Arbeit statt Urlaub: Beschäftigte in den USA verzichten freiwillig auf Urlaub, nehmen oft nur fünf bis zehn Tage frei

25.08.2017 20:36:33, Jürgen Auer, keine Kommentare

In Deutschland ist der Urlaub für so manch einen ja heilig: Im Sommer zwei bis drei Wochen, im Frühjahr und im Herbst eine Woche. Dazu ein paar geschickt gewählte Brückentage. Selbständige, die womöglich eher selten Urlaub machen: Die haben stattdessen andere Freiheiten als Angestellte.

Frankreich macht kollektiv Urlaub, da ruht das Leben gleich ganz.

Anders sieht die Situation dagegen in den USA aus. Dort gibt es einerseits nicht ganz so viel Urlaub. Andererseits nehmen Arbeitnehmer diesen oft gar nicht in Anspruch. Aus Sorge, ihre Stelle könne anschließend wegfallen.
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Arbeit statt Urlaubstage: Firma first für Beschäftigte in den USA

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/arbeit-statt-urlaubstage-firma-first-fuer-beschaeftigte-in-den-usa/20235546.html

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660 Millionen bezahlte Urlaubstage haben US-Bürger nicht in Anspruch genommen. Es gibt zwar - im Gegensatz zu Europa - keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Aber trotzdem hat jeder Arbeitnehmer im Schnitt Anspruch auf 20 bezahlte Urlaubstage, also etwa einen Monat.

Der Durchschnitt der genommenen Urlaubstage liegt bei 16 Tagen. Viele US-Bürger kommen aber lediglich auf 10 Tage. Und von denen geht die Hälfte für die Weihnachtszeit drauf. Diese sind in den USA keine staatlichen Feiertage, so daß für die Zeit von Weihnachten bis Neujahr im Schnitt 5 Tage fällig sein dürften.

In Deutschland kann man teils mit zwei Tagen Urlaub und Heiligabend am Montag elf Tage am Stück frei haben.

Besonders heftig sei das im Großraum Washington. Ein Mitarbeiter spricht von einer "John-Wayne-Mentalität":

> „Nicht zur Arbeit zu gehen gilt als Zeichen der Schwäche. Du musst der Firma gegenüber loyal sein.“

Harry, ein Regierungsangestellter:

> „Es gibt immer die Sorge, dass man als entbehrlich betrachtet wird, wenn man zu lange wegbleibt“, sagt er. „Wenn die Leute auch ohne dich auskommen, wollen sie dich vielleicht überhaupt nicht mehr haben.“ Die Firma, betont Harry, sei in diesem Verständnis „wichtiger als alles andere“.

Der Kolumnist Robert Samuelson spricht in der Washington Post von Arbeits-Märtyrern. Theoretisch würden die USA den Urlaub lieben, praktisch würden sie ihn fürchten.

Die Hotels und Freizeitparks klagen über Milliardeneinbußen, da ist die Rede von 220 Milliarden Dollar, die 2015 nicht für Ferienaktivitäten ausgegeben wurde. Auch auffallend: Gegenüber dem Jahr 2000 ist die Zahl der beanspruchten Urlaubstage um 4 Tage gesunken.

Persönlich finde ich das etwas heftig. In Japan gibt es das ja auch - daß sich Leute zu Tode arbeiten. Ähnlich in den USA bei einigen der Großbanken, die daraufhin begannen, zumindest an manchen Punkten gegenzusteuern.

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