Die Macallan Whisky Distillery in der Speyside in Schottland - eine komplexe Stahl-Holz-Konstruktion als Dach mit Wiese drüber - verschluckt von der Landschaft - von Rogers Stirk Harbour + Partners - RSHP

24.05.2018 23:56:44, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wie baut man eine große Whisky Distillery? Noch dazu in Schottland? Als Klotz mitten in der Landschaft? So daß das ein Fremdkörper ist?

Oder geht das auch anders?

Die Planer von Rogers Stirk Harbour + Partners (RSHP) haben in der Speyside in Schottland, der Region um den Fluss Spey herum, für die Macallan Whisky Distillery ein neues Gebäude fertig gestellt.

Aber was ist das? Ein Gebäude? Oder ein achtes Weltwunder?
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rogers stirk harbour + partners completes macallan whisky distillery in scotland

https://www.designboom.com/architecture/rogers-stirk-harbour-partners-rshp-macallan-distillery-scotland-05-22-2018/

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Graham Stirk:

> the macallan estate truly is a special place; a place we have come to love and respect hugely,’

Das Gebäude ist einerseits riesig. Andererseits wird es von der Landschaft geradezu verschluckt.

Der ganze Produktionsprozess ist wohl quasi am Stück angeordnet. Eine gewaltige Stahlkonstruktion ist mit unzähligen Holzstreben ausgefüllt, so daß sich innen eine Art Kassettendecke ergibt. Drüber ist das - mit einigen Schichten Erde und Rasen abgedeckt.

Die Herausforderung:

> ‘as the macallan has grown globally it has been very important that we make sure we can sustain demand for this wonderful amber liquid,’

Das Unternehmen wächst wohl weltweit. Wie kann man so große Whisky-Mengen in gleichbleibender Qualität herstellen?

> ‘we’ve taken exceptional care in making sure that the spirit that is produced in the new distillery is identical to the spirit that we produced in our previous distillery. this is the beginning of a really exciting new chapter in the evolution of this wonderful brand that is the macallan.’

Das Gebäude hat unten teils erhebliches an Technik. Unzählige Röhren. Drüber diverse Kessel, bsp. in Kreisform angeordnet. Und über all dem diese Kassettendecke.

Die drei Videos lassen sich nicht direkt auf Vimeo, sondern nur im Beitrag ansehen

Das erste Video enthält teils Ansichten von der Baustelle per Zeitraffer.

Das zweite zeigt die teils immensen logistischen Probleme. So sind die Kessel so groß, daß sie teils nur zerlegt zur Baustelle gebracht werden konnten. Und dann war die Last immer noch so groß, daß der Transporter kaum auf die Straße paßte. Dann mußten diese großen Objekte im Gebäude eingebaut werden.

Das dritte Video zeigt einiges zur Dachkonstruktion. Einerseits Holz als uraltes, natürliches Material. Andererseits modernste Entwicklungs- und Konstruktionsprozesse, um die unzähligen benötigten Einzelteile für dieses langgestreckte Dach zu erstellen.

In dem Video sieht man auch, daß die Stahlkonstruktion quasi wie Brückenpfeiler wirkt. Die Holzteile sind dann so dazwischengespannt, daß die Stahlkonstruktion nur den Rand von so einem "Hügel" bildet. Der gesamte eigentliche Hügel scheint komplett aus Holz konstruiert zu sein. Da gibt es immer wieder einzelne Bilder dazwischen, die Teile der Stahlkonstruktion auf dem "Unterbau" aus Beton für den Boden und die Ebene drüber zeigen.

Es sei das komplexeste Gebäude, das sie jemals gebaut hätten. A building for the future.

Auf der Seite von Macallan

https://www.themacallan.com/en/the-distillery

gibt es weitere Bilder. Das liegt im Norden von Schottland, etwa 240 Kilometer nördlich von Edinburg.

Auf der Website

Macallan

https://www.whisky.de/flaschen-db/brennereien/details/macallan.html

finden sich Bilder von der bisherigen Brennerei. Die ist geradezu "niedlich klein" im Vergleich zu dieser neuen Kathedrale der Industriearchitektur.

OLG Karlsruhe: Folge von SEPA - Kunde in Deutschland muss per Lastschrift mit Konto aus Luxemburg zahlen können - freie Wahl des Kontos im Euro-Raum - vzbv gegen Pearl bestätigt - 4 U 120/17

23.05.2018 23:56:32, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat ein interessantes Konto zum Thema SEPA - Single Euro Payments Area - erstritten bzw. konnte die bisherige Entscheidung des LG Freiburg (6 O 76/17) nun auch beim OLG Karlsruhe bestätigen:

Die "Single Euro Payments Area" bedeutet auch: Bietet ein Dienstleister Lastschrift an, so kann er von einem Kunden aus Deutschland nicht fordern, daß dieser ein Konto aus Deutschland zum Lastschrifteinzug nennt. Hat der Kunde ein Konto im SEPA-Raum - etwa in Luxemburg -, dann muß es auch möglich sein, daß er dieses Konto angibt und die Lastschrift von dort her eingezogen wird.
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Online-Versand darf Konto im EU-Ausland nicht ablehnen

https://www.vzbv.de/pressemitteilung/online-versand-darf-konto-im-eu-ausland-nicht-ablehnen

Das Urteil eingescannt als PDF: PEARL GmbH: Urteil des OLG Karlsruhe | Urteil vom 20.04.2018 | Az. U 8376-5

https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2018/05/22/pearl_gmbh_olg_karlsruhe_u_8376-5.pdf

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Die zentralen Punkte:

> In Deutschland wohnender Kunde konnte nicht per Lastschrift von seinem Luxemburger Konto zahlen.
> SEPA-Verordnung ermöglicht freie Wahl des Kontos innerhalb des Euro-Raums.
> OLG Karlsruhe: SEPA-Verordnung dient auch dem Verbraucherschutz.

Der konkrete Fall: Ein Kunde aus Deutschland wollte online etwas beim Internethändler Pearl bestellen. Der Versuch, die Luxemburger Kontonummer einzugeben, scheiterte bereits an einer Fehlermeldung. Der Support:

> „Bei Kunden, deren Wohnsitz in Deutschland ist, ist es uns leider nicht möglich, von einem ausländischen Bankkonto abzubuchen.“

Der entsprechende Abschnitt Artikel 9, Absatz 2:

Verordnung (EU) Nr. 260/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. März 2012 zur Festlegung der technischen Vorschriften und der Geschäftsanforderungen für Überweisungen und Lastschriften in Euro und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 924/2009

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32012R0260

> Artikel 9
>
> Zugänglichkeit von Zahlungen
>
> (1) Ein Zahler, der eine Überweisung an einen Zahlungsempfänger vornimmt, der Inhaber eines Zahlungskontos innerhalb der Union ist, gibt nicht vor, in welchem Mitgliedstaat dieses Zahlungskonto zu führen ist, sofern das Zahlungskonto gemäß Artikel 3 erreichbar ist.
>
> (2) Ein Zahlungsempfänger, der eine Überweisung annimmt oder eine Lastschrift verwendet, um Geldbeträge von einem Zahler einzuziehen, der Inhaber eines Zahlungskontos innerhalb der Union ist, gibt nicht vor, in welchem Mitgliedstaat dieses Zahlungskonto zu führen ist, sofern das Zahlungskonto gemäß Artikel 3 erreichbar ist.

Hier war der Absatz (2) strittig. Der Zahlungsempfänger wollte nicht von einem Luxemburger Konto einziehen. Interessant ist allerdings, daß auch die Umkehrung gilt: Wer eine Überweisung an einen Empfänger vornimmt, der in der EU wohnt, kann nicht verlangen, daß dieser ein inländisches Konto hat, sofern dieser ihm ein Konto im SEPA-Raum nennt.

Bei dem Verfahren hatte die beklagte Pearl GmbH vor allem die Klagebefugnis des vzbv bestritten. Das Ziel der SEPA-Verordnung sei die Schaffung eines integrierten Marktes für grenzüberschreitende Zahlungen in Euro, nicht der Verbraucherschutz. Dem folgte das Gericht nicht. Die Verordnung solle den EU-Zahlungsverkehr erleichtern, das diene unmittelbar dem Verbraucherschutz.

> „Das Gericht hat damit unsere Klagebefugnis bei derartigen Verstößen gegen die SEPA-Verordnung ausdrücklich anerkannt“, erläutert Jana Brockfeld vom vzbv. „Das ist wichtig, weil es Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht zumutbar ist, wegen einer abgelehnten Zahlung vor Gericht zu ziehen.“

Das Urteil ist für viele "Grenzpendler" wichtig, die in Deutschland wohnen, aber in einem europäischen Nachbarstaat arbeiten. Diese haben oft Konten im europäischen Nachbarstaat, also nicht mehr in Deutschland.

Revision zum Bundesgerichtshof wurde wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen. Der Streitwert wurde für das Berufungsverfahren auf 15.000 Euro festgesetzt. Im landgerichtlichen Verfahren ging es um 214 Euro Kostenerstattung und einen Unterlassungsanspruch.

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Technische Anmerkung: Im eingescannten Urteil steht links oben und auf allen Folgeseiten das Aktenzeichen 4 U 120/17. Das findet sich auch unten vor dem Block mit den Links:

> Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 20.04.2018, Az. 4 U 120/17 – nicht rechtskräftig

Der Block mit dem Link nennt dagegen U 8376-5 als Aktenzeichen. Das steht auch handschriftlich auf dem Urteil rechts oben.

Die ultimative Elevator-Liste - Fahrstühle aus der Welt, in denen es einem nicht langweilig, aber womöglich schwindelig wird

22.05.2018 23:52:19, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ein Aufzug, ein Elevator im Hotel, im Hochhaus: Rein, den Knopf drücken, warten, aussteigen. Aber könnte das auch anders gehen? Oder müssen alle Fahrstühle immer gleichartig aussehen?

BoredPanda hat eine lustige Liste aus der halben Welt zusammengestellt. Teils mit verblüffenden Design-Lösungen: Knöpfe oder auch Notknöpfe, die sich mit den Füßen bzw. von gefallenen Personen bedienen lassen.

Teils nur für Schwindelfreie gedacht. Und noch so einiges mehr.
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20+ Times Elevators Surprised People With Genius Design Solutions

https://www.boredpanda.com/creative-elevators/

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Wie üblich für BoredPanda: Die Reihenfolge kann sich durch Votings immer mal ändern.

#1: Der Fahrstuhl im World Trade Center zeigt die historische Entwicklung des "wachsenden New York".

Bei #2 wurde ein großes Poster mit einem "zeigenden antiken Herrn" geschickt angebracht, so daß er auf den Fahrstuhlknopf zeigt.

#3 ist der AquaDom hier in Berlin im DomAquarée. Ein Zylinder mit einem Fahrstuhl innen. Drumherum ein gläsernes Aquarium. 16 Meter Höhe, 11,5 Meter Durchmesser, etwa 1500 Fische in etwa einer Million Liter Wasser (Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/AquaDom ).

#4 könnte manchmal wirklich sinnvoll sein. Ein zusätzlicher Alarmknopf mit Sprechanlage knapp über dem Boden. Wer hingefallen ist und nicht wieder hoch kommt, kann so Hilfe herbeirufen. Ähnlich #6 mit Knöpfen, die mit den Füßen bedient werden können.

Was macht man eigentlich, wenn ein Fahrstuhl ausgefallen ist? Ein langweiliges "Außer Betrieb"? Oder so etwas?

You are welcome to:

- hide in it
- read in it
- sing in it
- do yoga in it
- study for the bar exam in it

But you cannot

- Go up and down in it

Man kann sich drin verstecken, lesen, singen, Yoga machen, studieren - nur hoch- und runterfahren geht grade nicht. In einem Hyatt gab es diese schöne Variante.

Mit #7 beginnen verschiedenste ungewöhnliche Designs. Nicht die kahlen Metalltüren, sondern scheinbar Schränke zum Aufklappen. Oder #8 - eine Police Public Call Box, #9 - ein Winter Wonderland. Und statt der langweiligen Beschriftung 1000 kg / 13 Persons läßt sich das umrechnen:

2000 Regenschirme - 5 Seelöwen - 9823 Schnapsgläser - 250 Gitarren - 83.333 2-Pfund-Münzen - 1533 iPads - 200 Katzen. Also würden auch lässig 2 Seelöwen und 100 Katzen reinpassen.

#11 zeigt ein historisches Modell aus St. Petersburg:

Steam Powered Elevator, St Petersburg, Russia(11/37)

https://www.boredpanda.com/steam-powered-elevator-st-petersburg-russia/

#13 fordert den Benutzer auf, die Treppe zu verwenden: Push yourself, not the button. Please take the stairs, if you are able. Every elevator ride uses enough energy to recharge your cellphone.

#12 / #14 sind ungewöhnliche Innengestaltungen, #16 ist verblüffend: Da ist der Knopf 30 Fuß (= 9,1 Meter) entfernt von der Tür angebracht. Ein Hotel in Odessa (#17) wechselt täglich den Teppich und zeigt den Wochentag an. #18 zeigt den "Füllstand" durch ein teilweise farbig gefülltes Männchen an. In Osaka gibt es einen Fahrstuhl, der anzeigt, ob es draußen grade regnet (#19). Und wer bei 56 Stockwerken nicht weiß, wo er hin soll: Der wählt den Zufallsbutton aus.

Dann folgen diverse weitere ungewöhnliche Gestaltungen. Eine Ausnahme:

This Elevator Wants You To Do Your Math(22/37)

https://www.boredpanda.com/this-elevator-wants-you-to-do-your-math/

Da heißen die Buttons nicht 1 - 6, sondern enthalten Rechenaufgaben.

Wobei ich persönlich bislang nur die Standard-Aufzüge kenne. Die Knöpfe unten scheinen mir allerdings eine durchaus sinnvolle Idee zu sein.

Thunderstorm Photography - dramatische Sturmwolken - aufgenommen vom Cockpit im Flugzeug über den Wolken - von Christiaan van Heijst

21.05.2018 23:54:43, Jürgen Auer, keine Kommentare

Unsereiner kennt ja Wolken normalerweise nur von unten. Und wenn das Wetter schlecht ist, dann bin zumindest ich eher in der Wohnung, was den Blick nach draußen zwangsläufig erst recht einschränkt.

Aber wie wäre das, wenn man von oben auf Gewitterwolken blicken würde? In einem Flugzeug gibt es diese Perspektive. Noch dazu im Cockpit, als Pilot oder Copilot. Damit nicht nur einmal, als fliegender Kunde. Sondern regelmäßig. Was auch bedeutet: Es gibt viele Gelegenheiten, solche Photos "über den Wolken" zu machen und die besten davon auszuwählen.

Der Niederländer Christiaan van Heijst ist als Pilot unterwegs. Aktuell 34 Jahre alt, fliegt er seit seinem 18. Lebensjahr. Ab zwanzig erst mit einer Fokker für etwa 2,5 Jahre. Dann eine Boeing 737, etwa 4,5 Jahre. Mit 27 Jahren ging es weiter zur Boeing 747-400. Aktuell fliegt er noch die Boeing 747-8.

Hinzu kam die Photographie, wobei ihm vor allem das Licht in allen möglichen Varianten begeistert.
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Pilot Reveals How Dramatic Thunderstorms Look From Above the Clouds

https://mymodernmet.com/christiaan-van-heijst-weather-photography/

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Die Flughöhe liegt bei etwa 32.000 Fuß, das sind 9753 Meter, also knapp 10 Kilometer. Da ist man über den Wolken und sieht diese aus einer extremen Vogelperspektive.

Interessant ist der Satz:

> In the distance, we see an illuminated city below, seemingly unaware of the phenomena going on above it.

Eine Stadt in der Entfernung. Die nichts von dem Spektakel weiß, das grade über ihr passiert.

Manche Aufnahmen seien einfach dramatisch. Andere zeigen unglaubliche Wolkenformationen. Manchmal gelingen ihm auch Aufnahmen von Nordlichtern.

Mehr davon gibt es auf seiner Website:

JPC van Heijst

https://jpcvanheijst.com/

Dort finden sich bsp. unter der Rubrik

Weather, clouds and Northern Lights

https://jpcvanheijst.com/portfolio/weather-and-clouds

diverse Bilder zum Durchklicken.

Unter

About the photographer

https://jpcvanheijst.com/about-the-photographer

fanden sich die oben genannten Daten.

Ferner eine Rubrik

Travel Photography

https://jpcvanheijst.com/portfolio/travel-photography

U.a. mit Bildern aus Hongkong, von den dortigen, eng beieinanderstehenden Hochhäusern ein Blick nach oben.

Und drei Bilderserien aus Nordkorea. Bilder, die man sonst wohl kaum sehen dürfte.

AROS - historischer Brunnen am Plaza Loreto in Mexico City wird mit Holzverschalung und Netzen zur Spielwiese für Kinder - erster Preis beim Urban Toys Competition für das PALMA-Studio

20.05.2018 23:54:34, Jürgen Auer, keine Kommentare

Historische Gemäuer sind ja durchaus faszinierend. Aber leider auch manchmal etwas steril. Läßt sich da - zumindest zeitweilig - etwas daran ändern?

In Mexico City gab es einen Wettbewerb mit dem "sprechenden Titel" Urban Toys Competition. Den ersten Preis bekam das PALMA-Studio für die - temporäre - Neugestaltung eines historischen Brunnens auf dem Plaza Loreto.

Dessen steinerner Rand wurde mit zwei Ringen aus Sperrholz-Verschalungen umgeben. Die nicht eben sind, sondern von unten nach oben und wieder nach unten gehen. So daß sich zwei Kreisbahnen ergeben - mit viel Platz zum Rennen.

Das Wasser wurde teils mit einem Gitternetz aus Seilen überspannt. Zur Brunnenmitte senkt sich dieses Netz aber ab und ist offen.

Effekt: Kinder können sich an den Seilen zur Mitte durchhangeln, stehen dort auf dem Brunnenboden und passen dann wieder unter den Seilen durch.
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palma studio creates pop-up playground inside a historic fountain in mexico city

https://www.designboom.com/architecture/palma-fountain-aros-mexico-city-05/

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> it was the winning proposal for the ‘urban toys’ competition, commissioned by laboratorio para la ciudad and the mexico city government with the objective of ‘developing a sort of temporary playground in the historical center of the city, specifically in loreto square.’

Dafür gab es den ersten Preis. Das Ziel des "Urban Toys" - Wettbewerbs: Eine Art von temporärem Spielplatz in der historischen City zu kreieren.

Die Struktur wurde in die Grenzen des historischen Brunnens eingesetzt. Damit wurde das, was ohnehin an wohl täglicher Brunnennutzung existierte, aufgegriffen und "verziert", verschönert.

Auf der Seite des Studios

http://www.palmaestudio.com/

läßt sich der Eintrag leider nicht direkt verlinken. Das ist aktuell das mittlere Bild in der oberen Reihe. Da findet sich ein interessanter Text:

> The project uses two circular ramps with opposite slopes which result in playful level variations. Together with the water element and the net, these obstacles produce moments of moderate risk which encourage interaction and dynamic play. The concentric nature of the proposal also creates a series of thresholds which can be real or imaginary. Access to the first ring is open at the lowest point. However, in order to get to the second ring, the child must walk at least a quarter of the way around the circle or go through a tunnel. From here, the child must overcome the third obstacle; the water and net. All these layers, thresholds and observations point are great for made-up rule play and socio-dramatic games. The ramps temporarily envelop the fountain which creates a sensory experience when the fountain is on but can also be used as a dry game.

Zwei Rampen / Kreise mit gegenläufigen Schrägen. Zusammen mit dem Wasser und dem Netz ergibt das Momente mit einem geringen Risiko, die zur Interaktion einladen. Man kommt über einen niedrigen Punkt des äußeren Kreises rein. Will man zum inneren Ring, muß man mindestens eine Viertelumrundung bewältigen. Dann muß das Kind das dritte Hindernis überwinden - das Wasser und das Netz. All diese Schichten, Schwellen und Aussichtspunkte sind wunderbar dafür geeignet, zu spielen.

Man sieht das schön auf den Bildern: Ein Mädchen sitzt auf einem Hüpfball und hüpft wohl am inneren Kreis entlang. Andere sitzen am Rand des inneren Kreises, die Füße durch das Netz. Und sehen, was die machen, die sich über das Netz zur Brunnenmitte getraut haben.

Auf der Website des Studios gibt es ein Bild vom Brunnen, das bei Designboom fehlt: Da sieht man den steinernen Brunnenrand. Die Sperrholzverschalung steht auf Ständern und verdoppelt den Brunnenrand ungefähr in der Höhe.

Das eingebundene Video funktionierte bei mir nicht. Direkt auf Vimeo:

palma fountain in mexico city

https://vimeo.com/270138836

Da sieht man schön, wie diese Struktur drumherum genutzt wird.

Ein älterer Artikel bei Archdaily vom 26.10.2017:

"Urban Toys" Designed to Reactivate Underused Public Spaces in Mexico City

https://www.archdaily.com/882364/urban-toys-designed-to-reactivate-underused-public-spaces-in-mexico-city

Demnach war es ein Ziel des Wettbewerbs, wenig genutzte öffentliche Plätze in Mexico City zu reaktivieren. Sprich: Der Brunnen sieht zwar schön historisch aus, wurde aber wohl kaum für solche Zwecke genutzt.

Der Wettbewerb war wohl schon im letzten Jahr. Nun dürfte das realisiert worden sein. Wenn man die Nutzung sieht, kann man den dortigen Kindern eigentlich nur wünschen, daß das nicht nur ein paar Wochen so bleibt.

Bundesfinanzhof: Vermieter kann nicht auf Steuerfreiheit bei Vermietung an Pauschallandwirt verzichten - Gegenposition zu Abschnitt 9.2 Absatz 2 UStAE - Vorschaltmodell kommt nicht mehr in Betracht - V R 35/17

19.05.2018 23:51:41, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Bundesfinanzhof hat am 16.05.2018 ein Urteil vom 01.03.2018 veröffentlicht, das weitreichende Folgen für Landwirte haben dürfte. Insbesondere stellt sich der Bundesfinanzhof gegen den Abschnitt 9.2 Absatz 2 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses (UStAE), der diese Praxis ausdrücklich billigte. Damit hatten bis jetzt auch Finanzämter in einer Art und Weise solche Modelle gebilligt, wie das nun nicht mehr möglich sein dürfte.
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Pressemitteilung: BFH versagt Gestaltungsmodell in der Landwirtschaft die Anerkennung - Urteil vom 1.3.2018 V R 35/17

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=36446&pos=0&anz=25

Das Urteil: BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.3.2018, V R 35/17 - ECLI:DE:BFH:2018:U.010318.VR35.17.0

Kein Verzicht auf Steuerfreiheit bei Vermietung an Pauschallandwirt

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=25&pos=0&nr=36452&linked=urt

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Der Leitsatz aus dem Urteil:

> Verpachtet ein Unternehmer ein Grundstück an einen Landwirt, der seine Umsätze gemäß § 24 Abs. 1 UStG nach Durchschnittssätzen versteuert, kann der Verpächter nicht auf die Steuerfreiheit seiner Umsätze nach § 9 Abs. 2 Satz 1 UStG verzichten (entgegen Abschn. 9.2 Abs. 2 UStAE).

Den Umsatzsteuer-Anwendungserlass gibt es in der aktuellen konsolidierten Fassung unter

Umsatzsteuer-Anwendungserlass

https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Steuern/Steuerarten/Umsatzsteuer/Umsatzsteuer_Anwendungserlass/umsatzsteuer_anwendungserlass.html

Dort gibt es als Download ein aktuell 756 Seiten umfassendes PDF. Abschnitt 9.2, Absatz 2 UStAE findet sich auf Seite 388.

Der Fall (aus der Pressemitteilung):

> Im Streitfall hatte der Kläger einen Rinderboxenlaufstall mit Melkkarussell sowie einen Kälberaufzuchtstall errichtet und an eine zusammen mit seiner Frau gebildete Gesellschaft bürgerlichen Recht (GbR) verpachtet. Die GbR betrieb Landwirtschaft und wendete auf ihre Umsätze gemäß § 24 Abs. 1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) sog. Durchschnittssätze an. Als Pauschallandwirtin war sie zugleich zu einem fiktiven Vorsteuerabzug in Höhe der Umsatzsteuer berechtigt, so dass für sie keine Steuerschuld entstand. Aufgrund dieser Sonderregelung war sie allerdings aus tatsächlichen Leistungsbezügen nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt.

