Wie man Wahlen verliert - die Facebook-Seiten von Politikern wie Horst Seehofer - keine Reaktion auf diverse Kommentare - Social-Media nur als Sprachrohr statt interaktiv

27.09.2017 16:09:20, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wer Social Media - Plattformen nutzt: Der muß sich fragen: Was will ich da eigentlich? Wer die Plattform jedenfalls nur verwendet, um eigene Statements zu posten, der muß sich nicht wundern, wenn ihm die Ergebnisse - etwa die letzte Bundestagswahl 2017 - um die Ohren fliegen.

Ein interessanter Beitrag bei Heise läßt ahnen, daß bei den großen Parteien so einiges im Argen liegt. Und daß diese Social Media bis heute nicht verstanden haben. Also doch "Neuland".
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Der missglückte Online-Wahlkampf von CDU und CSU

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Der-missglueckte-Online-Wahlkampf-von-CDU-und-CSU-3843345.html

Die Facebook-Seite von Horst Seehofer als Beispiel:

https://www.facebook.com/HorstSeehofer/

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Reihenweise Kommentare unter

https://www.facebook.com/HorstSeehofer/posts/10154975778303034

> Sehr geehrter Herr Seehofer , 38,5% in Bayern.... jeder bekommt was er verdient. Gute Ansätze.... raus kommt ein heißer Furz. Wer die Wähler an der Nase herum führt, wird abgestraft. Es gibt doch noch Gerechtigkeit.

Oder direkt gegen Politiker:

> Um sich dann wieder über 3 Jahre auszuruhen, Massen an Geld zu verdienen, keine Rentenbeiträge zahlen zu müssen und fette Pensionen abzukassieren. Beide Stimmen sicherlich nicht für CSU selbst wenn ich könnte.

Heise zitiert diverse Kommentare zur Flüchtlingspolitik. Und konstatiert:

> Das Erstaunliche: Es fehlte weitgehend die Reaktion der Wahlkampfteams von CDU und CSU – keine Erklärung der eigenen Politik, keine Richtigstellungsversuche von Falschbehauptungen, nichts.

Sprich: Die Facebook-Seiten der Politiker sind nicht Social-Media-Seiten, auf denen interagiert wird. Sondern sie sind Sprachrohr-Seiten, auf denen nur die eigenen Statements und Positionen eingestellt werden. Die Richtung ist klar: Wir stellen unsere Position ein. Ihr Wähler dürft das lesen. Der Rest - ist unbeachtetes Rauschen. Oder kurz gesagt: Eure Reaktionen interessieren uns nicht. Uns interessiert nur Eure Stimme.

Ein weiteres Zitat von der Facebook-Seite:

> Was soll ich sagen Herr Seehofer, man kann nicht in jedem Bett schlafen. Manchmal schläft es sich besser alleine. Meine Familie hat jahrzehntelang, quasi Familientradition, Ihre Partei gewählt. Die Zeiten sind vorbei. Seit 2013. Und ihr habt den Warnschuss nicht verstanden.

Wo man reinklickt: Praktisch ausschließlich kritische bzw. negative Positionen. Die "Realität" der offiziellen Einträge und die Realität der Kommentare läuft diametral auseinander.

Wenn sich ein Wähler unschlüssig ist und auf einer solche Seite nach Hinweisen sucht, weshalb er die Partei wählen könnte und dann einige Kommentare liest. Dann dürfte die Wahrscheinlichkeit einer solchen Wahl deutlich sinken.

Heise konstatiert per Überschrift:

> Soziale Medien nicht verstanden

Und zitiert den Parteichef-Vorgänger:

> Erwin Huber, Seehofers alter Widersacher und Vorgänger als Parteichef, hält die Strategie des weitgehenden Ignorierens für einen Fehler: "Aus meiner Sicht eine Unterlassung, die sich bitter gerächt hat."

Wobei ich das persönlich eher nicht glaube, daß Seehofer da noch umsteuern wird. Das wird eher per Abwahl enden als durch ein Umsteuern.

Interessant ist auch, daß die AfD in den Kommentaren zwar teilweise auftaucht. Der Ton ist aber oft durchaus ok. Von "nur hetzenden Anhängern anderer Parteien" kann eher nicht die Rede sein.

Wenn man sich klarmacht, daß politische Kampagnen - etwa die Brexit-Kampagne in Großbritannien - immer wieder stark auf Hausbesuche gesetzt haben, also auf direkte Gespräche: Dann ist das gänzliche Nicht-Reagieren über solche Kanäle bald schon tragisch.

28.09.2017 20:18:40, Hertha-Margarethe Kerz
Das kann man diesen Leuten nicht übel nehmen - die sind einfach zu alt. Und wenn Frau Bundeskanzlerin Merkel von "Neuland" spricht, hat sie recht, wenn sie sich und ihre alternden Kollegen meint - und das ist nicht zynisch gemeint. Viele alte Menschen haben Probleme, nicht nur mit dem Netz an sich, sondern auch mit der Tragweite ihres Tuns oder Unterlassens dort.

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