalt. Wenn Sie Glück haben, dann warten Sie grade in Eindhoven an der richtigen Station.

Nämlich an jener, an der George Barratt-Jones seinen Cyclo Knitter aufgebaut hat.

Das ist ein kleines, benutzbares Kunstwerk, das teilweise wie ein Radtrainer aussieht. Aber die Tretbewegungen des Fahrrads treiben eine kleine Strickmaschine an. Und die - strickt in fünf Minuten einen Schal.

Den können Sie sich dann mitnehmen.
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Cyclo Knitter by George Barratt-Jones

https://vimeo.com/253411516

Eine Seite mit Bildern der Entwicklung:

Cyclo Knitter by George Barratt-Jones

https://imgur.com/gallery/LBofgnr

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> This pedal powered machine gets you warm by moving, you are making something while you wait and in the end you are left with a free scarf! That you can decide to keep yourself or give to someone who needs it more.

Dem Radfahrer wird warm, er macht etwas, anstatt nur zu warten. Am Ende hat er einen kostenlosen Schal. Den kann er selbst nutzen oder ihn jemandem schenken, der ihn eher braucht.

Demnach entstand das als Projekt für die Design Academy Eindhoven, da wollte er etwas bauen, das Webtechniken nutzt.

Außerdem macht er gerne Projekte, die nützlich sind und die Leute zum Schmunzeln bringen.

Wenn man sich das Video ansieht: Offenbar mit Erfolg.

Mehr als 30 Schals wurden in zwei Stunden produziert. Bei 120 Minuten ist das ein Schnitt von 4 Minuten pro Schal.

Vintage Canning Jars with embedded Metal Utensils - historische Einweckgläser, die Metallgegenstände umfliessen - die Arbeiten von Jennifer Halvorson

11.06.2018 23:34:17, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ein altes Einweckglas. Wie es wohl jeder kennt. Aber wie kann das sein, daß in dem - natürlich festen - Glas eine Gabel oder ein Löffel drinsteckt?

Und zwar so, daß der metallische Gegenstand das Glas deutlich ausbeult, die äußere Form verändert. Und damit auch fest im Glas drinsteckt und sich ohne Zerstörung des Glases gar nicht mehr entfernen läßt?

Die Künstlerin Jennifer Halvorson "baut" solche Gegenstände. Genauer: Sie nutzt alte Einweckgläser, Gabeln und Löffel, um sie - neu - in dieser Art miteinander zu verbinden.
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Metal Utensils Precisely Embedded in Vintage Canning Jars by Jennifer Halvorson

http://www.thisiscolossal.com/2018/06/vintage-canning-jars-jennifer-halvorson/

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Das "Herstellungsprinzip":

> To create the works, Halvorson slowly warms the jars and then attaches them to a metal rod. After raising the temperature of the pieces, she then carefully torches one area and delicately presses a metal knife, spoon, or fork into the soft interior.

Sie nutzt also historische Gläser, die sie langsam erwärmt. Bis das Glas weich, aber noch nicht flüssig geworden ist. Wobei sie das wohl nur an einzelnen Stellen, wohl mit einen Schweißbrenner oder einem ähnlichen Gerät macht. Dann schiebt sie dort ein Messer, einen Löffel oder eine Gabel in das weiche Glas hinein.

Dann muß das Glas nur noch abkühlen. Und der "verblüffende Gegenstand" ist fertig.

Auf ihrer Website

Jennifer Halvorson

http://jenniferhalvorson.com/

gibt es noch mehr davon. Die Website ist relativ tief gegliedert:

Über Artwork kommt man auf Sculpture

http://jenniferhalvorson.com/section/433305-Sculpture.html

dort gibt es die Rubrik Preserve

http://jenniferhalvorson.com/section/181597-Preserve.html

mit drei Unterseiten.

Eine kleine Biographie gibt es hier:

http://jenniferhalvorson.com/page/1-.html

Geboren ist sie in St. Louis in den USA, sie schloß zweimal den Bachelor of Fine Arts ab - mit Metall und mit Glas an der University of Illinois. Nach diesen ersten Abschlüssen wechselte sie nach zum Danmarks Designskole in Copenhagen, es folgte der Master of Fine Arts in Glass am Rochester Institute of Technology.

Im Herbst 2012 folgte eine Assistenzprofessur an der Ball State University in Muncie, Indiana. Seither gab es diverse Ausstellungen.

Timber Bridge at Longpoint Corridor - A floating Timber Bridge - eine schwimmende Holzbrücke, die Greenpoint, Brooklyn und Long Island City in New York verbinden könnte - ein Projekt von Jun Aizaki

10.06.2018 23:51:53, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man sich auf einer Landkarte den Stadtteil Brooklyn, einer der fünf Stadtteile von New York, ansieht: Dann mag das zunächst so aussehen, als ob es in Greenpoint, im nördlichsten Viertel, eine direkte Verbindung zum Stadtteil Queens gibt, der nördlich und östlich von Brooklyn liegt.

Sieht man sich dann aber die Grenze zwischen Brooklyn und Queens näher an, dann besteht diese aus Wasser: Der Newtown Creek trennt die beiden Stadtteile voneinander.

Man kann zwar von Greenpoint rübersehen. Aber man kommt nicht so einfach rüber. Die Gegend:

> On the Greenpoint side of the creek, a historic neighborhood of row houses and industrial sites is rapidly growing. On the Long Island City side, high-rise apartments and hundreds of art galleries and studios line the East River. Just a stone’s throw away, Long Island City can feel like a world apart from Greenpoint.

Auf der Seite von Greenpoint gibt es historische Häuser und Industrieanlagen, da wächst die Gegend. Auf der Seite von Long Island gibt es Apartments und hunderte von Gallerien. Eigentlich liegen beide Stadtteile nahe beeinander. Aber gefühlt liegen Welten dazwischen.

Der Architekt Jun Aizaki fragt sich, ob man das nicht ändern könne. Mit einer Holzbrücke, die auf schwimmenden Pontoons aufsetzt.
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A Floating Timber Bridge Could Connect Greenpoint, Brooklyn and Long Island City

https://www.archdaily.com/895855/a-floating-timber-bridge-could-connect-greenpoint-brooklyn-and-long-island-city

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Fußgänger und Radfahrer müßten nicht mehr über die ohnehin stark befahrene PuIaski Bridge gehen. Sondern könnten den Weg von 12 Minuten auf 2 Minuten abkürzen.

Allerdings gibt es dort auch Schiffe. Die würden nicht unter der Brücke durchpassen. Deshalb sollen sich die Holzteile drehen können. So daß in der Mitte Platz für die Schiffe ist.

Die Ufer sind dort derzeit eher industriell geprägt. Die Brücke würde das verschieben.

Aktuell läuft ein Kickstarter-Projekt, das versucht, Geld für eine weitere Studie zusammenzubekommen.

Timber Bridge at LongPoint Corridor

https://www.kickstarter.com/projects/658968943/timber-bridge-at-longpoint-corridor

Da gibt es ein kleines Video, das Anwohner zu Wort kommen läßt. Aktuell sieht die dortige Gegend eher trostlos aus.

Die Brücke würde dazu führen, daß die Bereiche, die an die Brücke anschließen, entsprechend umgestaltet werden würden.

Bis 1954 gab es an dieser Stelle bereits eine Brücke, die Vernon Avenue Bridge. Diese wurde damals abgerissen, als die Pulaski Bridge in der Nähe gebaut wurde.

> The two open spaces on either side of the creek - Manhattan Ave. Park (Brooklyn) and an ad hoc parking lot (Queens) - serve as reminders of the former bridge.

Da gibt es aufgrund der früheren Brücke noch Platz.

Durch die Potonstruktur würde die Brücke mit den Gezeiten steigen und sinken, sie könnte nicht überflutet werden.

Aktuell sind etwa 10.000 € zusammengekommen, von 42.460 € (wohl 50.000 Dollar). Das Geld soll für eine Lichtinstallation verwendet werden, um den New Yorkern die Idee nahezubringen.

Letsencrypt - Nutzung: Was ist kritisch, worauf sollte man achten? Worin liegt das Risiko bei der Nutzung von einem der vielen Tools?

09.06.2018 23:53:57, Jürgen Auer, keine Kommentare

Vor etwa zwei Wochen, nachdem für die eigenen Kunden eine Verwaltungsmöglichkeit für Dinge in bezug auf die DSGVO abgeschlossen waren, hatte ich meinen Letsencrypt-Client fertig gebaut.

Letsencrypt

https://letsencrypt.org/

bietet kostenlose SSL-Zertifikate an, die nur 90 Tage gültig sind und regelmäßig erneuert werden müssen. Technisch sind damit vollwertige Verschlüsselungen von Websites per https möglich. Gleichzeitig hatte Letsencrypt ein Protokoll, das Automatic Certificate Management Environment (ACME) entwickelt, mit dem der bis dahin meist händische Prozess einer Zertifikatsbeantragung plus Nachweis der Inhaberschaft über die Domain automatisiert werden konnte. Für ACME interessierten sich schnell andere Unternehmen. Damit wurde eine Version 2 entwickelt, die aktuell noch den Standardisierungsprozess bei der IETF (Internet Engineering Task Force) durchläuft. Sprich: Das Protokoll zur Kommunikation zwischen Client (Webserver, der ein Letsencrypt-Zertifikat beantragt) und den Servern von Letsencrypt, die diese Zertifikate ausstellen, wird ganz offiziell standardisiert.

Den eigenen Client gab es in einer ersten Version schon im Februar, zu dem Zeitpunkt war aber das ACME-v2 - Protokoll noch nicht produktiv nutzbar. Das gab es zu diesem Zeitpunkt nur auf dem Letsencrypt - Testsystem. Zu der Version 1, die seit Ende Dezember 2015 nutzbar ist, wollte ich mir keinen Client schreiben. Die hatte noch ein paar Einschränkungen. ACME-v2 unterstützt bsp. Wildcard-Zertifikate, also das, was ich in der Form von *.server-daten.de für alle Kundensubdomains nutze.

Ende Mai war das in einer ersten Version soweit fertig. Damit wurden die ersten Kundendomains mit Letsencrypt-Zertifikaten bestückt. Zunächst noch "teilmanuell". Seither hatte ich den Client ab und zu etwas weiterentwickelt und im Letsencrypt-Forum

https://community.letsencrypt.org/

etwas rumgelesen und geschrieben.

Wer überlegt, ebenfalls Letsencrypt zu nutzen und womöglich nicht einen der offiziellen Clients zu nutzen, sondern einen eigenen zu schreiben:

Die eigentliche Kommunikation mit Letsencrypt ist eher harmlos. Es gibt "nur" ein paar Schritte, die zu erledigen sind:

(1) Man muß einmalig einen Account erstellen. Dazu benötigt man ein RSA-Schlüsselpaar. Über einen Account kann man viele Domains verwalten.

(2) Man erzeugt eine neue Order. Das ist die Beantragung eines Zertifikats mit einem oder mehreren Domainnamen. Wobei bsp. ein übliches "kleines" Zertifikat zwei Domains, nämlich www.example.com und example.com enthält. Dazu gibt es eine Order-Url. Diese sammelt die Authorization-Urls und die Finalize-Url, über die schließlich der Zertifikatsrequest hochgeladen wird. Zu jeder Domain bekommt man eine Authorization-Aufgabe gestellt, das ist eine Url mit weiteren Daten. Jede Authorization-Url enthält eine http- und eine dns-Challenge. Diese bestehen jeweils aus einer Challenge-Url und einem langen Token (= Zufallszeichenfolge).

(3) Da sucht man sich aus, wie man seine Inhaberschaft über die Domain nachweisen will. Entweder erzeugt man unter /.well-known/acme-challenge/ eine Datei mit dem Token als Dateinamen und dem Token, einem Punkt und dem entsprechend codierten SHA256-Hash des eigenen Schlüssels. Das ist die http-01 - Challenge. Oder man nutzt die DNS-Variante. Dafür muß man einen DNS-TXT-Eintrag mit dem Namen _acme-challenge erstellen, dessen Wert ebenfalls nach einem bestimmten Prinzip aus dem Token und dem eigenen Schlüssel ermittelt wird.

(4) Hat man das gemacht, ruft man die Challenge-Url jeweils mit einem geeigneten POST-Befehl auf, um Letsencrypt mitzuteilen, daß die Challenges überprüft werden sollen.

(5) Ist Letsencrypt zufrieden, dann wechselt die zugehörige Authorization-Seite vom Status "pending" in den Status "valid". Sind alle Authorization-Seiten "valid", kann ein Zertifikatsrequest generiert und an die Finalize-Url geschickt werden. Stimmt der Zertifikatsrequest (Liste der Domainnamen) mit dem Order-Request bzw. der Liste der dortigen Domainnamen überein, dann wechselt die Order-Seite in den Status "valid" und bietet eine Zertifikatsurl, über die man sich das neue Zertifikat herunterladen kann.

Hat man einmal verstanden, wie man die JSON-Objekte aufbauen muß, dann ist das keine große Geschichte mehr.

Allerdings: Was spricht für einen eigenen Client?

Inzwischen hatte sich die Vermutung bestätigt, die mich schon im Februar dazu brachte, einen eigenen Client zu bauen. Und zwar sowohl angesichts der eigenen Erfahrungen als auch aufgrund dessen, was im Letsencrypt-Forum zu lesen ist.

Die Kommunikation mit Letsencrypt ist nur der eine Teil der Gesamtaufgabe. Der andere Teil besteht darin, daß lokal ein Account-Schlüsselpaar, zu jedem Zertifikat ein Schlüsselpaar und die eigentlichen Zertifikate verwaltet werden müssen. Ferner muß das heruntergeladene Zertifikat schließlich (bei Windows-Systemen) in Webhosting abgelegt und beim Webserver in die entsprechende Bindung eingehängt bzw. dort ausgetauscht werden (altes Zertifikat raus, neues rein).

Diese ganzen lokalen Aufgaben sind im Zweifelsfall weitaus kritischer als die Kommunikation mit Letsencrypt.

Und das eigentlich kritische ist: Bei Fehlern sollte der Job gestoppt und nicht einfach wiederholt werden.

Es gibt reihenweise Beispiele im Letsencrypt-Forum. Es wird ein Cronjob (o.ä.) eingerichtet, der sich eigentlich automatisch um das Aktualisieren der Zertifikate kümmern soll. Dann geht "irgendetwas" schief. Das wird nicht sofort bemerkt. Der Cronjob wiederholt sich. Und mit "etwas Pech" wurde 10 mal hintereinander korrekt ein Letsencrypt-Zertifikat beantragt, aber die Ausführung bzw. das Einbinden scheiterte aus irgendwelchen Gründen. Nun schlägt das Limit von Letsencrypt zu. Und man kann bsp. in den nächsten Tagen kein neues Zertifikat mehr beantragen, dann wird die Zeit knapp.

Der Nutzer "hat" also diverse neue Zertifikate aus den letzten Tagen, die allesamt 90 Tage gültig sind. Aber auf seinem Webserver läuft noch das Zertifikat, das in wenigen Tagen ausläuft. Und dem Nutzer ist völlig unklar, wie er die neuen Zertifikate finden und nutzen kann. Mit "etwas Pech" ist das nicht nur ein Zertifikat, sondern es sind noch ein paar mehr.

Sprich: Letsencrypt hat ein paar Limits (siehe https://letsencrypt.org/docs/rate-limits/ ). Man kann bsp. zu einer Domain nur maximal 20 Zertifikate pro Woche neu beantragen (Erneuerungen zählen nicht mit). Und man kann eine Kombination von Domainnamen innerhalb von einer Woche nur fünf mal erneut beantragen (Duplicate Certificate Limit).

Hängt irgendetwas bei der lokalen Verwaltung, merkt man das nicht sofort und läßt das weiterlaufen, dann stoppt das irgendwann - weil das Letsencrypt-Limit zuschlägt.

Das eigentliche Problem dabei: Den vielen Clients, die unter

Client-Options

https://letsencrypt.org/docs/client-options/

angeboten werden, "sieht" man es nicht so richtig an, ob sie bei irgendeinem Fehler (inklusive fehlenden Berechtigungen, Problemen bei der Validierung oder beim Einbinden des Zertifikats) und einem Neustart einen Tag später alles wiederholen, auf denselben Fehler laufen und damit in Richtung der Limits kommen. Oder ob es irgendeinen Mechanismus der Information gibt, so daß eine "sinnlose Wiederholung" vermieden wird.

Es macht nun mal keinen Sinn, wenn so ein Tool täglich einmal ausgeführt wird und dann an fünf oder zehn Tagen jedesmal gegen dieselbe Wand rennt, bis das Limit vollgelaufen ist.

Bei meinem eigenen Client ist das auf zwei verschiedenen Ebenen einigermaßen gelöst. Ein Gedanke ist, die Kommunikation mit Letsencrypt abzukoppeln vom Ändern der Bindung. Das eine Programm holt sich ein neues Zertifikat und importiert es unter "Webhosting". Das kann im Laufe eines Tages gemacht werden. Es kann einmal pro Tag ausgeführt werden und prüft alle Zertifikate unter "Webhosting", ob diese in Kürze auslaufen. Falls ja, wird ein neues Zertifikat geholt.

Das zweite Programm prüft zu jeder Bindung, ob es unter "Webhosting" ein neueres Zertifikat gibt. Falls ja, wird das Zertifikat ausgetauscht. Das zieht einen Neustart des Webservers nach sich. Das sollte eher am Abend stattfinden.

Diese Logik hat jedenfalls den Vorteil, daß ein Crash beim Zertifikatstausch nicht dazu führt, daß ein Zertifikat mehrfach innerhalb kurzer Zeit beantragt wird.

Aber eigentlich entscheidend ist eine Blockade innerhalb des ersten Programms: Kann ein Zertifikat heute nicht geholt werden, darf das morgen nicht einfach blind wiederholt werden. Das wurde so gelöst, daß das Erstellen einer Order bis hin zum Ablegen unter "Webhosting" in elf sehr kleine Schritte zerlegt wurde. Zu jeder Domain, zu der ein Zertifikat geholt wird, gibt es eine Art Steuerungsdatei. In die werden alle Daten geschrieben - plus der letzte erfolgreiche Schritt. Existiert so eine Datei, wird nicht bei Null begonnen, sondern mit dem nächsten Schritt weitergemacht. Da die Daten in Form einer Tabelle abgelegt werden, kann auf die Ergebnisse der vorherigen Schritte zurückgegriffen werden. Das ist also mehr als eine bloße Protokolldatei.

Ferner gibt es bei Letsencrypt ein Testsystem. Dort läuft alles wie auf dem Produktivsystem. Die Zertifikate werden aber von "Fake LE Intermediate X1" signiert. Damit läßt sich aber der gesamte Prozess mehrfach und schrittweise testen.

Mal sehen, wann ich mit der Hauptdomain *.server-daten.de ebenfalls auf Letsencrypt umziehe.

Bat-friendly Streetlights - fledermausfreundliche Strassenbeleuchtung - Zuidhoek Nieuwkoop nahe dem Naturschutzgebiet Nieuwkoopse Plassen nutzt rotes Licht - für Menschen sicher, für Fledermäuse dunkel

08.06.2018 23:56:25, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hier in Berlin gibt es sie ja auch: Fledermäuse, von denen über 10.000 in der Spandauer Zitadelle überwintern. Aber nicht nur dort, es gibt 31 weitere Quartiere. Und eigentlich bin ich mir auch sicher, daß ich hier schon mal eine Fledermaus beobachtet habe: Die flog in der Dämmerung waagerecht den Seitenflügel entlang bis zur Wand, schoss dort nach oben, drehte um und es ging wieder zurück. In einem Tempo, so daß das mit Sicherheit kein Vogel gewesen sein kann.

