Schliessung von Bankfilialen in Deutschland - seit 2000 jede vierte Zweigstelle geschlossen - höheres Schliessungstempo - Analyse KfW-Research und Universität Siegen

09.10.2017 17:07:44, Jürgen Auer, keine Kommentare

Im Jahr 2000 gab es 38.082 Bankfilialen in ganz Deutschland. Bis Ende 2015 wurden davon 10.200 Standorte geschlossen, also etwa jede vierte Filiale.

Das macht im Schnitt 680 Filialen pro Jahr, die dichtgemacht werden. Allerdings hat sich das Schließungstempo erhöht. 2014 / 2015 wurden zusammen 2.200 Filialen geschlossen, also im Schnitt 1.100 pro Jahr. Deutlich mehr als die durchschnittlich 680 pro Jahr.

Die Daten finden sich in einer Analyse von KfW-Research zusammen mit der Universität Siegen.
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KfW Research: Rückbau der Bankfilialen in Deutschland schreitet voran

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Details_436032.html

Das PDF mit den genauen Zahlen: Deutschlands Banken schalten bei Filialschließungen einen Gang höher – Herkulesaufgabe Digitalisierung

https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2017/Fokus-Nr.-181-Oktober-2017-Bankfilialen.pdf

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Alle Banktypen bauen in gleichem Maße Filialen ab. Der Unterschied zwischen dem Land und den Städten ist mit -27% zu -23% nicht mal so sonderlich groß.

Wesentlicher Grund: Die Digitalisierung, die dazu führt, daß Filialen kaum mehr genutzt werden. Stattdessen werden die Onlineangebote ausgebaut.

Im EU-Durchschnitt gibt es 3,7 Filialen pro 10.000 Einwohner. Deutschland liegt mit 3,5 Filialen knapp drunter.

Falls sich die Schließungen in demselben Tempo fortsetzen, wären im Jahr 2030 - 2035 nur noch die Hälfte der Filialen übrig, die es noch im Jahr 2000 gegeben hatte.

Wenn man sich die "Schließungsquoten pro Jahr" (PDF Seite 1) ansieht, dann fällt auf, daß die Jahre 2006 - 2013 geradezu gemütlich waren. Zweimal ein Rückgang von 1,7 %, ansonsten fast durchweg maximal nur 1 % pro Jahr. 2014 mit -3,3 % und 2015 mit -4,0 % lagen deutlich drüber.

Regional sind 94 % aller Kreise und kreisfreien Städte von Schließungen betroffen. Nur in 7 Regionen gibt es ein stabiles Netz, darunter in Hamburg, Cottbus und Emden.

Ferner gibt es 17 Regionen mit wachsenden Filialzahlen (PDF Seite 2):

> Spitzenreiter sind die Stadt Frankfurt (Oder) mit +59 % und der Landkreis Fürth +56 %.

Europaweit gibt es Länder mit deutlich schärferem Abbau.

> Spitzenreiter sind die Niederlande, mit einem Rückbau von 66 % der Bankfilialen zwischen 2000 und 2015, dicht gefolgt von Dänemark (-53 %) und Belgien (-48 %).

Verblüffend dabei: Manche Bankenmärkte wachsen sogar. In Frankreich und Portugal wuchs die Zahl der Filialen um jeweils fast 50 %. Wirkung: Frankreich hat etwa 10.000 Filialen mehr - bei etwa 14 Millionen weniger Einwohnern. Italien und Spanien haben jeweils deutlich weniger Einwohner als Deutschland - aber etwa genauso viele Filialen. Die Filialdichte ist dort also deutlich höher als in Deutschland.

Spanien kommt auf 6,7 Filialen pro 10.000 Einwohner, Frankreich auf 5,7 Filialen. Die Niederlande bilden mit 1,0 Filialen das Schlußlicht, gefolgt von Großbritannien mit 1,7 Filialen und Schweden mit 1,8 Filialen.

Für Deutschland gibt es drei Szenarien: Eine nur noch geringfügige Reduktion der Zahl der Filialen. Dann wären im Jahr 2035 etwa 25.000 Filialen zu erwarten.

Ein weiterer Rückgang um etwa 2 % pro Jahr. Dann gäbe es noch etwa 18.500 Filialen. Oder eine Verschärfung des Abbaus bei 3 % pro Jahr. Dann gäbe es noch etwa 15.000 Filialen.

Vergleicht man diese Prognosen allerdings mit den Werten anderer europäischer Länder, so kann man fragen: Wie schaffen das die Niederlande, mit so einem geringen Filialnetz klarzukommen? Und: Was ließe sich daraus für Deutschland lernen?

Dort ist eine Filiale für 10.000 Einwohner zuständig. Während in Deutschland aktuell eine Filiale etwa 2.900 Einwohner betreut.

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