Essential Startup Advice - Hinweise für Startups vom YCombinator - Startups sterben am Suizid, sie werden nicht ermordet - lieber 10 gute Kunden als 1000 Solala-Kunden

18.01.2018 23:45:15, Jürgen Auer, keine Kommentare

Was ist wichtig, wirklich wichtig? Wenn man überlegt, zu gründen? Und wenn man damit anfängt und irgendwann natürlich einmal Erfolg haben möchte?

Y Combinator ist eines der wichtigsten US-Unternehmen im Silicon Valley, das Gründer mit Hinweisen, einem Netzwerk und Risikokapital versorgt. Reddit, Airbnb, Justin.tv, Dropbox und Disqus sind einige der früh geförderten Unternehmen.

Im Blog von Y Combinator gibt es einen interessanten Artikel mit einigen eher langfristig gedachten Hinweisen.
.

YC’s Essential Startup Advice

https://blog.ycombinator.com/ycs-essential-startup-advice/

.
Viele der Ratschläge seien eher kurzzeitbezogen, mit einem Zeithorizont von wenigen Tagen oder Wochen. Anders die in dem Blogbeitrag vorgestellten Punkte.

> We’ve collected here what we at YC consider the most important, most transformative advice for startups.

Da geht es um grundsätzliche Dinge.

1. Früh launchen. Warum? Das sei die einzigste Möglichkeit, schnell mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Um so zu erfahren, was diese tatsächlich benötigen.

> Surprisingly, launching a mediocre product as soon as possible, and then talking to customers and iterating, is much better than waiting to build the “perfect” product.

Lieber schnell mit einem mittelmäßigen Produkt starten, dann mit Kunden sprechen und das iterieren. Das ist deutlich besser als ein "perfektes Produkt" zu entwickeln. Und dann feststellen zu müssen: Braucht niemand, interessiert niemanden.

2. Do Things That Don’t Scale: Das ist ein extrem spannender Punkt. Man soll als Gründer Dinge tun, die nicht skalieren. Ganz im Gegensatz zu der Position, möglichst schnell und frühzeitig zu skalieren.

Warum? Skalierung bedeutet neue Herausforderungen. Die Prozesse müssen stimmen, technische Unterstützung ist notwendig. Das endet oft mit dem Tod des Startups. Stattdessen:

> Rather, we tell startups to get their first customer by any means necessary, even by manual work that couldn’t be managed for more than ten, much less 100 or 1000 customers.

"Manuelle Arbeit", die zu ersten Kunden führt. Das läßt sich nicht skalieren, das geht bei 10 oder 50 Kunden, aber bei sehr viel mehr wird das schwieriger. Stattdessen mit diesen Kunden ins Gespräch kommen, um zu kapieren, was diese wirklich brauchen.

Ein Beispiel: Airbnb wollte zunächst professionelle Photos der Unterkünfte machen, um die Vermietung zu vereinfachen. Die Photos machten sie schließlich selbst vor Ort. Und kamen dadurch mit Kunden ins Gespräch.

Paul Buchheit, einer der YC-Partner, hält eine 90/10-Strategie für entscheidend.

> That is, look for a way in which you can accomplish 90% of what you want with only 10% of the work/effort/time.

Mit 10 % Aufwand 90 % dessen erreichen, was man haben möchte. Eine 90%-Lösung für Kunden sei immer besser als eine 100%-Lösung mit exorbitantem Aufwand, die Jahre braucht, bis sie fertig ist.

3. Wenn Unternehmen wachsen, gibt es Tonnen von Ablenkungen. Gespräche, Konferenzen, Meetings. Da kann man sich verlieren. Stattdessen:

> We always remind founders not to lose sight that the most important tasks for an early stage company are to write code and talk to users.

Code schreiben und mit Nutzern sprechen. Oder:

> you must launch something, talk to your users to see if it serves their needs, and then take their feedback and iterate. These tasks should occupy almost all of your time/focus

Große Unternehmen machen das ständig. Wenn es darum geht, zwischen verschiedenen Fortsetzungen zu wählen: Lieber die anspruchsvollere Variante wählen.

4. Dann wird es extrem interessant: Nicht nur Kunden wählen einen Dienstleister, ein Startup. Auch das Startup wählt Kunden. Es sei besser, wenige Kunden zu haben, die wirklich gute Kunden seien. Als viele Kunden, die "Solala-Kunden" sind.

> In other words, recruiting 10 customers who have a burning problem is much better than 1000 customers who have a passing annoyance.

10 Kunden mit einem brennenden Problem, das das Startup löst, ist besser als 1000 Kunden mit einer flüchtigen Belästigung. Ich lese so etwas immer wieder: Startups, die sich ihrer "vielen und großen Kunden" rühmen. Und ein paar Jahre später wird das Startup dichtgemacht. Weil die Dienstleistung zu austauschbar, der Nutzen für die Kunden zu gering war. Und solche "10 Kunden" sind nicht unbedingt ein Milliardenstartup. Aber sie können die Keimzelle für ein sinnvolles und sinnstiftendes Unternehmen sein.

Und man müsse den Mut haben, Kunden zu feuern:

> It is easy to make mistakes when choosing your customers so sometimes it’s also critical for startups to fire their customers

Manche Kunden bringen einen nicht weiter. Sie bringen kein Geld und man lernt nichts von ihnen. Da ist es besser, wenn diese Kunden wieder gehen.

Wachstum steht erst dann an, wenn man ein wirklich marktfähiges Produkt hat. Und wenn das Geschäft unprofitabel ist, ist Wachstum eher ein Desaster:

> it never makes sense to take 80 cents from a customer and then hand them a dollar back

5. Weniger tun kann oft besser sein als immer mehr tun:

> Startup founders’ intuition will always be to do more whereas usually the best strategy is almost always to do less, really well.

Ein typischer Fehler seien Startups, die große Deals mit großen Unternehmen machen. Und die sich dadurch eine eigene Aufwertung versprechen. Aber:

> However, deals between large companies and tiny startups seldom end well for the startup. They take too long, cost too much, and often fail completely.

Die Startups würden bei solchen Geschichten meist den Kürzeren ziehen. Das dauert zu lange, kostet zu viel - und scheitert oft völlig. Das Problem der ausufernden Featureitis:

> When your early stage product isn’t working it’s often tempting to immediately build new features in order to solve every problem the customer seems to have instead of talking to the customer and focusing only on the most acute problem they have.

Wenn das Produkt nicht funktioniert, gäbe es oft die Tendenz, alle möglichen neuen Features einzubauen, die sich einzelne Kunden wünschen. Anstatt daß das Startup mit den Kunden redet und sich auf die wirklich akuten Dinge konzentriert.

6. Startups seien eigentlich immer "badly broken".

> Your job as a founder will often seem to be continuously righting a capsized ship. This is normal.

Der Job als Gründer sei es, kontinuierlich das gekenterte Schiff wieder aufzurichten. Das sei normal. Da dürfte es auch vielen Gründern an Durchhaltevermögen fehlen.

7. Konkurrenten? Wer sich zu sehr mit Konkurrenten beschäftigt, verplempert nur seine Zeit.

> We like to say that startup companies always die of suicide not murder.

Startups sterben am Suizid, sie werden nicht ermordet. Mich wundert das immer mal wieder, wenn Startups über die Gründe ihres Scheiterns berichten. Konkurrenten sind eine wunderbare Ausrede.

8. Finanzierung: Geld solle man möglichst schnell einsammeln - und dann zurück zur Arbeit. Eine Bewertung ist kein geschäftlicher Erfolg. Und wer Fremdkapital nutzt: Das Geld ist nicht das Geld der Gründer. Gründer haben eine Treuepflicht und eine "ethical/moral duty", das Geld nur für die verbesserten Aussichten des Unternehmens einzusetzen.

9. Schließlich: Gründer brauchen Pausen, sollten Zeit mit Freunden und Familie verbringen, sollten genügend schlafen. Die Kommunikation zwischen den Gründern sei ein Schlüssel, daran würden viele Startups scheitern.

Der Schlußsatz:

> In fact, it turns out that one of the best things you can do to make your startup successful, in fact, to be successful in life, is to simply be nice

Mit einem Verweis auf einen Artikel, der da lautet: Mean People Fail - http://www.paulgraham.com/mean.html - gemeine Personen scheitern.

Am Ende folgen nochmals diverse der genannten Punkte als Auflistung.

Der Text unterscheidet sich wohltuend von vielem, was man sonst so zu diesem Thema liest. Ein Satz wie

> Avoid conferences unless they are the best way to get customers

widerspricht völlig dem Verhalten vieler Gründer, die mehr auf Konferenzen ihr tolles Produkt vorstellen als sich um ihre Kunden zu kümmern.

Der Beitrag enthält diverse Links zu weiteren Artikeln von YCombinator-Partnern. Diese führen einzelne Punkte genauer aus.

Diverse der Punkte kenne ich von meiner eigenen Dienstleistung Server-Daten. Wo es auch ein paar Mal wichtig war, Interessenten bzw. Kunden wieder ziehen zu lassen. Und wo es immer wieder wichtig ist, die Dienstleistung strukturell weiterzuentwickeln. Auch wenn damit andere Dinge wie ein "heftiges Wachstum" noch eher zu kurz kommen.

Das Speed Update - Google will ab Juli 2018 die Geschwindigkeit von Websites als mobiles Rankingkriterium nutzen

17.01.2018 23:31:47, Jürgen Auer, keine Kommentare

Komisch: Eigentlich hatte ich gedacht, daß das schon lange gilt: Daß das Tempo, wie eine Website lädt, ein Rankingkriterium ist.

Aber nun kündigt Google explizit für den Juli 2018 das sogenannte "Speed Update" an. Nutzer möchten Ergebnisse möglichst schnell. Aber bislang sei die Geschwindigkeit nur bei der Desktop-Suche ein Signal. Das soll sich nun ändern.
.

Using page speed in mobile search ranking

https://webmasters.googleblog.com/2018/01/using-page-speed-in-mobile-search.html

.
> Today we’re announcing that starting in July 2018, page speed will be a ranking factor for mobile searches.

Gleichzeitig gibt es eine Einschränkung: Das "Speed Update" würde sich nur auf sehr langsame Seiten auswirken. Und es würde nur eine geringe Zahl der Suchanfragen betreffen.

Die Technik, wie eine Seite erstellt wird, sei irrelevant. Und das Allerwichtigste sei natürlich, was der Sucher sucht.

> The intent of the search query is still a very strong signal, so a slow page may still rank highly if it has great, relevant content.

So daß auch langsame Seiten weiterhin oben sein könnten, wenn sie großartigen, relevanten Content hätten.

Es soll kein Tool geben, das direkt anzeigt, ob eine Seite von diesem neuen Kriterium betroffen ist.

Aber es gibt einige, von Google bereitgestellte Tools.

Zum einen den

Chrome User Experience Report

https://developers.google.com/web/tools/chrome-user-experience-report/

Der basiert auf Messungen von Chrome, die von Nutzern weitergeleitet werden. Die Daten werden u.a. in dem überarbeiteten

PageSpeed

https://developers.google.com/speed/pagespeed/insights/

genutzt. Das ist ein Tool, das kürzlich überarbeitet wurde und das eine ganze Reihe nützlicher Tests enthält.

Die zentralen Punkte:

- Browser-Caching für Bilder, JavaScript- und CSS-Dateien aktivieren, so daß diese ein langes Ablaufdatum haben
- CSS-, JavaScript- und Html-Dateien reduzieren, so daß diese nicht unnötig viele Leerzeichen und Tabs enthalten
- GZip-Komprimierung aktivieren. Das macht auch für dynamisch generierte Seiten Sinn. Zwar muß der Webserver die Seite packen und der Browser sie wieder entpacken. Aber dafür kann sich das Übertragungsvolumen bsp. halbieren.
- Keine unnötigen Weiterleitungen
- Bilder komprimieren

Etwas ambivalent ist der Vorschlag, vom oberen Teil der Seite ein Rendern zu ermöglichen, ohne daß externe CSS-Dateien benötigt werden. Denn das führt immer wieder dazu, daß Website-Betreiber nun CSS-Anweisungen wieder oben in den Seitenkopf einsetzen, um bei diesem Test eine möglichst gute Punktzahl zu bekommen. Gleichzeitig bläht dies die Seite auf und vermischt Seiteninhalte und Code. Liegen dagegen alle Anweisungen in einer externen CSS-Datei, kann der Browser diese getrennt cachen und für viele Seiten derselben Website nutzen.

Allerdings muß man beim Cachen von CSS- und JavaScript-Dateien aufpassen. Wenn sich diese immer mal wieder ändern, kann man das Ablaufdatum schlecht auf ein halbes Jahr setzen. Denn das bedeutet, daß der Browser die Datei erst in einem halben Jahr wieder abruft. Die Lösung (die ich mir innerhalb von Server-Daten im Dezember eingebaut hatte):

Beim Start der Anwendung werden alle diese Ressourcen in eine Hashtabelle geladen. Zusätzlich mit dem Datum der letzten Änderung. Aus diesem Datum und dem eindeutigen Dateinamen wird ein Hashwert berechnet. Die Kombination aus Dateiname + Hashwert wird der zentralen Xsl-Transformation mitgegeben. Diese macht aus einem Pfad

/admin/sd.csp.js

etwas wie

/admin/sd.csp.d8f16455252578c2a1fc41a9d371c92d585cc1f8.js

Da wurde aus dem 20-Zeichen-Hashwert eine 40-Zeichen-Hexadezimaldarstellung. Bei einer Änderung der Datei wird der Hashwert neu berechnet - und ändert sich natürlich. Ergebnis: Diese statischen Dateien können nun mit einem halbjährlichen Ablaufdatum versehen werden. Bei einer Änderung ändert sich der Hashwert, damit der Dateiname -> der Browser ruft die neue Datei sofort ab.

Ruft ein Browser /admin/sd.csp.js ab, so bekommt er die Datei mit einem sofortigen Ablaufdatum ausgeliefert. Das stellt sicher, daß bei Fehlern die Datei immer aktuell ist.

Eine weitere Testmöglichkeit ist schließlich

Lighthouse

https://developers.google.com/web/tools/lighthouse/

Das kann man direkt per Chrome Dev Tools nutzen. Das verbirgt sich dort hinter dem Punkt "Audits".

Mark Zuckerberg müsse Facebook fixen - ehemaliger Mentor Roger McNamee hält Facebook für gefährlich und fordert Veränderungen

16.01.2018 23:49:02, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ist Facebook "einfach nur eine Online-Plattform"? Oder ist Facebook etwas, das so radikal und so negativ das Leben von zu vielen Leuten bestimmt, daß Facebook inzwischen gefährlich geworden ist? Und deshalb dringend geändert werden müsse?

Spätestens mit dem Bekanntwerden von Beeinflussungsversuchen während der US-Wahlen stellen sich so manche Fragen. Roger McNamee, der Managing Partner bei Elevation Partners ist und zwischen 2006 und 2012 so etwas wie ein Mentor für Mark Zuckerberg war, setzt sich in dem folgenden Beitrag mit dem Netzwerk auseinander.
.

Opinions: I mentored Mark Zuckerberg. Here’s my road map for fixing Facebook.

https://www.washingtonpost.com/opinions/i-mentored-mark-zuckerberg-heres-my-road-map-for-fixing-facebook/2018/01/14/0f976dea-f71b-11e7-b34a-b85626af34ef_story.html

.
Er verweist auf Zuckerberg und dessen Ankündigung, daß dieser 2018 nutzen wolle, um die Probleme der Plattform zu fixen,

> that enable bad actors to do harm, such as Russia’s interference in the U.S. election

Daß es russische Beeinflussungsversuche gab, die über Facebook liefen, das sieht auch Facebook selbst kritisch.

Roger McNamee meint, daß die Facebook-Algorithmen und das Geschäftsmodell anfällig seien für Aktivitäten von "bad actors". Er habe sich schon 2016 mit Zuckerberg und Sheryl Sandberg (COO von Facebook), in Kontakt gesetzt. Damals seien sie jedoch noch unwillig gewesen, bis Ende 2017. Das Argument:

> The company still argues that it is not responsible for the actions of third parties on its platform.

Ein Grundlagenproblem, weit über Facebook hinausgehend: Ist eine Plattform für das verantwortlich, was dritte Parteien über diese Plattform betreiben? Die Frage so gestellt heißt, daß es sich um ein universelles Problem von Online-Plattformen jeglicher Größenordnung handelt.

Seine Forderung:

> What we need from Zuckerberg is acknowledgment that Facebook has some responsibility for what others do on its platform and that it is prepared to make fundamental changes to limit future harm.

Die Einsicht von Zuckerberg, daß Facebook eine Verantwortung für das habe, was andere auf der Plattform tun und daß die Plattform fundamentale Änderungen vornehmen müsse, um zukünftigen Schaden zu vermeiden.

Die Änderungen, die in dieser Woche veröffentlicht worden seien (ein mehr privater Newsfeed), mögen ein positiver Schritt sein. Sie seien aber noch keine Lösung.

Er verweist auf einen Vorfall, den es 1982 gab. Da war Johnson & Johnson in eine Tylenol-Vergiftung verwickelt, für die sie wohl nicht direkt verantwortlich waren.

> It was not technically required to take responsibility, but it knew it was the right thing to do.

Technisch sei es nicht notwendig gewesen, sich einzumischen. Aber das Unternehmen tat es, wissend, daß es die richtige Reaktion sei. Es habe sofortige und heftige Reaktionen des Unternehmens gegeben, um die eigenen Kunden zu schützen.

> It took every bottle of Tylenol off every retail shelf and redesigned the packaging to make it tamper-proof. There was a substantial economic cost in the short run, but the company built trust with customers that eventually offset it.

Da wurden alle Abfüllungen zurückgezogen und einem Redesign unterzogen, so daß diese fälschungssicher waren. Das habe substantielle Kosten in kurzer Zeit produziert. Aber das Unternehmen baute so Vertrauen zu seinen Kunden auf.

Facebook müsse in einem ersten Schritt einsehen, daß die Plattform ein Problem habe. Der Zuckerberg-Beitrag sei ein richtiger Schritt. Der nächste Schritt sei, daß Facebook einsehen müsse, daß die Algorithmen und das Geschäftsmodell eine Einladung an "bad actors" seien. Dann wird es deutlich: Die Blasenbildung:

> By giving users only “what they want,” Facebook reinforces existing beliefs, makes them more extreme and makes it hard for users to accept unpleasant facts. Instead of bringing people together, Facebook drives us apart.

Wenn es Facebook unterstützt, daß Nutzer nur das bekommen, was sie wollen, fördere Facebook vorhandene Glaubenssätze, macht diese extremer und macht es für Nutzer schwieriger, unangenehme oder andere Fakten zu akzeptieren. Anstatt daß Facebook Personen zusammenbringt, bringt Facebook Personen auseinander.

Dieselben Tools, die Facebook für manche Nutzer so suchterzeugend machen, die Werbung so effektiv machen, sind gefährlich in der Hand von "bad actors". Das Problem könne nicht dadurch gelöst werden, daß ein paar mehr Leute damit beschäftigt werden, problematische Beiträge zu überprüfen. Stattdessen:

> The company needs to change the priorities of its algorithms and retool its business model. It needs to act like Johnson & Johnson.

Die Prioritäten der Algorithmen müssen geändert werden, das Businessmodell muß geändert werden.

126 Millionen US-Amerikaner seien russischen Manipulationen ausgesetzt gewesen, die meisten hätten das nicht gewußt. Facebook müsse jeden dieser Nutzer darüber informieren, der von diesen Manipulationen betroffen gewesen sei. Mit Kopien von Posts, Gruppen, Events und Werbeanzeigen.

> Facebook is the only entity able to break through to users trapped in its filter bubbles.

Facebook sei die einzigste Instanz, die in die Filterbubble einbrechen könne.

Facebook sei maßgeschneidert dafür, von bad actors ausgenutzt zu werden. Ändert sich Facebook nicht, werden sich solche Beeinflussungsversuche wiederholen und zunehmen.

Der Schlußsatz ist deutlich:

> But users and regulators are watching. Zuckerberg and Sandberg have an opportunity to be heroes or villains. The choice is theirs.

Nutzer und Regulierer beobachten das. Zuckerberg und Sandberg haben die Möglichkeit, Helden oder Bösewichte zu werden. Die Entscheidung liegt bei ihnen.

Praktisch betrifft das auch jetzt schon andere Portale. Immer dann, wenn der Algorithmus viele Likes und viele Reaktionen begünstigt, können kleine, aber sehr aktive Gruppen ein überdurchschnittliches Gewicht erlangen. Der Google-Index hat mit Versuchen der Suchmaschinen-Optimierung ein analoges Problem.

The Saw Lady - Was kann man mit alten, verrosteten Schneeschaufeln und langen Holzsägen machen? Cindy Chinn macht daraus kleine Winterszenen und Ranch-Skizzen

15.01.2018 23:22:59, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man in einer Gegend wohnt, in der es jedes Jahr richtig schneit (was man von Berlin nicht behaupten kann), dann braucht man ordentliche Werkzeuge. Kräftige Schneeschaufeln, mit denen sich der Schnee zusammenschieben und beiseite schaufeln läßt.

Wenn diese Schneeschaufeln aus Metall sind, dann rosten sie auch mal gerne. Und dann?

Ok, man könnte die Schaufeln wegschmeißen. Die US-Amerikanerin Cindy Chinn, die sich auch "The Saw Lady" (die Sägenlady) nennt, weiß besseres damit anzufangen.

Sie schneidet geschickt an den Schaufeln herum. Das Ergebnis sind kleine Miniaturen.
.

I’ve Made Some Whimsical Winter Scenes From Old Snow Shovels

https://www.boredpanda.com/winter-scenes-from-snow-shovels-cindy-chinn/

.
Sie habe über Jahre hinweg mit diesen alten rostigen Werkzeugen gearbeitet. Nun bekommen diese ausrangierten Gegenstände eine neue Verwendung.

Zum Herausschneiden nutzt sie einen Plasma-Schneidbrenner. Und manchmal verwendet sie Metalldrähte, um kleine Dinge zu ergänzen.

Wie kleine Schneemänner entstehen - eine Schneeballschlacht von zwei Personen unter einem ausladenden Baum.

Eine Schaufel wird schräg angeschnitten - das Ergebnis ist eine Schlittenfahrt den Hang hinab.

Oder ein Baum mit Eichhörnchen und einer angehängten Schaukel, auf der ein Kind schaukelt und von einem Erwachsenen angestoßen wird.

Oder eine ganze Armada von neun Kühen mit Weihnachtsmützen auf der Ranch.

Den Namen "The Saw Lady" versteht man, wenn man ihre Website besucht:

ANIMAL THEME SAWS

http://thesawlady.com/saw-lady-gallery-plasma-cut-saws-gifts.htm

Da nutzt sie alte Holzsägen mit langen Sägeblättern. Aus diesen schneidet sie verschiedene Tiere in einer Landschaft: Grasende Rehe und Hirsche, Büffel, ein Bär in der Nähe einer Hütte. Oder Vögel auf einem Ast.

Dann geht es erst richtig los. Szenen auf einer Farm, mit Pferden. Jagd- und Fischfang. Oder Blumen. Schließlich noch eine Fülle unterschiedlicher Themen. Dann folgen Schaufeln, Schippen und Harken. Das alles auf Bestellung.