Aber in der Großstadt gibt es auch ständig Lichtquellen. Und eine Straßenbeleuchtung. Diese kann für Fledermäuse irritierend sein, ebenso für die Insekten, die sie fangen.

Die Neubausiedlung Zuidhoek Nieuwkoop in den Niederlanden will das anders machen: Mit einer Straßenbeleuchtung in einem rötlichen Ton.
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Dutch town helps out rare bat species by installing “bat-friendly” streetlights

https://inhabitat.com/dutch-town-helps-out-rare-bat-species-by-installing-bat-friendly-streetlights/

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> to be the world’s first bat-friendly streetlights

Das weltweit erste fledermausfreundliche Straßenlicht. Das rote Licht

> brighten the road for humans, but the the bats still perceive the light as darkness.

erhellt die Straße für Menschen in einem ausreichenden Maß, aber die Fledermäuse nehmen es als Dunkelheit wahr.

Die Siedlung und die umgebenden Gebiete gehören zum Projekt "Natura 2000". Ein Netzwerk von Orten, die für Nist- und Brutplätze seltener Arten in der EU relevant sind.

Das sind keine abgeschlossenen Gebiete, die meisten sind Privatland. Aber:

> The approach to conservation on these sites revolves around “people working with nature rather than against it,” according to the European Commission.

Die fledermausfreundliche Straßenbeleuchtung könne dafür einen Beitrag leisten. Die dortige Gegend ist wichtig für einige seltene Fledermausarten.

> The energy-efficient streetlights emit red with a wavelength that won’t interfere with the flying mammals’ internal compasses. The lighting is based on 2017 research from Wageningen University, the Netherlands Institute of Ecology, and Philips Lighting.

Die Wellenlänge der roten Farbe interferiert nicht mit dem internen Kompass der fliegenden Säugetiere. Das Licht basiert auf gemeinsamen Forschungsarbeiten der Wageningen University, des Netherlands Institute of Ecology und Philips Lighting.

Eine Pressemitteilung von Signify, das ist der neue Name von Philips Lighting:

The world’s first bat-friendly street lighting

Going bats: Dutch town is first in world to install bat-friendly LED street lights

https://www.signify.com/global/about/news/press-releases/2018/20180605-going-bats-dutch-town-is-first-in-world-to-install-bat-friendly-led-street-lights

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Da findet sich noch weiteres zu der Siedlung Zuidhoek-Nieuwkoop:

> Zuidhoek-Nieuwkoop is home to many rare and vulnerable animal and plant specs. The town and its surrounding area is part of the Natura 2000, a network of nature protection areas across Europe comprising breeding and nesting sites for rare and threatened species. In 2011, Nieuwkoop embarked upon an initiative to build 89 new houses that meet the highest sustainability standards.

Sowie ein Statement von Guus Elkhuizen, City Council Member:

> Nieuwkoop is the first town in the world to use smart LED street lights that are designed to be friendly to bats. When developing our unique housing program our goal was to make the project as sustainable as possible, while preserving our local bat species with minimal impact to their habitat.

Da ist auch eine ältere Pressemitteilung vom 01.06.2017 verlinkt:

Calling Bat fans - Philips Lighting scientists develop LED road lighting that won’t disturb bats

https://www.signify.com/global/about/news/press-release-archive/2017/20170601-philips-lighting-scientists-develop-led-road-lighting-that-wont-disturb-bats

Damit sind die Ergebnisse der damaligen Forschungsarbeiten nun an einer Stelle in die Praxis umgesetzt worden.

MoDuLofts - Ein 14-stöckiges Haus in Beirut mit zwei herausschiebbaren Wänden pro Etage zur flexiblen Raumaufteilung - von Fouad Samara Architects

07.06.2018 23:40:31, Jürgen Auer, keine Kommentare

Häuser pflegen ja normalerweise eher starre Wände zu haben: Innen wie außen. Innen mag es vielleicht Raumteiler geben, die zusammengeschoben werden können, so daß zwei Räume zu einem großen Raum verschmelzen. Aber meist ist das nur etwas für größere Räume, bei denen bsp. ein großer Versammlungsraum so in zwei kleinere Räume geteilt werden kann.

Ein Haus in Beirut, von Fouad Samara Architects gebaut, macht dagegen daraus ein Prinzip:

In jeder Etage gibt es zwei Trennwände, die auf Schienen gelagert sind. Die Außenfassade ist nicht glatt, sondern die Schienen ragen jeweils nach außen. Ferner bilden immer zwei Etagen zusammen ein Duplex-Loft.

Die Trennwände lassen sich über die Schienen nach außen schieben. Mit der Wirkung, daß der mittlere Raum einer Etage um zwei schmalere Räume auf jeder Seite vergrößert wird.
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fouad samara architects provides flexibility with the modulofts building

https://www.designboom.com/architecture/fouad-samara-moduloft-lebanon-06-07-2018/

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Eine Nutzung:

> for example, the loft’s sliding walls add the capability of transforming the ground floor of the unit from a traditional set-up of closed off bedrooms and kitchens, to one open-style-concept multi-purpose room.

Man kann das als geschlossene Räume betrachten, ein Schlafzimmer, eine Küche und ein größerer Aufenthaltsraum. Oder man schiebt die Trennwände raus. Dann ist das ein einziger, offener Raum.

Da es in so einem Duplex-Loft insgesamt 4 Schiebewände gibt und jede Schiebewand drinnen oder draußen sein kann, sind das 16 Varianten pro Duplex-Loft. Da es 14 Etagen und 7 Duplex-Lofts gibt, sind das 16^7 = 268.435.456 Möglichkeiten für die Außenfassade, also etwa 268 Millionen Varianten.

Wenn die Mieter so ihre eigenen Bedürfnisse einbringen, dann ändert sich die Außendarstellung des Hauses immer mal wieder.

> a constantly changing façade at the modulofts will provide the street with another animation to an already dynamic neighborhood.

Eine besondere Art der "dynamischen Nachbarschaft".

Die Seite der Architekten:

MoDuLofts

http://fouadsamara.net/#project/78/MoDuLofts%20-%20Ashrafieh,%20Lebanon

MoDuLofts = Modulartige Lofts.

Bei

Modulofts Apartments in Beirut - Residential Building, Lebanon – design by Fouad Samara Architects

https://www.e-architect.co.uk/lebanon/modulofts-apartments-in-beirut

findet sich eine genauere Beschreibung dieses "traditionellen libanesischen Hauses", "beit" genannt:

> The traditional Lebanese house, the ‘beit’, which was the basic residential type in Lebanon until the 1920s, had a very ordered plan with a central hall or ‘liwan’ in the middle with entrance at one end and a balcony at the other. On either side of the ‘liwan’ were typically two rooms, or ‘ouda’, opening onto the ‘liwan’. These rooms were used for living and working / food preparation during the day, and for sleeping at night.

Eine zentrale Halle, Liwan, auf der einen Seite der Eingang, auf der anderen Seite der Balkon. Links und rechts zwei kleinere Räume, die als Küche, Arbeitszimmer oder Schlafzimmer genutzt wurden.

Die MoDuLofts haben sich dieses Modell quasi als Vorbild genommen - und es mit der Technik der herausschiebbaren Trennwände kombiniert.

Bundesfinanzhof: Fehlender Leistungszeitpunkt kann sich aus Rechnungsdatum ergeben, Rechnung berechtigt zum Vorsteuerabzug - erleichterter Vorsteuerabzug - V R 18/17

06.06.2018 23:46:57, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn eine Rechnung zum Vorsteuerabzug berechtigen soll, dann muß die Rechnung bestimmte Pflichtangaben enthalten. Neben dem Namen und der Anschrift des Lieferanten muß auch der Leistungszeitpunkt genannt sein.

Was aber ist, wenn diese Angabe des Leistungszeitpunktes fehlt? Der Bundesfinanzhof hat mit einer nun veröffentlichten Entscheidung die Inanspruchnahme des Vorsteuerabzugs erleichtert.
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BFH erleichtert Inanspruchnahme des Vorsteuerabzugs - Urteil vom 1.3.2018, V R 18/17

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=36703&pos=0&anz=31

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Im konkreten Fall ging es um Autolieferungen an die Klägerin.

> Im Streitfall hatte die Klägerin den Vorsteuerabzug aus an sie ausgeführten PKW-Lieferungen in Anspruch genommen. Allerdings enthielten die ihr hierfür erteilten Rechnungen weder Angaben zur Steuernummer des Lieferanten noch zum Lieferzeitpunkt. Die Rechnungen wurden später um die Angabe der Steuernummer, nicht aber auch um die Angabe der Lieferzeitpunkte ergänzt.

Die Entscheidung des Finanzamtes war eigentlich erst einmal klar und nachvollziehbar: Kein Vorsteuerabzug.

> Das Finanzamt versagte den Vorsteuerabzug aus den PKW-Lieferungen.

Aber:

> Demgegenüber hatte die Klage zum Finanzgericht Erfolg.

Der Gesetzestext enthält bereits einen gewissen Spielraum.

> Umsatzsteuerrechtlich verlangt § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 6 des Umsatzsteuergesetzes für eine Rechnung die Angabe des Zeitpunkts der Lieferung oder der sonstigen Leistung. Nach § 31 Abs. 4 der Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UStDV) kann als Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung der Kalendermonat angegeben werden, in dem die Leistung ausgeführt wird.

Das wurde vom Bundesfinanzhof sehr weitgehend ausgelegt. Wenn davon auszugehen sei, daß die Leistung in dem Monat erfolgt sei, in dem die Rechnung ausgestellt wurde, dann genügt das.

> Danach kann sich die Angabe des Kalendermonats als Leistungszeitpunkt aus dem Ausstellungsdatum der Rechnung ergeben, wenn nach den Verhältnissen des Einzelfalls davon auszugehen ist, dass die Leistung in dem Monat bewirkt wurde, in dem die Rechnung ausgestellt wurde.

Davon sei bei einer PKW-Lieferung auszugehen.

> Mit den Rechnungen sei über jeweils einmalige Liefervorgänge mit PKWs abgerechnet worden, die branchenüblich mit oder im unmittelbaren Zusammenhang mit der Rechnungserteilung ausgeführt worden seien. Damit folge aus dem Ausstellungsdatum der Rechnung, dass die jeweilige Lieferung im Kalendermonat der Rechnungserteilung ausgeführt wurde. Die Angabe des Ausstellungsdatums der Rechnung sei als Angabe i.S. von § 31 Abs. 4 UStDV anzusehen.

Laut der Pressemitteilung hat der Bundesfinanzhof das früher selbst strenger gesehen:

> Der BFH begründete seine Entscheidung damit, dass sich die Steuerverwaltung nicht auf die bloße Prüfung der Rechnung beschränken dürfe, sondern auch die vom Steuerpflichtigen beigebrachten zusätzlichen Informationen zu berücksichtigen habe. Demgegenüber hatte der BFH in der Vergangenheit aufgrund einer eher formalen Betrachtungsweise bisweilen sehr strenge Anforderungen an die Rechnungsangabe des Leistungszeitpunkts gestellt.

Das Urteil:

BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.3.2018, V R 18/17 - ECLI:DE:BFH:2018:U.010318.VR18.17.0

Rechnungsangaben beim Vorsteuerabzug

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=31&pos=0&nr=36712&linked=urt

Der Leitsatz:

> Die Angabe des Kalendermonats als Leistungszeitpunkt (§ 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 6 UStG i.V.m. § 31 Abs. 4 UStDV) kann sich unter Beachtung der unionsrechtlichen Vorgaben aus dem Ausstellungsdatum der Rechnung ergeben, wenn nach den Verhältnissen des jeweiligen Einzelfalls davon auszugehen ist, dass die Leistung in dem Monat bewirkt wurde, in dem die Rechnung ausgestellt wurde.

Das Finanzgericht hatte allerdings anders entschieden: Dort wurde der Vorsteuerabzug bejaht, ohne daß es eine ordnungsgemäße Rechnung gab. Der Bundesfinanzhof hat dagegen die Rechnung als ordnungsgemäß eingestuft (RN 26).

> Die Angabe des Kalendermonats als Leistungszeitpunkt kann sich dabei unter Beachtung der unionsrechtlichen Vorgaben aus dem Ausstellungsdatum der Rechnung ergeben, wenn nach den Verhältnissen des jeweiligen Einzelfalls davon auszugehen ist, dass die Leistung in dem Monat bewirkt wurde, in dem die Rechnung ausgestellt wurde. Denn nach dem EuGH-Urteil Barlis 06 (EU:C:2016:690, Rz 44) darf sich die Steuerverwaltung nicht auf die Prüfung der Rechnung selbst beschränken, sondern hat auch die vom Steuerpflichtigen beigebrachten zusätzlichen Informationen zu berücksichtigen. Dies ist insbesondere für die Prüfung zu berücksichtigen, ob aufgrund einer Auslegung der Rechnung entsprechend § 133 des Bürgerlichen Gesetzbuchs vom Vorliegen der erforderlichen Rechnungsangaben auszugehen ist.

Da spielte also eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) mit hinein.

§ 133 BGB lautet: Auslegung einer Willenserklärung

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html

> Bei der Auslegung einer Willenserklärung ist der wirkliche Wille zu erforschen und nicht an dem buchstäblichen Sinne des Ausdrucks zu haften.

Offenbar bestand über die tatsächliche Lieferung der Autos an die Klägerin kein Zweifel. Damit genügte die ungefähre Einschätzung Leistungszeitpunkt = Monat der Rechnungserstellung.

Europäischer Gerichtshof: Für Datenverarbeitung auf Fanpage sind Betreiber und Facebook verantwortlich - Urteil mit weitreichenden Folgen für Social-Media-Plattformen - C-210/16

05.06.2018 23:54:03, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Europäische Gerichtshof hat mit einer heutigen Entscheidung wohl so etwas wie einen Meilenstein oder eine historische Entscheidung getroffen.

Der Kernsatz: Wenn eine Organisation oder ein Unternehmen auf Facebook eine Fanpage einrichtet, dann sind sowohl die Organisation als auch Facebook die für die Verarbeitung der personenbezogenen Daten Verantwortlichen im Sinne der Rechtslage 2011. Da sich dieser Begriff der "für die Verarbeitung Verantwortlichen" durch die inzwischen geltende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nicht geändert hat, gilt das auch für die Situation nach der neuen Rechtslage.

Die Tragweite des Urteils wird erst dann so richtig deutlich, wenn man sich die Entscheidungen von Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht ansieht. Beide entschieden genau andersrum: Der Betreiber einer Fanpage sei kein Verantwortlicher. Auch das Bundesverwaltungsgericht tendierte zu dieser verneinenden Position, legte das jedoch dem EuGH vor.
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„Vorlage zur Vorabentscheidung – Richtlinie 95/46/EG – Personenbezogene Daten – Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung dieser Daten – Anordnung zur Deaktivierung einer Facebook-Seite (Fanpage), die es ermöglicht, bestimmte Daten bezüglich der Besucher dieser Seite zu erheben und zu verarbeiten – Art. 2 Buchst d – Für die Verarbeitung personenbezogener Daten Verantwortlicher – Art. 4 – Anwendbares nationales Recht – Art. 28 – Nationale Kontrollstellen – Einwirkungsbefugnisse dieser Stellen“

http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=202543&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=399657

Die Pressemitteilung (PDF, 3 Seiten):

Der Betreiber einer Facebook-Fanpage ist gemeinsam mit Facebook für die Verarbeitung der personenbezogenen Daten der Besucher seiner Seite verantwortlich

https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2018-06/cp180081de.pdf

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In einem Konflikt, der seit dem 03. November 2011 lief, hatte das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) gegenüber der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein GmbH angeordnet, die unter https://www.facebook.com/wirtschaftsakademie betriebene Fanpage zu deaktivieren. Grund sei, daß weder die Wirtschaftsakademie noch Facebook die Besucher darüber informieren, daß Facebook mittels Cookies personenbezogene Daten von Besuchern der Fanpage erhebt und diese Daten anschließend verarbeitet.

Dagegen legte die Wirtschaftsakademie Widerspruch ein. Die wesentliche Begründung: Sie sei weder für die Datenverarbeitung durch Facebook noch für die von Facebook gesetzten Cookies verantwortlich.

Das ULD wies diesen Widerspruch mit Bescheid zurück. Die Wirtschaftsakademie leiste

> durch das Einrichten ihrer Fanpage einen aktiven und willentlichen Beitrag zur Erhebung personenbezogener Daten betreffend die Besucher dieser Fanpage durch Facebook [leiste] und von diesen Daten durch die ihr von Facebook zur Verfügung gestellten Statistiken profitiere.

Dagegen klagte die Wirtschaftsakademie vor dem Verwaltungsgericht. Ihr könne die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Facebook nicht zugerechnet werden. Sie habe auch Facebook nicht mit einer Auftragsdatenverarbeitung beauftragt. Das ULD hätte direkt gegen Facebook vorgehen müssen.

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts (09. Oktober 2013):

> Das Verwaltungsgericht hob den angefochtenen Bescheid mit Urteil vom 9. Oktober 2013 auf und begründete dies im Wesentlichen damit, dass der Betreiber einer Fanpage bei Facebook keine verantwortliche Stelle im Sinne von § 3 Abs. 7 BDSG sei und die Wirtschaftsakademie daher auch nicht Adressat einer Verfügung nach § 38 Abs. 5 BDSG sein könne.

Vergleicht man das mit der heutigen EuGH-Entscheidung, dann hat der EuGH heute genau gegenteilig entschieden.

Dagegen Berufung des ULD. Das Oberverwaltungsgericht entschied zum einen, daß das Bundesdatenschutzgesetz ein abgestuftes Vorgehen vorsehe, so daß die Abschaltung höchstens am Ende von Maßnahmen, nicht aber am Anfang stehen könne.

> Weiter führte das Oberverwaltungsgericht aus, dass der angefochtene Bescheid auch deswegen rechtswidrig sei, weil eine Anordnung nach § 38 Abs. 5 BDSG nur gegenüber der verantwortlichen Stelle im Sinne von § 3 Abs. 7 BDSG ergehen könne, was die Wirtschaftsakademie aber hinsichtlich der von Facebook erhobenen Daten nicht sei.

Das OVG bestätigte also die Entscheidung des VG. Daraufhin ging das weiter zum Bundesverwaltungsgericht. Auch dieses war der Meinung, daß die Wirtschaftsakademie nicht Verantwortlicher sei (RN 23):

> Das Bundesverwaltungsgericht ist wie das Oberverwaltungsgericht der Ansicht, dass die Wirtschaftsakademie selbst nicht als im Sinne von § 3 Abs. 7 BDSG oder Art. 2 Buchst. d der Richtlinie 95/46 für die Verarbeitung der Daten verantwortlich angesehen werden könne.

Ferner hatte es Zweifel, ob das ULD gegenüber Facebook Germany vorgehen könne. Schließlich war nicht klar, inwiefern die Datenschutzstelle in Irland dafür zuständig sei.

All das führte zu 6 Vorlagenfragen an den Europäischen Gerichtshof, die dieser im Rahmen eines Vorabentscheidungsersuchens beantworten sollte. Frage 1 und 2 führten direkt zum Hauptsatz der Entscheidung. Die Fragen 3 - 6 bezogen sich darauf, wer gegen welche Niederlassung vorgehen könne, wenn die Datenverarbeitung zentral erfolge und wie das Verhältnis zwischen einer deutschen und einer Aufsichtsbehörde in einem anderen EU-Land geregelt sei.

Der zweite Satz aus der PM:

> Die Datenschutzbehörde des Mitgliedstaats, in dem dieser Betreiber seinen Sitz hat, kann nach der Richtlinie 95/46 1 sowohl gegen ihn als auch gegen die in diesem Mitgliedstaat niedergelassene Tochtergesellschaft von Facebook vorgehen.

Die Kurzfassung der Begründung aus der PM:

1. Facebook ist auf jeden Fall verantwortlich für die Verarbeitung personenbezogener Daten.

2.

