Kammergericht Berlin: Mailadresse im Impressum darf kein toter Briefkasten sein, der nur auf Hilfe und Kontaktformular verweist - Bestätigung Urteil gegen Google - 23 U 124/14

24.04.2018 23:53:23, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man eine Website betreibt, dann muß im Impressum eine Mailadresse angegeben werden. Muß auf Nachrichten an diese Mailadresse aktiv reagiert werden?

Oder genügt es, wenn Reaktionen auf eingehende Mails automatisch versandt werden und auf die Hilfe bzw. auf das Kontaktformular mit diversen Rubriken verweisen?

In letzterem Sinne hatte Google den eigenen Internetauftritt gestaltet. War deshalb vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) verklagt worden.

Das Kammergericht Berlin hat nun das vorausgehende LG-Urteil bestätigt, wie nun per Pressemitteilung der vzbv bekannt wurde.
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Google muss Kommunikation per E-Mail ermöglichen

https://www.vzbv.de/pressemitteilung/google-muss-kommunikation-e-mail-ermoeglichen

Das eingescannte Urteil: Google - Kammergericht - Urteil vom 23.11.2017 - Az. 23 U 124/14 | nicht rechtskräftig

https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2018/04/24/180424_google_kg_u_12842-8_kontaktaufnahme_email.pdf

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Das vorausgehende LG-Urteil war vom 28.08.2014. Revision wurde zugelassen.

Die wesentlichen Punkte aus der PM:

> Online-Anbieter müssen im Impressum E-Mail-Adresse für schnellen und unkomplizierten Kontakt mit dem Unternehmen angeben.
> Verstoß gegen das Telemediengesetz: Google nimmt den Inhalt von Kunden-E-Mails nicht zur Kenntnis.
> Automatisch erzeugte Standardantwort mit Hinweis auf Online-Hilfen und Kontaktformulare reicht nicht aus.

Google hatte zwar eine Mailadresse im Impressum angegeben. Allerdings:

> Die von Google im Impressum genannte Adresse entpuppte sich allerdings als „toter Briefkasten“. Kunden, die eine E-Mail an support.de@google.com schickten, bekamen eine automatisch generierte Antwort mit dem Hinweis: „Bitte beachten Sie, dass aufgrund der Vielzahl von Anfragen E-Mails, die unter dieser E-Mail-Adresse eingehen, nicht gelesen und zur Kenntnis genommen werden können.“ Google verwies in der Antwort-Mail vor allem auf seine Hilfeseiten, über die „gegebenenfalls“ auch Kontaktformulare erreichbar seien.

Die gerichtliche Feststellung: Eine Mailadresse, bei der schon im Vorfeld erklärt wird, daß die geschickte Anfrage nicht gelesen und zur Kenntnis genommen wird, ermöglicht keine individuelle Kommunikation. Stattdessen werde die Kommunikation verweigert, was offenkundig nicht Zweck des Gesetzes sei. Auch ein Standardschreiben, das alle möglichen Fälle berücksichtigt, würde das Kommunikationsanliegen des Kunden im Endeffekt nur zurückweisen und sei damit unzureichend.

Heiko Dünkel, Rechtsreferent beim vzbv:

> „Eine E-Mail an die im Impressum genannte Adresse zu schreiben, ist einfach und schnell“, so Dünkel. „Kontaktformulare sind auf den Internetseiten dagegen oft schwer zu finden. Nutzer müssen sich in der Regel erst zum Formular durchklicken – wenn es denn für ihr jeweiliges Anliegen überhaupt eines gibt.“

Laut Urteil hatte Google in der Begründung der Berufung ausdrücklich darauf verwiesen, daß das Impressum ausdrücklich von der Medienanstalt Hamburg/Schleswig Holstein gebilligt worden sei.

Das Kammergericht hatte sich einer Entscheidung des OLG Koblenz vom 01.07.2015 angeschlossen (9 U 1339/14). Da war formuliert worden, daß das Gesetz nicht verlangt, daß jede Postnachricht beantwortet wird. Ebenso müsse nicht auf jede Mail reagiert werden, es gibt keine gesetzlich vorgeschriebenen Prüfpflichten.

Da ging es um ein Urteil gegen 1&1:

1&1 muss die unmittelbare Kommunikation per E-Mail ermöglichen - Oberlandesgericht Koblenz - Urteil v. 01.07.2015 - Az.: 9 U 1339/14

http://www.online-und-recht.de/urteile/1-und1-muss-die-unmittelbare-Kommunikation-per-E-Mail-ermoeglichen-Oberlandesgericht-Koblenz-20150701/

> Entscheidend ist, dass die E-Mail-Adresse die Kontaktaufnahme mit dem Anbieter auf diesem Weg ermöglicht und der Anbieter seine Erreichbarkeit nicht einschränkt, indem er etwa von vornherein durch Regeln zur Behandlung der E-Mail ausschließt, dass eingehende Mails zur Kenntnis genommen werden oder die Kommunikationsmöglichkeiten der Kunden auf bestimmte Fragen inhaltlich eingeschränkt, oder dem Kunden nur anderweitige Möglichkeiten der Kommunikation mitgeteilt werden.
>
> Eine solche unzulässige Einschränkung der Kommunikation stellt es auch dar, wenn das System so angelegt ist, dass auf Kundenanfragen ausschließlich mit einem für alle Fälle von Anfragen vorformulierten Standardschreiben reagiert wird. Denn bei einer solchen Reaktion handelt es sich nicht um eine individuelle Antwort, sondern letztlich nur um ein generelles Zurückweisen des Kommunikationsanliegens des Kunden.

Das Kammergericht hatte in seiner Urteilsbegründung diese Begründung explizit zitiert.

Ferner hatte das LG Berlin einen interessanten Gedanken formuliert: Ein Dienstleister könnte den automatisiert verschickten Text auch direkt im Impressum notieren und auf die Angabe einer Mailadresse verzichten. Dann wäre das Impressum offenkundig ungenügend. Die Zwischenschaltung einer Pro-Forma-Mail, die diesen Text verschickt, ist dann auch ungenügend.

Auch der Einwand, daß eine Bearbeitung auf anderem Wege besser sei, zählt nicht. Die Beklagte

> kann sich nicht als Ersatzgesetzgeber gerieren und unter Hinweis auf Sinn und Zweck der Vorschrift eine zwingend vorgeschriebene Angabe durch eine ihr geeigneter erscheinende Angabe ersetzen.

Ferner ist die Genehmigung durch die Medienanstalt Hamburg/Schleswig Holstein irrelevant. Es müßte wenigstens ein Verwaltungsakt sein, der von der zuständigen Behörde erlassen worden wäre. Das wäre aber der Medienrat der Anstalt gewesen, nicht der Direktor. Die Mitteilung würde nur besagen, daß die Medienanstalt Hamburg/Schleswig Holstein das Verfahren von Google nicht als Ordnungswidrigkeit einschätzen würde.

Inhaltlich war das Urteil zu erwarten. Gegen das OLG-Urteil hatte 1&1 wohl keine Revision eingelegt, wobei sich im Urteil kein Hinweis fand, ob Revision zugelassen worden war. Da ging es um die Zahlung von 214,00 €. Bei einem zu niedrigen Streitwert kann das der Grund sein, weshalb keine Revision zugelassen wird.

Bei dem jetzt vom KG Berlin entschiedenen Berliner Verfahren

LG Berlin: Muss Google Support-E-Mails lesen? Urteil vom 28.08.2014, Az. 52 O 135/13

http://www.damm-legal.de/lg-berlin-muss-google-support-e-mails-lesen

ging es dagegen um einen Unterlassungsanspruch:

> Die Beklagte wird verurteilt, es bei Vermeidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 250.000,00 €, ersatzweise Ordnungshaft bis zu 6 Monaten oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten, diese zu vollstrecken am Vorstand, zu unterlassen,
>
> im Rahmen geschäftlicher Handlungen gegenüber Verbrauchern auf der Internetseite unter der Adresse www.google.de nur eine solche E-Mail-Adresse anzugeben, bei der die an diese Adresse gerichteten E-Mails ausschließlich mit E-Mails wie der hier wiedergegebenen beantwortet werden:
>
> „Dieses ist eine automatisch generierte E-Mail, Antworten auf diese E-Mail sind aus technischen Gruenden nicht moegllch.

Da ist die automatisierte Antwortmail auch abgedruckt. Ferner eine Verurteilung zur Zahlung von 200 Euro nebst Zinsen.

Da fehlt zwar auch ein Hinweis auf den festgesetzten Streitwert. Allerdings:

> Das Urteil ist hinsichtlich des Unterlassungsanspruchs gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 200.000,00 € vorläufig vollstreckbar, im übrigen gegen Sicherheitsleistung in Höhe des jeweils beizutreibenden Betrages zzgl.10 % vorläufig vollstreckbar.

Demnach dürfte der Streitwert in diesem Verfahren so hoch gewesen sein, daß zumindest ein zu niedriger Streitwert nicht die Revision verhindert hat. Allerdings hat das Kammergericht das Urteil für sofort vollstreckbar erklärt - ohne eine Sicherheitsleistung zu fordern.

Mal sehen, ob Google Revision einlegt, so daß es zu einer Entscheidung vom Bundesgerichtshof kommt.

Mehr als die Hälfte aller per https erreichbaren Websites nutzen Zertifikate von Letsencrypt - Comodo mit knapp 15 Prozent dahinter weit abgeschlagen - Netstat-Statistik

23.04.2018 23:55:32, Jürgen Auer, keine Kommentare
Bildschirmphoto aus dem verlinkten Beitrag.

Ende 2015 startete Letsencrypt eine Dienstleistung, die das Internet nun doch nachhaltig verändern dürfte. Letsencrypt bietet kostenlose Zertifikate und entwickelte eine Logik, über die sich Zertifikate automatisch beantragen und bestätigen ließen. Dies ist inzwischen als ACME-Protokoll standardisiert.

Die Kosten für Zertifikate waren nicht mal so das Problem. Aber es war bis dahin immer notwenig, eine Zertifikatsanforderung quasi manuell zu beantragen, sie zur Zertifizierungsstelle zu übertragen, die eigene Hoheit über die Website zu bestätigen, das Zertifikat per Mail zu erhalten und es einzubauen und zu aktivieren.

So umständlich, wie sich das liest, ist das auch. Mit der Folge, daß das für Massenhoster undenkbar war. Und mit der zweiten Folge, daß bsp. ich es bevorzugte, Zertifikate für mehrere Jahre zu beantragen und zu installieren. Um das nicht ständig machen zu müssen.

Per ACME läßt sich das automatisieren. Letsencrypt bietet dafür die Infrastruktur an - plus kostenlose Zertifikate. Nun hat Netstat eine Statistik erstellt. Darin wurden alle Websites, die SSL nutzen, daraufhin überprüft, welches Unternehmen das Zertifikat ausgestellt hat.

Das Ergebnis: Mehr als 50 Prozent aller Zertifikate sind inzwischen von Letsencrypt ausgestellt. Die grüne, aufstrebende Linie in der Vorschaugrafik: Das ist der Anteil von Letsencrypt.
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SSL Issuer Popularity

https://nettrack.info/ssl_certificate_issuers.html

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Im Mai 2016 nutzen 4,87 % aller Websites ein Letsencrypt-Zertifikat. Comodo hatte etwa 25 %, Geotrust etwa 20 %, GoDaddy etwa 13 %.

Nun, im April 2018: Letsencrypt liegt bei mehr als 51 %. Comodo bei knapp 15 %, GeoTrust bei 5,5 % und GoDaddy bei etwa 6 %.

Daraus geht zwar nicht hervor, wieviele der neuen Letsencrypt-nutzenden Websites Wechsler von anderen Zertifikatsanbietern und wieviele davon neue https-Websites sind.

Wirft man aber einen Blick in den Google-Bericht zu https:

HTTPS encryption on the web

https://transparencyreport.google.com/https/overview?hl=en

Dann steigt der Anteil des https-Traffics schrittweise an.

Verblüffend ist allerdings diese Grafik bei Netstat zur Frage, ob eine Website https erzwingt:

HTTPS Usage

https://nettrack.info/https_usage_statistics.html

Da wird eine unverschlüsselte Anfrage an den Webserver geschickt und geprüft, ob die Seite ausgeliefert oder per Http-Status 301 auf die https-Version weitergeleitet wird.

Das stieg zwar von etwa 10 Prozent im Mai 2016 auf 28,6 % im Januar 2018 an. Seither stagniert das aber.

Leider fehlt bei Netstat eine Statistik zum Verhältnis http - https.

Es wäre aber auch denkbar, daß es viele Websites gibt, die nun erstmalig https einsetzen. Da es sich aber um Massenhoster handelt, würde https vom Webserver her nicht erzwungen.

Wer mehr zu Letsencrypt wissen möchte:

https://letsencrypt.org/

Server-Daten läuft aktuell noch mit einem gekauften Sternzertifikat. Aber das wird wohl über kurz oder lang auch per Letsencrypt beantragt werden.

Wenn Chrome ab der Version 68 vor unverschlüsselten Websites warnen wird, dann ist zu erwarten, daß sich noch mehr Website-Betreiber überlegen werden, endgültig zu wechseln. Massenhoster bieten bereits jetzt teilweise Verschlüsselung per Letsencrypt kostenlos an. So daß wahrscheinlich über kurz oder lang die meisten Websites, denen eine Domainvalidierung genügt, per Letsencrypt Zertifikate verwalten dürften.

Das bislang einträgliche Geschäft mit Zertifikaten dürfte damit größtenteils tot sein.

Wie reagiert ein Künstler, wenn ihm ein Unternehmen Zeichnungen klaut? Adam Ellis schlägt ColdStone per Twitter eine Spende für Inner City Arts in Los Angeles vor

22.04.2018 23:53:25, Jürgen Auer, keine Kommentare

Was macht man, wenn man als Künstler Zeichnungen im Stile von Comics bzw. Bildergeschichten in einen persönlichen Stil anfertigt und diese - ohne Genehmigung - von einem Unternehmen für eigene Zwecke genutzt werden?

In Deutschland könnte der Künstler - mit einem geringen Kostenrisiko - eine Abmahnung und Unterlassungsaufforderung verschicken. In anderen Ländern gibt es diese vorgerichtliche Variante nicht. Da bliebe nur eine Klage mit einem deutlich höheren Kostenrisiko. Noch schwieriger wird das, wenn der Künstler in den USA, das Unternehmen aber in Indien beheimatet ist.

Adam Ellis, der davor bei BuzzFeed gearbeitet und sich selbständig gemacht hatte, wählte einen anderen Weg: Er forderte das Unternehmen ColdStone, das seine gezeichneten Figuren nutzte, per Twitter zu einer Spende auf.
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After Ice Cream Company Stole This Artist’s Work, He Came Up With An Idea They Didn’t Expect

https://www.boredpanda.com/stolen-traced-art-charity-coldstone-adam-ellis-adamtots/

Der Tweet:

https://twitter.com/moby_dickhead/status/984531039862353920

> Hi @ColdStone @ColdstoneIndia, it appears you stole and traced a bunch of my art for a large campaign. Normally I'd send an invoice to license my work, but in this case I'm asking you to make a donation to Inner City Arts to help underserved kids. Thanks. http://www.inner-cityarts.org

ColdStone ist ein Unternehmen in Indien, das Eis herstellt und diverse Filialen betreibt. Der Tweet zeigt die Bilder: Photos, in die gezeichnete Figuren hineinmontiert wurden. Das wurde wohl auf Instagram gepostet.

Sein Vorschlag: Für eine Einrichtung in Los Angeles spenden, die es Kindern ermöglicht, ihre Kreativität zu entwickeln.

Der in dem einen Instagram-Eintrag sichtbare Link http://bit.ly/ColdStoneUnlimited führt zur Facebook-Seite des Unternehmens.

Inzwischen findet man auch auf den Instagram-Accounts des Unternehmens keines dieser Photos.

Das Ergebnis: Das Unternehmen spendete 10.000 Dollar an Inner City Arts.

https://twitter.com/moby_dickhead/status/986691749715369986

> Coldstone has donated $10,000 to Inner City Arts. I'm glad they did the right thing!

Auf Twitter gab es zwar Einwände, daß dies der falsche Weg sei.

Aber er wendete ein: Unternehmen würden ihn ignorieren, wenn er Rechnungen schicken würde. Öffentlich eine Spende vorzuschlagen würde den Unternehmen Druck produzieren. Etwas, das eine Rechnung nie schaffen würde. Und: Es habe funktioniert.

So haben die Kinder in Los Angeles etwas davon.

Interessant dabei ist, daß es das Internet einerseits ermöglicht, daß Unternehmen leichter solche Zeichnungen von den Urhebern klauen. Andererseits gibt es damit für die betroffenen Urheber auch die Möglichkeit, das öffentlich zu machen. Und so womöglich weitaus mehr zu erreichen als das, was über den Rechtsweg möglich gewesen wäre.

Houtouwan - ein verlassenes Fischerdorf auf der chinesischen Insel Shengshan, direkt vor Shanghai - Aufnahmen und ein Video von Joe Nafis

21.04.2018 23:55:08, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hier in Berlin in der Großstadt mag man sich das ja immer gar nicht so richtig vorstellen. Daß es in Dörfern immer weniger Menschen gibt, bis schließlich niemand mehr da ist. Und die Dörfer sich selbst überlassen werden, so daß irgendwann die Natur beginnt, die Häuser wieder zu erobern.

Besonders eindrücklich ist das in Houtouwan: Ein Fischerdorf auf der chinesischen Insel Shengshan, die direkt vor der Metropole Shanghai liegt.

In den 1990ern waren die großen Fischerschiffe von Shanghai so dominierend, daß sich der Fischfang für die Dorfbewohner nicht mehr lohnte. Sie zogen weg, um anderswo neue Arbeit zu finden.

Nun wird das Dorf nur noch von Touristen besucht.
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An Aerial Tour Of An Abandoned Chinese Fishing Village By Joe Nafis

https://designyoutrust.com/2018/04/an-aerial-tour-of-an-abandoned-chinese-fishing-village-by-joe-nafis/

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Joe Nafis, ein Photograph und Videokünstler aus Shanghai, war im letzten Jahr mit Dave Tacon dort. Die beiden brauchten etwa 36 Stunden, bis sie im Dorf waren.

Einerseits waren sie zu Fuß unterwegs. Andererseits hatten sie eine Drohne mitgebracht.

Das Video direkt:

Houtouwan - The Lost Village

https://vimeo.com/218583202

Verblüffend ist, daß manche Häuser noch kaum begrünt sind. Anderer dagegen schon so zugewachsen sind, daß man aus der Entfernung per Drohne das Haus nur noch durch die Konturen wahrnimmt.

Bei

Photography: An Aerial Tour of an Abandoned Chinese Fishing Village by Joe Nafis

http://www.thisiscolossal.com/2018/04/abandoned-chinese-fishing-village-by-joe-nafis/

fand sich der Hinweis, daß am Sonntag noch ein paar andere Touristen dagewesen seien. Am Montag dagegen waren die beiden die einzigsten - mit Ausnahme von vielleicht drei oder vier Leuten, die weiterhin dort leben.

Ganz verlassen ist das Dorf also noch nicht.

Dabei gibt es ja sowohl direkt in Berlin als auch hier in der Umgebung diverse verlassene Orte oder zugewachsene Häuser. Seien es die Beelitzer Heilstätten oder der Teufelsberg, bei dem aktuell unklar ist, ob er verfällt oder zu neuem Leben erweckt wird.

Aber so durchgehend und einheitlich "grün werdend" wie dort ist das hier nicht.

Bundesfinanzhof: Wann gilt ein Schreiben vom Finanzamt als zugegangen? Bei privaten Postdienstleistern muss Frage der Zustellung am Montag geklärt werden - X B 61/17

20.04.2018 23:37:17, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Finanzämtern spielen Fristen eine wesentliche Rolle. Besonders gilt das, wenn ein Einspruch abgelehnt und Klage vom Steuerpflichtigen erhoben wird. Dann muß die Klage fristgerecht beim Finanzgericht eingehen. Ansonsten wird die Klage wegen Versäumung der Klagefrist als unzulässig verworfen.

Aber was zählt da? Reicht es aus, wenn das Schreiben des Finanzamtes an den Prozessbevollmächtigten es Steuerpflichtigen geht und dieser das Schreiben mit einem anwaltlichen Eingangsstempel versieht?

In einem jetzt behandelten Fall genügte das dem Finanzgericht nicht. Es wies die Klage ab und ließ keine Revision zu. Daraufhin erhob der Steuerpflichtige Beschwerde beim Bundesfinanzhof. Das führte nun - per Beschluß - zur Aufhebung des Urteils und zur Zurückverweisung.

Dabei spielte es eine wesentliche Rolle, daß das in Berlin-Brandenburg war. Denn zumindest hier in Berlin wird die Post vom Finanzamt von einem privaten Postdienstleister ausgetragen.
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BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.2.2018, X B 61/17 - Anwendung der Zugangsvermutung bei Einschaltung privater Postdienstleister

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=36164&pos=6&anz=37

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Die beiden Leitsätze:

> 1. NV: Lässt das FA die Beförderung von Verwaltungsakten von einem privaten Postdienstleister vornehmen, der kein Universaldienstleister ist und daher nicht an die in § 2 der Post-UniversaldienstleistungsVO genannten Pflichten gebunden ist, darf das FG nicht ohne weitere Sachaufklärung unterstellen, ein solcher privater Postdienstleister liefere auch an Montagen Post aus, obwohl er dazu gesetzlich nicht verpflichtet ist.
>
> 2. NV: Das FA trägt die Feststellungslast sowohl für den Zeitpunkt der Absendung eines Verwaltungsakts als auch für den Zeitpunkt des Zugangs.

Der - einigermaßen unstrittige - grundsätzliche Sachverhalt:

> Die Beteiligten streiten darüber, ob die am 7. April 2015 (Dienstag nach Ostern) beim Finanzgericht (FG) eingegangene Klage gegen die auf den 27. Februar 2015 (Freitag) datierte Einspruchsentscheidung des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt --FA--) fristgerecht erhoben worden ist.

Die Einspruchsentscheidung war auf einen Freitag datiert. Die wurde am Tag davor in den internen Postlauf gegeben und geht - regeltypisch - am Tag darauf zum privaten Postdienstleister.

> Zur Absendung der Einspruchsentscheidung hat das FG --im Wege der Zugrundelegung des entsprechenden Vortrags des FA-- festgestellt, die Sachbearbeiterin habe am 26. Februar 2015 einen Vermerk erstellt, wonach die Einspruchsentscheidung am 27. Februar 2015 zur Post gegeben werde. Die Sendung sei am 26. Februar 2015 in den internen Postlauf des FA gegeben worden. Das Landesverwaltungsamt hole die Postausgänge an jedem Arbeitstag ab, sammle sie und übergebe sie noch am selben Tag dem beauftragten privaten Postdienstleister (P). Dies bedeute "regeltypisch", dass Briefsendungen am Tag ihrer Abholung beim FA dem P übergeben würden.

Nur: Wann kommt das dann an? Die Abgabenordnung nimmt eine Zugangsfiktion nach drei Tagen an. Die Fortsetzung:

> Der Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) hat die Einspruchsentscheidung vorgelegt, auf der sich ein Eingangsstempel der Kanzlei seines Prozessbevollmächtigten vom 3. März 2015 (Dienstag) befindet. Der Prozessbevollmächtigte hat anwaltlich versichert, Eingangsstempel würden in seiner Kanzlei ausnahmslos so angebracht, dass sie das tatsächliche Eingangsdatum auswiesen.

Da denkt man als Laie, daß das Thema nun doch erledigt sei. Stattdessen:

> Das FG hat die Klage wegen Versäumung der Klagefrist als unzulässig verworfen. Zur Begründung hat es ausgeführt, es habe keine Zweifel an dem vom FA vermerkten Absendetag. Demgegenüber sei es dem Kläger nicht gelungen, die gesetzliche Zugangsfiktion zu entkräften. Allein der Eingangsstempel und die anwaltliche Versicherung reichten nicht aus, wenn --wie hier-- weder der Briefumschlag vorgelegt noch die Bearbeitung des Posteingangs in der Kanzlei exakt dargelegt werde.

Das Finanzgericht hat angenommen, daß das Schreiben am Montag, den 02.03.2015 zugegangen sei. Daraus ergibt sich eine Frist zur Einreichung der Klage bis zum 02.04.2015. Nimmt man dagegen das Eingangsdatum 03.03.2015, dann wäre die Klage bis zum 03.04.2015 einzureichen. Das war aber Karfreitag, damit hätte sich die Klageeinreichung bis zum darauffolgenden Dienstag verschieben dürfen. Das war der 07.04.2015, an diesem Tag wurde die Klage tatsächlich eingereicht.

Der Grund für die Aufhebung:

> Das FG hat seine von Amts wegen bestehende Pflicht zur Sachaufklärung verletzt, weil es nicht aufgeklärt hat, ob P an Montagen überhaupt Postsendungen ausliefert.

Das war entscheidungserheblich. Denn:

> Die Frage, ob P an Montagen überhaupt Post ausliefert, war im Streitfall entscheidungserheblich. Denn die Drei-Tages-Frist des § 122 Abs. 2 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) endete im Streitfall am Montag, den 2. März 2015. Die daran geknüpfte Bekanntgabe-Vermutung wäre aber ohne Weiteres entkräftet, wenn der vom FA beauftragte private Postdienstleister an Montagen gar keine Auslieferungen vornimmt. Wäre die Einspruchsentscheidung --wie vom Kläger vorgetragen-- hingegen erst am Folgetag (3. März 2015) zugegangen, wäre die Monatsfrist des § 47 Abs. 1 Satz 1 FGO am 3. April 2015 (Karfreitag) abgelaufen und hätte sich wegen der Feiertage auf den 7. April 2015 (Dienstag nach Ostern) verlängert. In diesem Fall wäre die Klage fristgerecht erhoben worden.

Ferner wurde auf eine etwas merkwürdige Asymmetrie hingewiesen. Das Finanzgericht hatte zugunsten des Finanzamtes akzeptiert, daß dieses nur einen "regeltypischen Verfahrensablauf" vorgebracht habe. Zum konkreten Absendevorgang und Tag wurde nichts vorgebracht. Beim Kläger wurde aber ausdrücklich beanstandet, daß dieser auf den "regelmäßigen Kanzleiablauf" verwiesen habe, nichts aber zum konkreten Fall vorlegen konnte.

