Rasende Autofahrer in der deutschen Grossstadt - Hamburg ist Spitzenreiter mit 18 Prozent Rasern - Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV)

04.10.2017 16:20:45, Jürgen Auer, ein Kommentar

Rasende Autofahrer gefährden sich und andere. Sie machen den Verkehr unruhig und gewinnen dabei selbst kaum Zeit. Aber in welcher der vier deutschen Großstädte Berlin, Hamburg, München und Köln wird eigentlich am meisten gerast?

Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) kommt zu einem interessanten Ergebnis: Hamburg steht nicht im Stau, sondern rast am meisten.
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Hamburg ist neue Metropole der Temposünder

https://udv.de/de/medien/mitteilungen/hamburg-neue-metropole-der-temposuender

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Etwa 440.000 Kraftfahrzeuge wurden gemessen, davon fuhren auf Tempo-50-Straßen knapp 80.000 zu schnell, damit etwa 18 %.

Der UDV-Leiter Siegfried Brockmann:

> „Obwohl sich viele Hamburger in einer ‘Staustadt‘ wähnen, wird auch hier gerast – und zwar nachts deutlich öfter als in den anderen Metropolen“

Die Messungen fanden vom März bis Juni in diesem Jahr statt, 43 Stellen wurden mit Meßgeräten bestückt.

In Hamburg zeigte sich dassselbe Bild wie in anderen Städten: Je niedriger die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist, umso eher wird sie übertreten.

Aus den 18 % Überschreitungen bei 50 Stundenkilometern wurden 54 % Überschreitungen bei 30 Stundenkilometern. Also fuhr bereits mehr als die Hälfte der Autofahrer zu schnell.

Die Unterschiede zwischen den Großstädten sind allerdings gravierend:

> „Damit haben die Hamburger auf Tempo-30-Strecken mit Abstand die schlechteste Geschwindigkeitsmoral“, sagt Brockmann (Berlin: 18 Prozent, Köln: 27 Prozent, München: 44 Prozent).

Berlin liegt mit 18 Prozent bei den Tempo-30-Strecken in dem Bereich, in dem Hamburg bei den Tempo-50-Strecken liegt.

Die Ausschilderung von Tempo-30-Zonen hilft nicht wirklich:

> In Tempo-30-Zonen sieht es nicht viel besser aus. Hier fuhren 41 Prozent schneller als 35 km/h. Im Durchschnitt kommt hier an einer der neun gemessenen Straßen alle vier Minuten ein Fahrzeug mit mehr als 50 km/h vorbei, alle 42 Minuten eines mit mehr als 60 km/h.

Interessant ist diese Quote: Alle vier Minuten ein Raser, der mit 50 km/h durchbrettert. Die Wahrscheinlichkeit, daß es da mal zu einem Unfall kommt, ist doch relativ hoch. Und wenn, dann hat ein Unfall bei 50 km/h deutlichere Folgen als ein Unfall mit 30 km/h.

Etwas, das ich auch hier bei mir in der Friedenstraße in Berlin-Friedrichshain immer wieder - grade am Abend - beobachte: Freifahrende Autos rasen eher als Kolonnen. Ist mehr los, bremst das die Raser.

Deshalb eine Schlußfolgerung der Forscher:

> Verkehrsteilnehmer, die sich an Tempolimits halten, sorgen insgesamt für eine Dämpfung des Geschwindigkeitsniveaus.

In Hamburg waren Motorradfahrer ein spezielles Problem. Die Quote der Übertretungen lag bis zu achtmal höher als jene von Autofahrern.

In den Jahren 2014 - 2016 gab es vergleichbare Studien für Berlin, Köln und München.

„Geschwindigkeitsmoral“ in Berlin recht gut – Einzelne Raser trüben das Bild

https://udv.de/de/medien/mitteilungen/geschwindigkeitsmoral-berlin-recht-gut

„Geschwindigkeitsmoral“ in Köln nicht so gut wie in Berlin

https://udv.de/de/medien/mitteilungen/koelner-schneller-unterwegs-berliner

München ist Metropole der Temposünder

https://udv.de/de/medien/mitteilungen/muenchen-metropole-der-temposuender

In Berlin lag 2014 die Quote der zu schnell fahrenden Autos in 50-km/h-Zonen bei grade mal 4 %. Auch 2014 gab es bereits den deutlichen Effekt des Pulks:

> „Je mehr Fahrzeuge sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, umso schwerer haben es die Schnellfahrer“, so der Leiter der UDV, Siegfried Brockmann, „Diejenigen, die vorschriftsmäßig unterwegs sind, tragen so zu mehr Verkehrssicherheit bei und sollten sich auf keinen Fall durch Drängler zu schnellerem Fahren verleiten lassen“.

Damals war die Rede davon, daß bei deutlichen Geschwindigkeitsüberschreitungen die Bußgelder überproportional erhöht werden sollten.

Der Tagesspiegel

Verkehr in Berlin Weniger Raser, mehr Aggressivität

http://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr-in-berlin-weniger-raser-mehr-aggressivitaet/20408288.html

zitiert Brockmann, der selbst erstaunt war, daß die Berliner Daten so positiv waren:

> „Es gibt hier offenbar eine Übereinkunft, dass es bis 60 km/h gerade noch okay ist. Darüber ist es sozial geächtet“

Teils wurden hier in Berlin ein paar Mal andere Geräte eingesetzt, um die Messungen explizit zu überprüfen. Das Bild war dasselbe: Eine geringe Quote von Rasern.

Vielleicht - so meine Spekulation - ist Berlin einfach "voll genug". So daß deshalb der soziale Druck steigt, das Rasen zu unterlassen.

06.10.2017 00:13:17, Hertha-Margarethe Kerz
Das liegt wohl eher daran, dass es die Behörden nicht wirklich interessiert. Die Menge der Kontrollen sind ein Lacher. Mit schöner Regelmäßigkeit töten Auto- und Lasterfahrer Radfahrer, dann gibt es ein lang gezogenes Oooooh, und das war es, weil der Herr Fahrer den Radfahrer beim Abbiegen angeblich nicht gesehen hat. Wer sieht, wie Fahrer versuchen, vorsätzlich den Radfahrer zu überholen um dann vor dem querenden Radfahrer "noch schnell" abzubiegen, weiß, dass das gelogen ist. Und den Fußgängern geht es auch nicht anders - nur auf andere Art. Aber solange befangene Richter, weil selbst alle Autofahrer, in unseren Gerichten sitzen, solange tut sich da nichts.

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