> Sodann befindet der Gerichtshof, dass ein Betreiber wie die Wirtschaftsakademie als in der Union gemeinsam mit Facebook Ireland für die fragliche Datenverarbeitung verantwortlich anzusehen ist. Ein solcher Betreiber ist nämlich durch die von ihm vorgenommene Parametrierung (u.a. entsprechend seinem Zielpublikum sowie den Zielen der Steuerung oder Förderung seiner Tätigkeiten) an der Entscheidung über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung der personenbezogenen Daten der Besucher seiner Fanpage beteiligt.

Und:

> Nach Ansicht des Gerichtshofs kann der Umstand, dass ein Betreiber einer Fanpage die von Facebook eingerichtete Plattform nutzt, um die dazugehörigen Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, diesen nicht von der Beachtung seiner Verpflichtungen im Bereich des Schutzes personenbezogener Daten befreien.

Ähnlich hatte das ULD gegenüber dem Bundesverwaltungsgericht argumentiert (Urteil RN 22):

> Es sieht den Verstoß der Wirtschaftsakademie in der Beauftragung eines ungeeigneten, weil Datenschutzrecht nicht beachtenden Anbieters, hier Facebook Ireland, mit der Erstellung, Bereithaltung und Wartung eines Internetauftritts.

Ein Unternehmen kann nicht ein ungeeignetes anderes Unternehmen beauftragen und damit die Verantwortung abwälzen.

Ferner stellt das Urteil (Vorlagenfragen 3 + 4) fest, daß das ULD sowohl gegen die Wirtschaftsakademie als auch gegen Facebook Deutschland vorgehen könne. Das gilt auch dann, wenn Facebook Germany nur für den Verkauf von Werbeplätzen, nicht aber für die Erhebung der personenbezogenen Daten (das macht Facebook Irland) zuständig sei. Schließlich (Vorlagenfragen 5 + 6) kann das ULD tätig werden, ohne daß es die Aufsichtsbehörde in Irland einschalten oder anhören muß.

Wichtig bei dem Urteil: Es wurde von der "Großen Kammer" getroffen:

> DER GERICHTSHOF (Große Kammer)
>
> unter Mitwirkung des Präsidenten K. Lenaerts, des Vizepräsidenten A. Tizzano (Berichterstatter), der Kammerpräsidenten M. Ilešič, L. Bay Larsen, T. von Danwitz, A. Rosas, J. Malenovský und E. Levits, der Richter E. Juhász, A. Borg Barthet und F. Biltgen, der Richterin K. Jürimäe sowie der Richter C. Lycourgos, M. Vilaras und E. Regan

Das zeigt die Tragweite dieses Urteils.

In einer Pressemitteilung des ULD

Betreiber von Facebook-Fanpages tragen Datenschutz-Verantwortung!

https://www.datenschutzzentrum.de/artikel/1241-Betreiber-von-Facebook-Fanpages-tragen-Datenschutz-Verantwortung!.html

meint die Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein, Marit Hansen, zu dem Urteil:

> „Die Entscheidung hat meine Einschätzung bestätigt, dass es keine Verantwortungslücken im Datenschutz geben kann. Konkret bedeutet dies nun für alle Fanpage-Betreiber, dass zwischen ihnen und Facebook geklärt sein muss, welche Datenschutzpflichten sie selbst zu erfüllen haben und für welche Facebook zuständig ist. Dies gilt insbesondere für die Informationspflichten: Ohne Transparenz, wie die Daten über alle Nutzenden – d. h. Mitglieder und Nicht-Mitglieder von Facebook – verarbeitet werden, funktioniert dies nicht. Bei den Betroffenenrechten, z. B. dem Recht auf Auskunft oder Berichtigung, gilt: Jeder kann diese Rechte sowohl gegenüber dem Fanpage-Betreiber als auch gegenüber Facebook direkt geltend machen.“

Wenn man eine Website betreibt, ist man für die Website verantwortlich. Wenn man die Website faktisch zu Facebook verlagert, dann bleibt man dafür verantwortlich.

Der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz, Thomas Petri, verweist darauf, daß auch die öffentlichen Stellen ihren Umgang mit Facebook prüfen müßten:

> Mögliche Vorteile bei der Öffentlichkeitsarbeit rechtfertigen jedenfalls keine Datenschutzverstöße.

Und klar ist auch: Das Urteil gilt offenkundig nicht nur für Facebook, sondern für alle Social-Media-Plattformen. Wer diese für eigene Zwecke verwendet, der ist mitverantwortlich.

Nun ist in Deutschland wieder das Bundesverwaltungsgericht zuständig.Das wird noch eine Weile dauern, bis es da ein rechtskräftiges Urteil geben wird.

Ich gehe allerdings davon aus, daß Facebook nun - im eigenen Interesse - einiges verbessern und dies Betreibern von Fanpages aus dem EU-Raum anbieten wird. Ansonsten läuft Facebook Gefahr, daß diverse Organisationen ihre Fanpages abschalten oder einschlafen lassen werden.

Wie nutzt man ein altes Auto? Etwa als Pizzaofen, als Sitzgelegenheit, Tischtennisplatte oder Swimmingpool - die Kreationen von Benedetto Bufalino

04.06.2018 23:55:34, Jürgen Auer, ein Kommentar

Ein altes Auto pflegt häufig in der Schrottpresse zu landen. Aber gibt es noch andere Möglichkeiten dafür?

Benedetto Bufalino hat jedenfalls ein kreatives Händchen. Nun hat er sich einen alten Ford Mondeo vorgeknöpft. Das Ergebnis: Ein mit Holz betriebener Pizzaofen.
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This Old Car Was Turned Into A Wood-Burning Pizza Oven

https://designyoutrust.com/2018/06/this-old-car-was-turned-into-a-wood-burning-pizza-oven/

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Das Prinzip: Das gesamte Innenleben (Sitze und Technik) kam raus. Dann kam ein Gestell aus Metall rein. Es folgten diverse Backsteine, die vermauert wurden und die an der "hinteren Seite" des Ofens (der rechten Autoseite) bis nach oben gemauert wurden. Auf der linken Seite wurden alle störenden Elemente bis zur Dachkante entfernt.

Statt der Fenster gibt es dort kräftige Metallbleche.

Geheizt wird mit Holzstücken. Mit dem Effekt, daß die Backsteine "gut warm" werden. Offenbar eignet sich das gut, um als Pizzaofen genutzt zu werden.

Einzigstes Problem: Das Auto ist nun "etwas immobil". Für eine entsprechende Party wäre das sicher ein Hingucker. Aber das Auto muß erst einmal zur Party kommen.

Auf der Website

BENEDETTO BUFALINO

https://www.benedettobufalino.com/

finden sich weitere Arbeiten.

Etwa eine sehr lange Stretch-Limousine, die als Bank genutzt werden kann. Oder ein Lastwagen, auf dessen Dach ein kleines Sportfeld gestaltet ist. Etwas besser und ungefährlicher nutzbar ist das umgedrehte Auto, das als ungewöhnlich lange Tischtennisplatte fungiert.

Und 2014 wurde ein ehemaliger Kleinwagen zu einem Swimmingpool umgebaut. Ein umgedrehtes Auto wird zum Sportboot (2015). Oder es wird bepflanzt (2013). Und ein ausrangiertes Polizeiauto dient als Hühnerstall.

Kunst mit Drohnen: Das Time-Magazin erzeugt ein fliegendes Magazincover mit 958 Drohnen

03.06.2018 23:24:04, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mit Drohnen kann man alles mögliche machen. Nun lassen sich Drohnen auch für künstlerische Zwecke nutzen. Allerdings nicht eine Drohne, das wäre etwas dürftig. Aber mit 958 Drohnen, die entsprechende Lichtquellen tragen, läßt sich ein Bild in den Himmel zeichnen. Bestehend aus diesen 958 Lichtpunkten.

Das Time-Magazin behandelt in der Juni-Ausgabe Drohnen, die auch als Unmanned Aerial Vehicles (UAV) bezeichnet werden. Da lag es nahe, das Titelbild mit Drohnen zu gestalten.
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TIME creates its latest magazine cover with the help of 958 drones

https://www.designboom.com/design/time-magazine-drone-cover-intel-06-01-2018/

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Genutzt wurden Drohnen von Intel, da gibt es "shooting star drones", mit denen auch schon in PyeongChang 2018 eine Show veranstaltet wurde.

https://www.intel.com/content/www/us/en/technology-innovation/aerial-technology-light-show.html

Die lassen sich entsprechend steuern, so daß komplexe fliegende Gestalten erzeugt werden können.

Das mit einer Kamera am richtigen Ort im richtigen Winkel aufgenommen ergab das gewünschte Video:

Fly Through A 100 Meter Tall TIME Magazine Cover Made With 958 Drones | TIME

https://www.youtube.com/watch?v=clGl9Kc5j9o

Demnach war das ein 100 Meter hoher Kasten, der in den Himmel gemalt wurde.

Dazu ein Behind the Scenes - Video:

Behind The Scenes Of TIME's Drones Cover | TIME

https://www.youtube.com/watch?v=JGjmRRTThdk

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Demnach stammt auch die eigentliche Aufnahme von einer fliegenden Drohne.

Das Making-Of-Video ist zeigt, wie unterschiedlich das aus verschiedenen Perspektiven aussieht. Erst von der richtigen Position betrachtet fügt sich das zum Cover zusammen.

Bei der Time

http://time.com/collection/drones/

gibt es ebenfalls Ausschnitte aus dem Making-Of-Video. Und diverse Reports zu Drohnen. U.a. zur Beobachtung von Walen, die auch hier im Blog schon erwähnten Drohnen von Zipline, die in Afrika Blutkonserven schnell in entlegene Krankenhäuser bringen, zur Verfolgung von Wilderern, für militärische Zwecke, für neue Varianten von Luftaufnahmen in Städten und anderswo und bei Katastrophen. Etwa bei einem Hurrikan, nach dem Drohnen schnell einen Überblick verschaffen können.

Storkeengen in Randers - Dänemark - ein Überflutungsgebiet, das mit einer Holzkonstruktion für Anwohner erschlossen werden soll

02.06.2018 23:19:50, Jürgen Auer, keine Kommentare

Randers liegt in Dänemark in Ost-Jütland und ist eine Hafenstadt. Sucht man nach der Stadt bei Google-Maps, mag man sich wundern, warum das eine Hafenstadt sein soll. So weit, wie Randers scheinbar im Landesinneren liegt. Aber durch Randers fließt die Gudenå, mit 158 km der längste dänische Fluß. Dieser mündet kurz hinter der Stadt in den Randers Fjord. Von da an sind es nochmals 25 km bis zur Küste.

Die Gudenå teilt die Stadt in zwei Hälften, nördlich und südlich des Flusses. Nördlich liegt die City. Im Süden gibt es umfangreiche Wohnsiedlungen. Direkt daneben, den Storkeengen, ein Landschaftsschutzgebiet.

Das wird gleichzeitig als Überflutungsgebiet benötigt. Das wiederum macht es schwierig, das Gelände als Erholungsgebiet zu nutzen. Das Architektenbüro C.F. Møller hat eine interessante Lösung entwickelt, wie das Gebiet trotzdem genutzt werden kann.
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SMART MEADOW

https://www.toposmagazine.com/meadow-city-park/

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Das Problem:

> In short: The meadow would be the perfect place for a city park, if it won’t be used as a flood area. Both settlement bodies could be connected with recreational usage.

Eigentlich ist der Platz perfekt für einen Stadtpark. Aber das kollidiert mit dem Bedarf für einen Überflutungsraum.

Die Lösung: Viele aufgeständerte Holzwege. Aktuell wird das gesamte Gebiet von zwei Flussbrücken und zwei anschließenden Straßen begrenzt. Die westliche Straße trifft nach einem Viertelbogen auf die östliche Straße.

> Their concept includes elevated paths and constructions for several activities. So, they can be used even in times when the meadow is flooded by the river. The pathways and activity plateaux enable the visitors to experience the meadow’s unique flora and fauna at close hand.

Sieht man sich das bei Google Maps an

https://www.google.de/maps/place/Storkeengen+-+Randers/

dann sieht das Gelände dort "eher trocken" aus. Die Skizze der Architekten verweist darauf, daß ein ordentlicher Teil dieser "trockenen Fläche" bei entsprechenden Regenfällen unter Wasser steht. Aus den umliegenden Gegenden kommt Wasser von Dächern, Parkplätzen und Straßen auf das Gelände. Dort fungiert die Erde wohl teils als "natürliches Reinigungsbecken", bevor das Wasser in die Gudenå fließt.

Sehr spannend ist ein kreisförmiges Gebilde mitten auf dem Steg. Da führt der Holzsteg drumherum, so daß sich fast ein Vollkreis ergibt. Der innere Teil ist als begehbares Metallgitter gestaltet, so daß sich Leute dort hinsetzen können und direkt über dem Wasser sind.

Die Seite der Architekten:

STORKEENGEN (STORK MEADOW)

https://www.cfmoller.com/p/Storkeengen-Stork-Meadow-i3327.html

Da gibt es diverse Querschnitte, die die Höhenunterschiede zeigen. Der Effekt: Die Stege sind auch dann noch nutzbar, wenn nach kräftigen Regenfällen weite Teile des Geländes unter Wasser stehen.

Auftraggeber war die Stadt. Der Entwurf hat den 1st prize in architectural competition 2017 bekommen. Bei Inhabitat fand sich die Info, daß das Projekt bis 2021 umgesetzt sein soll.

Free Parasol - eine Drohne mit Regenschirm, die dem Nutzer automatisch folgt - Asahi Power Services aus Japan versucht, so etwas zu entwickeln

01.06.2018 23:53:24, Jürgen Auer, keine Kommentare

Drohnen werden inzwischen für alle möglichen Zwecke eingesetzt. Um Licht zu spenden, Blutkonserven in Afrika zu transportieren oder um Leuten in Seenot schnell eine aufblasbare Hilfe zu bringen.

Aber in Japan scheint es, neben der Drohne, die Mitarbeiter von Überstunden abhalten soll, noch weitere eher skurrile Pläne zu geben.

So beschäftigt sich das japanische Unternehmen Asahi Power Services damit, eine Drohne zu entwickeln, die einen Regenschirm transportiert. Als Regenschirm ohne Handgriff, der mit einer Kamera und KI ausgestattet ist. So wird der Kopf des Besitzers erkannt. Die Drohne fliegt über ihm - und soll ihn trocken halten.
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Flying, Hands-Free Umbrellas Just Might Be the Perfect Use For Drones

https://gizmodo.com/flying-hands-free-umbrellas-just-might-be-the-perfect-1826481750

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Der Autor bei gizmodo meint, daß er sich bis jetzt nicht dafür interessiert hätte, eine Drohne zu besitzen. Luftphotografien macht er nicht, Drohnenrennen und Kunstflüge überläßt er lieber anderen. Aber das:

> But a hands-free umbrella that autonomously follows me through the rain? This is a technological breakthrough I can use.

Das sei ein technologischer Durchbruch, den er gebrauchen könne.

Interessant ist die folgende Position:

> A Japanese company, Asahi Power Services, believes there’s a big market for self-propelled umbrellas, not only as a way to stay dry in a downpour while staying glued to your phone, but also as an easy way to beat the heat on a sunny day.

Das Unternehmen glaubt an einen großen Markt. Nicht nur bei Regen, wenn man grade sein Smartphone nutzt. Sondern auch als Hitzeschutz an einem sonnigen Tag.

Ein Video:

アサヒパワーサービス、手で持たない ドローン日傘の試作機開発

https://www.youtube.com/watch?v=oICMTi1gd4A

Aktuell ist das vom Praxiseinsatz wohl noch eher weit entfernt. Ziemlich laut, der Schirm wirkt auch relativ klein. Die Drohne ist noch schwer (11 Pfund, das müßten knapp 5 kg sein) und schafft 20 Minuten Flugzeit. Die Macher sind optimistisch, daß sie das Gewicht auf weniger als 2 Pfund (0,9 kg) reduzieren und die Flugzeit auf eine Stunde vergrößern können.

Später hängt das vom Wetter und vom Wind ab.

2019 soll das marktreif sein, der Autor nennt das "optimistisch". Der Preis könnte bei 275 Dollar liegen, das wäre so ziemlich der teuerste Regenschirm.

Ein Vorteil: Man würde den Regenschirm nicht mehr vergessen, weil er gegebenenfalls automatisch folgt.

Bei gleichmäßigem Landregen ohne Wind könnte das einigermaßen funktionieren. Aber bei böigem Wind, der am Regenschirm zerrt und bei dem man den Schirm gegen den Wind ausrichtet und dreht: Da bezweifele ich, daß ein solcher Drohnenregenschirm mithalten und den Besitzer einigermaßen trocken halten könnte. Den böigen Wind dürfte es auf den japanischen Inseln häufiger geben als hier in Berlin, relativ weit von den Küsten entfernt.

3D-printed House - Project Milestone in Meerhoven - Eindhoven - Niederlande will fünf Häuser per Beton 3D-Druck erstellen

31.05.2018 23:58:41, Jürgen Auer, keine Kommentare

Eine Herausforderung beim 3D-Druck besteht darin, daß das "Druckmaterial" einerseits flüssig genug sein muß, um gedruckt werden zu können. Andererseits soll es schnell genug erstarren, damit die Form erhalten bleibt.

Beim Hausbau mit üblichem Beton kann das erst einmal nicht funktionieren. Schließlich baut man Verschalungen, eventuell innen mit Stahlgerüst. Und füllt das mit relativ flüssigem Beton auf, der nun innerhalb der Verschalung trocknet und aushärtet. Damit sind die Formen immer durch die Grenzen der Verschalungsmöglichkeiten begrenzt.

Das Project Milestone in Eindhoven will das ändern. Und hat nun Pläne für den Druck von fünf Häusern per Beton vorgestellt, die im Stadtteil Meerhoven in den nächsten Jahren entstehen sollen.
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world's first 3D-printed concrete houses to be built in eindhoven, the netherlands

https://www.designboom.com/architecture/3d-printed-concrete-houses-eindhoven-the-netherlands-project-milestone-05-31-2018/

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> the irregularly shaped structures take full advantage of 3D-printing’s ability to construct almost any shape

Die Häuser sollen gerade keine eckigen Strukturen haben. Das ist ein Zusammenschluß von der TU/e, der Technischen Universität Einhoven mit

> contractor van wijnen, real estate manager vesteda, materials company saint gobain-weber beamix and engineering firm witteveen+bos

einem Bauunternehmen, einem Immobilienmanager, einer Firma, die für den Rohstoff verantwortlich ist und einem Ingenieurunternehmen, die zusammen das Projekt betreiben.

Das erste Haus soll nur eine Ebene haben und Mitte 2019 fertig sein. Die anderen Häuser werden mehrere Stockwerke umfassen. Die Häuser sollen heutigen Standards genügen - in bezug auf den Komfort, das Aussehen, die Qualität und den Preis.

Die Website des Projekts:

3Dprintedhouse

https://www.3dprintedhouse.nl/en/

Die Unterseite

Why 3D Concrete Printing?

https://www.3dprintedhouse.nl/en/project-info/why-3d-concrete-printing/

informiert über Hintergründe. Die klassische Betonnutzung sei immer massiv. Das sei unter statischen Gesichtspunkten gar nicht notwendig und führt dazu, daß sehr viel Beton verbraucht wird. Das soll reduziert werden.

Ein zweiter Punkt sei die Formenvielfalt:

> Another advantage is freedom of form. With 3D concrete printing, very fine concrete structures are possible. In the traditional pouring of concrete, the formwork determines the shape of concrete. With concrete prints, builders will soon be able to make concrete details as small as a pea, and round, hollow or convex shapes. This makes concrete buildings and constructions with completely new forms possible.