Auf der Startseite

http://thesawlady.com/

gibt es ein Bild, das sie beim Arbeiten zeigt. Mit Schutzbrille und klobigen Handschuhen. Über das unten eingebundene kurze Video fand sich dieses Video, das per Zeitraffer die Arbeit an einer Säge zeigt:

Cindy Chinn - The Saw Lady Plasma Cuts a Design in a Hand Saw

https://www.youtube.com/watch?v=f-o0VL2ZN4E

Am Ende ist das eine Szene, wo ein Reiter mit Lasso versucht, ein Pferd einzufangen.

Das NetzDG mit Seiteneffekt: Nutzer verabreden sich mit anderen, um Tweets und andere Beiträge zu melden und löschen zu lassen

14.01.2018 23:04:47, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) ist seit Anfang des Jahres in Kraft. Nun zeigen sich Seiteneffekte, welche der Gesetzgeber so womöglich nicht bedacht hat.

Zum einen scheinen Plattformen wie Twitter bsp. mit Satire völlig überfordert zu sein. Das führte zur zeitweiligen Sperrung des Titanic-Accounts Anfang des Jahres.

Dazu scheint nun eine zweite Variante zu kommen. Nutzer melden gezielt Beiträge mit einer anderen politischen Meinung, um diese löschen zu lassen. Und Twitter löscht.
.

Vom NetzDG zum HetzDG: Wie Trolle das Maas-Gesetz nutzen, um politische Gegner mundtot zu machen

https://motherboard.vice.com/de/article/kznxz3/vom-netzdg-zum-hetzdg-wie-trolle-das-maas-gesetz-nutzen-um-politische-gegner-mundtot-zu-machen

.
Demnach haben Nutzer durch das massenweise Melden eines Tweets von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), in dem dieser Thilo Sarrazin 2010 einen "Idioten" genannt hatte, die Löschung dieses Tweets erreicht.

> Ursprünglich als Mittel gegen (oft rechte) Hetze im Netz gedacht, verwandelt sich das NetzDG gerade in sein Gegenteil – in eine Waffe rechter Trolle und Online-Aktivisten gegen den politischen Gegner.

Da gibt es einige, die das NetzDG als Mittel gegen rechte Beiträge betrachten, als Anti-AfD-Gesetz. Nun verwenden diese die damit auf den Plattformen geschaffenen Meldemöglichkeiten, um gegen andere Positionen gezielt vorzugehen.

Auf Plattformen wie Discord und pr0gramm (die ich beide nicht kenne), kursieren entsprechende Aufrufe. Man möge Tweets einzelner Personen mit Verweis auf die neue Gesetzeslage melden.

Im Herbst 2017, das NetzDG war grade in Kraft getreten, sah aber noch eine Übergangsfrist bis zum Jahresende vor:

> "Linke wegen Volksverhetzung drankriegen" sei "quasi unmöglich", schrieb etwa ein Nutzer; ein anderer gab sich optimistischer: "dann müssen wir es halt versuchen".

Allerdings berichten Personen, deren Tweets gemeldet werden sollten, auch, daß nichts passiert sei.

Manche Accounts, die sich über andere aufregen, seien "sehr jung" und hätten kaum Follower. Würden also nur angelegt, um zu trollen.

Allerdings scheint das vorrangig ein Problem von Twitter zu sein. Das eigentlich auch bald schon zu erwarten war.

> War Twitters Löschpraxis in der Vergangenheit undurchsichtig und wachsweich, ist sie heute undurchsichtig und völlig überzogen. So hatte der Kurznachrichtendienst Hatespeech vor dem 1. Januar faktisch ignoriert.

Bis Ende 2017 gab es eine Löschquote von gerade mal einem Prozent. In der Vergangenheit sei Twitter nicht in der Lage gewesen, mit Hate Speech umzugehen. Heute sei dies das Unvermögen, zwischen Hate Speech, Meinungsäußerung und Satire zu unterscheiden. So daß das aktuell teilweise eine Löschorgie sei. Bei Politikern, Aktivisten - und auch einfach bei Leuten, die von Trollen abgeschossen werden.

Eigentlich schade, daß sich Twitter da derzeit noch als so gänzlich unreif erweist.

Mit dem Recht auf Meinungsfreiheit hat das für mich wenig zu tun. Twitter ist nur eine Plattform von vielen, jeder kann auf seiner eigenen Website beliebige Positionen in eigener Verantwortung vertreten. Eher verblüfft bzw. enttäuscht mich die Unfähigkeit und wohl auch Unwilligkeit von Twitter. Die eigentlich kapieren müßten, daß sie sich mit zu willkürlichen Löschorgien nur selbst schaden.

Die Sperrung des ehemaligen US-Sheriffs

Twitter blockiert zeitweilig Sheriff-Account nach Verletzung der Terms of Service - Tweet mit massivem Angriff auf Medien

https://blog.server-daten.de/de/2018-01-02/Twitter-blockiert-zeitweilig-Sheriff-Account-nach-Verletzung-der-Terms-of-Service---Tweet-mit-massivem-Angriff-auf-Medien-133

war eigentlich ein Lichtblick. Da wurde zum ersten Mal ein relativ prominenter US-Twitterer zeitweilig geblockt. Allerdings dürfte es noch sehr viel mehr ähnlicher Tweets geben.

Was passiert, wenn bei eisigen Temperaturen eine Sprinkleranlage oben an einem 21-stöckigen Hochhaus leckt - eine Feuerleiter voller Eiszapfen in Chicago - Aufnahmen von Andrew Hickey

13.01.2018 23:08:37, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hier in Berlin ist das grade noch eher ein Möchtegern-Winter. Temperaturen minimal knapp unter Null, tagsüber meist drüber. Wenn sich nicht noch im Osten ein Hoch über Sibirien entwickelt, das auf seiner Südseite kalte Luft nach Berlin schaufelt, dann war es das in diesem Jahr mit dem Winter.

Ganz anders sieht das aktuell in den USA aus. Da herrscht teils Eiseskälte. In Chicago führte das zu einem faszinierenden Effekt:

Bei einem 21-stöckigen Hochhaus hatte die Sprinkleranlage "ganz oben" ein Leck. Daraufhin ergoß sich Wasser nach unten - und zwar über die Nottreppe, die es in den USA oft an der Außenseite eines Gebäudes gibt. Das Ergebnis: Eine Kaskade von Eiszapfen über 21 Etagen.
.

A Top Floor Sprinkler Leak Creates a 21-Story Tower of Icicles on a Chicago Fire Escape

http://www.thisiscolossal.com/2018/01/fire-escape-ice-tower-chicago/

.
Der Street-Art - Photograph Andrew Hickey kam zufällig vorbei. Und machte Aufnahmen davon.

Auf einer Nachrichtenseite: Zwei Artikel, vom Sonntag und vom Montag:

Part of Wabash Avenue closed in South Loop due to hanging ice from high-rise building

http://abc7chicago.com/photos-part-of-wabash-avenue-closed-in-south-loop-due-to-hanging-ice/2873866/

Aus diesem ein Zitat von Amy Bahrani:

> My first thing when I saw a fire escape that looked inaccessible is that it would be really dangerous. We've been seeing a lot of fires in Chicago this week because of people life trying to fix their pipes or whatever else and I just worry that even if it is just a maintenance guy in there, somebody could be hurt if they can't use that fire escape

Eine nicht nutzbare Feuerwehrleiter sei wirklich gefährlich. In Chicago hat es diverse Male gebrannt. Aber wenn in diesem Gebäude ein Brand ausbricht, dann wäre die Feuerwehrleiter nicht als Fluchtmöglichkeit geeignet.
.

Vom Montag: Ice cleared from fire escape that froze over during winter storm

http://abc13.com/fire-escape-covered-in-icicles-causes-street-hazard/2912329/

.
Demnach ist das am Samstag passiert. Die Straße mußte gesperrt werden, weil die Gefahr von herunterfallenden Eiszapfen bestand. Mit einer Calzium-Chlorid-Lösung wurde das Eis schließlich zum Schmelzen gebracht. So daß die Straße am Montag wieder freigegeben werden konnte und es keine Verletzten gab.

In der Chicago Tribune

Ice hanging from building blocks Wabash Avenue in South Loop

http://www.chicagotribune.com/news/local/breaking/ct-met-wabash-avenue-blocked-ice-on-building-20180106-story.html

gab es das Thema auch. Aber da sind die Bilder eher bescheiden. Wenn das Video mangels Flash nicht funktioniert: Auf YouTube findet sich der Ausschnitt ebenfalls.

Part of Wabash reopens after ice cleared from fire escape

https://www.youtube.com/watch?v=boO2G6LGn6o

Man sieht allerdings, daß im Dunkeln die Gefahr kaum sichtbar ist. Da helfen nur hinreichend großzügige Absperrungen.

Http Public Key Pinning (HPKP) und der von Google veranlasste Zertifikatswechsel von Symantec zu DigiCert - Certificate Transparency (CT) erst ab April 2018

12.01.2018 23:48:32, Jürgen Auer, keine Kommentare

Leser des hiesigen Blogs und Kunden sowie Nutzer von Server-Daten wissen, daß alle Zugriffe unter server-daten.de verschlüsselt sind.

Da mag man vielleicht denken: "Einmal ein Zertifikat drauf, das reicht für zehn Jahre". Praktisch ist die Geschichte ab und zu "deutlich aufwendiger".

So nutze ich hier (aktuell Januar 2018) ein Sternzertifikat von RapidSSL. Das gilt damit für alle Subdomains unter server-daten.de, also für www.server-daten.de ebenso wie für alle Kundendatenbanken der Form datenbankname.server-daten.de. Das hat u.a. den Vorteil, daß zu einem neuen Kunden eine neue Datenbank und eine neue Subdomain gehört, das vorhandene Zertifikat aber weiterverwendet werden kann.

Ferner ist das Zertifikat "gepinnt": Das war bis jetzt ein Http-Header, der zu jeder Seite mitgeschickt wurde und die folgende Struktur hatte:

> Public-Key-Pins: max-age=2592000; pin-sha256="h6801m+z8v3zbgkRHpq6L29Esgfzhj89C1SyUCOQmqU="; pin-sha256="Vjs8r4z+80wjNcr1YKepWQboSIRi63WsWXhIMN+eWys="; includeSubDomains

Das bedeutet: Der erste pin-sha256-Wert ist der SHA256-Wert des "GeoTrust Global CA" - Root-Zertifikats. Das finden Sie auch bsp. in Ihrem FireFox-Browser in der Rubrik "Datenschutz & Sicherheit" - "Zertifikate" - "Zertifikate anzeigen". Dieses Zertifikat hatte ein Zertifikat von RapidSSL signiert. Letzteres hat das Sternzertifikat der hiesigen Domain signiert. Der zweite pin-sha256-Wert ist der Wert für das "DST Root CA X3" Zertifikat. Das dient u.a. Letsencrypt als Basis.

Http Public Key Pinning (HPKP) bedeutet nun, daß einer dieser pin-sha256-Werte in der Zertifikatskette des hiesigen Zertifikats auftauchen muß. Die anderen Werte dürfen nicht in der Zertifikatskette auftauchen. Das sind Backup-Keys, die dazu dienen, bei einem Wechsel des Zertifikats die neue Zertifikatskette zu pinnen.

Würde also eine Certificate Authority (CA), ein Unternehmen, das Zertifikate ausstellt, mit einem eigenen Root-Zertifikat ein Zertifikat von *.server-daten.de signieren und hätte der Nutzer innerhalb der 30 Tage zuvor (30 Tage * 24 Stunden * 3600 Sekunden pro Stunde = 2592000 Sekunden) die hiesige, "richtige Domain" aufgerufen, dann würde der Browser die Verbindung zu dieser anderen Domain verweigern. Eben weil kein SHA256-Wert aus der Zertifikatskette in dem obigen Header enthalten ist und weil sich der Browser diese Information 30 Tage lang merken soll, bis sie ungültig wird.

Theoretisch ist das ein interessantes Konzept. Praktisch kann es zu unerwarteten Problemen führen und ernsthafte Sicherheitsprobleme für unerfahrene Website-Betreiber produzieren. Google hat das Konzept eine Weile forciert, will sich in Kürze aber wieder davon verabschieden.

Nun hatte sich Google mit Symantec überworfen. Bei Symantec hatten Mitarbeiter 2015 Zertifikate für Google-Domains ausgestellt, ohne daß Google diese beantragt hatte. Solche Zertifikate lassen sich bsp. für Man-in-the-middle-Angriffe verwenden: Nutzer denken, sie greifen auf Google zu. In Wirklichkeit ist das die Domain eines Hackers. Dann stellte sich heraus, daß es in den Certificate-Transparency-Logs, in denen ausgestellte Zertifikate protokolliert werden, Zertifikate von Symantec gab, welche die Domaininhaber nie beantragt hatten. Schließlich war die Rede von etwa 30.000 Zertifikaten, die zweifelhaft waren.

Ergebnis war schließlich, daß Google EV-Zertifikate von Symantec nicht mehr anerkennen wollte. Ferner sollte die Laufzeit der Zertifikate deutlich verkürzt werden. Im letzten Jahr hatte Google schließlich das Aus verkündet:

Chrome’s Plan to Distrust Symantec Certificates

https://security.googleblog.com/2017/09/chromes-plan-to-distrust-symantec.html

Aus Chrome sollten alle Root-Zertifikate entfernt werden, die von Symantec stammen. Das Problem dabei: Symantec hat diverse Tochterunternehmen, die dieselbe Infrastruktur nutzen: Thawte, Equifax, Geotrust, Verisign - an Geotrust hängt RapidSSL und damit die hiesige Domain. Laut Berichten war Symantec zeitweilig für 42 Prozent aller aktiven SSL-Zertifikate verantwortlich.

Google legte fest: Ab Chrome 66 wird allen Zertifikaten nicht mehr vertraut, die von der Symantec-Infrastruktur stammen und die vor dem 01.06.2016 ausgestellt wurden. Ab diesem Zeitpunkt hatte Symantec an der Certificate Transparency teilgenommen. Damit wurden ab diesem Zeitpunkt alle signierten Zertifikate in öffentlich zugängliche und schreibgeschützte Logdateien eingetragen. Das ermöglicht eine Kontrolle darüber, welche Zertifikate zu einer Domain existieren. Die Chrome-Version 66 soll am 17.04.2018 veröffentlicht werden.

Ab Chrome 70 soll die Symantec-Infrastruktur komplett aus Chrome entfernt werden. Wirkung: Chrome würde bei allen Zertifikaten, die von dieser Infrastruktur signiert worden sind, eine Warnmeldung anzeigen und keine Verbindung mehr herstellen. Chrome 70 soll um den 23.10.2018 veröffentlicht werden. Folgerung: Das hiesige Zertifikat ermöglicht zwar technisch eine sichere Verschlüsselung und ist bis August 2019 gültig. Entziehen aber Google und andere Browserhersteller das Vertrauen, ist die hiesige Domain nicht mehr per Chrome aufrufbar. Mozilla möchte sich diesem Schritt anschließen, so daß auch mit FireFox die Domain nicht mehr nutzbar wäre.

Die Konsequenz dieser Google-Maßnahme: Alle Websites mit Zertifikaten aus dieser Infrastruktur brauchen neue Zertifikate basierend auf Root-Zertifikaten, denen Google vertraut.

Schließlich hat Symantec Ende letzten Jahres die gesamte Zertifikatssparte an DigiCert verkauft. Die gesamte Zertifikatsinfrastruktur von Symantec fliegt raus und wird durch jene von DigiCert ersetzt.

Die Konsequenz: DigiCert bietet nun allen bisherigen Nutzern der Symantec-Infrastruktur einen Zertifikatsaustausch an. Das geht direkt über die Tochterfirmen, die alle weiter existieren.

Soweit der Hintergrund. Gestern erhielt ich eine Mail, daß ich das Zertifikat für Server-Daten aus diesen Gründen austauschen könne. Ok, ein neues beantragt, das dasselbe Laufzeitende hat wie das bisherige Zertifikat. Den Link in der Mail bestätigt, dann kam das Zertifikat. Das wurde zusammen mit dem Zwischenzertifikat eingespielt, im Testsystem aktiviert.

Und dann? Dann funktionierte gar nichts. Grund: Die Http Public Key Pinning - Definition verweigerte die Verbindung. Klar. Das war ein neues Root-Zertifikat, mit dem ein neues RapidSSL-Zwischenzertifikat signiert worden war. Das hatte mein neues Zertifikat signiert. Damit fehlte ein passender pin-sha256-Wert im Header.

Positiv formuliert: Die Http Public Key Pinning - Logik funktionierte im FireFox wie gewünscht.

Folglich den Header geändert:

> Public-Key-Pins: max-age=3600; pin-sha256="h6801m+z8v3zbgkRHpq6L29Esgfzhj89C1SyUCOQmqU="; pin-sha256="nKWcsYrc+y5I8vLf1VGByjbt+Hnasjl+9h8lNKJytoE="; pin-sha256="Vjs8r4z+80wjNcr1YKepWQboSIRi63WsWXhIMN+eWys="; includeSubDomains

Die Zeit auf eine Stunde runtergesetzt. Einen weiteren pin-sha256 ergänzt - nämlich den vom neuen Zwischenzertifikat. Auf dem Testsystem nochmals das alte Zertifikat aktiviert. Einmal per FireFox drauf zugegriffen, damit dieser den neuen Hashwert cachen konnte. Und prompt konnte ich nun im Testsystem auch das neue Zertifikat nutzen.

Inzwischen läuft der neue Header auf dem Hauptsystem. Da muß ich nun 30 Tage warten, um sicher sein zu können, daß kein Browser mehr die alten, lediglich zwei pin-sha256-Werte gecacht hat. Nach 30 Tagen verfallen die alten Werte. Damit blockiert das nicht mehr.

Mit anderen Worten: Wenn man aufgrund eines solchen Konflikts zwischen Google und Symantec plötzlich und ungeplant ein neues Zertifikat braucht: Wer da HPKP nicht verwendet, der hat es einfach. Dann würde das neue Zertifikat schon längst laufen. Rein und fertig. Wer diesen erweiterten Schutz nutzt, muß eventuell sehr viel mehr Zeit einplanen. Und hätte ich den Zeitraum auf ein Jahr gesetzt, dann hätte ich mir damit bereits richtige Probleme produzieren können. Der eine Monat ist noch zu verkraften.

Allerdings: Vorhin spiele ich etwas rum. Und stelle etwas entgeistert fest, daß das neue Zertifikat gar nicht per Certificate Transparency auffindbar ist. Da gibt es Seiten zum Suchen:

https://crt.sh/

und

https://transparencyreport.google.com/https/certificates

Da waren die letzten Einträge für server-daten.de von 2016. Schließlich stellte sich heraus:

Google CT to Expand to All Certificates Types

https://www.digicert.com/blog/google-certificate-transparency-expand-to-all-certificate-types/

DigiCert nutzt aktuell Certificate Transparency nur für Extended Validation (EV) - Zertifikate. Nicht aber für die "einfacheren Varianten" Domain Validated (DV) und Organization Validated (OV) - Zertifikate. Erst ab April 2018 will DigiCert alle signierten Zertifikate per Certificate Transparency veröffentlichen.

Die Konsequenz: Wenn ich das Zertifikat, das aktuell auf dem Testsystem liegt, in einem Monat auf dem Hauptsystem aktiviere, verliere ich die öffentliche Kennzeichnung als CT-Zertifikat. Also werde ich wohl bis April warten. Und mir dann erneut ein neues Zertifikat für die verbleibende Restlaufzeit ausstellen lassen. Dann mit CT - und hoffentlich mit demselben Zwischenzertifikat, das aktuell per HPKP als PIN markiert ist. Sollte das neue Zertifikat mit einem neuen Zwischenzertifikat signiert werden, das nicht in meiner Zertifikatskette drin hängt: Dann muß ich nur noch eine Stunde warten, bis ich das aktualisieren kann.

Wer also ebenfalls ein Symantec-Zertifikat hat, das nach dem 01.06.2016 ausgestellt wurde und wer nun über den gleichen Dienstleister das Angebot erhält, sein Zertifikat durch eines zu ersetzen, das von der DigiCert-Infrastruktur signiert wurde: Der sollte prüfen, ob er nicht lieber noch drei Monate wartet. Um die Certificate Transparency nicht zu verlieren.

Zum Testen kann man übrigens

https://report-uri.com/home/pkp_analyse

nutzen. Bei den dortigen Tools gibt es auch die Möglichkeit, direkt einen öffentlichen Schlüssel eines Zertifikats hochzuladen und sich davon den für Http Public Key Pinning benötigten pin-sha256 - Wert anzeigen zu lassen. Darüber hatte ich den pin-sha256-Eintrag für das neue Zwischenzertifikat erhalten.

Fazit: Die Sicherheit von SSL-Zertifikaten ist eine "komplexe Geschichte". Die Certificate Authority (CA) - Unternehmen sowie die Browserhersteller haben eine große Verantwortung gegenüber den Website-Betreibern und gegenüber den Nutzern dieser Websites.

Bundesfinanzhof: Kindergeld aufgrund einer Ausbildung gibt es nicht nur bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses, sondern bis zum Ende der gesetzlich festgelegten Ausbildungszeit - III R 19/16

11.01.2018 23:47:30, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn Kinder eine Ausbildung machen, dann haben sie bzw. die Eltern Anspruch auf Kindergeld. Aber wann endet dieser Zeitraum?

Da gab es bereits Fälle, da galt die Regel: Die Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses beendete die Ausbildung, damit den Anspruch auf Kindergeld. Im Streitfall einer staatlich anerkannten Heilerziehungspflegerin war allerdings die Ausbildungszeit gesetzlich auf drei Jahre festgeschrieben. Folglich gab es einen Ausbildungsvertrag vom 01.09.2012 bis zum 31.08.2015. Die Abschlußprüfung fand bereits im Juli 2015 statt, in diesem Monat wurde auch das Ergebnis mitgeteilt.

Die Familienkasse wollte das Kindergeld für den August nicht mehr bezahlen. Und verlor nun die Revision vor dem Bundesfinanzhof.
.

Ausbildungsende im Kindergeldrecht - Urteil vom 14.9.2017, III R 19/16

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=35427&pos=0&anz=4

.
Der Leitsatz:

> Die Kindergeldgewährung aufgrund einer Berufsausbildung endet nicht bereits mit der Bekanntgabe des Ergebnisses einer Abschlussprüfung, sondern erst mit dem späteren Ablauf der gesetzlich festgelegten Ausbildungszeit.

Der Fall:

> Im Streitfall absolvierte die Tochter des Klägers eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Heilerziehungspflegerin, die nach der einschlägigen landesrechtlichen Verordnung drei Jahre dauert. Der Ausbildungsvertrag hatte dementsprechend eine Laufzeit vom 1. September 2012 bis zum 31. August 2015. Die Tochter bestand die Abschlussprüfung im Juli 2015; in diesem Monat wurden ihr die Prüfungsnoten mitgeteilt. Die Kindergeldgewährung setzte voraus, dass sich die Tochter in Berufsausbildung befand (§ 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG).

Die Familienkasse vertrat die Position, daß es mit der Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse nicht mehr auf die Rechtsvorschrift der dreijährigen Ausbildung ankommen würde. Und berief sich dabei auf frühere BFH-Urteile. Dieser war anderer Meinung:

> Der BFH hat mit dem neuen Urteil seine Rechtsprechung zur Dauer der Berufsausbildung präzisiert. In den bislang entschiedenen Fällen war die Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses der späteste in Betracht kommende Zeitpunkt des Ausbildungsverhältnisses. Hiervon unterscheidet sich der Streitfall, weil hier das Ausbildungsende durch eine eigene Rechtsvorschrift geregelt ist. Nach § 2 Abs. 2 Satz 1 der Heilerziehungspflegeverordnung des Landes Baden-Württemberg dauert die Fachschulausbildung zur Heilerziehungspflegerin drei Jahre.