Im Zweifelsfall liegt die Beweislast ohnehin beim Finanzamt:

> Zwar ist das FG --auch im zweiten Rechtsgang-- in seiner Beweiswürdigung frei. Es muss dabei aber jedenfalls erkennen lassen, dass ihm die gesetzlichen Regelungen über die Verteilung der Feststellungslast bewusst sind. Hierzu ordnet § 122 Abs. 2 AO an, dass im Zweifel die Behörde den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen hat. Nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung trägt die Finanzverwaltung zudem die Feststellungslast für den Zeitpunkt der Aufgabe eines Verwaltungsaktes zur Post; eine Beweiserleichterung durch einen Anscheinsbeweis kann sie dabei nicht in Anspruch nehmen

Das Finanzamt muß also im Zweifelsfall nachweisen können, wann das Schreiben zugegangen ist.

Als Laie sage ich mir da: Im Zweifelsfall die Klage lieber ein paar Tage früher einreichen, bevor man sich solchen zusätzlichen Risiken aussetzt.

Das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg war vom 15. März 2017 14 K 14062/15. Dagegen wurde am 26.06.2017 Beschwerde eingelegt, über die hatte der Beschluß entschieden. Es ist also damit zu rechnen, daß das nun ein weiteres halbes bis ganzes Jahr dauert, so daß sich die Entscheidung in der eigentlichen Sache um zwei Jahre verschiebt.

Bundesgerichtshof: Werbeblocker AdBlock Plus weder unlauter noch - in Korrektur der OLG-Entscheidung - aggressive geschäftliche Handlung - Springer-Klage abgewiesen - I ZR 154/16

19.04.2018 23:48:30, Jürgen Auer, keine Kommentare

So, da hat es nun kräftig gerappelt. Der Bundesgerichtshof hat sich - nachdem entsprechende Verfahren seit etwa vier Jahren an unterschiedlichen Stellen liefen - nun zum ersten Mal mit dem Thema Adblocker, konkret mit AdBlock Plus beschäftigt.

Geklagt hatte der Axel Springer Verlag. Der hatte bei der Vorinstanz, dem OLG Köln, noch in einem Punkt Recht bekommen. Da war zwar der Adblocker grundsätzlich als zulässig bewertet worden. Aber Whitelisting gegen Geld wurde vom Gericht als "aggressive geschäftliche Handlung" eingeschätzt.

Der Bundesgerichtshof hat aufgrund der AdBlock Plus - Revision das Berufungsurteil aufgehoben, also auch den Punkt gekippt, den das OLG Köln noch als gegeben gesehen hatte.
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Bundesgerichtshof: Angebot des Werbeblockers AdBlock Plus nicht unlauter - Urteil vom 19. April 2018 – I ZR 154/16

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=82856&pos=0&anz=78

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Geklagt hatte der Verlag Axel Springer.

> Die Klägerin, ein Verlag, stellt ihre redaktionellen Inhalte auch auf ihren Internetseiten zur Verfügung. Dieses Angebot finanziert sie durch Werbung, also mit dem Entgelt, das sie von anderen Unternehmen für die Veröffentlichung von Werbung auf diesen Internetseiten erhält.

Beklagter war AdBlock Plus. Es wurde sowohl der Werbeblocker als auch das Whitelisting angegriffen. Letzteres setzt bei hinreichend großen Unternehmen eine Umsatzbeteiligung voraus.

Die Begründung für die - doch sehr eindeutige Entscheidung:

> Das Angebot des Werbeblockers stellt keine gezielte Behinderung im Sinne des § 4 Nr. 4 UWG dar. Eine Verdrängungsabsicht liegt nicht vor. Die Beklagte verfolgt in erster Linie die Beförderung ihres eigenen Wettbewerbs. Sie erzielt Einnahmen, indem sie gegen Entgelt die Möglichkeit der Freischaltung von Werbung durch die Aufnahme in die Whitelist eröffnet. Das Geschäftsmodell der Beklagten setzt demnach die Funktionsfähigkeit der Internetseiten der Klägerin voraus.

Zunächst einmal ist verblüffend, daß das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) überhaupt herangezogen wurde. Immerhin sind Springer und das Unternehmen Eyeo hinter AdBlock Plus keine Konkurrenten, sondern machen sehr verschiedenartige Dinge. Um ein "Verdrängen" ging es auch nicht, eher im Gegenteil. Würde die Werbung komplett unterbleiben, würde ja auch Eyeo nichts mehr über das Whitelisting verdienen.

Dann folgt ein Schlüsselsatz:

> Der Einsatz des Programms liegt in der autonomen Entscheidung der Internetnutzer.

Es sind die Nutzer, die Adblocker - freiwillig - installieren oder nicht installieren.

Ferner wird eine Grenze gezogen:

> Die mittelbare Beeinträchtigung des Angebots der Klägerin ist nicht unlauter. Das Programm unterläuft keine gegen Werbeblocker gerichteten Schutzvorkehrungen des Internetangebots der Klägerin.

Ein Adblocker, der sich von einer Website blockieren läßt, mag zwar ein "schwacher Adblocker" sein. Aber solange der Adblocker solche Schutzvorkehrungen nicht unterläuft, sind Gegenmaßnahmen des Verlags möglich:

> Auch die Abwägung der Interessen der Betroffenen führt nicht zu dem Ergebnis, dass eine unlautere Behinderung der Klägerin vorliegt. Der Klägerin ist auch mit Blick auf das Grundrecht der Pressefreiheit zumutbar, den vom Einsatz des Programms ausgehenden Beeinträchtigung zu begegnen, indem sie die ihr möglichen Abwehrmaßnahmen ergreift. Dazu gehört etwa das Aussperren von Nutzern, die nicht bereit sind, auf den Einsatz des Werbeblockers zu verzichten.

Der Verlag kann die Nutzer rausschmeißen, die nicht auf den Adblocker verzichten möchten.

Für eine "allgemeine Marktbehinderung" gab es auch keine Anzeichen. Da wäre es notwendig gewesen, daß das Geschäftsmodell der Bereitstellung kostenloser Inhalte im Internet durch Werbeblocker zerstört werden würde. Etwas, von dem angesichts des Umsatzwachstums grade auch bei Springer offenbar keine Rede sein kann.

Schließlich der Punkt, den das OLG Köln noch anders gesehen hatte:

> Das Angebot des Werbeblockers stellt auch - anders als das Berufungsgericht angenommen hat - keine aggressive geschäftliche Handlung gemäß § 4a UWG gegenüber Unternehmen dar, die an der Schaltung von Werbung auf den Internetseiten der Klägerin interessiert sind.

Da gäbe es aber von Eyeo her keine unzulässige Beeinflussung:

> Es fehlt an einer unzulässigen Beeinflussung dieser Marktteilnehmer, weil die Beklagte eine ihr durch das technische Mittel des Werbeblockers etwaig zukommende Machtposition jedenfalls nicht in einer Weise ausnutzt, die die Fähigkeit der Marktteilnehmer zu einer informierten Entscheidung wesentlich einschränkt.

Fazit: Die Nutzer installieren Adblocker freiwillig. Damit ist alles, was die Adblock-Anbieter machen, sehr weit davon entfernt, im gesetzlichen Sinne kritisch zu sein.

Laut Heise

BGH: Sieg auf ganzer Linie für Adblock Plus

https://www.heise.de/newsticker/meldung/BGH-Sieg-auf-ganzer-Linie-fuer-Adblock-Plus-4027895.html

wurde der Streitwert auf 2,5 Millionen Euro festgesetzt.

Springer will nun Verfassungsbeschwerde einlegen.

Meines Erachtens nach wird das analog ausgehen. Die Verlage täten gut daran, sich mit Adblockern zu arrangieren. Wenn sogar Google, ein Unternehmen, das von Werbung lebt, von sich her im Chrome-Browser einen Adblocker einbauen will, dann mögen sich doch Verlage mal klarmachen, warum Nutzer Adblocker verwenden.

Ich habe jedenfalls keine Lust, mir auf einer Zeitungsseite einen Virus oder Malware einzuhandeln. Und ich habe auch keine Lust, daß es ständig blinkt, sich hier und da bewegt und erheblich mehr heruntergeladen wird. Als das beim Einsatz eines Adblockers der Fall ist.

Manchmal schalte ich den Adblocker ab und gehe dann auf einige Zeitungsseiten. In der Regel ist der Adblocker dann schnell wieder aktiv.

Zur Arbeit pendeln: Anstieg von 8,7 auf 10,5 Kilometer innerhalb von 14 Jahren - Personen mit hohem Bildungsabschluss pendeln am häufigsten - IAB-Studie

18.04.2018 23:56:37, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer als Angestellter berufstätig ist, der wohnt üblicherweise nur selten "direkt um die Ecke". Folglich muß er irgendwie zur Arbeit kommen. Aber wie hat sich die Gesamtlänge des zurückgelegten Weges in den letzten Jahren entwickelt?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat dazu eine Untersuchung durchgeführt. Dabei den Zeitraum 2000 - 2014 betrachtet.

Mit dem Ergebnis: Die durchschnittliche Entfernung stieg in diesem Zeitraum von 8,7 Kilometern auf 10,5 Kilometer. Das ist ein Zuwachs von 21 Prozent. Besonders betroffen sind Personen mit hohem Bildungsabschluß und komplexen Tätigkeiten.

Allerdings steckt in dieser Durchschnittszahl ein stärkeres Auseinanderdriften drin: Die Zahl der Pendler mit einem Weg bis zu 10 Kilometern ist rückläufig, die Zahl der Pendler mit einem Weg zwischen 10 und 50 Kilometern stieg an.
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Klarer Trend zu längeren Pendeldistanzen

http://www.iab.de/de/informationsservice/presse/presseinformationen/kb1018.aspx

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Die Verteilung auf die verschiedenen Berufsabschlüsse:

Personen ohne Berufsabschluß pendeln nur 8,8 Kilometer. Personen mit Berufsabschluß (ohne Hochschulabschlüsse) pendeln 10,5 Kilometer, liegen also genau im Durchschnitt.

Personen mit Hochschulabschlüssen pendeln dagegen 14,5 Kilometer, also deutlich drüber. Allerdings lag bei den beiden anderen Gruppen der Anstieg von 2000 - 2014 mit 22 Prozent (ohne Berufsabschluß) und 18 Prozent (mit Berufsabschluß) höher als bei den Personen mit Hochschulabschluß, bei denen das nur 7 Prozent wuchs.

Ein Grund für das Ansteigen: Es wird nicht nur vom Land in die Stadt, sondern auch stärker zwischen Städten gependelt.

Bei den einfachen Tätigkeiten liegt die Pendeldistanz bei 9,2 Kilometern. Bei qualifizierten Tätigkeiten sind das 10,9 Kilometer. Bei Ingenieuren gibt es den Spitzenwert von 18 Kilometern.

Auffällig ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen: Männer pendeln im Schnitt 12,5 Kilometer, Frauen 8,8 Kilometer.

Den Kurzbericht gibt es als 12-seitiges PDF:

Berufliches Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort: Klarer Trend zu längeren Pendeldistanzen

http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb1018.pdf

Zusätzlich wurden drei Regionen verglichen: Berlin, München und die Rhein-Ruhr-Region um Düsseldorf, Essen und Dortmund. In letzterer sind die Pendeldistanzen deutlich kürzer als in Berlin und München.

Die Abbildung 3 im PDF nennt die genauere Entwicklung bei fünf Entfernungsklassen:

So pendelten im Jahr 2000 35 Prozent bis maximal 5 Kilometer, das ging auf 30 Prozent zurück (Jahr 2014).

Zwischen 5 und 10 Kilometer pendelten 2000 20 Prozent, das sank leicht auf 19 Prozent.

Der Bereich 10 - 15 Kilometer blieb mit 13 Prozent der Beschäftigten konstant, der Bereich der 15 - 20 Kilometer stieg leicht von 8 auf 9 Prozent an.

Den stärksten Zuwachs gab es im Bereich von mehr als 20 Kilometern. Da stieg die Quote von 24 Prozent auf 30 Prozent.

Ferner steigt die Pendelstrecke mit der Betriebsgröße an.

> Die meisten Personen (51 %) pendeln von einen Wohn- in einen Arbeitsort innerhalb von städtischen Regionen. 24 Prozent pendeln zwischen ländlichen Regionen sowie 18 Prozent vom Land in die Stadt.

Die Land-Stadt-Pendler sind also nicht die Mehrzahl der Pendler.

Die Datenerhebung beruht darauf, daß Informationen zum Wohn- und zum Beschäftigungsort genutzt wurden. So daß die tatsächliche Entfernung berücksichtigt werden konnte. Seite 9 des PDF zeigt, wie deutlich sich die Pendlerstruktur zwischen Berlin + München einerseits und dem Ruhrgebiet andererseits unterscheidet. Betrachtet wurden 1x1-Kilometer-Würfel, die entsprechend der Pendlerlänge eingefärbt wurden.

In Berlin und München ist der Innenstadtbereich hell- oder sogar dunkelblau. Hellblau = eine Pendeldistanz von 5 - 10 Kilometern. Drumherum gibt es einen gelben Ring mit einer Pendeldistanz von 10 - 15 Kilometern. Dann folgen orangene (15 - 20 Kilometer) und rote Flächen (über 20 Kilometer).

Das Ruhrgebiet ist dagegen größtenteils hellblau eingefärbt, mit wenigen gelben Bereichen. Rote Punkte gibt es nur sehr selten.

Man könnte auch sagen: In einer "verstädterten Landschaft" wie im Ruhrgebiet gibt es einerseits hinreichend viele Arbeitsmöglichkeiten. Andererseits immer wieder Möglichkeiten für "nicht zu teure Wohnungen". So daß Leute umziehen, falls ihnen der Arbeitsweg zu weit wird. In einer Gegend, die stark auf ein Zentrum ausgerichtet ist, fehlt im Zentrum der Platz. Die Wohnungen werden zu teuer, die Leute suchen sich günstigere Wohnungen außerhalb. Aber damit steigt der Zeitaufwand fürs Pendeln.

The Vertical Village - die vertikale Stadt für Rosny-sous-Bois östlich von Paris - 120 Meter lange und bis zu 50 Meter hohe Holzkonstruktion von Sou Fujimoto, Nicolas Laisné und Dimitri Roussel

17.04.2018 23:47:25, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das Konzept der "vertikalen Stadt", bei dem ein Gebäude sowohl öffentliche Räume, etwa Sportanlagen als auch Büros und Wohnungen übereinandergestapelt auf einem Grundstück vereint, taucht inzwischen in verschiedenen Varianten in unterschiedlichen Großstädten auf. So soll hier in Berlin ein Hochhaus, das früher von der Postbank genutzt wurde, entsprechend umgestaltet werden.

Im Großraum Paris gibt es einen Wettbewerb Inventons la métropole du Grand Paris, bei dem es das Ziel ist, verschiedene Standorte im Großraum Paris neu zu gestalten.

Der Entwurf für Rosny-sous-Bois, einer Stadt etwa 10 km östlich von Paris, hat den Wettbewerb gewonnen. Er stammt von dem japanischen Architekten Sou Fujimoto und den beiden französischen Architekten Nicolas Laisné und Dimitri Roussel.

Insgesamt sollen das 28.200 Quadratmeter werden. Davon entfallen 17.000 Quadratmeter auf Wohnungen inklusive 5.000 Quadratmeter für Sozialwohnungen. Dazu kommen 5.300 Quadratmeter Büroraum. Damit stehen 5.900 Quadratmeter für andere Zwecke zur Verfügung.
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sou fujimoto, nicolas laisné, and dimitri roussel to build a vertical village in paris

https://www.designboom.com/architecture/sou-fujimoto-nicolas-laisne-dimitri-roussel-vertical-village-paris-04-17-2018/

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Die "weitere Nutzung": Restaurants, eine Kindertagesstätte, ein "Family Office", Community-Räume, eine Bar auf dem Dach und einige Möglichkeiten für Sport, darunter ein Hallenfußballplatz und eine Kletterwand.

Die Struktur fängt im Süden an und ist dort eher flach, knüpft damit an die dortige Umgebung an. Und wird zum Norden hin höher, bei einer Maximalhöhe von etwa 50 Metern. Das soll als neuer Eingangspunkt für Rosny-sous-Bois wirken. So daß das neue Haus die beiden Umgebungen - dörflicher im Süden, städtischer im Norden - miteinander verknüpft.

Bei den Bildern fällt auf, daß es manche Ebenen gibt, die über zwei Stockwerke gehen. Etwa der Indoor-Fußballplatz. Direkt daneben, nur durch etagenhohe Glasscheiben getrennt, setzt sich das Gebäude aber einstöckig fort. So daß es für Zuschauer zwei Ebenen gibt.

Ferner sind an den Außenseiten und auf den Dächern diverse senkrechte Stäbe montiert. Diese tragen auf den Dächern wohl Solaranlagen und verleihen dem ganzen Gebäude eine Art "Luftigkeit nach oben".

Am Ende des Beitrags findet sich ein Querschnittsbild mit der geplanten Nutzung: Demnach scheint der Sportblock aus drei übereinanderliegenden, jeweils zwei Stockwerke umfassenden Hallen zu bestehen. Drüber geht es dann eingeschossig weiter. Der niedrigere Teil südlich davon ist für Wohnzwecke gedacht. Der nördlichere Teil bietet im Sockel (Erdgeschoss und erste Etage) Platz für Läden und Restaurants. Es folgen 4 Stockwerke mit Büros, drüber neun Etagen mit Wohnungen, so daß die obersten Wohnungen in der 14. Etage sind. Die Skybar setzt nochmals ein paar Stockwerke drauf.

Ferner gibt es diverse äußere Balkone, die mit Bäumen begrünt werden sollen.

Das Gebäude ist am Fuß relativ breit und verjüngt sich auf der einen Längsseite nach oben hin. Damit gibt es bei jeder Verjüngung außen Platz für Bäume.

Ähnliches gilt für die Dachflächen. Da das kein monolithischer Block ist, sondern im Süden langsam ansteigt, dann wieder stark abfällt und erneut ansteigt, ist das wie ein kleines Gebirge mit insgesamt drei Berggipfeln. Und dementsprechend viel Platz für weitere Bepflanzungen.

Mal sehen, wie das nach der Fertigstellung aussehen wird. Bei Archdaily

Sou Fujimoto, Nicolas Laisné and Dimitri Roussel to Build 28,000 sqm "Village Vertical" in Grand Paris

https://www.archdaily.com/892748/sou-fujimoto-nicolas-laisne-and-dimitri-roussel-to-build-28000-sqm-village-vertical-in-grand-paris

gibt es einen Hinweis zu den Dimensionen dieses Vorhabens:

> As a part of the project, Inventons la Métropole du Grand Paris has held competitions to rejuvenate 112 sites across 75 municipalities, of which Rosny-sous-Bois is site number 93.

112 Orte, die im Großraum Paris neu gestaltet werden sollen. Ein "ziemlich umfangreiches Vorhaben". Die Website

Inventons la métropole du Grand Paris

http://www.inventonslametropoledugrandparis.fr/

listet allerdings noch nichts zu den Entwürfen.

Neue Zink-Wasser-Batterie - ähnlich leistungsfähig wie Lithium-Ionen-Batterie, aber nicht feuergefährlich - Forschungen an der University of Maryland

16.04.2018 23:48:09, Jürgen Auer, keine Kommentare

Batterien und Akkus sind aus vielen Bereichen kaum mehr wegzudenken. Klein und leistungsfähig sollten sie sein. Dominierend ist derzeit die Lithium-Ionen-Batterie.

Nur: Diese Technik hat einen Nachteil: Beim Überladen und beim Tiefentladen kann es zu Bränden kommen. Lithium ist selbst bereits brennbar, so daß ein "Löschen" mit Wasser fatal wäre.

Forscher der University of Maryland haben es nun geschafft, aus Zink und Wasser eine Batterie zu bauen, die es mit Lithium-Ionen-Batterien aufnehmen kann. Und die nicht brennbar ist.
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UMD scientists invent new water-based battery that won’t catch fire

https://inhabitat.com/umd-scientists-invent-new-water-based-battery-that-wont-catch-fire/

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> The team utilized elements of older zinc battery technology with novel water-in-salt electrolytes to create a battery that is not prone to catching fire.

Fei Wang, einer der beteiligten Forscher:

> “Water-based batteries could be crucial to preventing fires in electronics, but their energy storage and capacity have been limited – until now,”

Wasserbasierende Batterien seien entscheidend, um Feuer in elektronischen Bauteilen zu vermeiden, aber die Energiespeicherung und die Kapazität seien bislang limitiert gewesen.

> “For the first time, we have a battery that could compete with the lithium-ion batteries in energy density, but without the risk of explosion or fire.”

Nun gäbe es zum ersten Mal eine Batterie, die mit Lithium-Ionen-Batterien konkurrieren könne - aber ohne das Risiko einer Explosion oder eines Feuers.

Eine der neuen Fähigkeiten dieser Batterie gegenüber herkömmlichen besteht darin, daß die bisherige Unabänderlichkeit der nachlassenden Spannung und der Kapazität bei längerem Gebrauch aufgehoben sei. Das würde die Batterie auch für extreme Einsätze interessant machen - etwa im im tiefen Ozean oder im Weltall.

Der Co-Autor Chunsheng Wang:

> “Existing zinc batteries are safe and relatively inexpensive to produce, but they aren’t perfect due to poor cycle life and low energy density,”

Traditionelle Zinkbatterien seien sicher und vergleichsweise günstig herzustellen. Aber sie hätten eine geringe Energiedichte und einen schlechten Lebenszyklus.

> “We overcome these challenges by using a water-in-salt electrolyte.”

Das sei mit einem neuen "water in salt" - Elektrolyt überwunden worden.

Ein paar mehr Details gibt es in dem Bericht bei Techxplore:
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Higher-energy, safer, longer-lasting zinc battery: Researchers revive old chemistry with new electrolyte

https://techxplore.com/news/2018-04-higher-energy-safer-longer-lasting-zinc-battery.html

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> Further, in this collaborative effort, the researchers identified the fundamental reason causing irreversibility in zinc batteries - a phenomenon observed in rechargeable battery usage where the amount of charge a battery can deliver at the rated voltage decreases with use - and found a novel solution to it.

Demnach wurde die zentrale Schwäche bisheriger Zinkbatterien geknackt. Eine hoch konzentrierte Salzlösung als Elektrolyt ist entscheidend:

> "Because most water molecules in the new electrolyte are strongly bonded by the highly concentrated salt, the water in the aqueous zinc battery's electrolyte will not evaporate in an open cell. This advance revolutionizes zinc-air batteries, which are powered by oxidizing zinc with oxygen from the air, such as those used in energy grid storage"

Diese bindet die meisten Wassermoleküle so stark, daß das Wasser nicht verdampft. Das revolutioniert Zink-Luft-Batterien.

Das hört sich interessant an. Mal sehen, ob es diese neue Batterie bis zur Marktreife schafft.

Bundesfinanzhof: Selbst getragene Krankheitskosten lassen sich nicht beim Sonderausgabenabzug berücksichtigen - X R 3/16

15.04.2018 23:51:06, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer privat krankenversichert ist, der kann in manchen Fällen wählen, ob er die Krankheitskosten selbst trägt und damit eine Beitragserstattung bekommt. Oder ob er sich die Krankheitskosten von seiner Krankenversicherung erstatten läßt, damit aber auch auf eine Beitragserstattung verzichten muß.

Die Beiträge wiederum lassen sich bei der Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben berücksichtigen. Sie sind jedoch um erhaltene Beitragserstattungen zu kürzen.

Ein privat Krankenversicherter kam nun auf die Idee, die selbst gezahlten Krankheitskosten wieder bei den Sonderausgaben draufzuschlagen. Mit der Begründung, daß es üblich sei, Einnahmen und Ausgaben gegeneinander aufzurechnen, so daß nur der Überschuß der Besteuerung unterliege.

Finanzamt und Finanzgericht hatten eine solche Berücksichtigung der selbst gezahlten Krankheitskosten abgelehnt. Der Bundesfinanzhof hat diese Position nun bestätigt.
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Selbst getragene Krankheitskosten können nicht beim Sonderausgabenabzug berücksichtigt werden - Urteil vom 29.11.2017 X R 3/16

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=36092&pos=0&anz=19

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Der Hauptsatz:

> Trägt ein privat krankenversicherter Steuerpflichtiger seine Krankheitskosten selbst, um dadurch die Voraussetzungen für eine Beitragserstattung zu schaffen, können diese Kosten nicht als Beiträge zu einer Versicherung i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a des Einkommensteuergesetzes (EStG) steuerlich abgezogen werden. Mit dem Urteil vom 29. November 2017 X R 3/16 führte der Bundesfinanzhof (BFH) seine Rechtsprechung zur insoweit vergleichbaren Kostentragung bei einem sog. Selbstbehalt fort.

Abziehbar sind nur "Beiträge zu einer Versicherung". Krankheitskosten sind keine Versicherungsbeiträge.

Im Urteil

BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.11.2017, X R 3/16 - ECLI:DE:BFH:2017:U.291117.XR3.16.0

Selbst getragene Krankheitskosten können nicht im Rahmen des Sonderausgabenabzugs für Krankenversicherungsbeiträge berücksichtigt werden - Ermittlung der zumutbaren Belastung

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=19&pos=0&nr=36101&linked=urt

fanden sich die genauen Zahlen:

> Der Kläger und Revisionskläger (Kläger) wurde im Streitjahr 2013 zusammen mit seiner --nicht am vorliegenden Verfahren beteiligten-- Ehefrau zur Einkommensteuer veranlagt. Beide Ehegatten sind privat krankenversichert. Zur Erlangung ihres Basisversicherungsschutzes gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchst. a Satz 3 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (EStG) hatten sie Beiträge in Höhe von 1.794 EUR bzw. 1.593 EUR zu entrichten. Gleichzeitig erhielten die Ehegatten im Streitjahr eine Beitragserstattung in Höhe von 597,79 EUR bzw. 482,65 EUR.

Der Ehemann hatte eine Erstattung von 597,79. Dem standen höhere Krankheitskosten

> Zur Ermittlung der als Sonderausgaben abziehbaren Krankenversicherungsbeiträge kürzte der Kläger die gezahlten Beiträge um die erhaltenen Beitragserstattungen, rechnete aber Krankheitskosten in Höhe von 634,53 EUR gegen. Diese hatte er selbst getragen, um die Erstattung der Krankenversicherungsbeiträge zu erlangen.

von 634,53 Euro entgegen. Wirtschaftlich wäre es für den Kläger also "vernünftiger" gewesen, wenn er die Krankheitskosten nicht selbst gezahlt und dafür die Beitragserstattung nicht erhalten hätte.