Bis jetzt determinieren die Verschalungen die Form des Betons. Mit 3D-Druck könne das auf "Erbsengröße" reduziert werden. Und beliebig runde Formen seien denkbar.

Ein weiterer Punkt sei, daß verschiedene Typen, Qualitäten und Farben in einem Druckprozess genutzt werden können. Eine komplette Wand läßt sich mit allen benötigten Funktionalitäten drucken.

Dann gäbe es die Möglichkeit, den Druck individuell abzuwandeln. Die Unterschiede kosten aber nicht mehr so viel. Ferner lassen sich Sensoren direkt beim Drucken einbringen. Das betrifft Temperatursensoren, Lichtsensoren oder Sensoren zur Sicherheit. Bis jetzt müssen solche Sensoren immer nachträglich eingebaut werden, der direkte Einbau spart Zeit und Geld.

Die Infos zum Projekt:

Project Milestone

https://www.3dprintedhouse.nl/en/project-info/project-milestone/

Demnach wird der Boden außerhalb des späteren Standorts (off-site) gedruckt. Alles drüber wird direkt vor Ort (on-site) gedruckt. Man kann dann also den Druckern beim Drucken zusehen.

> More than an experiment, these houses are intended to be occupied for at least several decades.

Mehr als ein Experiment soll das schon sein. Die Häuser sollen über mehrere Jahrzehnte stehen.

Ein interessantes Projekt. Wobei das erste Haus

> As early as 2018, the first house will be delivered to the first occupant.

wohl schon in diesem Jahr fertiggestellt sein soll.

ADA - Helium gefüllter mit Holzkohlestücken bestückter Kunststoffball bemalt Räume - die polnische Künstlerin Karina Smigla-Bobinski in der Muffathalle in München

30.05.2018 23:57:19, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man nehme einen großen, einen sehr großen, aufblasbaren Kunststoffball. Die Größenordnung: Eine erwachsene Person kann mit den Armen vielleicht ein Drittel des Balls umfassen.

Dann wird dieser Ball von außen her mit diversen Haltern bestückt - vielleicht sind diese auch von innen her eingesetzt. Jedenfalls lassen sich in diese Holzkohlestäbchen einsetzen. Schließlich kommt der Ball in einen Raum, der aus weißen Stoffbahnen gebildet ist, die in raumhohen Gittern eingespannt sind. Und wird aufgepumpt - mit Helium. So daß er von sich her unter der Decke hängt.

Dann dürfen Leute in den Raum. Und den Ball bewegen. Mit dem Ergebnis, daß Wände, Boden und Decke bemalt werden. Die Leute natürlich auch. Wer intensiv mit dem Ball interagiert, bei dem hinterlässt die Holzkohle schnell Spuren.
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A Gigantic Helium-Filled and Charcoal-Studded Sphere Covers Rooms with Unpredictable Designs

http://www.thisiscolossal.com/2018/05/ada-by-karina-smigla-bobinski/

Am besten ist es, wenn man sich das Video

ADA at Muffathalle

https://vimeo.com/272238036

möglichst im Vollbildmodus ansieht.

Aus der Videobeschreibung:

> ADA - analog interactive installation / kinetic sculpture / post-digital drawing machine by Karina Smigla-Bobinski

Eine analoge, gänzlich digitalfreie, interaktive Installation, eine kinetische Skulptur, bei der die Bewegung entscheidend ist, eine post-digitale Malmaschine.

Und natürlich hängt das Ergebnis davon ab, wie die Personen mit dem Ball interagieren:

> More dramatic mark-making starts to occur when humans are added to the mix

Von der Website der Künstlerin:

ADA:

http://www.smigla-bobinski.com/english/works/ADA/index.html

> “The globe put in action fabricates a composition of lines and points, which remain incalculable in their intensity, expression, and form however hard the visitor tries to control ADA, to drive her, to domesticate her. Whatever he tries out, he would notice very soon, that ADA is an independent performer, studding the originally white walls with drawings and signs.”

Wenn der Ball in Aktion ist, produziert er eine Komposition von Linien und Punkten, die unkalkulierbar sind. Die Gäste versuchen, den Ball zu kontrollieren, ihn zu domestizieren. Aber das gelingt nicht, sie merken, daß der Ball ein eigenständiges Leben führt.

> which give unpredictable outputs once given a command

Unkalkulierbare Ergebnisse bei vorgegebenen Handlungen.

Die Stifte müssen jedenfalls einiges aushalten.

Ada hat schon eine lange Geschichte und ist schon ordentlich in der Welt herumgekommen:

> ADA is a result of my thoughts and inquiries about the fundamental idea of ‘computer as a machine’ that can remember and create works of art, such as poetry, music, or pictures like an artist. I have developed ADA without a client. After she was finished in 2010, curators Ricardo Barreto and Paula Perissinotto invited ADA, as the first, to FILE Festival 2011 in São Paulo, Brazil. Then came FAD Festival in Belo Horizonte (Brazil), FACT Foundation in Liverpool (U.K.), FILE Festival in Rio de Janeiro (Brazil) and ZERO1 Biennial in Silicon Valley (U.S.), GARAGE Center for Contemporary Culture in Moscow (Russia), etc..

Eigentlich steckt die Idee vom "Computer als Maschine" dahinter, der Kunst produziert. Wie ein Künstler. Das Konzept entwickelte die Künstlerin eigenständig. Dann wanderte das über erste Festivals.

Da fand sich auch ein Beitrag von 2011:

A Giant Bouncing Ball That Draws On Every Wall It Touches

https://www.fastcodesign.com/1664853/a-giant-bouncing-ball-that-draws-on-every-wall-it-touches

Der Name ist eine Referenz - Ada Lovelace, eine Schriftstellerin im 19. Jahrhundert.

Da ist von einem Durchmesser von drei Fuß die Rede, das wären 0,9 Meter. Das kann angesichts des Vorschaubildes nicht sein. Das wäre womöglich eher ein Radius von 0,9 Metern, also ein Durchmesser von 1,8 Metern. 300 Kohlestifte gibt es, jeder hat eine Länge von 10 Inches, das sind 25 Zentimeter. Die Technik des Einbaus hat die Künstlerin selbst entwickelt.

> Every time it hits the wall, the charcoal scratches its mark along the walls, turning the alien-looking, transparent membrane into an automatic art-making machine.

Ein spannender Satz:

> “The blacker she gets from the charcoal and the more she is handled by visitors, the more she seems to be some kind of alive. Even I, who built her, sometimes gets the illusion of her being a living thing.”

Je dunkler Ada durch die Kohle wird und je mehr Gäste mit ihr interagieren, desto mehr wirkt sie, als habe sie ein eigenes Leben.

Das 8 Jahre alte Video

ADA by Karina Smigla-Bobinski

https://www.youtube.com/watch?v=OcNtvfALW1Y

zeigt das bald noch besser als das neuere Video. Da ist der Raum schmaler, Ada scheint mehr unter der Decke zu hängen. Einzelne Personen interagieren.

Die Idee scheint bis heute nichts von ihrer Faszination verloren zu haben.

Robotic Restaurant Spyce - eine Restaurantküche in Boston lässt komplexe Mahlzeiten von Robotern zubereiten - die erste Robotic Kitchen von 4 MIT Graduates

29.05.2018 23:55:59, Jürgen Auer, keine Kommentare

Lassen sich komplexe Mahlzeiten von Robotern zubereiten? Ein Restaurant in Boston wagt den Praxistest. Dort haben Mitarbeiter vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) autonome Woks installiert. Diese können individuelle Mahlzeiten innerhalb von drei Minuten zubereiten. Der "Output": 200 Menüs pro Stunde, die jeweils 7,50 Dollar kosten.
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rotating robot chefs power this restaurant created by MIT engineers

https://www.designboom.com/technology/spyce-robot-chefs-restaurant-mit-engineers-05-25-2018/

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Nutzer wählen ihre Mahlzeit über einen Touchscreen. Das wird von einem System aufgegriffen, das die Bestandteile zusammensammelt. Dann kommt das in einen der Woks, die als eine ganze Wok-Batterie aus sieben Elementen nebeneinander aufgebaut sind.

Dort wird das bei ständigem Rotieren und 450°F = 232°C gekocht. Wobei das "induction technology" nutzt. Durch die schräge Anordnung können die Kunden sehen, wie ihr Essen zubereitet wird.

Dann wird das in einen Teller gekippt und kann gegessen werden. Wobei dazwischen noch Mitarbeiter sind, die die Teller austauschen und die das heiße Essen mit Soßen oder Grünfutter ergänzen.

Ein Video auf YouTube:

Spyce - Robotic Restaurant by Four MIT Graduates in Collaboration with Chef Daniel Boulud

https://www.youtube.com/watch?v=9LqqcDL99UA

> Spyce is the world’s first restaurant featuring a robotic kitchen that cooks complex meals to order. Founded by four MIT graduates with a vision to reinvent fast casual dining, and led by the culinary talent of Michelin-starred Chef Daniel Boulud and Sam Benson, Spyce offers wholesome and delicious meals at $7.50 in three minutes or less.

Interessant ist, daß die Techniker und Entwickler Daniel Boulud gewinnen konnten, der Michelin-erprobt ist.

Ein etwas längeres Video (4:21) fand sich hier:

In Boston, These Robots Are Now Serving Up $8 Salads and Bowls

https://www.youtube.com/watch?v=rfMZfxgbuCw

Für das Drumherum sind also noch weitere Mitarbeiter notwendig. Man sieht auch nicht so ganz, welcher Aufwand hinter dem Vorbereiten der Ausgangsbestandteile steckt.

Die Nutzung der Woks und deren Reinigung scheint jedenfalls im wesentlichen automatisch abzulaufen. Das spart natürlich etwas Zeit.

Weitere Infos finden sich auf der Website:

Spyce

https://www.spyce.com/

> At Spyce, we’ve created the world’s first restaurant featuring a robotic kitchen that cooks complex meals. We created this concept in hopes of solving a problem we found ourselves facing, being priced out of wholesome and delicious food.

Gesundes und wohlschmeckendes Essen: Das ist in Restaurants normalerweise zu teuer. Dieses Problem wollten die Gründer lösen. In der Rubrik Menü

https://www.spyce.com/menu/

gibt es die aktuellen Menüs. Jeweils mit Kalorienangabe und quer durch die Welt: Hearth, Latin, Chicken + Rice, Thai, Lebanese, Indian, Moroccan.

Jedes dieser Basismenüs gibt es vom Typ regulär (mit Fleisch), vegetarian & pescatarian, vegan oder glutenfrei. So daß es viel Auswahl gibt.

In den dortigen FAQ

https://www.spyce.com/faqs/

ist erwähnt, daß die Vorbereitung der Zutaten größtenteils noch klassisch, also in Handarbeit stattfindet.

Ein spannendes Projekt. Mal sehen, ob das bei diesem einzelnen Restaurant bleibt. Oder ob sich da Ableger bilden.

LG Köln: Wer de-Domain im Auftrag registriert, haftet für Markenverletzung auf der Website - kein Haftungsprivileg analog Admin-C - 31 O 179/17

28.05.2018 23:53:17, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn jemand, der in Deutschland arbeitet, treuhänderisch eine .de-Domain für einen ausländischen Geschäftspartner registriert und dieser auf der Website, die unter der Domain auffindbar ist, nun Markenverletzungen begeht: Was dann?

Das LG Köln hatte dazu eine klare Position: Dann haftet der Domaininhaber für seinen ausländischen Geschäftspartner und dessen Tun.
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Landgericht Köln, Urteil vom 03.04.2018, 31 O 179/17, ECLI:DE:LGK:2018:0403.31O179.17.00

https://www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/koeln/lg_koeln/j2018/31_O_179_17_Urteil_20180403.html

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Der Fall: X ist der Kläger, beklagt war jemand, der für ein russisches Unternehmen eine Domain registriert hat, die im Urteil als "anonym.de" bezeichnet wird. Tatsächlich enthielt aber der Domainname bereits den Markennamen.

> Zugunsten des Herrn X sind die deutsche Wortmarke „Y“, DE #####822, sowie eine deutsche Wortbildmarke (siehe Bl. 2 d.A.), DE #####422, u.a. für Waren der Klassen 5, 29 (Nahrungsergänzungsmittel), 30, 32 mit Priorität vom 05.11.2008 eingetragen.

Der Beklagte hatte die Domain registriert, der eigentliche Internetauftritt wurde aber nicht vom Beklagten betrieben.

> Der Beklagte ist Inhaber der Domain „anonym.de“. Dort werden Produkte im Bereich Nahrungsmittel unter der Bezeichnung „Y1“ (in Form eines Logos) in englischer Sprache beworben.

Daraufhin:

> Die Klägerin ließ den Beklagten mit anwaltlichem Schreiben vom 11.04.2017 (Anlage K 5, Bl. 19 f. d.A.) abmahnen. Der Beklagte gab mit Schreiben vom 21.04.2017 eine Unterlassungserklärung ab, verweigerte indes die Bezahlung von Rechtsanwaltskosten.

Es ging um Abmahnkosten in Höhe von 2.348,94 €. Bei Markenrechtsverletzungen geht es normalerweise um 50.000 Euro Streitwert. Das wurde auf 100.000 Euro verdoppelt, die Abmahnkosten folgten den 1,3 Geschäftsgebühren = 1.953,90 + 20 Euro Post- und Telekommunikationspauschale plus Umsatzsteuer.

Ein wesentliches Argument des Beklagten:

> Die Domain „anonym.de“ sei treuhänderisch für die russische Firma B GmbH registriert worden, da die Domainrichtlinien der Denic eine Registrierung von Domains für ausländische Unternehmen nicht zulasse. Die B betreibe den Internetauftritt und sei ausschließlich für die Inhalte verantwortlich.

Praktisch erklärte der Beklagte: Er sei zwar Domaininhaber. Aber für die unter dieser Domain auffindbaren Inhalte sei nicht er, sondern das russische Unternehmen B verantwortlich.

> Eine markenmäßige Benutzung im geschäftlichen Verkehr in der Bundesrepublik Deutschland ist bereits durch die Verwendung des Domainnamens gegeben.

Deftig ist nun die RN 21:

> Die Markenverletzung ist dem Beklagten auch zurechenbar. Dieser ist passivlegitimiert. Eine täterschaftliche Begehung ist auf Grundlage des eigenen Vortrags des Beklagten zu bejahen, da der Beklagte, dadurch, daß er den Domainnamen selbst im Auftrag der Firma B registrierte, die Gefahr einer Unklarheit darüber schuf, wer unter der betreffenden Domain gehandelt hat und im Falle einer Vertrags- oder Schutzrechtsverletzung in Anspruch genommen werden kann. Der Beklagte muß sich daher so behandeln lassen, als ob er selbst gehandelt – respektive die angegriffenen Zeichen selbst verwendet – hätte.

Wer sich also auf so ein Konstrukt eines treuhänderischen Vertrags einläßt, der haftet eben auch für das, was sein "Geschäftspartner" auf der Domain veranstaltet.

Ferner verwies das Gericht darauf, daß die Haftungsprivilegierung des Admin-C hier gerade nicht greift. Denn der Beklagte war Domaininhaber, nicht "bloß" Admin-C.

Witzig dabei ist, daß der Beklagte sich selbst mit seiner "Strohmann-Funktion" herauszureden versuchte: Damit ist der tatsächlich Verantwortliche versteckt, also haftet der Strohmann.

> Denn durch die behauptete „Strohmann“-Funktion des Beklagten wird die Möglichkeit, das für den Internetseiteninhalt tatsächlich verantwortliche Unternehmen in Anspruch zu nehmen, erheblich beeinträchtigt. Indem der Beklagte sich vertraglich zur Registrierung des streitgegenständlichen Domainnamens verpflichtete – wobei offen bleiben kann, ob der als Anlage B 5 (Bl. 81 ff. d.A.) vorgelegte allgemein gehaltene Webdesignvertrag zwischen der B GmbH und dem Beklagten die hier streitgegenständliche Domain überhaupt betrifft – schuf er eine Gefahrenquelle, woraus ihm eine Verkehrssicherungspflicht erwächst, die er vorliegend verletzt hat.

Erst der Beklagte hat es durch sein Tun ermöglicht, diese "Gefahrenquelle" zu schaffen.

Die Kammer wußte aus anderen Verfahren, daß es auch Nachahmungen der Produkte des Klägers gibt. Deshalb sei bezüglich der Marke von einem "beträchtlichen wirtschaftlichen Wert" auszugehen. Deshalb sei die Verdoppelung der üblichen 50.000 Euro gerechtfertigt.

Sprich: Wer sich als "Strohmann" für ein anderes Unternehmen anwerben läßt und für das andere Unternehmen eine Domain registriert, der haftet auch für das, was das andere Unternehmen nun mit dieser Domain veranstaltet. Das kann im Zweifelsfall sehr teuer werden.

Von nun an ausschliesslich verschlüsselt - Letsencrypt-Client unter Windows stellt für alle Domains oder Subdomains, die von Server-Daten-Kunden genutzt werden, Zertifikate bereit

27.05.2018 23:52:17, Jürgen Auer, keine Kommentare

So, gestern zuckte das noch gewaltig. Aber nun ist es tatsächlich so weit:

Kunden von Server-Daten, die ihre eigene Domain oder eine Subdomain per Nameserver-Eintrag auf Server-Daten zeigen lassen, um ihre Datenbank unter der Domainadresse nutzen zu können, machen das ab sofort ausschließlich verschlüsselt.

Das gab es - nicht allzu häufig. In dem Maße, in dem sich die Verschlüsselung im Internet ausbreitete und Browser immer heftigere Warnungen anzeigen, wenn ein Nutzer auf einer unverschlüsselten Seite etwas eingibt, wechselten Kunden lieber zur verschlüsselten Server-Daten - Subdomain. Bei der ein Sternzertifikat *.server-daten.de dafür sorgt, daß der Zugriff auf jede beliebige Subdomain verschlüsselt erfolgt.

Aber Ende 2015 gab es mit Letsencrypt

https://letsencrypt.org/

die Möglichkeit, kostenlose Zertifikate zu bekommen. Und - viel wichtiger: Diese über das ACME-Protokoll automatisch zu beantragen, die Inhaberschaft über die Domain nachzuweisen und ein Zertifikat herunterzuladen. ACME steht für "Automatic Certificate Management Environment".

https://de.wikipedia.org/wiki/Automatic_Certificate_Management_Environment

Die Inhaberschaft über die Domain wird nicht (wie beim manuellen Beantragen von Zertifikaten) darüber nachgewiesen, daß eine Mail an webmaster@example.com oder eine ähnliche Adresse geschickt wird und der Antragsteller auf diesen Link klickt. Stattdessen wird unter

/.well-known/acme-challenge/

eine Datei mit einem von Letsencrypt vorgegebenen zufälligen und sehr langen Namen angelegt, deren Inhalt ebenfalls vorgegeben ist. Diese Datei holt sich Letsencrypt, wenn man mitgeteilt hat, daß man die zugeordnete Challenge durch das Zur-Verfügung-Stellen dieser Datei (http-01-Challenge) erfüllt hat.

Die Version 1 hatte noch gewisse Einschränkungen. U.a. wurden noch keine Wildcard-Zertifikate unterstützt, wie hier eines für *.server-daten.de verwendet wird.

Die Version 2 unterstützt auch Wildcard-Zertifikate. Für die Version 2 gab es ab Januar eine Testmöglichkeit, seit Ende März 2018 ist das bei Letsencrypt auch auf dem Produktivsystem drauf.

Einen Client hatte ich größtenteils schon im Februar entwickelt. Im April und Anfang Mai gab es aber andere Arbeiten. Nun folgte der Rest. Der Client hat inzwischen den Vorteil, daß die Aktionen nach Position gehen und alle Ergebnisse in eine Datei geschrieben werden. Gibt es irgendwo einen Abbruch, wird der Status in der Datei genutzt, um den letzten Schritt zu wiederholen.