Voraussetzung ist also eine eigene Rechtsvorschrift.

> Die Vorschrift des § 21 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), der zufolge eine Berufsausbildung vor Ablauf der Ausbildungszeit mit der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses endet, war nicht einschlägig, da die Ausbildung an einer dem Landesrecht unterstehenden berufsbildenden Schule absolviert wurde, so dass das BBiG nicht anwendbar war. Damit endete die Berufsausbildung nicht im Juli 2015, sondern erst mit Ablauf des Folgemonats.

Da die Ausbildung per Rechtsvorschrift bis zum Ende August ging, heißt dies ja, daß die Auszubildende bis zu diesem Zeitpunkt (trotz bereits bestandener Prüfung) auch keine andere Arbeitsstelle annehmen kann.

Die spezielle Regelung der eigenen Rechtsvorschrift steht damit über der allgemeinen Vorschrift des Berufsbildungsgesetzes und begründet einen Kindergeldanspruch für drei Jahre.

Hauptumsatz nicht zu Weihnachten, sondern im Januar - knapp 5 Prozent aller gewerblichen Ebay-Händler machen im Januar 50 Prozent oder mehr ihres Jahresumsatzes

10.01.2018 23:57:09, Jürgen Auer, keine Kommentare

Von meinen Kunden kenne ich das in gewissen Grenzen: Die einen arbeiten eigentlich kontinuierlich das ganze Jahr. Aber im Winter ist das Geschäft um Weihnachten herum flau, während es im restlichen Jahr floriert. Andere Kunden haben ihren Hauptumsatz im Frühjahr und im frühen Sommer. Der Rest des Jahres ist mit Planungen und Vorbereitungen fürs nächste Jahr ausgefüllt. Der Umsatz ist in dieser Zeit eher mau. Dritte haben ein Sommerhalbjahr-Geschäft. Da findet alles statt, das Geld muß den Winter abdecken. Und vierte nutzen die Datenbank erst im Herbst und Winter so richtig. Allerdings verteilen sich bei allen Kunden die Umsätze auf mehrere Monate.

Weitaus extremer scheint das dagegen in manchen Bereichen des Handels zu sein. Eine Pressemeldung von Ebay von heute nennt verblüffende Zahlen:
.

Das geheime Weihnachtsgeschäft: Wenn Online-Händler im Januar durchstarten

https://www.ebayinc.com/stories/press-room/de/das-geheime-weihnachtsgeschaeft-wenn-online-haendler-im-januar-durchstarten/

.
Global: Knapp 5 Prozent, also immerhin fast jeder zwanzigste Händler, erwirtschaftet mehr als 50 Prozent des Jahresumsatzes (a) in einem Monat und (b) auch noch im Januar.

Daß gewisse Artikel bsp. nur um Weihnachten herum gefragt sind, es also Käufer nur zwischen Oktober und Dezember gibt, das ist nachvollziehbar. Aber was wird im Januar gekauft?

Ein Shop verkauft Tablethüllen und Zubehör. Da gibt es das Tablet zu Weihnachten. Nach einigen Wochen Erfahrung wird Zubehör gesucht. Und das gibt es in einer doppelten Welle. Die einen kaufen sich ein neues Tablet. Das bisherige wird im Familienkreis weitergereicht - und auch von dort gibt es Zubehörbedarf.

Ein Händler, Jan Harnisch:

> „Viele Kunden entscheiden sich im Verlauf der ersten zwei bis drei Wochen nach Weihnachten für entsprechendes Zubehör ihrer neuen Geräte. Das ältere Tablet wird dann oft an Familienangehörige oder Bekannte weitergegeben. Daraus entsteht in einer zweiten Welle eine große Nachfrage nach neuem Zubehör für Geräte älterer Generationen. Diese gestiegene Nachfrage zieht sich bis in den Februar“

Die Kategorien: 22 Prozent aller Händler mit Januar-Spitzenumsatz entfallen auf die Kategorie Haus & Garten. Elektronik folgt mit 20 Prozent, Fashion mit 17 Prozent.

Eine zweite Variante sind bestimmte Luxusartikel, etwa hochwertige Uhren. Ein Händler meint, daß solche Uhren weniger verschenkt, sondern eher selbst gekauft werden. Das ist dann eine Art Selbstbeschenkung - der Kauf einer Luxusuhr.

Der letzte Punkt wäre der einzigste, der mir eingefallen wäre: Manche Händler verkaufen im Januar sehr viele Softwarelizenzen. Diese gelten oft für ein Jahr. So daß im nächsten Jahr eine neue Lizenz zur gleichen Zeit fällig wird.

Die 50 Prozent Jahresumsatz in einem Monat sind noch nicht einmal die Grenze. Knapp 4 Prozent machen sogar 70 Prozent und mehr ihres Jahresumsatzes im Januar.

Persönlich fände ich solche extremen Asymmetrien "sehr herausfordernd" und bin selbst froh, daß ich das mit Server-Daten so nicht habe. Da fallen die Kosten gleichmäßig über das ganze Jahr verteilt an. Aber sowohl die Mietzahlungen als auch die Einrichtungstätigkeiten verteilen sich über das ganze Jahr. Das ist dann manchmal eher konträr zum Geschäft des Kunden: Ist der Kunde mit seinem Hauptgeschäft ausgelastet, wird die Datenbank genutzt. Und nur außerhalb dieser Zeit angepaßt und weiterentwickelt. In der eigenen Kernverdienstzeit fehlt die Zeit für solche strukturellen Dinge.

3D-Zeichenkunst - Gegenstände dreidimensional zeichnen - die Bilderwelten von Stefan Pabst

09.01.2018 23:35:12, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das, was Sie da in dem Vorschaubild sehen: Das ist doch ein Glas, gefüllt mit Wasser. Oder etwa nicht? Oder ist es ein Photo? Das Anfangsbild dieses Videos zeigt etwas ganz anderes: Ein komisches, flachgedrücktes Etwas, aufgezeichnet auf einem Blatt Papier. Und zwar so, daß das über das Blatt hinausragt bzw. das Blatt an einer Seite zurechtgeschnitten worden ist.

Aber wenn man das Blatt umdreht bzw. von der anderen Seite her betrachtet? Dann wird ein Glas, gefüllt mit Wasser draus.
.

Stefan Pabst - Vaso de agua

https://www.youtube.com/watch?v=lgzTWKwH7ak

.
Das Video zeigt, wie das Glas gezeichnet wurde. Von unten nach oben. Am Ende wird der größere Papierbogen zurechtgeschnitten. So daß das Glas über den Rand hinausragt.

Und wenn man am Ende das Papier auf den Rand eines Holztisches legt und es herunterzieht: Selbst da ertappt sich der Zuschauer dabei, daß er am liebsten eingreifen und das Glas festhalten möchte. Obwohl das doch nur ein Stück bemaltes Papier ist.

Auf YouTube hat er inzwischen zwei eigenene Kanäle:

PortraitPainter Pabst

https://www.youtube.com/user/lanevski1

https://www.youtube.com/PortraitPainterPabst

Aus seiner Kanalinfo:

> *True art in small portions for everyone*

> I want to show that you can do anything with painting. I want to show the magic of painting.

Er möchte zeigen, daß man mit Zeichnen und Malen alles machen kann. Er will die Magie des Zeichnens vermitteln.

Auf seiner Website

Portrait gemalt nach Foto

http://portrait-gemalt-nach-foto.de/

bietet er an, daß er Fotos in Bilder umwandelt. Auf der Seite

http://portrait-gemalt-nach-foto.de/video.html

wird unter der Überschrift "Portraitmalerei vom Foto" skizziert, wie das Bild schrittweise zusammengesetzt wird. Erst die groben Gesichtszüge, umrahmt durch die Haare. Dann die Haare detaillierter, mit Struktur. Die Augen, Nase und Mund. Dann Schattierungen. Schließlich noch "der Blick aus der Entfernung" und der Feinschliff.

Auf Facebook

3DDrawingPabst

https://www.facebook.com/3DDrawingPabst/

steht die 3D-Zeichenkunst im Mittelpunkt.

Die "große Spinne"

3D Spider Drawing/AMAZING realistic illusion!

https://www.youtube.com/watch?v=TAYhfcr6wwQ

hat über 12 Millionen Aufrufe.

Scheinselbständigkeit - IAB schätzt Zahl der im Hauptberuf scheinselbständigen Beschäftigten auf 0,7 - 1,3 Prozent - betroffen vorrangig schwächere Arbeitsmarktteilnehmer

08.01.2018 22:06:19, Jürgen Auer, keine Kommentare

Scheinselbständigkeit ist einerseits ein Ärgernis, wenn Leute, die bislang abhängig beschäftigt waren, nun entlassen werden, als scheinbar Selbständige dieselbe Arbeit machen wie bisher, aber aufgrund ihrer scheinbaren Selbständigkeit nun für ihre Sozialabgaben selbst verantwortlich sind. Praktisch ist das eine Möglichkeit, die Kosten deutlich zu drücken. Auf Kosten jener, die ohnehin eine eher schwache Position haben.

Gleichzeitig ist das Thema Scheinselbständigkeit immer wieder ein Ärgernis, wenn hochqualifizierte Personen, die keine feste Stelle wünschen und aufgrund ihrer Spezialkenntnisse sich ihre Tätigkeiten aussuchen können, aus - in diesem Fall eher absurden - Gründen als scheinselbständig eingestuft werden. Etwa "nur deshalb", weil sich ein Projekt eben verlängert, so daß es innerhalb eines Kalenderjahres keine andere Einnahmequelle mehr gibt.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sich nun in einer Studie einige Daten angesehen.
.

Scheinselbständigkeit in Deutschland. Auch eine Frage der Abgrenzung

https://www.iab-forum.de/scheinselbstaendigkeit-in-deutschland-auch-eine-frage-der-abgrenzung/

.
Die Grundlage:

> Scheinselbständigkeit bezeichnet ein Vertragsverhältnis, bei dem Erwerbstätige laut Vertrag als Selbständige beauftragt werden, während bei objektiver Betrachtung die Merkmale eines Arbeitnehmers erfüllt sind. Den Betroffenen käme demzufolge ein arbeitsrechtlicher Schutz als Arbeitnehmer zu.

Die Rechtssprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG): Demnach gilt für formal selbständig Erwerbstätige, daß diese

> dann als abhängig Beschäftige gelten, wenn sie den Weisungen ihres Auftraggebers hinsichtlich der Art, der Zeit und des Orts der Leistungserbringung unterliegen, sie ferner verpflichtet sind, mit Mitarbeitern des Auftraggebers zusammenzuarbeiten und dessen Arbeitsmittel zu nutzen.

Dieses Modell

> betont den Leitgedanken der „persönlichen Abhängigkeit”, die sich wiederum an den Kriterien „Weisungsgebundenheit” und „Eingliederung in die Organisation” festmacht.

Für spezialisierte IT-Fachleute kann es durchaus notwendig sein, daß diese mit Mitarbeitern des Auftraggebers zusammenarbeiten und - vor Ort - natürlich die Computer des Auftraggebers nutzen. Wer will schon einen "fremden Laptop" in seinem Netzwerk.

Ferner wurde ein Alternativmodell herangezogen, das vom Bochumer Arbeitsrechtler Rolf Wank stammt. Das geht von einer angemessen Verteilung von Chancen und Risiken aus.

> Eine solche Verteilung ist nach Wank nicht gegeben, wenn ein Selbständiger keine inhaltliche unternehmerische Freiheit hat, keine eigene Unternehmensorganisation aufweist und nicht eigenständig am Markt auftritt.

Zur "unternehmerischen Freiheit" des hochspezialisierten IT-lers kann es damit natürlich auch gehören, daß dieser ein Projekt fortsetzt, weil eben noch einiges zu tun ist. Trotzdem kann er problemlos eigenständig am Markt auftreten. Der tatsächlich Scheinselbständige stünde dagegen schnell vor dem Nichts, wenn er seinen einen Auftraggeber verliert.

Aufgrund des BAG-Modells wird die Zahl der Scheinselbständigen auf 235.000 geschätzt. Das sind etwa 0,7 Prozent aller Erwerbstätigen (ohne Beamte und Landwirte). Nach dem Alternativmodell gäbe es etwa 436.000 Scheinselbständige, also 1,3 Prozent.

Eigentlich brisant finde ich den folgenden Satz:

> Die Studie zeigt, dass sich gerade die schwächeren Arbeitsmarktteilnehmer mit höherer Wahrscheinlichkeit in scheinselbständigen Erwerbspositionen befinden, während Erwerbstätige mit günstigen Arbeitsmarktvoraussetzungen häufiger Vertragskonstruktionen aushandeln können, die tatsächlich den rechtlichen Kriterien einer Solo-Selbständigkeit genügen.

Bei Jüngeren ist das Risiko einer Scheinselbständigkeit besonders hoch, ebenso bei Berufseinsteigern. Ferner sind Geringqualifizierte besonders häufig von Scheinselbständigkeit betroffen. Für Frauen, Personen mit Migrationshintergrund, Personen mit einer geringen Qualifikation und Personen mit Arbeitslosenerfahrung steigt das Risiko.

Richtig desaströs sieht das beim Blick auf das Einkommen aus:

> Dazu wurden die monatlichen Bruttoeinkommen von Scheinselbständigen im Haupterwerb mit den monatlichen Bruttoeinkommen von selbständig und abhängig Haupterwerbstätigen verglichen. Danach verdienen die beiden letztgenannten Gruppen im Schnitt jeweils rund 20 Prozent mehr als Scheinselbständige.

"Selbständigkeit" heißt ja eigentlich, daß man mehr als Angestellte verdienen müßte. Da man keinen bezahlten Urlaub hat und die Sozialabgaben selbst finanzieren muß. Bei Scheinselbständigen ist das ins Gegenteil verkehrt.

Wobei der Abstand zu Angestellten bei 20 % (BAG) und 17 % (Alternativmodell) liegt, der Abstand zu Selbständigen dagegen bei 22 % (BAG) und 19 % (Alternativmodell).

Eigentlich verblüffend ist, daß der Vergleich zu einer Studie von 1995 zeigt, daß der Anteil der Scheinselbständigen seither leicht gesunken ist. Es handelt sich also nicht unbedingt um ein "neueres Phänomen".

Grosse Murals mit Tierbildern - von Dzia - die durch die Welt wirbeln

07.01.2018 23:45:20, Jürgen Auer, keine Kommentare

Große Murals, also Wandgemälde, die auf Außenwänden und Brandmauern aufgebracht sind: Hier in Berlin verschwinden sie derzeit immer mal wieder. Weil Lücken zwischen den Häusern, die teils noch auf den Krieg zurückzuführen sein dürften, nun geschlossen werden.

Ganz anders sieht das im weltweiten Maßstab aus. Teils gibt es private Gesellschaften, etwa Wohnungsbaugesellschaften, die explizit Künstler damit beauftragen, die Wohnhochhäuser mit Bildern zu schmücken.

Und es gibt "reisende Künstler", die auf der halben Welt Spuren ihres großformatigen Tuns hinterlassen.

So der belgische Künstler Dzia, der riesengroße Tierbilder erschafft.
.

Frenetic Animal Murals by Dzia Swirl to Life Across the World

http://www.thisiscolossal.com/2018/01/frenetic-animal-murals-by-dzia-swirl-to-life-across-the-world/

.
Ein Fuchs, der die Seitenfläche eines zweistöckigen Hauses ausfüllt. Oder ein Adler im Anflug. Da ist das Haus vier Stockwerke hoch. Fast könnte man meinen, daß sich der Adler gleich das geparkte Fahrrad schnappt.

Eine kleine Hütte, vielleicht ein Wartehäuschen. Mit einer Kröte, auf der sich ein Schmetterling niedergelassen hat.

Noch viel mehr gibt es auf seiner Website unter "Walls":

http://www.dzia.be/WALLS

Leider lassen sich dort die Bilder nicht direkt verlinken. Das geht aber auf Instagram:

Dzia

https://www.instagram.com/dzia/

Manche Bilder dürften "janz weit draußen" entstanden sein. Etwa dieses Bild

https://www.instagram.com/p/BWVdvjphb6l/

115 km vom Polarkreis entfernt, 100 km von Bodø, einer Stadt in Norwegen. 24 Stunden Helligkeit und eine magische Mitternachtssonne.

Andere sind in "belebten Umgebungen", auf Hauswänden, Mauern - oder auch auf Treppengeländern:

https://www.instagram.com/p/BRszOxHhTK0/

https://www.instagram.com/p/BJGRTkzjNWT/

Oder auf Schaltkästen:

https://www.instagram.com/p/BDG4FMtSk99/

Das älteste Bild auf Instagram:

https://www.instagram.com/p/bmLeV7yk9u/

Eine in zwei Farben gemalte Heuschrecke vom 10. Juli 2013.

Wenn man sich auf der Website unter Walls durchklickt, gibt es bsp. das Bild 50 von 219: Da sieht man, daß drei Bilder jeweils die abschließende Wand einiger Reihenhäuser schmücken.

Der RAI Car Park von Benthem Crouwel Architects in Amsterdam - mit doppelgängigen Wendelrampen - fast eine Neuauflage der Berliner Kant-Garagen

06.01.2018 23:45:18, Jürgen Auer, keine Kommentare

Die Wiedergeburt einer alten Idee - könnte man fast sagen. Oder: Wie baut man sinnvoll ein Parkhaus? Über einen Querverweis fand sich der Hinweis auf ein faszinierendes Gebäude in Amsterdam.

Der RAI Car Park. Der ist Teil des RAI - ein großes Kongress- und Veranstaltungszentrum. Ok, da kommen immer wieder viele Gäste. Da macht ein Parkhaus Sinn.

Aber wie kann man das gestalten? Das Ergebnis enthält jedenfalls zwei verblüffende Komponenten:
.

RAI Car Park / Benthem Crouwel Architects

https://www.archdaily.com/796946/rai-car-park-benthem-crouwel-architects

.
Zum einen ist das eigentliche Parkhaus doppelt gestaltet: Das gesamte Parkhaus ist 30 Meter hoch und hat 8 Parkebenen für insgesamt 1000 Autos. Aber die erste Ebene kann auch für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt werden. Mit einer Höhe von 7,2 Metern (doppelt so hoch wie die anderen Ebenen) und 2.800 Quadratmetern läßt sich da einiges machen. Ferner kann diese Ebene direkt an die Hauptveranstaltungsräume des RAI angeschlossen werden. Oder sie wird unabhängig von den Hauptveranstaltungsräumen genutzt.

Ebenso läßt sich die oberste Ebene für Veranstaltungen einsetzen.

Eigentlich beeindruckend sind aber die beiden Wendelrampen, die in Schraubenform das Gebäude für Autos erschließen. Die eine ist zum Hochfahren, auf der anderen geht es wieder abwärts. So daß sich die beiden Verkehrsströme nicht in die Quere kommen.

Das führt zu einem schnellen und effizienten Ein- und Ausparken.

Bei einem der unteren Querschnittsbilder in dem oben verlinkten Artikel sieht man, wie die erste Ebene doppelt so hoch ist wie die anderen Ebenen.

Die Wendelrampen sind am Abend mit blauen LED-Lampen beleuchtet und gut von der nahen Autobahn her sichtbar.

Weitere Bilder fanden sich nicht direkt bei RAI, sondern hier:

RAI Amsterdam

https://www.adst.nl/projecten/amsterdam-rai/

.
Dieselbe Logik mit doppelgängigen Wendelrampen findet sich hier in Berlin bei den Kant-Garagen:

Kant-Garagen

https://de.wikipedia.org/wiki/Kant-Garagen

.
Das ist die einzigste in Berlin und Brandenburg erhaltene Hochgarage aus der Zwischenkriegszeit. Ferner ist das die älteste in Europa noch erhaltene Hochgarage mit doppelgängigen Wendelrampen und schließlich die weltweit einzigste Hochgarage mit Vorhangfassade. Allerdings führt die Vorhangfassade auch dazu, daß das Gebäude von der Kantstraße her nicht unbedingt auffällt.

Die Kant-Garagen verfielen über Jahre hinweg, die damaligen Besitzer hatten 2013 einen Abrißantrag gestellt. Glücklicherweise setzen sich schließlich hinreichend viele Personen für den Erhalt ein. Das Gebäude wurde Ende 2016 verkauft und wird nun teils umgebaut, teils saniert und rekonstruiert.

Höchste Zeit: Steuerfahndung beschäftigt sich mit chinesischen Händlern auf Amazon Marketplace - Waren und Guthaben von etwa 100 Onlinehändlern wurden beschlagnahmt

05.01.2018 23:56:50, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer hier in Deutschland ansässig ist und Waren oder Dienstleistungen anbietet: Der schreibt Rechnungen mit 19 Prozent Umsatzsteuer. Die eingenommene Umsatzsteuer kann durch die selbst gezahlte Vorsteuer gekürzt werden, der Rest geht meist quartalsweise oder monatlich per Umsatzsteuer-Voranmeldung ans Finanzamt. Dort machen die Einnahmen durch Umsatzsteuer einen beträchtlichen Teil der gesamten Staatseinnahmen aus.

Eigentlich gilt das für alle, die hier mit Waren handeln oder Dienstleistungen anbieten. Allerdings gab es in den letzten Jahren eine große Gruppe von Händlern, die diese Pflichten nicht so genau nahmen.

Händler, oft aus China, die bsp. Ebay oder Amazon Marketplace nutzen. Die ihre Waren hierher liefern und von Amazon verteilen und ausliefern lassen. So daß auch Amazon und andere Plattformbetreiber von diesen Aktivitäten profitieren. Die Preise wurden mit 19 Prozent Umsatzsteuer ausgewiesen. Nur an die Finanzämter wurde das nicht abgeführt. Für China ist bsp. das Finanzamt Berlin-Neukölln zuständig. Dort müßten sich die Händler eigentlich registrieren. Da gibt es aber genau 432 registrierte Händler. Bei über 10.000 Händlern, die auf Amazon Marketplace in Deutschland Waren anbieten.

Ende 2017 gab es dagegen nun eine größere Aktion, wie der Wortfilter berichtete:
.

Amazon: Finanzamt beschlagnahmt Lager und Guthaben großer China-Händler

https://www.wortfilter.de/wp/amazon-finanzamt-beschlagnahmt-lager-und-guthaben-grosser-china-haendler/

.
Demnach wurden am 28.12.2017 diverse große Händler auf Amazon.de suspendiert, der Lagerbestand und die Amazon Payment-Guthaben wurden beschlagnahmt.

Es wurden vor allem größere Händler suspendiert, mit Lagerbeständen von 2 - 3 Millionen.

Erkennbar sind die Accounts daran, daß sie noch in den letzten Wochen gute Bewertungen hatten, nun aber keine Artikel mehr anbieten.

Laut

Steuerfahndung: Chinesische Händler auf Amazon Marketplace im Visier

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Steuerfahndung-Chinesische-Haendler-auf-Amazon-Marketplace-im-Visier-3933371.html

entgehen den deutschen Finanzämtern über diesen Weg jährlich bis zu einer Milliarde Euro an nicht abgeführter Umsatzsteuer. Geld, das einerseits dem deutschen Staat zur Verfügung stünde. Das aber andererseits auch dazu genutzt werden kann, die Waren konkurrenzlos billig anzubieten. So daß ehrliche Händler mit Sitz in Deutschland kaum eine Chance haben.

Immerhin scheint sich nun allmählich etwas zu tun, nachdem das Thema jahrelang brach lag. Die Länder wollen das Umsatzsteuergesetz ändern. Ziel könnte es sein, daß die Plattformen für das korrekte Verhalten der Händler haften.

