Tschüss Preisvergleichsportal: Autoversicherung HUK Coburg verlässt alle Vergleichsportale - zu teuer, an der Spitze oft abgespeckte Versicherungen

28.09.2017 12:57:38, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wer ein Unternehmen führt, der steht immer vor der Frage: Wie findet man regelmäßig neue Kunden? Mit dem Wachsen des Internets entstanden Vermittlerportale.

Diese listen verschiedenste Anbieter, die untereinander Konkurrenten sind. Die Portale verdienen durch Provisionszahlungen an der Vermittlung oder lassen sich die Listung direkt bezahlen (kostenlose Basismitgliedschaft ohne Link zur Website und ohne Logo versus kostenpflichtige Premiummitgliedschaft mit Link und Logo).

Das gibt es bei Versicherungen, für Strom-, Gas- und Telefon/Internettarife ebenso wie für Hotels, Girokonten und vieles mehr. Auch Lieferdienste haben für Restaurants eine ähnliche Vermittlungsposition eingenommen.

Personen, welche solche Dienstleistungen suchen, stehen damit immer vor der Wahl: Informiert man sich direkt über die Website der einzelnen Anbieter? Oder nutzt man ein solches Vergleichsportal? Was prompt zu der Frage führt: Nach welchen Kriterien sind dort die Anbieter gelistet. Steht der oben, der am meisten an den Betreiber zahlt?

So daß sich für die Dienstleister immer die Frage stellt: Verkaufen wir unsere Produkte / Dienstleistungen nur über die eigene Website und offline? Oder lassen wir uns zusätzlich dort listen? Mit der Konsequenz, daß dafür zusätzliche Kosten entstehen. Und mit dem Risiko einer Abhängigkeit von den Betreibern dieser Vermittlungsportale? Die sehr hoch werden kann, wenn ein Großteil der eigenen Kunden über diesen Weg kommt.

Die Autoversicherung HUK Coburg hat nun mitgeteilt, daß sie sich ab Oktober von allen Vergleichsportalen zurückziehen wird.
.

„Vergleichsportale sind zu teuer“: HUK-COBURG-Produkte ab Oktober nur noch bei HUK-COBURG erhältlich

https://www.huk.de/presse/nachrichten/aktuelles/ausstieg-vergleichsportale.html

.
Der wesentliche Grund laut Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der HUK-COBURG:

> „Unsere Autoversicherungen zählen preislich zu den günstigsten im Markt. Um diese Preisposition nicht zu gefährden, haben wir uns dazu entschieden, auf die relativ teuren Vergleichsportale zu verzichten und uns dort nicht mehr listen zu lassen.“

Praktisch möchte die Versicherung nicht mehr den Vermittlungsportalen hohe Vermittlungsgebühren bezahlen. Sondern stattdessen die Einsparungen lieber direkt an die Kunden weitergeben.

Dr. Jörg Rheinländer, für Autoversicherungen im Vorstand zuständig, verweist auf ein strukturelles Phänomen bei diesen Vergleichsportalen:

> „Oftmals handelt es sich bei Angeboten, die preislich an der Spitze stehen, um abgespeckte Produkte, bei denen wichtige Leistungen fehlen. Spätestens beim Schadenfall kann sich das dann rächen, wenn der Versicherungsnehmer sieht, dass sein Versicherungsschutz Lücken hat.“

Teils gäbe es auf den Portalen Tarife, die auf anderen Wegen gar nicht erhältlich seien. Teils gäbe es Tagespreise und Angebote, die es an einem Tag gibt. Am nächsten Tag seien sie verschwunden.

Erst im April 2017 gab es ein Urteil vom Bundesgerichtshof, das von den Vermittlungsportalen eine Aufklärung über die Provisionszahlungen forderte.

Bundesgerichtshof zu Informationspflichten eines Preisvergleichsportals im Internet - Urteil vom 27. April 2017 - I ZR 55/16 – Bestattungspreisvergleich

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2017&Sort=3&nr=78117&pos=3&anz=60

Da ging es um ein Portal, das nur jene Dienstleister listete, die zur Zahlung einer 15 % - Provision bereit waren. Diese Information durfte nicht bloß auf der Geschäftskundenseite zu finden sein. Sondern muß so eingefügt werden, daß der Verbraucher / der Nutzer des Portals diese zur Kenntnis nehmen kann.

Wenn sich ein Unternehmen eine eigene Marke, einen eigenen Namen aufbauen möchte: Da sind solche Vergleichsportale ohnehin kontraproduktiv. Man stelle sich ein solches Vergleichsportal einmal für Automarken vor: "Der VW ist aber günstiger als der Porsche".

Interessant wird sein, ob andere Autoversicherungen folgen werden und ebenfalls auf Vergleichsportale verzichten. Persönlich finde ich das nur konsequent. Denn ein Preisvergleichsportal erbringt nicht selbst jene eigentlichen Leistungen, für die der Kunde bezahlt. Sondern hat lediglich eine Zwischenposition und sollte die eigenen Kosten durch den IT-Einsatz minimal halten. Alles ab 10 % Vermittlungsprovision finde ich da persönlich zu hoch.

28.09.2017 20:16:14, Hertha-Margarethe Kerz
Wenn man sich überlegt, dass Versicherer unter allen Umständen versuchen, sich um die Versicherungsleistung zu drücken, ist das schon ziemlich crazy. Andererseits sollten sich Versicherungsnehmer / Autofahrer überlegen, ob sie wirklich superbillige Versicherungen abschließen sollten, in dem Wissen, dass ihre Opfer später um jeden Cent kämpfen müssen, wenn sie sie halb tot gefahren haben.

*
* (wird nicht angezeigt)
Die Erläuterungen zum Datenschutz habe ich gelesen und stimme diesen zu.