Von gebremsten Rasern - Entschleunigung in der Großstadt Berlin - der Zebrastreifen vor der Spartacus-Grundschule in der Friedenstrasse beruhigt den Kiez

22.09.2017 23:55:33, Jürgen Auer, keine Kommentare

Im Sommer 2015 wurde gebaut. Im November 2015 war das schließlich fertig. Hier, in der Friedenstraße in Friedrichshain, neben der Spartacus-Grundschule.

Zum einen wurden auf dem Straßenabschnitt vor dem Umweltforum in beide Richtungen die Fahrspuren von zwei Spuren auf je eine Spur verringert. Der freiwerdende Platz wurde zu Parkplätzen umgewidmet, gleichzeitig fielen die Parkplätze auf dem Mittelstreifen weg.

Zum anderen gab es dann einen Zebrastreifen. Der vorrangig von den Schülern der direkt daneben liegenden Spartacus-Grundschule genutzt wird.

Ein Suchen per Google listete Berichte über die "Posse von Friedrichshain". Und die Feststellung, daß dieser Zebrastreifen 120.000 Euro gekostet habe, das Dreifache des Normalpreises von 40.000 Euro. Keine Rede davon, daß auf knapp hundert Metern die Hälfte der bisherigen Fahrbahnen in Parkplätze umgewandelt wurde und an der eigentlichen Stelle des Zebrastreifens der Mittelstreifen um zwei große Nasen erweitert wurde. Mit entsprechender Neuverlegung der Bordsteinkanten und diversen Pfosten, die Autofahrern das Hineinfahren in diesen Bereich untersagen. Daß dies deutlich über einen "gewöhnlichen Zebrastreifen" hinausgeht, ist offenkundig.

Allerdings: Die Verkehrslenkung Berlin hatte den 2010 vorgetragenen Wunsch einer Mutter nach einem Zebrastreifen an dieser Stelle abgelehnt. Die Fahrbahn mit je zwei Spuren in jede Richtung sei für einen Zebrastreifen zu breit. Also wurde schließlich die Fahrbahn verengt, die beiden "Nasen" gebaut. Und die beiden Zebrastreifen führen nun lediglich über je eine Fahrbahn. Zusätzlich ist die Fläche auf dem Mittelstreifen deutlich größer geworden. Bei der Überquerung durch Schulklassen ist das auch sinnvoll.

Das Ergebnis für den Kiez: Dieser Spurverengung auf eine Spur je Richtung wirkt sich seither geradezu dramatisch auf die Lebensqualität im Kiez aus.

Denn bis dahin gab es regelmäßig Raser. In beide Richtungen. Klar: Die Friedenstraße ist hier völlig gerade, da kann man so richtig Gas geben.

Seit der Fertigstellung des Zebrastreifens hat sich das jedoch deutlich verändert. Die Autos fahren, wenn sie bsp. von der Karl-Marx-Allee kommen, deutlich langsamer als früher. Weil sie wissen bzw. bereits sehen, daß sich die zwei Spuren auf eine Spur verengen und sich die Autos auf der linken Spur einfädeln müssen.

In der umgekehrten Richtung gilt dasselbe.

Wie groß das Problem der Raser immer noch ist, sieht man an einer erschreckenden Kleinigkeit: Von den auf dem Vorschaubild sichtbaren Pfosten - ist immer mal wieder einer plattgefahren. So daß Autos mit hoher Geschwindigkeit dort fahren, zu spät einfädeln und dann gegen einen dieser Pfosten krachen.

Fazit: Zum einen scheinen sich Journalisten nicht unbedingt die Gegebenheiten vor Ort angesehen zu haben. Sonst hätte deutlich werden müssen, daß erheblich mehr als nur ein Zebrastreifen gebaut wurde.

Zum anderen: Als ob es auf diesen etwa 850 Metern zwischen der Karl-Marx-Allee und der Kreuzung zur Landsberger Allee irgendeinen Sinn machen würde, zu rasen. Autofahrer, die auf einem solchen Abschnitt aufs Gaspedal drücken. Die gefährden sich und andere. So werden sie zur Entschleunigung gebracht. Durch eine "große Engstelle" auf halbem Weg. Mit der Wirkung, daß man auch an der anderen Seite der neuen Engstelle nun weitaus sicherer die Straße überqueren kann. Obwohl es dort keinen Zebrastreifen gibt. In dem Bereich davor, von der Landsberger Allee her kommend: Da wird eben an der Kreuzung zur Friedrichsberger Straße längst nicht mehr so aufs Tempo gedrückt. Der Zebrastreifen ist durch das drüber hängende Verkehrsschild bereits sichtbar. Nach der Engstelle ist die Strecke für neue Rasereien eher zu kurz.

Der Beitrag vom Dezember 2015:

Farce in Friedrichshain: Fünf Jahre Planung und 120.000 Euro für einen Zebrastreifen!

http://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/fuenf-jahre-planung-und-120-000-euro-fuer-einen-zebrastreifen

Google-Maps zeigt übrigens noch die ursprüngliche Situation. Wenn man per Google-Maps nach Umweltforum Berlin sucht, findet man das leicht.

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