Praktisch wären auf dieser Ebene die Lösungen auch eher simpel. Amazon müßte nur den Umsatzsteueranteil direkt abziehen und den Händlern lediglich den Nettogewinn gutschreiben. Die Differenz ginge direkt ans Finanzamt.

So ähnlich, wie das Banken mit der Quellensteuer machen. Das würde für eine deutlich verbesserte Steuergerechtigkeit für alle Händler sorgen, die Amazon nutzen. Für die bis jetzt schon ehrlichen Händler würde sich nichts wesentliches ändern. Aber alle, die die Umsatzsteuer bis jetzt nicht abgeführt haben, würden das schlagartig machen.

Auf Gründerszene

Unter den privaten Verkäufern auf Amazon und Ebay herrscht „Panik“

https://www.gruenderszene.de/allgemein/amazon-mehrwertsteuer-chinesische-haendler-panik

wird berichtet, daß USA-Händler auf Ecommercebytes.com hoffen, daß in den USA ähnliches geschehen möge. Das würde die E-Commerce-Landschaft völlig verändern.

Allerdings wird dort eben auch darauf verwiesen, daß schon der Bundesrechnungshof vor drei Jahren von einem geringen Entdeckungsrisiko gesprochen habe. Ein Artikel bei Heise vom 17.11.2015:

Bundesrechnungshof beklagt Steueroase Internet und andere Defizite

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundesrechnungshof-beklagt-Steueroase-Internet-und-andere-Defizite-2923125.html

> "Bund und Länder sind aber ohne Konzept, wie sie diesen Anbieterkreis systematisch steuerlich kontrollieren können", heißt es. "Es ist zu befürchten, dass sich viele Internetanbieter erst gar nicht steuerlich erfassen lassen."

Und weiter:

> "Für ausländische Internetanbieter, die ihre Umsätze nicht erklären, ist das Entdeckungsrisiko deshalb sehr gering."

Praktisch ist da über Jahre hinweg von seiten der Politik nichts unternommen worden.

Mal sehen, ob sich das nun ändert. Eine direkte zwangsweise Quellenbesteuerung durch die Plattformen könnte das Problem nachdrücklich lösen.

Blutlieferungen per Drohne - in Ruanda reduzieren Zipline-Drohnen die Lieferung von Blutkonserven von vier Stunden auf eine halbe Stunde

04.01.2018 23:49:17, Jürgen Auer, keine Kommentare

In Großstädten wie hier in Berlin dürfte es meist genügend Blutkonserven geben. So daß bei Bedarf schnell eine Blutkonserve für eine lebensrettende Maßnahme zur Verfügung steht.

Aber wie ist das in ländlichen Gegenden? Noch dazu in Afrika, wo die Infrastruktur nicht unbedingt so gut ist?

Das US-Startup Zipline hat zusammen mit dem Gesundheitsministerium in Ruanda ein Projekt gestartet. Das auch als "Uber for blood" bezeichnet wird. Im letzten Jahr wurden auf diesem Weg mehr als 5.500 Blutkonserven verteilt.
.

'Uber for blood': how Rwandan delivery robots are saving lives

https://www.theguardian.com/global-development/2018/jan/02/rwanda-scheme-saving-blood-drone

.
Es gibt eine Basisstation im Osten des Landes. Diese verteilt Blut an 12 umliegende regionale Krankenhäuser. Jedes Krankenhaus ist für etwa eine Million Personen zuständig. Bei insgesamt (Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Ruanda ) knapp 13 Millionen Einwohner kann praktisch jeder Einwohner in Ruanda davon profitieren.

Das Blut hilft, die Müttersterblichkeit bei der Geburt zu reduzieren. Und bei einer Malaria-induzierten Anämie.

Wenn ein Arzt Blut benötigt, kann er das per WhatsApp oder über die Website anfordern. Dann gibt es eine Bestätigung.

Die Drohne wird per Katapult gestartet und fliegt mit etwa 60 Meilen pro Stunde zur Klinik. Das sind knapp 100 Stundenkilometer. Die Drohne wirft die verpackte Blutkonserve dann ab, die Konserve landet per Fallschirm. Die Drohne kehrt zu ihrem Stützpunkt zurück.

Auf dem Landweg würde der Transport meist etwa 4 Stunden dauern. Durch die Drohne reduziert sich das auf eine halbe bis dreiviertel Stunde. Diese verkürzte Zeitspanne ist lebensrettend.

Ferner hat das System den Vorteil, daß die Krankenhäuser weniger eigene Blutkonserven lagern müssen. Da gibt es immer das Risiko, daß die Blutkonserve verdirbt und nicht mehr verwendet werden kann.

Ein ähnliches System soll nun in Tansania mit 56 Millionen Einwohnern aufgebaut werden. Dort soll es vier Basisstationen geben, die insgesamt mehr als 1000 Kliniken versorgen.

Auf der Zipline-Seite gibt es Bilder:

Flyzipline - Service

http://www.flyzipline.com/service/

Ein Video: Zipline (auch oben verlinkt):

https://www.youtube.com/watch?v=6wBeXIgD4sY

Auf der Website ist von inzwischen 21 Krankenhäusern die Rede, die beliefert werden. Die Kapazität reicht für 500 Lieferungen pro Tag. Die Drohnen können bei jedem Wetter fliegen, zu jeder Zeit. Im Schnitt legen sie 75 km zurück und können bis zu 1,5 kg transportieren.

In der Gallerie

http://www.flyzipline.com/gallery/

gibt es weitere Videos.

Auf der Flyzipline-Startseite gibt es einen beeindruckenden Satz:

> I used to see the drones fly and think ‘they must be mad’, until the same drone brought me blood and saved my life.
>
> Alice Mutimutuje, Mother, Rwanda

Wenn man sich die Videos ansieht: Eine grüne, hügelige Landschaft. Aber damit sind die Wege für Autos lang. Viel zu lang.

Ein beeindruckendes Beispiel für ein Startup, das Leben rettet.

Böllerei zu Silvester - muss das sein oder kann das weg? Warum nicht die ganze private Böllerei abschaffen?

03.01.2018 23:53:36, Jürgen Auer, keine Kommentare

Normalerweise gehe ich ja regelmäßig am Abend eine Runde raus. Als Ausgleich zur Schreibtischarbeit ist das notwendig und mir ein Bedürfnis.

Aber an Silvester - hatte ich diese Runde wieder einmal gestrichen.

Warum? Hier knallt es spätestens ab der Dämmerung. Und bald wird das zu einem ständigen Rauschen. Raketen, die nach oben zischen. Die müssen ja auch irgendwann wieder runterfallen. Und da muß es nicht mein Kopf sein, den das trifft.

Analog habe ich keine Lust, zufällig in eine Gruppe zu geraten, die meint, andere mit Raketen beschießen zu müssen oder Böller in Menschenmengen zu werfen. Augen und Ohren habe ich nur einmal. Sind die kaputt, wäre das ein "teurer Spaziergang" gewesen.

Interessant ist, daß es in diesem Jahr solche Positionen in etwas größerem Maße gab. Etwa Christoph Lauer in der ZEIT.
.

Silvesterknaller: Die Freiheit, andere zu gefährden

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-01/silvesterknaller-freiheit-tradition-gefahr-verbot/komplettansicht

Und - teils mit Bezug darauf, teils ergänzend: Silvesterbilanz: Bereitet der Böllerei endlich ein Ende!

http://www.tagesspiegel.de/politik/silvesterbilanz-bereitet-der-boellerei-endlich-ein-ende/20808472.html

.
Die Daten sind jedes Jahr dieselben. Diverse teils schwer verletzte Leute. Selbst wenn man der Meinung ist, daß jene, die mit gefährlichen Böllern hantieren und sich selbst schwerste Verletzungen zufügen, das selbst verschuldet hätten: Da ruinieren sich Leute ihr ganzes weiteres Leben. Ganz von jenen zu schweigen, die unbeteiligt sind und irgendetwas abbekommen.

Dann die Brände. Raketen auf Balkone, dort fängt Gerümpel Feuer, die Wohnung brennt aus. Oder das ganze Haus mit dazu. 432 Brände gab es dieses Jahr in Berlin. In Neukölln wurde eine Ladentür beschädigt, daraufhin Feuerwerkskörper reingeschossen. Der Laden brannte aus, die berufliche Existenz der Besitzer ist gefährdet. Drüber wurden Leute aus den Wohnungen geholt. Eine Hochhauswohnung brannte aus, ebenso ein Einfamilienhaus.

Bilanz der Silvesternacht in Berlin: Polizeigewerkschaften verurteilen Angriffe auf Einsatzkräfte

http://www.tagesspiegel.de/berlin/bilanz-der-silvesternacht-in-berlin-polizeigewerkschaften-verurteilen-angriffe-auf-einsatzkraefte/20802710.html

Plus acht Angriffe auf Einsatzkräfte und 57 Angriffe auf Einsatzfahrzeuge bei der Feuerwehr.

Dabei geht es doch auch ganz anders. Auf der großen Party am Brandenburger Tor knallen Profis. Privates Feuerwerk ist dort seit langem strikt untersagt. Ebenso in vielen anderen Ländern, in denen es diese unsägliche Tradition des privaten Knallens gar nicht gibt. Und in Deutschland gibt es das ja in dieser exzessiven Form auch nur in den Großstädten. Wo man sich bald fragt, ob das nun eine Art Ersatz-Erster-Mai ist, nachdem dieser inzwischen deutlich befriedet wurde. Oder wo Leute, die das bei sich nicht dürfen, nach Berlin kommen, um sich hier auszutoben.

Schließlich die Tiere, die jedes Jahr unter dem Krach leiden. Die Feinstaubbelastung liegt bei etwa 5000 Tonnen in ganz Deutschland. Das entspricht etwa 17 % dessen, was im Jahr im Straßenverkehr produziert wird. Am Ende liegt schließlich tagelang der Müll rum. Wenn dann noch unmittelbar nach Silvester Schnee fällt, dann bleibt der Silvesterdreck auch gerne mal bis Ende Januar oder Mitte Februar liegen.

Theoretisch könnte das jede Stadt selbst regeln. Teils wird das auch schon gemacht. In Städten wie Ravensburg, Konstanz und Tübingen ist das mit Blick auf die brandgefährdeten historischen Fachwerkhäuser bereits untersagt. Aber hier fürchtet die Politik wohl, als Spaßbremse und als Touristenschreck zu gelten.

Praktisch wäre das ein spannendes Thema für einen Volksentscheid. Es wäre interessant, zu erfahren, wie die Mehrheit der Bevölkerung tatsächlich darüber denkt. Die 137 Millionen Euro, die in Deutschland zu Silvester für Feuerwerk ausgegeben werden, könnte man jedenfalls für sinnvollere Dinge nutzen.

Twitter blockiert zeitweilig Sheriff-Account nach Verletzung der Terms of Service - Tweet mit massivem Angriff auf Medien

02.01.2018 23:45:52, Jürgen Auer, keine Kommentare

Tja, fast könnte man sagen: Das grade begonnene Jahr 2018 könnte spannend werden. Nachdem die problematische Sprache / Hate Speech und die verbalen Angriffe auf Plattformen wie Facebook und Twitter in den letzten Jahren deutlich zugenommen hatten, scheinen beide Plattformen nun allmählich etwas deutlicher zu reagieren.

Die zeitweilige Sperrung zweier deutscher Politiker wirkt klein bzw. harmlos gegenüber dem Hinweis, der sich - natürlich - auf Twitter fand.
.

Sheriff David Clarke temporarily blocked on Twitter after violating terms of service

http://edition.cnn.com/2018/01/02/politics/sheriff-david-clarke-twitter/index.html

.
Dem ehemaligen Sheriff David A. Clarke von Milwaukee, der politisch Trump unterstützt, wurden zeitweilig die Schreibrechte entzogen, nachdem Twitter-Nutzer drei Tweets an das Unternehmen gemeldet hatten.

Erst nach der Löschung dieser drei Tweets wurde sein Konto wieder reaktiviert.

In einem Tweet ging es mächtig gegen die liberalen Medien. Man könnte den Tweet auch durchaus als Aufforderung zur Gewalt verstehen.

Die Twitter-Regeln:

https://help.twitter.com/en/rules-and-policies/twitter-rules

> Violence: You may not make specific threats of violence or wish for the serious physical harm, death, or disease of an individual or group of people.

Eine Aufforderung, jemandem in die Nase zu treten, auf daß dieser sein eigenes Blut schmeckt, gehört da mit dazu. Der genaue Tweet findet sich in dem obigen CNN-Artikel.

In Deutschland gibt es einerseits Zweifel, ob das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) nicht extrem problematisch ist. So daß es faktisch zu einer Einschränkung der Meinungsfreiheit führen könnte.

"Facebook-Gesetz": NetzDG macht Soziale Netze zu Richtern über "Hate Speech"

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-Gesetz-NetzDG-macht-Soziale-Netze-zu-Richtern-ueber-Hate-Speech-3929110.html

Allerdings ist ein privates Unternehmen meines Erachtens nach nicht dazu verpflichtet, beliebige Äußerungen auf der eigenen Plattform zu dulden. Schließlich steht es jedem frei, seine eigene Website zu eröffnen. Ein Weg, den auch der von Twitter zeitweilig blockierte Sheriff längst gegangen ist, wie man seinem "Pinned Tweet" entnehmen kann.

Die zeitweilige Sperrung dürfte in den USA noch zu so einigen Diskussionen führen. Mal sehen, ob die Sperrung in Deutschland morgen überhaupt thematisiert wird.

Never let anyone minimize your chance at success - Lassen Sie sich niemals von anderen einreden, dass etwas nicht geht

01.01.2018 23:47:04, Jürgen Auer, keine Kommentare

Geht das? Kann das gehen? Könnte das schief gehen? Wer gründet, wer gegründet hat und sich nun durch die tagtäglichen Herausforderungen und Entwicklungen durchwühlt: Der kennt solche Fragen ständig.

Sie gehören einfach mit dazu.

Erst jetzt ist mir das - mal wieder im Nachhinein - klar geworden. Als ich mit einem Kunden telefonierte und skizzierte, weshalb und wie ich in Server-Daten Content Security Policy Header (CSP) eingebaut hatte. Was das genau ist, wird wohl ein anderes Mal Thema. Dabei erwähnte ich nur beiläufig, daß drei Anläufe notwendig waren. Der erste, zum die Grundzüge und die Stolperfallen zu verstehen. Dann kamen Kundenprojekte. Der zweite Anlauf. Da gab es schon eine Lösung. Aber die war mit eval - also den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Keine wirkliche Lösung. Erst der dritte Anlauf führte schließlich zu einer brauchbaren Lösung. Die nun sogar besser ist, weil sie sogar dann funktioniert, wenn der (zu alte) Browser CSP-Header noch gar nicht unterstützt.

Ok, es waren drei Anläufe notwendig. Aber wen interessiert das hinterher, wenn das erst einmal läuft? Niemanden. Aber:
.

Never let anyone minimize your chance at success...

https://twitter.com/pandoraskids/status/947971020857671681

Wie steht das da in dem Bild:

> Anyone who minimizes the importance of success to your future has given up on his or her own chances of accomplishment and is spending his or her life trying to convince others to do the same.

Jeder, der die Wichtigkeit von Erfolg für die eigene Zukunft (die Zukunft von jemandem anderen) minimiert, der hat seine eigenen Chancen auf Erfolg aufgegeben. Und nun verbringt er seine Zeit damit, andere davon zu überzeugen, es genauso zu machen.

Wenn man überlegt, was alles schiefgehen könnte. Dann dürfte man gar nichts machen. Dann müßte man still in der Ecke sitzen - und verzweifeln oder Däumchen drehen.

Erst dann, wenn man anfängt, etwas umzusetzen. Dann mag man merken, wieviel einem da an Kenntnissen fehlen. Ok, dann arbeitet man sich da rein. Dann kommt der nächste Durchgang. Und schließlich knackt man das Problem. Weil man durch die Iterationen genügend neue Dinge gelernt und den Themenkomplex damit besser verstanden hat.

Aber Leute, die sich genau das nie in ihrem eigenen Leben getraut haben. Von denen sollte man sich fernhalten. Denn diese sind nicht zweckpessimistisch ("eval ist nicht gut, aber jetzt versuche ich es erst einmal damit, um dazuzulernen"). Sondern sie verhalten sich grundsätzlich pessimistisch. Egal, was man macht. Es gibt immer Einwände.

Damit interessieren sich solche Personen nicht für Lösungen. Nicht für Entwicklungen. Sondern sie interessieren sich dafür, andere auszubremsen.

Folglich gibt es bei einer Gründung nur eine Möglichkeit: Um solche Leute einen konsequenten Bogen machen.

Mit mir haben sich schon Leute in Verbindung gesetzt. Die viel wissen wollten. Wo meine Dienstleistung eigentlich gepaßt hätte. Aber dann:

> Das sei ja alles ganz interessant. Aber das käme für sie erst dann infrage, wenn ich einige Mitarbeiter hätte. Dann könne ich mich gerne bei demjenigen nochmals melden.

Nein danke, darauf verzichte ich. Wer will, der macht. Wer nicht will, der findet immer Gründe, weshalb das jetzt gerade noch nicht der richtige Zeitpunkt sei.

Das Absurde an so einer Argumentation ist: Jeder Gründer hat das Henne-Ei-Problem der Kundengewinnung. Da sollte man sich keinen Gründungsillusionen hingeben. Also benötigt man Kunden, die sich trotzdem auf die Dienstleistung einlassen. Denn nur dann kann ein Unternehmen wachsen und Mitarbeiter beschäftigen.

Aber wer da zuwartet: Der sagt auch: "Andere sollen risikoreicher sein als ich, damit das Unternehmen wachsen kann. Ist es dann groß genug, dann hänge ich mich ran".

Nee, mit solchen Nicht-Unternehmern sollte man lieber nicht zusammenarbeiten.

Insofern: Wenn Sie als Gründer mit solchen Anfragen zu tun haben. Überlassen Sie diese Interessenten gerne den Konkurrenten. Und konzentrieren Sie sich auf jene Kunden, die Ihre Kerndienstleistung bereits jetzt schätzen.

Glas und Holz - das Scott Slagerman Studio erschafft Glasvasen in Holzstücken - das Glas wird in das Holzstück hineingeblasen und passt damit perfekt

31.12.2017 23:42:58, Jürgen Auer, keine Kommentare

Glas und Holz: Da denkt man vielleicht an Fenster mit Holzrahmen. Und bei Glasvasen und Holz: Ok, eine Glasvase steht auf einem Holztisch.

Eine ganz eigene Kombination dieser beiden Ausgangsmaterialien hat das Scott Slagerman Studio erschaffen.

Eine Wood & Glass - Collection. Aus dem breiten Holzstück wird eine unregelmäßige umrandete Fläche herausgeschnitten. Das Glas wird in diese Öffnung hineingeblasen. So daß es den Hohlraum komplett ausfüllt. Und nach dem Erkalten auch nicht mehr entfernt werden kann.

Das Ergebnis sind ungewöhnliche Glasvasen mit Holzkörper.
.

Scott Slagerman Studio Creates Elegant Glass Vases Inside Pieces Of Wood

https://freeyork.org/design/scott-slagerman-studio-creates-elegant-glass-vases-inside-pieces-of-wood/

.
Ein Statement des Künstlers Scott Slagerman: Er sei immer von Glas fasziniert gewesen. Dieser Wechsel von einem festen Zustand zu einem flüssigen und wieder zurück.

Und in dem flüssigen Zustand könnten Objekte erschaffen werden, die esoterisch und essentiell seien. Gleichzeitig sei das gefährlich und faszinierend.

Auf der Website

Wood & Glass

https://www.scottslagerman.com/wood-glass

gibt es die ganze Kollektion zu sehen. Unter

Glass-blowing Video

https://www.scottslagerman.com/glass-blowing-video

gibt es zwar ein Video, wie er Glas bläst. Aber da kommt am Ende ein relativ großes Glasgefäß dabei heraus.

CaliBurger testet in Pasadena zusammen mit NEC Gesichtserkennungssoftware zum Bestellen und Bezahlen für Kunden - Vision des automatisierten Restaurants

30.12.2017 23:54:58, Jürgen Auer, keine Kommentare

Caliburger ist in den USA eine Kette mit Burgerrestaurants. Im März 2017 wurde bereits am Standort Pasadena ein Roboter "Flippy" als neuer Kollege in der Küche eingeführt. Dieser kann zum Burgerbraten und Wenden eingesetzt werden.

Nun hat Caliburger zusammen mit NEC einen weiteren Schritt in Richtung Automatisierung unternommen: Eine Gesichtserkennungssoftware, die es Stammkunden ermöglicht, mit ihrem Gesicht zu bezahlen.
.

CaliBurger’s new kiosk uses facial recognition to take orders - Finally, no more shaming when you ask for a diet Coke with your six burgers.

https://www.engadget.com/2017/12/21/caliburger-face-scan-ordering-kiosk/

Das Video direkt auf Vimeo: Introducing “FACE” the AI Kiosk

https://vimeo.com/247885237

Auf der Seite "Caliburger in the News"

https://caliburger.com/in-the-news

ist rechts ein PDF verlinkt:

CALI GROUP DEMONSTRATES FACE BASED LOYALTY PROGRAM PILOT IN ITS RESTAURANT OPERATING DIVISION

https://d97kb89ytnlph.cloudfront.net/pressrelease/PRCGroup12192017.pdf

.
Das Prinzip: Erst ist das scheinbar nur ein Automat, an dem man seine Bestellung aufgeben kann. Aber gleichzeitig merkt sich der Automat das Gesicht. Schließlich loggen sich Kunden damit automatisch in das Loyality-Programm ein.

CEO John Miller von der Muttergesellschaft:

> "Our goal is to replace credit card swipes with face-based payments,"

Ziel sei es, kreditkartenbasierte Bezahlung durch eine gesichtsbasierte Bezahlung zu ersetzen. Weiter aus dem PDF:

> "Facial recognition is part of our broader strategy to enable the restaurant and retail industries to provide the same kinds of benefits and conveniences in the built world that customers experience with retailers like Amazon in the digital world.”

Gesichtserkennung sei Teil der Strategie, dieselben Vorteile und Annehmlichkeiten in der realen Welt zu ermöglichen, die für Kunden bzw. Händler in der digitalen Welt bereits möglich seien. Spannend ist der Satz aus dem PDF davor:

> Face-based loyalty significantly reduces the friction associated with loyalty program registration and use; further, it enables a restaurant chain like CaliBurger to provide a customized, one-on-one interactive experience at the ordering kiosk

Man muß sich da offenbar gar nicht anmelden. Klar - dem Computer genügt das Gesicht. Damit hat man bereits eine Eins-zu-Eins-Beziehung. Das Video demonstriert das "Chaos", das gerne beim Bestellen herrscht: Kinder, die durcheinander reden. Eine junge Frau mit diversen Sonderwünschen. Oder ein zögerlicher alter Herr, der erst von seiner Frau angestupst werden muß. Der Automat versteht alle.

Man muß kein Geld und keine Kreditkarte mitbringen. Wahrscheinlich hinterlegt man bei der ersten Bestellung Kontodaten. Der Rest geht per Abbuchung. Ein Zechprellen dürfte damit schwieriger werden.

Aktuell gibt es das nur in Pasadena. Falls das dort angenommen wird, könnte das im nächsten Jahr global ausgerollt werden.