"Pauschallandwirt" heißt, daß auf die Leistungen ein besonderer Umsatzsteuersatz, der Durchschnittssatz, aufgeschlagen wird. Die so vom Landwirt vereinnahmte Steuer wird aber nicht an das Finanzamt abgeführt. Stattdessen soll dieser zusätzliche Erlös die Belastung durch die Umsatzsteuer ausgleichen, die andere Unternehmer dem Landwirt als Vorsteuer berechnet haben (nach https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/bemerkungen-jahresberichte/jahresberichte/2015/teil-iii-einzelplanbezogene-entwicklung-und-pruefungsergebnisse/allgemeine-finanzverwaltung/2015-bemerkungen-nr-81-ungerechtfertigte-vorteile-fuer-landwirte-bei-der-umsatzsteuer-vermeiden ).

Der Fall weiter aus der PM:

> Der Kläger erklärte in Übereinstimmung mit der Auffassung der Finanzverwaltung (Abschn. 9.2 Abs. 2 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses) gemäß § 9 Abs. 2 UStG den Verzicht auf die Steuerfreiheit seiner Verpachtungsleistungen; denn nur bei Steuerpflicht seiner Leistungen kann er den Vorsteuerabzug aus der Errichtung der verpachteten Gegenstände geltend machen. In Kombination mit der Vorsteuerpauschalierung bei der GbR wäre das sog. Vorschalten einer Verpachtung insoweit vorteilhaft, als eine bei der GbR nicht abziehbare Vorsteuer aus den Errichtungskosten nun für den Kläger abziehbar sein sollte.

Damit konnte der Kläger die Vorsteuer, die in der Errichtung der verpachteten Gegenstände enthalten war, gegen die eigenen Umsatzsteuereinnahmen aufrechnen.

Dann gab es (laut Urteil) eine Außenprüfung. Da meinte das Finanzamt, daß der Kläger zwar zum Vorsteuerabzug berechtigt sei, aber mit der GbR ein unübliches Entgelt vereinbart habe. Deshalb sei die Mindestbemessungsgrundlage anzuwenden.

Dagegen Einspruch, dann Klage. Das Finanzgericht entschied, daß die Leistungen des Klägers an die GbR steuerfrei seien. Mit der Begründung (Urteil):

> Unter Beachtung der unionsrechtlichen Vorgaben aus Art. 13 Teil C der Sechsten Richtlinie 77/388/EWG des Rates vom 17. Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Umsatzsteuern – Gemeinsames Mehrwertsteuersystem: einheitliche steuerpflichtige Bemessungsgrundlage (Richtlinie 77/388/EWG) sei bei Anwendung von § 9 Abs. 2 UStG von einer Verwendung ohne Recht auf Vorsteuerabzug auszugehen, so dass der Kläger auf die Steuerfreiheit nicht habe verzichten können. Auf die Höhe des Pachtentgelts komme es nicht an. Eine Verböserung des Steuerbescheides komme im finanzgerichtlichen Verfahren nicht in Betracht.

Dagegen Revision des Klägers. Das Finanzamt beantragte, die Revision zurückzuweisen. Mit der Begründung:

> Die Klage sei aus anderen Gründen als denen des FG-Urteils unbegründet. Entscheidend sei die Anwendung der Mindestbemessungsgrundlage.

Die Entscheidung des BFH:

> Die Revision des Klägers ist aus anderen als den geltend gemachten Gründen begründet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Sache an das FG zurückzuverweisen (§ 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung --FGO--). Zwar hat das FG zutreffend entschieden, dass die Voraussetzungen für einen Verzicht nach § 9 Abs. 2 UStG nicht vorliegen, wenn die Vermietung oder Verpachtung an einen Pauschallandwirt erfolgt, dessen Umsätze § 24 Abs. 1 UStG unterliegen. Das FG hat aber keine hinreichenden Feststellungen zum Umfang der Steuerfreiheit nach § 4 Nr. 12 UStG getroffen.

Entscheidend ist hier der genaue Wortlaut von

Umsatzsteuergesetz (UStG) - § 9 Verzicht auf Steuerbefreiungen

https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__9.html

> (2) Der Verzicht auf Steuerbefreiung nach Absatz 1 ist bei der Bestellung und Übertragung von Erbbaurechten (§ 4 Nr. 9 Buchstabe a), bei der Vermietung oder Verpachtung von Grundstücken (§ 4 Nr. 12 Satz 1 Buchstabe a) und bei den in § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchstabe b und c bezeichneten Umsätzen nur zulässig, soweit der Leistungsempfänger das Grundstück ausschließlich für Umsätze verwendet oder zu verwenden beabsichtigt, die den Vorsteuerabzug nicht ausschließen.

Ein Vermieter kann also auf die Steuerfreiheit seiner Mietzahlungen freiwillig verzichten. Aber nur dann, wenn der Mieter das Grundstück für Umsätze verwendet, aus denen sich eine Berechtigung zum Vorsteuerabzug ergibt.

Das war hier nicht der Fall, da die GbR als Pauschallandwirt keine entsprechenden Umsätze erzielte. Die RN 17 des Urteils:

> Pauschallandwirte, die ihre Umsätze nach § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 UStG versteuern, verwenden das von ihnen gemietete oder gepachtete Grundstück i.S. von § 9 Abs. 2 Satz 1 UStG für Umsätze, die den Vorsteuerabzug ausschließen. Dies ergibt sich aus dem Verbot des "weiteren" Vorsteuerabzugs nach § 24 Abs. 1 Satz 4 UStG. Hierdurch schließt das Gesetz einen leistungsbezogenen Vorsteuerabzug aus, wie ihn § 9 Abs. 2 Satz 1 UStG voraussetzt.

Allerdings hatte das Finanzgericht nicht geklärt, ob die Vermietung von Maschinen und Geräten steuerpflichtig sei.

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Einerseits finde ich das Urteil nachvollziehbar. Andererseits verblüfft mich, daß es wohl seit etwa 2010 innerhalb des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses die genau gegenteilige Feststellung gab. Dort steht (Quelle obiges PDF) (mit "Option" ist der Verzicht auf die Steuerbefreiung der Verpachtung gemeint):

> Die Option ist unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 auch dann zulässig, wenn der Leistungsempfänger ein Unternehmer ist, der seine abziehbaren Vorsteuerbeträge nach Durchschnittssätzen berechnet (§§ 23, 23a UStG), seine Umsätze nach den Durchschnittssätzen für land- und forstwirtschaftliche Betriebe versteuert (§ 24 UStG), Reiseleistungen erbringt (§ 25 UStG) oder die Differenzbesteuerung für die Umsätze von beweglichen körperlichen Gegenständen anwendet (§ 25a UStG).

Dort sind also die Pauschallandwirte, die die Umsätze nach den Durchschnittssätzen für land- und forstwirtschaftliche Betriebe versteuern, explizit genannt. Das scheint auch sehr weit verbreitet zu sein. Aus der PM:

> Nach Angaben des Bundesrechnungshofs wenden über 70 % der Landwirte in Deutschland die Sonderregelung nach § 24 Abs. 1 UStG an. Aufgrund des Urteils des BFH kommt für sie --ebenso wie bei nicht zum Vorsteuerabzug berechtigten Banken und Sparkassen-- der Einsatz sog. Vorschaltmodelle nicht mehr in Betracht.

Da dürfte es diverse analoge Fälle geben, bei denen nun alle noch offenen Steuersachen geändert werden dürften.

Wenn im PC-Dauerbetrieb zu FireFox der Adblocker uBlock origin plötzlich deaktiviert wird: Lösung: Automatische Aktualisierung von uBlock origin deaktivieren

18.05.2018 23:40:39, Jürgen Auer, keine Kommentare
Extras - Addons bzw. Strg+Umschalt+A: Alle Addons auf manuelle Aktualisierung umstellen.

Wiederholt hatte ich in den letzten Monaten ein durchaus lästiges Problem. Ich nutze meinen Windows-10 - PC im Dauermodus. Meint: Ich fahre den PC bei Pausen und am Abend nicht runter, sondern ich schicke ihn nur in den Ruhezustand.

Schon im Normalmodus sind bei mir diverse Anwendungen mit Fenstern offen: Word, Excel, Seiten mit Quellcode, Pegasus als Mailprogramm, zwei Browser mit drei oder vier Fenstern. Die Zahl der offenen Tabs liegt oft im mittleren zweistelligen Bereich. Im besten Fall läuft der PC von einem Patchday bis zum nächsten Patchday ohne Neustart durch. Nach einer Pause kann man so dort weitermachen, wo man aufgehört hat.

Aber dabei gab es wiederholt ein lästiges Problem: Plötzlich funktionierte der von mir genutzte Adblocker uBlock origin im FireFox nicht mehr. Dazu kam: Das Icon in der Symbolleiste war verschwunden.

Angesichts dessen, was bsp. bei Zeitungen an Werbung drauf ist, ist das sehr schlecht. Bei allem Respekt davor, daß Zeitungen Geld verdienen wollen: Aber wenn ich etwas lese, dann brauche ich weder automatisch startende Videos noch irgendwelche animierten GIFs, die um meine Aufmerksamkeit buhlen. Das Ausblenden funktionierte dann immer nicht.

Varianten der Deaktivierung und Reaktivierung klappten auch nicht. Bei einem FireFox-Neustart funktionierte der Adblocker wieder. Aber den wollte ich ja grade vermeiden. Blieb nur der Wechsel zu Chrome, da funktionierte der Adblocker weiterhin.

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Irgendwann gab es die Beobachtung: Zu uBlock origin gibt es eine Seite Einstellungen, die auf eine Seite der Form

moz-extension://sehr-lange-Zufallszeichenfolge/dashboard.html

führte. Immer, wenn der Adblocker plötzlich nicht mehr funktionierte, blieb dieses Dashbord komplett weiß.

Damit die Vermutung: Wenn sich der Adblocker automatisch aktualisiert, dann wird diese Zufallszeichenfolge geändert, aber nicht im FireFox ausgetauscht. FireFox greift noch auf die alte Version zurück, aber die gibt es nicht mehr. Also funktioniert der Adblocker nicht mehr und das Icon fehlt.

Dann fiel auf, daß das oft im Zusammenhang mit einem FireFox-Update auftrat. Erst gibt es zu FireFox eine neue Version. Dann gibt es - ein oder zwei Tage später - zu uBlock origin eine neue Version. Ab dann funktioniert der Adblocker nicht mehr.

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Folglich beim letzten Patchday nach dem FireFox-Aktualisieren einmal die Seite

about:addons

aufgerufen (Extras - Add-ons bzw. Strg + Umschalt + A).

Dort gibt es zu jedem installierten AddOn den Punkt "Mehr". Da kann man unten unter "Automatische Updates" die Variante "Aus" wählen.

Oder gleich - siehe Bildschirmphoto - alle Addons auf "manuelle Aktualisierung" umstellen.

Und was passierte? Nun gab es wieder eine neue FireFox-Version, von 60.0 auf 60.0.1. Mit ein paar beseitigten Bugs, aber ohne, daß eine sicherheitskritische Sache dabei wäre. Von den Bugs hatte ich bis jetzt noch nichts gemerkt, also kann der jetzige FireFox auch noch ein paar Wochen weiterlaufen.

Aber: Unter

about:addons

wird mir nun explizit ein Update von uBlock origin angeboten. Der Adblocker - funktioniert weiterhin.

Sprich: Wem ebenfalls "plötzlich und unerwartet" uBlock origin inklusive Icon verschwindet und wer einen Browserneustart vermeiden möchte. Bei dem Addon die automatische Aktualisierung ausschalten. Das nutzt zwar nichts mehr, wenn sich das Addon bereits aktualisiert hat und wenn es schon verschwunden ist. Da hilft nur noch ein Browser-Neustart. Aber anschließend sollte das funktionieren.

Im Chrome tritt das Problem übrigens nicht auf. Da funktioniert der Adblocker, auch wenn er sich dazwischen einmal aktualisiert hat.

Google Chrome will ab September 2018 das https-Schloss nicht mehr grün färben, später eventuell entfernen - bei Eingaben auf http-Seiten wird Warntext rot

17.05.2018 23:50:37, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das Internet wandelt sich immer mehr dahingehend, daß Zugriffe auf Websites verschlüsselt durchgeführt werden. Seit dem Start von Letsencrypt wächst die Zahl der verschlüsselten Websites deutlich, der Gesamttraffic ist inzwischen überwiegend verschlüsselt.

Das führt nun dazu, daß Google die Anzeige von verschlüsselten und unverschlüsselten Websites erneut "überarbeiten" möchte.
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Evolving Chrome's security indicators

https://blog.chromium.org/2018/05/evolving-chromes-security-indicators.html

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> Users should expect that the web is safe by default, and they’ll be warned when there’s an issue. Since we’ll soon start marking all HTTP pages as “not secure”, we’ll step towards removing Chrome’s positive security indicators so that the default unmarked state is secure.

Nutzer sollten davon ausgehen, daß Websites sicher per default seien. Und sie sollen gewarnt werden, wenn das nicht der Fall ist. Unsichere Websites sollen in Kürze (ab Chrome 68, aktuell Chrome 66) mit "not secure" bezeichnet werden. Zusätzlich soll aber der positive Hinweis auf eine verschlüsselte Website entfallen. Also das Prinzip: Keine Markierung = sicher.

Ein Bildschirmphoto in dem Blogbeitrag zeigt, wie das aussehen soll:

Aktuell wird bei https-Seiten ein grünes Schloß und das Wort "Secure" angezeigt.

Ab Chrome 69 / September 2018 entfallen Grünfärbung und das Wort "Secure". Eventuell soll später auch das Schloß entfallen.

Die "not secure" - Seiten (alles, was per http erreichbar ist) werden ja schon in Kürze mit einem i und einem schwarzen Text "Not secure" gekennzeichnet.

Tippt man in so einer Seite etwas ein, dann soll das umspringen: Das i wird zu einem Warndreieck, dieses und der Text werden rot.

In dem Blogbeitrag gibt es ein zweites Bild, das als animiertes Gif zeigt, wie das aussehen wird.

Eine Vorstufe davon kann man bereits jetzt im Chrome beobachten.

Ruft man die - nicht verschlüsselte - Startseite der FAZ ( www.faz.net ) auf, dann gibt es nur ein i neben der Adresse. Aktiviert man die Sucheingabe und tippt etwas in die Suche ein, wird rechts neben dem i "Nicht sicher" eingeblendet.

Da "zuckt" der Bildschirm bei der ersten Eingabe und weist den Nutzer damit darauf hin, daß das, was er da eingibt, womöglich von Dritten mitgelesen werden kann.

Der Hinweis ist treffend:

> Previously, HTTP usage was too high to mark all HTTP pages with a strong red warning, but in October 2018 (Chrome 70), we’ll start showing the red “not secure” warning when users enter data on HTTP pages.

Früher gab es noch zuviele http-Seiten, da sei es noch kein Thema gewesen, all diese Seiten mit einer roten Warnung zu versehen. Aber ab Oktober 2018 wird das bei allen Eingaben gemacht.

Sprich:

> We hope these changes continue to pave the way for a web that’s easy to use safely, by default. HTTPS is cheaper and easier than ever before, and unlocks powerful capabilities -- so don’t wait to migrate to HTTPS!

Es geht damit weiter, daß https der Normalzustand werden soll und http möglichst ausgemustert wird.

Die Umstellung im Juli / Chrome 68:

Google macht Ernst - ab Juli 2018 werden alle http-Websites als unsicher markiert - auch jene ohne Passworteingabe - Testmöglichkeit für Mixed Content

https://blog.server-daten.de/de/2018-02-10/Google-macht-Ernst---ab-Juli-2018-werden-alle-http-Websites-als-unsicher-markiert---auch-jene-ohne-Passworteingabe---Testmoeglichkeit-fuer-Mixed-Content-172

PS: Ich bin ja gespannt, wann die FAZ, Spiegel und noch ein paar andere bis heute unverschlüsselte Nachrichtenportale umstellen. Der Tagesspiegel hat im Februar endlich umgestellt, grade sehe ich, daß auch die ZEIT nun per https erreichbar ist. So allmählich gehen die großen Testkandidaten für http-Seiten aus. Aber sehr viele kleine Websites sind eben weiterhin unverschlüsselt.

Back Alley Bookends - magische Buchstützen - sie transformieren Bücherregale in kleine japanische Seitengassen - vom japanischen Designer Monde

16.05.2018 23:43:53, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Buchstützen denkt man womöglich nicht unbedingt an "Inspiration". Die soll ja womöglich eher von den Büchern kommen, die von den Buchstützen am Umkippen gehindert werden. Und bei Buchstützen denke ich zuallererst an jene simplen metallischen einfarbigen Stützen, die ich kenne. Inspiration = Null.

Ganz anders sieht das dagegen der japanische Designer monde. Dieser hat drei Buchstützen gebaut. Die ein "umfangreiches Innenleben" haben.

Von der Breite her wie ein Buch. Aber innen wie jene verwinkelten und engen Gassen, die es in Tokio gibt. Als "Back Alley Bookends" bezeichnet.
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Magical Bookends Transform Bookshelves into the Back Alleys of Japan

http://www.spoon-tamago.com/2018/05/15/japanese-back-alley-bookends/

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Der Artikel spricht davon, daß das Straßennetz in Tokio wie ein Spinnennetz wirken würde. Lauter Nebenstraßen und dazwischen unzählige kleine Gassen.

Die Buchstützen gibt es als Paare.

> The back alley bookends come in a pair and can be used together to replicate a small back alley, or they can be used individually, exposing the intricate stepping stones, A/C units, piping, plants and other details that have been carefully recreated by hand.

Entweder stellt man sich die beiden zusammen, so daß sich eine kleine Seitengasse mit unzähligen Details ergibt. Oder man nutzt sie einzeln. So daß man die Stufen, die Leitungen, die Pflanzen und all die anderen Details sieht, die per Hand gebaut wurden.

Von dem Designer Monde scheint es nur den Hinweis auf sein Twitter-Profil

https://twitter.com/monde55212068

zu geben, also @monde55212068 .

Vom 12.-13.05.2018 gab es in Tokio das Design Festa, ein Kunst- und Handwerksfestival. Dort können Amateure und Profis ihre Arbeiten ausstellen.

Da gibt es zwar auch eine englische Version:

Design Festa:

https://designfesta.com/en/

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Leider listet die dortige Suche nichts. @Monde hatte diese Arbeiten zusammen mit anderen Arbeiten von sich dort vorgestellt. Auf seinem Twitter-Account gibt es ein einziges, älteres Photo (November 2017):

https://twitter.com/monde55212068/status/929553407827779584

Das zeigt die drei Buchstützen, zwei zwischen Büchern und eine aufgeklappt.

Die anderen Bilder stammen vom Twitter-Nutzer @riku_ton:

https://twitter.com/riku_ton/status/995640172833206272

Dieser hat die Bilder am 12./13.05.2018 gemacht.

Bundesgerichtshof: Dashcam-Aufnahmen sind zwar als Daueraufnahmen unzulässig, als Beweismittel im Unfallhaftpflichtprozess jedoch verwertbar - VI ZR 233/17

15.05.2018 23:55:10, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Bundesgerichtshof hat sich heute - erstmalig - mit dem Thema Dashcam beschäftigt. Und eine Entscheidung getroffen, die meines Erachtens nach gewaltige Auswirkungen haben wird. Denn die Entscheidung - Aufhebung des Berufungsurteils und neue Verhandlung am Landgericht - dürfte dazu führen, daß sich diverse Autofahrer weitere Dashcams zulegen werden.

Womöglich sogar so, daß Dashcam-Hersteller "datenschutzfreundliche Dashcams" entwickeln und diese gezielt anbieten werden.
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Verwertbarkeit von Dashcam-Aufnahmen als Beweismittel im Unfallhaftpflichtprozess - Urteil vom 15. Mai 2018 – VI ZR 233/17

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=83549&pos=2&anz=90

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Der Sachverhalt, der in erster Instanz vom Amtsgericht Magdeburg behandelt wurde:

> Der Kläger nimmt den Beklagten und seine Haftpflichtversicherung nach einem Verkehrsunfall auf restlichen Schadensersatz in Anspruch. Die Fahrzeuge der Parteien waren innerorts beim Linksabbiegen auf zwei nebeneinander verlaufenden Linksabbiegespuren seitlich kollidiert. Die Beteiligten streiten darüber, wer von beiden seine Spur verlassen und die Kollision herbeigeführt hat. Die Fahrt vor der Kollision und die Kollision wurden von einer Dashcam aufgezeichnet, die im Fahrzeug des Klägers angebracht war.

Das Amtsgericht hatte dem Kläger die Hälfte seines Schadens zugesprochen. Der Kläger hätte keinen Beweis dafür erbracht, daß der Beklagte von der eigenen Spur abgewichen und die Spur des Klägers genutzt habe. Ein Sachverständiger meinte, daß beide Versionen - die des Klägers und jene des Beklagten - denkbar seien.

Das Angebot, die Aufnahmen der Dashcam zu nutzen, sei nicht nachzukommen. Die Aufnahmen würden dem Datenschutz widersprechen, damit gäbe es ein Beweisverwertungsverbot. Das bestätigte auch das Landgericht Magdeburg und ließ Revision zu.

Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und schickte das ans LG zurück. Bereits der erste Block der Begründung hat es in sich:

> Die vorgelegte Videoaufzeichnung ist nach den geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen unzulässig. Sie verstößt gegen § 4 BDSG, da sie ohne Einwilligung der Betroffenen erfolgt ist und nicht auf § 6b Abs. 1 BDSG oder § 28 Abs. 1 BDSG gestützt werden kann. Jedenfalls eine permanente anlasslose Aufzeichnung des gesamten Geschehens auf und entlang der Fahrstrecke des Klägers ist zur Wahrnehmung seiner Beweissicherungsinteressen nicht erforderlich, denn es ist technisch möglich, eine kurze, anlassbezogene Aufzeichnung unmittelbar des Unfallgeschehens zu gestalten, beispielsweise durch ein dauerndes Überschreiben der Aufzeichnungen in kurzen Abständen und Auslösen der dauerhaften Speicherung erst bei Kollision oder starker Verzögerung des Fahrzeuges.

Damit liegt es nahe, daß Hersteller solche Dashcams (falls es sie nicht schon gibt) gezielt bauen werden. Die Aufnahmen werden ständig überschrieben. Aber kommt es zu einem Unfall, dann könnten bsp. die beiden letzten Minuten noch vorliegen. Und wären damit "verwertbar".

Oder anders ausgedrückt: Die Entscheidung skizziert bereits hier, was heikel und was eher unproblematisch ist.

Diese Verwertbarkeit ist auch hier prinzipiell gegeben:

> Dennoch ist die vorgelegte Videoaufzeichnung als Beweismittel im Unfallhaftpflichtprozess verwertbar. Die Unzulässigkeit oder Rechtwidrigkeit einer Beweiserhebung führt im Zivilprozess nicht ohne Weiteres zu einem Beweisverwertungsverbot. Über die Frage der Verwertbarkeit ist vielmehr aufgrund einer Interessen- und Güterabwägung nach den im Einzelfall gegebenen Umständen zu entscheiden.

Die prinzipielle Rechtswidrigkeit heißt nicht, daß das nicht verwertbar sei. Stattdessen: Eine Einzelfallentscheidung, die hier nicht vorlag, stattdessen wurde pauschal - Beweisverwertungsverbot - entschieden.

> Die Abwägung zwischen dem Interesse des Beweisführers an der Durchsetzung seiner zivilrechtlichen Ansprüche, seinem im Grundgesetz verankerten Anspruch auf rechtliches Gehör in Verbindung mit dem Interesse an einer funktionierenden Zivilrechtspflege einerseits und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Beweisgegners in seiner Ausprägung als Recht auf informationelle Selbstbestimmung und ggf. als Recht am eigenen Bild andererseits führt zu einem Überwiegen der Interessen des Klägers.

Denn der Beklagte hat sich selbst in die Situation "öffentlicher Straßenverkehr" begeben: Damit wird er sichtbar und beobachtbar.