Über Letsencrypt laufen inzwischen mehr als die Hälfte aller aktiven Zertifikate.

Meine längerfristige Vermutung ist, daß der Markt für kostenpflichtige Zertifikate größtenteils zusammenbrechen wird. Technisch ist ein langer Schlüssel notwendig, so laufen auf Server-Daten nur Zertifikate mit RSA-Schlüsseln mit einer Länge von 4096 Bit. Aber ob ein Zertifikat domainvalidiert oder per Extended Validation abgesichert ist, spielt für die technische Sicherheit der Verschlüsselung keine Rolle. Damit dürften den allermeisten Nutzern domainvalidierte Zertifikate genügen.

Die beiden derzeit noch genutzten Zertifikate für die www.sql-und-xml.de und *.server-daten.de sind noch bis zum Spätsommer 2019 gültig. Mal sehen, ob ich bis dahin auch mit diesen beiden Zertifikaten umziehen werde.

Der letzte Schritt der Zertifikatszuordnung zur Bindung ist aktuell noch nicht automatisiert. Da muß ich erst noch austüfteln, wie das am besten erledigt werden kann.

Die merkwürdigen Probleme, die es gestern noch gegeben hatte, ließen sich inzwischen auch lösen.

Wenn man per RSACryptoServiceProvider-Objekt ein neues Schlüsselpaar erstellt, das man für die Erstellung eines CertificateRequest-Objekts benötigt und das man beim zurückgegebenen Zertifikat bsp. aus einer Datei lädt und dem privaten Schlüssel zuordnet, dann speichert Windows den privaten Schlüssel gleich in einem nur für diesen Nutzer gedachten Sicherheitsbereich ab. Damit hat dieser Nutzer einen privaten Schlüssel. Aber der ist nicht für Zertifikate unter "Webhosting" verwendbar.

Man kann das lösen, indem man nach der Erzeugung des CertificateRequest-Objekts und dessen Wegsenden zu Letsencrypt diesen privat gespeicherten privaten Schlüssel explizit löscht:

> _RSA_DomainKey.PersistKeyInCsp = False
> _RSA_DomainKey.Clear()

Wirkung: Das Problem mit dem "Reparieren-Müssen" per

> Certutil -repairstore Webhosting Zertifikatsfingerabdruck

entfiel damit. Beim Import wurde angezeigt, daß der private Schlüssel bekannt ist. Und dieser ließ sich auch exportieren.

Die "berüchtigte Fehlermeldung" tauchte allerdings weiterhin auf. Die kann man dadurch lösen, daß man das Zertifikat nach der Zuordnung des privaten Schlüssels mit

> _byteArray = _x509.Export(X509ContentType.Pfx, "meinSupergeheimesPasswort")
> Speichern des _byteArray in einen FileStream
> Laden per New X509Certificate2(FileName, "meinSupergeheimesPasswort", X509KeyStorageFlags.Exportable Or X509KeyStorageFlags.MachineKeySet Or X509KeyStorageFlags.PersistKeySet)

einmal ausspeichert und wieder lädt. Das Flag X509KeyStorageFlags.Exportable scheint dem Anhaken von

> Allow this certificate to be exported

beim manuellen Import zu entsprechen. Beide Schritte zusammengenommen sorgen dafür, daß ein grade neu von Letsencrypt bereitgestelltes Zertifikat so unter Webhosting abgelegt wird, daß es ohne Fehlermeldung einer Bindung zugeordnet werden kann.

Man soll zwar eigentlich kein hartcodiertes Passwort im Code nutzen. Das ist hier aber irrelevant, da man die gespeicherte Datei auch sofort löschen kann. Es geht nicht um einen "richtigen Export" (bsp. für eine Sicherung), sondern darum, daß man eine .pfx-Datei so wieder importieren und das Exportable-Flag setzen kann.

Wenn Programmieren keinen Spass macht - A specific logon session does not exist - It may already have been terminated - 0x80070520

26.05.2018 23:55:50, Jürgen Auer, keine Kommentare
Hier wird angezeigt, daß der private Schlüssel existiert und zugeordnet ist. Beim Versuch, zu exportieren, steht aber: "Der dazugehörige private Schlüssel wurde nicht gefunden."

Ab und zu hatte ich schon mit Kunden das Phänomen, daß diese fragten, wann etwas soweit fertig sei. Und ich meinte, ich könne das nicht so richtig einschätzen. Woraufhin sich manche dies "überhaupt nicht vorstellen" konnten.

Nun gibt es - wieder einmal - ein treffend-schön-schauriges Beispiel dafür.

Im Januar hatte Letsencrypt die Version 2 des ACME-Protokolls auf dem dortigen Testsystem zur Nutzung freigegeben. Damit kann man kostenlos und automatisiert SSL-Zertifikate anfordern, bestätigen (per Dateihinterlegung auf der Website) und sich schließlich ein signiertes Zertifikat herunterladen.

Das installiert man lokal, bis man nach spätestens 90 Tagen ein neues braucht. Das sollte also automatisiert funktionieren. Sonst wird das bald sehr aufwendig.

Im Februar hatte ich mir das im wesentlichen angesehen, einen größtenteils funktionierenden Client geschrieben. Da klappte auch der letzte Schritt: Das Zertifikat so im MachineKeyStore ablegen, daß man das Zertifikat manuell der Website zuweisen kann.

Dann folgten andere eigene Arbeiten. Ende März aktivierte das Letsencrypt auch auf dem dortigen Produktivsystem.

Nun wollte ich das für die erste Kundensubdomain einbauen. Die läuft eigentlich auch über die Infrastruktur von Server-Daten. Aber die - nur lesende - Ausgabe war eben bis jetzt unverschlüsselt.

Was passierte? Der Code lief komplett durch. Das Zertifikat wurde scheinbar korrekt importiert. Aber beim Versuch, das Zertifikat manuell der Website zuzuweisen, gab es eine "berüchtigte Fehlermeldung":

> A specific logon session does not exist. It may already have been terminated - HRESULT 0x80070520

Der Fehler ist bei dem Thema SSL-Bindung berüchtigt. Allerdings: Der Code hatte im Februar noch problemlos funktioniert. Irgendwelche neuen Bugs müssen da wieder reingekommen sein. Das Problem trat sowohl auf meinem lokalen Arbeits-PC (Windows 10) als auch auf dem Webserver auf (Server 2012), wobei die Kommunikation mit Letsencrypt vom lokalen PC her lief und ich das Zertifikat hochkopierte. Es ging nur um den letzten Schritt: Die Zertifikatsantwort und den privaten Schlüssel zusammenfügen und das in Webhosting importieren.

Das Problem: Wenn man programmatisch ein SSL-Zertifikat beantragen möchte, benötigt man zunächst ein RSACryptoServiceProvider - Objekt, also eine Kombination aus privatem und öffentlichem Schlüssel. Das übergibt man dem CertificateRequest-Objekt, das nutzt den öffentlichen Schlüssel, um den eigentlichen CertificateRequest zu erstellen.

Bekommt man das Zertifikat von Letsencrypt zurück, packt man das in ein X509Certificate2 und koppelt über die X509Certificate2.PrivateKey-Eigenschaft den privaten Schlüssel des RSACryptoServiceProvider - Objekts wieder an das Zertifikat.

Dann - so die Theorie - kann man das in den Webhosting - CertificateStore packen und vom Webserver her verwenden. Das endete in der obigen Fehlermeldung.

Üblicher Kandidat: Der private Schlüssel fehlt. Den hatte ich aber - siehe das Bildschirmphoto. Warum funktionierte das trotzdem nicht?

Nach diversem Herumprobieren fiel auf: Versucht man, das Zertifikat in eine Datei zu speichern, gibt es nicht die Option, den privaten Schlüssel zu speichern. Denn:

> Der dazugehörige private Schlüssel wurde nicht gefunden.

Das eine Formular zeigt also an, daß es den privaten Schlüssel gibt. Das andere Formular kann den nicht finden. Na super. Daß dann auch der IIS nicht mit diesem "irgendwie beschädigten" Zertifikat klarkommt, ist nachvollziehbar. Für ein Webserver-Zertifikat wird natürlich der private Schlüssel benötigt.

Nach vielem Herumgesuche schließlich:

Certutil -repairstore Webhosting Zertifikatsfingerabdruck

Das führte dazu, daß nun beim Versuch, das Zertifikat zu exportieren, auch der private Schlüssel exportiert werden konnte. Sprich: "Irgendwie" waren Zertifikat und privater Schlüssel voneinander getrennt. Das Phänomen trat auf zwei verschiedenen Windows-Systemen auf, die "Quelle" für das Zertifikat war verschieden. Aber damit ließ sich das immerhin reparieren.

Allerdings: Die Bindung an den IIS funktionierte weiterhin nicht.

Es funktionierte nun aber:

1. Das reparierte Zertifikat mit dem privaten Schlüssel und allen erweiterten Eigenschaften exportieren.
2. Das Zertifikat im Webhosting-Zertifikatsspeicher löschen.
3. Das Zertifikat erneut importieren, dabei den privaten Schlüssel explizit als exportierbar anhaken.

Letzteres fand sich als Hinweis von 2012:

Error HRESULT: 0x80070520 when adding SSL binding in IIS

https://blogs.msdn.microsoft.com/kaushal/2012/10/07/error-hresult-0x80070520-when-adding-ssl-binding-in-iis/

Da gab es auch den Hinweis, daß man im System-Eventlog den zusätzlichen Fehler 0x8009030D findet.

> Schwerwiegender Fehler beim Zugriff auf den privaten Schlüssel der Server-Anmeldeinformationen für TLS. Der vom kryptografischen Modul zurückgegebene Fehlercode lautet 0x8009030D. Der interne Fehlerstatus ist 10001.

Sprich: Geplante Zeit für dieses Problem: 20 Sekunden, im Februar hatte das ohne Probleme funktioniert.

Tatsächlicher Zeitaufwand: Vielleicht so etwa 4 - 5 Stunden. Der Code vom Februar (Zertifikatsantwort und Schlüsselpaar zusammenfügen, in Datei speichern, die in Webhosting importieren) crashte. Die "Lösung" ist eigentlich absurd: Erst wird das importiert. Dann repariert. Dann exportiert und gelöscht. Dann wieder importiert - dann funktioniert alles. Nur weiß ich aktuell noch überhaupt nicht, ob sich das auch per Code machen läßt. Oder ob nicht das Problem nach dem nächsten Patchday wieder verschwindet.

Aber so lange will ich das eigentlich nicht liegen lassen.

Sprich: Praktisch habe ich das zwar nun "irgendwie" gelöst. Aber das erfordert erst recht manuellen Aufwand, so daß man womöglich noch einmal etwas Zeit benötigt, um das nun wirklich auf den Stand vom Februar bringen zu können.

Aber das ist eben das, was es beim Programmieren auch immer wieder gibt: Daß Konstellationen auftauchen, die sich "widersprechen", die eigentlich gar nicht gemeinsam auftreten können. Und daß man dann plötzlich einen Arbeitsaufwand von mehr als einem Tag hat. Mit dem Ergebnis einer Lösung, die nicht so wirklich zufriedenstellend ist.

Nun ist sie da - die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) - Ordnung statt Datenchaos und Datensilo - am besten mit einem freiwilligen Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten

25.05.2018 23:58:12, Jürgen Auer, keine Kommentare

So, es ist der 25.05.2018. Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung ist seit heute endgültig in Kraft getreten. Und siehe da: Die Welt dreht sich weiter.

Allerdings hatte ich mich in den letzten Wochen und Monaten mehr und mehr gewundert: Denn wenn man sich den tatsächlichen Gesetzestext
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Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zur Aufhebung der Richtlinie 95/46/EG (Datenschutz-Grundverordnung)

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32016R0679

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einmal durchliest und sich bsp. die

> Artikel 13
>
> Informationspflicht bei Erhebung von personenbezogenen Daten bei der betroffenen Person

2 * 6 = 12 Informationspflichten durchliest, auf die bei der Erhebung personenbezogener Daten hingewiesen werden muß: Dann ist das eine Liste, die man eben abarbeitet und auf der Website an einer geeigneten Stelle hinpackt. Vergleicht man die Liste mit den Punkten, die beim Impressum zu beachten sind, dann ist das durchaus überschaubar. Zumindest dann, wenn man auf der Website nicht tausend Tools von Drittanbietern eingebaut hat, die man jetzt erst einmal identifizieren und auflisten muß.

Kreuzt man das mit den Beispielen für

Kleine Unternehmen

https://www.lda.bayern.de/de/kleine-unternehmen.html

die sich inzwischen beim Bayerischen Landesdatenschutzbeauftragten findet, dann stellt man fest: In vielen der typischen Regelsituationen ist kein expliziter Datenschutzbeauftragter notwendig. Einfach deshalb, weil weniger als 10 Personen regelmäßig mit personenbezogenen Daten zu tun haben. Ein Verzeichnis ist beim regelmäßigen Umgang mit personenbezogenen Daten notwendig. Die mindestens 250 Mitarbeiter vom Artikel 30 DSGVO dürften für viele Unternehmen unrelevant sein, weil es eben regelmäßigen Umgang mit personenbezogenen Daten gibt. Für die Website mit Kontakt- und Bestellmöglichkeit braucht man eine Auftragsverarbeitung. Letztere gibt es aber bei hinreichend professionellen Anbietern per Download. Daß Mitarbeiter, die mit personenbezogenen Daten zu tun haben, auf den Datenschutz verpflichtet werden, ist eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit. Das war es dann auch schon im wesentlichen.

Angesichts dieser Daten wundert es mich doch, daß laut Umfragen (etwa BITKOM vom 17.05.2018 - 3 von 4 Unternehmen verfehlen die Frist der Datenschutz-Grundverordnung - https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/3-von-4-Unternehmen-verfehlen-die-Frist-der-Datenschutz-Grundverordnung.html ) Unternehmen nicht dazu in der Lage gewesen sind, das "einigermaßen rechtzeitig" umzusetzen:

24 % meinten, sie würden das bis heute vollständig umgesetzt haben. 32 % rechnen mit einer "Umsetzung größtenteils", 33 % mit einer teilweisen Umsetzung. Da wurden 500 Unternehmen in Deutschland befragt. Allerdings wurden nur Unternehmen ab 20 Mitarbeitern befragt. Was ich nun gar nicht repräsentativ finde. Schließlich ist die überwiegende Zahl der Unternehmen kleiner (ich meine, etwa 90 %).

Mir sieht das eher danach aus, daß in diversen dieser Unternehmen "Datenchaos" und eine Zettelwirtschaft (bzw. Excel-Wirtschaft) herrscht: Daß es zwar einerseits ein CRM oder irgendetwas in dieser Richtung geben mag. Daß es aber andererseits auch diverses an Excel-Listen oder an anderen, selbst kreirten Tools gibt. So nach dem Motto: "Das CRM ist mir zu umständlich, ich nutze lieber meine eigene Lösung". Quick and dirty - die Autonomie des Mitarbeiters ist alles. Aber ein Unternehmen kann nicht auf lauter isolierten dieser Datensilos basieren.

Genau dieses Datenchaos, bei dem Daten an verschiedenen Stellen und teils hochredundant rumliegen, heißt doch auch: Daten sind nicht gepflegt, veraltet. Die Unternehmensleitung weiß gar nicht, welche Daten im Unternehmen existieren. Stattdessen gibt es tonnenweise Datensilos. Und scheidet ein Mitarbeiter aus, verschwinden die Daten mit ihm. Weil ohnehin nur er sie hatte und er dann eben am Ende löscht.

Daß in so einem Unternehmen Panik ausbricht, wenn jemand wissen möchte, welche Daten zu ihm gespeichert sind: Das ist zu erwarten. Oder wenn jemand fordert, daß Daten von ihm gelöscht bzw. gesperrt werden, dann so ein Datensilo unberücksichtigt bleibt und erneut bsp. eine Nachricht rausgeht, die eigentlich nicht hätte rausgehen dürfen und eine Vertragsstrafe fällig wird. Das ist aber auch selbst verschuldet, weil diese Datensümpfe über Jahre hinweg gewachsen sind.

Die Folgerung? Unternehmen sollten sich grundsätzlich um eine ordentliche und gemeinsame Datenstruktur kümmern. Dann gibt es bestimmte Informationen nur an einer Stelle. Da läßt sich das berichtigen, falls die Daten falsch sind. Und es läßt sich sperren bzw. löschen, falls der Berechtigte sich mit einem entsprechenden Anspruch meldet. Die ganze "große Panik", die manche aktuell verbreiten, löst sich in Wohlgefallen auf.

Persönlich finde ich da übrigens das "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" eine Hilfe, die sich eigentlich jedes Unternehmen (egal, wie groß oder klein) freiwillig anlegen sollte. Dann weiß man nämlich, was wo abgelegt werden soll und was eben nicht in irgendwelchen Datensilos verschwinden darf. Das kann man gleich ergänzen. Bsp. um die Rechtfertigung für die Datenspeicherung. Dann hat man all diese Informationen zentral beieinander.

Ansonsten dürfte die DSGVO längerfristig eher zu einem Wettbewerbsvorteil führen. Ein so großer Wirtschaftsraum: In dem es nun einheitliche Regeln zu einem Thema gibt, bei dem die USA grade mit dem Thema Wahlbeeinflussung dank passender Facebook-Werbung ahnt. Daß das schrankenlosen Verfolgen von Nutzern womöglich dafür mitverantwortlich sein könnte.

Mal sehen, wie die nächsten Wochen und Monate verlaufen werden.

PS: Ich wurde nach Beispielen für ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" gefragt.

Der obige Link ( https://www.lda.bayern.de/de/kleine-unternehmen.html ) listet diverse Beispiele für kleine Unternehmen (Zahl der Mitarbeiter und ihre Tätigkeiten). Dann wird beantwortet: DSB notwendig, Verzeichnis notwendig usw. Falls ein Verzeichnis notwendig ist, gibt es ein Beispiel dafür. Das ist im Prinzip nur eine breite Excel-Tabelle.

Meine persönliche Empfehlung ist, da gleich die Rechtsgrundlage für die Speicherung (Artikel 6, Rechtmäßigkeit der Verarbeitung) zu ergänzen. Dann hat man das zusammen.

Ferner sind die "Kurzpapiere" unter

https://www.bfdi.bund.de/

sehr nützlich. Auffindbar, wenn man dort nach "Kurzpapier" sucht. Da werden gemeinsame Positionen der Datenschutzbeauftragten dargestellt. So ist der BITKOM der Meinung, daß bei EDV-Wartungsarbeiten keine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung notwendig sei. Ein Portal hält die Position zu diesem Thema für unklar. Das Kurzpapier leitet jedoch direkt aus dem Gesetz die Notwendigkeit für eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung ab -> also machen.

Die Macallan Whisky Distillery in der Speyside in Schottland - eine komplexe Stahl-Holz-Konstruktion als Dach mit Wiese drüber - verschluckt von der Landschaft - von Rogers Stirk Harbour + Partners - RSHP

24.05.2018 23:56:44, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wie baut man eine große Whisky Distillery? Noch dazu in Schottland? Als Klotz mitten in der Landschaft? So daß das ein Fremdkörper ist?

Oder geht das auch anders?

Die Planer von Rogers Stirk Harbour + Partners (RSHP) haben in der Speyside in Schottland, der Region um den Fluss Spey herum, für die Macallan Whisky Distillery ein neues Gebäude fertig gestellt.

Aber was ist das? Ein Gebäude? Oder ein achtes Weltwunder?
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rogers stirk harbour + partners completes macallan whisky distillery in scotland

https://www.designboom.com/architecture/rogers-stirk-harbour-partners-rshp-macallan-distillery-scotland-05-22-2018/

.
Graham Stirk:

> the macallan estate truly is a special place; a place we have come to love and respect hugely,’

Das Gebäude ist einerseits riesig. Andererseits wird es von der Landschaft geradezu verschluckt.