Wer das mit dem Burgerwenden noch nicht kennt:

Meet Flippy, a burger-grilling robot from Miso Robotics and CaliBurger

https://techcrunch.com/2017/03/07/meet-flippy-a-burger-grilling-robot-from-miso-robotics-and-caliburger/

Da ist ein kleines Video dabei, das Flippy in Aktion zeigt. Wobei Flippy die Fleischscheiben am Ende auch auf die Brötchen legt.

In der Konsequenz bedeutet die Entwicklung solcher Techniken, daß diverse einfache Jobs wie Küchenmitarbeiter und Leute an den Kassen solcher Ketten wegfallen werden.

Weltgesundheitsorganisation (WHO) will Gaming Disorder - exzessives Computerspielen - als Krankheit einstufen - Definition als 6D11 im ICD-11 zu erwarten

29.12.2017 23:40:49, Jürgen Auer, keine Kommentare

Die Weltgesundheitsorganisation ist grade dabei, die nächste Version der International Classification of Diseases in der Version 11 (ICD-11) vorzubereiten.

In dem aktuellen "Beta Draft" wird "Gaming Disorder" als neue Krankheit genannt.
.

6D11 Gaming disorder

https://icd.who.int/dev11/l-m/en#/http%3a%2f%2fid.who.int%2ficd%2fentity%2f1448597234

.
Demnach:

> Gaming disorder is characterized by a pattern of persistent or recurrent gaming behaviour (‘digital gaming’ or ‘video-gaming’), which may be online (i.e., over the internet) or offline, manifested by: 1) impaired control over gaming (e.g., onset, frequency, intensity, duration, termination, context); 2) increasing priority given to gaming to the extent that gaming takes precedence over other life interests and daily activities; and 3) continuation or escalation of gaming despite the occurrence of negative consequences. The behaviour pattern is of sufficient severity to result in significant impairment in personal, family, social, educational, occupational or other important areas of functioning. The pattern of gaming behaviour may be continuous or episodic and recurrent. The gaming behaviour and other features are normally evident over a period of at least 12 months in order for a diagnosis to be assigned, although the required duration may be shortened if all diagnostic requirements are met and symptoms are severe.

Ein ständiges oder wiederholtes Spielverhalten / digital oder per Video, bei dem der Spieler die Kontrolle über das Spiel verliert. Er spielt sehr häufig, sehr intensiv, verliert seinen Kontext. Das Spielen wird wichtiger als alle anderen Lebensaktivitäten. Es wird trotz negativer Konsequenzen fortgesetzt. Eine Mindestzeit von 12 Monaten ist notwendig, um das diagnostizieren zu können. Wobei sich dieser Zeitraum in schweren Fällen auch verkürzen könne.

Das ist in der Kategorie "Disorders due to addictive behaviours", also Krankheiten, die mit suchterzeugenden Verhaltensweisen in Zusammenhang stehen. Direkt davor findet sich "6D10 Gambling disorder", damit sind bereits seit längerem Spielstörungen erfaßt, etwa exzessives Automatenspielen. Auffallend ist, daß die Beschreibung der Gaming disorder praktisch mit der Beschreibung von Gambling Disorder identisch ist. Wenn ich mich nicht vertan habe, dann ist im wesentlichen nur "Gambling" durch "Gaming" ausgetauscht.

Sollte das wie geplant verabschiedet und ab Sommer 2018 gültig werden, dann hätte das bsp. Auswirkungen auf Krankenkassen, welche die Behandlung von so klassifizierten Krankheiten übernehmen.

Laut Golem

WHO: "Gaming Disorder" wird offiziell als Krankheit eingestuft

https://www.golem.de/news/who-gaming-disorder-wird-offiziell-als-krankheit-eingestuft-1712-131895.html

hat der US-Verband Entertainment Software Association (ESA) versucht, die Aufnahme in den ICD-11 zu verhindern. Und schrieb unmittelbar nach der Veröffentlichung:

> "Gesunder Menschenverstand und objektive Forschung beweisen, dass Videospiele nicht süchtig machen"

Wenn ich allerdings an jenen Beitrag vom 01.12.2017 denke, den ich hier eingestellt hatte:

Über 13500 Dollar für Microtransactions - Süchtig nach Ingame-Käufen - der Spieler Kensgold berichtet aus seinem Leben und seinen Erfahrungen mit Spielen und Spielsucht

https://blog.server-daten.de/de/2017-12-01/Ueber-13500-Dollar-fuer-Microtransactions---Suechtig-nach-Ingame-Kaeufen---der-Spieler-Kensgold-berichtet-aus-seinem-Leben-und-seinen-Erfahrungen-mit-Spielen-und-Spielsucht-101

Dann scheint die spezielle Form von Computerspielen mit diesen Microtransactions durchaus dazu geeignet zu sein, labile Leute da "hineinzuziehen".

Allerdings muß man dann auch in der Umkehrung feststellen: Labile Leute können in diverse Richtungen Suchtverhaltensweisen entwickeln. Bei dem einen ist es der Alkohol. Bei dem zweiten ist es exzessiver, faktisch schädlicher Sport. Der dritte spielt oder arbeitet zu viel.

Insofern halte ich persönlich die Frage, ob man online-spielsüchtig werden könne, für längst beantwortet. Natürlich geht das. Man kann so ziemlich nach allen Verhaltensweisen süchtig werden, sofern diese eine Ersatzfunktion für einen haben. Wenn das ein Interessensverband bestreitet, dann halte ich das - auch im Interesse seiner Mitglieder - für eher kontraproduktiv.

Vogelhäuser inspiriert von Architekten - Douglas Barnhard von Sourgrassbuilt baut Vogelhäuser orientiert an Frank Lloyd Wright, Joseph Eichler und dem Bauhaus-Stil

28.12.2017 23:54:02, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Winter ist auch die Zeit der Vogelhäuser. Da gibt es die unterschiedlichsten Exemplare. Ein waagerechtes Stück Holz. Drauf verleimt zwei Wände. Und zwei Stücke, die zusammen ein Dach bilden - fertig.

Aber geht das auch anders? Für Douglas Barnhard, den Inhaber von Sourgrassbuilt in Santa Cruz, Kalifornien, ist das keine Frage. Er baut Vogelhäuser, bei deren Gestaltung er sich von Architekten inspirieren läßt.
.

These Modernist Birdhouses are Inspired by Famous Architects

https://www.archdaily.com/886228/these-modernist-birdhouses-are-inspired-by-famous-architects

Seine Website: Sourgrassbuilt

https://www.sourgrassbuilt.com/

.
Manche der kleinen Häuser enthalten "lebende Wände", die mit Sukkulenten bepflanzt sind, um die Vögel zusätzlich anzulocken.

Ein Vogelhaus, das EICHLERESQUE ATRIUM,

https://www.sourgrassbuilt.com/product-page/mid-century-modern-birdhouse-1

ist inspiriert von Eichler-Häusern in der Gegend von San Francisco. Zwei Häuser stehen sich gegenüber. Die Dächer aus Aluminium. An den beiden Mittelteilen gibt es Fenster vom Boden bis zum Dach. Die Grundfläche ist aus Teakholz. Zwischen den beiden Mini-Häusern gibt es ein Pflanzengefäß aus Bambus. Da kann entweder Vogelfutter oder eine Bepflanzung rein.

Auf der Website finden sich zu jedem Vogelhaus einige Hinweise zur Geschichte. Etwa das

KAUAI HOUSE

https://www.sourgrassbuilt.com/product-page/kauai-house

.
Das ist inspiriert von diversen Besuchen in Kauai und der typischen Architektur in Hawaii. Auch dort wird Teakholz und Bambus verwendet.

Und wer es ganz modern möchte, der wählt

CUBISM

https://www.sourgrassbuilt.com/product-page/white-birdhouse

.
Das ist ein Würfel, der auf einer Kante in einem Holzblock drinsteht. Geeignet für:

> This birdhouse would be perfect for anyone wanting to accent there modern outdoor space while giving some discerning birds a cool home!!

Jemand, der seine Umgebung mit einem modernen Akzent beleben will. Und der seinen Vögeln ein cooles Haus bieten möchte.

Terminerinnerung: Lassen Sie sich per Mail an Termine erinnern - für alle, die - aus welchen Gründen auch immer - eine kurzzeitige oder eine langfristige Erinnerungsmöglichkeit suchen

27.12.2017 23:46:20, Jürgen Auer, keine Kommentare

Vor gut einem Jahr ging das mir mal so. Normalerweise habe ich steuerliche Zahlungstermine problemlos im Griff. Aber im September 2016: Irgendwie war viel los. Und ich dachte an alles mögliche, nur nicht an die zum dritten Monat im Quartal fällige Einkommensteuer-Abschlagszahlung. Ok, ging dann noch glatt. Aber mußte das sein?

Damals sagte ich mir: Ich könne mir doch in einer eigenen Datenbank problemlos eine Mailbenachrichtigung einrichten. Das gibt es schon seit bald zehn Jahren: Nächtlich werden Abfragen ausgeführt, die Daten zu verschiedensten Anlässen sammeln: Rechnungen werden automatisch generiert. An Projekte, die überfällig sind, wird per Mail erinnert. Zu Dokumenten, die auslaufen, werden Hinweismails verschickt. Anschließend werden alle Einzelzeilen zu einem Empfänger zu einer Mail zusammengefaßt und diese verschickt.

Sprich: Die Werkzeuge stehen mir zur Verfügung. Aber irgendwie blieb das liegen.

Vor ein paar Wochen ein Anruf. Mit einer Terminvereinbarung. Und einem größeren Abstand als ursprünglich gedacht.

Da sagte ich mir: "Ach, wäre das schön, wenn ich da zwei Tage davor eine Mail zur Erinnerung bekomme. Nicht, daß ich das - aus welchen Gründen auch immer - vergesse". Man macht hier dies. Da das. Aufträge von Kunden, Social-Media-Aktivitäten, technische Weiterentwicklungen des Gesamtsystems. Da ist die Frage der Zeiteinteilung eine Frage, die sich immer wieder neu stellt.

Kurz darauf die Idee: Wenn das ich brauche und wenn sich für mich dafür nicht die Einrichtung einer eigenen Datenbank lohnt:

Geht das anderen genauso? Können andere das auch brauchen?

..

Nun ist das fix zusammengebaut und steht unter

https://terminerinnerung.server-daten.de/de/

für alle Interessenten kostenlos zur Verfügung.

..

Wer es nutzen möchte: Registrieren Sie sich einmalig. Dann erhalten Sie ein Zufallspasswort an Ihre Mailadresse. Mit diesem und Ihrem Nutzernamen können Sie sich einloggen.

Anschließend läßt sich mit ein paar Klicks eine Mailbenachrichtigung erstellen: Betreff, die Nachricht. Versanddatum und Uhrzeit.

Ein Job verschickt einmal pro Stunde alle aktiven und fälligen Mails. Und der Job trägt das Versanddatum ein.

Nachrichten können kopiert und gelöscht werden. Sie können jede Nachricht nach dem Erhalt löschen. Oder alle Nachrichten liegen lassen.

Natürlich müssen Sie in der Nachricht nicht exakt schreiben, weshalb Sie sich diese Terminerinnerung eingerichtet haben. Es genügt, daß die Mail für Sie verständlich ist.

..

Wenn Sie also immer mal wieder merken, daß Sie Termine "fast vergessen hätten". Und wenn andere Hilfsmittel und Erinnerungsmöglichkeiten nicht so richtig funktionieren.

Sie haben in vier Monaten und drei Tagen einen Termin? Kein Problem. Erstellen Sie einen neuen Eintrag. Datieren Sie diesen auf den gewünschten Zeitpunkt.

Dann gibt es in vier Monaten zwei Möglichkeiten. Entweder haben Sie sich den Termin trotzdem gemerkt. Dann schadet die Mail nicht. Oder Sie haben den Termin "fast vergessen". Dann war die Mail nützlich.

..

Es ist zwar nicht auszuschließen, daß noch irgendwo ein "komischer Fehler" drinsteckt. Aber sollte der Versandjob crashen, müßte ich eine Nachricht bekommen. So daß die anstehenden Mails höchstens ein paar Stunden später verschickt werden.

Viel Vergnügen bei der Nutzung. Und wenn Sie das nächste Mal einen Termin fast oder ganz vergessen: Dann geben Sie sich einen Ruck - und erstellen Sie sich Ihre erste eigene Terminerinnerung.

Web-Datenbank-Lösungen sind Werkzeuge. Die einem das Leben einfacher machen können. Aber das klappt nur, wenn man sie auch nutzt.

Mit 2000 Murmeln Musik machen - die Wintergatan Marble Machine von Martin Molin - eine handgefertigte Musikbox mit einem Vibraphon und weiteren Instrumenten - bespielt von 2000 fallenden Murmeln

26.12.2017 23:40:21, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn Sie Musik machen wollen: Dann werden Sie wohl zuallerletzt an Murmeln denken. Die machen doch keine Musik, die machen bloß ein Geräusch, wenn man sie fallen läßt.

Aber: Was ist, wenn man die Murmeln bsp. auf ein Vibraphon fallen läßt? Ok, eine Murmel erzeugt nun einen Ton, wenn sie in der "passenden Geschwindigkeit" auf eine Platte fällt.

Folglich muß man die Murmeln rhythmisch auf die richtigen Platten fallen lassen. Und man muß sie einsammeln. Wie kann man das machen?

Bei Drehorgeln gibt es ja ähnliche Konzepte. Ferner gibt es diverse historische Vorbilder für Musikautomaten. Das mit Murmeln? Dann kommt so etwas wie die Wintergatan Marble Machine von Martin Molin heraus.
.

This Ludicrous New Instrument Makes Music with 2,000 Marbles

http://www.thisiscolossal.com/2016/03/this-ludicrous-new-instrument-makes-music-with-2000-marbles/

Das Video direkt auf Vimeo: Wintergatan - Marble Machine

https://vimeo.com/157743578

Weiteres gibt es auf der Website Witergatan:

http://www.wintergatan.net/#/news

.
Es gibt diverse Trichter, die fangen die springenden Murmeln wieder auf. Über ein komplexes System aus Rädern und Bändern werden die Murmeln transportiert. Die Maschinerie wird durch ein manuelles Kurbeln gestartet. Über entsprechende Übersetzungen kommen so die großen Schwungräder langsam auf Touren.

Der Bau begann im August 2014. Erst hoffte Martin Molin, in zwei Monaten fertig zu sein. Die innere Komplexität führte dazu, daß das Projekt quasi außer Kontrolle geriet, über 3000 interne Teile mußten per Hand hergestellt werden. Dafür gingen etwa 14 Monate drauf.

Die Maschine sei so komplex, daß sie wohl derzeit nicht transportfähig ist. Dafür gibt es über den eigenen YouTube-Kanal

Wintergatan

https://www.youtube.com/channel/UCcXhhVwCT6_WqjkEniejRJQ

diverse Videos. Die dortige Version des Videos hat 64 Millionen Aufrufe. Da sind die knapp 500.000 auf Vimeo wenig dagegen.

Zur Sicherheit von Webanwendungen - Wordpress wurde per Brute Force angegriffen - bis zu 14 Millionen Attacken pro Stunde - Ziel: Kryptominer installieren

25.12.2017 23:48:51, Jürgen Auer, keine Kommentare

Vor etwa einer Woche gab es wieder einmal so eine Meldung: Wordpress wurde massiv von Hackern angegriffen. Das Sicherheitsunternehmen Wordfence berichtete in seinem Blog darüber: Die Attacke sei so heftig gewesen, daß sie erst einmal ihre eigene Logging-Infrastruktur aufrüsten mußten. Von der heftigsten Attacke seit 2012 ist die Rede.

Brute-force heißt: Es werden Kombinationen aus Nutzernamen und Passwörtern durchprobiert. Eigentlich zufällig. Aber häufig wird bei Wordpress der Standardadministrator "admin" nicht geändert. So daß man es bsp. mit der Kombination admin/123456 probieren kann.
.

Breaking: Aggressive WordPress Brute Force Attack Campaign Started Today, 3am UTC

https://www.wordfence.com/blog/2017/12/aggressive-brute-force-wordpress-attack/

.
Die wesentlichen Stichworte:

>    The attack has so far peaked at 14.1 million attacks per hour.
>    The total number of IPs involved at this time is over 10,000.
>    We are seeing up to 190,000 WordPress sites targeted per hour.
>    This is the most aggressive campaign we have ever seen by hourly attack volume.

14 Millionen Attacken pro Stunde. Das sind 3888 Attacken pro Sekunde bzw. 233.333 Attacken pro Minute. Ausgehend von einem Botnetz von mehr als 10.000 IP-Adressen. Bei 190.000 Wordpress-Sites, die in einer Stunde angegriffen wurden, wären das etwa 73 Versuche pro Wordpress-Site. Richtige Offline-Brute-Force-Attacken testen allerdings wirklich Millionen von Kombinationen. Da sind etwa 73 pro Website eher wenig.

Eine Vermutung der Autoren: Am 05.12.2017 wurde eine Datenbank mit 1,4 Milliarden Kombinationen Nutzername/Passwort veröffentlicht. Die leicht zu durchsuchen sei. Ferner seien etwa 14 % der Kombinationen völlig neu, also "erfolgversprechend". Bis jetzt seien Brute-Force-Angriffe gegen Wordpress nicht so erfolgreich gewesen. Aber:

> This new database provides fresh credentials that, when matched with a WordPress username, may provide a higher success rate for attackers targeting sites that do not have any protection.

Durch diese neue Datenbank gäbe es eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit, Seiten angreifen zu können, die keinen Schutz haben.

Laut dem Standard

Hacker greifen Wordpress an: Bis zu 14 Millionen Attacken stündlich

https://derstandard.at/2000070832781/Hacker-greifen-Wordpress-an-Bis-zu-14-Millionen-Attacken-stuendlich

sei es nicht das Ziel der Hacks gewesen, Inhalte zu ändern. Stattdessen wurden Kryptomining-Skripte eingebaut. Sprich: Den Lesern der Website wird ein Script untergejubelt, so daß deren PCs nun mit Kryptomining beschäftigt sind. Dort ist davon die Rede, daß das Coinhive-Script eingebaut wurde, das Monero schürft.

Allerdings: Was kann man da machen? Etwa dann, wenn man die Informationen vom Hasso-Plattner-Institut

Die Top Ten deutscher Passwörter

https://hpi.de/pressemitteilungen/2017/die-top-ten-deutscher-passwoerter.html

mit hinzunimmt. 123456 ist das beliebteste Passwort. Die Plätze 2 - 5 sind analog aufgebaut. Es folgen "hallo" und "passwort".

Wer Wordpress installiert, möge minimal den Standardaccount "admin" ändern. Und für das Passwort "einmal auf die Tastatur fallen". 15 bis 20 Zeichen unter Verwendung von Sonderzeichen und Zahlen sowie Groß/Kleinschreibung.

Wer selbst ein Onlinesystem betreibt: Da ist es wichtig, zu häufige Anfragen hintereinander abzublocken.

Innerhalb von meiner Dienstleistung Server-Daten geht das seit geraumer Zeit so, daß ein gescheitertes Login in eine Tabelle eingetragen wird. Dann muß der Nutzer eine Sekunde warten. Gibt es innerhalb eines gewissen Zeitfensters ein weiteres gescheitertes Login dieses Nutzers, wartet er erneut. Aber länger. Das geht hoch - und bremst jeden Brute-Force-Angriff ab.

Ferner sieht man da auch so manches an Unsinn. Etwa, wenn als Nutzername ein Ausdruck wie B5D5A410-DC94-4845-997D-DEA91224D282 verwendet wird. Eine "sinnvolle Attacke" kann das eigentlich nicht sein. Oder es gibt andere online genutzte Werkzeuge, die solche Nutzernamen und Passwörter kennen.

Jedenfalls gilt im Internet: Solche Attacken gibt es ständig. Aber es gibt auch Abwehrmaßnahmen.

Miniature Calendar - building tiny worlds - Tatsuya Tanaka baut seit April 2011 täglich kleine Miniaturwelten und photographiert sie - inzwischen über 2000 Bilder

24.12.2017 23:47:08, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man nehme einige Alltagsgegenstände. Etwa Wäscheklammern, die am Rand eines Frotteetuches befestigt werden. Dann befestigt man an jeder Wäscheklammer eine winzige Figur. Und photographiert das entstandene kleine Kunstwerk. Und schon stürzen sich mutige Schwimmer in das blaue Wasser.

Nach diesem Muster erschafft der japanische Künstler Tatsuya Tanaka seit April 2011 tägliche Szenen. Die er zu einem Miniatur-Kalender zusammenfügt.
.

Tatsuya Tanaka Continues Building Tiny Worlds in his Daily Miniature Calendar Photo Project

http://www.thisiscolossal.com/2017/12/tatsuya-tanaka-miniature-calendar/

Seine Website: Miniature - Calendar

http://miniature-calendar.com/

Auf Instagram hat er über eine Million Follower:

@tanaka_tatsuya

https://www.instagram.com/tanaka_tatsuya/

.
Da werden Schallplatten zu Rennstrecken. Ein hart gekochtes Ei ist aufgeschnitten der perfekte Swimming Pool. Oder senkrechte Käsestücke mutieren zur Kletterwand. Und Wattestäbchen sind doch die perfekten Straßenlampen für Autos. Auf Pralinen wird in den Tunnel eingefahren. Die Borsten einer Zahnbürste werden mit einem Rasenmäher abgeschnitten. Und eine ganze Armada von Leuten rollt ein Stoffstück zusammen.

Faszinierend daran ist, wie die "Alltagsgegenstände" sofort und völlig selbstverständlich eine ganz andere Funktion zugewiesen bekommen. Da wird der "geschickt hingelegte und aufgestellte" Gürtel zum drohenden Drachen, der von wackeren Leuten bekämpft wird. Oder ein Kleiderbügel und ein zusammengerolltes Frotteetuch mutieren zum Flieger, in den Leute einsteigen.

Treffend der Satz auf der Website unter About:

http://miniature-calendar.com/about/

> Everyone must have had thoughts like these before:
> Broccoli and parsley may sometimes look like a forest of trees, and tree leaves floating on the surface of water may sometimes look like little boats. Everyday occurrences seen from a miniature perspective can bring us lots of fun thoughts.

Brokkoli und Petersilie - sie sehen doch manchmal aus wie ein Wald. Und Blätter, die auf dem Wasser treiben, wirken doch manchmal wie kleine Boote. Tägliche Ereignisse, betrachtet aus der Miniaturperspektive, bringen uns doch viele lustige Gedanken.

Die Seite "About" listet diverse Ausstellungen. Drei Bücher hat er inzwischen veröffentlicht.

Praktisch sind das heutzutage Künstler, die etwas anfangen, das außer ihnen niemand macht. Das machen sie über einen längeren Zeitraum. Und per Instagram und anderen Social-Media - Plattformen finden sie ein weltweites Publikum. So daß sie mit ihren Social-Media-Aktiväten ihre eigene Vermarktung erledigen.

Google Suchindex: Mobile first - Index auch für Suchen auf dem Desktop rückt näher - Websites, die nicht mobil nutzbar sind, verlieren - responsives Webdesign als beste Lösung

23.12.2017 23:48:52, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer über die Weihnachtsfeiertage noch nach "etwas Arbeit" sucht: Der sollte womöglich einen Blick auf seine Website werfen. Zumindest dann, wenn ihm diese ab und zu Anfragen und Kunden bringt, sofern die Kunden über Google kamen.

Google hatte es im Oktober 2016 bereits angekündigt: Längerfristig soll der "mobile Index" der Primärindex auch für Suchen auf dem Desktop werden.