> Das Geschehen ereignete sich im öffentlichen Straßenraum, in den sich der Beklagte freiwillig begeben hat. Er hat sich durch seine Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr selbst der Wahrnehmung und Beobachtung durch andere Verkehrsteilnehmer ausgesetzt. Es wurden nur Vorgänge auf öffentlichen Straßen aufgezeichnet, die grundsätzlich für jedermann wahrnehmbar sind. Rechnung zu tragen ist auch der häufigen besonderen Beweisnot, die der Schnelligkeit des Verkehrsgeschehens geschuldet ist. Unfallanalytische Gutachten setzen verlässliche Anknüpfungstatsachen voraus, an denen es häufig fehlt.

Da gibt es zwar durch das Filmen Eingriffe in die allgemeinen Persönlichkeitsrechte der unfreiwillig gefilmten anderen Verkehrsteilnehmer. Aber:

> Denn ihrem Schutz ist vor allem durch die Regelungen des Datenschutzrechts Rechnung zu tragen, die nicht auf ein Beweisverwertungsverbot abzielen.

Der Zweck der Datenschutz-Regelungen sei nicht ein Beweisverwertungsverbot.

Persönlich fahre ich kein Auto und habe auch keines. Insofern betrifft mich das Urteil nicht. Ich gehe aber davon aus, daß sich nun weitaus mehr Autofahrer und -besitzer mit der Frage beschäftigen werden, ob sie sich zur Sicherung ihrer eigenen Interessen bei einem nicht selbst verschuldeten Unfall so eine Dashcam zulegen werden.

Spätestens in dem Maße, in dem sich teilautonome und autonom fahrende Autos ausbreiten werden, wird das Thema ohnehin erneut auf die Tagesordnung kommen. Denn diese Autos müssen zwangsläufig irgendwelche Kamerasysteme nutzen, um die Umgebung ständig zu scannen. Kommt es da zu einem Unfall, etwa zwischen einem autonomen Auto und einem Fußgänger oder Radfahrer, dürfte es auch selbstverständlich sein, daß die aufgezeichneten Daten ausgewertet werden.

Der BITKOM äußerte sich zum Urteil:

Bitkom zum Dashcam-Urteil

https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Bitkom-zum-Dashcam-Urteil.html

Demnach wurden in den vergangenen drei Jahren etwa 150.000 Dashcams in Deutschland verkauft, die im Schnitt 88 Euro kosten. Die dortige Position:

> Digitale Technologien machen den Verkehr sicherer und Dashcams können einen wichtigen Beitrag leisten. Dashcams schaffen mehr Rechtssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer und tragen dazu bei, dass zum Beispiel ein Unfallhergang besser rekonstruiert werden kann.

Autofahrer bräuchten klare Regelungen, wann sie die Kameras nutzen dürften.

Das legt erst recht nahe, daß es bald Dashcams geben wird, die sich an der obigen, nun höchstrichterlichen Aussage orientieren.

Praktisch ist es doch eine Güterabwägung für jeden Autofahrer. Bei einem unverschuldeten Unfall, bei dem der Schaden aus irgendwelchen Gründen trotzdem nicht ersetzt wird, können das schnell 4- und 5-stellige Summen werden. Dagegen dürften die Risiken aus dem Installieren und Laufenlassen einer Dashcam eher überschaubar sein.

Bundesfinanzhof: Zweifel an Verfassungsmässigkeit der Nachzahlungszinsen von 6 Prozent pro Jahr ab 2015 - Aussetzung der Vollziehung (AdV) gewährt -IX B 21/18

14.05.2018 23:58:39, Jürgen Auer, keine Kommentare

Seit einigen Jahren sind die Zinsen sehr niedrig. Das führt einerseits dazu, daß die Zinsaufwendungen der öffentlichen Haushalte für die öffentlichen Schulden sehr niedrig sind. Andererseits hat es bis jetzt nicht dazu geführt, daß das halbe Prozent Zinsen auf Nachzahlungen pro Monat (= 6 Prozent pro Jahr) angepaßt wurde.

Der Bundesfinanzhof hat nun ernsthafte Zweifel daran, daß diese hohen Nachzahlungszinsen noch gerechtfertigt sind. Und hat deshalb in einem Verfahren Aussetzung der Vollziehung (AdV) gewährt.
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BFH zweifelt an der Verfassungsmäßigkeit der Nachzahlungszinsen - Beschluss vom 25.4.2018, IX B 21/18

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=36382&pos=1&anz=24

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Die Dimensionen dieser Zinszahlungen sind laut der Pressemitteilung erheblich: Mehr als 2 Milliarden Euro, wobei unklar ist, über welchen Zeitraum das vereinnahmt wurde.

> Der Bundesfinanzhof (BFH) zweifelt an der Verfassungsmäßigkeit von Nachzahlungszinsen für Verzinsungszeiträume ab dem Jahr 2015. Er hat daher mit Beschluss vom 25. April 2018 IX B 21/18 in einem summarischen Verfahren Aussetzung der Vollziehung (AdV) gewährt. Die Entscheidung ist zu §§ 233a, 238 der Abgabenordnung (AO) ergangen. Danach betragen die Zinsen für jeden Monat einhalb Prozent einer nachzuzahlenden oder zu erstattenden Steuer. Allein bei der steuerlichen Betriebsprüfung vereinnahmte der Fiskus im Bereich der Zinsen nach § 233a AO in den letzten Jahren mehr als 2 Mrd €.

Der konkrete Fall:

> Im Streitfall setzte das Finanzamt (FA) die von den Antragstellern für das Jahr 2009 zu entrichtende Einkommensteuer zunächst auf 159.139 € fest. Im Anschluss an eine Außenprüfung änderte das FA am 13. November 2017 die Einkommensteuerfestsetzung auf 2.143.939 €. Nachzuzahlen war eine Steuer von 1.984.800 €. Das FA verlangte zudem in dem mit der Steuerfestsetzung verbundenen Zinsbescheid für den Zeitraum vom 1. April 2015 bis 16. November 2017 Nachzahlungszinsen in Höhe von 240.831 €. Die Antragsteller begehren die AdV des Zinsbescheids, da die Höhe der Zinsen von einhalb Prozent für jeden Monat verfassungswidrig sei. Das FA und das Finanzgericht lehnten dies ab.

Details gibt es im Beschluß:

BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.4.2018, IX B 21/18 - ECLI:DE:BFH:2018:BA.250418.IXB21.18.0

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=24&pos=1&nr=36403&linked=bes

Da wurden Erstattungszinsen für die Zeit vom 01.04.2011 - 16.11.2017 bei einer Basis von 159.100 Euro aufgerechnet gegen Nachzahlungszinsen ab dem 01.04.2015 auf einer Basis von 1.746.250 Euro plus späterer weiterer Beträge. Ergebnis war ein Gesamtzinsanspruch von etwa 300.000 Euro, der sich nach dem Abzug der Erstattungszinsen auf etwa 240.000 Euro belief. Über die Aussetzung der Vollziehung zu diesen 240.000 Euro Zinsen (berechnet mit einem Satz von 0,5 Prozent pro Monat) ging das Verfahren.

Die Begründung (aus der PM):

> Nach dem Beschluss des BFH bestehen im Hinblick auf die Zinshöhe für Verzinsungszeiträume ab dem Jahr 2015 schwerwiegende Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit von § 233a AO i.V.m. § 238 Abs. 1 Satz 1 AO. Der BFH begründet dies mit der realitätsfernen Bemessung des Zinssatzes, die den allgemeinen Gleichheitssatz nach Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) verletze. Der gesetzlich festgelegte Zinssatz überschreite den angemessenen Rahmen der wirtschaftlichen Realität erheblich, da sich im Streitzeitraum ein niedriges Marktzinsniveaus strukturell und nachhaltig verfestigt habe.

Und weiter:

> Eine sachliche Rechtfertigung für die gesetzliche Zinshöhe bestehe bei der gebotenen summarischen Prüfung nicht. Auf Grund der auf moderner Datenverarbeitungstechnik gestützten Automation in der Steuerverwaltung könnten Erwägungen wie Praktikabilität und Verwaltungsvereinfachung einer Anpassung der seit dem Jahr 1961 unveränderten Zinshöhe an den jeweiligen Marktzinssatz oder an den Basiszinssatz i.S. des § 247 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht mehr entgegenstehen.

Sprich: Man könnte den Zinssatz auch jährlich anpassen und sich - wie im BGB üblich - am Basiszinssatz orientieren.

> Für die Höhe des Zinssatzes fehle es an einer Begründung. Der Sinn und Zweck der Verzinsungspflicht bestehe darin, den Nutzungsvorteil wenigstens zum Teil abzuschöpfen, den der Steuerpflichtige dadurch erhalte, dass er während der Dauer der Nichtentrichtung über eine Geldsumme verfügen könne. Dieses Ziel sei wegen des strukturellen Niedrigzinsniveaus im typischen Fall für den Streitzeitraum nicht erreichbar und trage damit die realitätsferne Bemessung der Zinshöhe nicht.

Innerhalb dieses Zeitraums könne kein Steuerpflichtiger mit dem durch die Noch-Nicht-Zahlung verfügbaren Geld soviel erwirtschaften. Dafür seien die Zinsen heutzutage einfach zu niedrig. Ebenso gäbe es (Beschluß RN 24) für den Fiskus keinen Finanznachteil. Dieser müsse ja sogar teils negative Zinsen in Kauf nehmen.

Ferner (PM):

> Es bestünden überdies schwerwiegende verfassungsrechtliche Zweifel, ob der Zinssatz dem aus dem Rechtsstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 3 GG folgenden Übermaßverbot entspreche. Die realitätsferne Bemessung der Zinshöhe wirke in Zeiten eines strukturellen Niedrigzinsniveaus wie ein rechtsgrundloser Zuschlag auf die Steuerfestsetzung.

Der Beschluß führt aus, daß die Länge des Zinslaufes von Faktoren abhing, die nicht vom Antragsteller beeinflussbar waren (RN 33):

> insbesondere den Beginn und die Dauer der Außenprüfung sowie die Auswertung von deren Ergebnissen.

Schließlich habe der Gesetzgeber die Zinssätze an anderen Stellen bereits angepaßt:

> Der Gesetzgeber sei im Übrigen von Verfassungs wegen gehalten zu überprüfen, ob die ursprüngliche Entscheidung zu der in § 238 Abs. 1 Satz 1 AO geregelten gesetzlichen Höhe von Nachzahlungszinsen auch bei dauerhafter Verfestigung des Niedrigzinsniveaus aufrechtzuerhalten sei oder die Zinshöhe herabgesetzt werden müsse. Dies habe er selbst auch erkannt, aber gleichwohl bis heute nichts getan, obwohl er vergleichbare Zinsregelungen in der Abgabenordnung und im Handelsgesetzbuch dahin gehend geändert habe.

Da wird darauf verwiesen, daß für die nach dem 31.12.2018 einzureichenden Steuererklärungen nur noch ein Satz von 0,25 % pro Monat für Verspätungszuschläge gelten solle. Da war ursprünglich (Beschluß RN 38) gedacht, dafür auch 0,5 % anzusetzen. Allerdings wurde dort dieser Wert als zu hoch betrachtet, so daß es zur Halbierung kam.

Beim Bundesverfassungsgericht liegen zwei Verfassungsbeschwerden zu diesem Thema vor. Diese beziehen sich allerdings auf die Jahre 2012 und 2014.

Aus dem Beschluß sehe ich aktuell nicht, daß dieser Fall zum Bundesverfassungsgericht gehen würde. Das war wohl "nur" ein Beschluß (und kein Urteil), weil es nur um die Aussetzung der Vollziehung gegangen ist. Deshalb kann das auch nicht bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ausgesetzt werden.

Die Konsequenz wäre allerdings: Wer eine solche Zinsfestsetzung mit 0,5 Prozent pro Monat erhält, sollte überlegen, ob er nicht Widerspruch einlegt.

Gigabit-Anschluss: Ja bitte - nur kosten darf es nichts - im Schnitt 14 Euro zusätzlich bei derzeit 34 Euro Kosten für Breitband pro Monat - BITKOM-Umfrage

13.05.2018 23:50:14, Jürgen Auer, keine Kommentare

Alle wollen Gigabit-Anschlüsse. Aber zahlen möchte niemand. So könnte man das Ergebnis einer BITKOM-Umfrage zusammenfassen.

Da wurde gefragt, wieviel maximal pro Monat zusätzlich gezahlt werden würde, falls es dafür einen Gigabit-Anschluß gäbe.

42 Prozent wollten gar nichts zusätzlich bezahlen. 18 Prozent wären mit unter 10 Euro einverstanden. 24 Prozent würden bis zu 20 Euro mehr bezahlen.

8 Prozent hielten auch bis zu 30 Euro Mehrkosten für vertretbar. 4 Prozent würden bis zu 60 Euro auf ihre jetzigen Kosten draufschlagen. 5 Prozent gaben keine Antwort oder reagierten mit "Weiß nicht".
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Bitkom veröffentlicht Verbraucherumfrage zum Breitbandausbau

https://www.bitkom.org//Presse/Presseinformation/Bitkom-veroeffentlicht-Verbraucherumfrage-zum-Breitbandausbau.html

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Das Ergebnis war in ländlichen Gebieten ähnlich wie in Städten.

Zusätzlich wurden die aktuellen Kosten ermittelt. Diese liegen bei 34 Euro pro Monat. Das finde ich verblüffend wenig. Da im Schnitt 14 Euro drauf wären grade mal 48 Euro.

2/3 der Befragten meinten, daß sich die Verfügbarkeit von schnellem Internet in den letzten fünf Jahren bei ihnen verbessert hätte.

Gleichzeitig gibt es Wünsche:

> Aktuell wünschen sich sechs von zehn Haushalten (62 Prozent) schnellere Downloads, 37 Prozent wollen schnellere Uploads und jeder dritte Haushalt (34 Prozent) wünscht sich, unabhängig von der Personenzahl im Haushalt uneingeschränkt im Internet surfen zu können.

Ich finde diese Daten ja "etwas irritierend". Denn bei den 34 Euro ist das Telefon im Regelfall mit dabei. Das hatte früher schon gerne mal 20 - 25 Euro im Monat gekostet. Nimmt man das als Ausgangspunkt, dann ist die Internetnutzung für 10 - 15 Euro mit dabei.

Wer jetzt einen 50 MBit - Zugang hat, der hätte bei einem Gigabit-Zugang die zwanzigfache Geschwindigkeit. Das ist wie der Schritt vom ISDN-Zugang zum 16-MBit-Breitbandanschluß.

Wobei mir bei der Umfrage die Frage fehlt, welchen maximalen Download die Befragten aktuell nutzen. Jemand, der bereits per Kabel 200 MBit nutzt, der will natürlich nicht mehr so viel zuzahlen, wenn er einen Gigabit-Anschluß bekommt.

Selbst hier mitten in Berlin ist das bis heute lau: Bei der Telekom gibt es bis heute maximal 50 MBit/s. Vodafone Kabel scheint hier auch nicht zu funktionieren, obwohl hier ein Kabelanschluß schon seit mindestens 10 Jahren existiert. Der scheint über Tele Columbus buchbar zu sein. Zumindest wird mir für meine Adresse bei Vodafone kein Kabelangebot unterbreitet, bei Tele Columbus gibt es das aber.

Die Piazza Campo del Palio in Asti: Wie kreuzt man Parkplätze mit einem neuen öffentlichen Platz? Der Park in der Luft von AS-DOES für Asti

12.05.2018 23:54:47, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man bei Google-Maps nach "14100 Asti, Italien" sucht, dann sieht man bereits in der ersten Ansicht eine große, graue Fläche.

Zoomt man rein

https://www.google.de/maps/place/14100+Asti,+Italien/

dann entpuppt sich die graue Fläche als die Piazza Campo del Palio: Ein Sechseck, an vier Seiten gibt es eine Baumreihe, an der fünften und sechsten Seite stehen die Bäume teilweise doppelt.

Schaltet man auf die Satellitenaufnahme um, dann sieht man: Der historische Platz scheint vorrangig als ein riesengroßer Parkplatz genutzt zu werden. Der größte Teil der Fläche ist mit Markierungen für Stellflächen versehen. Die Bereiche dazwischen dienen als Straßen zu den Plätzen.

Von Asti Servizi Pubblici S.p.A. wurde ein Wettbewerb veranstaltet: Wie könne man diesen Platz besser gestalten. Das Büro AS-DOES hatte den zweiten Platz belegt.

Der Gedanke:

> Every project needed to address how to revitalize the area and make it safer and more functional for citizens.

Die Gegend solle revitalisiert werden. Weg vom reinen Abstellplatz für Autos.
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Architects propose a giant circular park in the sky for Asti, Italy

https://inhabitat.com/architects-propose-a-giant-circular-park-in-the-sky-for-asti-italy/

.
Die Grundidee von AS-DOES: Eine große ovale Struktur, die auf dem jetzigen Platz aufsetzt. Innen besteht diese Struktur aus zwei Ebenen, die Parkplätze für Autos bereitstellen.

Oben gibt es einerseits außen neue Grünflächen und Platz für weitere Bäume. Andererseits - auf dem Ring - auch diverse Sportfelder. Plus ein Übergang zwischen äußeren Grünflächen und den Sportfeldern in Form von einem weißen Ring mit drei Stufen.

Wenn man sich die Seite bei AS-DOES

http://www.as-does.it/page11.html

ansieht, dann steht dieser Ring auf Ständern, so daß man unter dem Ring ins Innere kommt. Der bis jetzt wohl häufig zum Parken genutzte Platz könnte so für große Veranstaltungen, Märkte oder für ein Public Viewing genutzt werden.

Die Autos werden gewissermaßen in den Doppelring hinein verstaut. Damit stehen die Parkplätze auch bei Veranstaltungen zur Verfügung, es gibt keine Konkurrenz um den Platz in der Mitte.

Deshalb auch der Satz in dem ersten Beitrag:

> This giant green-roofed ring designed for Asti, Italy pairs a car park with a beautiful public space.

Der Parkplatz wird mit einem Public Space gepaart, nicht abgeschafft.

In ein paar Jahren könnte man sicherlich per Google-Maps sehen, ob dieses Konzept umgesetzt worden ist. Im Augenblick sieht das jedenfalls nach einem trostlosen Riesenparkplatz mitten in der Stadt aus.

Sucht man bei Google-Maps nach dem Namen des Platzes + Asti, dann finden sich "interessante Bilder":

Etwa diese Luftaufnahme: Aerial View Of Piazza Campo del Palio, Asti vom Juli 2008:

https://www.gettyimages.it/detail/fotografie-di-cronaca/an-aerial-image-of-piazza-campo-del-palio-asti-fotografie-di-cronaca/152480598#/an-aerial-image-of-piazza-campo-del-palio-asti-picture-id152480598

Der Platz ist größtenteils mit Autos belegt. Laut Wikipedia

Asti's Festival of Festivals

https://en.wikipedia.org/wiki/Asti%27s_Festival_of_Festivals

gibt es im September immer das Festival of Festivals (Festival delle Sagre in Italian).

Da gibt es auch die Ausschreibung:

http://www.asp.asti.it/concorsocampodelpalio/

vom März letzten Jahres. Mit Bildern,

http://www.asp.asti.it/concorsocampodelpalio/fotografie-piazza-campo-del-palio/

die zeigen, wie trostlos der Platz oft mit Autos aussieht und wie er für ein Volksfest genutzt wird.

Dreidimensionale Murals - Three-Dimensional Murals - von Manuel de Rita - Peeta - aus Italien - auf flachen Hauswänden entstehen herausspringende Objekte

11.05.2018 23:51:27, Jürgen Auer, keine Kommentare

Murals - riesige Wandgemälde - sind ja eigentlich schon eine eigene Herausforderung. Der junge italienische Künstler Manuel de Rita, mit dem Künstlernamen Peeta unterwegs, setzt da noch eines drauf.

Er bemalt flache Hauswände so, daß sie quasi zu leben beginnen. Damit entstehen dreidimensionale Objekte, herausquellende Linien, Quader oder abstrakte Muster. So daß die "eigentlich glatte Hauswand" zu einer Art einer dreidimensionalen Darstellung wird, die mich etwas an die Bilder von M.C. Escher erinnern. Ohne daß das allerdings zu "Unmöglichkeiten" wird.
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Abstract Shapes and Graffiti-Inspired Swirls Leap off the Wall in New Three-Dimensional Murals by Peeta

http://www.thisiscolossal.com/2018/05/new-three-dimensional-murals-by-peeta/

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Die Bilder von Manuel de Rita gehen vom traditionellen 3D Lettering aus, dem Gestalten von Buchstaben so, als seien diese dreidimensionale Objekte. Das aber nicht auf Buchstaben beschränkt, sondern auf quader- und zylinderförmige Objekte ausgedehnt. Und unter Einbeziehung von Fenstern und anderen Dingen, die es bei Häusern gibt.

Inzwischen gibt es von ihm Murals an unterschiedlichen Orten, etwa in Guangzhou, China, Barcelona, Spain, Mirano, Italy.

Weitere Murals finden sich auf der Website:

Peeta - Works - Walls:

http://www.peeta.net/works/walls/

Dort gibt es auch die Orte mit dazu.

Bei einem Bild wie diesem

http://www.peeta.net/wp-content/uploads/2018/01/liceo_gatto_agropoli_italy_2017.jpg

sieht man nur an der Dachkante, wie das Gebäude "eigentlich" verläuft. Wenn ich das richtig sehe, dann ist das nur eine "kahle Wand", eventuell mit Fenstern von einem Treppenhaus. Durch das Mural wirkt diese Ecke aber unendlich lebendig und strukturiert.

Ähnlich dieses Mural

Stenograffia Festival at Ekaterimburg (RU), 2016

http://www.peeta.net/wp-content/uploads/2016/07/ekaterimburg_russia_stenograffia_2016.jpg

Da werden die "simplen Fenster" an der Hausfront eingebettet in Quader- und Balkenstrukturen. Als würden sie aus dem Haus herauswachsen.

Bei

HKWALLS Festival, Hong Kong, Sham Shui Po, Golden Computer Arcade, 2016

http://www.peeta.net/wp-content/uploads/2016/04/hk_2016_2.jpg

dürfte es sich wohl auch "eigentlich" um eine flache Wand handeln. Die nun aber von einer komplexen Figur bevölkert wird.

200 Geldbörsen in US-Städten absichtlich verloren - 2/3 kamen zurück, meist mit Geld - Spitzenreiter Chicago und Salt Lake City - spannendes Experiment von Mark Rober

10.05.2018 23:49:36, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn Sie eine Geldbörse, ein Wallet, wie das in den USA heißt, finden: Was machen Sie dann? Mark Rober, der davor mal bei der NASA beschäftigt war, hat mit diversen Helfern ein interessantes Experiment durchgeführt.

200 identische Geldbörsen, gefüllt mit ein paar Dollars, einigen philippinischen Peso, einem Zettel mit einer Telefonnummer und einigen weiteren, identischen Dingen, wurden mit Hilfe von Freiwilligen in 20 Städten verteilt. Also absichtlich verloren. Davon kamen 133 zurück, das sind 66,5 %. Davon 127 mit Geld.

Interessant dabei: Die "Wallet-Verlierer" sollten die Hälfte in eher reichen, die andere Hälfte in eher armen Gegenden liegen lassen. Die Rückgabequote - war praktisch identisch.
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A Brilliant Honesty Experiment To See if 200 Wallets Dropped Across the United States Get Returned

https://laughingsquid.com/200-dropped-wallets-honesty-experiment/

Ein Video auf YouTube (9:21): 200 dropped wallets- the 20 MOST and LEAST HONEST cities

https://www.youtube.com/watch?v=jnL7sJYblGY

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Die Geldbörsen enthielten zusätzlich eine ID-Card ohne Bild, ein Ultraschall-Photo "it's a boy", ein Bild von einem Hund und eine Telefonnummer mit der Bitte, daß man dort anrufen möge, wenn die Geldbörse gefunden wurde.

Das Ergebnis gibt es als Tabelle auf Dropbox:

https://www.dropbox.com/s/m2ahob0949mmj3s/Wallet%20Data%20Aggragate.xlsx?dl=0

Die höchsten Rückgabequoten von 10 zurückgegebenen Geldbörsen = 100 % gab es in Chicago und Salt Lake City. Gefolgt von Portland und zwei sehr kleinen Städten - Hill City (SD) und Nashua (IA). Las Vegas und die kleine Stadt Parma (ID) gaben 8 Geldbörsen zurück. Washington DC, San Francisco und Winnipeg gaben 7 Geldbörsen zurück.