Der ganze Produktionsprozess ist wohl quasi am Stück angeordnet. Eine gewaltige Stahlkonstruktion ist mit unzähligen Holzstreben ausgefüllt, so daß sich innen eine Art Kassettendecke ergibt. Drüber ist das - mit einigen Schichten Erde und Rasen abgedeckt.

Die Herausforderung:

> ‘as the macallan has grown globally it has been very important that we make sure we can sustain demand for this wonderful amber liquid,’

Das Unternehmen wächst wohl weltweit. Wie kann man so große Whisky-Mengen in gleichbleibender Qualität herstellen?

> ‘we’ve taken exceptional care in making sure that the spirit that is produced in the new distillery is identical to the spirit that we produced in our previous distillery. this is the beginning of a really exciting new chapter in the evolution of this wonderful brand that is the macallan.’

Das Gebäude hat unten teils erhebliches an Technik. Unzählige Röhren. Drüber diverse Kessel, bsp. in Kreisform angeordnet. Und über all dem diese Kassettendecke.

Die drei Videos lassen sich nicht direkt auf Vimeo, sondern nur im Beitrag ansehen

Das erste Video enthält teils Ansichten von der Baustelle per Zeitraffer.

Das zweite zeigt die teils immensen logistischen Probleme. So sind die Kessel so groß, daß sie teils nur zerlegt zur Baustelle gebracht werden konnten. Und dann war die Last immer noch so groß, daß der Transporter kaum auf die Straße paßte. Dann mußten diese großen Objekte im Gebäude eingebaut werden.

Das dritte Video zeigt einiges zur Dachkonstruktion. Einerseits Holz als uraltes, natürliches Material. Andererseits modernste Entwicklungs- und Konstruktionsprozesse, um die unzähligen benötigten Einzelteile für dieses langgestreckte Dach zu erstellen.

In dem Video sieht man auch, daß die Stahlkonstruktion quasi wie Brückenpfeiler wirkt. Die Holzteile sind dann so dazwischengespannt, daß die Stahlkonstruktion nur den Rand von so einem "Hügel" bildet. Der gesamte eigentliche Hügel scheint komplett aus Holz konstruiert zu sein. Da gibt es immer wieder einzelne Bilder dazwischen, die Teile der Stahlkonstruktion auf dem "Unterbau" aus Beton für den Boden und die Ebene drüber zeigen.

Es sei das komplexeste Gebäude, das sie jemals gebaut hätten. A building for the future.

Auf der Seite von Macallan

https://www.themacallan.com/en/the-distillery

gibt es weitere Bilder. Das liegt im Norden von Schottland, etwa 240 Kilometer nördlich von Edinburg.

Auf der Website

Macallan

https://www.whisky.de/flaschen-db/brennereien/details/macallan.html

finden sich Bilder von der bisherigen Brennerei. Die ist geradezu "niedlich klein" im Vergleich zu dieser neuen Kathedrale der Industriearchitektur.

OLG Karlsruhe: Folge von SEPA - Kunde in Deutschland muss per Lastschrift mit Konto aus Luxemburg zahlen können - freie Wahl des Kontos im Euro-Raum - vzbv gegen Pearl bestätigt - 4 U 120/17

23.05.2018 23:56:32, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat ein interessantes Konto zum Thema SEPA - Single Euro Payments Area - erstritten bzw. konnte die bisherige Entscheidung des LG Freiburg (6 O 76/17) nun auch beim OLG Karlsruhe bestätigen:

Die "Single Euro Payments Area" bedeutet auch: Bietet ein Dienstleister Lastschrift an, so kann er von einem Kunden aus Deutschland nicht fordern, daß dieser ein Konto aus Deutschland zum Lastschrifteinzug nennt. Hat der Kunde ein Konto im SEPA-Raum - etwa in Luxemburg -, dann muß es auch möglich sein, daß er dieses Konto angibt und die Lastschrift von dort her eingezogen wird.
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Online-Versand darf Konto im EU-Ausland nicht ablehnen

https://www.vzbv.de/pressemitteilung/online-versand-darf-konto-im-eu-ausland-nicht-ablehnen

Das Urteil eingescannt als PDF: PEARL GmbH: Urteil des OLG Karlsruhe | Urteil vom 20.04.2018 | Az. U 8376-5

https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2018/05/22/pearl_gmbh_olg_karlsruhe_u_8376-5.pdf

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Die zentralen Punkte:

> In Deutschland wohnender Kunde konnte nicht per Lastschrift von seinem Luxemburger Konto zahlen.
> SEPA-Verordnung ermöglicht freie Wahl des Kontos innerhalb des Euro-Raums.
> OLG Karlsruhe: SEPA-Verordnung dient auch dem Verbraucherschutz.

Der konkrete Fall: Ein Kunde aus Deutschland wollte online etwas beim Internethändler Pearl bestellen. Der Versuch, die Luxemburger Kontonummer einzugeben, scheiterte bereits an einer Fehlermeldung. Der Support:

> „Bei Kunden, deren Wohnsitz in Deutschland ist, ist es uns leider nicht möglich, von einem ausländischen Bankkonto abzubuchen.“

Der entsprechende Abschnitt Artikel 9, Absatz 2:

Verordnung (EU) Nr. 260/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. März 2012 zur Festlegung der technischen Vorschriften und der Geschäftsanforderungen für Überweisungen und Lastschriften in Euro und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 924/2009

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32012R0260

> Artikel 9
>
> Zugänglichkeit von Zahlungen
>
> (1) Ein Zahler, der eine Überweisung an einen Zahlungsempfänger vornimmt, der Inhaber eines Zahlungskontos innerhalb der Union ist, gibt nicht vor, in welchem Mitgliedstaat dieses Zahlungskonto zu führen ist, sofern das Zahlungskonto gemäß Artikel 3 erreichbar ist.
>
> (2) Ein Zahlungsempfänger, der eine Überweisung annimmt oder eine Lastschrift verwendet, um Geldbeträge von einem Zahler einzuziehen, der Inhaber eines Zahlungskontos innerhalb der Union ist, gibt nicht vor, in welchem Mitgliedstaat dieses Zahlungskonto zu führen ist, sofern das Zahlungskonto gemäß Artikel 3 erreichbar ist.

Hier war der Absatz (2) strittig. Der Zahlungsempfänger wollte nicht von einem Luxemburger Konto einziehen. Interessant ist allerdings, daß auch die Umkehrung gilt: Wer eine Überweisung an einen Empfänger vornimmt, der in der EU wohnt, kann nicht verlangen, daß dieser ein inländisches Konto hat, sofern dieser ihm ein Konto im SEPA-Raum nennt.

Bei dem Verfahren hatte die beklagte Pearl GmbH vor allem die Klagebefugnis des vzbv bestritten. Das Ziel der SEPA-Verordnung sei die Schaffung eines integrierten Marktes für grenzüberschreitende Zahlungen in Euro, nicht der Verbraucherschutz. Dem folgte das Gericht nicht. Die Verordnung solle den EU-Zahlungsverkehr erleichtern, das diene unmittelbar dem Verbraucherschutz.

> „Das Gericht hat damit unsere Klagebefugnis bei derartigen Verstößen gegen die SEPA-Verordnung ausdrücklich anerkannt“, erläutert Jana Brockfeld vom vzbv. „Das ist wichtig, weil es Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht zumutbar ist, wegen einer abgelehnten Zahlung vor Gericht zu ziehen.“

Das Urteil ist für viele "Grenzpendler" wichtig, die in Deutschland wohnen, aber in einem europäischen Nachbarstaat arbeiten. Diese haben oft Konten im europäischen Nachbarstaat, also nicht mehr in Deutschland.

Revision zum Bundesgerichtshof wurde wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen. Der Streitwert wurde für das Berufungsverfahren auf 15.000 Euro festgesetzt. Im landgerichtlichen Verfahren ging es um 214 Euro Kostenerstattung und einen Unterlassungsanspruch.

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Technische Anmerkung: Im eingescannten Urteil steht links oben und auf allen Folgeseiten das Aktenzeichen 4 U 120/17. Das findet sich auch unten vor dem Block mit den Links:

> Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 20.04.2018, Az. 4 U 120/17 – nicht rechtskräftig

Der Block mit dem Link nennt dagegen U 8376-5 als Aktenzeichen. Das steht auch handschriftlich auf dem Urteil rechts oben.

Die ultimative Elevator-Liste - Fahrstühle aus der Welt, in denen es einem nicht langweilig, aber womöglich schwindelig wird

22.05.2018 23:52:19, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ein Aufzug, ein Elevator im Hotel, im Hochhaus: Rein, den Knopf drücken, warten, aussteigen. Aber könnte das auch anders gehen? Oder müssen alle Fahrstühle immer gleichartig aussehen?

BoredPanda hat eine lustige Liste aus der halben Welt zusammengestellt. Teils mit verblüffenden Design-Lösungen: Knöpfe oder auch Notknöpfe, die sich mit den Füßen bzw. von gefallenen Personen bedienen lassen.

Teils nur für Schwindelfreie gedacht. Und noch so einiges mehr.
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20+ Times Elevators Surprised People With Genius Design Solutions

https://www.boredpanda.com/creative-elevators/

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Wie üblich für BoredPanda: Die Reihenfolge kann sich durch Votings immer mal ändern.

#1: Der Fahrstuhl im World Trade Center zeigt die historische Entwicklung des "wachsenden New York".

Bei #2 wurde ein großes Poster mit einem "zeigenden antiken Herrn" geschickt angebracht, so daß er auf den Fahrstuhlknopf zeigt.

#3 ist der AquaDom hier in Berlin im DomAquarée. Ein Zylinder mit einem Fahrstuhl innen. Drumherum ein gläsernes Aquarium. 16 Meter Höhe, 11,5 Meter Durchmesser, etwa 1500 Fische in etwa einer Million Liter Wasser (Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/AquaDom ).

#4 könnte manchmal wirklich sinnvoll sein. Ein zusätzlicher Alarmknopf mit Sprechanlage knapp über dem Boden. Wer hingefallen ist und nicht wieder hoch kommt, kann so Hilfe herbeirufen. Ähnlich #6 mit Knöpfen, die mit den Füßen bedient werden können.

Was macht man eigentlich, wenn ein Fahrstuhl ausgefallen ist? Ein langweiliges "Außer Betrieb"? Oder so etwas?

You are welcome to:

- hide in it
- read in it
- sing in it
- do yoga in it
- study for the bar exam in it

But you cannot

- Go up and down in it

Man kann sich drin verstecken, lesen, singen, Yoga machen, studieren - nur hoch- und runterfahren geht grade nicht. In einem Hyatt gab es diese schöne Variante.

Mit #7 beginnen verschiedenste ungewöhnliche Designs. Nicht die kahlen Metalltüren, sondern scheinbar Schränke zum Aufklappen. Oder #8 - eine Police Public Call Box, #9 - ein Winter Wonderland. Und statt der langweiligen Beschriftung 1000 kg / 13 Persons läßt sich das umrechnen:

2000 Regenschirme - 5 Seelöwen - 9823 Schnapsgläser - 250 Gitarren - 83.333 2-Pfund-Münzen - 1533 iPads - 200 Katzen. Also würden auch lässig 2 Seelöwen und 100 Katzen reinpassen.

#11 zeigt ein historisches Modell aus St. Petersburg:

Steam Powered Elevator, St Petersburg, Russia(11/37)

https://www.boredpanda.com/steam-powered-elevator-st-petersburg-russia/

#13 fordert den Benutzer auf, die Treppe zu verwenden: Push yourself, not the button. Please take the stairs, if you are able. Every elevator ride uses enough energy to recharge your cellphone.

#12 / #14 sind ungewöhnliche Innengestaltungen, #16 ist verblüffend: Da ist der Knopf 30 Fuß (= 9,1 Meter) entfernt von der Tür angebracht. Ein Hotel in Odessa (#17) wechselt täglich den Teppich und zeigt den Wochentag an. #18 zeigt den "Füllstand" durch ein teilweise farbig gefülltes Männchen an. In Osaka gibt es einen Fahrstuhl, der anzeigt, ob es draußen grade regnet (#19). Und wer bei 56 Stockwerken nicht weiß, wo er hin soll: Der wählt den Zufallsbutton aus.

Dann folgen diverse weitere ungewöhnliche Gestaltungen. Eine Ausnahme:

This Elevator Wants You To Do Your Math(22/37)

https://www.boredpanda.com/this-elevator-wants-you-to-do-your-math/

Da heißen die Buttons nicht 1 - 6, sondern enthalten Rechenaufgaben.

Wobei ich persönlich bislang nur die Standard-Aufzüge kenne. Die Knöpfe unten scheinen mir allerdings eine durchaus sinnvolle Idee zu sein.

Thunderstorm Photography - dramatische Sturmwolken - aufgenommen vom Cockpit im Flugzeug über den Wolken - von Christiaan van Heijst

21.05.2018 23:54:43, Jürgen Auer, keine Kommentare

Unsereiner kennt ja Wolken normalerweise nur von unten. Und wenn das Wetter schlecht ist, dann bin zumindest ich eher in der Wohnung, was den Blick nach draußen zwangsläufig erst recht einschränkt.

Aber wie wäre das, wenn man von oben auf Gewitterwolken blicken würde? In einem Flugzeug gibt es diese Perspektive. Noch dazu im Cockpit, als Pilot oder Copilot. Damit nicht nur einmal, als fliegender Kunde. Sondern regelmäßig. Was auch bedeutet: Es gibt viele Gelegenheiten, solche Photos "über den Wolken" zu machen und die besten davon auszuwählen.

Der Niederländer Christiaan van Heijst ist als Pilot unterwegs. Aktuell 34 Jahre alt, fliegt er seit seinem 18. Lebensjahr. Ab zwanzig erst mit einer Fokker für etwa 2,5 Jahre. Dann eine Boeing 737, etwa 4,5 Jahre. Mit 27 Jahren ging es weiter zur Boeing 747-400. Aktuell fliegt er noch die Boeing 747-8.

Hinzu kam die Photographie, wobei ihm vor allem das Licht in allen möglichen Varianten begeistert.
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Pilot Reveals How Dramatic Thunderstorms Look From Above the Clouds

https://mymodernmet.com/christiaan-van-heijst-weather-photography/

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Die Flughöhe liegt bei etwa 32.000 Fuß, das sind 9753 Meter, also knapp 10 Kilometer. Da ist man über den Wolken und sieht diese aus einer extremen Vogelperspektive.

Interessant ist der Satz:

> In the distance, we see an illuminated city below, seemingly unaware of the phenomena going on above it.

Eine Stadt in der Entfernung. Die nichts von dem Spektakel weiß, das grade über ihr passiert.

Manche Aufnahmen seien einfach dramatisch. Andere zeigen unglaubliche Wolkenformationen. Manchmal gelingen ihm auch Aufnahmen von Nordlichtern.

Mehr davon gibt es auf seiner Website:

JPC van Heijst

https://jpcvanheijst.com/

Dort finden sich bsp. unter der Rubrik

Weather, clouds and Northern Lights

https://jpcvanheijst.com/portfolio/weather-and-clouds

diverse Bilder zum Durchklicken.

Unter

About the photographer

https://jpcvanheijst.com/about-the-photographer

fanden sich die oben genannten Daten.

Ferner eine Rubrik

Travel Photography

https://jpcvanheijst.com/portfolio/travel-photography

U.a. mit Bildern aus Hongkong, von den dortigen, eng beieinanderstehenden Hochhäusern ein Blick nach oben.

Und drei Bilderserien aus Nordkorea. Bilder, die man sonst wohl kaum sehen dürfte.

AROS - historischer Brunnen am Plaza Loreto in Mexico City wird mit Holzverschalung und Netzen zur Spielwiese für Kinder - erster Preis beim Urban Toys Competition für das PALMA-Studio

20.05.2018 23:54:34, Jürgen Auer, keine Kommentare

Historische Gemäuer sind ja durchaus faszinierend. Aber leider auch manchmal etwas steril. Läßt sich da - zumindest zeitweilig - etwas daran ändern?

In Mexico City gab es einen Wettbewerb mit dem "sprechenden Titel" Urban Toys Competition. Den ersten Preis bekam das PALMA-Studio für die - temporäre - Neugestaltung eines historischen Brunnens auf dem Plaza Loreto.

Dessen steinerner Rand wurde mit zwei Ringen aus Sperrholz-Verschalungen umgeben. Die nicht eben sind, sondern von unten nach oben und wieder nach unten gehen. So daß sich zwei Kreisbahnen ergeben - mit viel Platz zum Rennen.

Das Wasser wurde teils mit einem Gitternetz aus Seilen überspannt. Zur Brunnenmitte senkt sich dieses Netz aber ab und ist offen.

Effekt: Kinder können sich an den Seilen zur Mitte durchhangeln, stehen dort auf dem Brunnenboden und passen dann wieder unter den Seilen durch.
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palma studio creates pop-up playground inside a historic fountain in mexico city

https://www.designboom.com/architecture/palma-fountain-aros-mexico-city-05/

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> it was the winning proposal for the ‘urban toys’ competition, commissioned by laboratorio para la ciudad and the mexico city government with the objective of ‘developing a sort of temporary playground in the historical center of the city, specifically in loreto square.’

Dafür gab es den ersten Preis. Das Ziel des "Urban Toys" - Wettbewerbs: Eine Art von temporärem Spielplatz in der historischen City zu kreieren.

Die Struktur wurde in die Grenzen des historischen Brunnens eingesetzt. Damit wurde das, was ohnehin an wohl täglicher Brunnennutzung existierte, aufgegriffen und "verziert", verschönert.

Auf der Seite des Studios

http://www.palmaestudio.com/

läßt sich der Eintrag leider nicht direkt verlinken. Das ist aktuell das mittlere Bild in der oberen Reihe. Da findet sich ein interessanter Text:

> The project uses two circular ramps with opposite slopes which result in playful level variations. Together with the water element and the net, these obstacles produce moments of moderate risk which encourage interaction and dynamic play. The concentric nature of the proposal also creates a series of thresholds which can be real or imaginary. Access to the first ring is open at the lowest point. However, in order to get to the second ring, the child must walk at least a quarter of the way around the circle or go through a tunnel. From here, the child must overcome the third obstacle; the water and net. All these layers, thresholds and observations point are great for made-up rule play and socio-dramatic games. The ramps temporarily envelop the fountain which creates a sensory experience when the fountain is on but can also be used as a dry game.

Zwei Rampen / Kreise mit gegenläufigen Schrägen. Zusammen mit dem Wasser und dem Netz ergibt das Momente mit einem geringen Risiko, die zur Interaktion einladen. Man kommt über einen niedrigen Punkt des äußeren Kreises rein. Will man zum inneren Ring, muß man mindestens eine Viertelumrundung bewältigen. Dann muß das Kind das dritte Hindernis überwinden - das Wasser und das Netz. All diese Schichten, Schwellen und Aussichtspunkte sind wunderbar dafür geeignet, zu spielen.

Man sieht das schön auf den Bildern: Ein Mädchen sitzt auf einem Hüpfball und hüpft wohl am inneren Kreis entlang. Andere sitzen am Rand des inneren Kreises, die Füße durch das Netz. Und sehen, was die machen, die sich über das Netz zur Brunnenmitte getraut haben.

Auf der Website des Studios gibt es ein Bild vom Brunnen, das bei Designboom fehlt: Da sieht man den steinernen Brunnenrand. Die Sperrholzverschalung steht auf Ständern und verdoppelt den Brunnenrand ungefähr in der Höhe.

Das eingebundene Video funktionierte bei mir nicht. Direkt auf Vimeo:

palma fountain in mexico city

https://vimeo.com/270138836

Da sieht man schön, wie diese Struktur drumherum genutzt wird.