Das heißt: Ursprünglich gab es nur einen Index, aus dem die Suchergebnisse entsprechend ihrer Rangordnung angezeigt wurden. Dann gab es erste mobile Geräte und Suchanfragen über Google von solchen Geräten. Irgendwann hat Google damit begonnen, Seiten, die sich schlecht mobil nutzen lassen, in diesem Index abzuwerten. Das war der Beginn des "mobilen Index". Eine Seite konnte also im "Desktop-Index" vorne auftauchen. War sie aber auf mobilen Geräten schlechter nutzbar, war auch dort die Suchmaschinenposition schlechter.

Schon seit geraumer Zeit erhält Google deutlich mehr Anfragen über mobile Geräte als über Desktop-Geräte. Damit gab es im letzten Jahr eine Ankündigung, daß Google verstärkt damit experimentiert, den Smartphone-Googlebot weiterzuentwickeln. Dieser untersucht nicht nur den Text und die Links, so wie das der klassische Googlebot seit Jahren macht. Sondern er spidert zusätzlich JavaScript und CSS-Dateien. Und ermittelt, ob die Website gut auf mobilen Geräten nutzbar ist. Damit kann diese "mobile Nutzbarkeit der Website" direkt zu einem Rankingkriterium werden.

Im Webmaster-Central-Blog gab es nun einen erneuten Hinweis auf die wohl baldige Einführung des "Mobile first - Index".
.

Getting your site ready for mobile-first indexing

https://webmasters.googleblog.com/2017/12/getting-your-site-ready-for-mobile.html

Der Beitrag vom letzten Jahr: Mobile-first Indexing

https://webmasters.googleblog.com/2016/11/mobile-first-indexing.html

.
Das Problem:

> To recap, currently our crawling, indexing, and ranking systems typically look at the desktop version of a page's content, which may cause issues for mobile searchers when that version is vastly different from the mobile version.

Das Crawling, Indexieren und Ranken prüft die Desktop-Version. Aber oft gibt es spezielle mobile Seiten, die deutlich abgespeckt sind. Dann klickt der Nutzer ein solches "Desktop-Ergebnis" an. Die Website leitet den Nutzer auf die mobile Seite weiter. Und dort finden sich womöglich deutlich weniger Informationen. Oder die Informationen sind kaum lesbar (Schrift zu klein, kein Viewport), sie laufen rechts über, Formulare hängen rechts über usw.

Die Logik des "Mobile first - Index" dagegen:

> Mobile-first indexing means that we'll use the mobile version of the content for indexing and ranking, to better help our – primarily mobile – users find what they're looking for.

Zur Einschätzung einer einzelnen Seite wird die mobile Version des Contents herangezogen. Nicht die möglicherweise größere und reichhaltigere Desktop-Version. Die Wirkung: Der Nutzer, der mobil sucht, findet auf der Seite auch das, was ihm im Suchergebnis angezeigt wurde. Weil er gar nicht auf die Desktop-Version geschickt und von dort zur mobilen Version weitergeleitet wird, sondern sofort die Daten der mobilen Variante sieht.

Eine direkte Wirkung: Der Smartphone-Googlebot

https://support.google.com/webmasters/answer/1061943

> Mozilla/5.0 (Linux; Android 6.0.1; Nexus 5X Build/MMB29P) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/41.0.2272.96 Mobile Safari/537.36 (compatible; Googlebot/2.1; +http://www.google.com/bot.html)

spidert sehr viel häufiger. Und die Seiten, die im Google-Cache angezeigt werden, zeigen nicht mehr die Desktop-, sondern die mobile Variante.

Was ist zu tun?

Unproblematisch ist das für alle Websites, die bereits responsives Webdesign nutzen. Das heißt: Ein Inhalt ist nur unter einer Adresse verfügbar. Die Darstellung paßt sich der Breite des Browsers an. Bei einem breiten Browserfenster (bsp. ab 1000 Pixeln) kann der Content zwei- und dreispaltig erscheinen. Bei einem schmaleren Browserfenster (bsp. weniger als 600 Pixel) rutschen die Blöcke von rechts nach unten, so daß der Nutzer lediglich nach unten scrollen muß. Er kann aber alle Inhalte finden. Wenn es keine breiten Tabellen gibt, muß der Leser niemals nach rechts scrollen.

Wenn Sie den hiesigen Blog als Beispiel nehmen: Wenn Sie hier einen einzelnen Beitrag aufrufen und das Desktop-Fenster schmaler machen. Dann springt die Leiste rechts bei einer Breite kleiner als 680 Pixeln nach unten unterhalb des Beitrags. Der Beitrag selbst wird einfach schmaler. Die Liste mit den zehn neuesten Beiträgen kann unten durchgesehen und angeklickt werden. Ebenso stehen dort die Links zu den weiteren Kategorisierungen zur Verfügung.

Haben Sie einen einzelnen Begriff aufgerufen und machen Sie das Browserfenster schmaler, dann rutscht die graue Leiste rechts ebenfalls nach unten. Zusätzlich wird aus der Links-Rechts-Anordnung Datum - Beiträge eine Oben-Unten-Anordnung: Das Datum steht über dem Beitrag, so daß für den Beitragstitel und die Schlagworte der ganze Platz in der Breite zur Verfügung steht.

Technisch steckt da nicht allzuviel dahinter. Man sortiert die Inhalte in ein Parent-Div (der gesamte Inhalt nach dem Header mit Klasse row-container) und zwei Div-Elemente (der eine für den Inhalt, der andere für die rechte Seitenleiste). Legt man nichts sonst fest, stehen diese beiden Container untereinander. Man startet also mit der mobilen Ansicht. Dann genügt eine media Query:

> @media(min-width:680px) { }

mit einem Inhalt:

> .row-container { display:flex }

Das sorgt bereits dafür, daß die beiden Container ab einer Mindestbreite von 680 Pixeln nebeneinanderstehen. Ferner dürfen Objekte keine festen Breiten (width:400px), sondern nur maximale Breiten (max-width:400px) haben. In manchen Fällen ist noch eine Anweisung width:100% notwendig, damit der ganze Platz genutzt wird. Das sorgt dafür, daß Eingabefelder oder eine Kommentarbox beim Verkleinern des Fensters mitschrumpfen und nicht überhängen.

Ferner sollten die Schriftgrößen nur relativ sein, nicht absolut. Am besten mit font-size:1em die "normale Schriftgröße" auswählen. Statt fixierter Höhe (height:60px) nimmt man min-height:60px. Das sorgt dafür, daß bei einem schmalen Bildschirm das Objekt in der Höhe vergrößert werden kann, so daß der Text im Objekt bleibt.

Schließlich sorgt eine einzige Anweisung

> <meta name="viewport" content="width=device-width, inital-scale=1.0" />

dafür, daß der Browser die Breite des Geräts berücksichtigt und nicht beim Erstaufruf die Darstellung so sehr verkleinert, daß nichts mehr lesbar ist.

Ergebnis (aus dem ersten Link):

> As we said, sites that make use of responsive web design and correctly implement dynamic serving (that include all of the desktop content and markup) generally don't have to do anything.

Websites, die responsives Webdesign nutzen und die korrekt dynamische Bereitstellung nutzen, müssen nichts tun. Nur: Was ist "dynamische Bereitstellung"?

Dynamische Bereitstellung

https://developers.google.com/search/mobile-sites/mobile-seo/dynamic-serving

> Bei der dynamischen Bereitstellung übermittelt der Server unter derselben URL unterschiedlichen HTML- und CSS-Code. Der verwendete Code hängt davon ab, welcher User-Agent die Seite angefordert hat.

Sprich: Wer korrekt implementiertes responsives Webdesign nutzt, der braucht gar keine "dynamische Bereitstellung". Persönlich würde ich davon ebenso wie von gesonderten mobilen Versionen auch abraten. Denn die Erkennung von User-Agents (User-Agent-Sniffing) ist ziemlich heikel. Die Zeit steckt man lieber in ein responsives Webdesign. Mit diesem existiert das Problem nicht: Alle Nutzer haben dieselbe Adresse und sehen denselben Inhalt. Die Darstellung paßt sich dem Gerät an.

Wer dagegen zwei Urls nutzt (bsp. www.example.com versus mobil.example.com), der muß alle Inhalte doppelt bereitstellen. Es sollte ein Canonical Element geben, die beiden Seiten sollten per link rel=canonical und link rel=alternate aufeinander verweisen. Das alles erhöht die Zahl möglicher Fehler deutlich, so daß Content womöglich doppelt im Index auftaucht oder daß Nutzer mit fehlerhaften Weiterleitungen von der Desktop- zur mobilen Version zur Verzweiflung getrieben werden.

Persönlich würde ich mir deshalb die Mühe mit einer solchen doppelten Bereitstellung niemals machen. Egal, ob man das unter derselben Adresse (dynamische Bereitstellung) oder unter zwei verschiedenen Subdomains macht.

Ansonsten gibt es von Google verschiedene Testmöglichkeiten. Zuallererst die Search Console ( unter https://www.google.com/webmasters/ erreichbar ). In die man seine Websites einträgt. Dort gibt es genaue Hinweise, welche Seiten noch nicht mobil ready sind. Dort kann man ebenfalls prüfen, ob der Googlebot CSS- und JavaScript-Dateien spidern darf.

Fallen dort Seiten auf, gibt es den auch direkt zugänglichen Mobile-Test:

https://search.google.com/test/mobile-friendly

Dort werden die Punkte (Viewport definiert, Schrift ausreichend groß, keine überhängenden Breiten, klickbare Elemente nicht zu nah beieinander) geprüft. Ferner gibt es eine Bildschirmansicht, wie die Seite auf einem mobilen Gerät aussieht.

Wer übrigens noch immer der Meinung ist, daß er per mobiler Nutzung keine Interessenten erhält. Bei einem dieser Google-Texte gab es einen interessanten Hinweis: 70 Prozent der mobilen Suchen kämen aus Büros und Privatwohnungen. Bei denen man davon ausgehen kann, daß Desktop-Rechner in der Nähe sind.

Sprich: Nutzer suchen mobil. Finden sie dort interessante Sachen, dann greifen sie das am Desktop auf.

Früher hieß es: Wer nicht in Google auftaucht, ist unsichtbar. Aus diesen anstehenden Änderungen ergibt sich: Wer nicht im mobilen Index auftaucht (etwa, weil die Seite zwar am Desktop schick aussieht, aber mobil nicht nutzbar ist und deshalb im zukünftig mobilen Index nach hinten rutscht), der ist unsichtbar.

Solar roadways - China nimmt eine Strasse mit Solarenergie und transparentem Beton als Deckschicht in Betrieb - E-Autos können geladen und autonome Fahrzeuge gesteuert werden

22.12.2017 23:42:26, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ein interessantes Strassenprojekt soll in China bis Ende des Jahres in Betrieb genommen werden.

Ein 1.2 Meilen langes Stück des Jinan City Expressway wird mit Solarpaneelen belegt. Drüber kommt transparenter Beton, der sich wie normaler Asphalt verhalten soll. Drunter ist eine Schicht, die die Solarpaneelen gegen den Boden abschirmt.

Das Ergebnis soll so stabil sein, daß mittelschwere LKW die Strasse nutzen können.
.

China is building solar roadways – ‘transparent concrete’ atop solar cells that charge driving cars

https://electrek.co/2017/12/21/china-solar-roadways-transparent-concrete-solar-cells-charge-cars/

.
Zum einen können E-Autos damit während der Fahrt auf dieser Strecke aufgeladen werden. Die Strecke funktioniert also wie eine Ladestation.

Zum anderen ist die Strecke bereits vernetzt:

> It was noted by engineers that wireless vehicle charging could soon be integrated and automated car functions could take advantage of the inherent data in this this already wired roadway.

So daß autonome Fahrzeuge gesteuert werden können. Das autonome Fahren wäre damit auf solchen Straßen einfach möglich.

Im September wurde bereits in derselben Stadt ein anderes Teilstück eröffnet:

China opens first trial photovoltaic road

http://english.ningbo.gov.cn/art/2017/10/14/art_926_847292.html

Das ist eine 160 Meter lange Strecke. Da fahren auch Busse auf den Solarpaneeln rum.

Interessant finde ich die Anmerkung unter dem ersten Text. Über Solarpaneele auf Straßen hätten sich schon viele lustig gemacht. Aber:

> How many of these groups considered that solar panels might be below 20¢/W? How many of these people considered that clear concrete would be a viable thing? China has the solar chops to take on real research and experiment with things that might fail – I no longer doubt solar roadways might work.

Wer hätte gedacht, daß Solarpaneels so günstig werden? Und wer hätte gedacht, daß es durchsichtigen Beton gibt? Der Autor zweifelt jedenfalls nicht mehr daran, daß Solar-Strassen nicht funktionieren könnten.

Dann zählt er eine ganze Reihe von Versuchen auf. U.a. die niederländische Solar-Strasse, die von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden kann.

In Indien gibt es ein ähnliches, bald schon sensationelles Projekt:

Canal-top solar power plants: One example of Narendra Modi's Gujarat Model that's working well

http://www.firstpost.com/india/canal-top-solar-power-plants-one-example-of-narendra-modis-gujarat-model-thats-working-well-3225926.html

Da werden Wasserkanäle mit Solaranlagen überbaut. Das führt dazu, daß kein Platz anderswo benötigt wird. Der in einem dichtbesiedelten Land wie Indien rar ist.

Bundesfinanzhof: Insolvenzbedingter Ausfall einer privaten Darlehensforderung kann als Verlust bei Einkünften aus Kapitalvermögen geltend gemacht werden - VIII R 13/15

21.12.2017 23:45:26, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Bundesfinanzhof hat in einem gestern veröffentlichten Urteil eine interessante Entscheidung getroffen. Die - wenn ich das einigermaßen richtig sehe - deutliche Auswirkungen auch für andere Fälle haben könnte. Darüber wurde zwar keine Entscheidung getroffen. Aber es gibt einen entsprechenden Hinweis in der Pressemitteilung.
.

Die PM: Insolvenzbedingter Ausfall einer privaten Darlehensforderung als Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen - Urteil vom 24.10.2017   VIII R 13/15

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&nr=35328&pos=0&anz=77

Das Urteil: BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2017, VIII R 13/15 - ECLI:DE:BFH:2017:U.241017.VIIIR13.15.0

Insolvenzbedingter Ausfall einer privaten Darlehensforderung als Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&nr=35334&linked=urt

.
Die Konstellation:

> Im Urteilsfall gewährte der Kläger einem Dritten in 2010 ein verzinsliches Darlehen. Seit August 2011 erfolgten keine Rückzahlungen mehr. Über das Vermögen des Darlehensnehmers wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Kläger meldete die noch offene Darlehensforderung zur Insolvenztabelle an und machte den Ausfall der Darlehensforderung als Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen geltend. Dem folgten Finanzamt und Finanzgericht (FG) nicht.

Nach früherer Rechtssprechung scheint so eine Verlustgegenrechnung nicht möglich gewesen zu sein. Der Darlehensgeber muß zwar die Zinsen versteuern. Wenn am Ende aber kaum mehr etwas zurückgezahlt wird, ist das Geld weg. Das ist eine nicht unerhebliche Ungleichbehandlung von Einnahmen und Verlusten.

Die beiden Leitsätze aus dem Urteil:

> 1. Der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG in der privaten Vermögenssphäre führt nach Einführung der Abgeltungsteuer zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7, Satz 2, Abs. 4 EStG.

Hier ist ausdrücklich auf die Einführung der Abgeltungssteuer Bezug genommen.

> 2. Von einem Forderungsausfall ist erst dann auszugehen, wenn endgültig feststeht, dass keine weiteren Rückzahlungen mehr erfolgen werden. Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Schuldners reicht hierfür in der Regel nicht aus.

Gegen das FG-Urteil wurde Revision eingelegt. Diese hatte Erfolg.

> Die Revision hiergegen hatte Erfolg. Der BFH hob das finanzgerichtliche Urteil auf und verwies die Sache an das FG zurück. Nach seinem Urteil soll mit der Einführung der Abgeltungsteuer seit 2009 eine vollständige steuerrechtliche Erfassung aller Wertveränderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen erreicht werden. Nach dem Urteil des BFH wird damit die traditionelle Trennung von Vermögens- und Ertragsebene für Einkünfte aus Kapitalvermögen aufgegeben. In der Folge dieses Paradigmenwechsels führt der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG zu einem gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7, Satz 2, Abs. 4 EStG steuerlich zu berücksichtigenden Verlust. Insoweit ist nunmehr eine Rückzahlung der Kapitalforderung, die -ohne Berücksichtigung der in § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG gesondert erfassten Zinszahlungen- unter dem Nennwert des hingegebenen Darlehens bleibt, dem Verlust bei der Veräußerung der Forderung gleichzustellen.

Der Darlehensgeber kann die Forderung verkaufen und bekommt weniger dafür, als die Forderung "eigentlich wert ist". Dann muß dieser Fall allerdings steuerlich dem Fall gleichgestellt werden, daß es eben endgültig nur noch sehr wenig zurückgibt.

Hier war die Sache noch nicht entscheidungsfähig. Denn es war unklar, ob der Forderungsausfall bereits endgültig war.

> Wie die Veräußerung ist nach dem Urteil des BFH auch die Rückzahlung ein Tatbestand der Endbesteuerung. Danach liegt ein steuerbarer Verlust aufgrund eines Forderungsausfalls erst dann vor, wenn endgültig feststeht, dass (über bereits gezahlte Beträge hinaus) keine (weiteren) Rückzahlungen (mehr) erfolgen werden. Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Schuldners reicht hierfür in der Regel nicht aus. Etwas anderes gilt, wenn die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt wird oder aus anderen Gründen feststeht, dass keine Rückzahlung mehr zu erwarten ist. Hierzu hat das FG in einem zweiten Rechtsgang weitere Feststellungen zu treffen.

Es gab zwar ein Insolvenzverfahren. Aber das Finanzgericht hatte sich nicht näher damit beschäftigt, ob der Totalverlust nun tatsächlich in diesem Jahr eingetreten war.

Der Hinweis auf die Auflösung einer Kapitalgesellschaft:

> Inwieweit diese Grundsätze auch für einen Forderungsverzicht oder etwa den Verlust aus der Auflösung einer Kapitalgesellschaft gelten, hatte der BFH nicht zu entscheiden. Auch in diesem Bereich dürfte jedoch die mit der Abgeltungsteuer eingeführte Quellenbesteuerung die traditionelle Beurteilung von Verlusten beeinflussen.

Das Urteil zitiert einen Satz des Bundesverfassungsgerichts vom 29.03.2017, der eine strikte Symmetrie fordert:

> 16 cc) Dies folgt auch aus dem Gebot der Folgerichtigkeit (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 29. März 2017  2 BvL 6/11, BFH/NV 2017, 1006, Rz 104, m.w.N.); denn führt die Rückzahlung der Kapitalforderung über dem Nennwert zu einem Gewinn i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7, Satz 2, Abs. 4 EStG, muss auch eine Rückzahlung unter dem Nennwert zu einem steuerlich zu berücksichtigenden Verlust führen.

Wenn auf den Gewinn Steuern zu zahlen sind, ist auch der Verlust steuerlich zu berücksichtigen.

Europäischer Gerichtshof: Uber ist nicht als Informationsdienstleister, sondern als Verkehrsdienstleistung einzuschätzen - Urteil mit weitreichenden Folgen - C-434/15

20.12.2017 23:50:27, Jürgen Auer, keine Kommentare

Beim Schlußantrag im Mai 2017 hatte sich das Ergebnis schon abgezeichnet. Nun hat der Europäische Gerichtshof entschieden:

Die - durchaus umstrittene - Plattform Uber ist als Verkehrsdienstleistung einzuschätzen. Nicht - wie von Uber erhofft - als Informationsdienstleister. Folglich können die EU-Mitgliedsstaaten selbst Regelungen festsetzen. Vor allem ist es damit möglich, Uber wie ein Beförderungsunternehmen zu behandeln, so daß dieselben Regeln wie für Taxis gelten können.
.

Die Pressemitteilung (PDF): Die von Uber erbrachte Dienstleistung der Herstellung einer Verbindung zu nicht berufsmäßigen Fahrern fällt unter die Verkehrsdienstleistungen

Die Mitgliedstaaten können daher die Bedingungen regeln, unter denen diese Dienstleistung erbracht wird

https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2017-12/cp170136de.pdf

Das Urteil von heute:

„Vorlage zur Vorabentscheidung – Art. 56 AEUV – Art. 58 Abs. 1 AEUV –Verkehrsdienstleistungen – Richtlinie 2006/123/EG – Dienstleistungen im Binnenmarkt – Richtlinie 2000/31/EG – Richtlinie 98/34/EG – Dienste der Informationsgesellschaft – Vermittlungsdienst, der es mittels einer Smartphone-Applikation ermöglicht, gegen Entgelt eine Verbindung zwischen nicht berufsmäßigen Fahrern, die ihr eigenes Fahrzeug benutzen, und Personen herzustellen, die eine Fahrt im innerstädtischen Bereich unternehmen möchten – Genehmigungspflicht“

http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=198047&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=514231

Bei Heise: EuGH: Uber rechtlich mit Taxi-Unternehmen gleichgestellt

https://www.heise.de/newsticker/meldung/EuGH-Uber-rechtlich-mit-Taxi-Unternehmen-gleichgestellt-3923959.html

.
Die zentrale in dem Verfahren war: Ist Uber gemäß der einschlägigen Vorschriften des Unionsrechts als Informationsdienstleister einzuschätzen? Oder sind die Regeln anzuwenden, die für Beförderungsunternehmen gelten? Parteien waren ein Berufsverband der Taxifahrer in Barcelona und Uber.

> Zur Klärung der Frage, ob die Geschäftspraktiken von Uber Systems Spain und der mit ihr verbundenen Gesellschaften (im Folgenden zusammen: Uber) als unlauter eingestuft werden und gegen spanische Wettbewerbsvorschriften verstoßen können, hält der Juzgado de lo Mercantil n° 3 de Barcelona (Handelsgericht Nr. 3 von Barcelona) die Prüfung für erforderlich, ob Uber einer vorherigen behördlichen Genehmigung bedürfe. Dazu sei festzustellen, ob die Dienste dieser Gesellschaft als Verkehrsdienstleistungen, als Dienste der Informationsgesellschaft oder als eine Kombination beider Dienstleistungsarten anzusehen seien. Denn von dieser Einstufung hänge ab, ob Uber eine vorherige behördliche Genehmigung besitzen müsse. Insbesondere könnten die Geschäftspraktiken von Uber nicht als unlauter angesehen werden, wenn der fragliche Dienst unter die Richtlinie 2006/123 oder die Richtlinie 98/34 falle.

Ist Uber eine Informationsdienstleistung? Dann wäre keine behördliche Genehmigung notwendig.

Interessant ist, daß diverse Instanzen meinten, daß die Vorlagenfrage zu ungenau sei, der EuGH damit gar nicht zuständig sei.

> Die spanische, die griechische, die niederländische, die polnische und die finnische Regierung, die Europäische Kommission sowie die EFTA‑Überwachungsbehörde machen geltend, die Vorlageentscheidung sei sowohl hinsichtlich der im Ausgangsverfahren anwendbaren nationalen Regelung als auch der Art der dort streitigen Tätigkeiten nicht hinreichend genau.

Das hat der EuGH zurückgewiesen und das Vorabentscheidungsersuchen für zulässig erklärt.

