Indien erklärt Unsafe Selfies den Krieg - Zahl der Selfie-Toten in Indien besonders hoch - Killfie - #dangerousselfies für kritische Areale

17.11.2017 23:45:29, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mal ein Selfie schießen? Solange die Situation harmlos ist, sollte das kein Problem sein. Allerdings: Offenbar scheinen manche Leute für das "perfekte Selfie" sehr weit zu gehen. Nämlich zu weit.

In Indien scheint das ein besonderes Phänomen zu sein.
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India Declares War On Unsafe Selfies

https://www.npr.org/sections/goatsandsoda/2017/11/14/563255936/india-declares-war-on-unsafe-selfies

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Der Mann auf diesem Photo oben: Hinter ihm scheint es massiv abwärts zu gehen. Im Juli war ein Mann mit Freunden in einen eigentlich abgesperrten Bereich im Bannerghatta Biological Park in Bengaluru geschlichen. Er machte ein Photo von sich mit einem Elephanten im Hintergrund. Das Tier trampelte ihn tot.

Ebenfalls im Juli: Vier Leute saßen auf einer Klippe, an die hohe Wellen brandeten. Machten Selfies. Bis sie von den Wellen fortgerissen wurden. Alle vier ertranken. Da ist sogar ein Video bei "The Times of India" verlinkt, das die vier unmittelbar vor und während der tödlichen Welle zeigt.

Caught on cam: 4 drown while taking selfie at Nagoa beach

https://timesofindia.indiatimes.com/videos/news/caught-on-cam-4-drown-while-taking-selfie-at-nagoa-beach/videoshow/59728348.cms

Die Polizei von Mumbai hat 16 kritische Zonen in der Stadt identifiziert. Das sind nun No-Selfie-Zonen. In dem Artikel ist von einem indischen "Selfie fever" die Rede.

Mumbai enforces 'no-selfie' zones after string of fatal accidents

https://www.theguardian.com/world/2016/feb/25/mumbai-no-selfie-zones-string-fatal-accidents-india


Da gibt es zwar Stellen mit "ikonischen Bildern". Aber im Januar 2016 fielen drei Frauen ins Wasser, während sie im "Bandra Fort" Selfies machten. Ein Mann konnte zwei retten. Und ertrank beim Versuch, die dritte zu finden.

Wenn man nach "Bandra Fort" sucht: Das sind alte Gemäuer, unmittelbar am Wasser.

Im Juni 2017 veröffentlichte Samsung ein Warnvideo. Das aktuell auf 150 Millionen Aufrufe kommt.

Samsung cares for a Safe India

https://www.youtube.com/watch?v=QZdP-G-F0a8

Mobile Geräte mögen doch bitte nicht während der Fahrt verwendet werden. Da gab es den Hashtag #SafeIndia dazu. Ein Familienvater verabschiedet sich morgens von seiner Frau und seiner kleinen Tochter, er fährt mit dem Moped los. Und verunglückt kurz darauf, weil er sein mobiles Gerät nutzt.

Im Jahr 2016 wurde eine Studie mit dem sprechenden Titel "Me, Myself and My Killfie" veröffentlicht.

> The title of the report uses the word "killfie" to describe selfies taken under circumstances dangerous enough to kill you.

Da hatten Forscher weltweit nach Todesfällen im Zusammenhang mit Selfies gesucht. Selfies könnten meist harmlos sein. Aber in bestimmten Situationen auch tödlich. Das für Indien alarmierende Ergebnis:

> The research team found accounts of 127 reported deaths by selfie between 2014 to 2016, with more than half in India.

Von 127 Berichten über Selfie-Tote zwischen 2014 und 2016 waren mehr als die Hälfte der Toten in Indien zu beklagen.

Daraufhin identifizierten die Forscher tausende gefährliche Stellen in Indien und in der ganzen Welt. Und bauten eine App "Saftie" (Safety + Selfie), die vor gefährlichen Zonen warnt. Nutzer werden auch darüber informiert, wenn das eine Zone mit einem der 127 Todesfälle war.

Auch die Polizei in Mumbai warnte in diesem Juni wieder auf Twitter: Die Monsunzeit verlockt wohl zu gefährlichen Selfies.

https://twitter.com/MumbaiPolice/status/879974642953240576

> Don't make 'taking a selfie' mean 'taking your own life' #SafeMonsoonTips

Man hat nur ein einziges Leben. Das sollte man nicht für ein "spektakuläres Photo" aufs Spiel setzen. Sonst war das womöglich die letzte eigene Aktivität.

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