Ein älterer Artikel bei Archdaily vom 26.10.2017:

"Urban Toys" Designed to Reactivate Underused Public Spaces in Mexico City

https://www.archdaily.com/882364/urban-toys-designed-to-reactivate-underused-public-spaces-in-mexico-city

Demnach war es ein Ziel des Wettbewerbs, wenig genutzte öffentliche Plätze in Mexico City zu reaktivieren. Sprich: Der Brunnen sieht zwar schön historisch aus, wurde aber wohl kaum für solche Zwecke genutzt.

Der Wettbewerb war wohl schon im letzten Jahr. Nun dürfte das realisiert worden sein. Wenn man die Nutzung sieht, kann man den dortigen Kindern eigentlich nur wünschen, daß das nicht nur ein paar Wochen so bleibt.

Bundesfinanzhof: Vermieter kann nicht auf Steuerfreiheit bei Vermietung an Pauschallandwirt verzichten - Gegenposition zu Abschnitt 9.2 Absatz 2 UStAE - Vorschaltmodell kommt nicht mehr in Betracht - V R 35/17

19.05.2018 23:51:41, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Bundesfinanzhof hat am 16.05.2018 ein Urteil vom 01.03.2018 veröffentlicht, das weitreichende Folgen für Landwirte haben dürfte. Insbesondere stellt sich der Bundesfinanzhof gegen den Abschnitt 9.2 Absatz 2 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses (UStAE), der diese Praxis ausdrücklich billigte. Damit hatten bis jetzt auch Finanzämter in einer Art und Weise solche Modelle gebilligt, wie das nun nicht mehr möglich sein dürfte.
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Pressemitteilung: BFH versagt Gestaltungsmodell in der Landwirtschaft die Anerkennung - Urteil vom 1.3.2018 V R 35/17

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=36446&pos=0&anz=25

Das Urteil: BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.3.2018, V R 35/17 - ECLI:DE:BFH:2018:U.010318.VR35.17.0

Kein Verzicht auf Steuerfreiheit bei Vermietung an Pauschallandwirt

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=25&pos=0&nr=36452&linked=urt

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Der Leitsatz aus dem Urteil:

> Verpachtet ein Unternehmer ein Grundstück an einen Landwirt, der seine Umsätze gemäß § 24 Abs. 1 UStG nach Durchschnittssätzen versteuert, kann der Verpächter nicht auf die Steuerfreiheit seiner Umsätze nach § 9 Abs. 2 Satz 1 UStG verzichten (entgegen Abschn. 9.2 Abs. 2 UStAE).

Den Umsatzsteuer-Anwendungserlass gibt es in der aktuellen konsolidierten Fassung unter

Umsatzsteuer-Anwendungserlass

https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Steuern/Steuerarten/Umsatzsteuer/Umsatzsteuer_Anwendungserlass/umsatzsteuer_anwendungserlass.html

Dort gibt es als Download ein aktuell 756 Seiten umfassendes PDF. Abschnitt 9.2, Absatz 2 UStAE findet sich auf Seite 388.

Der Fall (aus der Pressemitteilung):

> Im Streitfall hatte der Kläger einen Rinderboxenlaufstall mit Melkkarussell sowie einen Kälberaufzuchtstall errichtet und an eine zusammen mit seiner Frau gebildete Gesellschaft bürgerlichen Recht (GbR) verpachtet. Die GbR betrieb Landwirtschaft und wendete auf ihre Umsätze gemäß § 24 Abs. 1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) sog. Durchschnittssätze an. Als Pauschallandwirtin war sie zugleich zu einem fiktiven Vorsteuerabzug in Höhe der Umsatzsteuer berechtigt, so dass für sie keine Steuerschuld entstand. Aufgrund dieser Sonderregelung war sie allerdings aus tatsächlichen Leistungsbezügen nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt.

"Pauschallandwirt" heißt, daß auf die Leistungen ein besonderer Umsatzsteuersatz, der Durchschnittssatz, aufgeschlagen wird. Die so vom Landwirt vereinnahmte Steuer wird aber nicht an das Finanzamt abgeführt. Stattdessen soll dieser zusätzliche Erlös die Belastung durch die Umsatzsteuer ausgleichen, die andere Unternehmer dem Landwirt als Vorsteuer berechnet haben (nach https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/bemerkungen-jahresberichte/jahresberichte/2015/teil-iii-einzelplanbezogene-entwicklung-und-pruefungsergebnisse/allgemeine-finanzverwaltung/2015-bemerkungen-nr-81-ungerechtfertigte-vorteile-fuer-landwirte-bei-der-umsatzsteuer-vermeiden ).

Der Fall weiter aus der PM:

> Der Kläger erklärte in Übereinstimmung mit der Auffassung der Finanzverwaltung (Abschn. 9.2 Abs. 2 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses) gemäß § 9 Abs. 2 UStG den Verzicht auf die Steuerfreiheit seiner Verpachtungsleistungen; denn nur bei Steuerpflicht seiner Leistungen kann er den Vorsteuerabzug aus der Errichtung der verpachteten Gegenstände geltend machen. In Kombination mit der Vorsteuerpauschalierung bei der GbR wäre das sog. Vorschalten einer Verpachtung insoweit vorteilhaft, als eine bei der GbR nicht abziehbare Vorsteuer aus den Errichtungskosten nun für den Kläger abziehbar sein sollte.

Damit konnte der Kläger die Vorsteuer, die in der Errichtung der verpachteten Gegenstände enthalten war, gegen die eigenen Umsatzsteuereinnahmen aufrechnen.

Dann gab es (laut Urteil) eine Außenprüfung. Da meinte das Finanzamt, daß der Kläger zwar zum Vorsteuerabzug berechtigt sei, aber mit der GbR ein unübliches Entgelt vereinbart habe. Deshalb sei die Mindestbemessungsgrundlage anzuwenden.

Dagegen Einspruch, dann Klage. Das Finanzgericht entschied, daß die Leistungen des Klägers an die GbR steuerfrei seien. Mit der Begründung (Urteil):

> Unter Beachtung der unionsrechtlichen Vorgaben aus Art. 13 Teil C der Sechsten Richtlinie 77/388/EWG des Rates vom 17. Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Umsatzsteuern – Gemeinsames Mehrwertsteuersystem: einheitliche steuerpflichtige Bemessungsgrundlage (Richtlinie 77/388/EWG) sei bei Anwendung von § 9 Abs. 2 UStG von einer Verwendung ohne Recht auf Vorsteuerabzug auszugehen, so dass der Kläger auf die Steuerfreiheit nicht habe verzichten können. Auf die Höhe des Pachtentgelts komme es nicht an. Eine Verböserung des Steuerbescheides komme im finanzgerichtlichen Verfahren nicht in Betracht.

Dagegen Revision des Klägers. Das Finanzamt beantragte, die Revision zurückzuweisen. Mit der Begründung:

> Die Klage sei aus anderen Gründen als denen des FG-Urteils unbegründet. Entscheidend sei die Anwendung der Mindestbemessungsgrundlage.

Die Entscheidung des BFH:

> Die Revision des Klägers ist aus anderen als den geltend gemachten Gründen begründet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Sache an das FG zurückzuverweisen (§ 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung --FGO--). Zwar hat das FG zutreffend entschieden, dass die Voraussetzungen für einen Verzicht nach § 9 Abs. 2 UStG nicht vorliegen, wenn die Vermietung oder Verpachtung an einen Pauschallandwirt erfolgt, dessen Umsätze § 24 Abs. 1 UStG unterliegen. Das FG hat aber keine hinreichenden Feststellungen zum Umfang der Steuerfreiheit nach § 4 Nr. 12 UStG getroffen.

Entscheidend ist hier der genaue Wortlaut von

Umsatzsteuergesetz (UStG) - § 9 Verzicht auf Steuerbefreiungen

https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__9.html

> (2) Der Verzicht auf Steuerbefreiung nach Absatz 1 ist bei der Bestellung und Übertragung von Erbbaurechten (§ 4 Nr. 9 Buchstabe a), bei der Vermietung oder Verpachtung von Grundstücken (§ 4 Nr. 12 Satz 1 Buchstabe a) und bei den in § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchstabe b und c bezeichneten Umsätzen nur zulässig, soweit der Leistungsempfänger das Grundstück ausschließlich für Umsätze verwendet oder zu verwenden beabsichtigt, die den Vorsteuerabzug nicht ausschließen.

Ein Vermieter kann also auf die Steuerfreiheit seiner Mietzahlungen freiwillig verzichten. Aber nur dann, wenn der Mieter das Grundstück für Umsätze verwendet, aus denen sich eine Berechtigung zum Vorsteuerabzug ergibt.

Das war hier nicht der Fall, da die GbR als Pauschallandwirt keine entsprechenden Umsätze erzielte. Die RN 17 des Urteils:

> Pauschallandwirte, die ihre Umsätze nach § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 UStG versteuern, verwenden das von ihnen gemietete oder gepachtete Grundstück i.S. von § 9 Abs. 2 Satz 1 UStG für Umsätze, die den Vorsteuerabzug ausschließen. Dies ergibt sich aus dem Verbot des "weiteren" Vorsteuerabzugs nach § 24 Abs. 1 Satz 4 UStG. Hierdurch schließt das Gesetz einen leistungsbezogenen Vorsteuerabzug aus, wie ihn § 9 Abs. 2 Satz 1 UStG voraussetzt.

Allerdings hatte das Finanzgericht nicht geklärt, ob die Vermietung von Maschinen und Geräten steuerpflichtig sei.

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Einerseits finde ich das Urteil nachvollziehbar. Andererseits verblüfft mich, daß es wohl seit etwa 2010 innerhalb des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses die genau gegenteilige Feststellung gab. Dort steht (Quelle obiges PDF) (mit "Option" ist der Verzicht auf die Steuerbefreiung der Verpachtung gemeint):

> Die Option ist unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 auch dann zulässig, wenn der Leistungsempfänger ein Unternehmer ist, der seine abziehbaren Vorsteuerbeträge nach Durchschnittssätzen berechnet (§§ 23, 23a UStG), seine Umsätze nach den Durchschnittssätzen für land- und forstwirtschaftliche Betriebe versteuert (§ 24 UStG), Reiseleistungen erbringt (§ 25 UStG) oder die Differenzbesteuerung für die Umsätze von beweglichen körperlichen Gegenständen anwendet (§ 25a UStG).

Dort sind also die Pauschallandwirte, die die Umsätze nach den Durchschnittssätzen für land- und forstwirtschaftliche Betriebe versteuern, explizit genannt. Das scheint auch sehr weit verbreitet zu sein. Aus der PM:

> Nach Angaben des Bundesrechnungshofs wenden über 70 % der Landwirte in Deutschland die Sonderregelung nach § 24 Abs. 1 UStG an. Aufgrund des Urteils des BFH kommt für sie --ebenso wie bei nicht zum Vorsteuerabzug berechtigten Banken und Sparkassen-- der Einsatz sog. Vorschaltmodelle nicht mehr in Betracht.

Da dürfte es diverse analoge Fälle geben, bei denen nun alle noch offenen Steuersachen geändert werden dürften.

Wenn im PC-Dauerbetrieb zu FireFox der Adblocker uBlock origin plötzlich deaktiviert wird: Lösung: Automatische Aktualisierung von uBlock origin deaktivieren

18.05.2018 23:40:39, Jürgen Auer, keine Kommentare
Extras - Addons bzw. Strg+Umschalt+A: Alle Addons auf manuelle Aktualisierung umstellen.

Wiederholt hatte ich in den letzten Monaten ein durchaus lästiges Problem. Ich nutze meinen Windows-10 - PC im Dauermodus. Meint: Ich fahre den PC bei Pausen und am Abend nicht runter, sondern ich schicke ihn nur in den Ruhezustand.

Schon im Normalmodus sind bei mir diverse Anwendungen mit Fenstern offen: Word, Excel, Seiten mit Quellcode, Pegasus als Mailprogramm, zwei Browser mit drei oder vier Fenstern. Die Zahl der offenen Tabs liegt oft im mittleren zweistelligen Bereich. Im besten Fall läuft der PC von einem Patchday bis zum nächsten Patchday ohne Neustart durch. Nach einer Pause kann man so dort weitermachen, wo man aufgehört hat.

Aber dabei gab es wiederholt ein lästiges Problem: Plötzlich funktionierte der von mir genutzte Adblocker uBlock origin im FireFox nicht mehr. Dazu kam: Das Icon in der Symbolleiste war verschwunden.

Angesichts dessen, was bsp. bei Zeitungen an Werbung drauf ist, ist das sehr schlecht. Bei allem Respekt davor, daß Zeitungen Geld verdienen wollen: Aber wenn ich etwas lese, dann brauche ich weder automatisch startende Videos noch irgendwelche animierten GIFs, die um meine Aufmerksamkeit buhlen. Das Ausblenden funktionierte dann immer nicht.

Varianten der Deaktivierung und Reaktivierung klappten auch nicht. Bei einem FireFox-Neustart funktionierte der Adblocker wieder. Aber den wollte ich ja grade vermeiden. Blieb nur der Wechsel zu Chrome, da funktionierte der Adblocker weiterhin.

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Irgendwann gab es die Beobachtung: Zu uBlock origin gibt es eine Seite Einstellungen, die auf eine Seite der Form

moz-extension://sehr-lange-Zufallszeichenfolge/dashboard.html

führte. Immer, wenn der Adblocker plötzlich nicht mehr funktionierte, blieb dieses Dashbord komplett weiß.

Damit die Vermutung: Wenn sich der Adblocker automatisch aktualisiert, dann wird diese Zufallszeichenfolge geändert, aber nicht im FireFox ausgetauscht. FireFox greift noch auf die alte Version zurück, aber die gibt es nicht mehr. Also funktioniert der Adblocker nicht mehr und das Icon fehlt.

Dann fiel auf, daß das oft im Zusammenhang mit einem FireFox-Update auftrat. Erst gibt es zu FireFox eine neue Version. Dann gibt es - ein oder zwei Tage später - zu uBlock origin eine neue Version. Ab dann funktioniert der Adblocker nicht mehr.

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Folglich beim letzten Patchday nach dem FireFox-Aktualisieren einmal die Seite

about:addons

aufgerufen (Extras - Add-ons bzw. Strg + Umschalt + A).

Dort gibt es zu jedem installierten AddOn den Punkt "Mehr". Da kann man unten unter "Automatische Updates" die Variante "Aus" wählen.

Oder gleich - siehe Bildschirmphoto - alle Addons auf "manuelle Aktualisierung" umstellen.

Und was passierte? Nun gab es wieder eine neue FireFox-Version, von 60.0 auf 60.0.1. Mit ein paar beseitigten Bugs, aber ohne, daß eine sicherheitskritische Sache dabei wäre. Von den Bugs hatte ich bis jetzt noch nichts gemerkt, also kann der jetzige FireFox auch noch ein paar Wochen weiterlaufen.

Aber: Unter

about:addons

wird mir nun explizit ein Update von uBlock origin angeboten. Der Adblocker - funktioniert weiterhin.

Sprich: Wem ebenfalls "plötzlich und unerwartet" uBlock origin inklusive Icon verschwindet und wer einen Browserneustart vermeiden möchte. Bei dem Addon die automatische Aktualisierung ausschalten. Das nutzt zwar nichts mehr, wenn sich das Addon bereits aktualisiert hat und wenn es schon verschwunden ist. Da hilft nur noch ein Browser-Neustart. Aber anschließend sollte das funktionieren.

Im Chrome tritt das Problem übrigens nicht auf. Da funktioniert der Adblocker, auch wenn er sich dazwischen einmal aktualisiert hat.

Google Chrome will ab September 2018 das https-Schloss nicht mehr grün färben, später eventuell entfernen - bei Eingaben auf http-Seiten wird Warntext rot

17.05.2018 23:50:37, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das Internet wandelt sich immer mehr dahingehend, daß Zugriffe auf Websites verschlüsselt durchgeführt werden. Seit dem Start von Letsencrypt wächst die Zahl der verschlüsselten Websites deutlich, der Gesamttraffic ist inzwischen überwiegend verschlüsselt.

Das führt nun dazu, daß Google die Anzeige von verschlüsselten und unverschlüsselten Websites erneut "überarbeiten" möchte.
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Evolving Chrome's security indicators

https://blog.chromium.org/2018/05/evolving-chromes-security-indicators.html

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> Users should expect that the web is safe by default, and they’ll be warned when there’s an issue. Since we’ll soon start marking all HTTP pages as “not secure”, we’ll step towards removing Chrome’s positive security indicators so that the default unmarked state is secure.

Nutzer sollten davon ausgehen, daß Websites sicher per default seien. Und sie sollen gewarnt werden, wenn das nicht der Fall ist. Unsichere Websites sollen in Kürze (ab Chrome 68, aktuell Chrome 66) mit "not secure" bezeichnet werden. Zusätzlich soll aber der positive Hinweis auf eine verschlüsselte Website entfallen. Also das Prinzip: Keine Markierung = sicher.

Ein Bildschirmphoto in dem Blogbeitrag zeigt, wie das aussehen soll:

Aktuell wird bei https-Seiten ein grünes Schloß und das Wort "Secure" angezeigt.

Ab Chrome 69 / September 2018 entfallen Grünfärbung und das Wort "Secure". Eventuell soll später auch das Schloß entfallen.

Die "not secure" - Seiten (alles, was per http erreichbar ist) werden ja schon in Kürze mit einem i und einem schwarzen Text "Not secure" gekennzeichnet.

Tippt man in so einer Seite etwas ein, dann soll das umspringen: Das i wird zu einem Warndreieck, dieses und der Text werden rot.

In dem Blogbeitrag gibt es ein zweites Bild, das als animiertes Gif zeigt, wie das aussehen wird.

Eine Vorstufe davon kann man bereits jetzt im Chrome beobachten.

Ruft man die - nicht verschlüsselte - Startseite der FAZ ( www.faz.net ) auf, dann gibt es nur ein i neben der Adresse. Aktiviert man die Sucheingabe und tippt etwas in die Suche ein, wird rechts neben dem i "Nicht sicher" eingeblendet.

Da "zuckt" der Bildschirm bei der ersten Eingabe und weist den Nutzer damit darauf hin, daß das, was er da eingibt, womöglich von Dritten mitgelesen werden kann.

Der Hinweis ist treffend:

> Previously, HTTP usage was too high to mark all HTTP pages with a strong red warning, but in October 2018 (Chrome 70), we’ll start showing the red “not secure” warning when users enter data on HTTP pages.

Früher gab es noch zuviele http-Seiten, da sei es noch kein Thema gewesen, all diese Seiten mit einer roten Warnung zu versehen. Aber ab Oktober 2018 wird das bei allen Eingaben gemacht.

Sprich:

> We hope these changes continue to pave the way for a web that’s easy to use safely, by default. HTTPS is cheaper and easier than ever before, and unlocks powerful capabilities -- so don’t wait to migrate to HTTPS!

Es geht damit weiter, daß https der Normalzustand werden soll und http möglichst ausgemustert wird.

Die Umstellung im Juli / Chrome 68:

Google macht Ernst - ab Juli 2018 werden alle http-Websites als unsicher markiert - auch jene ohne Passworteingabe - Testmöglichkeit für Mixed Content

https://blog.server-daten.de/de/2018-02-10/Google-macht-Ernst---ab-Juli-2018-werden-alle-http-Websites-als-unsicher-markiert---auch-jene-ohne-Passworteingabe---Testmoeglichkeit-fuer-Mixed-Content-172

PS: Ich bin ja gespannt, wann die FAZ, Spiegel und noch ein paar andere bis heute unverschlüsselte Nachrichtenportale umstellen. Der Tagesspiegel hat im Februar endlich umgestellt, grade sehe ich, daß auch die ZEIT nun per https erreichbar ist. So allmählich gehen die großen Testkandidaten für http-Seiten aus. Aber sehr viele kleine Websites sind eben weiterhin unverschlüsselt.

