Das Ende der Automobil-Ära - stattdessen standardisierte Module und Fahrgäste - Bob Lutz zur Zukunft der Autobranche - analog zur Aussage von Angela Merkel im Juni 2017

12.11.2017 02:45:13, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hat die Autobranche eine Zukunft? Die Meinung von Bob Lutz ist da eindeutig. Die Ära der Autobranche ist vorbei. Spätestens in zwanzig Jahren sei das Thema erledigt.

Für hunderte von Jahren sei das Pferd wesentlich gewesen, in den letzten 120 Jahren war es das Auto. Aber damit sei nun Schluß.

In Zukunft gäbe es nur noch standardisierte Module. Man bestellt sich eines, steigt ein. Das Modul fährt eigenständig zur Autobahn. Reiht sich dort in eine lange Kette dieser autonom fahrenden Module ein. Die mit ordentlicher Geschwindigkeit, er spricht von 120 - 150 Meilen, im Konvoi fahren.

Ist das Ziel erreicht, schert das Modul aus und fährt den Insassen an den Zielort. Das wird relativ automatisch abgerechnet, per Kreditkarte, Fingerabdruck oder einer anderen Technik.

Das Modul fährt wieder zum Sammelplatz und steht für den nächsten Fahrgast bereit.
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Bob Lutz: Kiss the good times goodbye: 'Everyone will have 5 years to get their car off the road or sell it for scrap'

http://www.autonews.com/article/20171105/INDUSTRY_REDESIGNED/171109944/industry-redesigned-bob-lutz

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Die meisten dieser standardisierten Module würden von Firmen wie Uber und Lyft betrieben. Warum das so eintreffen wird?

> The tipping point will come when 20 to 30 percent of vehicles are fully autonomous. Countries will look at the accident statistics and figure out that human drivers are causing 99.9 percent of the accidents.

Der kritische Punkt wird erreicht werden, wenn 20 - 30 Prozent der Fahrzeuge völlig autonom unterwegs sind. Länder und Politiker würden sich die Unfallstatistiken ansehen. Und feststellen: Für 99,9 Prozent aller Unfälle seien menschliche Fahrer verantwortlich.

Dann mag es eine fünfjährige Übergangsperiode geben. Leute verkaufen ihr Auto für nichts, erwerben ein Modul. Aber eigentlich lohnt sich ja der eigene Modulkauf gar nicht mehr.

Er wurde mal von CNBC gefragt. Leute wollten keine autonomen Autos kaufen. Sie würden den Herstellern nicht trauen. Die Autos müßten von Google oder Apple kommen. Dann ginge das. Seine Position sei aber, daß eine öffentliche Akzeptanz zunächst gar nicht notwendig sei. Die großen Flotten wie Uber, Lyft, FedEx, UPS, der U.S. Postal Service. Und Amazon. Die würden solche Module beauftragen, kaufen und einsetzen. Alle paar Monate 100.000 low-end, 100.000 medium und 100.000 high-end - Module. Wer das am günstigsten herstellen kann, der bekommt den Auftrag.

Diese Module würden nicht mehr nach den Automobilfirmen benannt werden. Sondern nach den Flottenbesitzern.

Das sei wie beim Handy. Da wird das Geld auch nicht mehr nur mit der Hardware verdient. Sondern mit der Software.

Dann wird es deutlich: Auf die Autobahn kommen dann nur noch solche "passenden Module", die im Konvoi fahren können. Überholen ist nicht mehr möglich. Die Folgerung:

> That is the death knell for companies such as BMW, Mercedes-Benz and Audi. That kind of performance is not going to count anymore.

Der Autohersteller, die Automarke, wird unrelevant.

Es wird einfache Basismodule und komplex ausgestattete Luxusmodule geben. Mit TV, Kühlschrank und Computerterminals. Trinken und SMS während des Fahrens zu schreiben ist kein Problem. Das Auto fährt, nicht mehr der Fahrgast.

Die Module werden vorne und hinten sehr senkrecht sein. So daß sie auf der Autobahn möglichst dicht aneinander fahren, so daß der Luftwiderstand deutlich sinkt. Design wird damit keine Rolle mehr spielen.

Die Zukunft der Autoverkäufer? Es wird Autosport geben, just for fun. Oder Leute lassen sich personalisierte Module bauen. Nur bleibt der Autosport abseits, jenseits der Autobahnen. So, wie das heutzutage Golfclubs seien. Elitär, für eine kleine Minderheit. Am Anfang mögen das noch viele nutzen. Irgendwann wird das weniger werden. Der Zeithorizont:

> The era of the human-driven automobile, its repair facilities, its dealerships, the media surrounding it — all will be gone in 20 years.

Die Ära der von Menschen gefahrenen Autos, die Reparaturwerkstätten, die Händler und die Medien drumherum - das wird in 20 Jahren gehen.

Die Automobilunternehmen, die sich rechtzeitig anpassen und selbst Werte schaffen, die können überleben. Den anderen werden die großen Flottenunternehmen die Bedingungen diktieren: "Wir wollen ein Modul mit dieser Größe und jenen Eigenschaften".

General Motors habe die Zeichen der Zeit erkannt. Das Unternehmen wolle nicht zum Handyhersteller werden. Stattdessen wurde in Lyft investiert.

Jeder würde das kommen sehen, aber keiner wolle darüber reden. Sie wüßten, daß es noch für ein paar Jahre so gehen würde. Aber irgendwann kippt das. Und die Werte werden von den großen Flotten geschaffen.

Meine persönliche Meinung dazu. Das wird kommen. Und zwar hoffentlich schneller. Die Nebenkosten der Verkehrstoten und -verletzten der derzeitigen Automobilindustrie sind einfach zu teuer. Solange hier Betrunkene Leute totfahren oder nachts Rennen veranstalten, bei denen Unbeteiligte sterben. Diese Seiteneffekte sind einfach inakzeptabel.

Interessant dabei ist der Gedanke, daß die Konvois wie Züge wirken. Also eine Mischung aus Individual- und standardisiertem Schienenverkehr.

Die andere Konsequenz: Heute noch als Jugendlicher eine Automobillehre zu beginnen? Eigentlich muß man davon abraten.

Im übrigen ist der Gedanke nicht neu. Angela Merkel hatte im Juni 2017 eine ähnliche Aussage in Argentinien gemacht.

„Gar nicht so weit weg“: Als Merkel in die Zukunft blicken soll, lacht das Auditorium

https://www.welt.de/politik/deutschland/article165359594/Als-Merkel-in-die-Zukunft-blicken-soll-lacht-das-Auditorium.html

Da hatte ein Student nach der Welt in 20 Jahren gefragt. Die Feststellung von Merkel:

> „Wir werden in 20 Jahren nur noch mit Sondererlaubnis selbstständig Auto fahren dürfen.“

Grund:

> „Wir sind das größte Risiko.“

Die Fahrer sind das größte Risiko. Und die Technik wird sich so schnell weiterentwickeln, daß sich die Frage nach der Risikominimierung für die Politik ganz zwangsläufig stellen wird.

Die deutschen Hersteller: Sie sind peinlich hinterher. Zwei Beispiele: Deutsche Kommunen suchen händeringend nach Elektrobussen im Ausland, weil sie im Inland nichts finden. Und die Deutsche Post hat ein Startup aufgekauft, das elektrisch betriebene Transporter entwickelt. Dafür interessieren sich inzwischen auch andere Unternehmen. Weil die deutschen Autofirmen nichts derartiges haben.

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