Die inhaltliche Feststellung war nun deutlich: Uber macht deutlich mehr als nur zu vermitteln. Uber gibt ein Angebot für eine Beförderungsdienstleistung ab (RN 38):

>  In einer Situation wie der vom vorlegenden Gericht genannten, in der die Personenbeförderung durch nicht berufsmäßige, das eigene Fahrzeug benutzende Fahrer vorgenommen wird, gibt der Erbringer dieses Vermittlungsdienstes nämlich gleichzeitig ein Angebot über innerstädtische Verkehrsdienstleistungen ab, das er u. a. durch Software-Tools wie die im Ausgangsverfahren in Rede stehende Applikation zugänglich macht und dessen allgemeine Funktionalität für Personen, die dieses Angebot für eine innerstädtische Fahrt in Anspruch nehmen möchten, er organisiert.

Ferner legt Uber Bedingungen fest.

> Zudem übt Uber einen entscheidenden Einfluss auf die Bedingungen aus, unter denen diese Fahrer die Leistung erbringen.

Dazu gehört u.a., daß Uber direkt das Geld von den Fahrgästen kassiert und einen Teil davon an die Fahrer weiterleitet. Höchstpreise werden festgesetzt und Fahrer unterliegen Bedingungen. Die Konsequenz:

> Dieser Vermittlungsdienst ist somit als integraler Bestandteil einer Gesamtdienstleistung, die hauptsächlich aus einer Verkehrsdienstleistung besteht, anzusehen und daher nicht als „Dienst der Informationsgesellschaft“ im Sinne von Art. 1 Nr. 2 der Richtlinie 98/34, auf den Art. 2 Buchst. a der Richtlinie 2000/31 verweist, sondern als „Verkehrsdienstleistung“ im Sinne von Art. 2 Abs. 2 Buchst. d der Richtlinie 2006/123 einzustufen.

Das Urteil halte ich nur für konsequent. Uber bietet nicht nur eine App, sondern will massiv - quasi offline - Regeln für die Fahrer festlegen. Damit geht das eben deutlich über einen Informationsdienstleister hinaus. Die Information ist nur ein kleiner Teil der eigentlichen Beförderungsdienstleistung.

Wie kann man sich hinsetzen? Kevin Parry kennt 50 verschiedene Varianten - die er in vier Minuten vorführt

19.12.2017 23:40:42, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei manchen Sachen denkt man auf den ersten Blick: Das kann ja wohl gar nicht sein. Sich hinsetzen. Was soll da schon dabei sein?

Dabei ging es mir erst kürzlich so, daß ich in der Straßenbahn stand. Ein Platz frei wurde, ich wollte mich gar nicht hinsetzen. Aber eine andere Person strebte sehr schnell auf diesen Platz. Wohl mit dem Gedanken, schneller zu sein als ich. Und als die Person saß, widmete sie sich ausgiebig ihrem Smartphone.

Kevin Parry, ein Künstler aus Portland in Oregon, hat daraus jedenfalls einen kleinen und unterhaltsamen Film gedreht. Das Ergebnis ist beeindruckend.
.

50 Ways to Sit (Animation Reference)

https://www.youtube.com/watch?v=GFdWIm4ygpM

.
Vom "generischen Sich-Hinsetzenden". Über den Mann in der Subway. Der Vlogger, der sich beim Hinsetzen filmt und erst einmal den Stuhl säubert.

Und natürlich auch ein Betrunkener, der Mensch im Wartezimmer, der gleich nach der Zeitung greift. Oder jener, der zu spät zu einer Aufführung kommt und sich bemüht und zerknirscht hineinschleicht.

Aber das sind nur einige der Beispiele von der ersten Minute. Da gibt es also noch viel mehr.

Dem einen ist es kalt. Dem nächsten warm (oder andersrum). Der dritte ist in etwas reingetreten, das er nun versucht, zu entfernen. Und jener, der ein gebrochenes Bein hat, ist natürlich auch mit dabei.

Gegen Ende gibt es dann noch den dramatischen Auftritt, den Yoga-Begeisterten und jenen, dem sein Schuh aufgegangen ist. Ist der Schuh wieder zugebunden, geht der Herr weiter - und das Video ist beendet.

Auf seinen Accounts bei Instagram

https://www.instagram.com/kevinbparry/

Facebook

https://www.facebook.com/KevinParryAnimation/

und Twitter

https://twitter.com/kevinbparry

gibt es noch weitere dieser verblüffenden und faszinierenden Dinge. Laut seiner Website

http://kevinparry.tv/

arbeitet er als Stop-Motion Animator. Aktuell ist er mit einem Film beschäftigt.

> I'm currently animating on the stop-motion animated feature Film 5, at LAIKA, in Portland, OR.

Auld Lang Syne - Drohnen-Technik als Antwort auf drohendes karoshi - japanisches Unternehmen Taisei will zu lange arbeitende Mitarbeiter mit Drohne und Musik nach Hause treiben

18.12.2017 23:45:28, Jürgen Auer, keine Kommentare

Liebe Blogleser: Sie kennen doch sicherlich das schöne Lied "Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr". Klar - wer kennt das nicht. Ein Ohrwurm.

Dahinter steckt das schottische Lied "Auld Lang Syne". In Japan wird das Lied häufig verwendet, um in Kaufhäusern auf die baldige Schließung hinzuweisen.

Aber in Zukunft könnte das Lied in Japan in einer noch ganz anderen Situation erklingen. Nämlich gespielt von einer Drohne, die über den Köpfen von Mitarbeitern schwebt, die partout nicht Feierabend machen wollen.

In Japan ist das Mehr-Arbeiten so selbstverständlich, daß es immer wieder zu Todesfällen aufgrund von Überarbeitungen kommt. Dafür gibt es sogar das eigene japanische Wort "karoshi".

Die Drohne soll Mitarbeiter "nach Hause scheuchen".
.

Japanese firm to use drone to force overtime staff to go home

http://www.bbc.com/news/world-asia-42275874

.
Experten seien von dieser Idee "nicht so angetan", einer bezeichnete das als "silly idea".

Norihiro Kato, ein Direktor bei Taisei:

> "You can't really work when you think 'it's coming over any time now' and hear Auld Lang Syne along with the buzz"

Im April 2018 soll die Drohne über den eigenen Mitarbeitern schweben. Später soll sie auf den Markt kommen.

Seijiro Takeshita, Professor of Management und Information an der University of Shizuoka, hält davon nichts.

Die endlose Überarbeitung sei sehr tief in der japanischen Kultur verwurzelt.

Scott North, ein Soziologieprofessor an der Osaka University, meint: Die Drohne möge Mitarbeiter veranlassen, das Büro zu verlassen. Aber dann würden die Mitarbeiter die Arbeit mit nach Hause nehmen. Seine Position:

> To cut overtime hours, it is necessary to reduce workloads, either by reducing the time-wasting tasks and tournament-style competitions for which Japanese workplaces are notorious, or by hiring more workers.

Die Arbeitsbelastung müsste sinken. Zeitraubende Tätigkeiten müßten reduziert werden, der Wettbewerb zwischen Arbeitern müsse beschränkt werden. Schließlich: Mehr Leute einstellen.

80 Überstunden im Monat sind keine Seltenheit, es können aber auch 160 sein. Bei einer 40-Stundenwoche hat ein Monat etwa 160 Arbeitsstunden, so daß 80 Überstunden einem 12-Stundentag entsprechen.

Wer das Lied auf schottisch hören möchte:

Auld Lang Syne

https://www.youtube.com/watch?v=acxnmaVTlZA

Oder von Sissel Kyrkjebø (Norwegen) - Auld Lang Syne - auf großer Bühne:

https://www.youtube.com/watch?v=W4r74IIKbh8

Die deutsche Version findet sich bei YouTube in unterschiedlichsten Varianten.

2. Singfest Gütersloh - Nehmt Abschied Brüder

https://www.youtube.com/watch?v=qPxQ1SNyrGg

Man mag die Idee erst einmal für "silly" halten. Aber wenn dieses Thema der völlig übertriebenen Überarbeitung dadurch in Japan etwas mehr thematisiert wird: Dann kommt auch die "silly idea" zum richtigen Zeitpunkt.

Selbständige mögen bei solchen Themen vielleicht zunächst "milde lächeln". Aber auch für Selbständige gilt, daß "selbst und ständig" mit Vorsicht zu genießen ist. Eher im Gegenteil: Selbständigkeit hat meines Erachtens nach die wesentliche Komponente, daß man sich die Zeit selbst einteilen kann - und sollte. Damit gerade nicht nur 16 Stunden durcharbeitet, sondern stattdessen eben auch tagsüber Pausen bzw. andere Dinge macht.

Nur zur Erinnerung: Realität wird im eigenen Kopf erschaffen - was auch bedeutet: Man kann sich immer wieder neu erfinden - für Gründer ist das fundamental

17.12.2017 23:50:27, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das in der Vorschau zu sehende Bild ist simpel: Eigentlich sind das nur zwei Muster, aufeinandergelegt. Beim einen sind die Teile durch kleine Verbindungen von links oben nach rechts unten verbunden. Bei dem Quadrat, das scheinbar in der Mitte drauf liegt, sind die kleinen Verbindungen von links unten nach rechts oben angeordnet. Dazwischen gibt es einen "glatten Rahmen". So daß es so wirkt, als sei das Quadrat mit dem Rahmen auf das Muster drunter draufgelegt worden.

Es ist ein statisches Bild.

Aber was sieht man? Immer wieder scheinen sich die Elemente zu bewegen. Das zuckt doch. Oder das Quadrat streckt sich, wird zur Raute. Dabei ist es doch - ein statisches Bild. Die scheinbaren Bewegungen: Das ist nur eine optische Illusion.
.

https://twitter.com/scienmag/status/942152367507673089

> Just a reminder that reality happens in the mind

.
Nur zur Erinnerung. Realität passiert im Geist, im eigenen Kopf. Da ist eben nichts statisch. Sondern die Realität - konstruiert sich jeder selbst. Aus den Bruchstücken und Versatzstücken, die man über die Sinnesorgane wahrnimmt. Oder eben auch: Die man wahrzunehmen glaubt.

Und dementsprechend - ist auch alles immer wieder neu änderbar. Es gibt nicht "die Bedingungen" von außen, die statisch sind oder die wie eine Naturgewalt über einen kommen.

Ganz besonders gilt das für alle Gründer.

Leute mögen sich ja gerne Illusionen machen. Und immer andere für verantwortlich, für schuldig an der eigenen Misere erklären. Das mag man sich leisten können, wenn man in einer langweiligen, aber gut bezahlten Festanstellung festsitzt. Und sich nicht getraut, eigene Wege zu gehen.

Aber für Gründer zählen all diese Ausreden und Entschuldigungen letztendlich nicht. Sie sind - im Zweifelsfall - immer für alle ihre Entscheidungen und deren Folgen verantwortlich. Ansonsten machen sie sich - Gründungsillusionen. So daß sie so lange an ihrer "optischen Illusion" festhalten, daß sie diese schließlich glauben und sich ihr Handeln davon bestimmen, es sich determinieren lassen.

Für so manch einen, der überlegt, zu gründen: Für den mag das eine Belastung sein. Eine Festanstellung mit einem regelmäßigen Gehaltseingang ist da schon - auf den ersten Blick - deutlich angenehmer. Man kann das Geld für private Zwecke verplanen. Und im Zweifelsfall - mögen andere verantwortlich sein. Bis hin zu Unternehmen, in denen Mitarbeiter immer die Verantwortung auf andere Mitarbeiter, andere Abteilungen, den doofen Chef und ähnliches schieben. Die Konjunktur ist schlecht. Die Kunden sind doof. Es ist zu wenig Geld da. Und ähnliches.

Für Gründer sind solche Überlegungen - letztlich irrelevant. Man mag das mal eine Weile machen. Einen Augenblick, einen Wimpernschlag. Dürfte jeder Gründer machen, mache ich ab und zu auch immer mal wieder. Aber dann merkt man schnell, daß es nur das Zucken eines statischen Bildes war. Und daß mit Ausreden keine Arbeit getan wurde. Sondern liegen blieb. Nur die - bringt letztlich Geld.

Ich beobachte solche Dinge bei meiner eigenen Arbeit immer wieder. Da gibt es neue Techniken. Etwa Content Security Policy (CSP). Oder die Nutzung durch mobile Geräte, durch Smartphones und Tablets mit unterschiedlichen Bildschirmgrößen. Beides gab es vor 11 Jahren, beim Start von Server-Daten, noch nicht. Aber auf beides kann man - realistisch betrachtet - langfristig nicht verzichten. Also heißt es, sich das erst einmal technisch zu erarbeiten. Das dauert. Dann Lösungen zu finden, wie sich das einbauen und umsetzen läßt. Neben all den anderen Themen, die ohnehin immer wieder zu erledigen sind. Das dauert auch. Aber am Ende ist es doch ganz einfach:

Entweder schafft man es als Gründer, solche Veränderungen in der Umwelt immer wieder neu aufzugreifen. Und sie in die eigene Dienstleistung zu integrieren.

Oder man geht - langfristig betrachtet - genau an solchen fehlenden Anpassungen zugrunde. So daß ausgerechnet Gründer, die ja eigentlich neue Dinge machen, zu Dinosauriern werden und auszusterben drohen.

Das gilt natürlich besonders für Dienstleistungen wie die meinige, die für Kunden eine sehr disruptive Wirkung haben können. Da ist es einerseits wichtig, daß die eigene Dienstleistung stabil läuft. Aber andererseits ist eben die eigene Dienstleistung auch in den Kontext der "weltweiten Gesamtentwicklung von webbasierten Anwendungen" eingebunden. Da gibt es immer wieder wesentliche Neuerungen. Die folglich auch - irgendwann - in die eigene Dienstleistung einfließen sollten.

Wobei es durchaus sinnvoll sein kann, Neuerungen "nicht sofort" zu übernehmen. Wieviele Entwickler hatten jahrelang auf Flash gesetzt. Und Kunden teure Lösungen verkauft. Dabei war schon vor langer Zeit klar, daß Flash langfristig keine Zukunft mehr hat.

--

Insofern: Wenn Sie überlegen, zu gründen: Dann bedeutet dies, daß Sie für alles, wirklich für alles verantwortlich sind. Aber es bedeutet eben auch: Daß Sie alles immer mal wieder ändern können. Hier dies ausprobieren. Dort jenes. Nichts ist für die Ewigkeit. Dann mag es aussehen wie ein Zucken. Aber das - ist doch nur eine Täuschung gewesen. Erzeugt nur im eigenen Kopf.

Aber der eigene Kopf erlaubt es Ihnen eben auch, Dinge immer wieder neu zu hinterfragen. Das, was Sie jahrelang so gemacht haben. Das müssen Sie nicht für die Ewigkeit (ok, für Ihr restliches Berufsleben) so machen. Da können Sie auch testen, wie es wäre. Wenn Sie damit aufhören. Und die Zeit für etwas Anderes nutzen.

Und weiter geht's.

Authorized Digital Seller - Ads.txt - per Datei festlegen, wer Werbung für die eigene Website verkaufen darf - fehlende Datei erlaubt alles, leere Datei und Http-Status 200 verbietet alles

16.12.2017 23:45:14, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer eine Webanwendung betreibt und Einblick in das Protokoll hat, dem werden diese Zugriffe in den letzten Monaten sicherlich schon aufgefallen sein.

Crawler suchen nach einer Datei /ads.txt, die - ähnlich wie die /robots.txt - im Stammverzeichnis der Website gesucht wird.

Was steckt da dahinter? Und: Soll man so eine Datei anlegen?

Das Problem ist einfach: Bei Werbung im Internet gibt es sehr viel an Missbrauch. Große Websites verkaufen ihre Werbung über einen oder mehrere Dienstleister. Diese suchen nach Kunden, die bei ihnen Werbung buchen. Und werben natürlich selbst bsp. damit, daß man bei ihnen Werbung bei der "großen Zeitung XY" buchen könne.

Aber: Stimmt diese Aussage? Praktisch müssen sich die Werbeeinkäufer darauf verlassen, daß solche Behauptungen korrekt sind. Tatsächlich gibt es manches an Betrug. So daß Werbeplätze bsp. bei großen Zeitungen eingekauft werden, dort aber niemals ausgespielt werden. Stattdessen werden die - teuer bezahlten - Anzeigen auf zwielichtigen Seiten ausgespielt und schaden damit der Marke. Oder es sind Fake-Domains, die Klicks stammen von Botnetzen.

So berichtete Google erst vor wenigen Tagen, daß für manche Websites teils 50-mal mehr Werbung verkauft als tatsächlich ausgespielt wurde. Der jährliche Schaden wurde auf etwa 1,27 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Lösung dieses Problems: Eine simple Textdatei ads.txt, die im Stammverzeichnis der Website abgelegt wird und die per Crawler abgerufen werden kann. Ads ist die Abkürzung für "Authorized Digital Seller".
.

About ads.txt

https://iabtechlab.com/ads-txt-about/

.
In dieser wird definiert, wer befugt ist, Werbung für diese Website anzubieten. Das können drei verschiedene Typen sein:

> Domain owners who sell on exchanges through their own accounts
> Networks and sales houses who programmatically sell on behalf of domain owners
> Content syndication partnerships where multiple authorized sellers represent the same inventory

Die Domainowner können Werbung direkt verkaufen. Oder Netzwerke, die vom Domaininhaber autorisiert sind, per programmatischem Advertising Werbung für diese Domain anzubieten.

Eine typische ads.txt - Datei kann bsp. so aussehen:

-- Beginn ads.txt
# Ads.txt file for example.com:
greenadexchange.com, 12345, DIRECT, d75815a79
silverssp.com, 9675, RESELLER, f496211
blueadexchange.com, XF436, DIRECT
orangeexchange.com, 45678, RESELLER
silverssp.com, ABE679, RESELLER
-- Ende ads.txt

Das sind drei oder vier kommagetrennte Ausdrücke. Der erste Ausdruck nennt die Domain, über die Werbung auf example.com gebucht werden darf. Der zweite Ausdruck ist die - eindeutige - Reseller-Id. Der dritte Ausdruck ist der Typ: DIRECT bedeutet, daß der Domaininhaber das System selbst kontrolliert. Das vierte Feld kann eine "certification authority ID" sein und ist optional.

Wer nun Werbung auf der Domain example.com buchen möchte und von dem Unternehmen greenadexchange.com angesprochen wird: Der kann sich sicher sein, daß die Werbung auch auf example.com ausgespielt wurde.

Oder - aus dem obigem Text vor dem ads.txt - Standard:

> While every impression already includes publisher information from the OpenRTB protocol, including the page URL and Publisher.ID, there is no record or information confirming who owns each Publisher.ID, nor any way to confirm the validity of the information sent in the RTB bid request, leaving the door open to counterfeit inventory.

Über das OpenRTB-Protokoll erfährt der Werbebuchende zwar die Publisher ID. Aber er wußte bislang nicht, ob diese Publisher-Id autorisiert ist, Werbung auf der gebuchten Seite zu verkaufen. Diese Informationslücke schließt die ads.txt.

Wirkung: Der Werbebuchende kann die ads.txt crawlen. Und damit prüfen, ob das Versprechen des Vermittlers "Bei uns können Sie Werbung für die Zeitung XY buchen" auch erfüllbar ist.

Im Juni 2017 gab es die Version 1.0, seit September 2017 gibt es die Version 1.0.1.

Ads.txt – Authorized Digital Sellers

https://iabtechlab.com/ads-txt/

Die Spezifikation: Ads.txt Specification Version 1.0.1

https://iabtechlab.com/wp-content/uploads/2017/09/IABOpenRTB_Ads.txt_Public_Spec_V1-0-1.pdf

Diese in Kürze:

Man legt eine einfache Textdatei /ads.txt im Stammverzeichnis an. Analog zur robots.txt. Der Content-Type kann Content "text/plain" oder "text/plain; charset=utf-8" sein. Diese enthält Zeilen nach dem obigen Muster. Alle Zeilen, die mit # beginnen, sind Kommentare. In der Version 1.0.1 ist neu ein Kontaktfeld dazugekommen.

contact=info@sql-und-xml.de
contact=https://beispiel.server-daten.de/kontakt.html

Wenn die Datei mit einem Http-Status 200 ausgeliefert wird, muß sie geparst und beachtet werden. Fehlt die Datei und wird ein Http-Status 404 ausgeliefert, dann gilt (Seite 6 PDF):

> If the server response indicates the resource does not exist (HTTP Status Code 404), the advertising system can assume no declarations exist and that no advertising system is unauthorized to buy and sell ads on the website.

Sprich: Fehlt die Datei, dann gibt es keine Einschränkungen. Jeder kann - angeblich oder tatsächlich - für diese Website Werbung verkaufen.

Die Konsequenz: Eine leere ads.txt anlegen bzw. eine ads.txt definieren, die nur eine Zeile mit einem Kommentar (führendes #) enthält. Das sorgt dafür, daß niemand für die eigene Website Werbung anbieten darf.

Nach der Lektüre dieser Information hatte ich mir für die www.sql-und-xml.de und die www.server-daten.de sowie alle Kundensubdomains so eine Logik angelegt. Es wird eine Datei mit einem Kommentar und Kontaktinformationen, aber ohne Informationen zu zulässigen Werbenetzwerken ausgeliefert. Etwa hier zum Blog:

https://blog.server-daten.de/ads.txt

Wenn man bei großen Zeitungen (nytimes.com, tagesspiegel.de, welt.de) testet, dann finden sich diverse Informationen und teils sehr lange Listen. Wobei es auch Fehler gibt - die New York Times leitet Benutzer auf die https-Version um. Die ads.txt wird aber umgekehrt auf die unverschlüsselte Version umgeleitet. Das sollte höchstens umgekehrt sein.

Der Hinweis zu den geschätzt 1,27 Milliarden Dollar Schaden und der Google-Untersuchung fand sich hier:

Google: Werbebetrüger kassierten 1,27 Milliarden Dollar pro Jahr

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-Werbebetrueger-kassierten-1-27-Milliarden-Dollar-pro-Jahr-3916667.html

Praktisch könnten solche Betrugsmaschen per ads.txt massiv gestoppt werden. Insofern ist jede vorhandene ads.txt ein Signal an mögliche Betrüger: "Diese Domain sollte man lieber nicht anbieten. Das könnte ins Auge gehen".

Laut einem Artikel vom 22.11.2017

Report: Mäßiger Etablierungsgrad von Ads.txt in Deutschland

https://www.adzine.de/2017/11/report-maessiger-etablierungsgrad-von-ads-txt-in-deutschland/

sind ads.txt - Dateien bei deutschen Websites noch sehr gering verbreitet. Bei weltweit 2 Millionen Domains, davon 59.000 aus Deutschland, hatten nur etwa 2,5 % der deutschen Publisher eine ads.txt implementiert. Den höchsten Wert gibt es für Schweden mit 8,9 % Verbreitung. Deutschland liegt auf Platz 28. Mit etwa 1.400 Domains.

Salt Years - die israelische Künstlerin Sigalit Landau lässt im Toten Meer Gegenstände mit Salzkrusten überziehen und erschafft so eigene neuartige Skulpturen

15.12.2017 23:50:44, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das Tote Meer ist ja eigentlich ein abflussloser See, zwischen Israel und Jordanien. Vom Jordan gespeist, in einer Senke. So daß der See deutlich unter dem Meeresspiegel liegt. Bekannt ist das Tote Meer für seinen hohen Salzgehalt. Der mit im Schnitt bei 28 % liegt. Das Mittelmeer hat dagegen einen Salzgehalt von 3,8 %.

Man kann schwimmen, ohne daß man untergeht. Am Ufer gibt es Steine, die von dicken Salzkrusten überzogen sind.

Aber was passiert eigentlich, wenn man "Alltagsgegenstände" in dieses sehr salzhaltige Wasser bringt und diese lange Zeit im Wasser läßt?