Die Begründung des BFH (erster Link): Nur Beiträge, die der Vorsorge dienen, sind abziehbar.

> Es könnten nur die Ausgaben als Beiträge zu Krankenversicherungen abziehbar sein, die im Zusammenhang mit der Erlangung des Versicherungsschutzes stünden und letztlich der Vorsorge dienten. Daher hatte der BFH bereits entschieden, dass Zahlungen aufgrund von Selbst- bzw. Eigenbeteiligungen an entstehenden Kosten keine Beiträge zu einer Versicherung sind (z.B. Urteil vom 1. Juni 2016 X R 43/14, BFHE 254, 536, BStBl II 2017, 55).

In dem obigen Fall hatte der Versicherte zwar zusätzlich ein Wahlrecht: Krankheitskosten selbst tragen und Beitragserstattung bekommen oder die Krankheitskosten bezahlen lassen und auf die Beitragserstattung verzichten. Aber den Versicherungsschutz hat der Versicherte bereits. Der entfällt auch nicht deshalb, weil er sich für eine der Varianten entscheidet.

Die Anerkennung als außergewöhnliche Belastung entfiel ohnehin, weil die genannten 634,53 Euro im Rahmen der zumutbaren Eigenbelastung lagen. Die lag laut Urteil bei 1.849 Euro, da waren die 634,53 Euro weit weg.

Fazit: Die Anrechnung von Versicherungsbeiträgen als Sonderausgaben geht nicht nach der Logik einer Einnahmen-Überschußrechnung.

SeaSaw - eine Aussichtsplattform als Wippe für Den Helder / Niederlande als neues Stadtwahrzeichen, das Land und Meer über einen Deich hinweg verbindet - Projekt von MVRDV

14.04.2018 23:54:36, Jürgen Auer, keine Kommentare

Den Helder, eine niederländische Stadt, liegt an der nördlichen Spitze der Halbinsel Nord-Holland. Nach Amsterdam sind das etwa 80 Kilometer, Amsterdam liegt fast genau südlich von Den Helder.

Die Stadt ist von drei Seiten von Wasser umgeben, dementsprechend wichtig sind Deiche. Das Rotterdamer Architekturbüro MVRDV, 1993 von Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries gegründet, hat ein faszinierendes Projekt SeaSaw als Aussichtsplattform entwickelt. SeaSaw ist aber nicht nur der Name der Plattform, sondern bedeutet auch "Wippe". So soll das auch gebaut werden: Als Wippe.

Das wirkt wie ein endloses Band, es läßt sich als Kreisverkehr in beide Richtungen nutzen. Der eine Teil der Schleife ist der Fuß, der auf dem Deich aufsetzt. Der andere Teil "schwebt" daneben in der Luft. Gehalten von dem anderen Teil.
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MVRDV’s SeaSaw balances over land and sea in den helder, the netherlands

https://www.designboom.com/architecture/mvrdv-seasaw-land-sea-den-helder-the-netherlands-04-12-2018/

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Es gab einen internationalen Wettbewerb, den das Architekturbüro mit seinem Entwurf gewonnen hat.

Auffallend ist die fast durchsichtig wirkende Randbegrenzung. Wenn die tatsächlich so gebaut werden kann, dann sieht man fast nur das Band.

Die Beschreibung auf der Seite von MVRDV:

SeaSaw

https://www.mvrdv.nl/en/projects/seasaw

> Den Helder is located on the northernmost point of North-Holland and is home to the country’s main naval base. The city’s unique location and heritage make it a significant viewing point for Marsdiep, the North and Wadden Sea.

Das Marsdiep ist die etwa 4 km breite Meerenge zwischen Den Helder und der Insel Texel im Norden. Es ist die südlichste und westlichste Verbindung zwischen der Nordsee und dem Nordsee-Wattenmeer. Die Gezeitenströmung ist dort sehr stark, das aus- oder einströmende Wasser erreicht Geschwindigkeiten von 5 - 7 Seemeilen pro Stunde (Daten von Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Marsdiep ).

> MVRDV were selected as winners by Zeestad, an independent organisation in partnership with the municipality of Den Helder in the international competition to create a new symbol for the city to help it develop a sense of identity, and establish a renewed connection between the city and the sea which became more disconnected after a recent reinforcement of the dike.

Zeestad hatte zusammen mit der Stadtverwaltung den internationalen Wettbewerb gestartet. Ziel war es, ein neues Symbol / Wahrzeichen für die Stadt zu schaffen. Und sie erneut mit dem Meer drumherum zu verbinden, nachdem der Deich erneuert und die Stadt damit wieder mehr abgeschnitten war.

> The installation respects the existing dike whilst allowing visitors and inhabitants to experience both city and sea from a whole new perspective.

Die Installation respektiert den vorhandenen Deich, aber schafft neue Perspektiven für Bewohner und Gäste.

> A town with a remarkable flood defence system, a dike running from the dunes to the harbour blocks sea views. Seasaw makes a new connection between land and water by creating a viewing platform on the dike, and by the sea. In this way, a relationship between Den Helder and the sea is formed. This new installation signals the start of renewal and rediscovery of the dike and its surroundings with a new landmark that matches the identity of Den Helder: tough and energetic.

Eine neue Verbindung zwischen Land und Wasser, durch eine Plattform, die den Blick auf den Deich und das Wasser ermöglicht.

Wenn man sich das kurze, dort eingebundene Video ansieht:

SeaSaw - Den Helder

https://www.youtube.com/watch?v=RGXXR-H1Wes

Dann sieht man, wie der eine Teil des Bandes den Fuß der Wippe bildet. Die Schwankung wäre durchaus ziemlich kräftig. Nicht motor- sondern windgetrieben.

Auf der Projektseite findet sich eine eingebundene Google-Map. Die zeigt den genauen Standort.

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Von MVRDV gibt es diverse faszinierende Projekte. Sehr spannend finde ich die

Markethall

https://www.mvrdv.nl/en/projects/markethall

ein Bogen in Rotterdam, der zum Wohnen und als Markthalle dient. MVRDV ist - die Abkürzung der Nachnamen der Gründer.

OLG München: Genereller Haftungsausschluss von vermittelnden Internetportalen für Korrektheit der eingetragenen Reisen ist unzulässig - Klage Verbraucherzentrale Bundesverband erfolgreich - 29 U 2137/17

13.04.2018 23:43:14, Jürgen Auer, keine Kommentare

Im Internet gibt es diverse Vermittlungsportale, die anderen Unternehmen die Dienstleistung der Kundenvermittlung anbieten. Etwa für Reisen, Flüge, Handyverträge, neue Stromanbieter und vieles mehr.

Aber was ist, wenn ein Unternehmen, das ein solches Vermittlungsportal nutzt, in seinem Auftritt falsche Aussagen macht.

Haftet das Vermittlungsportal dafür? Oder kann das Vermittlungsportal eine Haftung in solchen Fällen ausschließen?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte gegen das Vermittlungsportal weg.de bzw. gegen dessen Betreiber Comvel GmbH geklagt. Weg.de hatte per AGB eine solche Haftung ausgeschlossen.

Meines Erachtens nach wenig überraschend: Das OLG München hat der Klage stattgegeben. So eine heutige Pressemitteilung des vzbv.
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Reiseportal haftet für falsche Angaben - vzbv klagt erfolgreich gegen Haftungsbeschränkung auf Reiseportal weg.de

https://www.vzbv.de/pressemitteilung/reiseportal-haftet-fuer-falsche-angaben

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Die streitgegenständliche Klausel:

> Comvel hatte in seinen Geschäftsbedingungen unter der Überschrift „Haftungsbeschränkungen“ darauf verwiesen, dass die Angaben zu den vermittelten Reiseleistungen ausschließlich auf Informationen der Leistungsträger beruhen. Sie stellten keine eigenen Zusagen des Vermittlers gegenüber dem Reiseteilnehmer dar.

Im Urteil ist die verworfene Klausel explizit genannt.

> 10. Haftungsbeschränkungen
>
> (10.1) Angaben über vermittelnde Beförderungen oder andere touristische Leistungen beruhen ausschließlich auf den Angaben der verantwortlichen Leistungsträger COMVEL gegenüber. Sie stellen keine eigene Zusicherung von COMVEL gegenüber dem Reiseteilnehmer dar.

Die nicht wirklich überraschende gerichtliche Interpretation:

> Die Klausel ist nach Auffassung des OLG München so auszulegen, dass Kunden gegen den Vermittler keinerlei Schadenersatzansprüche wegen unrichtiger Angaben zu den vermittelten Reisen geltend machen können.

Dieses "keinerlei Schadenersatzansprüche" geht zu weit. Damit ist die Klausel nicht verwendbar.

Wohlgemerkt: Es ging nicht um einen konkreten Fall. Sondern es ging darum, ob diese Klausel so verwendet werden darf.

Das Urteil gibt es eingescannt als PDF:

https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2018/04/13/comvel_gmbh_olg_muenchen_haftung.pdf

Demnach handelt es sich bei einem solchen Reisevermittlungsvertrag um einen Geschäftsbesorgungsvertrag, der selbst einen Werkvertrag - die Reisedienstleistung - zum Gegenstand hat.

Wenn der Vermittler zu den vermittelten Leistungen schuldhaft falsche Angaben macht, ist er zum Schadenersatz verpflichtet. Das kann bsp. in zwei verschiedenen Varianten auftreten:

- Angaben werden falsch wiedergegeben. Aus einem Preis von 99 Euro wird ein Preis von 9,90 Euro oder 990 Euro. Da gibt es immer ein "gewisses technisches Risiko", daß solche Fehler passieren und eine Weile unbemerkt bleiben. Das kann ein reines Versehen sein. Es könnte - in der Theorie - aber auch absichtlich gemacht werden. So daß das in Richtung von einem vorsätzlichem Verhalten geht. Natürlich haftet in so einem Fall das Portal.

- Die Angaben werden korrekt wiedergegeben. Dem Vermittlungsportal ist aber bekannt, daß diese tatsächlich unrichtig sind und es weist die Nutzer nicht darauf hin bzw. unterbindet die Ausgabe dieser falschen Informationen.

Kerstin Hoppe, Rechtsreferentin beim vzbv, nennt ein konkretes Beispiel:

> „Wenn der Vermittler zum Beispiel aufgrund von Kundenbeschwerden weiß, dass die Hotelbeschreibung des Reiseveranstalters nicht stimmt, muss er die Angaben korrigieren. Er kann sich nicht darauf berufen, dass immer nur der Reiseveranstalter verantwortlich ist.“

Das Beispiel zeigt auch, weshalb ich das Urteil nicht überraschend finde bzw. umgekehrt, daß mit so einer Entscheidung zu rechnen war.

Plattformen im Internet, die verschiedenste Dinge anbieten, haften zwar üblicherweise nie in Voraus. Aber ab Kenntnisnahme gibt es etwas, das ich als eine "geradezu zwangsläufige Verantwortung" bezeichnen würde:

Wenn ein Reiseveranstalter schreibt, daß das Hotel Meerblick hat und Reisende dem Vermittlungsportal mitteilen, daß es ein neues Hotel zwischen dem angepriesenen Hotel und dem Meer gibt, der Reiseveranstalter das aber nicht korrigiert: Dann muß der Portalbetreiber einschreiten. Macht er das nicht, dann ist er für dieses Unterlassen verantwortlich.

Das Urteil vom 15.03.2018 ist noch nicht rechtskräftig. Revision wurde nicht zugelassen, die Beklagte muß an den Kläger 214,00 Euro plus Zinsen zahlen. Theoretisch ist m.W. nach gegen die Nichtzulassung der Revision Beschwerde möglich. Bei so einem niedrigen Streitwert dürfte das aber eher schwer sein.

Oscar Oiwa in Paradise - Drawing the Ephemeral - Marker-pen-Drawing von Oscar Oiwa im Inneren eines 7 x 10 x 4 Meter hohen Ballons - 6 Personen malten zwei Wochen

12.04.2018 23:54:09, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man nehme einen aufblasbaren Ballon mit den beachtlichen Maßen 7 x 10 x 4 Metern. Der wird aufgeblasen - und läßt sich von innen her begehen.

Oder bemalen. Mit schwarzen Markern, sonst nichts. 120 Stück wurden verbraucht. So entstand ein Kunstwerk, an dem Oscar Oiwa und fünf Assistenten zwei Wochen lang gearbeitet haben.

Bäume, gewundene, verschlungene Wege, der Himmel voller konstrastreicher Wirbel. Im Rahmen einer Ausstellung im Japan House in Sao Paulo, Brasilien.
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New 360-Degree Immersive Drawing Created With 120 Marker Pens by Oscar Oiwa

http://www.thisiscolossal.com/2018/04/360-degree-immersive-drawing-by-oscar-oiwa/

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Die Position des Künstlers:

> “A pencil and a blank sheet— there is no simpler medium than that.”

Ein Stift und eine leeres Blatt - es gibt kein simpleres Medium als so etwas.

In einem Video

Paradise drawing by Oscar Oiwa (1:00)

https://www.youtube.com/watch?v=mWmsrOZ1SlA

ist das Making of zu sehen. Am Anfang ist das eine unendliche leere weiße Fläche. Für die Bemalung der Decke ist natürlich ein Gerüst notwendig gewesen.

In einem zweiten Video (1:43)

Paradise by Oscar Oiwa

https://www.youtube.com/watch?v=b2FRy51t1pA

sind zwischendurch und gegen Ende auch die anderen Maler zu sehen.

Auf der Website

Oscar Oiwa no Paraíso - Desenhando o efêmero

http://www.oscaroiwastudio.com/oscar_website/pages.html/paraiso2.html

gibt es oben Aufnahmen vom Außenbereich des Japan Houses. Laut diesem

https://www.japanhouse.jp/saopaulo/event/Oiwa_paraiso.html

ist die Ausstellung bis zum 03.06.2018 geöffnet.

Bei YouTube

Inside the World's largest drawing

https://www.youtube.com/watch?v=cFTCROFehEA

fand sich noch ein weiteres Video von 2016. Da gab es ein Gemälde in einem 12 x 12 x 6 Meter - Ballon für die Setouchi Triennale 2016. Das waren 864 Quadratmeter Fläche. Dagegen ist das aktuelle Gemälde mit 7 * 10 * 4 = 280 Quadratmetern deutlich kleiner.

Drumi - die fussbetriebene Waschmaschine ohne Stromverbrauch - von Yirego - Wäsche waschen in fünf Minuten - drinnen oder draussen

11.04.2018 23:16:11, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wäsche waschen muß jeder. In den Industriestaaten heißt das üblicherweise: Es gibt eine Waschmaschine, die das macht. Die braucht Wasser und Strom. Aber geht das auch anders?

Yi Jiang, der Gründer von Yirego, hatte in einem Hochhaus in Toronto gewohnt, als er dort Industrie Design studierte. Im Erdgeschoss oder im Keller gab es eine Waschmöglichkeit. Aber das war jedesmal anstrengend, zeitaufwendig. Und manchmal sei die Wäsche schlechter rausgekommen als sie davor war.

Er suchte nach einer anderen Lösung. Fand keine. Und fing an, so etwas zu entwickeln. Daraus entstand die Unternehmensgründung Yirego und Drumi, die fussbetriebene Waschmaschine.
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Electricity-free, foot-powered washing machine is slated for release this summer

https://inhabitat.com/electricity-free-foot-powered-washing-machine-is-slated-for-release-this-summer/

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Da gab es wohl schon erste Prototypen im Jahr 2015. Aber seither wurde das nochmals deutlich weiterentwickelt. Und soll in diesem Sommer auf den Markt kommen.

2,5 kg Wäsche können mit 6 bis 12 Litern Wasser in etwa fünf Minuten gewaschen werden.

Ein Video

Drumi - the easiest and most capable non-eletric washing machine

https://www.youtube.com/watch?v=o424IWJB66g

zeigt das Prinzip: Es gibt so etwas wie einen Sicherheitsbügel, den klappt man auf die andere Seite. Dann läßt sich der matte, halbkugelförmige Deckel abnehmen. Die Waschtrommel hat oben ebenfalls einen Deckel, der sich herausdrehen läßt. Dann füllt man die Waschtrommel mit Wäsche. Es kommen 6 - 12 Liter Wasser dazu. Und Flüssigwaschmittel, da dient der Deckel der Waschtrommel zum Dosieren.

Der matte Deckel kommt drauf, der Bügel wird wieder umgelegt. Dann heißt es Treten, 3 - 5 Minuten, um die Trommel in der Lauge zu drehen. Das kann man natürlich auch draußen machen. Dann wird das Wasser abgelassen. Einmal Wasser nachgefüllt und 1 - 2 Minuten Treten, um zu spülen. Erneut läßt man das Wasser ab und "schleudert" 30 Sekunden. Dann kann die Wäsche entnommen und zum Trocknen aufgehängt werden.

Gegenüber dem Vorgängermodell läßt sich die jetzige Variante mit einer Hand tragen. Ferner kann die Trommel komplett entnommen und in der Dusche oder Badewanne gereinigt werden.

Die Waschmaschine sei bsp. gedacht für Leute, die außerhalb von Versorgungsnetzwerken leben, in kleinen städtischen Apartments oder in mobilen Häusern. Die fünf Minuten scheinen teils sogar die Gesamtzeit zu sein:

> About five minutes is all it takes to clean clothes in the Drumi: around two minutes to wash, two to rinse, and 30 seconds to spin dry.

Zwei Minuten für das Waschen, zwei Minuten für das Nachspülen und 30 Sekunden für das Trockenschleudern. 299 Dollar soll die Maschine kosten.

Die Information zur Entwicklung fand sich hier:

About - Our Story

http://www.yirego.com/about

Infos zu der Größe finden sich direkt auf der Startseite:

http://www.yirego.com/

Demnach hat die Drumi eine Breite von 400 Millimetern und eine Länge von 492 Millimetern, durch den Fußtreter verursacht. Die Höhe beträgt 416 Millimeter.

2015 gab es für den Vorgänger den James Dyson Award, 2017 den Edison Award for Water Conservation.

Mal sehen, ob die Vermarktung gelingt.

Bundesgerichtshof: Verbreitung ungenehmigter Filmaufnahmen aus Bio-Hühnerstall ist zulässig - deutliche Stärkung investigativer Presseberichte - VI ZR 396/16

10.04.2018 22:52:20, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wo Bio draufsteht: Ist da auch Bio drin? Die Frage betrifft so ziemlich jeden Verbraucher. Die Fragestellung dahinter geht allerdings über diesen speziellen Fall hinaus. Es geht um so ziemlich sämtliche journalistischen Beiträge, die sich investigativer Techniken (versteckte Kamera, zeitweiliges Mitarbeiten in einem Unternehmen) bedienen.

Wenn - ohne Genehmigung, also per vorherigem Hausfriedensbruch - Filmaufnahmen gemacht werden, die dafür sprechen, daß das mit dem "Bio" jedenfalls nicht heißt, daß es den Tieren so richtig gut geht: Ist es legitim, diese Filmaufnahmen zu veröffentlichen?

Der Bundesgerichtshof hat sich heute mit einem solchen Fall von 2012 beschäftigt. Landgericht und Oberlandesgericht Hamburg hatten der Klage des Biobetriebs auf Unterlassung stattgegeben. Der Bundesgerichtshof hat dagegen das OLG-Urteil aufgehoben und die Klage abgewiesen.
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Verbreitung ungenehmigter Filmaufnahmen aus Bio-Hühnerställen - Urteil vom 10. April 2018 - VI ZR 396/16

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=82481&pos=1&anz=73

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Der Sachverhalt:

> Die Klägerin ist ein auf die Vermarktung von Bio-Produkten spezialisierter Erzeugerzusammenschluss von elf ökologisch arbeitenden Betrieben, die Ackerbau und Hühnerhaltung betreiben.

Die eigentlichen Filmaufnahmen basierten auf einem Hausfriedensbruch:

> In den Nächten vom 11./12. Mai und 12./13. Mai 2012 drang F., der sich für den Tierschutz engagiert, in die Hühnerställe von zwei der in der Klägerin zusammengeschlossenen Betriebe ein und fertigte dort Filmaufnahmen. Die Aufnahmen zeigen u.a. Hühner mit unvollständigem Federkleid und tote Hühner.

F. war allerdings nicht Beklagter. Er gab die gemachten Filmaufnahmen weiter, an den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Das war der Beklagte.

> F. überließ die Aufnahmen der Beklagten, die sie am 3. September 2012 in der Reihe ARD Exklusiv unter dem Titel "Wie billig kann Bio sein?" bzw. am 18. September 2012 im Rahmen der Sendung "FAKT" unter dem Titel "Biologische Tierhaltung und ihre Schattenseiten" ausstrahlte.

Der Betrieb verklagte den MDR auf Unterlassung, die Filmaufnahmen weiterzuverbreiten. Den Unterlassungsanspruch hatten LG und OLG Hamburg bestätigt.

Der Hauptsatz aus der PM:

> Die Verbreitung der Filmaufnahmen verletzt weder das Unternehmerpersönlichkeitsrecht der Klägerin noch ihr Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb.

Die Filmaufnahmen seien zwar geeignet, das Ansehen und den wirtschaftlichen Ruf des Klägers zu beeinträchtigen. Aber das sei nicht rechtswidrig. Denn:

> Das von der Beklagten verfolgte Informationsinteresse der Öffentlichkeit und ihr Recht auf Meinungs- und Medienfreiheit überwiegen das Interesse der Klägerin am Schutz ihres sozialen Geltungsanspruchs und ihre unternehmensbezogenen Interessen.

Das gilt explizit auch dann, wenn die Aufnahmen nicht einvernehmlich, sondern per Hausfriedensbruch hergestellt wurden, das also rechtswidrig war.

Auch Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse wurden nicht unzulässig veröffentlicht:

> Mit den beanstandeten Aufnahmen wurden keine Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse der Klägerin offenbart. Die Aufnahmen dokumentieren vielmehr die Art der Hühnerhaltung durch dem Erzeugerzusammenschluss angehörige Betriebe; an einer näheren Information über diese Umstände hat die Öffentlichkeit grundsätzlich ein berechtigtes Interesse.

Die Filmaufnahmen seien zutreffend, es seien keine unwahren Tatsachenbehauptungen. Durch das Veröffentlichen per Ausstrahlen hat die Beklagte einen "Beitrag zum geistigen Meinungskampf" geleistet.

Zum Schluß zur Aufgabe der Presse:

> Es entspricht der Aufgabe der Presse als "Wachhund der Öffentlichkeit", sich mit diesen Gesichtspunkten zu befassen und die Öffentlichkeit zu informieren. Die Funktion der Presse ist nicht auf die Aufdeckung von Straftaten oder Rechtsbrüchen beschränkt.

Das sind deutliche Worte dahingehend, daß solche "investigativen Methoden" zulässig sind, sofern sie die tatsächlichen Verhältnisse wiedergeben.

Beim Deutschen Journalisten-Verband fand sich eine Pressemitteilung zu dem Urteil:

Bundesgerichtshof: Urteil nützt Journalismus

https://www.djv.de/startseite/profil/der-djv/pressebereich-download/pressemitteilungen/detail/article/urteil-nuetzt-journalismus.html

Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall:

> „Das Urteil stärkt dem kritischen und investigativen Journalismus in Deutschland den Rücken“

Und weiter:

> Indem die Richter den Informationsanspruch der Bürger über die Geschäftsinteressen des betroffenen Unternehmens gestellt hätten, sei die aufklärende Funktion der Medien über gesellschaftlich relevante Themen bestätigt worden. Überall: „Das gibt Sicherheit bei der Recherche.“

Ein deutliches Urteil. Wer in irgendeiner Art und Weise gewerblich tätig ist, der muß es sich im Zweifelsfall auch gefallen lassen, daß bestimmte Dinge an die Öffentlichkeit kommen.

Cryptocurrency- und Blockchain-Organisationen wollen im Mai in New York gegen das Werbeverbot von Google, Facebook, Twitter und Yandex für diese Dienste klagen

09.04.2018 23:49:31, Jürgen Auer, keine Kommentare

Im Januar hatte Facebook Werbung für Kryptowährungen, Initial Coin Offering (ICO) und binäre Optionen in seinem Werbenetzwerk auf Facebook und Instagram untersagt.

Im März folgte Google dieser Entscheidung: Keine Werbung für Bitcoin, Börsen für Kryptowährungen und binäre Optionen.

Allerdings galt der Facebook-Stopp ab der Bekanntgabe. Bei Google sollte das erst ab Juni gelten.

Auch Twitter kündigte Ende März an, solche Bewerbungen in Zukunft verbieten zu wollen. Ebenso Yandex, das russische Unternehmen.

Nun schließen sich einige Organisationen, die Cryptocurrency- und Blockchain-Unternehmen vertreten, zusammen. Und wollen eine Klage in New York einreichen. Mit dem Ziel, dieses Verbot von Werbung aufzuheben.
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Three More Countries Join Planned Lawsuit Against Internet Giants For Banning Crypto Ads

https://cointelegraph.com/news/three-more-countries-join-planned-lawsuit-against-internet-giants-for-banning-crypto-ads

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Ende März hatten bereits die Russian Association of Cryptocurrency and Blockchain (RACIB), die Korea Venture Business Associations und LCBT, eine chinesische Assoziation von Krypto-Investoren, eine Klage angekündigt.

Nun sind weitere Unternehmen beigetreten: Die InnMind, ein Fintech-Unternehmen aus der Schweiz, die Armenian Blockchain Association und die Kazakhstan Blockchain and Cryptocurrency Association.

Spenden werden inzwischen über eine digitale Geldbörse gesammelt, die in Estland registriert ist.

Begründet wurde der Ausschluß damit, daß diese Bewerbungen zu viele Betrüger anlocken würden.

Das Verfahren könnte spannend werden. Haben die Internetgiganten das Recht, pauschal alle Unternehmen aus einer bestimmten Branche auszuschließen? Oder müßte es nicht eine Art Einzelfallprüfung geben, so daß jedes Unternehmen zumindest die Chance hat, Werbung schalten zu dürfen?

Immerhin haben Facebook und Google bald schon ein Monopol. In einem Beitrag von Ende März

Multinational Crypto Organization to File Lawsuit Against Tech Companies for Ad Ban

https://coincentral.com/multinational-crypto-organization-to-file-lawsuit-against-tech-companies-for-ad-ban/

argumentiert Yuri Pripachkin, der RACIB-Präsident, in diese Richtung:

> “We believe that this is the use of the monopoly position of the four companies that entered into a cartel with each other to manipulate the market. The ban on these four organizations led to a significant drop in the market in recent months,”

Es würde eine Monopol-Position ausgenutzt werden. Die vier Unternehmen würden ein Kartell bilden, um den Markt zu manipulieren.