Detroit (3) und New York City (4) bildeten die Schlußlichter, Edmonton, Dallas, Miami, Seattle, Los Angeles und Disneyland gaben 5 zurück, New London und Huntsville in Alabama gaben 6 Geldbörsen zurück.

Bei denen mit Zuordnung zum Einkommen gab es für beide Varianten genau 60 Rückgaben. Dann sollten je 2 der Geldbörsen in Männer- und Frauentolietten hinterlegt werden. Von den in Männertoiletten hinterlegten kamen 23 zurück, von den in Frauentoiletten hinterlegten 24, also fast gleich viel. Eine Gesamtquote von 60 %.

Die Zusammenfassung:

> After analyzing the resulting data, Rober was able to determined that, no matter age, income background, religion, neighborhood, state, housing status or gender, most people are essentially honest.

Bzw. von Mark Rober:

> But this cold hard data shows that across any age or gender or socio-economic background, across the whole religious spectrum, through middle of America and along the coast there are lots of good people everywhere. And not only that but they constitute a majority …they did it because it was simply the right thing to do and I think that’s pretty cool.

Diese nackten, harten Daten zeigen, daß - über das Alter, Geschlecht, den finanziellen Status, das religiöse Spektrum, in den mittleren Staaten und an den Küsten: Überall gibt es viele gute Leute. Die die Mehrheit bilden.

Wenn man sich das Video ansieht: Eine Idee sei gewesen, daß die Geldbörse einen "ideellen Wert" haben solle. Die Unterstützer wurden per Instagram gefunden. Jeder wurde instruiert und bekam 10 Geldbörsen zugeschickt. Nach dem Verlieren der Geldbörsen sollten die Unterstützer in der Nähe bleiben, viele filmten ihre Aktionen.

Die "kleinen Städte" haben jeweils nur etwa 1000 Einwohner. Die anderen waren die größten Städte in den USA. Betrachtet man nur die Stadtgröße, lag die Rückgabequote in den kleinen Städten bei 80 %, in den großen Städten bei 60 %.

Mark Rober nennt zwei Dinge, die er gelernt habe:

- Man möge die Telefonnummer in seinem Geldbeutel hinterlassen.
- In den USA kann man Geldbörsen einfach in Post Office Boxes werfen.

Vermutet hatte er eine Return-Rate von 20 %. Ab 7:39 folgt das obige Zitat. Das, was oben durch Punkte ausgelassen ist: Sie taten das nicht für Facebook-Likes.

Ein spannendes Experiment. Mit einem schönen Ergebnis.

UPS nimmt in Paris und London 35 neue Electric Vehicles in Betrieb - futuristisch angehauchte Transporter mit sehr grossen Frontscheiben von Arrival

09.05.2018 23:53:13, Jürgen Auer, keine Kommentare

Tja, UPS macht Dampf. Bzw. macht damit weiter, die eigene Flotte auf Elektroantrieb umzustellen. Nachdem es schon vor etwa einem Monat eine Meldung gab, daß UPS ein massiv verbessertes Ladekonzept in London entwickelt hatte, mit dem langfristig die ganze Londoner Flotte auf Elektroantrieb umgestellt werden kann, folgen nun die nächsten 35 Transporter.

Diese sehen einerseits typisch UPS aus. Andererseits wirken sie - zumindest gemäß dem folgenden Artikel - wie aus Pixar-Movies.

Ich denke da eher daran, daß sie etwas wie jene Busse mit Elektroantrieb aussehen, die inzwischen bsp. hier in Berlin im Testbetrieb unterwegs sind: Die Frontseite ist glatt, es gibt keinen vorstehenden Motorraum mehr. Dafür gibt es eine sehr hohe Fensterscheibe, die seitlich bis etwa zur vorderen Radachse fortgeführt wird.
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UPS has new electric trucks that look straight out of a Pixar movie

https://www.engadget.com/2018/05/09/ups-electric-trucks-arrival/

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> The company revealed it's working with vehicle manufacturer Arrival on a pilot fleet of 35 lightweight electric trucks that look far more futuristic than the standard boxy vehicles.

"Etwas futuristischer" sehen die Fahrzeuge aus. 150 Meilen schaffen sie mit einer Ladung, das sind 240 Kilometer.

Die Scheibe stellt ein neues Sicherheitsfeature dar.

> Those include a wrap-around windshield that give the driver a wider field of view (handy to spot any cyclists zipping by) and Advanced Driver Assistance Systems, which aim to lower driver fatigue.

Die Wahrscheinlichkeit, daß da ein Fußgänger oder Radfahrer übersehen wird, dürfte geringer sein.

Aktuell betreibt UPS in Europa und den USA mehr als 300 elektrisch angetriebene Fahrzeuge und etwa 700 Fahrzeuge mit Hybridantrieb. Da kommen diese 35 neuen Fahrzeuge nun dazu.

Bei Twitter

https://twitter.com/UPS_UK/status/994208261426499586

> The future of delivery transportation is here. We're pleased to announce we will be road testing #electricvehicles in London & Paris in an exciting new partnership with @ArrivalGB. You can find out more here: http://bit.ly/2K9ggKL

sieht man als Hintergrundbild das klassische Auto. Da liegt die vordere Radachse unter der Motorhaube, der Fahrer sitzt hinter der Radachse. Bei den neuen Trucks sitzt der Fahrer auf oder sogar vor der Radachse.

Der Link geht zu einer Pressemitteilung:

UPS To Deploy New, State-Of-The-Art Electric Vehicles In London And Paris

https://www.pressroom.ups.com/pressroom/ContentDetailsViewer.page?ConceptType=PressReleases&id=1525867012405-924

Demnach sind die 240 Kilometer Reichweite deutlich mehr als das, was derzeit sonst an Angeboten auf dem Markt ist. Ferner ist ein Advanced Driver Assistance System (ADAS) eingebaut.

Seit 2016 hatten Arrival und UPS daran gebaut. Meine obige Vermutung bestätigt sich da:

Denis Sverdlov, CEO of ARRIVAL:

> “With its unique, wrap-around front window the driver has a much wider field of view that improves not only the safety of the driver but also that of cyclists and pedestrians.”

Die Übersicht ist bei so einer Frontscheibe natürlich deutlich besser.

UPS hat auch bei Tesla schon 125 E-Autos bestellt, die sollen 2019 geliefert werden. Ferner wird UPS der erste kommerzielle Kunde des eCanters von Daimler Trucks Fuso brand.

Bei Fortune

Feast Your Eyes on the Cute Electric UPS Trucks of the Future

http://fortune.com/2018/05/09/ups-electric-trucks/

gibt es schon "neue Liebhaber":

> UPS will soon have the cutest logistics truck on the road.

Mal sehen, ob die Fahrzeuge irgendwann auch in Berlin auftauchen. Aber wahrscheinlich dauert das noch lange - weil das Stromnetz hier zu schlecht sein dürfte.

Der Artikel vom 31.03.2018:

Smart Electric Urban Logistics (SEUL) - UPS will Flotte in London von 170 Fahrzeugen auf Elektroantrieb umstellen - neue Smart-Grid - Ladetechnik schafft deutlich mehr als die bislang möglichen 65 Fahrzeuge

https://blog.server-daten.de/de/2018-03-31/Smart-Electric-Urban-Logistics--SEUL----UPS-will-Flotte-in-London-von-170-Fahrzeugen-auf-Elektroantrieb-umstellen---neue-Smart-Grid---Ladetechnik-schafft-deutlich-mehr-als-die-bislang-moeglichen-65-Fahrzeuge-221

Da wurde in einem Londoner Projekt eine Technik entwickelt, mit der das vorhandene Stromnetz durch ein "geschicktes Laden per Nacht" so ausgenutzt werden kann, daß die Kapazität für die gesamte Flotte reichen würde. Bis dahin hatte es eine Obergrenze von maximal 65 Fahrzeugen gegeben, die elektrifizierbar waren. Mehr ließ das Stromnetz nicht zu.

Kalifornien will Solarpaneele ab 2020 für alle neuen Häuser vorschreiben - California Energy Commission will am Mittwoch entscheiden

08.05.2018 23:55:06, Jürgen Auer, ein Kommentar

Auf alle neuen Häuser ab 2020 zwingend Solarpaneele, die elektrischen Strom erzeugen? Was sich hier eher verblüffend anhört, könnte morgen in Kalifornien tatsächlich beschlossen werden.

Jedenfalls will sich die California Energy Commission mit dem Thema beschäftigen.
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California to become the first US state to require solar panels on new homes

https://inhabitat.com/california-is-about-to-be-the-first-us-state-to-mandate-solar-power-on-new-homes/

Die dort zitierte Quelle: California to become first U.S. state mandating solar on new homes

https://www.ocregister.com/2018/05/04/california-to-become-first-u-s-state-mandating-solar-on-new-homes/

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Aktuell werden etwa 15 - 20 Prozent der dort gebauten neuen Häuser mit Solaranlagen ausgestattet. So Bob Raymer, technischer Direktor der California Building Industry Association.

> “California is about to take a quantum leap in energy standards,”

Das sei nun ein Quantensprung.

Alle Häuser, Apartments und Eigentumswohnungen, die bis zu drei Stockwerken hoch sind und nach dem 01.01.2020 genehmigt werden, wären davon erfaßt. Es könne Ausnahmen für Häuser im Schatten und bei sehr kleinen Dächern geben. Ferner soll es wohl Erleichterungen für Häuser geben, die Batterien installieren.

Gerechnet wird mit Mehrkosten von 25.000 - 30.000 Dollar. Etwa 15.000 Dollar für die Solaranlage, etwa 10.000 - 15.000 Dollar für Geräte, Fenster, Heizungen und Lichtanlagen, die effizienter seien. Den Mehrkosten stünden geringere Betriebskosten von 50.000 - 60.000 Dollar über die Lebensdauer von 25 Jahren für die Solaranlagen gegenüber.

Von der Industrie kommt wohl teilweise Kritik: Die zusätzlichen Kosten würden Häuser für diverse Interessenten zu teuer werden lassen.

Bill Watt, früherer Präsident der Building Industry Association:

> “We’re not building enough housing already. Why not just pause for a little while, focus on the affordability and housing issues, then circle back?”

Schon jetzt würden zu wenige Häuser gebaut.

Umweltschützer loben die Idee. Die Technologie würde sich so schnell weiterentwickeln. Die Timeline sei eher etwas langsam.

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Ein interessanter Ansatz. Angesichts der dortigen Sonneneinstrahlung ist es verblüffend, daß bis jetzt nur 15 - 20 Prozent der dortigen Häuser mit Solarpaneelen ausgestattet werden. Der zweite Link enthält Zahlen einzelner Hersteller, die noch deutlich drunter liegen. Von 10 % aller gebauten Häuser ist da die Rede. Allerdings ist der Strom in den USA auch noch deutlich günstiger als anderswo. Mal sehen, ob das morgen verabschiedet wird und wie sich das ab 2020 entwickelt. So lange ist das ja nicht mehr hin.

3D-printed airless bike tires - luftlose Fahrradreifen aus dem 3D-Drucker - mit Druckern von BigRep aus Berlin

07.05.2018 23:49:16, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer Fahrrad fährt, der weiß um das Risiko. Scherben, Splitter, abgelassene Luft oder Reißnägel, die sich in die Reifen bohren. Dann muß der Reifen geflickt werden - die Fahrt ist unterbrochen.

Aber was wäre, wenn der Reifen gar nicht mehr mit Luft aufgepumpt wird? Weil das ein Reifen ohne Luft, aus dem 3D-Drucker ist? Ob das die Zukunft der Reifen wird, weiß ich noch nicht so ganz. Aber das Konzept sieht interessant aus.
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SCI-TECH: 3D-printed airless bike tires deliver a 'smooth ride'

https://www.cnet.com/news/3d-printed-bigrep-airless-bike-tires-deliver-a-smooth-ride/

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Der Reifen besteht aus einem durchgehenden Außen- und einem Innenring. Der Außenring ist die Lauffläche, der Innenring kommt auf die Felge. Dazwischen gibt es Zellen und Verbindungsstücke.

BigRep entwickelt hier in Berlin 3D-Drucker für Industrieanwendungen. Und hat dafür ein neues Druckmaterial entwickelt.

World-First 3D Printed Airless Bicycle Tire

https://www.youtube.com/watch?v=9pHJNtH8ltQ

> BigRep's new flexible filament means you can print industrial objects that bend to your will.
>
> We printed the world's first 3D printed airless bicycle tire using our new PRO FLEX material - a TPU-based filament - and took it for a spin in Berlin.

Das Video zeigt sowohl den eigentlichen Druckvorgang als auch einen Radfahrer, der mit diesen Reifen unterwegs ist.

Direkt daneben auf der "Stories" - Seite von BigRep

https://bigrep.com/stories/

findet sich ein Video, in dem Entwickler von der Aalborg-University einen Fahrradrahmen in einem Stück gedruckt haben.

Aalborg Engineers 3D Print a Functional Bicycle Frame in One Go

https://www.youtube.com/watch?v=nqofWkQj8tk

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Bei den 3D-gedruckten Reifen könnte man auch

> So you might print a tire with a different internal pattern or tread to accommodate mountain riding versus road riding, or to handle different weather conditions.

dieses interne Gittergeflecht zwischen innerer und äußerer Fläche variieren: In Abhängigkeit davon, ob der Reifen für ein Mountain Bike oder eine normale Straße genutzt werden soll. Oder in Abhängigkeit von der aktuellen Wetterbedingungen.

Verkäuflich sind diese Reifen aktuell noch nicht. Maik Dobberack von BigRep:

> "The main goal of the design was to inspire and explore the endless possibilities of large scale 3D printing"

Das scheint dort aktuell eher darum zu gehen, dieses neue Ausgangsmaterial Pro Flex filament zu testen bzw. dafür mögliche Anwendungen zu zeigen.

Introducing Flexibility to 3D Printing – The PRO FLEX Filament by BigRep

https://bigrep.com/posts/3d-printing-pro-flex-filament-bigrep/

Dieses Ausgangsmaterial wird als dünnes Endloskabel auf einer Rolle geliefert und kann für ein schnelles Prototyping genutzt werden. Es besitzt von sich her eine hohe Flexibilität, deshalb läßt sich sogar ein Fahrradreifen damit drucken.

Der Traum des Autors des ersten Links, der in New Mexico lebt:

> I may wake up one morning in New Mexico, check the weather and then print out a couple of bike tires designed to handle monsoon rains and defy goathead punctures at the same time.

Eines Morgens wacht er auf, checkt das Wetter. Dann druckt er sich ein Paar Reifenräder aus, die sowohl mit Monsunregen als auch mit den goathead-Dornen klarkommt. Letzteres sind die "reißzweckartigen Dornen" des Erd-Burzeldorns bzw. Erdsternchens:

Erd-Burzeldorn (dort mit Bildern):

https://de.wikipedia.org/wiki/Erd-Burzeldorn

Der ist in den wärmeren Ländern weit verbreitet - und für luftgefüllte Fahrradreifen sehr gefährlich.

BigRep wird den Fahrradreifen wohl nicht weiterentwickeln und auf den Markt bringen. Dort geht es eher darum, den Drucker und das Druckmaterial weiterzuentwickeln.

Mal sehen, ob die Grundidee jemand aufgreift. Und solche Reifen in größerer Stückzahl auf den Markt bringt.

Lumos Helmet - ein Fahrradhelm mit eingebauten LED-Lampen und Synchronisation mit einer Apple-Watch zeigt Abbiegen und Bremsen an

06.05.2018 23:56:08, Jürgen Auer, keine Kommentare

Fahrradfahrer leben gefährlich. Immer wieder werden sie nicht gesehen - und überrollt. Oder es kommt zu Anfahrunfällen, bei denen die Radfahrer meist gegenüber den Autos die Schwächeren sind. Besonders am Abend, wenn es dunkel wird, steigt das Risiko.

Das US-Unternehmen Lumoshelmet hat sich zum Ziel gesetzt, die Sicherheit der Radfahrer zu verbessern. Und einen Helm gebaut, der mit diversen LED-Lampen ausgestattet ist.

Damit lassen sich Brems- und Abbiegevorgänge anzeigen. Inzwischen gibt es eine neue Version, die sich mit einer Apple-Watch synchronisieren läßt.
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Ein Video auf YouTube (1:30):

Introducing The New Upgraded Lumos Helmet

https://www.youtube.com/watch?v=kXVt7BYQo08

Die Produktseite Lumos-Helmet:

https://lumoshelmet.co/products/lumos-helmet

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48 LED sind verbaut. Bereits beim normalen Fahren sind diverse LED aktiv, so daß das eine Wirkung wie Fahrradlampen hat. Nur eben nicht dieses winzige, flackernde Rücklicht relativ weit unten. Sondern oben am Kopf.

Hat man die Apple-Watch am linken Arm und streckt den raus, um das Abbiegen anzuzeigen, dann zeigt auch der Helm das Abbiegen an.

Laut der Videounterschrift

> 1. Gesture Activated Turn Signals. We’ve developed an Apple Watch app! Utilizing gesture recognition algorithms the Lumos app on your Apple Watch can now sense when you are giving a hand signal, and activate the turn signal on the helmet accordingly.

dürfte es dafür eine Gestenlogik geben. So daß man das auch für das Rechtsabbiegen steuern kann.

Ohne Apple-Watch gibt es einen Aufsatz für den Lenker mit zwei Buttons. Mit denen kann man anzeigen, ob man nach links oder nach rechts abbiegen möchte.

Das Prinzip

> Features 48 individual LEDs in the front and back to ensure your visibility on the road. Be seen, be safe.

stimmt natürlich: Gesehen zu werden ist für Radfahrer im Zweifelsfall lebensrettend.

Auf der Seite für EU-Kunden

https://eu.lumoshelmet.co/

kann man sich das ansehen:

> Click of a Button. Detachable remote right next to your thumb. One Remote. Two buttons.

Das rote Warnlicht geht beim Bremsen automatisch an.

> The Lumos Helmet senses when you're slowing down and turns all the lights on the back of your helmet a solid red. Give the cars behind you an extra heads up!

Knapp 180 Dollar bzw. Euro kostet das Stück.

Das ist eine Art von Startup, bei dem alte und neue Techniken intelligent miteinander verknüpft werden und damit etwas gewonnen werden kann (eine höhere Sichtbarkeit für Fahrradfahrer im Dunkeln), die es mit klassischen, "bloß analogen" Techniken bis dahin noch nicht gab.

All roads lead to Rome - alle Wege führen nach Rom - aber was passiert, wenn man so etwas ausrechnen lässt? Das Moovel Lab in Stuttgart

05.05.2018 23:54:16, Jürgen Auer, keine Kommentare

Alle Wege führen nach Rom. So ein historischer Satz, der damit in Verbindung gebracht wird, daß es verschiedene Lösungswege für eine Aufgabe geben kann: Am Ende landet man dann doch wieder - in Rom, beim gleichen Ergebnis.

Mitarbeiter beim Moovel Lab, das sich mit Themen der urbanen Mobilität beschäftigt, hatten sich mit diesem klassischen Satz beschäftigt. Mit Ergebnissen, die auf den ersten Blick wie ein Rumspielen aussehen. Aber was passiert, wenn man das Prinzip überträgt?
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Roads to Rome

http://roadstorome.moovellab.com/

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Die Technik: Über Europa wurde ein Gitter gelegt, in jedem Gitter muß es ja einen Startpunkt für einen Weg nach Rom geben. Das lieferte 486,713 Startpunkte.

Von jedem dieser Startpunkte wurde der Weg nach Rom berechnet. Wurde eine Straße mehrfach genutzt, wird sie dicker dargestellt. Das Ergebnis: Eine Karte, in die man reinzoomen kann.

Roads to Rome

http://roadstorome.moovellab.com/maps/roads-to-rome

Wie ein Baum, dessen Baumfuß in Rom liegt.

Wenn man sich Deutschland ansieht, fällt auf, daß eine wesentliche Route über Lübeck, den Süden von Hamburg, Hannover, Göttingen und Kassel, Würzburg, Heidenheim, Memmingen, Kempten geht. Dann geht das etwas nach Osten, trifft sich mit dem starken Strang, der aus der Gegend von München kommt und geht über den Brenner. Dieser Hauptstrang wird von Norwegen und Schweden her "verbreitert". Berlin liegt dagegen nur an einem "relativ dünnen Weg".

Aber wenn man dieses Prinzip nun auf die Orte mit Namen Rom anwendet, die es in den USA gibt? Dort gibt es neun Rom, die alle in der Osthälfte liegen. Zu jedem Ort wurde der Weg zum naheliegensten Rom ermittelt.

Roads to Romes

http://roadstorome.moovellab.com/maps/roads-to-romes

Der nächste Schritt: Das mit den US-Staaten und deren Hauptstädten zu berechnen. Da lösen sich die Grenzen einiger Staaten auf:

> When looking only at service areas, it seems that many states keep their territorial shapes. The coastal states are especially recognizable. The southern states seem to lose their original form.

New United States:

http://roadstorome.moovellab.com/maps/new-united-states

Ein ähnliches verblüffendes Bild ergibt sich, wenn man nach demselben Prinzip die Einzugsbereiche der europäischen Hauptstädte ermittelt:

New Europe:

http://roadstorome.moovellab.com/maps/new-europe

Da schrumpft der "Einzugsbereich" von Berlin auf den oberen Teil von Deutschland. Prag absorbiert dagegen alles bis Nürnberg im Westen. Ebenso Amsterdam das gesamte Ruhrgebiet, Bremen bis hin zur südöstlichen Spitze Kassel.

Manche Staaten (Spanien, Portugal, Türkei) sehen einigermaßen wie gewohnt aus. In Mitteleuropa findet man die Staaten kaum mehr wieder.

Schließlich der Vergleich Paris / Berlin eingeschränkt auf den Staat:

Roads to Paris

http://roadstorome.moovellab.com/maps/roads-to-paris

Roads to Berlin

http://roadstorome.moovellab.com/maps/roads-to-berlin

Zentralisiert versus föderal:

> Routes in France seem lead to Paris rather directly, with many heavily used roads. The situation in Germany suggests a rather broken down network of roads, before getting to Berlin.

Eine interessante Auswertung. Nicht mehr ganz neu.

http://roadstorome.moovellab.com/about

2016 gab es einen Award, 2017 den German Design Award Special.

Via

Apparently, All Roads Do Lead to Rome

https://www.archdaily.com/893076/apparently-all-roads-do-lead-to-rome

 

Divide and conquer - Teile und herrsche - zum Unicode-Codepoint effizient den Unicode-Block finden - per binäre Suche

04.05.2018 23:43:13, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man sich - wie ich - vorrangig mit anwendungsnaher Programmierung beschäftigt, dann sollte man sich normalerweise auf die Ressourcen von Programmiersprachen stützen. Und nicht auf die Idee kommen, bestimmte systemnahe Dinge wie Suchen und Sortieren in einer Hochsprache "nachbauen" zu wollen.

Denn in so einem Fall läuft man schnell Gefahr, Dinge sehr ineffizient zu machen.

Aber was ist, wenn sich eine Fragestellung ergibt, bei der die "offenkundige Lösung" auch offenkundig schlecht ist?

So eine Situation gab es jetzt für mich, als ich eine Idee zur Erweiterung meiner Unicode-Unterseite

Online-Tools zu Unicode

https://www.sql-und-xml.de/unicode-database/online-tools/

hatte. Dort kann man - seit 2004 - über ein simples Formular Integer, Hex- und Character-Darstellungen ineinander umrechnen lassen. Das Formular wird auch ganz gut genutzt. Es nutzt ausschließlich clientseitiges JavaScript. Es ist also kein erneutes Laden der Seite notwendig -> die Nutzung geht schnell.

Die Idee: Es wäre doch schön, wenn man zum ersten Zeichen gleich den Unicode-Block angezeigt bekäme.

Hintergrund: Innerhalb des Unicode-Systems sind derzeit ein Teil der Ganzzahlen von 0 - 1114111 zunächst in Blöcken unterteilt. Der erste Block - Basic Latin - geht bsp. von 0 - 127. Jeder Zahl ist nun - umkehrbar eindeutig - ein Zeichen zugeordnet. 0-127 deckt das US-Ascii ab. 128-255 ist der Latin-1 Supplement - Block, da sind bsp. einige europäische Zeichen mit Accent-Zeichen und auch die deutschen Umlaute drin. Später folgen Blöcke für die Buchstaben verschiedener Sprachen, mathematische und technische Symbole usw.