Das Salz lagert sich dort ab. Und umgibt den Gegenstand mit einer eigenwilligen und neuen Salzschicht.

Dieses Prinzip hat die israelische Künstlerin Sigalit Landau in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt.
.

‘Salt Years,’ Explores Sigalit Landau’s Lifetime Relationship With the Dead Sea

http://www.thisiscolossal.com/2017/12/salt-years-sigalit-landau/

.
> “These objects leave ‘the game’ of being useful ‘things’ and enter a new realm – the open space of representation,” - so die Künstlerin zu Colossal.

Die Gegenstände verlieren den Bezug, nützliche und hilfreiche Dinge zu sein. Stattdessen treten sie in ein neues Reich ein - den offenen Raum der Repräsentation.

Und weiter:

> “They loose their old features and dimensions and inhale a certain pureness of spirit, treated by climate and enhanced by emotion.”

Die Gegenstände verlieren ihre bisherigen Eigenschaften und Dimensionen. Stattdessen gewinnen sie eine neue Reinheit.

Auf ihrer Website

Sigalit Landau: SALT YEAR'S

https://www.sigalitlandau.com/

stellt die Künstlerin ein Buch vor. In dem sie ihre Technik erläutert und Bilder aus ihrer 15-jährigen Schaffenszeit zeigt.

Selbst eine Violine und ein Cello hat sie so im Wasser versenkt und später wieder hervorgeholt. Oder Schuhe, bei denen man denkt, daß das auch Schnee sein könne.

Auf Indiegogo

https://www.indiegogo.com/projects/sigalit-landau-salt-years-the-book-art-gift#/

gibt es grade eine Kampagne für das Buch. Dort ist auch ein knapp siebenminütiges Video von der Künstlerin veröffentlicht, in dem sie ihre Arbeit erläutert.

Die Daten zum Toten Meer stammen von Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Totes_Meer

Eine Kunsttechnik, die sich wohl weltweit nur dort verwirklichen läßt. Und die Zeit braucht. Sehr viel Zeit. Bis sich solche Ablagerungen in einer hinreichenden Stärke gebildet haben.

Das Silicon-Valley-Paradox - ein Viertel der Bevölkerung ist vom Hunger bedroht - hohe Mieten und Lebenshaltungskosten als Hauptursache

14.12.2017 23:45:01, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das hiesige Berlin schaut ja neidisch in die USA: Das Silicon Valley. Soviele Tech-Unternehmen und Gründer, soviele Geldgeber. Eine neue Studie wirft allerdings ein ziemlich skeptisches Licht auf die dortige Situation.

Denn: 26,8 Prozent der Bewohner haben Probleme, sich ordentlich zu ernähren. Weil die dortigen Mieten und Lebenshaltungskosten so dermaßen hoch sind, bleibt kaum mehr etwas fürs tagtägliche Essen übrig.
.

Outside in America: The Silicon Valley paradox: one in four people are at risk of hunger

https://www.theguardian.com/us-news/2017/dec/12/the-silicon-valley-paradox-one-in-four-people-are-at-risk-of-hunger

.
Berichtet wird von einer alleinstehenden Mutter mit zwei Töchtern, die bei Facebook in der Cafeteria arbeitet. Also umgeben von Essen. Das Essen ist für die Tech-Mitarbeiter kostenlos. Nicht aber für diejenigen, die deren Essen zubereiten.

Teils steht ihr nur die Hälfte des Geldes zur Verfügung, das von offizieller Seite als Minimum betrachtet wird.

Besonders merkwürdig: Das Silicon Valley kennt eine sehr exquisite Esskultur. Da gehen schon mal 500 Dollar für ein Menü drauf. Oder ein Brot kostet 29 Dollar.

Die Second Harvest food bank (etwa den deutschen Tafeln vergleichbar) hatte Interviews mit diversen Personen geführt. Die 26,8 Prozent sind etwa 720.000 Personen.

Diese lassen Mahlzeiten aus, greifen auf staatliche Essensmarken zurück, leihen sich Geld, um Essen zu kaufen oder schieben die Bezahlung von Rechnungen auf.

Das Paradox:

> “As the economy gets better we seem to be serving more people.”

So Steve Brennan, der Marketingdirektor der Second Harvest food bank.

Aufgrund der hohen Wohnkosten gilt schon eine vierköpfige Familie als arm, wenn sie 84.750 Dollar oder weniger verdient.

Eine Wirkung: Eine hohe Zahl von Wohnungslosen. In San Jose, der größten Stadt, gibt es etwa 4000 Obdachlose. Wobei laut Wikipedia die Stadt 2015 etwa 1,03 Millionen Einwohner hatte. Da wirken 4000 Obdachlose eher wenig.

Von dem Einkommen der Cafeteria-Mitarbeiterin geht 3/4 für die Miete drauf. Die Tech-Mitarbeiter werden umsorgt:

> “The first thing they do [for Facebook employees] is buy you an iPhone and an Apple computer, and all these other benefits,” she laughs. “It’s like, wow.”

Second Harvest gibt pro Monat Essen und Mahlzeiten an 257.000 Personen aus.

> “Often we think of somebody visibly hungry, the traditional homeless person,” Brennan said. “But this study is putting light on the non-traditional homeless: people living in their car or a garage, working people who have to choose between rent and food, people without access to a kitchen.”

Bei Hunger würde man oft an Wohnungslose denken. Aber diese Studie wirft ein Licht auf die nicht-traditionellen Wohnungslosen: Leute, die in ihrem Auto oder in einer Garage leben, Berufstätige, die die Wahl zwischen Miete und Essen haben, Leute ohne Zugang zu einer Küche.

Ein Student berichtet, daß fehlendes Essen ein tägliches Problem sei. Nicht nur für Studenten, sondern auch für Teilzeit-Professoren.

Irgendwie absurd. So betrachtet darf das Silicon Valley eigentlich kein Vorbild für Berlin sein. Allerdings sind hier die Mieten in den letzten Jahren so deutlich gestiegen, daß auch hier eigentlich schon zu viele Leute mehr als die kritischen 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete aufwenden müssen. Der frühere Standortvorteil "niedrige Mieten" ist in der Großstadt längst Geschichte.

Der Originalbericht findet sich in der Rubrik Newsroom ( http://www.shfb.org/newsroom ):

Hunger in Silicon Valley More Widespread and Diverse Than Previously Thought (PDF, 3 Seiten):

http://www.shfb.org/docs/news/release/20171212_FundingGap.pdf

vom 12.12.2017.

Die Konjunktur brummt - und über 310000 Unternehmen in Deutschland haben finanzielle Probleme - knapp 9 Prozent aller Unternehmen - CrifBürgel-Analyse

13.12.2017 23:55:13, Jürgen Auer, keine Kommentare

In Deutschland brummt die Wirtschaft. In manchen Bereichen gibt es kaum mehr Kapazitäten und damit lange Wartefristen für Auftraggeber. Aber trotz dieser rosigen Situation gilt das längst nicht für alle Unternehmen.

Von 3.514.796 Unternehmen weisen 311.723, damit 8,9 Prozent, eine schwache Bonität und ein hohes Zahlungsausfallrisiko auf. So eine aktuelle Analyse von CrifBürgel.
.

Über 310.000 der Unternehmen in Deutschland haben finanzielle Probleme - Trendwende bei den Firmeninsolvenzen prognostiziert

https://www.crifbuergel.de/de/aktuelles/pressemitteilungen/ueber-310000-der-unternehmen-in-deutschland-haben-finanzielle-probleme

.
Wesentlich dabei: Im Unterschied zum Sprachgebrauch bei Privatpersonen gelten diese Unternehmen als überschuldet und haben damit ein erhöhtes Insolvenzrisiko.

Besonders heikel: Die Zahl der finanzschwachen Unternehmen hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent erhöht.

Die Gegenentwicklung: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinkt erneut ab und dürfte am Jahresende bei etwa 20.500 Insolvenzen liegen. Das ist das achte Mal in Folge, der niedrigste Stand seit 1999.

Die CRIFBÜRGEL Geschäftsführerin Ingrid Riehl:

> „Der Anstieg der Zahlen bei den finanzschwachen Unternehmen zeigt jedoch, dass wir uns auf eine Trendwende bei den Firmeninsolvenzen einstellen müssen“

Die Zahlen:

> In absoluten Zahlen stehen Nordrhein-Westfalen (72.045), Bayern (39.745) und Baden-Württemberg (32.980) an der Spitze der Statistik der Bundesländer mit den meisten finanzschwachen Unternehmen.

Ein besserer Vergleichsmaßstab ist aber die Quote der kritischen Unternehmen: Da liegt der Schnitt bei 8,9 Prozent. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit 12,6 Prozent, gefolgt von Sachsen (12,2 Prozent) und Berlin (10,6 Prozent). Allerdings kommen auch noch Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Bremen über den Bundesdurchschnitt. Bremen ist mit 9,2 Prozent relativ nahe dran. Obwohl Bremen bei anderen Vergleichen oft zusammen mit Berlin sehr schlecht abschneidet.

Die Tendenz: In 15 von 16 Bundesländern nahm die Zahl der schwachen Unternehmen zu. Nur in Mecklenburg-Vorpommern verbesserte sich die Quote. Die stärksten Zunahmen gab es mit 12,8 Prozent in Baden-Württemberg und mit 12,6 Prozent in Bayern. Das sind nicht die einzigsten Länder mit zweistelliger Zunahme. Das gilt ebenfalls für Rheinland-Pfalz (12,1 Prozent), Bremen und das Saarland (11 Prozent), Schleswig-Holstein (10,3 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (10,1 Prozent).

Ein Blick auf die dreißig größten Städte listet als erstes Duisburg mit 12,2 Prozent. München (5,4 Prozent), Münster und Stuttgart (5,7 Prozent) sind die Städte mit den besten Quoten.

Bei den Rechtsformen liegt die UG mit 13,5 Prozent vorne. Gewerbebetriebe (9,5 Prozent) und GbR (9,2 Prozent) liegen über dem Schnitt.

Laut einem Tagesspiegel-Artikel

Insolvenzen: Berlin hat die meisten Pleiten

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/insolvenzen-berlin-hat-die-meisten-pleiten/20703098.html

ist die Insolvenzanmeldungsquote in Berlin allerdings besonders hoch. Von 10.000 Unternehmen hatten 93 Insolvenz angemeldet. In Baden-Württemberg betraf das nur 38 Unternehmen von 10.000.

Ein großes Problem: In Deutschland seien 2/3 der Vermögenswerte von Unternehmen durch Fremdkapital finanziert. Und 15 Prozent aller Unternehmen seien nicht in der Lage, die Zinsen aus dem Tagesgeschäft zu erwirtschaften. Sollten die Zinsen steigen, könnte das für diese Unternehmen rasch eng werden.

Ich denke da zusätzlich an jene "Zombies", von denen bei der OECD immer wieder die Rede ist. Etwa hier:

Breaking the Shackles: Zombie Firms, Weak Banks and Depressed Restructuring in Europe

http://www.oecd.org/officialdocuments/publicdisplaydocumentpdf/?cote=ECO/WKP(2017)65&docLanguage=En

Das sind Unternehmen, die eigentlich schon tot sein müßten. Die aber - eventuell nun auch wegen der niedrigen Zinsen - noch am Leben sind. Bei denen viel Kapital und Mitarbeiter gebunden sind. Anstatt daß die Unternehmen dichtgemacht und Kapital und Mitarbeiter in anderen Unternehmen eingesetzt werden könnten.

Wenn ich etwa an das Problem der Digitalisierung denke: Da hinken reihenweise Unternehmen hinterher. Jene dagegen, die sich schnell genug mit solchen Themen auseinandergesetzt haben: Die profitieren davon und haben nun ganz andere Möglichkeiten.

Die kleine kühne Holzeisenbahn - ein verspielter Kurzfilm mit Thomas the Tank Engine - von 5MadMovieMakers

12.12.2017 23:55:55, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Holzeisenbahnen mag der eine oder andere an seine Kindheit denken. Als die Holzeisenbahn auch auf dem Boden oder Teppich unterwegs war. Unterwegs zu großartigen Unternehmungen. Dabei ging es doch meist nur im Kreis herum.

Aber das ist auch ganz anders möglich. Das zeigt der folgende Kurzfilm.
.

Thomas Train Stunts

https://www.youtube.com/watch?v=me5ifeBFaFo

.
> Thomas the Tank Engine goes pro skater and pulls off some sick jumps with his train friends. Filmed with an iPhone SE at 120 frames per second.

Da bewältigt die kleine Holzeisenbahn Thomas the Tank Engine diverse Schwierigkeiten, durchbricht eine Mauer, springt über Autos hinweg. Oder sie kippt um - und fährt gleich weiter.

Die kleine, auseinanderstehende Brücke ist ja noch leicht zu bewältigen. Aber dann überschlägt sich die Eisenbahn einmal - und fährt weiter. Der nächste Überschlag wird kombiniert mit einer Drehung um die eigene Achse. Und wenn die Brücke grade hochgeklappt ist: Dann wird sie eben angestoßen, so daß der Weg frei ist.

Schließlich wird eine zweite Holzeisenbahn angestoßen. Und es ergibt sich eine Art Wettrennen. Die zweite Eisenbahn darf dann schon ausruhen, Thomas dreht noch eine Extrarunde.

Beim Ansehen hatte ich mich gefragt, wie das eigentlich gedreht wurde. Als ob ein kleiner Motor in der Holzeisenbahn drinstecken würde, der sich allerdings fernsteuern läßt und der für eine gleichmäßige Fahrt sorgt.

Ohne daß es an den Haltestellen zu einem Durchdrehen der Räder kommt.

Das ist ein Kurzfilm von 5MadMovieMakers.

Auf dem YouTube-Kanal

5MadMovieMakers

https://www.youtube.com/5madmoviemakers

finden sich diverse dieser Filme.

Ähnlich auf der Website:

http://www.5madmoviemakers.com/videos

Alleine das obige Video hat seit dem 04.12.2017 über 6 Millionen Aufrufe.

Landgericht Berlin ruft Bundesverfassungsgericht an - dieses möge über die Mietpreisbremse entscheiden - nach Hinweisbeschluss im September nun Weiterleitung - 67 S 218/17

11.12.2017 23:50:38, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ist die sogenannte Mietpreisbremse mit der Verfassung vereinbar? Oder verstößt dieses Bundesgesetz, das in Landesrecht umgesetzt werden muß, um Gültigkeit zu bekommen, gegen die verfassungsmäßigen Rechte der Vermieter?

Das Landgericht Berlin (Zivilkammer 67) hatte bereits im September in einem ausführlichen Hinweisbeschluß die Meinung vertreten, daß die Mietpreisbremse verfassungswidrig sei. Damals wurden jedoch weitere Dinge während der Verhandlung festgestellt. So daß der damalige Rechtsstreit abgeschlossen wurde und nicht zum Bundesverfassungsgericht weiterging.

Nun hatten Mieter geklagt. Sie wollten die höchstzulässige Miete gerichtlich feststellen lassen. Das Amtsgericht hatte der Klage teilweise stattgegeben. Beim Landgericht war dieselbe Zivilkammer 67 für die von der Vermieterin angestrengte Berufung zuständig. Nun geht das vors Bundesverfassungsgericht.
.

Die Pressemitteilung: Landgericht Berlin: Bundesverfassungsgericht soll über Mietpreisbremse entscheiden (PM 75/2017)

https://www.berlin.de/gerichte/presse/pressemitteilungen-der-ordentlichen-gerichtsbarkeit/2017/pressemitteilung.656821.php

.
Zur Begründung wiederholte das Gericht die bereits in dem damaligen Beschluß vertretenen Positionen. Es hält die Regelung für verfassungswidrig. Über diese Verfassungswidrigkeit könne aber alleine das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Zum einen läge eine ungleiche Behandlung von Vermietern vor. Wesentlich Gleiches sei gleich zu behandeln. Die Bezugsgröße der zulässigen Neuvermietung auf maximal 110 % der örtlichen Vergleichsmiete würde zu einer stark ungleichen Behandlung führen.

> Damit habe der Gesetzgeber eine Bezugsgröße gewählt, die Vermieter in unterschiedlichen Städten wesentlich ungleich treffe. Weder der Gesetzeszweck noch die mit der gesetzlichen Regelung verbundenen Vorteile noch sonstige Sachgründe rechtfertigten dies.

Ferner seien die Vermieter bevorzugt, die in der Vergangenheit bereits überdurchschnittlich hohe Mieten gefordert hätten.

> Denn diese Vermieter dürften bei einer Neuvermietung die „alte“ Miete weiterhin unbeanstandet verlangen. Ein Bestandsschutz für diese „alte“ Miete könne jedoch bei einer Neuvermietung nicht angenommen werden.

Siehe zu dem damaligen Beschluß auch den hiesigen Beitrag

Landgericht Berlin: Vorschrift über Mietpreisbremse sei verfassungswidrig - da Fall entschieden, keine Weiterverweisung ans Bundesverfassungsgericht - Hinweisbeschluss 67 S 149/17

https://blog.server-daten.de/de/2017-09-20/Landgericht-Berlin--Vorschrift-ueber-Mietpreisbremse-sei-verfassungswidrig---da-Fall-entschieden--keine-Weiterverweisung-ans-Bundesverfassungsgericht---Hinweisbeschluss-67-S-149-17-24

Zusätzlich führte das Gericht aus, daß die Vorschrift der Mietpreisbremse auch gegen das Bestimmtheitsgebot verstoße. Denn es käme nicht nur auf die angespannte Situation am Wohnungsmarkt an. Sondern zusätzlich sei der politische Wille der zuständigen Landesregierung notwendig,

> ob von der im Gesetz enthaltenen Ermächtigung zum Erlass einer Verordnung zur Umsetzung der Mietpreisbremse Gebrauch gemacht werde.

Das Bundesgesetz verpflichte die Landesregierungen nicht zur Umsetzung.

> Deshalb seien Vermieter in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Saarland bislang nicht von der Mietpreisbremse betroffen, da die Landesregierungen dort trotz zumindest nicht auszuschließender Anspannung einzelner kommunaler Wohnungsmärkte weiterhin davon absähen, die bundesgesetzlichen Vorschriften zur Mietpreisbremse durch eine Landesverordnung zu vollziehen.

Noch deutlicher würde das für Vermieter in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gelten. Dort gäbe es neue Koalitionen, die laut Koalitionsvertrag bereits erlassene Verordnungen wieder aufheben wollen. Im Gegensatz dazu wären Vermieter durch die Mietpreisbremse bsp. in Berlin an einer höheren Miete gehindert, da hier die Landesregierung für die Großstadt eine entsprechende Landesverordnung erlassen habe.

Die Konsequenz:

> Durch dieses uneinheitlich bindende Regelungssystem verstoße der Bundesgesetzgeber in verfassungswidriger Weise gleichzeitig gegen das am Gesamtstaat zu messende Gleichheitsgebot und das Bestimmtheitsgebot.

Diese unterschiedliche Handhabung durch die Länder finde ich eher befremdlich. Von einem Bundesgesetz würde ich eigentlich erwarten, daß es bsp. in allen Gebieten mit einem "angespannten kommunalen Wohnungsmarkt" einheitlich gilt. So ist die Position der entsprechenden Landesregierung entscheidend.

Die schriftliche Begründung liegt noch nicht vor. Mal sehen, wann sich das Bundesverfassung mit dem Thema beschäftigt.

Laut Tagesspiegel

Mietpreisbremse: Berliner Landgericht schaltet Bundesverfassungsgericht ein

http://www.tagesspiegel.de/berlin/mietpreisbremse-berliner-landgericht-schaltet-bundesverfassungsgericht-ein/20695350.html

gibt es allerdings auch in Berlin eine "dramatische Entwicklung". So der Chef des Berliner Mietervereins, Reiner Wild im September. Demnach würden drei von vier Vermietern bei einer Mieterhöhung mehr Geld als zulässig fordern.

Munter als Neunzigjährige - wie leben Personen im zehnten Lebensjahrzehnt ohne akute medizinische Versorgung zu Hause - eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

10.12.2017 23:35:29, Jürgen Auer, keine Kommentare

Viele Leute gehen mit etwa 65 Jahren oder früher in Rente. Und dann? Manche verlieren völlig die Orientierung, bauen schnell ab und sterben nach fünf bis zehn Jahren. Andere werden zwar älter, aber sind gebrechlich oder erkranken. So daß sie in betreuten Einrichtungen wohnen und umfangreiche Pflege benötigen.

Aber inzwischen gibt es noch eine weitere Gruppe: Personen, die zwischen 90 und 100 Jahre alt sind. Sie leben zu Hause, in ihren eigenen vier Wänden. Und sie werden meist nicht akut medizinisch betreut.

Die beiden Lehrstühle für Gesundheitspsychologie und für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gemeinsam mit der von der Schöller-Stiftung geförderten Beratung für gesundes Altern (BegA) eine Studie zu diesem Personenkreis durchgeführt.
.

Die munteren Neunzigjährigen - FAU-Studie zeigt Überraschendes über die Lebenssituation hochbetagter Menschen

https://www.fau.de/2017/12/news/wissenschaft/die-munteren-neunzigjaehrigen-2/

.
Das Studienziel:

> Zielsetzung war es zu untersuchen, welche Besonderheiten und Verhaltensweisen die Gesundheit und Lebensqualität von überdurchschnittlich aktiven hochbetagten Menschen kennzeichnen.

In Bayern gibt es aktuell etwa 107.000 Personen, die 90 Jahre oder älter sind. Die große Mehrheit lebt in den eigenen vier Wänden.

Dabei waren die untersuchten Personen nicht unbedingt "vollständig gesund":

> Erste Befunde der Nürnberger Studie zum Leben in der zehnten Lebensdekade belegen, dass viele der untersuchten Hochbetagten trotz einer oftmals hohen gesundheitlichen Belastung und trotz zahlreicher medizinisch diagnostizierter Krankheiten noch ein positives Lebensgefühl und einen aktiven Lebensstil pflegen, der sich insbesondere auch durch eine meist hohe Willenskraft auszeichnet.

Es gibt also auch in dieser Gruppe diverse medizinisch diagnostizierte Krankheiten. Allerdings hätten die meisten der Untersuchten sich deutlich jünger gefühlt.

Drei Punkte gab es:

> Für eine hohe Lebensfreude und ein hohes subjektives Gesundheitserleben in der zehnten Dekade des Lebens erscheint insbesondere körperliche Aktivität bedeutsam, ob es zufriedenstellende, enge Vertrauensbeziehungen im Umfeld gibt und wie gut es gelingt, den Alltag weitgehend aus eigener Kraft zu meistern.

Also körperliche Aktivität, enge Beziehungen und die Bewältigung des Alltags.

Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml zu der Studie:

> „Es ist wichtig, im Ruhestand fit zu bleiben und die eigene Gesundheit sinnvoll zu unterstützen – etwa durch Bewegung und eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Von großer Bedeutung ist aber auch die soziale Einbindung.

Intensiv wurden 125 Personen ab 90 Jahren untersucht und befragt.

Praktisch sieht man es doch schon bei den Jüngeren. Die einen sitzen eben abends vor dem Fernseher und gehen dann ins Bett. Womöglich noch kombiniert mit Alkohol, Süßigkeiten und anderen eher ungesunden Dingen. Die anderen bewegen sich und ernähren sich besser. Gehen raus, vertreten sich die Füße. Daß dann der Körper aktiver bleibt und sich immer wieder weitaus besser regenerieren kann: Das ist eher zu erwarten.

|<<>>|1 / 1491234