Den Kartellvorwurf halte ich für eher ambivalent. Immerhin verzichten die Plattformen mit diesem Bann auf Werbegelder in nicht unbeträchtlicher Höhe. Eher könnte die Marktmacht in Kombination mit dem pauschalen Ausschluß zum Problem werden. Wenn man Unternehmen ausschließt, die sich problematisch verhalten, dann spricht da eher wenig dagegen. Aber auch wenn 80 Prozent aller Dienstleister "schwarze Schafe" sind, rechtfertigt das nicht unbedingt auch den pauschalen Ausschluß der restlichen 20 Prozent. Noch dazu, wenn dieser Ausschluß "in voraus" erfolgt.

Ende März war noch unklar, wo die Klage eingereicht werden soll. Inzwischen wurde entschieden, daß das in New York sein soll.

Die beiden hiesigen Beiträge zum Ausschluß durch Facebook und Google:

Interessante Entwicklung: Facebook stoppt Werbung für Finanzprodukte und Services wie Kryptowährungen, Initial Coin Offering (ICO) und binäre Optionen

https://blog.server-daten.de/de/2018-01-31/Interessante-Entwicklung--Facebook-stoppt-Werbung-fuer-Finanzprodukte-und-Services-wie-Kryptowaehrungen--Initial-Coin-Offering--ICO--und-binaere-Optionen-162

Google verschärft Regeln für Werbung - keine Ads für Bitcoin, Börsen für Kryptowährungen - foreign exchange markets - und binary Options - 3,2 Milliarden Ads 2017 geblockt

https://blog.server-daten.de/de/2018-03-14/Google-verschaerft-Regeln-fuer-Werbung---keine-Ads-fuer-Bitcoin--Boersen-fuer-Kryptowaehrungen---foreign-exchange-markets---und-binary-Options---3-2-Milliarden-Ads-2017-geblockt-204

Persönlich habe ich zwar den Eindruck, daß es in diesem Bereich so manch ein betrügerisches Schneeballsystem gibt. Aber schwarze Schafe dürfte es in jeder Branche geben. Mal sehen, wie das ausgehen wird.

Google hatte im März zwar einiges grundsätzlich verboten. Aber bei ein paar anderen Dingen (Details siehe den Beitrag) die Erlaubnis für Werbung bsp. daran geknüpft, daß die zuständige staatliche Stelle dem Unternehmen eine Lizenz erteilt habe.

Kayashima - eine Eisenbahnstation in Neyagawa in der Präfektur Osaka, die um einen 700 Jahre alten Camphor-Baum herumgebaut wurde

08.04.2018 23:53:14, Jürgen Auer, keine Kommentare

In den Großstädten wird immer wieder neu gebaut. Grundstücke, die lange verwilderten und zugewachsen sind, werden geräumt, tiefe Baugruben entstehen. Das heißt auch immer wieder, daß Bäume gefällt werden.

Aber geht so etwas - zumindest in Einzelfällen - auch anders?

Die Kayashima Station in der japanischen Präfektur Osaka: Eröffnet wurde sie 1910, damals stand ein großer Camphor-Baum neben ihr. Der Baum wird heute auf ein Alter von etwa 700 Jahren geschätzt, damals müßten das auch schon 600 Jahre gewesen sein.

Dann gab es Neubaupläne, etwa 1972. Der Baum hätte gefällt werden sollen. Dagegen gab es Proteste. Schließlich wurde die Station rund um den Baum herum geplant.

Und 1980 eingeweiht. Nun sieht das aus, als ob ein Brokkoli aus dem Dach herauswachsen würde.
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Kayashima: The Japanese Train Station Built Around a 700 Year Old Tree

http://www.spoon-tamago.com/2017/01/21/kayashima-the-japanese-train-station-built-around-a-700-year-old-tree/

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Wenn man bei Google Maps nach

Kayashima Station, Japan

sucht

https://www.google.com/maps/place/%E8%90%B1%E5%B3%B6%E9%A7%85/@34.747463,135.6089423,914m/

auf die Bildansicht umschaltet und reinzoomt, sieht man den Baum von oben. Ursprünglich dürften das zwei Gleise gewesen sein, die am Baum vorbei gingen. Dann sollten zwei weitere dazu kommen, der Baum ist genau zwischen den beiden neuen Gleisen.

60 Jahre lang, von 1910 - 1970, war das unproblematisch. Aber die Bevölkerung wuchs, die Station sollte erweitert werden. Mit dem Baum war ein lokaler Schrein verbunden. Als die lokale Bevölkerung erfuhr, daß der Baum gefällt werden solle, gab es Proteste. Es gab Gerüchte, der Baum würde böse werden. Wer ihn fällt, dem stößt etwas zu. Jemand, der einen Ast abbrach, bekam hohes Fieber. Von einer weißen Schlange war die Rede.

Ergebnis: 1973 willigten die Planer ein, daß der Baum stehenbleiben möge und daß die Gestaltung der neuen Haltestelle den Baum berücksichtigt.

Fertiggestellt wurde das 1980, also nun auch schon vor 38 Jahren. Am Fuß des Baumes gibt es einen kleinen Schrein.

> To this day, the tree still stands thanks to a strong, local community and a little bit of superstition.

Der Baum steht bis heute, dank einer lokalen Gemeinschaft und ein klein wenig Aberglauben.

In der englischen Wikipedia

Cinnamomum camphora

https://en.wikipedia.org/wiki/Cinnamomum_camphora

die den lateinischen Namen nutzt, ist rechts ein Bild mit einer Bildunterschrift: Demnach gibt es in Japan auch einen Camphor-Baum, der mindestens 1000 Jahre alt sein soll.

Manchmal bin ich auch schon über Beiträge gestolpert, daß Häuser um alte Bäume herumgebaut werden.

Hier in Berlin gibt es teils noch Kriegslücken, die erst jetzt allmählich wieder zugebaut werden. Hohe Bäume, die 50 - 60 Jahre alt und nun gefällt wurden. Beim Ausheben der Baugrube werden alte Mauern sichtbar. Das Grundstück muß also früher bebaut gewesen sein. In der DDR-Zeit verwilderte das Grundstück. Aber das ist natürlich nicht mit 600 - 700 Jahren vergleichbar.

Die Kayashima Station hat sogar einen eigenen englischen Wikipedia-Artikel.

Kayashima Station

https://en.wikipedia.org/wiki/Kayashima_Station

Da wird zwar der Baum erwähnt. Ein Bild fehlt dort aber leider.

Figee Crane 2868 - das neue Leben eines ausrangierten Krans im Hafen von Amsterdam als Hotel - vom Designer Edward van Vliet und verwaltet von Yays Concierged Boutique Apartments

07.04.2018 23:48:42, Jürgen Auer, keine Kommentare

Alte Kräne, die in einem Hafen über Jahrzehnte hinweg ihre Dienste versehen haben. Irgendwann einmal sind sie zu alt, um weitergenutzt zu werden. Was dann? Verschrotten? Oder läßt sich so ein Kran noch ganz anders nutzen?

In Amsterdam gab es es den Figee Crane 2868. Der wurde 1957 in Betrieb genommen, nachdem der Vorgänger im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. In Betrieb blieb er bis 1979. Dann stand er wohl lange rum. Die Gegend drumherum, das KNSM Island, wurde nicht mehr als Hafen genutzt. In den 1980ern war die Nutzung wohl eher wild, in den 1990ern wurde die Gegend neu als Wohngegend geplant.

2016 wurde der Kran abgebaut, restauriert und neu gestaltet. Im November letzten Jahres kam er zurück. Nun beginnt er als "The Yays Crane Apartment" ein neues Leben.
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strange luxury, inside a hotel suite that's actually a dockyard crane

https://www.designboom.com/architecture/converted-dockyard-crane-yays-hotel-04-04-2018/

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Der Umbau wurde von Edward van Vliet übernommen. Nun liegt die Verwaltung bei Yays Concierged Boutique Apartments.
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The Yays - Crane Apartment

https://www.yays.com/en/location/the-yays-crane-apartment.html

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Demnach hat sich die umliegende Gegend nun zu einem "kreativen Hub" gewandelt.

> Nowadays it's a dynamic area with lots of art galleries, local shops, hip restaurants and interesting sights. Visit the National Maritime Museum and learn about the history of the city, get your art on at creative melting pot Loods6 or enjoy a walk in one of the oldest botanical gardens in the world, the Hortus Botanicus.

Mit vielen Galerien, lokalen Shops, Restaurants und dem National Maritime Museum.

Es gibt zwei Räume mit je einem Doppelbett, ein Bad mit Wanne und Dusche und einen Aufenthaltsraum sowie eine komplett ausgestattete Küche. Über drei Etagen erstreckt sich das neue Innenleben.

Aus dem ersten Link:

> this project deserves applause for its reuse of such an unorthodox space. at the hotel’s opening ceremony, the last crane operator, commented on how happy he was to see the old structure get a ‘new life.’

Das Projekt verdient Applaus für die Wiederverwendung von so einem unorthodoxen Raum. Der letzte Kranoperator, der bei der Hoteleinweihung anwesend war, sei glücklich darüber, daß diese alte Struktur nun ein neues Leben beginnen würde.

Die Infos zum KNSM Island fanden sich in der englischen Wikipedia.

https://en.wikipedia.org/wiki/KNSM_Island

Die Info zur Restaurierung fanden sich hier:

Yays to hold launch party for Crane Apartment

http://www.servicedapartmentnews.com/home/news/2017/11/24/yays-to-hold-launch-party-for-crane-apartment/

Da ist der zerlegte und bereits restaurierte Kran auf einem Transportschiff zu sehen. Da wird auch deutlich, wo das dritte Stockwerk ist. Das ist ein kleiner, rötlich lackierter Aufsatz, der auf dem ersten Bild von designboom.com durch die mächtigen Abschlüsse des Kranaufsatzes an der Seite fast verdeckt ist.

Ferner sieht man da die Dimensionen. Der eigentliche Kranaufsatz liegt eben auf dem Schiff. Die Abschlüsse des Kranaufsatzes sind auf der Höhe der zweiten Etage befestigt.

Natürlich hätte man den Kran auch verschrotten können. Aber so - beginnt der Kran ein neues Leben als Hotel.

Imkerei ganz einfach - Stuart und Cedar Anderson aus Australien haben ihren Flow Hive weiterentwickelt - Honig ernten ohne Stress für die Bienen

06.04.2018 23:57:36, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bienen sind für die Bestäubung von Blüten unerläßlich. Hier in der Großstadt, in Berlin, gibt es eigentlich ein reichliches Nahrungsangebot. Aber wie bekommt man den Honig aus den Waben? Etwas, das für angehende Imker durchaus ambivalent sein kann.

Nicht nur für Einsteiger ist das ein schwieriges Thema. Auch Stuart und Cedar Anderson aus Australien waren mit den klassischen Techniken eher unzufrieden. Obwohl die Bienenzucht eine lange Tradition in der Familie hatte. Aber es passierte eben, daß Bienen stachen, daß das Volk unruhig wurde.

Daraus wurde 2015 ein Bienenstand - Flow Hive - entwickelt, der die Honigernte ganz einfach machen sollte. Inzwischen steht die Version 2 - Flow Hive 2 - zur Verfügung.
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Flow Hive 2 - Cedar 6 Frame

https://www.honeyflow.com/shop/flow-hive/flow-hive-2/p/388

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Das Grundprinzip ist dasselbe geblieben. Aber nun hat der Bienenstand Beine bekommen. Es gibt eine eingebaute Abstellfläche. Und diverse kleine Verbesserungen.

Das Prinzip ist hier erläutert:

Flow® Frame: So, how does it work?

https://www.honeyflow.com/about/about-flow/how-flow-works/p/62

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Das sind Standard-Rahmen, die bereits ein Gitter aus vorgeformten Honigwaben enthalten. Die Bienen füllen die Lücken mit Wachs auf, dann kommt der Honig rein, zum Schluß decken die Bienen die Waben mit Wachs ab.

Wenn nun Honig geerntet werden soll, dann kann unten zunächst eine kleine Kunststoffröhre eingesetzt werden. Oben wird eine Art Halterung entfernt. Dort kann ein langer, flacher Stab bis ans Ende eingeschoben werden. Dieser wird schließlich um 90 Grad nach unten gedreht.

Ergebnis: Die beiden Zellebenen werden etwas auseinandergeschoben. So daß sich innen ein Kanal nach unten ergibt, durch den der Honig abfließt und über die Kunststoffröhre in ein Gefäß fließt.

Ein Effekt:

> The bees remain undisturbed on the surface of the comb. If there does happen to be a bee down an empty cell it wont get injured as there is enough space between the comb walls.

Die Bienen sind von dieser Aktion nicht sonderlich gestört. Wenn eine Biene grade in einer leeren Zelle sein sollte, dürfte sie unverletzt bleiben, weil genügend Raum bleibt.

Ein Video von 2015 zeigt noch Flow Hive I:

Flow™ Hive honey harvesting

https://www.youtube.com/watch?v=Z54bL6kjyOI

Da war das Grundprinzip bereits dasselbe. Aber der Bienenstock hatte noch nicht die Abstellfläche für das Honigglas. Außerdem fehlen ihm Beine.

Die Version 2:

Flow Hive 2 - walk through the features with Cedar Anderson

https://www.youtube.com/watch?v=CSioCNZbYh0

Das Video wurde am 05.03.2018 hochgeladen.

Die Selbstbeschreibung als die "wichtigste Innovation in der Imkerei seit 150 Jahren". Das dürfte wohl stimmen.

Auf

FLOW STORY: "So much easier for the beekeeper and so much easier on the bees"

https://www.honeyflow.com/about/about-flow/flow-story/p/122

ist zu lesen, daß eine Kampagne 2015 etwa 20.000 Vorbestellungen und damit das notwendige Kapital brachte. Inzwischen gibt es 51.000 Flow Hives, die in mehr als 130 Ländern genutzt werden. Die Herstellung ist nun professionalisiert, Bestellungen können innerhalb von 24 Stunden bearbeitet werden. Preise gab es auch so einige:

> Flow has won multiple awards for innovation, design, marketing and business including Good Design Australia, D&AD White Pencil, Fast Company World Changing Ideas, two medals at Apimondia International Beekeeping Congress and was declared NSW Business Chamber’s Business of the Year (2017).

Für etwa 700 Euro gibt es das zu kaufen. Wobei der Bienenstock zerlegt geliefert wird und selbst zusammengebaut werden muß.

Die Entstehungsgeschichte verweist darauf, daß das ein langer Denkprozess war:

> For almost a decade, Cedar and Stu tinkered away in the shed to find a way to harvest honey that was less stressful on the bees – and the beekeeper. They were chasing the beekeeper's dream.

Nichts von wenigen Tagen. Der Durchbruch:

> After trialling many methods over the years, and finding nothing they were really happy with, Cedar developed an idea to split the cells horizontally. While this idea worked, it was soon replaced.
>
> It was while working on that invention, that the real “Eureka” moment occurred.
>
> “I think Dad had had a few strong coffees that morning,” Cedar recalls.
>
> “He held his hands together in a way that resembled a honey cell and then moved them so the two halves were offset.”
>
> “I knew straight away exactly what he was talking about,” Cedar says.
>
> That was the morning the Flow system was born.

Die jahrelange Beschäftigung mit einer Fragestellung. Alle gefundenen Lösungen waren immer wieder nicht zufriedenstellend. Dann schließlich die Idee, gegenüberliegende Honigzellen zu trennen. Mit der entscheidenden Idee - fing die Arbeit natürlich erst an. Wie das bei solchen Entwicklungen immer ist.

Wohl die meisten Facebook-Nutzer von Profildiebstahl betroffen - per Suche konnten "malicious actors" sehr viel auslesen - Stopp dieses Suchfeatures

05.04.2018 23:38:24, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wer ein Feature anbietet, der muß sich Gedanken darüber machen, welche möglichen Seiteneffekte das Feature haben könnte. Da passieren oft die tollsten Dinge.

Aber offenbar gilt das nicht nur für Freelancer und kleine Unternehmen. Sondern auch für Milliardenunternehmen wie Facebook.

Da gibt es zwar grade den Skandal um die Daten, die zu Cambridge Analytica abgeflossen sind. Nicht etwa 50 Millionen, sondern etwa 87 Millionen. Aber eine ganz andere Möglichkeit läßt auf weitaus größere Probleme schließen.
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Facebook: ‘Malicious actors’ used its tools to discover identities and collect data on a massive global scale

https://www.washingtonpost.com/news/the-switch/wp/2018/04/04/facebook-said-the-personal-data-of-most-its-2-billion-users-has-been-collected-and-shared-with-outsiders/

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Die Washington Post berichtete, daß Facebook am Mittwoch selbst darüber informiert habe, daß voraussichtlich zu den allermeisten Profilen Informationen gesammelt wurden. Und zwar per Feature.

Das Prinzip: In Facebook gab es bis vor wenigen Tagen eine Suche, mit der man nach Mailadressen oder Telefonnummern suchen konnte. Das müssen Kriminelle mit Daten gemacht haben, die aus dem Darknet stammen. Programme wurden dafür verwendet, diese Daten in die Facebook-Suchbox einzugeben. So daß deutlich wurde, wem die Nummer oder die Mailadresse gehört. Womöglich auch, wie er aussieht, wo er wohnt usw.

Dazu Mark Zuckerberg in einem Gespräch am Mittwoch, in dem er darüber informierte:

Hard Questions: Q&A with Mark Zuckerberg on Protecting People’s Information

https://newsroom.fb.com/news/2018/04/hard-questions-protecting-peoples-information/

> “We built this feature, and it’s very useful. There were a lot of people using it up until we shut it down today,” Chief Executive Mark Zuckerberg said in a call with reporters Wednesday.

Das Feature wurde am Mittwoch abgeschaltet.

> Facebook said in a blog post Wednesday, “Given the scale and sophistication of the activity we’ve seen, we believe most people on Facebook could have had their public profile scraped.”

Man müsse davon ausgehen, daß so ziemlich alle öffentlichen Profile auf diese Art abgegriffen wurden. Nutzer konnten diese Suche zwar deaktivieren. Die Suche war aber standardmäßig aktiv - und wurde wohl von den allermeisten Nutzern nicht deaktiviert.

Hacker hätten ebenfalls die Accountwiederherstellungsfunktion genutzt. Indem sie sich als legitime Nutzer ausgegeben haben, die Accountdetails noch wußten.

Sen. Ed Markey (D-Mass.), ein Senator, der einem wichtigen Ausschuß vorsitzt:

> “The more we learn, the clearer it is that this was an avalanche of privacy violations that strike at the core of one of our most precious American values – the right to privacy”

Das Recht auf Privatheit.

Für Facebook ist das deshalb "ziemlich brisant", weil es bereits 2011 Probleme gab. Damals:

> At the time, the FTC faulted Facebook for misrepresenting the privacy protections it afforded its users and required the company to maintain a comprehensive privacy policy and ask permission before sharing user data in new ways.

Mit der Federal Trade Commission (FTC) gab es diverse Vereinbarungen. U.a., daß Nutzer darüber informiert werden, bevor Daten auf neue Arten weitergegeben werden. Wenn sich herausstellen sollte, daß Facebook gegen die damaligen Vereinbarungen verstoßen hat, könnte das diverse Millionen Dollar kosten.

David Vladeck, der bei der FTC als Direktor für die Überwachung zuständig war und jetzt an einer Universität lehrt:

> “This is a company that is, in my view, likely grossly out of compliance with the FTC consent decree,”

Grob außerhalb der Compliance-Regeln, das sei Facebook in seinen Augen.

Das Originalzitat von Mark Zuckerberg zu der "kreativen Nutzung der Suche": Es gab zwar eine "Massenbeschränkung", ein Nutzer konnte nur eine gewisse Zahl dieser Suchen am Stück durchführen. Aber:

> But I think what was also clear is that the methods of rate limiting this weren’t able to prevent malicious actors who cycled through hundreds of thousands of different IP address and did a relatively small number of queries for each one. Given that and what we know today, it just makes sense to shut that down.

Diese Angriffe liefen über hunderttausende von verschiedenen IP-Adressen. Über jede IP-Adresse kam jeweils nur eine geringe Zahl von Anfragen.

Offenbar hat Facebook bei diesem Feature "über Jahre hinweg" keinerlei Risiko gesehen.

> We looked into this and understood it more over the last few days as part of the audit of our overall system.

Erst beim Audit der eigenen Systeme in den letzten Tagen sei das aufgefallen.

Tja. Da bin ich baff. Man hat den Eindruck, daß Facebook zwar alles an Daten sammelt, was nur zu bekommen ist. Aber wie brisant der Zugriff sein kann, wenn nur wenige Daten in die falschen Hände kommen: Das scheint dort niemandem so richtig klar zu sein.

Wenn Kriminelle es schaffen, Server zu kapern, daraus Botnetze zu stricken und mit diesen DDOS-Angriffe durchführen (Distributed Denial-of-Service - Attacken), dann liegt es auch nahe, daß jeder dieser Server nur ein paar Suchanfragen auf Facebook durchführt. Und schon ist der Schutz ausgehebelt.

Und daß es solche Angriffe seit Jahren gibt: Das wissen natürlich auch die Mitarbeiter bei Facebook. Aber offenbar fehlt dort so einiges an Problembewußtsein.

Wenn das eine "kleine Klitsche" wäre und wenn ein paar hundert oder vielleicht tausend Leute davon betroffen wären. Aber es ist das weltweit größte Netzwerk.

Wasser aus Luftfeuchtigkeit gewinnen - indisches Startup Uravu will das ohne Strom, nur mit Solarenergie schaffen - Prototyp schafft 50 Liter pro Tag

04.04.2018 23:53:28, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer in einem der Industriestaaten lebt, für den ist Wasser eine Selbstverständlichkeit. Ganz anders sieht das aber in manchen Gegenden der Welt aus, in denen es nur eine mangelhafte Infrastruktur und sehr unregelmäßigen Regen gibt.

Das indische Startup Uravu ist dabei, dafür eine Lösung zu entwickeln.
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EVERY DROP COUNTS: An Indian startup wants to produce water from thin air using solar energy

https://qz.com/1240668/indian-startup-uravu-eyes-xprize-by-producing-water-from-air-using-solar-energy/

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Das Prinzip ist eigentlich bekannt. Die Luft enthält Wasser. Beim Abkühlen kondensiert das Wasser zu Tropfen. Dafür gibt es auch technische Lösungen, die teils in der Industrie eingesetzt werden. Aber das braucht viel Strom und scheidet damit aus.

Swapnil Shrivastav, einer der Co-Founder zu dieser klassischen Technik:

> “You need high humidity and energy consumption (involved) is high. There are a lot of moving parts. What we wanted to do was have a simple modular device,”

Es sei eine hohe Luftfeuchtigkeit notwendig, damit das funktioniert. Und der Energiebedarf sei zu hoch. Sie wollten stattdessen ein simples, modulares Gerät bauen.

Der bereits existierende Prototyp ist da besser: Weil er keinen Strom braucht.

Es wird ein

> proprietary water-absorbing material

verwendet, das Luftfeuchtigkeit aus der Luft aufnimmt. Solarenergie wird genutzt, um das Wasser daraus zu gewinnen.

> “There’s no need of any electricity or moving parts. It is just a passive device that you can leave on your rooftop and it will generate water. The process starts at night, and by evening next day you’ll have water”

Es sei lediglich ein passives Gerät, das man aufs Hausdach stellen könne und das Wasser erzeugt. In der Nacht fängt das an, am nächsten Abend hat man Wasser.

> The apparatus absorbs water vapour overnight and the hygroscopic material is heated after sunrise, leading to the production of water.

Das wasserabsorbierende Material nimmt Wasserdampf in der Nacht auf. Dieses Material wird tagsüber durch eine Art Sonnenkollektor erhitzt und gibt wohl beim Kühlen das Wasser ab.

Der Prototyp schafft derzeit etwa 50 Liter am Tag. Das Team hofft, das bis Juni auf 2000 Liter pro Tag steigern zu können.

Für die kommerzielle Nutzung sei allerdings noch einiges notwendig. Derzeit wird versucht, das Gerät möglichst effizient zu machen. Das Ziel sind Kosten von 1.0 - 1.2 Indian Rupees für einen Liter Wasser. In Haushalten werden häufig 20 - Liter - Gefäße genutzt, die kosten 40 - 80 Indian Rupee. Wenn die 1.2 Indian Rupee erreicht wären, würde sich das rechnen.

Wobei das Gerät eigentlich nach der Anschaffung keine Kosten mehr verursachen dürfte. Allerdings wird auch erwähnt, daß man eventuell Mineralien zusetzen müsse, damit das Wasser trinkbar sei.

Die Website: Why?! Why Uravu exists?

http://www.uravulabs.com/

benennt das Problem:

> Water is a universally acknowledged crisis. The numbers speak for themselves. It remains a mystery that despite humanity's stunning innovations, we still have not conquered some of our most basic challenges like drinking water. The situation is only getting worse.

Und etwas tiefer der Satz: Dinge werden nicht dadurch geändert, daß man gegen die existierende Realität kämpft. Sie werden dadurch geändert, daß man etwas ganz Neues entwickelt, das die bisherigen Modelle obsolet macht.

Unter dem Bild des Prototypen ist das Prinzip nochmals beschrieben:

> An innovative 'aquapanel'
>
> S.W.A.G is an aquapanel which harvests water from the air just by utilising the power of the Sun. Its based on our patent-pending solar adsorption reactor technology. Modular and scalable, it works efficiently even in dry and arid areas.

Die Technik soll effizient auch in trockenen und ariden Gegenden funktionieren. Aktuell gibt es Gespräche mit Behörden und strategischen Partnern. Es wird nach Gegenden gesucht, in denen Wasserknappheit herrscht.

> “Initially we’ll be working with governments and strategic partners, and we want to reach places where there is water scarcity, such as parts of Rajasthan and Andhra Pradesh, and rural areas,” Shrivastav said. “We will be trying to start with a household device and aim at community-level projects.”

So daß dort Geräte in Haushalten aufgestellt werden und es ein Communityprojekt gibt.