Aktuell liegt Unicode in der Version 10.0 vor. Es gibt 280 Blöcke und einen Bereich von insgesamt 1.114.111 Zeichen. Die Blöcke sind "etwas unübersichtlich". Deshalb die Idee, gleich den Blocknamen auszugeben. Dann kann man nämlich ein Zeichen aus einer Website einfach per Copy & Paste in das Feld "Character" reinkopieren, wählt die Transformation

> char → int, hex, bit

und kann sich die Details zu diesem Zeichen auf der angezeigten Blockseite ausgeben lassen. Die stehen über die Unicode-Datenbank https://www.sql-und-xml.de/unicode-database/ ohnehin zum direkten Anklicken zur Verfügung.

Die aktuell 280 Blocknamen und die zugehörigen unteren und oberen Grenzen liegen vor. Die kann man auch als drei sortierte statische Arrays vordefinieren.

Aber wie findet man nun bsp. am schnellsten heraus, daß der Codepoint 10000 mit dem zugeordneten Zeichen ✐ aus dem Dingbats-Block stammt, der die Codepunkte 9984 - 10175 abdeckt?

Die "offenkundige Lösung" (zum besseren Verständnis teils mit Pseudocode)

--

/* Durchlaufe die Liste aller Einträge */
for (i = 0; i < liste_der_unteren_Grenzen.length; i++) {

/* Prüfe für den aktuellen Eintrag, ob der aktuelle Codepoint zwischen den Grenzen liegt */

if (liste_der_unteren_Grenzen[i] <= codepoint
AND codepoint <= liste_der_oberen_Grenzen[i]) {

console.log("Hurra - passt");
stringBlockname = liste_der_Blocknamen[i];
exit for; /*Abbruch*/
}
}

--

ist offenkundig ineffizient: Denn damit sind bis zu 280 Prüfungen notwendig.

Innerhalb von JavaScript gibt es zwar auch noch eine Methode Array.find, die eine beliebige Funktion für jedes Arrayelement ausführt und das erste positive Ergebnis zurückgibt. Aber auch diese läuft über alle Array-Elemente - und ist damit ebenso ineffizient.

--

Eine mögliche Lösung: Divide and conquer = Teile und herrsche. Es wird versucht, das Problem bei jedem Durchgang zu verkleinern. Bis schließlich nur noch ein Block übrig bleibt, der nun "passt".

Sprich: Man hat zwei Grenzen: Die untere Grenze ist zunächst 0, die obere (bei 280 Elementen) 279. Einer der Indexwerte zwischen diesen beiden Grenzen ist der Indexwert des gesuchten Blocks. Da man die Grenzen der Größe nach vorsortieren kann, kann man den ersten Test frei wählen. Also wählt man die Mitte - 139 oder 140 als aktuelle Position. Und prüft:

> codepoint < liste_der_unteren_Grenzen[position = 140]

Ist diese Bedingung erfüllt, dann weiß man,daß man alle Positionen >= 140 bereits ignorieren kann. Die gesuchte Position kann also maximal 139 sein. Ist die Bedingung nicht erfüllt, dann weiß man, daß der Codepoint mindestens zum Block mit der Position 140 gehört. In dem Fall kann man alle Positionen < 140 ignorieren.

In beiden Fällen hat sich also die Aufgabenstellung halbiert: Man muß nicht mehr gegen 280 Grenzen testen. Sondern nur noch gegen die Hälfte der Positionen.

Damit kann man im ersten Fall die obere Grenze auf 139 verringern. Im zweiten Fall setzt man die untere Grenze auf 140 hoch. Anschließend wird der neue Mittelpunkt zwischen den beiden neuen Grenzen berechnet und mit diesem die Prüfung wiederholt.

In beiden Fällen hat sich die Länge des Prüfintervalls halbiert. Das ist damit sehr effizient. Das macht man solange, bis untere und obere Grenze zusammenfallen.

Dann weiß man, daß man nun den Block gefunden hat. Eventuell muß man dann noch prüfen, ob der gesuchte Codepoint tatsächlich zu diesem Block gehört, also kleinergleich der oberen Grenze ist. Oder ob der Codepoint zu einem derzeit nicht belegten Bereich gehört. So gehört der Codepoint 2200 weder zum Block "Syriac Supplement" (geht bis 2159) noch zum nächsten Block Arabic Extended-A (beginnt bei 2208).

Folglich benötigt ein solcher Algorithmus bei 280 Blöcken immer maximal 9 Prüfungen (2^9 = 512, 2^8 = 256 reicht nicht), um die korrekte untere Grenze zu finden. Es gibt zwar keine "ganz schnelle" Lösung, die nur mit ein oder zwei Prüfungen auskommen würde. Das wäre der Fall, wenn man immer beim Index 0 anfängt und die meisten Überprüfungen sehr niedrige Codepoints betreffen würden.

Aber dafür gibt es auch keinen Fall, in dem 200 oder gar 280 Prüfungen notwendig wären. Und selbst wenn sich die Zahl der Blöcke verdoppeln würde, wäre nur eine Prüfung mehr notwendig. Die erste Prüfung würde aus nun 560 Blocken wieder 280 Blöcke machen, ab dann ginge das wie bisher weiter.

Fazit: Ein Algorithmus, der bei einem Durchlauf das Problem quasi halbiert, der ist immer gut. Das kann man auch in Hochsprachen effizient machen.

Das wurde inzwischen auf der Online-Tools - Seite eingebaut. Die drei Arrays mit den Blocknamen, den Start- und den Endwerten sind vordefiniert in der JavaScript-Datei abgelegt.

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Praktisch ist das eine Umsetzung der binären Suche

https://de.wikipedia.org/wiki/Bin%C3%A4re_Suche

Diese ist selbst ein Spezialfalls des Prinzips "Teile und herrsche".

The Metropolitan Area Outer Underground Discharge Channel - das G-Cans - das Kanalisations- und Entwässerungssystem bei Kasukabe nördlich von Tokio

03.05.2018 23:51:54, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hier in Berlin bauen die Berliner Wasserwerke an so etwas ähnlichem im Kleinformat: Unterirdische Auffangbecken, die große Regenmassen zwischenpuffern, so daß das Wasser oben abfließen kann.

In "etwas größeren Dimensionen" gibt es ein vergleichbares Bauwerk seit 2006 in Japan. Nördlich von Tokio, bei der Stadt Kasukabe. Davon fanden sich einige beeindruckende Bilder.
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Go Inside Tokyo’s Massive Underground Storm Drain

http://www.spoon-tamago.com/2018/05/03/go-inside-tokyos-massive-underground-storm-drain/

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Der offizielle Name ist dieses Wortungetüm "The Metropolitan Area Outer Underground Discharge Channel". Das weltweit größte Abwasser- und Entwässerungssystem. Das liegt etwa 50 Meter unter der Stadt und besteht aus 5 großen Silos, die durch 4 Meilen Röhren (etwa 6,4 Kilometer) miteinander verbunden sind. Der Bau dauerte von 1992 bis 2006 und verschlang über 2 Milliarden Euro.

> It’s a modern feat of engineering that’s out of sight and out of mind, but one day it may just save lives and prevent a whole lot of damage.

Eine moderne Meisterleistung, nicht zu sehen - und doch wichtig und lebensrettend.

Wenn es trocken ist, dann sind diese riesigen Hallen leer - und können in geführten Touren besichtigt werden. Der Photograf Christoffer Rudquist war im letzten Jahr unten - und hat beeindruckende Bilder gemacht.

Die offizielle Seite

Water Dischage Tunnel on The Outskirts of The Metropolitan Area首都圏外郭放水路

http://www.ktr.mlit.go.jp/edogawa/gaikaku/intro/index.html

ist leider nur auf japanisch. Allerdings finden sich dort Skizzen, wie das System aufgebaut ist. Die 50 Meter sind die Oberkante der waagerechten Verbindungstunnels, diese haben einen Durchmesser von 10 Metern. Die verschiedenen Zuflüsse können verschieden viel Wasser maximal bewältigen. Am Ende befindet sich ein gewaltiges Pumpwerk, das 200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Fluß Edogawa River pumpen und das System damit wieder entleeren kann.

Klickt man sich durch das Menü durch, gibt es im dritten Hauptpunkt Unterpunkte:

http://www.ktr.mlit.go.jp/edogawa/gaikaku/intro/02shuyou/shu-03.html

Das sind riesige, kathedralenartige Hallen.

Unter

http://www.ktr.mlit.go.jp/edogawa/gaikaku/intro/02shuyou/shu-05.html

sind die Dimensionen skizziert: Eine Höhe von 65 Metern, ein Durchmesser von 32 Meter. Da würde ein komplettes Space Shuttle reinpassen.

Unter

http://www.ktr.mlit.go.jp/edogawa/gaikaku/intro/03tech/1-3.html

gibt es ein Bild, wie das vor der Inbetriebnahme in der Gegend bei starken Regenfällen ausgesehen hatte: Massive Überflutungen.

Auf der Seite

Kasukabe Underground Flood Protection Tank

https://www.japanvisitor.com/japan-city-guides/kasukabe-underground-flood-protection-tank

gibt es Hintergründe: Die Gegend dort bildet das Nakagawa Basin, ein flaches Land, begrenzt durch den Edogawa River, durchzogen von diversen Flüssen, einer davon ist der Nakagawa Fluß. Die Gegend war immer für Überflutungen anfällig, besonders während der Zeit der Schneeschmelze. Farmer verloren immer wieder ihre Ernte. Aber die Politik kümmerte sich nicht um sie.

Ab den 1960ern wuchs die Umgebung von Tokio in das Nakagawa Becken hinein. In den 1980ern waren die Landwirte größtenteils durch Häuser und Industrieansiedlungen ersetzt. Neue Zuglinien wurden gebaut. Ende der 1980er gab es eine Immobilienblase, wobei die Prospekte das Flutrisiko wohl eher ausklammerten. Der Effekt:

> As a result, the area became repeatedly the victim of serious flooding, causing huge financial losses for a vital part of the economy of the Tokyo Metropolitan Area.

Es gab wiederholt Überflutungen mit hohen finanziellen Verlusten. Die Konsequenz:

> The man-made problem of settling a huge population in a flood-prone environment had to be solved by a technological solution.

Das menschlich produzierte Problem, daß sehr viele Leute in einer flutanfälligen Gegend angesiedelt wurden, mußte mit einer technischen Lösung bewältigt werden.

1992 begannen die Arbeiten, die 2006 abgeschlossen waren. Seither hat es keine Überflutungen mehr gegeben.

Inzwischen zieht das System weltweit Besucher an. Das Buchen einer Tour ist "relativ schwierig". Man muß das vier Wochen davor buchen, die Buchungsseite gibt es nur auf japanisch. Führungen gibt es nur vom Dienstag bis Freitag, je drei pro Tag mit je 25 Teilnehmern. Die Plätze sind wohl "ziemlich schnell" ausgebucht. Ausländer müssen entweder japanisch sprechen oder einen Übersetzer mitbringen. Schließlich sind die Führungen auf japanisch. Aber wenn es zu regnen anfängt, müssen die Anweisungen verstanden werden.

Ein kurzer Artikel in der deutschen Wikipedia:

G-Cans

https://de.wikipedia.org/wiki/G-Cans

G-Cans ist die englische Abkürzung.

Die Website des Photographen Christoffer Rudquist:

http://christoffer.co/avaunt-flood-defence

Laut der englischen Wikipedia

Metropolitan Area Outer Underground Discharge Channel

https://en.wikipedia.org/wiki/Metropolitan_Area_Outer_Underground_Discharge_Channel

wurden diese großen Hallen sogar schon für Dreharbeiten als Kulisse genutzt. Etwas versteckt

Feel the grandeur of the Metropolitan Area Outer Underground Discharge Channel.

http://www.ktr.mlit.go.jp/edogawa/gaikaku/english/index.html

findet sich nun doch eine englische Beschreibung der Tour.

Micro Growth Chamber Systems - eigener Salat in einer Karton-Hydrokultur - überall dort, wo es wenig Platz gibt, ohne Filter, Pumpen und Strom - von Aggressively Organic

02.05.2018 23:53:07, Jürgen Auer, keine Kommentare

Sich zumindest teilweise selbst ernähren können? Für Stadtbewohner ist das normalerweise eine aussichtslose Sache. Allerdings hat die Selbstversorgung den Vorteil, daß man weiß, daß da nichts gespritzt oder anders behandelt wurde. Ein US-Unternehmen mit dem "treffenden Namen" Aggressively Organic will Stadtbewohnern eine Möglichkeit anbieten, daß sich diese eigenes Grünfutter züchten.
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Amazing plant pods can grow more lettuce in a 10×10 room than a farm can grow on 1/2 acre

https://inhabitat.com/amazing-plant-pods-can-grow-more-lettuce-in-a-10x10-room-than-a-farm-can-grow-on-1-2-acre/

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Die Werbeaussage klingt erst einmal "etwas unglaublich":

> The Indiana-based company offers Micro Growth Chamber Systems that can grow more lettuce in a 10-by-10-foot room than an organic farm can grow on a half-acre.

Mittels "Micro Growth Chamber Systems" mehr Salat auf einem Raum von 10x10 Fuß (etwa 3 x 3 Meter) als eine organische Farm auf einem halben Acre. Ein Acre sind etwa 4000 Quadratmeter, das wären also etwa 2000 Quadratmeter bzw. eine Bodenfläche von 40 x 50 Metern. Bei einem deutlich geringeren Wasserverbrauch.

> Aggressively Organic seeks to tackle food insecurity one micro-garden at a time by giving people the tools they need to grow their own food – whether that’s in an office, dorm room or small studio apartment. Their growth systems are even suitable for people who lack gardening experience.

Leute sollen die Tools erhalten, mit denen sie sich selbst Grünzeug züchten können. Egal, ob das in einem Büro, einem Schlafzimmer oder einem kleinen Apartment ist. Die Systeme seien auch für Leute gedacht, denen gärtnerische Erfahrung fehlt.

Das Prinzip: Eine Hydrokultur.

> Their product consists of a foldable cardboard chamber, a liner, a coconut coir disc in which seeds are planted, reusable net cups to hold the plant, and a nutrient solution.

Ein faltbarer Karton, eine Schutzfolie. Dann gibt es wiederverwendbare Kunstoffeinsätze. Die werden wohl mit Kokosnussfasern gefüllt, da kommen auch die Pflanzen rein. Und eine Nährlösung. Das Video

Introducing Aggressively Organic Micro Growth Systems™

https://vimeo.com/237442033

zeigt ab etwa 1:15 das eigentliche Zusammenbauen: Da werden diese wiederverwendbaren Kunststoffeinsätze gefüllt, der Karton zusammengebaut, mit der Folie ausgestattet. Dann kommt ordentlich Wasser rein. Zum Schluß wird dieser gefüllte Kunststoffeinsatz oben eingesetzt.

Ab dann soll man das System quasi sich selbst überlassen können. Aus der Videountertitelung:

> You’re about to learn grow your own food in a way that you don't have to think about it – just set it, and forget it… then harvest.
> We don’t like to see you just keep your herbs limping along, or feeling guilty that they look a bit sad.
> You can finally feel good that you’ll easily be able to grow your own vibrant, great tasting food... in the comfort of your own home… on a bookshelf, windowsill, desk or table.

Der Wasserverbrauch: Beim normalen Bodenanbau seien für einen Kopfsalat 25 Gallonen Wasser notwendig, das sind 94 Liter Wasser. Der eine Kopfsalat benötigt eine Säule, damit 16 ounces, das wären 0,47 Liter.

Die Daten finden sich - grafisch dargestellt - auch auf der Website.

Aggressively Organic

https://aggressivelyorganic.com/

Unter

Instructions

https://aggressivelyorganic.com/instructions/

gibt es diverse Videos: Was wird geliefert und was macht man damit. Da sieht man auch einen wesentlichen Punkt:

How to Prepare Coco Coir for Germination

https://aggressivelyorganic.com/videos/how-to-prepare-coco-coir-for-germination/

Diese Elemente aus Kokosnussfasern sind relativ flach. Man legt sie in Wasser. Und sie quellen massiv auf, so daß sie den ganzen Kunststoffeinsatz ausfüllen.

Der Inhabitat-Beitrag zeigt ein Bild, wie die Wurzeln der Salatpflanze diese Kokosnussfasern durchdringen und drunter in der Wasserlösung weiterwachsen.

Allerdings läßt man in diesen Elementen aus Kokosnussfasern die Salatpflanzen erst einmal vorwachsen. Erst, wenn sie dort eine gewisse Größe erreicht haben, kommen sie in diesen Karton hinein.

Die Website enthält leider nur Videos, keine erläuternden Texte. Mal sehen, ob sich das Unternehmen längerfristig am Markt behaupten kann.

Theoretisch kann so ein Karton umkippen. Dann dürfte es etwas feucht werden.

Ein Briefkasten ist ein zweckdienlicher Gebrauchsgegenstand - oder ein Hobby, um die Individualität des Hauses zu unterstreichen - Mailbox- Beispiele aus den USA

01.05.2018 23:50:47, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ich habe bis jetzt immer nur zur Miete gewohnt. Briefkästen werden damit vom Vermieter gestellt. Und sehen meist für das ganze Mietshaus einheitlich aus.

Aber wenn man ein eigenes Haus hat? Oder so, wie in den USA, wenn es sehr viel Land gibt? Da werden die Briefkästen zu kleinen - oder sehr großen - Kunstwerken.

Eine faszinierende Liste fand sich hier:
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30+ Times People Took Their Mailboxes To The Next Level

https://www.boredpanda.com/creative-mailbox-ideas/

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Wer ein Haus hat, der kann den Garten, die Garage oder das Haus besonders gestalten. Aber die einfachste Möglichkeit: Die Mailbox aufzupimpen.

Da wird die Mailbox zu einem metallischen Kerl. Dahinter ein "etwas größerer metallischer Kerl", der aufpaßt.

Oder ein in vielfältigem Blau bemalter Oktopus schlängelt sich um die Mailbox herum.

Der nächste verkleidet seinen Briefkasten alle paar Wochen neu, so daß das Männchen, ein Gespenst oder eine Weihnachtsgestalt sind.

Der nächste bemalt seine Mailbox alle paar Monate mit künstlerischen Bildern, die an Bilder des Impressionismus erinnern.

Aber ein Briefkasten kann auch wie eine Miniaturausgabe des eigenen Autos oder des eigenen Hauses aussehen. Snoopy darf natürlich auch nicht fehlen.

https://www.boredpanda.com/this-cute-mailbox/

Der nächste schnitzt komplexe Figuren und Häuser aus einem Baumstamm. Oder die Mailbox wird von einer riesigen metallischen Hand gehalten und "etwas zusammengequetscht".

Aber richtig cool ist natürlich das:

https://www.boredpanda.com/you-dont-have-to-deal-with-them-if-you-cant-reach-them/

Vier Briefkästen an einer Stange, übereinander.

Die Normalhöhe ist für die normale Post. Deutlich drüber gibt es den Briefkasten für Junk Mail. Nochmals deutlich höher folgen die Briefkästen für Rechnungen / Bills und Steuern / Taxes.

Bei manch einer Lösung mag man sich auch Gedanken um den Besitzer machen. Eine Mailbox ist in einen Holzzaun eingebaut und läßt sich nach beiden Seiten hin öffnen. Da kann die Post entnommen werden, ohne daß der Besitzer raus muß.

Im Winter

https://www.boredpanda.com/when-life-gives-you-snow-build-a-snowman-for-your-mailbox/

kommt die Mailbox mit einer Schneeummantelung.

Oder ein Riese hält die Box:

https://www.boredpanda.com/found-this-giant-holding-a-mailbox/

Eine ausrangierte Filmkamera oder eine überdimensionale Hülle, gestaltet als Gameboy.

Sehr schick ist ja diese Schulranzenlösung

https://www.boredpanda.com/backpack-mailbox/

aus Kupferblech.

Oder die Mailbox stellt gleich eine Benachrichtigungsmöglichkeit zur Verfügung:

https://www.boredpanda.com/drum-set-mailbox/

Eine Trommel, ein Gong und ein Becken.

Plus diverse weitere, teils aufwendig gestaltete Varianten.

Ich weiß gar nicht, wie das hier im Berliner Umland bzw. in Deutschland auf dem Land ist. Ob es da auch so ausgefallene Briefkästen gibt oder ob die meisten Häuser eher die klassischen Varianten bevorzugen.

Von der Schiffswerft zum Theater - eine nicht mehr genutzte Shipyard von 1972 erwacht in Lujiazui - Shanghai zu neuem Leben - von Kengo Kuma

30.04.2018 23:54:21, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn sich eine Gegend stark wandelt: Was macht man dann mit "alten Gebäuden"? Die womöglich noch gar nicht so alt sind, etwa weniger als 50 Jahre? Aber deren damalige Verwendung heute auf jeden Fall nicht mehr Thema ist? Abreißen oder umbauen?

Das Viertel Lujiazui in Shanghai boomt. Ein bekanntes Panorama vom Wasser her zeigt diverse Hochhäuser des Viertels. Aber da gibt es auch noch eine Schiffswerft. Die 1972 erbaut wurde und die nun als letztes Fabrikgebäude noch in Lujiazui übrig war. Inzwischen ist das Viertel das wachsende Finanzzentrum.

Die Schiffe wurden in der dortigen "höhlenartigen" Struktur gebaut und konnten dann direkt ins Wasser gelassen werden. Folglich hat das Gebäude mehrere etwa 200 Meter lange säulenlose Bereiche.
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kengo kuma transforms shanghai shipyard with graduated brick façades

https://www.designboom.com/architecture/kengo-kuma-shanghai-shipyard-1862-china-04-29-2018/

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Die Aufgabe für Kengo Kuma and Associates (KKAA): Ein Theater und diverse Möglichkeiten für eine kommerzielle Nutzung.

Um das Gebäude herum gibt es einen etwa 30 Meter breiten leeren Streifen. Der es Besuchern ermöglichen soll, die Dimensionen der ehemaligen Schiffswerft wahrzunehmen.

Besonders verblüffend ist ein Teil der Fassadengestaltung: Einerseits sieht man die rohen Betonpfeiler der ursprünglichen Werft.

Andererseits war ein Teil der Fassade ursprünglich aus Backsteinen gemauert.

Das sieht aus der Entfernung immer noch wie eine Backsteinfassade aus. Beim Näherkommen zeigt sich jedoch, daß zwischen den Backsteinen große Lücken sind.

Tatsächlich ist das eine Glasfassade. Die Backsteine sind frei verteilt zur Dekoration dazwischen. Aufgehängt an 8 Millimeter starken rostfreien Stahlkabeln.

In die Innenräume fällt dadurch sehr viel Licht herein. Und es ergibt sich ein vielfältiges Muster aus Licht und Schatten.

Innen gibt es teils mächtige der alten Beton- und Stahlstrukturen. Dazwischen neue Verkaufsräume.

Das Theater ist am östlichen Ende des Gebäudes untergebracht. Mit einer wohl einzigartigen industriellen Ästhetik. Hinter der Bühne gibt es eine riesige Glasfront. Da kann der Vorhang geöffnet werden. Dann gibt es einen direkten Blick auf den Huangpu River für alle Zuschauer.

Die Gesamtfläche von 31.626 Quadratmetern zeigt die Dimensionen.

Auf der Seite der Architekten

Shipyard 1862

http://kkaa.co.jp/works/architecture/shipyard1862/

> A “hole” with a height of 20 m and a length of 150 m, which makes you feel the scale of a huge ship, penetrates the center of the building and creates a strong impression in the space. The effect is further strengthened with concrete columns that have supported the existing building.

Ein Video auf YouTube (8:28)

[摄界]Shanghai Shipyard

https://www.youtube.com/watch?v=cEgsuJAmxaI

zeigt die Dimensionen des Gebäudes und den Standort. Das ist direkt neben den bekannten Wolkenkratzern, nicht auf der anderen Seite des Wassers.

Das Video enthält auch einige historische Schnitte aus der Werft. Und Filmaufnahmen vom damaligen Bau.