Back Alley Bookends - magische Buchstützen - sie transformieren Bücherregale in kleine japanische Seitengassen - vom japanischen Designer Monde

16.05.2018 23:43:53, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Buchstützen denkt man womöglich nicht unbedingt an "Inspiration". Die soll ja womöglich eher von den Büchern kommen, die von den Buchstützen am Umkippen gehindert werden. Und bei Buchstützen denke ich zuallererst an jene simplen metallischen einfarbigen Stützen, die ich kenne. Inspiration = Null.

Ganz anders sieht das dagegen der japanische Designer monde. Dieser hat drei Buchstützen gebaut. Die ein "umfangreiches Innenleben" haben.

Von der Breite her wie ein Buch. Aber innen wie jene verwinkelten und engen Gassen, die es in Tokio gibt. Als "Back Alley Bookends" bezeichnet.
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Magical Bookends Transform Bookshelves into the Back Alleys of Japan

http://www.spoon-tamago.com/2018/05/15/japanese-back-alley-bookends/

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Der Artikel spricht davon, daß das Straßennetz in Tokio wie ein Spinnennetz wirken würde. Lauter Nebenstraßen und dazwischen unzählige kleine Gassen.

Die Buchstützen gibt es als Paare.

> The back alley bookends come in a pair and can be used together to replicate a small back alley, or they can be used individually, exposing the intricate stepping stones, A/C units, piping, plants and other details that have been carefully recreated by hand.

Entweder stellt man sich die beiden zusammen, so daß sich eine kleine Seitengasse mit unzähligen Details ergibt. Oder man nutzt sie einzeln. So daß man die Stufen, die Leitungen, die Pflanzen und all die anderen Details sieht, die per Hand gebaut wurden.

Von dem Designer Monde scheint es nur den Hinweis auf sein Twitter-Profil

https://twitter.com/monde55212068

zu geben, also @monde55212068 .

Vom 12.-13.05.2018 gab es in Tokio das Design Festa, ein Kunst- und Handwerksfestival. Dort können Amateure und Profis ihre Arbeiten ausstellen.

Da gibt es zwar auch eine englische Version:

Design Festa:

https://designfesta.com/en/

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Leider listet die dortige Suche nichts. @Monde hatte diese Arbeiten zusammen mit anderen Arbeiten von sich dort vorgestellt. Auf seinem Twitter-Account gibt es ein einziges, älteres Photo (November 2017):

https://twitter.com/monde55212068/status/929553407827779584

Das zeigt die drei Buchstützen, zwei zwischen Büchern und eine aufgeklappt.

Die anderen Bilder stammen vom Twitter-Nutzer @riku_ton:

https://twitter.com/riku_ton/status/995640172833206272

Dieser hat die Bilder am 12./13.05.2018 gemacht.

Bundesgerichtshof: Dashcam-Aufnahmen sind zwar als Daueraufnahmen unzulässig, als Beweismittel im Unfallhaftpflichtprozess jedoch verwertbar - VI ZR 233/17

15.05.2018 23:55:10, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Bundesgerichtshof hat sich heute - erstmalig - mit dem Thema Dashcam beschäftigt. Und eine Entscheidung getroffen, die meines Erachtens nach gewaltige Auswirkungen haben wird. Denn die Entscheidung - Aufhebung des Berufungsurteils und neue Verhandlung am Landgericht - dürfte dazu führen, daß sich diverse Autofahrer weitere Dashcams zulegen werden.

Womöglich sogar so, daß Dashcam-Hersteller "datenschutzfreundliche Dashcams" entwickeln und diese gezielt anbieten werden.
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Verwertbarkeit von Dashcam-Aufnahmen als Beweismittel im Unfallhaftpflichtprozess - Urteil vom 15. Mai 2018 – VI ZR 233/17

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=83549&pos=2&anz=90

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Der Sachverhalt, der in erster Instanz vom Amtsgericht Magdeburg behandelt wurde:

> Der Kläger nimmt den Beklagten und seine Haftpflichtversicherung nach einem Verkehrsunfall auf restlichen Schadensersatz in Anspruch. Die Fahrzeuge der Parteien waren innerorts beim Linksabbiegen auf zwei nebeneinander verlaufenden Linksabbiegespuren seitlich kollidiert. Die Beteiligten streiten darüber, wer von beiden seine Spur verlassen und die Kollision herbeigeführt hat. Die Fahrt vor der Kollision und die Kollision wurden von einer Dashcam aufgezeichnet, die im Fahrzeug des Klägers angebracht war.

Das Amtsgericht hatte dem Kläger die Hälfte seines Schadens zugesprochen. Der Kläger hätte keinen Beweis dafür erbracht, daß der Beklagte von der eigenen Spur abgewichen und die Spur des Klägers genutzt habe. Ein Sachverständiger meinte, daß beide Versionen - die des Klägers und jene des Beklagten - denkbar seien.

Das Angebot, die Aufnahmen der Dashcam zu nutzen, sei nicht nachzukommen. Die Aufnahmen würden dem Datenschutz widersprechen, damit gäbe es ein Beweisverwertungsverbot. Das bestätigte auch das Landgericht Magdeburg und ließ Revision zu.

Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und schickte das ans LG zurück. Bereits der erste Block der Begründung hat es in sich:

> Die vorgelegte Videoaufzeichnung ist nach den geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen unzulässig. Sie verstößt gegen § 4 BDSG, da sie ohne Einwilligung der Betroffenen erfolgt ist und nicht auf § 6b Abs. 1 BDSG oder § 28 Abs. 1 BDSG gestützt werden kann. Jedenfalls eine permanente anlasslose Aufzeichnung des gesamten Geschehens auf und entlang der Fahrstrecke des Klägers ist zur Wahrnehmung seiner Beweissicherungsinteressen nicht erforderlich, denn es ist technisch möglich, eine kurze, anlassbezogene Aufzeichnung unmittelbar des Unfallgeschehens zu gestalten, beispielsweise durch ein dauerndes Überschreiben der Aufzeichnungen in kurzen Abständen und Auslösen der dauerhaften Speicherung erst bei Kollision oder starker Verzögerung des Fahrzeuges.

Damit liegt es nahe, daß Hersteller solche Dashcams (falls es sie nicht schon gibt) gezielt bauen werden. Die Aufnahmen werden ständig überschrieben. Aber kommt es zu einem Unfall, dann könnten bsp. die beiden letzten Minuten noch vorliegen. Und wären damit "verwertbar".

Oder anders ausgedrückt: Die Entscheidung skizziert bereits hier, was heikel und was eher unproblematisch ist.

Diese Verwertbarkeit ist auch hier prinzipiell gegeben:

> Dennoch ist die vorgelegte Videoaufzeichnung als Beweismittel im Unfallhaftpflichtprozess verwertbar. Die Unzulässigkeit oder Rechtwidrigkeit einer Beweiserhebung führt im Zivilprozess nicht ohne Weiteres zu einem Beweisverwertungsverbot. Über die Frage der Verwertbarkeit ist vielmehr aufgrund einer Interessen- und Güterabwägung nach den im Einzelfall gegebenen Umständen zu entscheiden.

Die prinzipielle Rechtswidrigkeit heißt nicht, daß das nicht verwertbar sei. Stattdessen: Eine Einzelfallentscheidung, die hier nicht vorlag, stattdessen wurde pauschal - Beweisverwertungsverbot - entschieden.

> Die Abwägung zwischen dem Interesse des Beweisführers an der Durchsetzung seiner zivilrechtlichen Ansprüche, seinem im Grundgesetz verankerten Anspruch auf rechtliches Gehör in Verbindung mit dem Interesse an einer funktionierenden Zivilrechtspflege einerseits und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Beweisgegners in seiner Ausprägung als Recht auf informationelle Selbstbestimmung und ggf. als Recht am eigenen Bild andererseits führt zu einem Überwiegen der Interessen des Klägers.

Denn der Beklagte hat sich selbst in die Situation "öffentlicher Straßenverkehr" begeben: Damit wird er sichtbar und beobachtbar.

> Das Geschehen ereignete sich im öffentlichen Straßenraum, in den sich der Beklagte freiwillig begeben hat. Er hat sich durch seine Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr selbst der Wahrnehmung und Beobachtung durch andere Verkehrsteilnehmer ausgesetzt. Es wurden nur Vorgänge auf öffentlichen Straßen aufgezeichnet, die grundsätzlich für jedermann wahrnehmbar sind. Rechnung zu tragen ist auch der häufigen besonderen Beweisnot, die der Schnelligkeit des Verkehrsgeschehens geschuldet ist. Unfallanalytische Gutachten setzen verlässliche Anknüpfungstatsachen voraus, an denen es häufig fehlt.

Da gibt es zwar durch das Filmen Eingriffe in die allgemeinen Persönlichkeitsrechte der unfreiwillig gefilmten anderen Verkehrsteilnehmer. Aber:

> Denn ihrem Schutz ist vor allem durch die Regelungen des Datenschutzrechts Rechnung zu tragen, die nicht auf ein Beweisverwertungsverbot abzielen.

Der Zweck der Datenschutz-Regelungen sei nicht ein Beweisverwertungsverbot.

Persönlich fahre ich kein Auto und habe auch keines. Insofern betrifft mich das Urteil nicht. Ich gehe aber davon aus, daß sich nun weitaus mehr Autofahrer und -besitzer mit der Frage beschäftigen werden, ob sie sich zur Sicherung ihrer eigenen Interessen bei einem nicht selbst verschuldeten Unfall so eine Dashcam zulegen werden.

Spätestens in dem Maße, in dem sich teilautonome und autonom fahrende Autos ausbreiten werden, wird das Thema ohnehin erneut auf die Tagesordnung kommen. Denn diese Autos müssen zwangsläufig irgendwelche Kamerasysteme nutzen, um die Umgebung ständig zu scannen. Kommt es da zu einem Unfall, etwa zwischen einem autonomen Auto und einem Fußgänger oder Radfahrer, dürfte es auch selbstverständlich sein, daß die aufgezeichneten Daten ausgewertet werden.

Der BITKOM äußerte sich zum Urteil:

Bitkom zum Dashcam-Urteil

https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Bitkom-zum-Dashcam-Urteil.html

Demnach wurden in den vergangenen drei Jahren etwa 150.000 Dashcams in Deutschland verkauft, die im Schnitt 88 Euro kosten. Die dortige Position:

> Digitale Technologien machen den Verkehr sicherer und Dashcams können einen wichtigen Beitrag leisten. Dashcams schaffen mehr Rechtssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer und tragen dazu bei, dass zum Beispiel ein Unfallhergang besser rekonstruiert werden kann.

Autofahrer bräuchten klare Regelungen, wann sie die Kameras nutzen dürften.

Das legt erst recht nahe, daß es bald Dashcams geben wird, die sich an der obigen, nun höchstrichterlichen Aussage orientieren.

Praktisch ist es doch eine Güterabwägung für jeden Autofahrer. Bei einem unverschuldeten Unfall, bei dem der Schaden aus irgendwelchen Gründen trotzdem nicht ersetzt wird, können das schnell 4- und 5-stellige Summen werden. Dagegen dürften die Risiken aus dem Installieren und Laufenlassen einer Dashcam eher überschaubar sein.

Bundesfinanzhof: Zweifel an Verfassungsmässigkeit der Nachzahlungszinsen von 6 Prozent pro Jahr ab 2015 - Aussetzung der Vollziehung (AdV) gewährt -IX B 21/18

14.05.2018 23:58:39, Jürgen Auer, keine Kommentare

Seit einigen Jahren sind die Zinsen sehr niedrig. Das führt einerseits dazu, daß die Zinsaufwendungen der öffentlichen Haushalte für die öffentlichen Schulden sehr niedrig sind. Andererseits hat es bis jetzt nicht dazu geführt, daß das halbe Prozent Zinsen auf Nachzahlungen pro Monat (= 6 Prozent pro Jahr) angepaßt wurde.

Der Bundesfinanzhof hat nun ernsthafte Zweifel daran, daß diese hohen Nachzahlungszinsen noch gerechtfertigt sind. Und hat deshalb in einem Verfahren Aussetzung der Vollziehung (AdV) gewährt.
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BFH zweifelt an der Verfassungsmäßigkeit der Nachzahlungszinsen - Beschluss vom 25.4.2018, IX B 21/18

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=36382&pos=1&anz=24

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Die Dimensionen dieser Zinszahlungen sind laut der Pressemitteilung erheblich: Mehr als 2 Milliarden Euro, wobei unklar ist, über welchen Zeitraum das vereinnahmt wurde.

> Der Bundesfinanzhof (BFH) zweifelt an der Verfassungsmäßigkeit von Nachzahlungszinsen für Verzinsungszeiträume ab dem Jahr 2015. Er hat daher mit Beschluss vom 25. April 2018 IX B 21/18 in einem summarischen Verfahren Aussetzung der Vollziehung (AdV) gewährt. Die Entscheidung ist zu §§ 233a, 238 der Abgabenordnung (AO) ergangen. Danach betragen die Zinsen für jeden Monat einhalb Prozent einer nachzuzahlenden oder zu erstattenden Steuer. Allein bei der steuerlichen Betriebsprüfung vereinnahmte der Fiskus im Bereich der Zinsen nach § 233a AO in den letzten Jahren mehr als 2 Mrd €.

Der konkrete Fall:

> Im Streitfall setzte das Finanzamt (FA) die von den Antragstellern für das Jahr 2009 zu entrichtende Einkommensteuer zunächst auf 159.139 € fest. Im Anschluss an eine Außenprüfung änderte das FA am 13. November 2017 die Einkommensteuerfestsetzung auf 2.143.939 €. Nachzuzahlen war eine Steuer von 1.984.800 €. Das FA verlangte zudem in dem mit der Steuerfestsetzung verbundenen Zinsbescheid für den Zeitraum vom 1. April 2015 bis 16. November 2017 Nachzahlungszinsen in Höhe von 240.831 €. Die Antragsteller begehren die AdV des Zinsbescheids, da die Höhe der Zinsen von einhalb Prozent für jeden Monat verfassungswidrig sei. Das FA und das Finanzgericht lehnten dies ab.

Details gibt es im Beschluß:

BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.4.2018, IX B 21/18 - ECLI:DE:BFH:2018:BA.250418.IXB21.18.0

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=24&pos=1&nr=36403&linked=bes

Da wurden Erstattungszinsen für die Zeit vom 01.04.2011 - 16.11.2017 bei einer Basis von 159.100 Euro aufgerechnet gegen Nachzahlungszinsen ab dem 01.04.2015 auf einer Basis von 1.746.250 Euro plus späterer weiterer Beträge. Ergebnis war ein Gesamtzinsanspruch von etwa 300.000 Euro, der sich nach dem Abzug der Erstattungszinsen auf etwa 240.000 Euro belief. Über die Aussetzung der Vollziehung zu diesen 240.000 Euro Zinsen (berechnet mit einem Satz von 0,5 Prozent pro Monat) ging das Verfahren.

Die Begründung (aus der PM):

> Nach dem Beschluss des BFH bestehen im Hinblick auf die Zinshöhe für Verzinsungszeiträume ab dem Jahr 2015 schwerwiegende Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit von § 233a AO i.V.m. § 238 Abs. 1 Satz 1 AO. Der BFH begründet dies mit der realitätsfernen Bemessung des Zinssatzes, die den allgemeinen Gleichheitssatz nach Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) verletze. Der gesetzlich festgelegte Zinssatz überschreite den angemessenen Rahmen der wirtschaftlichen Realität erheblich, da sich im Streitzeitraum ein niedriges Marktzinsniveaus strukturell und nachhaltig verfestigt habe.

Und weiter:

> Eine sachliche Rechtfertigung für die gesetzliche Zinshöhe bestehe bei der gebotenen summarischen Prüfung nicht. Auf Grund der auf moderner Datenverarbeitungstechnik gestützten Automation in der Steuerverwaltung könnten Erwägungen wie Praktikabilität und Verwaltungsvereinfachung einer Anpassung der seit dem Jahr 1961 unveränderten Zinshöhe an den jeweiligen Marktzinssatz oder an den Basiszinssatz i.S. des § 247 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht mehr entgegenstehen.

Sprich: Man könnte den Zinssatz auch jährlich anpassen und sich - wie im BGB üblich - am Basiszinssatz orientieren.

> Für die Höhe des Zinssatzes fehle es an einer Begründung. Der Sinn und Zweck der Verzinsungspflicht bestehe darin, den Nutzungsvorteil wenigstens zum Teil abzuschöpfen, den der Steuerpflichtige dadurch erhalte, dass er während der Dauer der Nichtentrichtung über eine Geldsumme verfügen könne. Dieses Ziel sei wegen des strukturellen Niedrigzinsniveaus im typischen Fall für den Streitzeitraum nicht erreichbar und trage damit die realitätsferne Bemessung der Zinshöhe nicht.

Innerhalb dieses Zeitraums könne kein Steuerpflichtiger mit dem durch die Noch-Nicht-Zahlung verfügbaren Geld soviel erwirtschaften. Dafür seien die Zinsen heutzutage einfach zu niedrig. Ebenso gäbe es (Beschluß RN 24) für den Fiskus keinen Finanznachteil. Dieser müsse ja sogar teils negative Zinsen in Kauf nehmen.

Ferner (PM):

> Es bestünden überdies schwerwiegende verfassungsrechtliche Zweifel, ob der Zinssatz dem aus dem Rechtsstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 3 GG folgenden Übermaßverbot entspreche. Die realitätsferne Bemessung der Zinshöhe wirke in Zeiten eines strukturellen Niedrigzinsniveaus wie ein rechtsgrundloser Zuschlag auf die Steuerfestsetzung.

Der Beschluß führt aus, daß die Länge des Zinslaufes von Faktoren abhing, die nicht vom Antragsteller beeinflussbar waren (RN 33):

> insbesondere den Beginn und die Dauer der Außenprüfung sowie die Auswertung von deren Ergebnissen.

Schließlich habe der Gesetzgeber die Zinssätze an anderen Stellen bereits angepaßt:

> Der Gesetzgeber sei im Übrigen von Verfassungs wegen gehalten zu überprüfen, ob die ursprüngliche Entscheidung zu der in § 238 Abs. 1 Satz 1 AO geregelten gesetzlichen Höhe von Nachzahlungszinsen auch bei dauerhafter Verfestigung des Niedrigzinsniveaus aufrechtzuerhalten sei oder die Zinshöhe herabgesetzt werden müsse. Dies habe er selbst auch erkannt, aber gleichwohl bis heute nichts getan, obwohl er vergleichbare Zinsregelungen in der Abgabenordnung und im Handelsgesetzbuch dahin gehend geändert habe.

Da wird darauf verwiesen, daß für die nach dem 31.12.2018 einzureichenden Steuererklärungen nur noch ein Satz von 0,25 % pro Monat für Verspätungszuschläge gelten solle. Da war ursprünglich (Beschluß RN 38) gedacht, dafür auch 0,5 % anzusetzen. Allerdings wurde dort dieser Wert als zu hoch betrachtet, so daß es zur Halbierung kam.

Beim Bundesverfassungsgericht liegen zwei Verfassungsbeschwerden zu diesem Thema vor. Diese beziehen sich allerdings auf die Jahre 2012 und 2014.

Aus dem Beschluß sehe ich aktuell nicht, daß dieser Fall zum Bundesverfassungsgericht gehen würde. Das war wohl "nur" ein Beschluß (und kein Urteil), weil es nur um die Aussetzung der Vollziehung gegangen ist. Deshalb kann das auch nicht bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ausgesetzt werden.

Die Konsequenz wäre allerdings: Wer eine solche Zinsfestsetzung mit 0,5 Prozent pro Monat erhält, sollte überlegen, ob er nicht Widerspruch einlegt.