Die MX3D metal bridge - 4 Roboter drucken in 6 Monaten eine 12,5 Meter lange Metallbrücke - Installation 2019 am Oudezijds Achterburgwal in Amsterdam - vom joris laarman lab

03.04.2018 23:55:56, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mit 3D-Druck kann man Kleinkram und Spielereien drucken. Aber wie wäre es, wenn man so eine ganze Brücke druckt? Ok, "nur" 12,5 Meter lang. Aber für eine Gracht in Amsterdam genügt das.

Und nicht aus Kunststoff. Sondern aus Metall? So daß die Brücke tatsächlich installiert und von Leuten tagtäglich genutzt wird.

Vom joris laarman lab gab es schon 2015 erste Ankündigungen. Inzwischen ist die MX3D metal bridge gedruckt.
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four robots took six months to 3D print the complex MX3D metal bridge

https://www.designboom.com/technology/mx3d-metal-bridge-3d-print-update-04-03-2018/

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Eine steinlose Brücke. Aber mit einer Geometrie, die komplex und faszinierend aussieht. Wobei die Brücke aktuell wie aus Stein wirkt.

Das Vorschaubild oben zeigt den Blick von oben auf die Brücke, die aktuell noch in der Produktionshalle steht.

Joris Laarman:

> ‘this bridge will show how 3D printing finally enters the world of large-scale, functional objects and sustainable materials while allowing unprecedented freedom of form. the symbolism of the bridge is a beautiful metaphor to connect the technology of the future with the old city, in a way that brings out the best of both worlds.’

Diese Brücke wird zeigen, wie das 3D printing die Welt der großen und funktionalen Objekte erobert. Mit tragfähigem Material und einer Freiheit in der Form, die mit klassischen Techniken kaum möglich ist.

Die Brücke wurde absichtlich als Motiv gewählt. Weil sie eine Metapher dafür ist, wie die Technik der Zukunft mit der alten Stadt verknüpft wird. Auf eine Art und Weise, so daß das Beste aus beiden Welten genutzt werden kann.

Genutzt wurde eine spezielle MX3D-Software von

http://mx3d.com/

Die Unterseite zur Brücke:

http://mx3d.com/projects/bridge-2/

> We equip typical industrial robots with purpose-built tools and develop the software to control them.

Genutzt wurden typische Industrieroboter. Da ist auch ein Zeitplan drin. 2015 wurde das Projekt vorgestellt. 2016 war die Design & Test - Phase. Im März 2017 begann der Druck. Im September wurde das finale Design präsentiert, die beiden ersten Meter waren fertig.

Nun, Ende März / Anfang April 2018, ist die Brücke komplett als Rohbau fertig. Im Sommer sollen strukturelle Tests folgen, im September soll die Brücke ganz fertig sein. Da sind wohl noch "Wirbel" zu drucken. 2019 soll die Brücke installiert werden. Am Oudezijds Achterburgwal.

4500 kg Stahl wurden gedruckt. Auf der Seite sind zu den einzelnen Terminen jeweils Skizzen und Videos zu finden.

Ein Video vom September 2017:

MX3D BRIDGE START

https://www.youtube.com/watch?v=v2moJF8kqIg

Das ist kein Abschmelzen, sondern ein Andrucken. Das, was im letzten Herbst noch "ganz klein" war, ist nun fertig.

Das Video von heute (grade mal 7 Stunden alt):

four robots took six months to 3D print the complex MX3D metal bridge

https://vimeo.com/262992484

Leider sieht man in den Videos nicht, wie die vier Roboter gemeinsam aktiv sind. Aber das Ergebnis sieht bereits jetzt, im "Produktionsraum", faszinierend aus.

Der Oudezijds Achterburgwal ist eine der ältesten Grachten. Mit eigenem Wikipedia-Artikel (leider nur per NL).

https://nl.wikipedia.org/wiki/Oudezijds_Achterburgwal

Mal sehen, ob sich längerfristig der Zeitaufwand etwas reduzieren läßt. Sechs Monate sind schon ziemlich viel.

Die Flut der Fahrräder - In China gibt es Berge von ausrangierten Bikes - Fahrräder als neue Umweltverschmutzung in Shanghai und Beijing

02.04.2018 23:45:22, Jürgen Auer, keine Kommentare

Fahrräder sind ja eigentlich eine sinnvolle Sache. In den Großstädten kommt man damit oft schneller zum Ziel als auf anderen Wegen. Die Räder können im Gegensatz zum öffentlichen Nahverkehr Abkürzungen fahren und sich am Stau vorbeischlängeln. Und sie produzieren keine Abgase.

Damit sind - eigentlich - auch Fahrradverleihunternehmen zu begrüßen. Früher gab es die kaum. Inzwischen gibt es hier in Berlin mehrere Unternehmen. Plus Hotels und andere Unternehmen, die teils ebenfalls ein paar Räder zum Verleih anbieten.

In China wird nun allerdings die Schattenseite dieses Booms deutlich. Bilder, die bald irrational wirken: Unmengen von Rädern, die teils noch ordentlich nebeneinanderstehen. Teils aber auch über- und durcheinander liegen.
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Huge graveyards of abandoned bikes are piling up in China after sharing craze reaches peak

https://inhabitat.com/huge-graveyards-of-abandoned-bikes-are-piling-up-in-china-after-sharing-craze-reaches-peak/

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Da gab es in den letzten Jahren einige Startups, die massiv in diese Systeme investierten. Und die Städte, etwa Shanghai und Beijing, mit Rädern überfluteten. Was zu der provokanten Frage führt:

> are bicycles polluting metropolises they were intended to aid?

Verschmutzen nun Fahrräder die Metropolen, obwohl sie gedacht waren, diesen zu helfen?

Ein paar Leihräder, die nebeneinander stehen und - neu - den Gehweg blockieren.

Aber die Bilder zeigen für chinesische Städte eine andere Realität: Nicht "ein paar", sondern hunderte von Rädern, die über hunderte Meter die Hälfte des Gehwegs beanspruchen.

Noch extremere Bilder hat The Atlantic am 22.03.2018 veröffentlicht:

The Bike-Share Oversupply in China: Huge Piles of Abandoned and Broken Bicycles

https://www.theatlantic.com/photo/2018/03/bike-share-oversupply-in-china-huge-piles-of-abandoned-and-broken-bicycles/556268/

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Demnach gab es im letzten Jahr dutzende neuer Unternehmen, welche die Städte mit Millionen von Fahrrädern fluteten. Ohne daß die Infrastruktur irgendwie darauf ausgelegt wäre.

Etwas, das man auch in Berlin inzwischen immer wieder sieht:

> Riders would park bikes anywhere, or just abandon them, resulting in bicycles piling up and blocking already-crowded streets and pathways.

Irgendjemand hat das Fahrrad genutzt, dann nutzte er es nicht mehr. Seither steht es irgendwo im öffentlichen Raum herum. Aber im Vergleich zu China scheinen das hier in Berlin derzeit "mikroskopische Andeutungen" zu sein:

> Vast piles of impounded, abandoned, and broken bicycles have become a familiar sight in many big cities.

Riesige Berge von beschlagnahmten, verlassenen und defekten Fahrrädern seien ein normaler Anblick in manchen der großen Städte.

Meterhohe Berge von Rädern.

Bluegogo war Chinas drittgrößtes Bike-Sharing-Unternehmen. Im November letzten Jahres ging das Geld aus.

> Bluegogo, once China's third-largest bike-rental service, ceased operations last November having run out of money, leaving tens of thousands of its bicycles in limbo.

Nun sind zehntausende Räder verwaist.

> This is not a field of tulips, but a drone's-eye-view of tens of thousands of unused share bikes lined up in a field near Shanghai.

Eine Aufnahme mit einer Drohne. Nein, das sind keine Tulpenfelder, das sind alles Fahrräder.

Die Polizei scheint immer wieder Räder sehr massiv zu beschlagnahmen. Aber wohin damit? Dann stapeln sich die Räder auf Feldern.

Dann werden Fahrräder in Parks abgelegt. Irgendwann fängt die Natur an, drüberzuwachsen.

Insgesamt zeigt The Atlantic 30 dieser Bilder. Eines bald unglaublicher als das andere.

Wobei man sich hier in Berlin auch fragen kann, warum der Senat eigentlich noch einen Anbieter bezuschußt. Erst hatte das ein paar Jahre die Bahn gemacht. Nun kam ein anderer Anbieter zum Zug. Die Bahn bietet nun mit Lidl grüne Bikes an. Plus ebenfalls einige Anbieter aus China.

Wie sieht das aus, wenn eine Feuerbohne oder Spinat keimt? Zwei Videos von GPhase zeigen das als Timelapse-Video

01.04.2018 23:26:52, Jürgen Auer, keine Kommentare

Menschen und die meisten Tiere ernähren sich von Grünzeug. Pflanzen unterschiedlichster Art. Aber wie sieht das eigentlich aus, wenn eine Pflanze auskeimt? Etwa am Beispiel einer Feuerbohne?

Normalerweise sieht man das ja nicht, weil das verborgen in der Erde abläuft. Und würde man bei der Bohne ständig nachgucken, dann würde da wohl nichts mehr keimen.

Eine Lösung: Eine Bohne am Rande eines gläsernen Gefäßes.

Davor eine Kamera, die immer mal wieder Bilder macht, so daß man das als Timelapse-Video zusammenfassen kann.

GPhase betreibt einen YouTube-Kanal mit solchen Videos. Zwei davon fanden sich hier:
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Watching the plants grow is mesmerizing

http://www.ufunk.net/en/videos/regarder-pousser-les-plantes-en-time-lapse/

Die beiden Videos direkt per YouTube:

Bean Time-Lapse - 25 days | Soil cross section

https://www.youtube.com/watch?v=w77zPAtVTuI

Spinach Time-Lapse - 40 days | Soil cross section

https://www.youtube.com/watch?v=sMK-BKUYM0s

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Das erste Video zeigt die Entwicklung einer einzigen Feuerbohne. Das sei der vierte Versuch gewesen. Bei den Vorgängern wuchsen die Wurzeln immer gleich in die andere Richtung ins Dunkle hinein, weg vom Glas. Das wurde mit einer Aufnahme alle 9 Minuten, 36 Sekunden realisiert und mit 30 Frames pro Sekunde wiedergegeben.

Beim Spinatvideo sind gleich mehrere Keime zu sehen. Da wurde alle 12 Minuten eine Aufnahme gemacht und mit 40 Frames pro Sekunde wiedergegeben.

Die Videos zeigen immer beides - das Wachstum der Wurzeln, die sich immer mehr ausbreiten. Und das oberirdische Wachstum der Pflanze.

Beim Spinat gab es aber wohl zeitweilig einen Nährstoffmangel, so daß Blätter etwas verwelkten.

Auf dem YouTube-Kanal

GPhase

https://www.youtube.com/channel/UCWB20EVmTrCLegr64R9jEJA

findet sich auch die Erklärung, was GPhase heißt: Das bezieht sich auf den biologischen Begriff G1 phase - cell growth.

Selbst solche Beobachtungen zu machen ist praktisch unmöglich. Ohne Kamera und Zeitraffer "sieht" man da zu wenig. Umgekehrt sind das Nischenvideos, die über Algorithmen auf Facebook und anderswo untergehen würden. Auf solchen Wegen aber trotzdem bekannt werden.

Der Aufwand für so ein Video dürfte nicht so ganz unerheblich sein. Immerhin ist die Kamera die ganze Zeit über blockiert. Und es muß sichergestellt sein, daß die wachsende Pflanze und die Kamera "hinreichend ungestört" sind. Auf daß nicht jemand die Kamera umstößt. Hinzu kommen womöglich mehrere Anläufe, weil sich die Wurzeln ins Dunkle hinein entwickeln und nicht gefilmt werden wollen.

Smart Electric Urban Logistics (SEUL) - UPS will Flotte in London von 170 Fahrzeugen auf Elektroantrieb umstellen - neue Smart-Grid - Ladetechnik schafft deutlich mehr als die bislang möglichen 65 Fahrzeuge

31.03.2018 23:55:09, Jürgen Auer, keine Kommentare
UPS Switches On Smart Grid In London To Super-Charge Electric Delivery Fleet

Bildquelle: UPS - Pressematerial

Beim Elektroantrieb ist das Wiederaufladen der Fahrzeuge ein Knackpunkt: Gibt es zu wenige Ladestationen, dauert das Laden zu lange oder belastet es das vorhandene Stromnetz zu sehr, dann kann eine Ladestation nur eine begrenzte, womöglich viel zu niedrige Zahl von Fahrzeugen pro Tag aufladen.

Im Rahmen des Smart Electric Urban Logistics (SEUL) - Projektes in London scheint es nun zu einem wesentlichen Durchbruch gekommen zu sein.
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UPS Switches On Smart Grid In London To Super-Charge Electric Delivery Fleet

https://pressroom.ups.com/pressroom/ContentDetailsViewer.page?ConceptType=PressReleases&id=1521473412769-768

UPS switches on smart grid in London to super-charge electric delivery fleet

https://ciltuk.org.uk/News/Latest-News/ArtMID/6887/ArticleID/15950/UPS-switches-on-smart-grid-in-London-to-super-charge-electric-delivery-fleet

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> A UPS (NYSE:UPS) led consortium has deployed a radical new charging technology in London that overcomes the challenge of simultaneously recharging an entire fleet of electric vehicles (EVs) without the need for the expensive upgrade to the power supply grid.

Demnach gelang es, eine ganz neue Ladetechnik zu entwickeln, so daß es denkbar wird, die gesamte Flotte von Electric Vehicles (EV) quasi gleichzeitig aufzuladen, ohne daß das vorhandene Stromnetz massiv aufgerüstet werden muß.

UPS spricht vom "beginning of the end" der traditionellen Antriebe. Mit der bisherigen Ladetechnik konnten maximal 65 der vorhandenen 170 Trucks geladen werden. Also war das auch die Grenze der EV-Nutzung - 38 %.

Mit der neuen Ladetechnik sei es möglich, alle 170 Trucks immer schnell genug zu laden. Die Konsequenz: Die komplette Umstellung der Londoner Flotte auf Elektroantrieb rückt näher. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt, das in dieser Größenordnung wohl bislang einmalig ist.

> This major advance – believed to be the first time these systems have been deployed at this scale anywhere in the world – is the result of the ‘Smart Electric Urban Logistics (SEUL)’ project with UK Power Networks and Cross River Partnership, with funding secured from the UK’s Office for Low Emission Vehicles.

Schon im vergangenen Monat wurde darüber berichtet, daß die Kosten für einzelne EVs deutlich gesunken seien. Damit

> As a result of this initiative, combined with the advances the company announced just last month in reducing the cost of electric vehicles, UPS believes the day is rapidly drawing closer when the acquisition costs to put an electric vehicle on the road, including those associated with getting power to the vehicle, will be lower than the equivalent costs of its diesel counterpart.

dürfte der Zeitpunkt nähergerückt sein, bei dem die Gesamtkosten Anschaffung + Betrieb eines EV unter den entsprechenden Kosten eines Dieselautos lägen.

Ian Smyth vom UK Power Networks Services spricht davon, daß dies über kurz oder lang Auswirkungen auf die Luftqualität in London haben dürfte.

> “We are delighted to work with UPS and our other partners to design, deliver and operate this sustainable smart-grid solution. This project will deliver a huge impact on improving the air quality for Londoners and contribute to UPS’s legacy of sustainability.”

Eine Idee ist es, Batterien gezielt zum Laden zu verwenden. Aktuell werden noch neue Batterien genutzt. Später könnten auch Batterien, die bereits in UPS EV verbaut waren, auf diese Weise ein "zweites Leben" erhalten. Teils läßt sich da auch lokal erzeugte, dezentrale Energie (Solarenergie) verwenden.

Tanja Dalle-Muenchmeyer, programme manager electric freight bei Cross River Partnership:

> “Our previous work on electric freight vehicles has shown that local grid infrastructure constraints are one of the main barriers to their large-scale uptake”

Die Einschränkungen durch die lokale Netzinfrastruktur seien bis jetzt immer eine Hauptbarriere beim Skalieren gewesen.

> “We need to find smarter solutions to electric vehicle charging if we want to benefit from the significant air quality and environmental benefits these vehicles offer, and we believe this is such a solution.”

Dafür bräuchte es smartere Lösungen: Die jetzt gefundene Lösung könnte eine sein.

Unter der Unterüberschrift "Addressing the Charging Challenge" wird das nochmals genauer ausgeführt:

> Recharging a fleet of electric vehicles can be extremely expensive as it often requires upgrades to the external power grid, an option not attractive to most businesses or operators.

Das Wiederaufladen einer Flotte benötigt - klassisch - meist eine Verstärkung der Stromnetze. Das sei meist keine Option. Deshalb waren die bislang 65 Fahrzeuge in London auch die Obergrenze. Nun geht das auf 170 hoch - ohne daß das externe Stromnetz angepaßt werden muß.

Es gibt einen zentralen Server, der mit dem Netz, allen Ladestationen und Batterien gekoppelt ist. Dann wird "intelligent geladen", so daß sich die Last über die Nacht verteilt.

> The system adopts an “intelligent” approach to charging by spreading this throughout the night so that the building can use the power it needs to run the business of logistics (lights, sortation machinery and IT) and ensure that all EVs are fully charged by the time they are needed in the morning, but at the same time never exceed the maximum power available from the grid.

Das stellt sicher, daß am Morgen alle EVs geladen sind, aber gleichzeitig nie die maximale Kapazität des Stromnetzes überschritten wird.

Eine Wirkung: Für jedes Gebäude, das als UPS-Standort fungiert, kann die beste Nutzung errechnet werden. So daß einerseits der Energiebedarf des Gebäudes gedeckt ist. Andererseits aber auch genügend Ladekapazität bereitsteht, die gesamte Flotte zu laden.

Tja: Ein interessanter Ansatz. Mal sehen, wann die Londoner UPS-Flotte endgültig auf Elektroantrieb umgestellt sein wird.

Brexit-Auswirkung: Britische eu-Domaininhaber können diese ab dem Brexit nicht mehr verlängern und keine neuen Domains mehr beantragen - Folgerung aus EuGH-Entscheidung C-376/11

30.03.2018 23:55:14, Jürgen Auer, keine Kommentare

Grossbritannien möchte aus der EU austreten. Dieser Brexit wird aber zu der Konsequenz führen, daß britische Bürger ab dann keine neuen eu-Domains mehr beantragen dürfen.

Ferner können bestehende eu-Domains im Besitz von Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen aus Grossbritannien nicht mehr verlängert werden. Folglich gehen sie an die ausstellende Organisation zurück.

Die Europäische Kommission hat dies am Mittwoch bekannt gegeben.
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Europe dumps 300,000 UK-owned .EU domains into the Brexit bin

https://www.theregister.co.uk/2018/03/29/eu_dumps_300000_ukowned_domains_into_brexit_bin/

Notice to stakeholders: withdrawal of the United Kingdom and EU rules on .eu domain names

https://ec.europa.eu/info/publications/notice-stakeholders-withdrawal-united-kingdom-and-eu-rules-eu-domain-names_en

Das dort verlinkte PDF: NOTICE TO STAKEHOLDERS - WITHDRAWAL OF THE UNITED KINGDOM AND EU RULES ON .EU DOMAIN NAMES

https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/notice_to_stakeholders_brexit_eu_domain_names.pdf

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Die offizielle Aussage in Kurzform (Link 2):

> As of the withdrawal date, undertakings and organisations that are established in the United Kingdom but not in the EU, and natural persons who reside in the United Kingdom will no longer be eligible to register .eu domain names or, if they are .eu registrants, to renew .eu domain names registered before the withdrawal date.

Großbritannien wird mit dem Austrittsdatum ein "drittes Land" außerhalb der EU.

Neuregistrierung:

.eu-Domains dürfen nur bei einer von drei Bedingungen registriert werden:

> (i) undertakings having their registered office, central administration or principal place of business within the EU;
> (ii) organisations established within the EU (without prejudice to the application of national law); and
> (iii) natural persons resident within the EU.

Betriebe / Unternehmen, die ihren Sitz in der EU haben, Organisationen mit Sitz in der EU und natürliche Personen, die in der EU leben.

Damit sind alle Betriebe / Unternehmen, Organisationen und Personen aus Großbritannien zwangsläufig von der Registrierung von eu-Domains ausgeschlossen. Akkreditierte .eu-Registrare dürfen Anträge dieser Unternehmen, Organisationen und Personen nach dem Austrittsdatum nicht mehr annehmen.

Verlängerung:

Wenn Großbritannien aus der EU austritt, erfüllen die Domaininhaber nicht mehr die Bedingung, die sie für die Inhaberschaft von eu-Domains erfüllen müssen: In der EU zu leben oder mit Sitz tätig zu sein. Wirkung: Die Registrare

> the Registry for .eu will be entitled to revoke such domain name on its own initiative and without submitting the dispute to any extrajudicial settlement of conflicts

Die Registrierungsstelle ist berechtigt, die Domains zurückzuziehen, ohne daß das über ein Schiedsgericht läuft.

Bereits 2012 hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, daß eine belgische Vermittlungsfirma nicht berechtigt sei, eine eu-Domain für ein US-Unternehmen zu registrieren.

Urteil des Gerichtshofs (Zweite Kammer) vom 19. Juli 2012

Pie Optiek SPRL gegen Bureau Gevers SA und European Registry for Internet Domains ASBL

Vorabentscheidungsersuchen der Cour d’appel de Bruxelles

Internet – Domäne oberster Stufe ‚.eu‘ – Verordnung (EG) Nr. 874/2004 – Domänennamen – Gestaffelte Registrierung – Art. 12 Abs. 2 – Begriff ‚Lizenznehmer früherer Rechte‘ – Person, der vom Inhaber einer Marke erlaubt worden ist, im eigenen Namen, aber für Rechnung dieses Inhabers einen mit der Marke identischen oder ihr ähnlichen Domänennamen zu registrieren – Keine Erlaubnis, das Zeichen auf andere Weise als Marke zu benutzen

Rechtssache C‑376/11

http://curia.europa.eu/juris/liste.jsf?language=de&jur=C,T,F&num=C-376/11&td=ALL

Urteil:

http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf;?text=&docid=125214&pageIndex=0&doclang=DE&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&cid=320018

Da hatte ein Bureau Gevers für das US-Unternehmen Walsh Optical Inc. die Domain www.lensworld.eu registriert - in eigenem Namen, aber für Rechnung des US-Unternehmens. Das belgische Unternehmen Pie Optiek SPRL wollte lensworld.eu ebenfalls, wurde aber abgewiesen, weil die Domain bereits vergeben war. Das Ganze war noch in der Sunrise-Phase der eu-Registrierung. Mit der klaren Aussage (RN 36):

> Hierzu ergibt sich aus dem sechsten Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 733/2002, dass die Domäne oberster Stufe „.eu“ geschaffen wurde, um den Binnenmarkt im virtuellen Markt des Internets besser sichtbar zu machen, indem eine deutlich erkennbare Verbindung mit der Union, ihrem rechtlichen Rahmen und dem europäischen Markt geschaffen und so den Unternehmen, Organisationen und natürlichen Personen innerhalb der Union eine Eintragung in eine spezielle Domäne ermöglicht wurde, die diese Verbindung offensichtlich macht.

Demnach können nur Unternehmen mit Sitz in der EU eu-Domains beantragen.

Laut dem ersten Link dürfte das etwa 317.000 eu-Domains betreffen, 1/10 der überhaupt registrierten eu-Domains.

Der dortige Autor regt sich zwar etwas auf, vergleicht das mit dem Erlöschen der .su (Sowjetunion) - Endung. Aber hier erlischt ja nichts. Es ist der explizite Wunsch von Großbritannien, die EU zu verlassen. Dann kann eine solche regionale Domain auch nicht mehr genutzt werden.

Denkbar wäre es, daß vertraglich eine Alternativregelung vereinbart wird. Allerdings dürften dagegen Klagen möglich sein. Angesichts der bereits vorhandenen EuGH-Entscheidung dürfte eine vertragliche Alternativregelung bei einer Klage eher kippen.

Bundesgerichtshof: Smartphone-App "My Taxi" darf Bonusaktion mit halbem Preis für Fahrgäste durchführen, da Fahrer behördlich festgesetzten Tarif erhält - I ZR 34/17

29.03.2018 22:15:28, Jürgen Auer, keine Kommentare

Die Personenbeförderung ist einer jener Bereiche, in dem es zwischen traditionellen Unternehmen und neuen, internetaffinen Unternehmen derzeit immer mal wieder knallt und kracht. Uber hat sich so manch eine Niederlage eingehandelt. Aber was ist mit anderen Ansätzen?

Zwischen Taxi Deutschland, die eine gleichnamige App zur Taxivermittlung anbieten, und My Taxi, die ebenfalls eine Taxiapp im Angebot haben, gab es einen Rechtsstreit.

My Taxi hatte insgesamt vier Bonusaktionen veranstaltet und dabei den Taxikunden einen Rabatt von 50 % zugesagt. Die Taxifahrer erhielten jedoch den offiziellen Tarif abzüglich einer Vermittlungsprovision von 7 %. Dagegen klagte Taxi Deutschland und forderte My Taxi zur Unterlassung auf.

Das LG Frankfurt am Main hatte der Klage stattgegeben. Das OLG Frankfurt die Berufung zurückgewiesen.

Der Bundesgerichtshof hat dagegen das OLG-Urteil aufgehoben und die Klage abgewiesen. Also eine deutliche Korrektur der einheitlichen vorherigen Entscheidungen.
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Bonusaktionen für die Smartphone-App "My Taxi" - Urteil vom 29. März 2018 - I ZR 34/17

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=82215&pos=0&anz=66

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Taxi Deutschland ist ein genossenschaftlicher Zusammenschluß von Taxizentralen.

> Die Klägerin beanstandet vier Bonusaktionen der Beklagten, bei denen registrierte Nutzer lediglich die Hälfte des regulären Fahrpreises zu zahlen hatten. Die andere Hälfte des Fahrpreises erhielt der Taxifahrer abzüglich Vermittlungsgebühren von der Beklagten.

Die Begründung für die Klage:

> Die Klägerin hält die Bonusaktionen für wettbewerbswidrig, weil sie gegen die Pflicht zur Einhaltung der behördlich festgesetzten Taxitarife verstießen. Sie nimmt die Beklagte auf Unterlassung in Anspruch.

Dagegen der Bundesgerichtshof: Zunächst einmal ist die Beklagte (die Anbieterin der App My Taxi) kein Taxiunternehmen, damit auch kein Beförderungsunternehmen, so daß es selbst nicht den behördlichen Regelungen unterliegt. Die eigentlich involvierten Taxiunternehmen können sowohl diesen als auch andere Vermittler in Anspruch nehmen.

