Death by Pokémon Go - Unglücksfälle durch abgelenkte Spieler - Studie der Purdue University in Indiana - mehrere Todesfälle und bis zu 7,3 Milliarden Dollar Schäden

27.11.2017 23:42:01, Jürgen Auer, keine Kommentare

Als Kind hatte ich manchmal in einem Buch gelesen - während ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs war. Ok, ein kleines Dorf, nicht zuviel Verkehr.

Etwas größere Dimensionen nimmt das inzwischen mit mobilen Geräten an: Da werden Spiele gespielt. Und das nicht nur in der Straßenbahn oder U-Bahn. Da ist es ungefährlich.

Sondern auch von Fußgängern und von Autofahrern.

Die Purdue University in Indiana hat nun versucht, abzuschätzen, zu wievielen Unglücken es durch Pokémon Go gekommen sein könnte.
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Ein Abstract: Death by Pokémon GO

https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3073723

Die ganze Studie: DEATH BY POKÉMON GO - Mara Faccio* and John J. McConnell**

https://papers.ssrn.com/sol3/Delivery.cfm/SSRN_ID3078063_code179428.pdf?abstractid=3078063&mirid=1

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Die Datengrundlage waren ausführliche Polizeiinformationen zu Unfällen in Tippecanoe County. Besonders betrachtet wurden die PokéStops, die Stellen, wo man die kleinen Monster einfangen konnte. Und zwar

> where users can play the game while driving

Ferner gab es andere Gebiete, Gyms, in denen Autofahrer explizit nicht spielen konnten. Bei den PokéStops gab es gehäuft Unfälle, in den Gyms dagegen nicht. Die Schlußfolgerung:

> We estimate the total incremental county-wide cost of users playing Pokémon GO while driving, including the value of the two incremental human lives lost, to be in the range of $5.2 million to $25.5 million over only the 148 days following the introduction of the game. Extrapolation of these estimates to nation-wide levels yields a total ranging from $2 to $7.3 billion for the same period.

Zwei Todesopfer, Gesamtkosten zwischen 5,2 und 25,5 Millionen Dollar in den 148 ersten Tagen. Das hochgerechnet auf die Gesamtzahl der US-Bürger wären 2 - 7,3 Milliarden Dollar.

Um den 06.07.2016 herum stieg die Zahl der Unfälle rund um die PokéStops signifikant an.

Tippecanoe County hat etwa 40.000 Studenten und eine Population von etwa 188.000 Personen (PDF Seite 6).

> Consistent with the use of mobile phones to play the game while driving, we find a significantly greater increase in the number of crashes in the vicinity of PokéStops than in the vicinity of Gyms.

Vor dem Start lag die Zahl der Unfälle pro Tag bei 17,25 Unfällen. Dann ging das hoch auf 19,26. Also etwa zwei Unfälle pro Tag mehr. Die Kosten stiegen von $4,370 auf $4,726. Die Zahl der Verletzten stieg von 0.196 auf 0.217.

Das Verhältnis der Unfälle zu den PokéStops versus Gyms:

> 19.75% of the locations of crashes are within 100 meters of a PokéStop, and 7.29% are within 100 meters of a Gym.

Die Daten sind erschreckend. Das PDF enthält diverse Informationen, wie das statistisch ermittelt wurde.

Denkbare Schlußfolgerungen: Das Spiel könnte unterbrochen werden, wenn sich der Spieler zu schnell bewegt. Oder es ploppt ein Hinweis auf, daß der Spieler bestätigen muß, daß er Passagier und kein Fahrer sei.

Praktisch ist das jene Unvernunft, bei der man nur hoffen kann, daß möglichst schnell autonomes Fahren Realität werden. Und daß Privatpersonen dann gar nicht mehr autofahren dürfen. Dann können sie sich aufs - ach so wichtige - Spielen konzentrieren.

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