Da scheint sehr viel von der Bausubstanz erhalten geblieben zu sein. Die neue Struktur wurde gewissermaßen in den alten Rahmen hineingebaut.

Wenn man die allerersten Bilder aus dem Video betrachtet, dann wirkt es wie ein Wunder, daß die Schiffswerft nicht abgerissen und durch Hochhäuser ersetzt wurde.

In der englischen Wikipedia

Lujiazui

https://en.wikipedia.org/wiki/Lujiazui

gibt es dieses Bild von 2014:

https://en.wikipedia.org/wiki/File:Shanghai_Pudong_Jan_2_2014.JPG

Die ehemalige Schiffswerft müßte links hinter dem bläulich schimmernden Hochhaus liegen.

Sacramento Eco Fitness in Kalifornien reduziert Stromkosten für Fitnessstudio von 680 auf 30 Dollar im Monat - durch Einsatz von stromproduzierenden Eco-Powr - Geräten von SportsArt

29.04.2018 23:56:22, Jürgen Auer, keine Kommentare

Persönlich bin ich ja kein großer Freund von Fitnessstudios. Ich gehe lieber direkt raus. Hier in Berlin gibt es diverse Studios, meist in guter Lage, oft mit großen Glasscheiben. Aber: Der Betrieb von so einem Sportstudio kostet offenkundig so einiges an Strom. Läßt sich da nicht etwas einsparen, wenn die Geräte schon so fleißig beschäftigt werden?

Das Fitnessstudio Sacramento Eco Fitness hat jedenfalls neue Geräte angeschafft. Von dem Unternehmen SportsArt. Diese - produzieren Strom. Mit der Wirkung einer "deutlich reduzierten Stromrechnung": Von 680 Dollar pro Monat auf 30 Dollar.
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This California gym is powered by people as they work out

https://inhabitat.com/this-california-gym-is-powered-by-people-as-they-work-out/

Die Seite von SportsArt zu den Eco-Powr-Geräten:

https://us.gosportsart.com/eco-powr/

Ein Video: SportsArt ECO-POWR™ Technology

https://www.youtube.com/watch?v=UyEcx5rmNfA

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Demnach kann ein Nutzer auf so einem Gerät namens Elliptical 160 Watt Energie in einer Stunde produzieren. Wenn das nicht nur einer, sondern 10 oder 30 Nutzer machen, vervielfacht sich das entsprechend.

Bis zu 74 % der erzeugten Energie läßt sich verwenden.

Ein Video von Sacramento Eco Fitness vom 03.01.2018:

#DoYourThing With Sacramento EcoFitness

https://www.youtube.com/watch?v=iBP2BerV0ps

Demnach wird die erzeugte Energie in einer lokalen Batterie gespeichert und für den eigenen Bedarf an Licht, für Telefone, Computer, Kühlschränke und ähnliches genutzt. Einzelne Geräte können auf bis zu 200 Watt in einer Stunde kommen.

Wenn man sich die Detailbeschreibung von so einem Gerät

https://us.gosportsart.com/product/g690-verde/

ansieht, dann fällt auf, daß immer Displays mit dabei sind, die den Nutzer über seine aktuelle Leistung informieren. Aber eben auch:

> Drive Motor: Non-motorized

Geräte anderer Hersteller verbrauchen Strom. Diese Geräte produzieren Strom.

Auf der Website gibt es eine direkte Möglichkeit, die Stromproduktion und die Kostenersparnis zu berechnen:

Eco-Calculator:

https://us.gosportsart.com/eco-calculator/

Das hängt von der Zahl der Geräte, der täglicher und monatlicher Nutzung ab. Wenn man das reduziert auf ein Treadmill, das an 30 Tagen 12 Stunden in Betrieb ist, dann ist das eine monatliche Ersparnis von etwa 5 Dollar. Bei den anderen Geräten wird immer dieselbe monatliche Ersparnis ausgegeben, das ist also ein Durchschnittswert.

Demnach müßte Sacramento Eco Fitness 650 / 5 = 130 Geräte betreiben. Oder die dortige Auslastung liegt deutlich über den 12 Stunden pro Tag.

Laut der Website

http://www.sacramentoecofitness.com/

> Sacramento Eco Fitness is the first human powered fitness facility in California. What makes this so special is during each workout, not only are you getting into the best shape of your life but you're also making a contribution to improving the environment. Each time you show up to workout on our Eco-Power cycles you're generating watts that help power the facility. We will then store the watts generated to power the facility during off peak hours.

ist das Studio das erste, das dieses Konzept so strikt in Kalifornien umgesetzt hat.

Wobei die fünf Dollar Ersparnis pro Monat eben entscheidend an der zwölfstündigen Nutzung hängt. Das sind 16 Cent pro Tag, also etwa ein Cent pro Nutzungsstunde. Dabei geht, wie in einer Fußnote hingewiesen wird, der durchschnittliche US-Strompreis mit ein:

> *NOTE: ENERGY PRODUCTION FACTOR BASED ON TWO ASSUMPTIONS:
> (1) 160W OUTPUT PER USER
> (2) USA AVERAGE COST OF ELECTRICITY PER KILOWATT HOUR: $0.117.

In Deutschland liegt der aktuelle durchschnittliche Strompreis bei etwa 29 Cent.

Wobei mich die Daten etwas wundern: 160 Watt Output über eine Stunde müßten eigentlich knapp eine Kilowattstunde sein, damit das Zehnfache. Folglich eine Ersparnis von etwa 10 $-Cent pro Nutzungsstunde, damit 1,2 Dollar pro Tag und 36 Dollar pro Monat. Wobei das Gerät für die Anzeige ebenfalls Strom verbraucht.

Ballon Art - mit Luftballons komplexe Tiere erschaffen - die luftig-schwebenden Tiere von Masayoshi Matsumoto

28.04.2018 23:50:12, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Luftballons denkt man vielleicht an Kindergeburtstage. Da gibt es manchmal viele davon, sie werden bemalt oder mit Wasser gefüllt.

Aber daraus Tierskulpturen erzeugen? Masayoshi Matsumoto aus Tokio in Japan hat das zu einer ziemlichen Perfektion entwickelt.
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COMPLEX CREATURES CRAFTED OUT OF BALLOONS BY MASAYOSHI MATSUMOTO

http://illusion.scene360.com/art/113350/masayoshi-matsumoto/

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Sein Prinzip:

> I create animals, plant life and insects using only balloons. (Adhesive, maker pen, seal, etc. are not used at all.)

Er nutzt nur Ballons, um Tiere, Pflanzen und Insekten zu erschaffen. Keine Kleber, keine Stifte, nichts zum Abdichten.

Schon bei der im Vorschaubild sichtbaren Biene oder Wespe fragt man sich, wie die einzelnen Ballons denn zusammenhalten.

Ähnlich bei der Schlange oder bei dem Eisvogel.

Noch mehr dieser Skulpturen finden sich hier:

Masayoshi Matsumoto - Balloon Artist

https://www.behance.net/isopresso9c59

Dort findet sich auch das obige Zitat. Und auch Pflanzen. Etwa ein Maiglöckchen.

Lily of the valley = Maiglöckchen

https://www.behance.net/gallery/64636409/lily-of-the-valley-(balloon-art)

Noch mehr gibt es auf Tumblr:

isopresso (Balloon animals)

http://isopresso.tumblr.com/

Etwa eine große Eule:

http://isopresso.tumblr.com/post/171015159335/barn-owl-%E3%83%A1%E3%83%B3%E3%83%95%E3%82%AF%E3%83%AD%E3%82%A6-2018218

Und noch eine Eule - etwas grimmiger:

http://isopresso.tumblr.com/post/164670264080/%E3%83%9F%E3%83%9F%E3%82%BA%E3%82%AF-horned-owl-2017827

Oder ein Nymphensittich:

http://isopresso.tumblr.com/post/136175070550/%E3%82%AA%E3%82%AB%E3%83%A1%E3%82%A4%E3%83%B3%E3%82%B3-cockatiel-20151229

Unter

https://latexbones.tumblr.com/

gibt es einige Skelette als Ballon Art.

Auf Instagram

https://www.instagram.com/isopresso_balloon/

Die Kunstwerke wirken verblüffend: Einerseits sorgen die Ballons für knollig-bauchige Strukturen, bei denen es keine Details gibt. Andererseits paßt das alles so perfekt zusammen, daß die Tiere fast schon lebendig wirken.

Eigentlich müßte irgendwann einmal die Luft langsam entweichen. So daß die Skulpturen in sich zusammensacken und ihre glatte Oberfläche verlieren.

StairStalk - eine Wendeltreppe aus laminierter Eiche als Attraktion des neuen HIDE-Restaurants in Mayfair - London - von Atmos Studio

27.04.2018 23:55:11, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Treppen mag man an "Durchgangsstücke" denken: Sie sind notwendig, um Stockwerke zu verbinden, um von unten nach oben zu kommen. Aber sie brauchen Platz, stehen im Weg. Dementsprechend sehen manche Treppen auch aus: Klein, damit sie wenig Platz brauchen, also eng, so daß man aufpassen muß, daß man nicht stolpert.

Aber ein Restaurant, bei dem die Treppe über mehrere Etagen geht. Wie baut man da eine Treppe ein?

In Mayfair, einem Londoner Stadtteil, wurde das neue HIDE-Restaurant eröffnet. Da gibt es eine Treppe von der Bar im Untergeschoss hoch zu dem Speiseraum, der im Erdgeschoss ist. Von dort geht es ein weiteres Stockwerk nach oben.

Die Treppe sollte Licht nach unten bringen. Und sie sollte ein "eigenständiges Statement" sein.
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Atmos Studio's sinuous timber staircase spirals through the centre of London restaurant

https://www.dezeen.com/2018/04/27/atmos-studios-timber-staircase-london-restaurant/

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Das Ergebnis: Eine einerseits ausladende Treppe, auf der genügend Platz ist. Aber gleichzeitig ein Schmuckstück, das durch doppelte Durchlässigkeiten besticht:

Einerseits besteht das Geländer nur aus Linien. Die aber nicht langweilig senkrecht montiert sind, sondern eine "aufstrebende Dynamik" entwickeln.

Andererseits die Stufen. Zwischen denen jeweils Luft dazwischen ist, so daß die Treppe von der Seite her sehr durchlässig wirkt.

Technisch steckt wohl eine verborgene Stahlkonstruktion dahinter.

> The staircase is built around a concealed steel and plywood core that was required to enable it to float freely away from the walls. Additional support for the cantilevered treads is provided by steel plates embedded in the wood.

Nur damit sei es möglich gewesen, die Treppe quasi freischwebend zu gestalten.

Die Technik:

> It was created using a specialised method of bentwood construction, which involves laminating hundreds of layers of veneer to make contoured forms that retain the illusion of solid wood.

Hunderte laminierter Schichten, die die Illusion erzeugen, daß es sich um festes Holz handelt.

Unter

Atmosstudio

http://www.atmosstudio.com/

gibt es noch mehr solcher verblüffender Treppenkonstruktionen. Etwa diese:

Room in a Room:

http://www.atmosstudio.com/Roominaroom

Da wuchs die Familie, aber eigentlich gab es nicht mehr Platz. Also wurde ein "Raum im Raum" gebaut. Mit einer ähnlich luftigen Treppenkonstruktion, die in der Verlängerung Ablageflächen schafft.

Die Website des HIDE

http://85piccadilly.co.uk/

zeigt u.a. ein Bild von außen. Auf dem man sieht, wie die Treppe einerseits "mitten im Raum" ist und doch einiges an Platz beansprucht. Andererseits so luftig ist, daß das nicht zu sehr den Raum verbaut.

Was man mit Steinen alles machen kann - sie aufeinander stapeln - 2018 European Stone Stacking Championship - Dunbar in Schottland

26.04.2018 23:50:54, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mit Steinen kann man ja so manches machen: Man kann sie bemalen. Man kann sie zerklopfen und die zurechtgehauenen Steine dafür verwenden, um eine Mauer für ein Haus aufzuschichten. Oder einen Weg mit Steinen zu belegen.

Wenn man aber in der Nähe vom Meer ist, wo das Wasser und der Wind die Steine schön rundschleift: Dann kann man diese Steine - kleinere und größere - natürlich auch aufeinander stapeln. Und zwar nicht nur zwei oder drei, sondern noch "ein paar mehr".

Da gibt es sogar einen Wettbewerb: Die European Stone Stacking Championship. Und von diesem gibt es beeindruckende Bilder.
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2018 European Stone Stacking Championship

https://designyoutrust.com/2018/04/2018-european-stone-stacking-championship/

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Man kann natürlich Steine so gegeneinanderstellen und aufschichten, daß sie einen Torbogen bilden und sich gegenseitig stützen. Oder 7 teils kleine, teils große Steine übereinander schichten. Das so, daß für einen Laien spätestens beim Stein 3 Schluß wäre. Aber da fängt das erst richtig an.

Und es ist eben nicht so, daß die entstehende Skulptur unten breit und oben schmal ist. Sondern als Fuß wird ein Stein genutzt, der fest im sandigen Boden steckt. Dann folgt ein sehr kleiner Stein. Und auf diesem zwei deutlich größere Exemplare.

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Ein Suchen führte zur Seite

Stonestacking - European Stone Stacking Championships

http://stonestacking.co.uk/

mit der Unterseite

What is Stone Stacking?

http://stonestacking.co.uk/what-is-stone-stacking/

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Demnach gilt das als eine meditative artistische Kunst, die überall praktiziert werden kann.

> Stone stacking utilises the materials found in nature and balancing uses nothing more than the natural gravitational pull of the Earth.

Es werden nur die Materialien genutzt, die grade in der Natur zu finden sind. Zusammengehalten werden sie nur durch die Gravitation. Ein anderer Begriff dafür ist "Rock balancing". Den verwendet die englische Wikipedia als Hauptbegriff ( https://en.wikipedia.org/wiki/Rock_balancing ).

Und wo macht man das? Am besten natürlich am Strand, am Meer. Da gibt es Steine in jeder Größenordnung.

http://stonestacking.co.uk/where-to-stone-stack/

Über die Facebookseite fand sich das Video:

EUROPEAN STONE STACKING Champs 2018

https://www.youtube.com/watch?v=RbDu0CwaoYw

Demnach fand die Europäische Meisterschaft wohl in den letzten Tagen in Dunbar in Schottland statt.

Ein BBC-Artikel vom 21.04.2018:

Stone-stackers rock up in Dunbar for balancing act

http://www.bbc.com/news/uk-scotland-43839619

Die Gegend dort

> Sterling Gregory describes this area of coastline as "rock stacker paradise".

Ein Paradies für Steinstapler.

> "It looks like it shouldn't be there and it's a truly magical thing."

Der Gewinner erhält eine finanzielle Unterstützung, um im nächsten Jahr an der World Stone Balance Championship in Llano, Texas teilnehmen zu können.

Was ist besser als ein Werbevideo? Natürlich der Casefilm dazu, der alle Klischees präsentiert und die Idee erläutert: Keine Idee zu haben - cooler 3D-Drucker-Werbefilm von Conrad Electronic

25.04.2018 23:49:46, Jürgen Auer, ein Kommentar

Muß Werbung immer dröge und langweilig sein? Meist ist das so. Manchmal geht das aber auch anders. Etwa dann, wenn das werbende Unternehmen sich selbst auf die Schippe nimmt.

Ein gelungenes Beispiel ist das folgende YouTube-Video von Conrad Electronic:
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Der ehrlichste Casefilm der Welt | Conrad

https://www.youtube.com/watch?v=2C4Jhq86v_Y

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Die "Botschaft" ist eigentlich ganz einfach: Kauft einen 3D-Drucker. Aber das Video wurde zum letzten Tag der ADC-Jurysitzung online gestellt. Um

> „Werber, die Werbung von Werbern beurteilen, mit einem Werbefilm für einen Werbefilm davon zu überzeugen, dass er ein Publikumshit war.“

Dieser schön-schaurige Satz stammt von Joachim Bosse, COO Pretty Ugly & DOJO. Pretty Ugly ist eine Tochter der Werbeagentur Dojo. Die hatten im Winter für Conrad einen ziemlich schrägen Weihnachtsvideofilm gedreht:

Der ehrlichste Weihnachtsspot der Welt | Conrad

https://www.youtube.com/watch?v=GSidHDA4_CQ

> Wir haben unsere Werbeagentur gebeten einen sympathischen und ehrlichen Spot zu Weihnachten zu produzieren.
>
> Das ist dabei rausgekommen. Trotzdem vielen Dank, DOJO.

Als Fortsetzung gab es nun das Making Of des Weihnachtsfilms, welches das Prinzip von Casefilmen erläutert.

Beginne mit einer traurigen Klaviermusik. Zeige unzusammenhängend diverse Personen - natürlich mit Shutterstock-Bildern, die nicht nur wie Shutterstock-Bilder aussehen, sondern sogar noch das Shutterstock-Wasserzeichen mitbringen. Ein kleiner Hund auf der schönen grünen Wiese darf selbstverständlich nicht fehlen. Und dann klettert ein Anzugsträger eine Wand hoch: Das ist die Herausforderung.

Dann fällt der Schlüsselsatz: Wir hatten die Idee, keine Idee zu haben. So entstand der Werbefilm zu Weihnachten - für 3D-Drucker.

Das muß natürlich dramatisch aufbereitet werden. Mit steigenden Klickzahlen, die zeigen, wie die Klickzahlen steigen. Mit einer drehenden Weltkugel, die zeigt, daß die ganze Welt davon spricht. Und mit tollen Grafiken und unmotiviert eingeblendeten großen Zahlen, die kein Mensch versteht. Um dann abzubrechen. Und lapidar die eigentliche Botschaft mitzuteilen. Aber die steht ja beim Video auch schon direkt drunter.

Der ADC ist der Art Directors Club, da gibt es einen Wettbewerb und grade eine Veranstaltung, die noch bis zum 29.04.2018 läuft.

http://www.adc.de/wettbewerb/

Und einer - nun ja - inflationären Liste von Preisen in unterschiedlichsten Kategorien.

http://gewinner.adc.de/

Ob die vielen Projekte, die Preise bekommen haben, so im Gedächtnis hängen bleiben wie voraussichtlich dieses kleine Filmchen? Mal sehen.

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Das Video zeigt jedenfalls, daß auch ein Making-Of-Filmchen sehr erheiternd sein kann. Und auf eine coole Art Werbung für das Produkt und das Unternehmen machen kann, das dieses Werbefilmchen in Auftrag gegeben hat.

Kammergericht Berlin: Mailadresse im Impressum darf kein toter Briefkasten sein, der nur auf Hilfe und Kontaktformular verweist - Bestätigung Urteil gegen Google - 23 U 124/14

24.04.2018 23:53:23, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man eine Website betreibt, dann muß im Impressum eine Mailadresse angegeben werden. Muß auf Nachrichten an diese Mailadresse aktiv reagiert werden?

Oder genügt es, wenn Reaktionen auf eingehende Mails automatisch versandt werden und auf die Hilfe bzw. auf das Kontaktformular mit diversen Rubriken verweisen?

In letzterem Sinne hatte Google den eigenen Internetauftritt gestaltet. War deshalb vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) verklagt worden.

Das Kammergericht Berlin hat nun das vorausgehende LG-Urteil bestätigt, wie nun per Pressemitteilung der vzbv bekannt wurde.
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Google muss Kommunikation per E-Mail ermöglichen

https://www.vzbv.de/pressemitteilung/google-muss-kommunikation-e-mail-ermoeglichen

Das eingescannte Urteil: Google - Kammergericht - Urteil vom 23.11.2017 - Az. 23 U 124/14 | nicht rechtskräftig

https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2018/04/24/180424_google_kg_u_12842-8_kontaktaufnahme_email.pdf

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Das vorausgehende LG-Urteil war vom 28.08.2014. Revision wurde zugelassen.

Die wesentlichen Punkte aus der PM:

> Online-Anbieter müssen im Impressum E-Mail-Adresse für schnellen und unkomplizierten Kontakt mit dem Unternehmen angeben.
> Verstoß gegen das Telemediengesetz: Google nimmt den Inhalt von Kunden-E-Mails nicht zur Kenntnis.
> Automatisch erzeugte Standardantwort mit Hinweis auf Online-Hilfen und Kontaktformulare reicht nicht aus.

Google hatte zwar eine Mailadresse im Impressum angegeben. Allerdings:

> Die von Google im Impressum genannte Adresse entpuppte sich allerdings als „toter Briefkasten“. Kunden, die eine E-Mail an support.de@google.com schickten, bekamen eine automatisch generierte Antwort mit dem Hinweis: „Bitte beachten Sie, dass aufgrund der Vielzahl von Anfragen E-Mails, die unter dieser E-Mail-Adresse eingehen, nicht gelesen und zur Kenntnis genommen werden können.“ Google verwies in der Antwort-Mail vor allem auf seine Hilfeseiten, über die „gegebenenfalls“ auch Kontaktformulare erreichbar seien.

Die gerichtliche Feststellung: Eine Mailadresse, bei der schon im Vorfeld erklärt wird, daß die geschickte Anfrage nicht gelesen und zur Kenntnis genommen wird, ermöglicht keine individuelle Kommunikation. Stattdessen werde die Kommunikation verweigert, was offenkundig nicht Zweck des Gesetzes sei. Auch ein Standardschreiben, das alle möglichen Fälle berücksichtigt, würde das Kommunikationsanliegen des Kunden im Endeffekt nur zurückweisen und sei damit unzureichend.

Heiko Dünkel, Rechtsreferent beim vzbv:

> „Eine E-Mail an die im Impressum genannte Adresse zu schreiben, ist einfach und schnell“, so Dünkel. „Kontaktformulare sind auf den Internetseiten dagegen oft schwer zu finden. Nutzer müssen sich in der Regel erst zum Formular durchklicken – wenn es denn für ihr jeweiliges Anliegen überhaupt eines gibt.“

Laut Urteil hatte Google in der Begründung der Berufung ausdrücklich darauf verwiesen, daß das Impressum ausdrücklich von der Medienanstalt Hamburg/Schleswig Holstein gebilligt worden sei.

Das Kammergericht hatte sich einer Entscheidung des OLG Koblenz vom 01.07.2015 angeschlossen (9 U 1339/14). Da war formuliert worden, daß das Gesetz nicht verlangt, daß jede Postnachricht beantwortet wird. Ebenso müsse nicht auf jede Mail reagiert werden, es gibt keine gesetzlich vorgeschriebenen Prüfpflichten.

Da ging es um ein Urteil gegen 1&1:

1&1 muss die unmittelbare Kommunikation per E-Mail ermöglichen - Oberlandesgericht Koblenz - Urteil v. 01.07.2015 - Az.: 9 U 1339/14

http://www.online-und-recht.de/urteile/1-und1-muss-die-unmittelbare-Kommunikation-per-E-Mail-ermoeglichen-Oberlandesgericht-Koblenz-20150701/

> Entscheidend ist, dass die E-Mail-Adresse die Kontaktaufnahme mit dem Anbieter auf diesem Weg ermöglicht und der Anbieter seine Erreichbarkeit nicht einschränkt, indem er etwa von vornherein durch Regeln zur Behandlung der E-Mail ausschließt, dass eingehende Mails zur Kenntnis genommen werden oder die Kommunikationsmöglichkeiten der Kunden auf bestimmte Fragen inhaltlich eingeschränkt, oder dem Kunden nur anderweitige Möglichkeiten der Kommunikation mitgeteilt werden.
>
> Eine solche unzulässige Einschränkung der Kommunikation stellt es auch dar, wenn das System so angelegt ist, dass auf Kundenanfragen ausschließlich mit einem für alle Fälle von Anfragen vorformulierten Standardschreiben reagiert wird. Denn bei einer solchen Reaktion handelt es sich nicht um eine individuelle Antwort, sondern letztlich nur um ein generelles Zurückweisen des Kommunikationsanliegens des Kunden.

Das Kammergericht hatte in seiner Urteilsbegründung diese Begründung explizit zitiert.

Ferner hatte das LG Berlin einen interessanten Gedanken formuliert: Ein Dienstleister könnte den automatisiert verschickten Text auch direkt im Impressum notieren und auf die Angabe einer Mailadresse verzichten. Dann wäre das Impressum offenkundig ungenügend. Die Zwischenschaltung einer Pro-Forma-Mail, die diesen Text verschickt, ist dann auch ungenügend.