> Die Bonusaktionen der Beklagten verstoßen nicht gegen die tarifliche Preisbindung für Taxiunternehmer. Die Beklagte ist selbst kein Taxiunternehmer, für den die Festpreise gelten. Ihre Tätigkeit beschränkt sich auf die Vermittlung von Fahraufträgen, die von unabhängigen Taxiunternehmen selbständig durchgeführt werden. Diese Taxiunternehmen können uneingeschränkt die Dienste anderer Vermittler, wie etwa der Klägerin, in Anspruch nehmen.

Der eigentliche Kern der Begründung: Wer bekommt am Ende wieviel Geld?

> Die Beklagte haftet auch nicht als Anstifterin oder Gehilfin für Wettbewerbsverstöße der ihre Vermittlungsleistungen in Anspruch nehmenden Taxiunternehmer. Die Beteiligung der Taxiunternehmer an den Bonusaktionen der Beklagten ist mit dem Personenbeförderungsgesetz vereinbar. Die Bestimmungen der § 51 Abs. 5, § 39 Abs. 3 PBefG zur Tarifpflicht im Taxiverkehr sind zwar Marktverhaltensregelungen im Sinne von § 3a UWG. Der Taxiunternehmer darf keinen Nachlass auf die tariflichen Festpreise gewähren. Wird der Festpreis vollständig an ihn gezahlt, liegt jedoch kein Verstoß gegen die Tarifpflicht vor.

Zwar darf der Taxiunternehmer keinen Nachlass gewähren. Aber er gewährt den ja auch nicht, er bekommt am Ende das, was behördlich festgesetzt ist. Daß er nur einen Teil davon vom Fahrgast erhält, ist nicht relevant. Und weiter:

> Bei der Prüfung eines Verstoßes gegen die Tarifpflicht kommt es also darauf an, ob das Vermögen des Taxiunternehmers nach Beförderung des Fahrgastes in Höhe des Festpreises vermehrt wird. Wie der Fahrgast das Entgelt finanziert, ist ohne Bedeutung. Bei den Aktionen der Beklagten erhalten die Taxiunternehmen den vollen tariflichen Festpreis. Soweit die Beklagte dabei eine Provision von 7% des Fahrpreises abzieht, handelt es sich um eine zulässige Vergütung ihrer Vermittlungsleistung.

Die 7 % Provision sind unschädlich.

Es gibt einen Markt für Taxivermittlungstätigkeiten: Aber solange es da genügend Marktteilnehmer gibt, muß da nichts eingeschränkt werden.

> Solange den Taxiunternehmen ausreichende Vermittlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, besteht kein Grund, den Wettbewerb im Bereich der Taxivermittlung im Interesse der Funktionsfähigkeit des Taxiverkehrs einzuschränken.

Schließlich käme auch keine gezielte unzulässige Behinderung nach § 4 Nr. 4 UWG in Betracht. Es sei zwar verboten, Dienstleistungen nicht kostendeckend zu erbringen. Aber das gilt nur, falls das zur Verdrängung von Mitbewerbern erfolgt. Da das aber nur in wenigen Großstädten und nur zeitlich begrenzt durchgeführt wurde, sei das unschädlich.

Von Taxi-Deutschland gibt es unter

Taxi Deutschland vs. Mytaxi

http://taxi-deutschland.net/presse/

eine Stellungnahme: BGH-Urteil: 50%-Rabatte von Mytaxi verstoßen nicht gegen Tarifpflicht, Gericht sieht auch keine Verdrängungsabsicht

http://taxi-deutschland.net/presse/PM_2018-03-29_Statement_zum_BGH-Urteil_Mytaxi.pdf

Da wird Dieter Schlenker, Vorstandsvorsitzender der Taxi Deutschland eG zitiert:

> Die von Mytaxi gewährten hohen Fahrpreisrabatte müssen am Ende von den Taxiunternehmen über die an Mytaxi zu zahlenden Vermittlungsgebühren getragen werden. Wenn die örtlichen Taxigenossenschaften erst einmal vom Markt verdrängt sind, hat Mytaxi freie Bahn, die Vermittlungsgebühren willkürlich festzusetzen. Bereits in der Vergangenheit hat Mytaxi versucht, Vermittlungsprovisionen von bis zu 30% des Fahrpreises einzuführen.

Weiter aus der PM:

> Die Richter haben verkannt, dass die aggressive Marktstrategie von Mytaxi geradezu darauf angelegt ist, die alternativen Vermittlungsmöglichkeiten für die Taxiunternehmen auszuschalten. Wenn ein Eingreifen des Wettbewerbsrechts erst möglich sein soll, wenn keine ausreichenden Vermittlungsmöglichkeiten mehr bestehen, ist es zu spät. Die von den vielen Kleinstunternehmen getragenen genossenschaftlichen Zusammenschlüsse werden dann vom Markt verdrängt sein. Weder die Taxiunternehmen noch die Fahrgäste werden davon profitieren.

Taxi-Deutschland befürchtet also erst eine massive Verdrängung durch solche Aktionen und spätere drastische Erhöhungen der Vermittlungsprovision, wenn alle anderen Marktteilnehmer weg seien. Persönlich wundert mich das doch etwas, das sieht mir nach einem mangelnden Selbstbewußtsein aus. Schließlich hat der Taxifahrer zumindest nicht mehr Geld. Auch die in Taxi Deutschland zusammengeschlossenen Taxizentralen werden den Fahrern einen gewissen Prozentsatz für ihre Tätigkeit abziehen.

Bei MyTaxi

https://de.mytaxi.com/presse.html

fand sich zwar auch eine Rubrik "Presse". Aber da ist die letzte Mitteilung von 2014.

Fazit: Solange die Taxifahrer den behördlich festgesetzten Tarif abzüglich einer gewissen Vermittlungsgebühr erhalten, sind solche Rabattaktionen zulässig. Da My Taxi nur vermittelt, handelt es sich auch nicht um einen ruinösen Wettbewerb zwischen Taxifahrern.

Interessant ist das Verhältnis von diesem Urteil zum EuGH-Urteil zu Uber:

Europäischer Gerichtshof: Uber ist nicht als Informationsdienstleister, sondern als Verkehrsdienstleistung einzuschätzen - Urteil mit weitreichenden Folgen - C-434/15

https://blog.server-daten.de/de/2017-12-20/Europaeischer-Gerichtshof--Uber-ist-nicht-als-Informationsdienstleister--sondern-als-Verkehrsdienstleistung-einzuschaetzen---Urteil-mit-weitreichenden-Folgen---C-434-15-120

Uber wäre über einen solchen Status, wie ihn nun My Taxi hat, wohl sehr glücklich. My Taxi dürfte nach diesem Urteil im EuGH-Sinne als Anbieter von Informationsdienstleistungen, nicht aber als Anbieter von Verkehrsdienstleistungen einzustufen sein. Uber mischt sich massiv offline in die Interaktion zwischen Taxigast und Taxifahrer ein. Dieser Offline-Bezug fehlt wohl bei My Taxi.

Nicht gekennzeichnete Werbung - 90 Prozent aller Affiliate Posts auf YouTube und Pinterest sind für Nutzer nicht gekennzeichnet - Studie der Princeton University

28.03.2018 22:50:23, Jürgen Auer, keine Kommentare

Werbung muß als Werbung gekennzeichnet sein. Das ist die Rechtslage sowohl in Deutschland als auch in den USA. Praktisch unterbleibt das aber im Internet häufig.

Die Princeton University hat sich nun in einer Studie mit der Frage beschäftigt, wie häufig das auftritt. Betrachtet wurden Affiliate Posts auf YouTube und Pinterest.

Das Ergebnis: Bei 90 Prozent der Posts mit Affiliate Links gab es keinen Hinweis darauf, daß mit den Klicks Geld verdient wird.
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90 percent of affiliate ads on YouTube and Pinterest aren’t disclosed, says study - The paper analyzed over 500,000 YouTube videos and 2.1 million unique pins on Pinterest

https://www.theverge.com/2018/3/27/17167006/princeton-university-research-affiliate-links-sponsored-posts-youtube-pinterest

Das PDF (7 Seiten) mit der Zusammenfassung der Studie: An Empirical Study of Affiliate Marketing Disclosures on YouTube and Pinterest

https://arxiv.org/pdf/1803.08488.pdf

Die drei Studienautoren: Arunesh Mathur, Arvind Narayanan, Marshini Chetty

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Zunächst fällt auf, daß die Quote dieser Werbung relativ gering ist:

0,67 Prozent der über 500.000 analysierten Videos hatten Affiliate Links, das waren absolut 3.472 Videos.

0,85 Prozent der etwa 2,1 Millionen betrachteten Pins auf Pinterest hatten diese, absolut 18.237 Pins.

Nur 10 Prozent davon waren irgendwie als Werbung markiert. Interessant ist, daß das Userengagement bei diesen Beiträgen immer höher lag als der Schnitt.

Die Zahlen in der Studie sind leicht abweichend: 10,49% der YouTube-Beiträge waren als Werbung gekennzeichnet. Nur 7,03% der Pinterest-Pins.

Es gab drei wesentliche Arten der Kennzeichnung:

- #affiliatelink

- Erklärungen der Form: “This video contains affiliate links, which means that if you click on one of the product links, I’ll receive a small commission”

- Oder Hinweise im Support Channel: “AMAZON LINK: (Bookmark this link to support the show for free!!!”)

In den USA ist die Federal Trade Commission (FTC) dafür zuständig. Diese sagt, die bloße Kennzeichnung als Werbung oder als #sponsored zu wenig sei. Publisher sollten einen kurzen Satz dazu schreiben, der das erläutert.

Diese Erklärungen gibt es aber in den allermeisten Fällen nicht:

> In fact, Explanation disclosures — which the FTC recommends — only appear in 1.82% and 2.43% of affiliate content on YouTube and Pinterest respectively.

Grade mal 1,82 % (Videos) bzw. 2,43 % (Pins) der Affiliate Links sind im FTC-Sinne hinreichend gekennzeichnet.

Eigentlich gibt es mindestens auf YouTube Regeln dafür:

Paid product placements and endorsements

https://support.google.com/youtube/answer/154235?hl=en

Demnach muß das explizit angehakt werden, damit YouTube darüber informiert wird:

> If you do, we require you to notify YouTube by checking the "video contains paid promotion" box in your Advanced Settings using the instructions below.

Etwas ähnliches gibt es auf Instagram:

Branded Content auf Instagram

https://help.instagram.com/116947042301556

Die obige Untersuchung spricht davon, daß solche "Disclosure Tools" ein Schritt in die richtige Richtung seien. Da könnten die Plattformen aber noch so manches ausbauen.

Ferner hoffen die Studienautoren, daß es bsp. Browsererweiterungen geben könnte, die Affiliate Links direkt anzeigen könnten.

Man könnte natürlich auch fragen: Warum zeigen das Browser nicht schon gleich an?

Die Studie führt genauer aus, daß der Federal Trade Commission eine bloße Kennzeichnung als Affiliate-Link nicht ausreichen würde, weil dies die meisten Nutzer nicht verstehen würden. Deshalb schlägt sie solche Sätze wie

> I get commissions for purchases made through links in this post

vor.

Die Seite mit den genauen Hinweisen:

The FTC’s Endorsement Guides: What People Are Asking

https://www.ftc.gov/tips-advice/business-center/guidance/ftcs-endorsement-guides-what-people-are-asking

Die Plattformen: Wenn die Social-Media-Plattformen bsp. Tweets auf 280 Zeichen und Texte zu Pins auf 500 Zeichen beschränken, dann könnten sie solche Beiträge direkt markieren. Schließlich "sieht" die Plattform ja, wie der Link aussieht und wo der hingeht.

Rolle der Unternehmen: Acht Unternehmen

> Amazon, AliExpress, Commission Junction, Rakuten Marketing, Impact Radius, Reward-Style, ShopStyle and ShareASale

wurden näher betrachtet. Von diesen bezogen sich lediglich Amazon und ShopStyle explizit auf die FTC-Empfehlungen. Sprich: Eigentlich müßten diese Unternehmen ihre Werber deutlicher auf diese Verpflichtung hinweisen.

Würde man so eine Untersuchung mit deutschen Beiträgen machen, sähe das womöglich nicht allzuviel anders aus.

Google rollt das mobile-first indexing aus - bei Sites mit mobiler und Desktop-Variante wird primär die mobile Variante berücksichtigt - Nachricht in der Google Search-Console beim Umzug

27.03.2018 22:54:07, Jürgen Auer, keine Kommentare

So, nun ist es soweit: Google hat gestern bekannt gegeben, daß nun das mobile-first indexing gestartet wird. Nach 1,5 Jahren sowie nach diversen Tests.

Genauer gesagt: Websites, die den "best practices" für das mobile Indexieren folgen, sollen schrittweise auf das mobile-first indexing umziehen.
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Rolling out mobile-first indexing

https://webmasters.googleblog.com/2018/03/rolling-out-mobile-first-indexing.html

.
Der wesentliche Punkt dabei: Google erhält inzwischen die meisten Suchanfragen von mobilen Geräten. Die mobile Suche wird häufiger genutzt als die Desktopsuche. Wobei Google Tablets nicht zu den mobilen Geräten zählt. Es geht also weniger um die technische Anbindung, mehr darum, wie groß der zur Verfügung stehende Bildschirm ist.

Das Problem:

> To recap, our crawling, indexing, and ranking systems have typically used the desktop version of a page's content, which may cause issues for mobile searchers when that version is vastly different from the mobile version. Mobile-first indexing means that we'll use the mobile version of the page for indexing and ranking, to better help our – primarily mobile – users find what they're looking for.

Die bisherige Logik ist besonders dann kritisch, wenn es von einer Website zwei Varianten gibt: Eine Desktop- und eine mobile Variante. Etwa www.example.com und m.example.com.

Dann zog Google die www.example.com für die Bewertung heran, erstellte daraus bsp. das angezeigte Snippet. Doch dann ruft der Nutzer die Seite mit einem mobilen Gerät auf und wird auf die mobile Seite weitergeleitet. Und diese enthält sehr viel weniger Text. Das, was für den Nutzer womöglich wichtig war, fehlt.

Stattdessen wird - beim mobilen Index - bei so einer Doppelseite die mobile Variante indexiert. So daß der mobile Nutzer die Inhalte, die er auf der mobilen Website findet, bereits in der Google-Vorschau sieht.

Es gibt also nicht zwei verschiedene Indices - hier der mobile, dort der für die Desktop-Version. Sondern der - einzige - Index wurde bislang mit den Desktop-Versionen gefüllt, nun sollen die mobilen Versionen den Index auffüllen. Das wird aber nicht "in einem Rutsch für alle Websites auf einmal" gemacht. Sondern schrittweise.

Was auch bedeutet: Das Spidern wird aufwendiger, weil Google inzwischen bsp. CSS beim mobilen Index berücksichtigt. Da taucht der Smartphone-Googlebot mit seinem langen Useragent

> Mozilla/5.0 (Linux; Android 6.0.1; Nexus 5X Build/MMB29P) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/41.0.2272.96 Mobile Safari/537.36 (compatible; Googlebot/2.1; +http://www.google.com/bot.html)

auf.

Wer die Google Search-Console nutzt, soll einen Hinweis erhalten:

> We are notifying sites that are migrating to mobile-first indexing via Search Console.

Eine Folge ist, daß der Google-Cache die mobile Version anzeigen wird.

Auf einer weiteren Seite

Best practices for mobile-first indexing

https://developers.google.com/search/mobile-sites/mobile-first-indexing

werden die Konsequenzen erläutert: Wer bis jetzt nur eine Desktop-Variante hat oder wer bereits responsives Webdesign nutzt (also ein Design, das sich der Gerätebreite anpasst, so daß derselbe Inhalt auf allen Geräten verwendbar ist), der muß nichts machen:

> No change. The mobile version is the same as the desktop version.

Ebenso, wer nur AMP-Seiten nutzt.

Anders ist das für jene Websites, die getrennte Urls haben oder "Dynamic Serving" nutzen, also in Abhängigkeit vom Browser unter derselben Url verschiedene Inhalte ausliefern. Bei ersteren werden nun die mobilen Urls bevorzugt gespidert. Beim "Dynamic Serving" wird bevorzugt auf die mobile Variante zugegriffen.

Mit der Konsequenz: Wenn die mobile Variante weniger Content ausliefert, könnte das zu Nachteilen führen.

> Your mobile site should contain the same content as your desktop site. If your mobile site has less content than your desktop site, you should consider updating your mobile site so that its primary content is equivalent with your desktop site. This includes text, images (with alt-attributes), and videos – in the usual crawlable and indexable formats.

Praktisch heißt das: Wer verschiedene Urls oder dynamic Serving nutzt, macht sich das Leben nur selbst schwer. Weil man dann die beiden Varianten aufeinander abstimmen muß, obwohl responsives Webdesign eigentlich dasselbe leisten sollte.

Wichtig: Das soll in "Wellen" umgesetzt werden.

> Sites that are not in this initial wave don’t need to panic. Mobile-first indexing is about how we gather content, not about how content is ranked.

Wer bei der ersten Welle nicht dabei ist, der möge keine Panik bekommen. Es geht nicht um das Ranking, sondern darum, wie Google Content sammelt. Sowie:

> Moreover, if you only have desktop content, you will continue to be represented in our index.

Allerdings: Die Aussage mag technisch stimmen. Aber wenn eine Website mobil nicht verwendbar ist, etwa weil sie nicht

> <meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0" />

nutzt, so daß Nutzer ständig reinzoomen müssen und dann nach rechts scrollen müssen, weil die Website mit statischen Breiten arbeitet: Dann werden die mobilen Nutzer die Flucht ergreifen.

Das stellt auch Google fest:

> Having said that, we continue to encourage webmasters to make their content mobile-friendly. We do evaluate all content in our index -- whether it is desktop or mobile -- to determine how mobile-friendly it is.

Seiten sollten mobile-friendly sein. Das wird inzwischen eben auch geprüft. Ebenso, wie die Geschwindigkeit ein Kriterium ist. Endlos überladene Desktop-Seiten, die Unmengen an eingebundenen Dateien nachladen (womöglich ohne Caching) oder die mit riesigen Bildern bestückt sind: Das ist mobil schlecht.

Wer weitere Fragen zu diesen Themen hat, kann sich im Google-Webmaster-Forum

https://productforums.google.com/forum/#!forum/webmaster-de

melden.

Zu meinen eigenen Websites habe ich bislang auch noch keine Nachricht in der Google Search-Console erhalten. Obwohl bsp. der hiesige Blog fleißig von Google mit beiden Googlebots besucht wird.

Staatliche Mitarbeiter in Seoul / Südkorea sollen durch PC-Ausschalten an zuviel Arbeit gehindert werden - 67 Prozent wollen Ausnahmegenehmigung

26.03.2018 23:55:57, Jürgen Auer, keine Kommentare

In Südkorea liegt die durchschnittliche Arbeitszeit pro Jahr bei 2739 Stunden im Jahr. Das sind 7,5 Stunden pro Tag - bei einer Sieben-Tage-Woche. Nimmt man eine Fünf-Tage-Woche an, dann wären das etwa 10,5 Stunden pro Tag. Ohne Urlaubsberücksichtigung.

Die Behörden wollen nun gegensteuern. Und zwar so, daß es Zwangsabschaltungen der Computer gibt. Allerdings nur für die Behördenmitarbeiter in Seoul.

Wobei das in drei Phasen ausgerollt werden soll: In der ersten Phase sollen immer am Freitag die PCs um 20:00 ausgeschaltet werden. Beginnend am 30.03, der ja in Deutschland Karfreitag, also frei ist.

Im April sollen am zweiten und vierten Freitag die PCs um 19:30 gestoppt werden. Ab Mai soll dann freitags immer um 19:00 Feierabend sein.

Die Abschaltung soll es also nur am Ende der Arbeitswoche geben.
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South Korea to shut off computers to stop people working late

http://www.bbc.com/news/world-asia-43497017

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Es solle eine "culture of working overtime", eine Kultur des Zuviel-Arbeitens gestoppt werden. Oder auch eine "Kultur der Überstunden", die gestoppt werden solle.

Eigentlich hätte das für alle Mitarbeiter gelten sollen. Nur:

> However, not every government worker seems to be on-board - according to the SMG, 67.1% of government workers have asked to be exempt from the forced lights-out.

67,1 % hatten nach einer Ausnahmegenehmigung gefragt. Die Mehrheit will lieber arbeiten.

SMG ist die Abkürzung für "Seoul Metropolitan Government". Auf der dortigen Website

http://english.seoul.go.kr/

findet sich leider kein Hinweis.

Der Artikel verweist darauf, daß erst in diesem Monat ein Gesetz verabschiedet wurde, das die maximale wöchentliche Arbeitszeit von 68 Stunden auf 52 Stunden reduziert. 68 Stunden - das sind 10 Stunden pro Werktag und je 9 Stunden am Samstag und am Sonntag.

Wobei die 52 Stunden bedeuten, daß 40 Stunden die Normalarbeitszeit sind und maximal 12 Überstunden zulässig sind.

Eine kurze Suche brachte diesen Text von 2015 zum Vorschein:

Aufwachen!

https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2015/faulheit/aufwachen

Demnach dehnen Mitarbeiter die Zeit teils extrem aus, sind unterbeschäftigt und machen tausend andere Dinge. Ferner gibt es eine lange Tradition gemeinsamer abendlicher Kneipentouren - mit "intensivem Alkoholgenuß" namens „Hui-Sik“. Die werden von den Unternehmen bezahlt - durch drei verschiedene Bars geht es. Ergebnis: Die Mitarbeiter sind am nächsten Tag bis zum Mittag ohnehin nicht einsatzfähig - aber natürlich trotzdem im Unternehmen. Neue Mitarbeiter fühlen sich verpflichtet, daran teilzunehmen, weil nur über diese Beziehungen Karriere möglich sei. Inzwischen würde sich das aber langsam ändern.

Wobei es das Zwangsabschalten am Freitagabend ausschließt, daß es in den staatlichen Büros solche Hui-Sik geben dürfte.

Von dem Südkoreaner Byung-Chul Han, Professor für Philosophie und Kulturwissenschaft an der Universität der Künste Berlin, gibt es ein Buch namens "Müdigkeitsgesellschaft", das die dortige Kultur beschreibt.

Wer dort um 18:00 das Büro verläßt, der muß so tun, als würde er sich schlecht fühlen. Und das möglichst dann machen, wenn der Chef grade nicht da sei.

Inzwischen gibt es auch eine "neue Regel" namens 119: Nur noch eine Bar, nur noch eine Sorte Alkohol. Und um 21:00 muß Schluß sein, sonst bezahlt das Unternehmen den Hui-Sik-Abend nicht mehr.

Laut

VERSPRECHEN EINGELÖST : Südkorea verkürzt die Wochenarbeitszeit – auf 52 Stunden

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/suedkorea-verkuerzt-die-wochenarbeitszeit-auf-52-stunden-15469719.html

war die Reduktion der Wochenarbeitszeit ein Wahlversprechen, das nun umgesetzt wurde. Die 68 Stunden davor hießen 40 Arbeitsstunden, 16 Stunden am Wochenende und 12 Überstunden. Die Wochenendarbeit ist damit also gestrichen. Die tägliche maximale Arbeitszeit läge damit bei knapp über 10 Stunden pro Tag.

Etwas erinnert das an das Vorhaben des japanischen Unternehmens Taisei: Das will Mitarbeiter mit Drohnen nach Hause jagen. Die Drohne soll "Auld Lang Syne" spielen.

Auld Lang Syne - Drohnen-Technik als Antwort auf drohendes karoshi - japanisches Unternehmen Taisei will zu lange arbeitende Mitarbeiter mit Drohne und Musik nach Hause treiben

https://blog.server-daten.de/de/2017-12-18/Auld-Lang-Syne---Drohnen-Technik-als-Antwort-auf-drohendes-karoshi---japanisches-Unternehmen-Taisei-will-zu-lange-arbeitende-Mitarbeiter-mit-Drohne-und-Musik-nach-Hause-treiben-118

Beim Stromabschalten gäbe es ohnehin das Risiko, daß womöglich Computer beschädigt werden. Wenn, dann müßte man die Computer im Unternehmensnetz zwangsweise herunterfahren.

Arborescence - ein Haus wie ein Baum - der Gewinner der internationalen Wettbewerbs "Image Angers" in Angers / Frankreich - von Crespy & Aumonts Architects und WY-TO

25.03.2018 23:56:13, Jürgen Auer, keine Kommentare

Kann ein Haus wie ein Baum aussehen? Und dabei großzügig begrünt werden, so daß von daher die "Wahrnehmung als Baum" naheliegt?

In Angers im Westen von Frankreich gab es einen internationalen Wettbewerb "Image Angers". Der erste Preis ging an eine Blockrandbebauung, die man hier in Berlin mit Sicherheit "klassisch", also als großen, kompakten Riegel ausgeführt hätte.

Ganz anders das Projekt Arborescence des Architekturbüros Crespy & Aumonts Architects und WY-TO von Paris und Singapur.

Arborescence heißt "Baumstruktur". So ähnlich sieht die markante Eckbebauung des Gebäudes auch aus.
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crespy & aumont architectes and WY-TO's tree-like structure blends city and nature

https://www.designboom.com/architecture/crespy-aumont-architectes-wyto-tree-structure-city-nature-03-22-2018/

Die Kandidatenseite beim Wettbewerb: ARBORESCENCE

http://imagine.angers.fr/candidat/arborescence/

Die Projektseite bei WY-TO: Arborescence

http://www.wy-to.com/portfolio/arborescence/

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Laut letzterem soll das Projekt sehr vielfältig genutzt werden: 90 Seniorenapartments, 15 Wohneinheiten, Büros mit Co-Working-Spaces, ein Gesundheitszentrum für Kinder, ein Restaurant, ein Swimming Pool und Fitnessräume sowie kommunale Grünanlagen.

> a mixed-use project for a new urban development

Eine Mischnutzung für eine neue städtische Entwicklung.

Von dem Block werden drei Seiten bebaut. Innen ergibt sich ein großzügiger Innenhof. Die markante Baumstruktur steht an einer Ecke.

Die flacheren Teile umfassen 4 Stockwerke. Die Baumstruktur hat 11 Stockwerke. Immer mit weit ausladenden Balkonen, die großzügig mit Grün bepflanzt sind.

Wobei man vom Innenhof bald mehr Grün sieht als von außen her.

