Berliner Verwaltungsgericht: Menschen-Museum MeMu mit Ausstellung Körperwelten kann am Alexanderplatz Berlin bleiben - VG 21 K 608.17

13.09.2017 21:39:20, Jürgen Auer, keine Kommentare
Dr Angelina Whalley und Dr Gunther von Hagens im MeMu - Foto Dirk Lässig

Photo vom MenschenMuseum mit freundlicher Genehmigung von Eckel Presse & PR GmbH

So, nun hat das Berliner Verwaltungsgericht erneut entschieden. Das Menschen-Museum (MeMu) mit der Dauerausstellung "Körperwelten" kann am Alexanderplatz, unmittelbar am Fernsehturm hier in Berlin, bleiben.
.

Im Tagesspiegel: Berliner Verwaltungsgericht: Körperwelten können bleiben

http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-verwaltungsgericht-koerperwelten-koennen-bleiben/20324252.html

Die Pressemitteilung des Gerichts zur heutigen Entscheidung:

Ausstellung von Plastinaten nur bei nachgewiesener Einwilligung (Nr. 32/2017)

https://www.berlin.de/gerichte/verwaltungsgericht/presse/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung.630448.php

.
Voraussetzung sei, daß für jedes Exponat die Einwilligung des Spenders vorliegt. Aus der Pressemitteilung:

> Das „Menschen Museum“ am Berliner Alexanderplatz verstößt nicht gegen das bestattungsrechtliche Verbot, Leichen öffentlich auszustellen, wenn für jedes Exponat eine ausreichende Einwilligungserklärung des Körperspenders vorliegt.

Früher gab es wechselnde Wanderausstellungen. Dann sollte es eine Dauerausstellung geben. Der Bezirk Mitte hatte wiederholt versucht, die Ausstellung zu untersagen.

U.a. wurde mit dem bestattungsrechtlichen Verbot argumentiert, daß Leichenteile nicht ausgestellt werden dürften.

Ein erstes Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts vom 19.12.2014 legte fest, daß keine Genehmigung für die Ausstellung notwendig sei. Dies hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg am 11.12.2015 kassiert. Die damalige Pressemitteilung des Bezirks:

Körperwelten unterliegt vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG)

Pressemitteilung Nr. 584/2015 vom 11.12.2015

Menschen-Museum auf dem Alexanderplatz nicht genehmigungsfähig

https://www.berlin.de/ba-mitte/aktuelles/pressemitteilungen/2015/pressemitteilung.421098.php

Damals war der Museumsbetreiber aber noch eine GmbH. Eine Ausstellung durch ein anatomisches Institut hatte das OVG dagegen zugelassen. Ferner hatte das Museum absichtlich alle Informationen entfernt, die Rückschlüsse auf den Spender zuließen. Da forderte das OVG das Gegenteil: Es müsse für jedes Plastinat die Einwilligung nachweisbar sein.

Im Juli 2016 hatte das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision abgelehnt. Damals war ich eher von einem Aus für das Museum ausgegangen.

Im August 2016 wurde zwar eine Schließungsverfügung zugestellt. Aber gegen diese wehrten sich die Betreiber. Denn sie hatten das OVG-Urteil sehr genau gelesen.

Streit um Berliner "Menschen Museum" "Körperwelten" wehrt sich gegen Schließung

http://www.tagesspiegel.de/berlin/streit-um-berliner-menschen-museum-koerperwelten-wehrt-sich-gegen-schliessung/14468902.html

Der Betreiber war inzwischen das "Institut für Plastination", das offiziell ein anatomisches Institut ist. Damit kann es die Ausstellung ohne spezielle behördliche Genehmigung betreiben. Und zu jedem Exponat lag die Einwilligung vor. Die Exponate wurden entsprechend ausgetauscht.

Interessant ist, daß das Berliner Verwaltungsgericht ausdrücklich die "populärwissenschaftliche Variante" genehmigt. Aus der ersten PM:

> Als anatomisches Institut sei der Kläger zwar vom Verbot, Leichen öffentlich auszustellen, ausgenommen, wenn die Ausstellung wissenschaftlichen Zwecken diene. Hierzu zähle auch der mit dem „Menschen Museum“ verfolgte populärwissenschaftliche Ansatz.

Praktisch muß das Bezirksamt Mitte nun prüfen, ob für jedes Plastinat eine Einwilligung vorliegt.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung wurde Revision zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zugelassen.

Persönlich kann ich die Entscheidung nur begrüßen. Die Wanderausstellung wurde bereits von Millionen von Personen gesehen. Es ist einfach ein "Blick in jeden von uns selbst". Nichts sonst.

*
* (wird nicht angezeigt)
Die Erläuterungen zum Datenschutz habe ich gelesen und stimme diesen zu.