Auch der Einwand, daß eine Bearbeitung auf anderem Wege besser sei, zählt nicht. Die Beklagte

> kann sich nicht als Ersatzgesetzgeber gerieren und unter Hinweis auf Sinn und Zweck der Vorschrift eine zwingend vorgeschriebene Angabe durch eine ihr geeigneter erscheinende Angabe ersetzen.

Ferner ist die Genehmigung durch die Medienanstalt Hamburg/Schleswig Holstein irrelevant. Es müßte wenigstens ein Verwaltungsakt sein, der von der zuständigen Behörde erlassen worden wäre. Das wäre aber der Medienrat der Anstalt gewesen, nicht der Direktor. Die Mitteilung würde nur besagen, daß die Medienanstalt Hamburg/Schleswig Holstein das Verfahren von Google nicht als Ordnungswidrigkeit einschätzen würde.

Inhaltlich war das Urteil zu erwarten. Gegen das OLG-Urteil hatte 1&1 wohl keine Revision eingelegt, wobei sich im Urteil kein Hinweis fand, ob Revision zugelassen worden war. Da ging es um die Zahlung von 214,00 €. Bei einem zu niedrigen Streitwert kann das der Grund sein, weshalb keine Revision zugelassen wird.

Bei dem jetzt vom KG Berlin entschiedenen Berliner Verfahren

LG Berlin: Muss Google Support-E-Mails lesen? Urteil vom 28.08.2014, Az. 52 O 135/13

http://www.damm-legal.de/lg-berlin-muss-google-support-e-mails-lesen

ging es dagegen um einen Unterlassungsanspruch:

> Die Beklagte wird verurteilt, es bei Vermeidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 250.000,00 €, ersatzweise Ordnungshaft bis zu 6 Monaten oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten, diese zu vollstrecken am Vorstand, zu unterlassen,
>
> im Rahmen geschäftlicher Handlungen gegenüber Verbrauchern auf der Internetseite unter der Adresse www.google.de nur eine solche E-Mail-Adresse anzugeben, bei der die an diese Adresse gerichteten E-Mails ausschließlich mit E-Mails wie der hier wiedergegebenen beantwortet werden:
>
> „Dieses ist eine automatisch generierte E-Mail, Antworten auf diese E-Mail sind aus technischen Gruenden nicht moegllch.

Da ist die automatisierte Antwortmail auch abgedruckt. Ferner eine Verurteilung zur Zahlung von 200 Euro nebst Zinsen.

Da fehlt zwar auch ein Hinweis auf den festgesetzten Streitwert. Allerdings:

> Das Urteil ist hinsichtlich des Unterlassungsanspruchs gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 200.000,00 € vorläufig vollstreckbar, im übrigen gegen Sicherheitsleistung in Höhe des jeweils beizutreibenden Betrages zzgl.10 % vorläufig vollstreckbar.

Demnach dürfte der Streitwert in diesem Verfahren so hoch gewesen sein, daß zumindest ein zu niedriger Streitwert nicht die Revision verhindert hat. Allerdings hat das Kammergericht das Urteil für sofort vollstreckbar erklärt - ohne eine Sicherheitsleistung zu fordern.

Mal sehen, ob Google Revision einlegt, so daß es zu einer Entscheidung vom Bundesgerichtshof kommt.

Mehr als die Hälfte aller per https erreichbaren Websites nutzen Zertifikate von Letsencrypt - Comodo mit knapp 15 Prozent dahinter weit abgeschlagen - Netstat-Statistik

23.04.2018 23:55:32, Jürgen Auer, keine Kommentare
Bildschirmphoto aus dem verlinkten Beitrag.

Ende 2015 startete Letsencrypt eine Dienstleistung, die das Internet nun doch nachhaltig verändern dürfte. Letsencrypt bietet kostenlose Zertifikate und entwickelte eine Logik, über die sich Zertifikate automatisch beantragen und bestätigen ließen. Dies ist inzwischen als ACME-Protokoll standardisiert.

Die Kosten für Zertifikate waren nicht mal so das Problem. Aber es war bis dahin immer notwenig, eine Zertifikatsanforderung quasi manuell zu beantragen, sie zur Zertifizierungsstelle zu übertragen, die eigene Hoheit über die Website zu bestätigen, das Zertifikat per Mail zu erhalten und es einzubauen und zu aktivieren.

So umständlich, wie sich das liest, ist das auch. Mit der Folge, daß das für Massenhoster undenkbar war. Und mit der zweiten Folge, daß bsp. ich es bevorzugte, Zertifikate für mehrere Jahre zu beantragen und zu installieren. Um das nicht ständig machen zu müssen.

Per ACME läßt sich das automatisieren. Letsencrypt bietet dafür die Infrastruktur an - plus kostenlose Zertifikate. Nun hat Netstat eine Statistik erstellt. Darin wurden alle Websites, die SSL nutzen, daraufhin überprüft, welches Unternehmen das Zertifikat ausgestellt hat.

Das Ergebnis: Mehr als 50 Prozent aller Zertifikate sind inzwischen von Letsencrypt ausgestellt. Die grüne, aufstrebende Linie in der Vorschaugrafik: Das ist der Anteil von Letsencrypt.
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SSL Issuer Popularity

https://nettrack.info/ssl_certificate_issuers.html

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Im Mai 2016 nutzen 4,87 % aller Websites ein Letsencrypt-Zertifikat. Comodo hatte etwa 25 %, Geotrust etwa 20 %, GoDaddy etwa 13 %.

Nun, im April 2018: Letsencrypt liegt bei mehr als 51 %. Comodo bei knapp 15 %, GeoTrust bei 5,5 % und GoDaddy bei etwa 6 %.

Daraus geht zwar nicht hervor, wieviele der neuen Letsencrypt-nutzenden Websites Wechsler von anderen Zertifikatsanbietern und wieviele davon neue https-Websites sind.

Wirft man aber einen Blick in den Google-Bericht zu https:

HTTPS encryption on the web

https://transparencyreport.google.com/https/overview?hl=en

Dann steigt der Anteil des https-Traffics schrittweise an.

Verblüffend ist allerdings diese Grafik bei Netstat zur Frage, ob eine Website https erzwingt:

HTTPS Usage

https://nettrack.info/https_usage_statistics.html

Da wird eine unverschlüsselte Anfrage an den Webserver geschickt und geprüft, ob die Seite ausgeliefert oder per Http-Status 301 auf die https-Version weitergeleitet wird.

Das stieg zwar von etwa 10 Prozent im Mai 2016 auf 28,6 % im Januar 2018 an. Seither stagniert das aber.

Leider fehlt bei Netstat eine Statistik zum Verhältnis http - https.

Es wäre aber auch denkbar, daß es viele Websites gibt, die nun erstmalig https einsetzen. Da es sich aber um Massenhoster handelt, würde https vom Webserver her nicht erzwungen.

Wer mehr zu Letsencrypt wissen möchte:

https://letsencrypt.org/

Server-Daten läuft aktuell noch mit einem gekauften Sternzertifikat. Aber das wird wohl über kurz oder lang auch per Letsencrypt beantragt werden.

Wenn Chrome ab der Version 68 vor unverschlüsselten Websites warnen wird, dann ist zu erwarten, daß sich noch mehr Website-Betreiber überlegen werden, endgültig zu wechseln. Massenhoster bieten bereits jetzt teilweise Verschlüsselung per Letsencrypt kostenlos an. So daß wahrscheinlich über kurz oder lang die meisten Websites, denen eine Domainvalidierung genügt, per Letsencrypt Zertifikate verwalten dürften.

Das bislang einträgliche Geschäft mit Zertifikaten dürfte damit größtenteils tot sein.

Wie reagiert ein Künstler, wenn ihm ein Unternehmen Zeichnungen klaut? Adam Ellis schlägt ColdStone per Twitter eine Spende für Inner City Arts in Los Angeles vor

22.04.2018 23:53:25, Jürgen Auer, keine Kommentare

Was macht man, wenn man als Künstler Zeichnungen im Stile von Comics bzw. Bildergeschichten in einen persönlichen Stil anfertigt und diese - ohne Genehmigung - von einem Unternehmen für eigene Zwecke genutzt werden?

In Deutschland könnte der Künstler - mit einem geringen Kostenrisiko - eine Abmahnung und Unterlassungsaufforderung verschicken. In anderen Ländern gibt es diese vorgerichtliche Variante nicht. Da bliebe nur eine Klage mit einem deutlich höheren Kostenrisiko. Noch schwieriger wird das, wenn der Künstler in den USA, das Unternehmen aber in Indien beheimatet ist.

Adam Ellis, der davor bei BuzzFeed gearbeitet und sich selbständig gemacht hatte, wählte einen anderen Weg: Er forderte das Unternehmen ColdStone, das seine gezeichneten Figuren nutzte, per Twitter zu einer Spende auf.
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After Ice Cream Company Stole This Artist’s Work, He Came Up With An Idea They Didn’t Expect

https://www.boredpanda.com/stolen-traced-art-charity-coldstone-adam-ellis-adamtots/

Der Tweet:

https://twitter.com/moby_dickhead/status/984531039862353920

> Hi @ColdStone @ColdstoneIndia, it appears you stole and traced a bunch of my art for a large campaign. Normally I'd send an invoice to license my work, but in this case I'm asking you to make a donation to Inner City Arts to help underserved kids. Thanks. http://www.inner-cityarts.org

ColdStone ist ein Unternehmen in Indien, das Eis herstellt und diverse Filialen betreibt. Der Tweet zeigt die Bilder: Photos, in die gezeichnete Figuren hineinmontiert wurden. Das wurde wohl auf Instagram gepostet.

Sein Vorschlag: Für eine Einrichtung in Los Angeles spenden, die es Kindern ermöglicht, ihre Kreativität zu entwickeln.

Der in dem einen Instagram-Eintrag sichtbare Link http://bit.ly/ColdStoneUnlimited führt zur Facebook-Seite des Unternehmens.

Inzwischen findet man auch auf den Instagram-Accounts des Unternehmens keines dieser Photos.

Das Ergebnis: Das Unternehmen spendete 10.000 Dollar an Inner City Arts.

https://twitter.com/moby_dickhead/status/986691749715369986

> Coldstone has donated $10,000 to Inner City Arts. I'm glad they did the right thing!

Auf Twitter gab es zwar Einwände, daß dies der falsche Weg sei.

Aber er wendete ein: Unternehmen würden ihn ignorieren, wenn er Rechnungen schicken würde. Öffentlich eine Spende vorzuschlagen würde den Unternehmen Druck produzieren. Etwas, das eine Rechnung nie schaffen würde. Und: Es habe funktioniert.

So haben die Kinder in Los Angeles etwas davon.

Interessant dabei ist, daß es das Internet einerseits ermöglicht, daß Unternehmen leichter solche Zeichnungen von den Urhebern klauen. Andererseits gibt es damit für die betroffenen Urheber auch die Möglichkeit, das öffentlich zu machen. Und so womöglich weitaus mehr zu erreichen als das, was über den Rechtsweg möglich gewesen wäre.

Houtouwan - ein verlassenes Fischerdorf auf der chinesischen Insel Shengshan, direkt vor Shanghai - Aufnahmen und ein Video von Joe Nafis

21.04.2018 23:55:08, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hier in Berlin in der Großstadt mag man sich das ja immer gar nicht so richtig vorstellen. Daß es in Dörfern immer weniger Menschen gibt, bis schließlich niemand mehr da ist. Und die Dörfer sich selbst überlassen werden, so daß irgendwann die Natur beginnt, die Häuser wieder zu erobern.

Besonders eindrücklich ist das in Houtouwan: Ein Fischerdorf auf der chinesischen Insel Shengshan, die direkt vor der Metropole Shanghai liegt.

In den 1990ern waren die großen Fischerschiffe von Shanghai so dominierend, daß sich der Fischfang für die Dorfbewohner nicht mehr lohnte. Sie zogen weg, um anderswo neue Arbeit zu finden.

Nun wird das Dorf nur noch von Touristen besucht.
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An Aerial Tour Of An Abandoned Chinese Fishing Village By Joe Nafis

https://designyoutrust.com/2018/04/an-aerial-tour-of-an-abandoned-chinese-fishing-village-by-joe-nafis/

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Joe Nafis, ein Photograph und Videokünstler aus Shanghai, war im letzten Jahr mit Dave Tacon dort. Die beiden brauchten etwa 36 Stunden, bis sie im Dorf waren.

Einerseits waren sie zu Fuß unterwegs. Andererseits hatten sie eine Drohne mitgebracht.

Das Video direkt:

Houtouwan - The Lost Village

https://vimeo.com/218583202

Verblüffend ist, daß manche Häuser noch kaum begrünt sind. Anderer dagegen schon so zugewachsen sind, daß man aus der Entfernung per Drohne das Haus nur noch durch die Konturen wahrnimmt.

Bei

Photography: An Aerial Tour of an Abandoned Chinese Fishing Village by Joe Nafis

http://www.thisiscolossal.com/2018/04/abandoned-chinese-fishing-village-by-joe-nafis/

fand sich der Hinweis, daß am Sonntag noch ein paar andere Touristen dagewesen seien. Am Montag dagegen waren die beiden die einzigsten - mit Ausnahme von vielleicht drei oder vier Leuten, die weiterhin dort leben.

Ganz verlassen ist das Dorf also noch nicht.

Dabei gibt es ja sowohl direkt in Berlin als auch hier in der Umgebung diverse verlassene Orte oder zugewachsene Häuser. Seien es die Beelitzer Heilstätten oder der Teufelsberg, bei dem aktuell unklar ist, ob er verfällt oder zu neuem Leben erweckt wird.

Aber so durchgehend und einheitlich "grün werdend" wie dort ist das hier nicht.

Bundesfinanzhof: Wann gilt ein Schreiben vom Finanzamt als zugegangen? Bei privaten Postdienstleistern muss Frage der Zustellung am Montag geklärt werden - X B 61/17

20.04.2018 23:37:17, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Finanzämtern spielen Fristen eine wesentliche Rolle. Besonders gilt das, wenn ein Einspruch abgelehnt und Klage vom Steuerpflichtigen erhoben wird. Dann muß die Klage fristgerecht beim Finanzgericht eingehen. Ansonsten wird die Klage wegen Versäumung der Klagefrist als unzulässig verworfen.

Aber was zählt da? Reicht es aus, wenn das Schreiben des Finanzamtes an den Prozessbevollmächtigten es Steuerpflichtigen geht und dieser das Schreiben mit einem anwaltlichen Eingangsstempel versieht?

In einem jetzt behandelten Fall genügte das dem Finanzgericht nicht. Es wies die Klage ab und ließ keine Revision zu. Daraufhin erhob der Steuerpflichtige Beschwerde beim Bundesfinanzhof. Das führte nun - per Beschluß - zur Aufhebung des Urteils und zur Zurückverweisung.

Dabei spielte es eine wesentliche Rolle, daß das in Berlin-Brandenburg war. Denn zumindest hier in Berlin wird die Post vom Finanzamt von einem privaten Postdienstleister ausgetragen.
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BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.2.2018, X B 61/17 - Anwendung der Zugangsvermutung bei Einschaltung privater Postdienstleister

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=36164&pos=6&anz=37

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Die beiden Leitsätze:

> 1. NV: Lässt das FA die Beförderung von Verwaltungsakten von einem privaten Postdienstleister vornehmen, der kein Universaldienstleister ist und daher nicht an die in § 2 der Post-UniversaldienstleistungsVO genannten Pflichten gebunden ist, darf das FG nicht ohne weitere Sachaufklärung unterstellen, ein solcher privater Postdienstleister liefere auch an Montagen Post aus, obwohl er dazu gesetzlich nicht verpflichtet ist.
>
> 2. NV: Das FA trägt die Feststellungslast sowohl für den Zeitpunkt der Absendung eines Verwaltungsakts als auch für den Zeitpunkt des Zugangs.

Der - einigermaßen unstrittige - grundsätzliche Sachverhalt:

> Die Beteiligten streiten darüber, ob die am 7. April 2015 (Dienstag nach Ostern) beim Finanzgericht (FG) eingegangene Klage gegen die auf den 27. Februar 2015 (Freitag) datierte Einspruchsentscheidung des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt --FA--) fristgerecht erhoben worden ist.

Die Einspruchsentscheidung war auf einen Freitag datiert. Die wurde am Tag davor in den internen Postlauf gegeben und geht - regeltypisch - am Tag darauf zum privaten Postdienstleister.

> Zur Absendung der Einspruchsentscheidung hat das FG --im Wege der Zugrundelegung des entsprechenden Vortrags des FA-- festgestellt, die Sachbearbeiterin habe am 26. Februar 2015 einen Vermerk erstellt, wonach die Einspruchsentscheidung am 27. Februar 2015 zur Post gegeben werde. Die Sendung sei am 26. Februar 2015 in den internen Postlauf des FA gegeben worden. Das Landesverwaltungsamt hole die Postausgänge an jedem Arbeitstag ab, sammle sie und übergebe sie noch am selben Tag dem beauftragten privaten Postdienstleister (P). Dies bedeute "regeltypisch", dass Briefsendungen am Tag ihrer Abholung beim FA dem P übergeben würden.

Nur: Wann kommt das dann an? Die Abgabenordnung nimmt eine Zugangsfiktion nach drei Tagen an. Die Fortsetzung:

> Der Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) hat die Einspruchsentscheidung vorgelegt, auf der sich ein Eingangsstempel der Kanzlei seines Prozessbevollmächtigten vom 3. März 2015 (Dienstag) befindet. Der Prozessbevollmächtigte hat anwaltlich versichert, Eingangsstempel würden in seiner Kanzlei ausnahmslos so angebracht, dass sie das tatsächliche Eingangsdatum auswiesen.

Da denkt man als Laie, daß das Thema nun doch erledigt sei. Stattdessen:

> Das FG hat die Klage wegen Versäumung der Klagefrist als unzulässig verworfen. Zur Begründung hat es ausgeführt, es habe keine Zweifel an dem vom FA vermerkten Absendetag. Demgegenüber sei es dem Kläger nicht gelungen, die gesetzliche Zugangsfiktion zu entkräften. Allein der Eingangsstempel und die anwaltliche Versicherung reichten nicht aus, wenn --wie hier-- weder der Briefumschlag vorgelegt noch die Bearbeitung des Posteingangs in der Kanzlei exakt dargelegt werde.

Das Finanzgericht hat angenommen, daß das Schreiben am Montag, den 02.03.2015 zugegangen sei. Daraus ergibt sich eine Frist zur Einreichung der Klage bis zum 02.04.2015. Nimmt man dagegen das Eingangsdatum 03.03.2015, dann wäre die Klage bis zum 03.04.2015 einzureichen. Das war aber Karfreitag, damit hätte sich die Klageeinreichung bis zum darauffolgenden Dienstag verschieben dürfen. Das war der 07.04.2015, an diesem Tag wurde die Klage tatsächlich eingereicht.

Der Grund für die Aufhebung:

> Das FG hat seine von Amts wegen bestehende Pflicht zur Sachaufklärung verletzt, weil es nicht aufgeklärt hat, ob P an Montagen überhaupt Postsendungen ausliefert.

Das war entscheidungserheblich. Denn:

> Die Frage, ob P an Montagen überhaupt Post ausliefert, war im Streitfall entscheidungserheblich. Denn die Drei-Tages-Frist des § 122 Abs. 2 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) endete im Streitfall am Montag, den 2. März 2015. Die daran geknüpfte Bekanntgabe-Vermutung wäre aber ohne Weiteres entkräftet, wenn der vom FA beauftragte private Postdienstleister an Montagen gar keine Auslieferungen vornimmt. Wäre die Einspruchsentscheidung --wie vom Kläger vorgetragen-- hingegen erst am Folgetag (3. März 2015) zugegangen, wäre die Monatsfrist des § 47 Abs. 1 Satz 1 FGO am 3. April 2015 (Karfreitag) abgelaufen und hätte sich wegen der Feiertage auf den 7. April 2015 (Dienstag nach Ostern) verlängert. In diesem Fall wäre die Klage fristgerecht erhoben worden.

Ferner wurde auf eine etwas merkwürdige Asymmetrie hingewiesen. Das Finanzgericht hatte zugunsten des Finanzamtes akzeptiert, daß dieses nur einen "regeltypischen Verfahrensablauf" vorgebracht habe. Zum konkreten Absendevorgang und Tag wurde nichts vorgebracht. Beim Kläger wurde aber ausdrücklich beanstandet, daß dieser auf den "regelmäßigen Kanzleiablauf" verwiesen habe, nichts aber zum konkreten Fall vorlegen konnte.

Im Zweifelsfall liegt die Beweislast ohnehin beim Finanzamt:

> Zwar ist das FG --auch im zweiten Rechtsgang-- in seiner Beweiswürdigung frei. Es muss dabei aber jedenfalls erkennen lassen, dass ihm die gesetzlichen Regelungen über die Verteilung der Feststellungslast bewusst sind. Hierzu ordnet § 122 Abs. 2 AO an, dass im Zweifel die Behörde den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen hat. Nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung trägt die Finanzverwaltung zudem die Feststellungslast für den Zeitpunkt der Aufgabe eines Verwaltungsaktes zur Post; eine Beweiserleichterung durch einen Anscheinsbeweis kann sie dabei nicht in Anspruch nehmen

Das Finanzamt muß also im Zweifelsfall nachweisen können, wann das Schreiben zugegangen ist.

Als Laie sage ich mir da: Im Zweifelsfall die Klage lieber ein paar Tage früher einreichen, bevor man sich solchen zusätzlichen Risiken aussetzt.

Das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg war vom 15. März 2017 14 K 14062/15. Dagegen wurde am 26.06.2017 Beschwerde eingelegt, über die hatte der Beschluß entschieden. Es ist also damit zu rechnen, daß das nun ein weiteres halbes bis ganzes Jahr dauert, so daß sich die Entscheidung in der eigentlichen Sache um zwei Jahre verschiebt.

Bundesgerichtshof: Werbeblocker AdBlock Plus weder unlauter noch - in Korrektur der OLG-Entscheidung - aggressive geschäftliche Handlung - Springer-Klage abgewiesen - I ZR 154/16

19.04.2018 23:48:30, Jürgen Auer, keine Kommentare

So, da hat es nun kräftig gerappelt. Der Bundesgerichtshof hat sich - nachdem entsprechende Verfahren seit etwa vier Jahren an unterschiedlichen Stellen liefen - nun zum ersten Mal mit dem Thema Adblocker, konkret mit AdBlock Plus beschäftigt.

Geklagt hatte der Axel Springer Verlag. Der hatte bei der Vorinstanz, dem OLG Köln, noch in einem Punkt Recht bekommen. Da war zwar der Adblocker grundsätzlich als zulässig bewertet worden. Aber Whitelisting gegen Geld wurde vom Gericht als "aggressive geschäftliche Handlung" eingeschätzt.

Der Bundesgerichtshof hat aufgrund der AdBlock Plus - Revision das Berufungsurteil aufgehoben, also auch den Punkt gekippt, den das OLG Köln noch als gegeben gesehen hatte.
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Bundesgerichtshof: Angebot des Werbeblockers AdBlock Plus nicht unlauter - Urteil vom 19. April 2018 – I ZR 154/16

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=82856&pos=0&anz=78

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Geklagt hatte der Verlag Axel Springer.

> Die Klägerin, ein Verlag, stellt ihre redaktionellen Inhalte auch auf ihren Internetseiten zur Verfügung. Dieses Angebot finanziert sie durch Werbung, also mit dem Entgelt, das sie von anderen Unternehmen für die Veröffentlichung von Werbung auf diesen Internetseiten erhält.

Beklagter war AdBlock Plus. Es wurde sowohl der Werbeblocker als auch das Whitelisting angegriffen. Letzteres setzt bei hinreichend großen Unternehmen eine Umsatzbeteiligung voraus.

Die Begründung für die - doch sehr eindeutige Entscheidung:

> Das Angebot des Werbeblockers stellt keine gezielte Behinderung im Sinne des § 4 Nr. 4 UWG dar. Eine Verdrängungsabsicht liegt nicht vor. Die Beklagte verfolgt in erster Linie die Beförderung ihres eigenen Wettbewerbs. Sie erzielt Einnahmen, indem sie gegen Entgelt die Möglichkeit der Freischaltung von Werbung durch die Aufnahme in die Whitelist eröffnet. Das Geschäftsmodell der Beklagten setzt demnach die Funktionsfähigkeit der Internetseiten der Klägerin voraus.