Ferner sind die Dächer der flacheren Bebauung ebenfalls grün und mit Bäumen bepflanzt. So daß zwar Boden bebaut und damit versiegelt wird. Insgesamt aber bald mehr Grünflächen als bisher erzeugt werden dürften. Weil eben die bepflanzten und übereinandergestapelten Balkone weitere Flächen zur Verfügung stellen.

Richtig interessant sind einige Skizzen, die zeigen, wie die Blockrandbebauung mit einem großen Würfel an der Ecke in die tatsächliche Struktur transferiert wurde.

Hier in Berlin hätte man das natürlich als Blockrandbebauung genau so gebaut.

Auf der WY-TO - Seite gibt es eine animierte Grafik, die das Verhältnis von umlaufendem Balkon zur Nutzfläche drinnen zeigt.

Ferner Luftaufnahmen des Grundstücks.

Wobei einige der anderen Wettbewerbsteilnehmer

http://imagine.angers.fr/laureats/

ebenfalls Projekte eingereicht haben, bei denen viel Grün auf den Häusern zu finden ist.

Jedesmal, wenn ich solche Projekte sehe, frage ich mich, warum es so etwas nicht schon längst hier in Berlin gibt.

Bundesgerichtshof: Teileigentümergemeinschaft muss erst über Änderungen entscheiden, bevor einzelne Teileigentümer Einheiten zu anderen Zwecken nutzen - V ZR 307/16

24.03.2018 23:54:35, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mehrere Personen bilden gemeinsam eine Teileigentümergemeinschaft an einem Gebäude. Dieses ist zur beruflichen und gewerblichen Nutzung bestimmt.

Wenn nun eine der Personen seine Einheit für private Zwecke, nämlich zur Vermietung nutzen möchte: Darf er das einfach machen?

Oder muß er erst - gegebenenfalls im Wege einer Klage - die Zustimmung der Teileigentümergemeinschaft einholen?

Der Bundesgerichtshof hat so einen Fall entschieden. "Einfach ändern" geht nicht. Erst muß die Zustimmung vorliegen. Die Fragestellung dürfte für diverse Teileigentümergemeinschaften relevant sein.
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Nutzung einer Teileigentumseinheit im "Ärztehaus" zu Wohnzwecken?

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=82026&pos=0&anz=61

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Der Sachverhalt im Raum des AG Dachau: Das Gebäude dürfte damals wohl erbaut worden sein, hat also ein Alter von 25 Jahren.

> Nach der Teilungserklärung von 1989/1990 dient das aus sieben Einheiten bestehende Gebäude "zur beruflichen und gewerblichen Nutzung". Die Einheiten dürfen "ausdrücklich beruflich oder gewerblich, insbesondere auch als Apotheke oder Arztpraxis genutzt werden".

Zunächst funktionierte das wie gedacht:

> Nach der Aufteilung befanden sich zunächst in sechs Einheiten Arztpraxen, die siebte diente als Apotheke. Der Beklagte ist Eigentümer einer der ursprünglichen Arztpraxen.

Aber dann gab es einen Neubau:

> Im Jahr 2013 wurde in unmittelbarer Nähe zu der Anlage ein großes Ärztehaus errichtet. Die Mieter des Beklagten kündigten das Mietverhältnis. Aktuell werden nur noch drei Einheiten als Arztpraxen genutzt. Die Apotheke wurde zu einem Teil an ein Büro für Tierschutzhilfe vermietet und steht im Übrigen leer. In einer der ehemaligen Arztpraxen befindet sich eine Schülernachhilfe. Der Beklagte teilte seine Einheit auf, baute sie um und vermietete beide Teile als Wohnraum.

Daraufhin klagten mehrere Teileigentümer auf Unterlassung. Das AG Dachau hatte die Klage abgewiesen. Das LG München I hatte der Klage stattgegeben. Revision wurde vom Bundesgerichtshof wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen. Die Revisionsentscheidung bestätigte die LG-Entscheidung, allerdings aus deutlich anderen Gründen.

Zum einen steht den Klägern ein Unterlassungsanspruch zu. Das Haus war für die berufliche Nutzung gedacht, das ist die "vorgesehene Nutzung". Von dieser weicht eine Nutzung als Wohnraum deutlich ab.

> In einem solchen Gebäude ist die Wohnnutzung bei typisierender Betrachtung regelmäßig schon deshalb störender als die vorgesehene Nutzung, weil sie mit typischen Wohnimmissionen (wie Küchengerüchen, Freizeit- und Kinderlärm oder Musik) sowie einem anderen Gebrauch des Gemeinschaftseigentums (etwa im Flur herumstehenden Gegenständen) einhergeht und zu anderen Zeiten - nämlich ganztägig und auch am Wochenende - erfolgt.

Dagegen steht das berechtigte Interesse der Teileigentümer:

> Die Teileigentümer haben ein berechtigtes Interesse daran, dass der professionelle Charakter einer derartigen Anlage erhalten bleibt, um Konflikte, die durch eine in der Teilungserklärung nicht angelegte gemischte Nutzung hervorgerufen werden können, von vornherein zu vermeiden.

Allerdings hat der Teileigentümer, der eine private Nutzung wünscht, einen Anspruch auf Änderung der Gemeinschaftsordnung. Da wich der Bundesgerichtshof vom LG-Urteil ab.

> Mit der Kodifizierung des § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG im Jahr 2007 hat der Gesetzgeber die Hürden an die Anpassung der Gemeinschaftsordnung bewusst etwas absenken wollen.

Der beklagte Teileigentümer hatte geltend gemacht, daß an eine gewerbliche Vermietung kaum mehr zu denken sei. Das Gebäude ist wohl gegenüber dem Neubau nicht mehr konkurrenzfähig. Damit wird er an der wirtschaftlichen Verwertung gehindert. Da hätte ein Sachverständigengutachten eingeholt werden müssen. Ferner hätte konkret geklärt werden müssen, was für Nachteile für die Kläger entstehen, um eine Abwägung zwischen den verschiedenen Interessen zu treffen. Aktuell werden drei Arztpraxen nicht mehr im ursprünglichen Sinne genutzt. Auch das wirkt sich negativ auf das Gebäude aus.

Entscheidend ist nun aber die Reihenfolge. Erst bauen und dann verklagt werden geht nicht.

> Selbst wenn nämlich ein Anpassungsanspruch gemäß § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG bestehen sollte, müsste der Beklagte diesen zunächst im Wege der Klage durchsetzen. Er darf ihn nicht im Wege der Einrede gegen den Unterlassungsanspruch geltend machen.

Das sei eine bis jetzt offene Frage gewesen.

> Diese Frage war bislang umstritten. Der Bundesgerichtshof hat nun geklärt, dass berechtigte Anpassungsbegehren erst in der Gemeinschaftsordnung umgesetzt werden müssen, damit klar und eindeutig ist, welche Vereinbarungen für das Verhältnis der Wohnungseigentümer untereinander gelten.

Denn selbst wenn jetzt ein Gutachten zu dem Schluß käme, daß die Teileinheit nicht mehr als Arztpraxis vermietbar sei, würde die bisherige Gemeinschaftsordnung weiterbestehen. Es würde sich aus einer solchen Ablehnung der Klage kein Anpassungsanspruch an die Gemeinschaftsordnung ergeben.

Ferner würde eine solche Lösung die anderen Eigentümer in die Rolle der Kläger drängen. Stattdessen gilt:

> Grundsätzlich muss aber derjenige, der gegen den Willen der übrigen Wohnungseigentümer die Anpassung der Nutzungsregelung erreichen will, eine darauf gerichtete Klage erheben; die neue Nutzung darf er erst dann aufnehmen, wenn er ein entsprechendes rechtskräftiges Urteil zu seinen Gunsten erstritten hat.

Bis zu einem solchen Urteil gelten die bisherigen Regeln. Andere Nutzungen haben zu unterbleiben.

Praktisch heißt dies: Der beklagte Teileigentümer muß seinen Mietern wieder kündigen und kann das - nun umgebaute - Teileigentum erst einmal nicht nutzen.

Einfach ist das, wenn das ganze Haus nur einen Eigentümer hat. Aber solche Teileigentümergemeinschaften können schwierig werden. Da hat man ein Eigentum. Und kann aufgrund der geänderten Situation in der Umwelt keine Einnahmen mehr erzielen.

Internet Security Threat Report 2018 (ISTR - Symantec) - Zuwachs beim Cryptojacking - unbemerktes Cryptocurrency-mining, Preisverfall bei Ransomware - Hauptrisiko Phishing

23.03.2018 23:42:46, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Kryptowährungen gab es in den letzten Quartalen immer wieder deutliche Kursgewinne. Das führt nun bei Schadsoftware dazu, daß Ransomware (= Verschlüsselungs- und Erpressungssoftware) für Hacker immer uninteressanter wird. Eigenes Schürfen kostet Strom, also läßt man andere schürfen.

Die Wirkung: Bei Ransomware gibt es einen Preisverfall: Die geforderten Summen hatten sich von 1077 Dollar 2016 auf 522 Dollar 2017 fast halbiert.

Stattdessen wird versucht, Nutzern Software unterzujubeln, mit der Kryptowährungen (Bitcoin, Monero) geschürft werden können. Der Königsweg: Das auf Websites einschleusen, so daß das Cryptocurrency-mining betriebssystemunabhängig funktioniert und zum Browser mining wird.

Das sind zwei der wesentlichen Punkte aus dem aktuellen Internet Security Threat Report von Symantec, der die Entwicklung von Schadsoftware im vorigen Jahr beschreibt.
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Ein Blogbeitrag: ISTR 23: Insights into the Cyber Security Threat Landscape

https://www.symantec.com/blogs/threat-intelligence/istr-23-cyber-security-threat-landscape

2018 Internet Security Threat Report

https://www.symantec.com/security-center/threat-report

Ein vierseitiges PDF:

Executive Summary - 2018 Internet Security Threat Report ISTR

https://www.symantec.com/content/dam/symantec/docs/reports/istr-23-executive-summary-en.pdf

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Neue Malware: 92 % Anstieg bei neuen Downloader-Varianten.

80 % Anstieg bei neuer Malware für den Mac.

Und ein Anstieg von 8.500 % bei Coinminern. Der Vorteil: Relativ wenig Code genügt.

> With a low barrier of entry—only requiring a couple lines of code to operate—cyber criminals are using coinminers to steal computer processing power and cloud CPU usage from consumers and enterprises to mine crypto currency.

In absoluten Zahlen:

> Detections of coin miners on endpoint computers increased by 8,500 percent in 2017, with Symantec logging 1.7 million in December alone.

1,7 Millionen Fälle alleine im Dezember. Die Risiken: Geräte werden deutlich langsamer, Batterien werden schneller leer. Teils gehen die Angriffe aber auch schon gegen Rechenzentren. So daß sich die Stromkosten erhöhen.

Deutlich zugenommen haben sogenannte Supply Chain Attacken: Es wird versucht, Updateprozesse von Software zu kapern. Mit dem Ergebnis, daß alle Unternehmen, die diese Software verwenden, gehackt werden können. Da gab es 2015 und 2016 4 Angriffe pro Jahr. Das ging hoch auf 10. Etwa Petya/NotPetya in der Ukraine. Oder auch WordPress-Hacks. In dem Blogbeitrag gibt es eine Grafik mit allen insgesamt 18 beobachteten Fällen.

Damit können auch Unternehmen gehackt werden, die eigentlich relativ gut abgeschottet sind.

Bei Ransomware ging zwar die Zahl der Varianten um 46 % hoch. Aber die Zahl der "Codefamilien" sank. Da zu viele Leute nicht zahlten, wurde das uninteressanter, die Kriminellen wechseln lieber zum Cryptocurrency-mining.

Bei der mobilen Malware gab es einen Anstieg von 17K (2016) auf 27K (2017) bei den mobilen Malware-Varianten. 24K gefährliche mobile Apps wurden jeden Tag blockiert.

Ein wesentliches Problem: Alte Android-Versionen. Nur etwa 20 % nutzen die neueste Hauptversion, nur 2,3 % die neueste Minor-Variante.

Ferner stieg die Zahl der mobilen "Grayware Apps":

> apps that aren’t completely malicious but can be troublesome.

Da stieg das um 20 %. 63 % der Grayware Apps leaken die Telefonnummer.

Die Hauptangriffstechnik ist eigentlich altbekannt:

> Targeted attack groups are on the rise, and the US presents their biggest target. Their methods are low tech and highly effective: Last year, 71 percent of attacks began with spear phishing.

Pishing.

Dabei bin ich ausgerechnet gestern über eine verblüffende Mail gestolpert. Das war zwar kein Phishing, sondern ein üblicher Bankbetrug. Aber die Mail war zum ersten Mal in ordentlichem Deutsch verfaßt.

> Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Sie als nächsten Verwandten / Begünstigten für meinen verstorbenen Kunden an Bord zu holen. Ich werde Ihnen alle notwendigen Dokumente zur Verfügung stellen, die die Bank möglicherweise benötigt, um Sie als Begünstigte / Angehörige zu bestätigen. Ich werde Sie bei jedem Schritt für den erfolgreichen Abschluss dieses Projekts begleiten. Ich gebe Ihnen 40% des gesamten Fonds, während ich 60% als Urheber nehme.

Kein holperiges Englisch mehr.

Wenn das so ordentlich geschrieben wird, könnten auch mehr Leute auf solche Betrugsgeschichten hereinfallen.

Einerseits steigen die Fallzahlen und Risiken an. Anderereseits sind die Angriffstechniken dieselben. Die wirklich kritischen Zero-Day - Hacks sind sogar zurückgegangen.

thisisyourdigitallife - Facebook und Cambridge Analytica - warum wird jetzt längst Bekanntes zum Skandal erklärt? Facebook sammelt exzessiv Daten und nutzt diese zur Werbung

22.03.2018 23:44:12, Jürgen Auer, keine Kommentare

Irgendwie bin ich aktuell doch sehr verblüfft. Da hat Aleksandr Kogan, ein britischer Forscher, eine Facebook-App thisisyourdigitallife mit Erlaubnis von Facebook auf die Plattform gebracht. Da ging es um eine Umfrage zu Persönlichkeitstypen, das war 2013. Dieses Datum fand sich in dem Zuckerberg-Post (siehe weiter unten).

Etwa 270.000 Nutzer installierten die App und stimmten damit der Weitergabe ihrer Daten zu. Zusätzlich hatte die App aber Zugriff auf wesentliche Daten der Freunde dieser App. Insgesamt wurden damit etwa 50 Millionen Profile "exportiert". Zum damaligen Zeitpunkt war dieser Zugriff der App auf Daten der Freunde legitim, später wurde das eingeschränkt.

Dann wurden die Daten, nachdem sie erst mal aus Facebook weg waren, an Cambridge Analytica sowie an Christopher Wylie und sein Unternehmen Eunoia Technologies weitergegeben. Jeder, der auch nur etwas von Statistik versteht, weiß, daß man über hinreichend große Datenmengen "tolle Korrelationen" berechnen kann.

Damit ging das in den US-Wahlkampf: Potentielle Trump-Wähler sahen die einen, potentielle Clinton-Wähler die anderen "passenden Anzeigen". Das Ergebnis ist bekannt.

Die beiden Artikel vom letzten Wochenende, die international hohe Wellen schlugen:
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Beim Guardian: Revealed: 50 million Facebook profiles harvested for Cambridge Analytica in major data breach

https://www.theguardian.com/news/2018/mar/17/cambridge-analytica-facebook-influence-us-election

Christopher Wylie gegenüber dem Observer:

> “We exploited Facebook to harvest millions of people’s profiles. And built models to exploit what we knew about them and target their inner demons. That was the basis the entire company was built on.”

Die inneren Dämons der Leute ansprechen, auf daß diese das Kreuz an der richtigen Stelle machen bzw. nicht wählen gehen. In dem Artikel ist auch die Rede davon, daß die ursprünglichen App-Nutzer lediglich der Verwendung für Forschungszwecke zugestimmt hätten.

In der New York Times: How Trump Consultants Exploited the Facebook Data of Millions

https://www.nytimes.com/2018/03/17/us/politics/cambridge-analytica-trump-campaign.html

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Und nun? Wo ist jetzt daran die Überraschung? Facebook sammelt seit dem Beginn so ziemlich alles an Daten über Nutzer, was nur verfügbar ist. Und nutzt das, um "passgenaue Werbung" auszuspielen.

Unternehmen buchen diese "passgenaue Werbung", die auf dem ständigen Datensammeln beruht. Und nutzen sie, um ihre eigenen Produkte möglichst genau an die gewünschte Zielgruppe zu bringen.

Facebook bietet das aber nicht nur Unternehmen an. Sondern auch Parteien für Wahlkampfzwecke. Laut einem Artikel im Tagesspiegel

Millionenfacher Datenmissbrauch: Facebook ist kein Opfer des Skandals – sondern selbst schuld

https://www.tagesspiegel.de/politik/millionenfacher-datenmissbrauch-facebook-ist-kein-opfer-des-skandals-sondern-selbst-schuld/21099064.html

schickt Facebook sogar Marketingspezialisten los, die Parteien bei deren Kampagnen unterstützen. Und verdient natürlich daran.

Ende 2016 gab es eine Riesenwelle, als dieser Beitrag

Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt

https://www.dasmagazin.ch/2016/12/03/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt/

erschien. Da ging es um Michal Kosinski, der auch solche Forschungen zu Big Data angestellt hatte. Er hatte schon 2008 so eine ähnliche App entwickelt. Und das wurde - von Aleksandr Kogan nachgeahmt.

Dann schränkte Facebook den Zugriff von Apps auf Kontakte der Teilnehmer deutlich ein. Forderte von Cambridge Analytica die Löschung der Daten, ohne das wirklich zu kontrollieren bzw. durchzusetzen. Facebook hätte ja auch eine Klage gegen Cambridge Analytica mit einer Löschaufforderung einreichen können.

Nun kommt das - wie so üblich - irgendwann eben doch raus. Die Politiker sind empört, obwohl sie alles längst hätten wissen können. Und Facebook gibt sich zerknirscht:

Mark Zuckerberg schreibt etwas auf Facebook:

https://www.facebook.com/zuck/posts/10104712037900071

> We have a responsibility to protect your data, and if we can't then we don't deserve to serve you. I've been working to understand exactly what happened and how to make sure this doesn't happen again.

Da war ursprünglich gerade die Idee, daß Apps auch sozial sein könnten, dafür brauchen sie aber den Zugriff auf die Daten der Freunde. Demnach wurden schon 2014 Apps massiv eingeschränkt. Vor allem konnten sie nur noch dann auf Daten von Freunden zugreifen, wenn diese selbst die App authorisierten. 2015 wußte Facebook bereits, daß Kogan die Daten mit Cambridge Analytica geteilt hatte. Da flog die App raus. Aber Kogan und Cambridge Analytica blieben weiterhin auf der Plattform, sie sollten die Daten löschen. Nun - wie tragisch - erfährt Facebook, daß Cambridge Analytica das nicht gemacht habe, nun fliegen die ganzen Unternehmen bei Facebook raus.

Hat Facebook allen Ernstes geglaubt, daß ein "Hey, löschen Sie mal diese Daten" ausreicht, damit Cambridge Analytica die Daten löscht, anstatt sie für den anstehenden US-Wahlkampf zu nutzen? Ein solcher Datenpool ist sehr wertvoll. Da war es zu erwarten, daß da getrickst wird.

Jetzt soll es ein paar Einschränkungen geben. Nur: Das alles löst nicht das Kernproblem:

> I started Facebook, and at the end of the day I'm responsible for what happens on our platform.

Solange Facebook weiterhin so dermaßen viele Daten erhebt und ständig sammelt. Und solange Facebook genau das an Werbetreibende verkauft und darauf sein Geschäftsmodell aufbaut. Solange wird es auch neue Versuche geben, das entsprechend "geschickt" auszunutzen. Nun eben nicht über eine App und "abgezogene Daten". Sondern direkt innerhalb von Facebook per Werbeanzeigen, so daß Facebook daran direkt verdient.

Die nächste Kampagne bei der nächsten Wahl wird eben "etwas raffinierter" werden. Aber es wird sie geben. Weil Facebook die Daten hat und damit Geld verdienen möchte. Und weil Unternehmen dafür Geld ausgeben, auf Facebook werben zu dürfen.

Sprich: Facebook kommt "irgendwie" an Daten ran, mit Cookies, ohne Zustimmung der Nutzer. Sammelt diese exzessiv und verdient damit Geld. Cambridge Analytica hat effektiv bloß dasselbe gemacht. "Kam eben irgendwie" an Daten von Facebook ran. Hat die Löschaufforderung lauwarm ignoriert, Facebook hat das ja auch nicht wirklich per Urteil durchgedrückt. Und Cambridge Analytica hat die Daten eben weiterhin genutzt. Bis es rauskam.

LSEV: 3D-printed electric car - ein E-Auto aus dem 3D-Drucker für 7500 Dollar, gedruckt in drei Tagen - Projekt von XEV - Unternehmen für elektrische Autos aus Italien und Polymaker - 3D-Unternehmen

21.03.2018 23:15:53, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bahnt sich da eine leise Revolution an? Die deutschen Autobauer hängen weiter an ihren großen Modellen. Aber anderswo gibt es andere Konzepte.

So LSEV: Ein Auto, das innerhalb von drei Tagen per 3D-Drucker hergestellt wird. Als das erste Auto, das sich wirklich für die Massenproduktion eignet.

Ein gemeinsames Projekt von XEV, einem Unternehmen aus Italien, das elektrische Autos herstellt. Und Polymaker, ein Unternehmen, das 3D-Lösungen anbietet.
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World’s first mass-producible 3D-printed electric car will cost under $10K

https://inhabitat.com/worlds-first-mass-producible-3d-printed-electric-car-will-cost-under-10k/

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Ein Statement von Luo Xiaofan, CEO von Polymaker:

> “XEV is the first real mass production project using 3D printing. By saying real, I mean there are also lots of other companies using 3D printing for production. But nothing can really compare with XEV in terms of the size, the scale, and the intensity.”

Die erste reale Massenproduktion, die 3D-Printing nutzt. Andere Unternehmen nutzen zwar schon 3D Printing. Aber das würde alles nicht weit genug gehen.

Das Video auf YouTube:

Bringing LSEV to life - The 1st Mass Produced 3D Printed Car

https://www.youtube.com/watch?v=M-X-rN2yXfs

Das Auto schafft 43 Meilen als Höchstgeschwindigkeit, das sind etwa 69 Stundenkilometer. Es hat eine Reichweite von 93 Meilen = knapp 150 Kilometern.

Das ist nicht viel, aber für städtischen Verkehr genügt das problemlos.

Wie konnten die Kosten so sehr gesenkt werden?

> They shrunk the number of plastic parts and components from 2,000 to 57, which also makes the LSEV a lot lighter than a standard, comparable vehicle. All of the EV’s visible parts were printed, except for the chassis, seats and glass.

Die Zahl der Kunststoffteile wurde von 2000 auf 57 reduziert. Damit ist das Auto auch deutlich leichter als vergleichbare Autos. Alles außer dem Fahrgestell, den Sitzen und den Glasscheiben wurde gedruckt.

Bei CNBC gibt es ein kleines Video (55 Sekunden), das etwas mehr zum Druck und zu den Einzelteilen zeigt:

This 3-D printed electric car costs $7,500 and took three days to make

https://www.cnbc.com/2018/03/17/lsev-is-a-7500-3-d-printed-electric-car-from-xev.html

Demnach soll das Auto 2019 in Asien und Europa erhältlich sein.

Etwas kommt mir das so vor, als ob so eine Lösung die deutschen Autobauer massiv in Bedrängnis bringen könnte. Zwei unbekannte Unternehmen, die ganz anders an bestimmte Fragestellungen herangehen. Die das ganze Auto neu denken, ohne auf Abteilungen und Personen Rücksicht nehmen zu müssen. So daß sie alte Zöpfe abschneiden und sich nicht mit Altlasten beschäftigen müssen.

Wenn ein Drucker 3 Tage dafür braucht, wären das ungefähr 100 Autos im Jahr. Also bräuchte man 1000 Drucker, um in einem Jahr 100.000 Autos produzieren zu können.

Das angesichts der aktuellen Diskussionen um die Schadstoffbelastung in den Städten. Wenn man die "dreckigen Diesel" nur noch verwendet, um außerhalb der Städte unterwegs zu sein und in den Städten solche Autos bsp. zum Mieten bereitstellt, dann könnte das rasch Effekte haben.

Die Unternehmen müßten so auch E-Busse herstellen. Die fehlen nämlich, die deutschen Autobauer haben das Thema seit Jahren verschlafen. Praktisch dürfte die Entwicklungszeit von solchen 3D-gedruckten Autos deutlich kürzer sein als das bei Verbrennungsmotoren mit sehr viel mehr Komponenten der Fall ist.

Bundesgerichtshof: Stornierung der Flugbuchung kann bei günstigerem Ticket wirksam ausgeschlossen werden - Fluggast hätte Versicherung abschliessen können - X ZR 25/17

20.03.2018 23:10:58, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer fliegt, möchte womöglich günstige Preise. Aber ist es rechtmäßig, daß ein Unternehmen (hier: Die Lufthansa) verschiedene Tickets anbietet: Bei den günstigeren gibt es bei einer Stornierung fast keine Rückzahlung des Ticketpreises. Bei teureren Tickets kann ein Großteil der Zahlung erstattet werden.

Zwei Personen hatten im November 2014 für Mitte Mai 2015 Tickets gekauft. Im März 2015 wurden die Tickets storniert. Es wurden jedoch nur geringe Rückzahlungen geleistet. Zu Recht. So der Bundesgerichtshof in einer heutigen Entscheidung. Damit wurden die Entscheidungen von AG Köln und LG Köln bestätigt.
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Stornierung der Flugbuchung kann wirksam ausgeschlossen werden - Urteil vom 20. März 2018 – X ZR 25/17

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=81891&pos=0&anz=59

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Der Fall:

> Sie buchten im November 2014 für den 22./23. Mai 2015 Flüge von Hamburg nach Frankfurt am Main mit Anschlussflug nach Miami und von Los Angeles über Frankfurt am Main nach Hamburg zum Gesamtpreis von 2.766,32 €. Der Buchung lagen für die innerdeutschen Teilstrecken die Buchungsklasse Economy (Y) und für die interkontinentalen Teilstrecken die Klasse Premium Economy (N) zugrunde, für die die Bedingungen der Beklagten folgende Regelung vorsahen:

Die konkrete Regelung:

> "Die Stornierung der Tickets ist nicht möglich. Die nicht verbrauchten Steuern und Gebühren sind erstattbar. Der internationale/nationale Zuschlag ist nicht erstattbar."

Am 20.03.2015 wurden die Tickets storniert - wegen einer Erkrankung. Die Luftgesellschaft zahlte jeweils 133,56 Euro an ersparten Steuern und Gebühren zurück. Jeder der Kläger wollte die Differenz von 1.249,60 € und die Erstattung vorgerichtlicher Anwaltskosten zurückbekommen, folglich Klage. Das AG Köln wies die Klage ab, die Berufung dagegen blieb ebenfalls erfolglos. Nun wurde die Revision als unbegründet verworfen.

Zunächst handelt es sich um einen Werkvertrag: Damit können die Fluggäste den Vertrag jederzeit kündigen.

> Entgegen der Auffassung der Beklagten sind für auf den (Luft-)Personenbeförderungsvertrag die Vorschriften des Werkvertragsrechts anwendbar. Der Fluggast kann daher nach § 649 BGB den Beförderungsvertrag jederzeit kündigen. Die Anwendung dieser Vorschrift ist jedoch durch die Beförderungsbedingungen der Beklagten im Streitfall wirksam abbedungen worden.

Das hört sich auf den ersten Blick widersprüchlich an. § 649 BGB sieht jedoch zusätzlich zur Kündigungsmöglichkeit eine Erstattungspflicht bei Vorauszahlung vor. Damit wäre alles ab 5 % des ursprünglich vereinbarten Preises für das Luftfahrtunternehmen begründungspflichtig gewesen. Diese Erstattungspflicht wurde wirksam abbedungen.

> Die Kündigung des Werkvertrags durch den Besteller hat zur Folge, dass die Leistungspflicht des Werkunternehmers entfällt. Er soll jedoch nicht schlechter stehen, als er bei Vertragserfüllung stünde und behält somit seinen Vergütungsanspruch, muss sich jedoch ersparte Aufwendungen und die Vergütung für eine anderweitige Verwendung seiner Arbeitskraft anrechnen lassen.

Nur sind die Fixkosten in so einem Fall eben konstant. Ein Fluggast mehr oder weniger macht nichts aus. Theoretisch hätte zwar der Flug ausgebucht sein können, so daß ein Nachrücker den Platz einnimmt. Aber:

> Die Ermittlung, ob sich hieraus im Einzelfall ein auf den Beförderungspreis anrechenbarer anderweitiger Erwerb ergibt, wäre jedoch typischerweise aufwendig und insbesondere dann mit Schwierigkeiten verbunden, wenn die Anzahl von Fluggästen, die gekündigt haben, größer wäre als die Anzahl der Fluggäste, die ohne die Kündigungen nicht hätten befördert werden können. Aus der Sicht des einzelnen Fluggastes, der von einem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht hätte, hinge es zudem vom Zufall ab, ob ihm ein Erstattungsanspruch zustände oder er trotz Kündigung (nahezu) den vollständigen Flugpreis zu zahlen hätte.

Das wäre also viel zu unkalkulierbar.

Dann hätte es auch noch einen höheren Preis mit Kündigungsrecht gegeben. Aber den hatten die Kläger nicht gebucht. Eine Versicherung wäre auch noch möglich gewesen.

> Will er nicht den höheren Preis zahlen, zu dem typischerweise eine flexible Buchung erhältlich ist, mit der er in jedem Fall eine Erstattung des Flugpreises erreichen kann, kann er für den Krankheitsfall, wie er im Streitfall vorlag, eine solche Erstattung durch eine Versicherung absichern.

Auch dagegen hatten sich die Kläger nicht abgesichert. Folglich:

> Unter Berücksichtigung dieser Umstände stellen der Ausschluss des Kündigungsrechts und die damit verbundene vereinfachte Vertragsabwicklung bei der Beförderung mit einem Massenverkehrsmittel keine unangemessene Benachteiligung des Fluggastes dar.

In einer Vorbesprechung

BGH verhandelt: Fluggäste fordern nach Stornierung ihr Geld zurück

https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/bgh-verhandelt-fluggaeste-fordern-nach-stornierung-ihr-geld-zurueck/21090228.html

wird erwähnt, daß der Reiserechtsexperte Felix Methmann vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mit einer Entscheidung zugunsten der Kläger rechnet. Dort wird auf § 648 BGB verwiesen. Demnach gäbe es eine Erstattungspflicht, wenn das "Werk", hier der Platz im Flugzeug, an einen anderen Fluggast verkauft wird. Dagegen hat der Bundesgerichtshof mit heutigem Urteil eingewendet, daß so eine Lösung zu sehr vom Zufall abhängen würde.

Das Urteil wundert mich nicht. Günstigerer Ticketpreis - keine Rückzahlung. Höherer Ticketpreis - Rückzahlung. Bei der Deutschen Bundesbahn sind auch jene Tickets günstiger, die sehr früh gebucht und nicht zurückgegeben werden können.

So können Unternehmen das vorzeitige Kündigungsrisiko abfangen, indem sie unterschiedliche Tickets anbieten. Das zu kippen wäre ungerecht gegenüber jenen, die für die Rückzahlungsmöglichkeit bei vorzeitiger Kündigung einen Zuschlag zahlen. Oder gegenüber jenen, die eine zusätzliche Reiserücktrittsversicherung abschließen und sich damit auf anderem Weg gegen das Krankheitsrisiko absichern.

Maison Heler in Metz - ein Hotel bestehend aus einem monolithischen etwa zehnstöckigen Block - auf dem Flachdach ein traditionelles elsässisches Haus mit steilen Dächern und Türmen - von Philippe Starck

19.03.2018 23:53:36, Jürgen Auer, keine Kommentare

Surrealismus: Ist das nicht längst ausgestorben? In unserer Welt, in der Rendite mehr als Poesie zählt?

Besonders gilt das doch für die Häuser in den Städten. In denen jeder Quadratmeter ausgenutzt wird, so daß die Häuser alle gleich aussehen: Möglichst senkrecht hoch, so daß es viel Fläche gibt.

Etwas ganz anderes könnte in der französischen Stadt Metz entstehen.

Zunächst ein solcher Block, mit vielleicht 10 oder 11 Stockwerken. "Hübsch symmetrisch", kastenförmig, die maximale Nutzung des Raumes.

Aber drüber nicht ein abschließendes Flachdach. Sondern auf dem Flachdach ein Haus, das sich stilistisch an ein traditionelles Haus aus dem Elsaß anlehnt. So, wie dort im 18. Jahrhundert gebaut wurde.

Eine komplexe Dachkonstruktion, ein Erker in der Mitte, der die Hausfront drunter verlängert. Umgeben von einer großzügigen Terrasse mit diversen Bäumen. Und viel Grün an den Rändern, so daß die Pflanzen den Rand des Kastens drunter überdecken und an der Außenwand nach unten wachsen.
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philippe starck's maison heler, a phantasmagoric hotel and habitable work of surrealism

https://www.designboom.com/architecture/philippe-starck-maison-heler-phantasmagoric-hotel-surrealist-alsatian-style-house-03-16-2018/

Das Video auf Vimeo: MAISON HELER METZ

https://vimeo.com/260060417

Die Seite des Architekten: Maison Heler, an out of scale phantasmagoric Architecture in the dynamic City of Metz

http://www.starck.com/en?i=maison-heler-an-out-of-scale-phantasmagoric-architecture-in-the-dynamic-city-of-metz

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Demnach soll das von der Hilton-Gruppe gebaut werden.

> as a surrealist construction like a habitable, poetic work of art.

Als eine surrealistische Konstruktion wie eine bewohnbare poetische Kunst.

119 Gästezimmer soll der monolithische Block haben. Oben gäbe es dann nicht bloß eine schicke Dachterrasse, sondern zusätzlich einen tollen Blick über Metz.

Im Inneren soll es ein Restaurant, eine Bar, Gym-Räume und Räume für Veranstaltungen geben. So daß das Gebäude sowohl von Gästen als auch von Einheimischen genutzt wird.

Philippe Starck:

> ‘it’s a game about uprooted roots, a symbolic construction of the lorraine region.’

Ein Spiel um die entwurzelten Wurzeln, eine symbolische Konstruktion der Region. Das Maison Heler in Metz soll das Flagschiff der Maison Heler - Häuser werden.

Das ist noch "ziemlich neu": Das Video auf Vimeo ist 5 Tage alt, auf YouTube findet sich noch nichts. Aktuell sieht das noch nach einem sehr frühen Planungsstadium aus.

Auch in einer Pressemitteilung findet sich kein Hinweis, wann das gebaut und eröffnet werden könnte.

House in Miyamotocho - ein eigentlich zweistöckiges Haus bestehend aus 13 Ebenen - als Anti-Decluttering-House - von Yo Shimada von Tato Architects in Osaka

18.03.2018 23:40:31, Jürgen Auer, keine Kommentare

Soll eine Wohnung, soll ein Haus eher leer sein? Minimalistisch, puritanisch, leergeräumt? Oder soll es in einem Haus sehr viele Dinge geben?

Die eine Tradition wird grade wohl stark von Marie Kondo und ihrem "decluttering empire" geprägt: Das Empire eines entrümpelten Wohnstils. In Japan sei das als Idee durchaus wesentlich: Ein Ultra-Minimalismus, ein einfaches Leben, fernab von all jenen materiellen Besitztümern, die den Westen so plagen.

Aber: Wer in Japan wohnt, der wisse, daß das nicht so wirklich stimmt. Leute in Japan haben Stuff, Kram, Krempel. Viel Stuff, sehr viel Stuff.

Eine dreiköpfige Familie in Osaka kam zu Yo Shimada, Architekt bei Tato Architects. Sie hatten viele Dinge. Sie suchten aber nicht nach einer Möglichkeit, das "geschickt zu verstauen". Ganz im Gegenteil: Sie suchten nach einer Möglichkeit, wie man das alles quasi unverstaut aufbewahren könne. Und sie wollten den Raum, der von außen her wie ein zweistöckiges Haus wirkt, als einen einzigen Raum nutzen. Mit der Flexibilität von diversen kleinen "Spaces", also Teilräumen, ohne daß diese wirklich durch Wände abgeteilt sind.

Das Ergebnis ist das “House in Miyamotocho”:
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In Japan, an Anti-Decluttering House

http://www.spoon-tamago.com/2018/03/12/in-japan-an-anti-decluttering-house/

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Es gibt insgesamt 13 Elemente, erhöhte Plattformen. Die in den sich damit ständig umwandelnden Raum hineinragen.

> “The floors build up as two spiral shapes, joins at the living room, and then separate into two again before arriving at the rooftop deck,”

so der Architekt.

Das Haus wurde im letzten Jahr fertiggestellt. Dann begannen die Bewohner, es allmählich mit ihrem "Stuff" zu füllen.

Das Ergebnis ist jedenfalls verblüffend.

Wenn man sich die beiden ersten Bilder in dem obigen Beitrag genau ansieht: Das obere Bild zeigt hinten ein Fenster mit einem senkrechten gelben Vorhang in der Mitte. Rechts gibt es eine Tür nach draußen.

Auf dem zweiten Bild ist der Betrachter deutlich nach hinten gerückt und ein paar Ebenen höher: Das Fenster ist nun ganz klein im Hintergrund. Das, was auf dem ersten Bild noch wie die abschließende Decke erscheint, entpuppt sich nun als eine Zwischenebene.

Auf der Website des Architekten

http://tat-o.com/projects/3230/

ist diese Ein-Raum-Wohnung teilweise noch ziemlich leer. Die Ebenen bestehen wohl aus H-förmigen Stahlträgern, die zu großen Flächen zusammengeschweisst sind.

Dazwischen gibt es eine Seite mit einer Ansicht der vier Hauptebenen.

Verblüffend ist, wieviele helle und dunkle verschiedenartige Ecken es in dieser Wohnung gibt.

Eine Wohnung, die wie ein großer Abenteuerspielplatz wirkt. Und in der es doch auch ruhige Ecken zu geben scheint.

Gegenüber den umliegenden Häusern, die wahrscheinlich traditionelle Wohnungen mit mehreren einzelnen Zimmern haben, ist dies jedenfalls ein gänzlich andersartiges Haus.

Wie kann man einen Job als Texter finden? Indem man einen Rapsong dreht - Chase Zreet bewirbt sich für die Sprite-Betreuung bei der Agentur Wieden and Kennedy - New York

17.03.2018 23:47:26, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer einen Job sucht: Der kann versuchen, diverse Unternehmen per Post anzuschreiben. Womöglich mit "hiermit bewerbe ich mich" - und ab in den Papierkorb.

Ganz anders machte das der Texter Chase Zreet. Er wollte bei der New Worker Agentur Wieden and Kennedy anfangen. Mit dem Ziel, dort die Kampagnen für Sprite zu betreuen.

Was machte er? Er drehte ein Video. Als Rapper. Das Ergebnis: Er bekam den Job.
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How a Copywriter’s Amazing Tribute to Sprite Got Him Hired at W+K: Chase Zreet unpacks his video 'Cover Letter'

http://www.adweek.com/agencies/how-a-copywriters-amazing-tribute-to-sprite-got-him-hired-at-wk/

Das Video auf Vimeo: Cover Letter

https://vimeo.com/241763828

> A video cover letter dedicated to the Sprite creative team at W+K NYC

Beim Video wundert man sich, ob er in den Hintergrund reingeschnitten wurde. Der Text erläutert das:

> Visually, it’s a delight, with Zreet seen floating around town (thanks to a hoverboard) in, alternately, a green jacket with a lemon on a gold chain around his neck and a yellow jacket with a lime around his neck.

Ein im Video nicht sichtbares Hoverboard wurde genutzt. Das Ganze wurde zweimal gedreht - mit einer grünen und einer gelben Zitrone um den Hals und - dazu konträr - das Jackett.

Die Werbeagentur war jedenfalls begeistert:

> W+K was blown away by the video, and ended up hiring Zreet (how could they not?), who starts in April.

Im April startet er dort - von Dallas nach New York.

W+K NY creative director Jimm Lasser erläutert das:

> “There’s too much emphasis put on portfolios, and not enough on the creative enthusiasm of a candidate,”

Da wird sehr das Portfolio betont - und der Enthusiasmus, die kreative Begeisterung eines Kandidaten geht unter.

> “We like it when candidates want to be at W+K for a variety of reasons, even beyond our work. All the better when they use their unique talents to demonstrate this. Chase made a great ad about himself. He persuaded us to invest in him. He won us over.”

Wir lieben es, wenn Kandidaten bei uns sein wollen - aus verschiedensten Gründen. Wenn sie dafür ihr Talent nutzen, um das zu demonstrieren - umso besser. Chase habe eine tolle Werbung für sich gemacht. Und uns überzeugt, in ihn zu investieren.

Lasser war wohl grade davon begeistert, daß Zreet mit dem Hoverboard unterwegs war und dabei gerapt hat.

Von Sprite gab es keine offizielle Aussage. Allerdings schrieb ein Mitarbeiter von Sprite in den Vimeo-Kommentaren, daß sie das Video lieben würden.

Auf seiner Website

Chase Zreet

http://www.chasezreet.com/

finden sich einige seiner Arbeiten.

Auf die Idee mit dem Video hat ihn ein Hinweis eines Bekannten gebracht, der davor bei W+K gearbeitet hatte. Der meinte, er könne doch für das Sprite-Team bei W+K arbeiten. Da er ein großer Fan des Rappers Vince Staples ist, kam ihm die Idee mit dem Rap. Schließlich war das in ein paar Tagen geschrieben, für die Aufnahmen war eine Woche notwendig.

Eine Plan B habe er nicht gehabt. Es sei immer ein One-Shot-Deal gewesen.

Jeremy Bartel, der das drehte, half offenbar gewaltig: So war die Idee mit dem Hoverboard wohl zunächst nur ein Ausschnitt:

> The hoverboard technique that was used in the video was buried in one of those ideas. He sat with it for a night and came back with the hoverboard scene and said, “This is it. This is the whole video.”

Aber nach einer Nacht kam er mit der Hoverboard-Szene und meinte: Das sei es. Das sei das ganze Video. Auch die Idee mit dem doppelten Filmen (wechselnde Klamotten) und dem Schnitt, so daß das Jackett im Video ständig wechselt, kam von Jeremy.

Die Reaktion von W+K auf das Video:

> “This is definitely the best original rap track about Sprite/biography of an aspiring copywriter from Texas that we’ve ever received. And we’ve received a ton.”

Der beste Rap zu diesem Thema, den die Agentur je bekommen habe. Und sie hätten viele bekommen.

"Nur" ein Video drehen reicht nicht. Es muß dann schon auch ein gutes Video sein.

Eine spannende Idee. Ab April arbeitet er in New York, was er machen wird, weiß er noch nicht. Aber die Agentur wird seine Kreativität schon sinnvoll einsetzen.

Bundesfinanzhof: Keine Berichtigung, falls elektronisch übermittelte Lohndaten unvollständig sind und vom Arbeitslohn abweichen, den der Arbeiternehmer erklärt hat - VI R 41/16

16.03.2018 23:35:28, Jürgen Auer, keine Kommentare

Früher gab es Lohnsteuerkarten: Da trug der Arbeitgeber manuell den gezahlten Lohn und die abgeführten Steuern und Sozialabgaben ein. Der Arbeitnehmer mußte diese Lohnsteuerkarte vom Arbeitgeber nach dem Jahresende erhalten, damit er sie bei seinem Finanzamt als Beleg einreichen konnte.

Ab 2010 wurde das in Deutschland auf ein elektronisches Verfahren umgestellt. Der Arbeitgeber übermittelt diese Zahlen direkt ans Finanzamt. Der Arbeitnehmer erhält sie ebenfalls und trägt sie in seine Einkommensteuererklärung ein.

Aber was passiert, wenn es offenkundige Unstimmigkeiten zwischen den elektronisch übermittelten und den vom Steuerpflichtigen in Papierform oder elektronisch abgegebenen Zahlen gibt?

Einen solchen Fall für 2011 hatte der Bundesfinanzhof entschieden. Hier zugunsten des Steuerpflichtigen.
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Die Pressemitteilung: Keine Berichtigung bei Übernahme elektronisch übermittelter Lohndaten anstelle des vom Arbeitnehmer erklärten Arbeitslohns
Urteil vom 16.1.2018, VI R 41/16

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=35793&pos=1&anz=15

Das Urteil: BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.1.2018, VI R 41/16 - ECLI:DE:BFH:2018:U.160118.VIR41.16.0

Berichtigungsmöglichkeit nach § 129 AO bei Abweichen des erklärten Arbeitslohns von dem elektronisch beigestellten Arbeitslohn

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=15&pos=1&nr=35805&linked=urt

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Der Fall ist über den konkreten und relativ speziellen Fall hinaus interessant, da § 129 Abgabenordnung eine ausdrückliche Berichtigungsmöglichkeit vorsieht

Abgabenordnung (AO): § 129 Offenbare Unrichtigkeiten beim Erlass eines Verwaltungsakts

https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__129.html

> Die Finanzbehörde kann Schreibfehler, Rechenfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten, die beim Erlass eines Verwaltungsakts unterlaufen sind, jederzeit berichtigen. Bei berechtigtem Interesse des Beteiligten ist zu berichtigen. Wird zu einem schriftlich ergangenen Verwaltungsakt die Berichtigung begehrt, ist die Finanzbehörde berechtigt, die Vorlage des Schriftstücks zu verlangen, das berichtigt werden soll.

Das Finanzamt hatte sich darauf berufen. Sowohl das Finanzgericht Köln als auch der Bundesfinanzhof hatten diese Argumentation verworfen.

Der behandelte Fall (aus der PM):

> Die Klägerin war im Streitjahr (2011) zunächst bei der X GmbH und später bei der Y GmbH beschäftigt. Ihren aus diesen beiden Arbeitsverhältnissen bezogenen Arbeitslohn erklärte sie gegenüber dem FA zutreffend. Die Erklärung wurde in Papierform eingereicht.

Laut dem Urteil ging die Arbeit bei der X GmbH vom Jahresanfang bis zum 31.08.2011. Vom 01.09.2011 - Jahresende folgte die Tätigkeit bei der Y GmbH. Die Einkommensteuererklärung für 2011 wurde im Mai 2012 zusammen mit Belegen eingereicht.

Dann erging Mitte Juli 2012 ein Einkommensteuerbescheid:

> Das FA berücksichtigte im Einkommensteuerbescheid lediglich den Arbeitslohn aus dem Arbeitsverhältnis mit der Y GmbH.

Das stand wohl nicht unter dem Vorbehalt der Nachprüfung, also wurde das einen Monat später bestandskräftig.

> Nach Bestandskraft des Einkommensteuerbescheids stellte das FA fest, dass die X GmbH erst im Nachhinein die richtigen Lohndaten für die Klägerin übermittelt hatte und diese deshalb im Bescheid nicht enthalten waren.

Laut Urteil stellte das Finanzamt erst im November 2013 fest, daß seit dem 22. August 2012 (da müßte der Bescheid schon bestandskräftig gewesen sein) Lohndaten von der X GmbH vorlagen, die im Bescheid nicht berücksichtigt worden waren. Die beiden Summen zusammengezählt ergaben das, was die Klägerin als Einnahmen angegeben hatte.

> Das FA erließ einen Änderungsbescheid, gegen den die Klägerin erfolglos Einspruch einlegte. Das FA sah sich als nach § 129 Satz 1 AO änderungsbefugt an. Nach dieser Vorschrift kann die Finanzbehörde Schreibfehler, Rechenfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten, die beim Erlass eines Verwaltungsakts unterlaufen sind, jederzeit berichtigen.

Das Finanzgericht sah das anders und gab der Klage statt. Das bestätigte nun der Bundesfinanzhof. Denn:

> Nach seinem Urteil liegt keine offenbare Unrichtigkeit vor. Entscheidend war hierfür, dass die Klägerin ihren Arbeitslohn zutreffend erklärt, das FA diese Angaben aber ignoriert hatte, weil es darauf vertraute, dass die vom Arbeitgeber elektronisch übermittelten Daten zutreffend waren. Kommt es bei dieser Vorgehensweise zu einer fehlerhaften Erfassung des Arbeitslohns, liegt nach dem BFH kein mechanisches Versehen, sondern vielmehr ein Ermittlungsfehler des FA vor. Eine spätere Berichtigung nach § 129 AO ist dann nicht möglich.

Das ist ja kein Zahlendreher oder Schreibfehler gewesen. Sondern das Finanzamt hat die in Papierform übermittelten Daten nicht mit den auf elektronischem Weg übermittelten Daten abgeglichen. Sonst wäre die Differenz von 8 Arbeitsmonaten aufgefallen.

Sprich: Es lag bedeutend mehr als "nur" ein Schreibfehler oder Rechenfehler vor. Aus der Begründung (RN 17): Das Finanzamt

> ... hat deshalb insbesondere bewusst keinen Abgleich der der Einkommensteuererklärung der Kläger elektronisch "beigestellten" Daten mit den von diesen erklärten Daten vorgenommen. Führt diese vom FA gewählte Vorgehensweise bei der Bearbeitung einer Einkommensteuererklärung zu einer unzutreffenden Erfassung des Arbeitslohns, stellt dieser Fehler keine einem Schreib- oder Rechenfehler gleichgestellte ähnliche offenbare Unrichtigkeit und damit kein mechanisches Versehen dar. Durch den bewusst unterlassenen Abgleich der der Steuererklärung elektronisch beigestellten Daten mit den vom Steuerpflichtigen erklärten Daten liegt insbesondere kein bloßes Übersehen erklärter Daten vor, das regelmäßig zu einer Berichtigungsmöglichkeit nach § 129 AO führt

Interessant dabei ist, daß bei Angestellten ohnehin nur der Nettolohn überwiesen wird. Bei einem alleinstehenden Angestellten würde so ein Fehler also kaum etwas ausmachen, Lohnsteuer ist ja bereits pro Monat abgeführt. Anders (dann allerdings auch sehr unwahrscheinlich) wäre es, wenn jemand erst 8 Monate selbständig und anschließend vier Monate angestellt ist. Und das Finanzamt die 8 Monate nicht berücksichtigt, von denen noch keine Einkommensteuer gezahlt wurden.

Da es sich bei den Klägern um ein gemeinsam veranlagtes Ehepaar handelte, sank aber das insgesamt zu versteuernde Einkommen um die acht nicht berücksichtigten Monate der Frau bei der X GmbH. Damit dürfte das Ehepaar per Splittingtabelle Geld zurückerhalten haben, was es ohne diesen Fehler nicht gegeben hätte.

Ferner kann das durch den Fehler gesunkene Gesamteinkommen der Familie an anderen Stellen Auswirkungen haben. Etwa bei der Berechnung der zumutbaren Eigenbeteiligung. Sucht die Familie umgekehrt eine neue Wohnung, könnte sich ein niedrigeres Einkommen sowohl positiv als auch negativ bemerkbar machen.

Laut dem zweiten Leitsatz

> Stimmen der vom Steuerpflichtigen erklärte und der der Einkommensteuererklärung beigestellte Arbeitslohn nicht überein, hat der Sachbearbeiter regelmäßig --ggf. in weiteren Datenbanken-- zu ermitteln, welches der zutreffende Arbeitslohn ist.

muß der Sachbearbeiter in so einem Fall explizit ermitteln, was der zutreffende Arbeitslohn ist.

PS: Es gibt noch ein zweites, ähnliches Urteil. Auch hier hatte der Arbeitnehmer die Einkommensteuererklärung in Papierform und korrekt ausgefüllt.

BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.1.2018, VI R 38/16 - ECLI:DE:BFH:2018:U.160118.VIR38.16.0

Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 16.1.2018 VI R 41/16 - Berichtigungsmöglichkeit nach § 129 AO bei Abweichen des erklärten Arbeitslohns von dem elektronisch beigestellten Arbeitslohn

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=35817&pos=5&anz=37

Da hatte der in NRW wohnende Arbeitnehmer im Jahr 2013 nur zwei Monate bei einem Unternehmen in NRW gearbeitet, anschließend folgten 9 Monate bei einem Unternehmen in Niedersachsen. Da hatte der Sachbearbeiter nur diese zwei Monate berücksichtigt, die Einkommensteuer wurde damit auf 0 Euro festgesetzt. Die 2 Monate wurden in einer Übersicht von NRW angezeigt. Die 9 Monate waren dagegen nur über eine Suche auffindbar, die das gesamte Bundesgebiet umfaßte.

Das FG Düsseldorf hatte die Klage abgelehnt. Der Bundesfinanzhof hat das FG-Urteil - analog zum oberen Fall - dagegen aufgehoben und der Klage stattgegeben.