Zunächst einmal ist verblüffend, daß das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) überhaupt herangezogen wurde. Immerhin sind Springer und das Unternehmen Eyeo hinter AdBlock Plus keine Konkurrenten, sondern machen sehr verschiedenartige Dinge. Um ein "Verdrängen" ging es auch nicht, eher im Gegenteil. Würde die Werbung komplett unterbleiben, würde ja auch Eyeo nichts mehr über das Whitelisting verdienen.

Dann folgt ein Schlüsselsatz:

> Der Einsatz des Programms liegt in der autonomen Entscheidung der Internetnutzer.

Es sind die Nutzer, die Adblocker - freiwillig - installieren oder nicht installieren.

Ferner wird eine Grenze gezogen:

> Die mittelbare Beeinträchtigung des Angebots der Klägerin ist nicht unlauter. Das Programm unterläuft keine gegen Werbeblocker gerichteten Schutzvorkehrungen des Internetangebots der Klägerin.

Ein Adblocker, der sich von einer Website blockieren läßt, mag zwar ein "schwacher Adblocker" sein. Aber solange der Adblocker solche Schutzvorkehrungen nicht unterläuft, sind Gegenmaßnahmen des Verlags möglich:

> Auch die Abwägung der Interessen der Betroffenen führt nicht zu dem Ergebnis, dass eine unlautere Behinderung der Klägerin vorliegt. Der Klägerin ist auch mit Blick auf das Grundrecht der Pressefreiheit zumutbar, den vom Einsatz des Programms ausgehenden Beeinträchtigung zu begegnen, indem sie die ihr möglichen Abwehrmaßnahmen ergreift. Dazu gehört etwa das Aussperren von Nutzern, die nicht bereit sind, auf den Einsatz des Werbeblockers zu verzichten.

Der Verlag kann die Nutzer rausschmeißen, die nicht auf den Adblocker verzichten möchten.

Für eine "allgemeine Marktbehinderung" gab es auch keine Anzeichen. Da wäre es notwendig gewesen, daß das Geschäftsmodell der Bereitstellung kostenloser Inhalte im Internet durch Werbeblocker zerstört werden würde. Etwas, von dem angesichts des Umsatzwachstums grade auch bei Springer offenbar keine Rede sein kann.

Schließlich der Punkt, den das OLG Köln noch anders gesehen hatte:

> Das Angebot des Werbeblockers stellt auch - anders als das Berufungsgericht angenommen hat - keine aggressive geschäftliche Handlung gemäß § 4a UWG gegenüber Unternehmen dar, die an der Schaltung von Werbung auf den Internetseiten der Klägerin interessiert sind.

Da gäbe es aber von Eyeo her keine unzulässige Beeinflussung:

> Es fehlt an einer unzulässigen Beeinflussung dieser Marktteilnehmer, weil die Beklagte eine ihr durch das technische Mittel des Werbeblockers etwaig zukommende Machtposition jedenfalls nicht in einer Weise ausnutzt, die die Fähigkeit der Marktteilnehmer zu einer informierten Entscheidung wesentlich einschränkt.

Fazit: Die Nutzer installieren Adblocker freiwillig. Damit ist alles, was die Adblock-Anbieter machen, sehr weit davon entfernt, im gesetzlichen Sinne kritisch zu sein.

Laut Heise

BGH: Sieg auf ganzer Linie für Adblock Plus

https://www.heise.de/newsticker/meldung/BGH-Sieg-auf-ganzer-Linie-fuer-Adblock-Plus-4027895.html

wurde der Streitwert auf 2,5 Millionen Euro festgesetzt.

Springer will nun Verfassungsbeschwerde einlegen.

Meines Erachtens nach wird das analog ausgehen. Die Verlage täten gut daran, sich mit Adblockern zu arrangieren. Wenn sogar Google, ein Unternehmen, das von Werbung lebt, von sich her im Chrome-Browser einen Adblocker einbauen will, dann mögen sich doch Verlage mal klarmachen, warum Nutzer Adblocker verwenden.

Ich habe jedenfalls keine Lust, mir auf einer Zeitungsseite einen Virus oder Malware einzuhandeln. Und ich habe auch keine Lust, daß es ständig blinkt, sich hier und da bewegt und erheblich mehr heruntergeladen wird. Als das beim Einsatz eines Adblockers der Fall ist.

Manchmal schalte ich den Adblocker ab und gehe dann auf einige Zeitungsseiten. In der Regel ist der Adblocker dann schnell wieder aktiv.

Zur Arbeit pendeln: Anstieg von 8,7 auf 10,5 Kilometer innerhalb von 14 Jahren - Personen mit hohem Bildungsabschluss pendeln am häufigsten - IAB-Studie

18.04.2018 23:56:37, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer als Angestellter berufstätig ist, der wohnt üblicherweise nur selten "direkt um die Ecke". Folglich muß er irgendwie zur Arbeit kommen. Aber wie hat sich die Gesamtlänge des zurückgelegten Weges in den letzten Jahren entwickelt?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat dazu eine Untersuchung durchgeführt. Dabei den Zeitraum 2000 - 2014 betrachtet.

Mit dem Ergebnis: Die durchschnittliche Entfernung stieg in diesem Zeitraum von 8,7 Kilometern auf 10,5 Kilometer. Das ist ein Zuwachs von 21 Prozent. Besonders betroffen sind Personen mit hohem Bildungsabschluß und komplexen Tätigkeiten.

Allerdings steckt in dieser Durchschnittszahl ein stärkeres Auseinanderdriften drin: Die Zahl der Pendler mit einem Weg bis zu 10 Kilometern ist rückläufig, die Zahl der Pendler mit einem Weg zwischen 10 und 50 Kilometern stieg an.
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Klarer Trend zu längeren Pendeldistanzen

http://www.iab.de/de/informationsservice/presse/presseinformationen/kb1018.aspx

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Die Verteilung auf die verschiedenen Berufsabschlüsse:

Personen ohne Berufsabschluß pendeln nur 8,8 Kilometer. Personen mit Berufsabschluß (ohne Hochschulabschlüsse) pendeln 10,5 Kilometer, liegen also genau im Durchschnitt.

Personen mit Hochschulabschlüssen pendeln dagegen 14,5 Kilometer, also deutlich drüber. Allerdings lag bei den beiden anderen Gruppen der Anstieg von 2000 - 2014 mit 22 Prozent (ohne Berufsabschluß) und 18 Prozent (mit Berufsabschluß) höher als bei den Personen mit Hochschulabschluß, bei denen das nur 7 Prozent wuchs.

Ein Grund für das Ansteigen: Es wird nicht nur vom Land in die Stadt, sondern auch stärker zwischen Städten gependelt.

Bei den einfachen Tätigkeiten liegt die Pendeldistanz bei 9,2 Kilometern. Bei qualifizierten Tätigkeiten sind das 10,9 Kilometer. Bei Ingenieuren gibt es den Spitzenwert von 18 Kilometern.

Auffällig ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen: Männer pendeln im Schnitt 12,5 Kilometer, Frauen 8,8 Kilometer.

Den Kurzbericht gibt es als 12-seitiges PDF:

Berufliches Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort: Klarer Trend zu längeren Pendeldistanzen

http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb1018.pdf

Zusätzlich wurden drei Regionen verglichen: Berlin, München und die Rhein-Ruhr-Region um Düsseldorf, Essen und Dortmund. In letzterer sind die Pendeldistanzen deutlich kürzer als in Berlin und München.

Die Abbildung 3 im PDF nennt die genauere Entwicklung bei fünf Entfernungsklassen:

So pendelten im Jahr 2000 35 Prozent bis maximal 5 Kilometer, das ging auf 30 Prozent zurück (Jahr 2014).

Zwischen 5 und 10 Kilometer pendelten 2000 20 Prozent, das sank leicht auf 19 Prozent.

Der Bereich 10 - 15 Kilometer blieb mit 13 Prozent der Beschäftigten konstant, der Bereich der 15 - 20 Kilometer stieg leicht von 8 auf 9 Prozent an.

Den stärksten Zuwachs gab es im Bereich von mehr als 20 Kilometern. Da stieg die Quote von 24 Prozent auf 30 Prozent.

Ferner steigt die Pendelstrecke mit der Betriebsgröße an.

> Die meisten Personen (51 %) pendeln von einen Wohn- in einen Arbeitsort innerhalb von städtischen Regionen. 24 Prozent pendeln zwischen ländlichen Regionen sowie 18 Prozent vom Land in die Stadt.

Die Land-Stadt-Pendler sind also nicht die Mehrzahl der Pendler.

Die Datenerhebung beruht darauf, daß Informationen zum Wohn- und zum Beschäftigungsort genutzt wurden. So daß die tatsächliche Entfernung berücksichtigt werden konnte. Seite 9 des PDF zeigt, wie deutlich sich die Pendlerstruktur zwischen Berlin + München einerseits und dem Ruhrgebiet andererseits unterscheidet. Betrachtet wurden 1x1-Kilometer-Würfel, die entsprechend der Pendlerlänge eingefärbt wurden.

In Berlin und München ist der Innenstadtbereich hell- oder sogar dunkelblau. Hellblau = eine Pendeldistanz von 5 - 10 Kilometern. Drumherum gibt es einen gelben Ring mit einer Pendeldistanz von 10 - 15 Kilometern. Dann folgen orangene (15 - 20 Kilometer) und rote Flächen (über 20 Kilometer).

Das Ruhrgebiet ist dagegen größtenteils hellblau eingefärbt, mit wenigen gelben Bereichen. Rote Punkte gibt es nur sehr selten.

Man könnte auch sagen: In einer "verstädterten Landschaft" wie im Ruhrgebiet gibt es einerseits hinreichend viele Arbeitsmöglichkeiten. Andererseits immer wieder Möglichkeiten für "nicht zu teure Wohnungen". So daß Leute umziehen, falls ihnen der Arbeitsweg zu weit wird. In einer Gegend, die stark auf ein Zentrum ausgerichtet ist, fehlt im Zentrum der Platz. Die Wohnungen werden zu teuer, die Leute suchen sich günstigere Wohnungen außerhalb. Aber damit steigt der Zeitaufwand fürs Pendeln.

The Vertical Village - die vertikale Stadt für Rosny-sous-Bois östlich von Paris - 120 Meter lange und bis zu 50 Meter hohe Holzkonstruktion von Sou Fujimoto, Nicolas Laisné und Dimitri Roussel

17.04.2018 23:47:25, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das Konzept der "vertikalen Stadt", bei dem ein Gebäude sowohl öffentliche Räume, etwa Sportanlagen als auch Büros und Wohnungen übereinandergestapelt auf einem Grundstück vereint, taucht inzwischen in verschiedenen Varianten in unterschiedlichen Großstädten auf. So soll hier in Berlin ein Hochhaus, das früher von der Postbank genutzt wurde, entsprechend umgestaltet werden.

Im Großraum Paris gibt es einen Wettbewerb Inventons la métropole du Grand Paris, bei dem es das Ziel ist, verschiedene Standorte im Großraum Paris neu zu gestalten.

Der Entwurf für Rosny-sous-Bois, einer Stadt etwa 10 km östlich von Paris, hat den Wettbewerb gewonnen. Er stammt von dem japanischen Architekten Sou Fujimoto und den beiden französischen Architekten Nicolas Laisné und Dimitri Roussel.

Insgesamt sollen das 28.200 Quadratmeter werden. Davon entfallen 17.000 Quadratmeter auf Wohnungen inklusive 5.000 Quadratmeter für Sozialwohnungen. Dazu kommen 5.300 Quadratmeter Büroraum. Damit stehen 5.900 Quadratmeter für andere Zwecke zur Verfügung.
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sou fujimoto, nicolas laisné, and dimitri roussel to build a vertical village in paris

https://www.designboom.com/architecture/sou-fujimoto-nicolas-laisne-dimitri-roussel-vertical-village-paris-04-17-2018/

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Die "weitere Nutzung": Restaurants, eine Kindertagesstätte, ein "Family Office", Community-Räume, eine Bar auf dem Dach und einige Möglichkeiten für Sport, darunter ein Hallenfußballplatz und eine Kletterwand.

Die Struktur fängt im Süden an und ist dort eher flach, knüpft damit an die dortige Umgebung an. Und wird zum Norden hin höher, bei einer Maximalhöhe von etwa 50 Metern. Das soll als neuer Eingangspunkt für Rosny-sous-Bois wirken. So daß das neue Haus die beiden Umgebungen - dörflicher im Süden, städtischer im Norden - miteinander verknüpft.

Bei den Bildern fällt auf, daß es manche Ebenen gibt, die über zwei Stockwerke gehen. Etwa der Indoor-Fußballplatz. Direkt daneben, nur durch etagenhohe Glasscheiben getrennt, setzt sich das Gebäude aber einstöckig fort. So daß es für Zuschauer zwei Ebenen gibt.

Ferner sind an den Außenseiten und auf den Dächern diverse senkrechte Stäbe montiert. Diese tragen auf den Dächern wohl Solaranlagen und verleihen dem ganzen Gebäude eine Art "Luftigkeit nach oben".

Am Ende des Beitrags findet sich ein Querschnittsbild mit der geplanten Nutzung: Demnach scheint der Sportblock aus drei übereinanderliegenden, jeweils zwei Stockwerke umfassenden Hallen zu bestehen. Drüber geht es dann eingeschossig weiter. Der niedrigere Teil südlich davon ist für Wohnzwecke gedacht. Der nördlichere Teil bietet im Sockel (Erdgeschoss und erste Etage) Platz für Läden und Restaurants. Es folgen 4 Stockwerke mit Büros, drüber neun Etagen mit Wohnungen, so daß die obersten Wohnungen in der 14. Etage sind. Die Skybar setzt nochmals ein paar Stockwerke drauf.

Ferner gibt es diverse äußere Balkone, die mit Bäumen begrünt werden sollen.

Das Gebäude ist am Fuß relativ breit und verjüngt sich auf der einen Längsseite nach oben hin. Damit gibt es bei jeder Verjüngung außen Platz für Bäume.

Ähnliches gilt für die Dachflächen. Da das kein monolithischer Block ist, sondern im Süden langsam ansteigt, dann wieder stark abfällt und erneut ansteigt, ist das wie ein kleines Gebirge mit insgesamt drei Berggipfeln. Und dementsprechend viel Platz für weitere Bepflanzungen.

Mal sehen, wie das nach der Fertigstellung aussehen wird. Bei Archdaily

Sou Fujimoto, Nicolas Laisné and Dimitri Roussel to Build 28,000 sqm "Village Vertical" in Grand Paris

https://www.archdaily.com/892748/sou-fujimoto-nicolas-laisne-and-dimitri-roussel-to-build-28000-sqm-village-vertical-in-grand-paris

gibt es einen Hinweis zu den Dimensionen dieses Vorhabens:

> As a part of the project, Inventons la Métropole du Grand Paris has held competitions to rejuvenate 112 sites across 75 municipalities, of which Rosny-sous-Bois is site number 93.

112 Orte, die im Großraum Paris neu gestaltet werden sollen. Ein "ziemlich umfangreiches Vorhaben". Die Website

Inventons la métropole du Grand Paris

http://www.inventonslametropoledugrandparis.fr/

listet allerdings noch nichts zu den Entwürfen.

Neue Zink-Wasser-Batterie - ähnlich leistungsfähig wie Lithium-Ionen-Batterie, aber nicht feuergefährlich - Forschungen an der University of Maryland

16.04.2018 23:48:09, Jürgen Auer, keine Kommentare

Batterien und Akkus sind aus vielen Bereichen kaum mehr wegzudenken. Klein und leistungsfähig sollten sie sein. Dominierend ist derzeit die Lithium-Ionen-Batterie.

Nur: Diese Technik hat einen Nachteil: Beim Überladen und beim Tiefentladen kann es zu Bränden kommen. Lithium ist selbst bereits brennbar, so daß ein "Löschen" mit Wasser fatal wäre.

Forscher der University of Maryland haben es nun geschafft, aus Zink und Wasser eine Batterie zu bauen, die es mit Lithium-Ionen-Batterien aufnehmen kann. Und die nicht brennbar ist.
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UMD scientists invent new water-based battery that won’t catch fire

https://inhabitat.com/umd-scientists-invent-new-water-based-battery-that-wont-catch-fire/

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> The team utilized elements of older zinc battery technology with novel water-in-salt electrolytes to create a battery that is not prone to catching fire.

Fei Wang, einer der beteiligten Forscher:

> “Water-based batteries could be crucial to preventing fires in electronics, but their energy storage and capacity have been limited – until now,”

Wasserbasierende Batterien seien entscheidend, um Feuer in elektronischen Bauteilen zu vermeiden, aber die Energiespeicherung und die Kapazität seien bislang limitiert gewesen.

> “For the first time, we have a battery that could compete with the lithium-ion batteries in energy density, but without the risk of explosion or fire.”

Nun gäbe es zum ersten Mal eine Batterie, die mit Lithium-Ionen-Batterien konkurrieren könne - aber ohne das Risiko einer Explosion oder eines Feuers.

Eine der neuen Fähigkeiten dieser Batterie gegenüber herkömmlichen besteht darin, daß die bisherige Unabänderlichkeit der nachlassenden Spannung und der Kapazität bei längerem Gebrauch aufgehoben sei. Das würde die Batterie auch für extreme Einsätze interessant machen - etwa im im tiefen Ozean oder im Weltall.

Der Co-Autor Chunsheng Wang:

> “Existing zinc batteries are safe and relatively inexpensive to produce, but they aren’t perfect due to poor cycle life and low energy density,”

Traditionelle Zinkbatterien seien sicher und vergleichsweise günstig herzustellen. Aber sie hätten eine geringe Energiedichte und einen schlechten Lebenszyklus.

> “We overcome these challenges by using a water-in-salt electrolyte.”

Das sei mit einem neuen "water in salt" - Elektrolyt überwunden worden.

Ein paar mehr Details gibt es in dem Bericht bei Techxplore:
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Higher-energy, safer, longer-lasting zinc battery: Researchers revive old chemistry with new electrolyte

https://techxplore.com/news/2018-04-higher-energy-safer-longer-lasting-zinc-battery.html

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> Further, in this collaborative effort, the researchers identified the fundamental reason causing irreversibility in zinc batteries - a phenomenon observed in rechargeable battery usage where the amount of charge a battery can deliver at the rated voltage decreases with use - and found a novel solution to it.

Demnach wurde die zentrale Schwäche bisheriger Zinkbatterien geknackt. Eine hoch konzentrierte Salzlösung als Elektrolyt ist entscheidend:

> "Because most water molecules in the new electrolyte are strongly bonded by the highly concentrated salt, the water in the aqueous zinc battery's electrolyte will not evaporate in an open cell. This advance revolutionizes zinc-air batteries, which are powered by oxidizing zinc with oxygen from the air, such as those used in energy grid storage"

Diese bindet die meisten Wassermoleküle so stark, daß das Wasser nicht verdampft. Das revolutioniert Zink-Luft-Batterien.

Das hört sich interessant an. Mal sehen, ob es diese neue Batterie bis zur Marktreife schafft.

Bundesfinanzhof: Selbst getragene Krankheitskosten lassen sich nicht beim Sonderausgabenabzug berücksichtigen - X R 3/16

15.04.2018 23:51:06, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer privat krankenversichert ist, der kann in manchen Fällen wählen, ob er die Krankheitskosten selbst trägt und damit eine Beitragserstattung bekommt. Oder ob er sich die Krankheitskosten von seiner Krankenversicherung erstatten läßt, damit aber auch auf eine Beitragserstattung verzichten muß.

Die Beiträge wiederum lassen sich bei der Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben berücksichtigen. Sie sind jedoch um erhaltene Beitragserstattungen zu kürzen.

Ein privat Krankenversicherter kam nun auf die Idee, die selbst gezahlten Krankheitskosten wieder bei den Sonderausgaben draufzuschlagen. Mit der Begründung, daß es üblich sei, Einnahmen und Ausgaben gegeneinander aufzurechnen, so daß nur der Überschuß der Besteuerung unterliege.

Finanzamt und Finanzgericht hatten eine solche Berücksichtigung der selbst gezahlten Krankheitskosten abgelehnt. Der Bundesfinanzhof hat diese Position nun bestätigt.
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Selbst getragene Krankheitskosten können nicht beim Sonderausgabenabzug berücksichtigt werden - Urteil vom 29.11.2017 X R 3/16

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=36092&pos=0&anz=19

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Der Hauptsatz:

> Trägt ein privat krankenversicherter Steuerpflichtiger seine Krankheitskosten selbst, um dadurch die Voraussetzungen für eine Beitragserstattung zu schaffen, können diese Kosten nicht als Beiträge zu einer Versicherung i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a des Einkommensteuergesetzes (EStG) steuerlich abgezogen werden. Mit dem Urteil vom 29. November 2017 X R 3/16 führte der Bundesfinanzhof (BFH) seine Rechtsprechung zur insoweit vergleichbaren Kostentragung bei einem sog. Selbstbehalt fort.

Abziehbar sind nur "Beiträge zu einer Versicherung". Krankheitskosten sind keine Versicherungsbeiträge.

Im Urteil

BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.11.2017, X R 3/16 - ECLI:DE:BFH:2017:U.291117.XR3.16.0

Selbst getragene Krankheitskosten können nicht im Rahmen des Sonderausgabenabzugs für Krankenversicherungsbeiträge berücksichtigt werden - Ermittlung der zumutbaren Belastung

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=19&pos=0&nr=36101&linked=urt

fanden sich die genauen Zahlen:

> Der Kläger und Revisionskläger (Kläger) wurde im Streitjahr 2013 zusammen mit seiner --nicht am vorliegenden Verfahren beteiligten-- Ehefrau zur Einkommensteuer veranlagt. Beide Ehegatten sind privat krankenversichert. Zur Erlangung ihres Basisversicherungsschutzes gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a Satz 3 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (EStG) hatten sie Beiträge in Höhe von 1.794 EUR bzw. 1.593 EUR zu entrichten. Gleichzeitig erhielten die Ehegatten im Streitjahr eine Beitragserstattung in Höhe von 597,79 EUR bzw. 482,65 EUR.

Der Ehemann hatte eine Erstattung von 597,79. Dem standen höhere Krankheitskosten

> Zur Ermittlung der als Sonderausgaben abziehbaren Krankenversicherungsbeiträge kürzte der Kläger die gezahlten Beiträge um die erhaltenen Beitragserstattungen, rechnete aber Krankheitskosten in Höhe von 634,53 EUR gegen. Diese hatte er selbst getragen, um die Erstattung der Krankenversicherungsbeiträge zu erlangen.

von 634,53 Euro entgegen. Wirtschaftlich wäre es für den Kläger also "vernünftiger" gewesen, wenn er die Krankheitskosten nicht selbst gezahlt und dafür die Beitragserstattung nicht erhalten hätte.

Die Begründung des BFH (erster Link): Nur Beiträge, die der Vorsorge dienen, sind abziehbar.

> Es könnten nur die Ausgaben als Beiträge zu Krankenversicherungen abziehbar sein, die im Zusammenhang mit der Erlangung des Versicherungsschutzes stünden und letztlich der Vorsorge dienten. Daher hatte der BFH bereits entschieden, dass Zahlungen aufgrund von Selbst- bzw. Eigenbeteiligungen an entstehenden Kosten keine Beiträge zu einer Versicherung sind (z.B. Urteil vom 1. Juni 2016 X R 43/14, BFHE 254, 536, BStBl II 2017, 55).

In dem obigen Fall hatte der Versicherte zwar zusätzlich ein Wahlrecht: Krankheitskosten selbst tragen und Beitragserstattung bekommen oder die Krankheitskosten bezahlen lassen und auf die Beitragserstattung verzichten. Aber den Versicherungsschutz hat der Versicherte bereits. Der entfällt auch nicht deshalb, weil er sich für eine der Varianten entscheidet.

Die Anerkennung als außergewöhnliche Belastung entfiel ohnehin, weil die genannten 634,53 Euro im Rahmen der zumutbaren Eigenbelastung lagen. Die lag laut Urteil bei 1.849 Euro, da waren die 634,53 Euro weit weg.

Fazit: Die Anrechnung von Versicherungsbeiträgen als Sonderausgaben geht nicht nach der Logik einer Einnahmen-Überschußrechnung.