Digitalisierung der Unternehmen - jedes vierte Unternehmen sieht seine Existenz bedroht, 60 Prozent sehen sich als Nachzügler - BITKOM-Umfrage

28.11.2017 23:32:43, Jürgen Auer, keine Kommentare

Die Digitalisierung von Unternehmen: Einerseits ist das ja mein eigenes Kerngeschäft. Schließlich ist es für meine aktiven Kunden typisch, daß sie sich immer mal wieder neue Dinge einfallen lassen und sich das in ihrer Web-Datenbank dazu bauen lassen.

Andererseits beobachte ich immer wieder große Zögerlichkeiten und Bedenken bei Interessenten. Die sich lieber nicht auf so eine Dienstleistung einlassen und stattdessen bei effektiv zu schwachen Lösungen stecken bleiben. Dann sind Datenverwaltungen viel zu umständlich, Daten müssen mehrfach eingegeben und parallel gepflegt werden. So daß das Unternehmen Zeit verliert. Oder Daten und damit letztlich Aufträge, etwa weil Informationen veraltet sind.

Deutschlandweit scheint das ein sehr weit verbreitetes Phänomen zu sein. Die BITKOM-Studie kommt zu interessanten Ergebnissen:
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Unternehmen wünschen sich Digital-Offensive der Politik

https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Unternehmen-wuenschen-sich-Digital-Offensive-der-Politik.html

Die Studie als PDF: Digitalisierung der Wirtschaft (15 Seiten):

https://www.bitkom.org/Presse/Anhaenge-an-PIs/2017/11-November/Bitkom-Charts-Digitalisierung-der-Wirtschaft-28-11-2017-final.pdf

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Einerseits boomt die deutsche Wirtschaft. Andererseits sorgt aber genau das für volle Auftragsbücher und "keine Zeit". Mit der Wirkung, daß die Zeitfresser so beibehalten werden, anstatt daß man sie mal abstellen würde.

Chancen und Risiken: "Sehen Sie die Digitalisierung eher als Chance oder eher als Risiko für Ihr Unternehmen?"

13 % sahen eher Risiken, 86 % eher Chancen. Aber: Auf die Frage

> Welche Aussagen treffen im Zusammenhang mit der Digitalisierung auf Ihr Unternehmen zu?

antworteten 30 % mit: "Wir haben Probleme, die Digitalisierung zu bewältigen". Und gewaltige 25 %, also jedes vierte Unternehmen, stimmte der Aussage zu:

> Die Digitalisierung gefährdet die Existenz unseres Unternehmens.

Da muß ich gestehen, daß ich das einerseits "etwas schräg" finde. Andererseits: Wie ist das gemeint? Daß das Unternehmen versucht, zu digitalisieren und daran scheitert? Oder daß das Unternehmen nicht digitalisiert, die Konkurrenten aber digitalisieren. Und das Unternehmen deshalb Kunden verliert und irgendwann mangels Kunden untergeht?

44 % sagen: "Als Folge der Digitalisierung bieten wir neue Produkte bzw. Dienstleistungen an."

Anpassungen gibt es bei 62 %. Aber 31 % nehmen bestimmte Produkte und Dienstleistungen vom Markt.

Gibt es eine Digitalstrategie? 37 % haben eine zentrale digitale Strategie. 31 % haben in einzelnen Bereichen eine digitale Strategie. 28 % haben keine Strategie, 4 % können das nicht sagen.

Lediglich bei 21 % der befragten Unternehmen gibt es ein Team, das sich nur mit der Digitalisierung beschäftigt. Nur bei 10 % gibt es einen Chief Digital Officer oder Leiter Digitalisierung.

60 Prozent sehen sich selbst als digitale Nachzügler. Nur 20 % wollen in diesem Jahr gezielt in die Digitalisierung investieren. Und 57 % berichten, daß Wettbewerber aus der Internet- bzw. IT-Branche in ihren Markt drängen.

Bei der Einschätzung neuer Technologien fällt auf, daß die Unternehmen diesen deutschlandweit eine wesentliche Rolle zusprechen. Aber für das eigene Unternehmen ist die Relevanz durchweg niedriger.

85 % meinen, daß die Digitalisierung Top-Thema der nächsten Bundesregierung werden müsse. 53 % diagnostizieren aber, daß der Politik das Verständnis für die Digitalisierung fehlen würde.

Die Erwartungen an die nächste Bundesregierung sind hoch. So sollen Ämter und Behörden Leistungen auch auf digitalem Weg anbieten (97 %), Bund und Länder sollen die digitale Bildung fördern (95 %) und es soll eine zentrale Koordination in der Bundesregierung geben (92 %). Dahinter der Breitbandausbau bis 2025 (83 %).

Auf die Frage "Wo sehen Sie die deutsche Wirtschaft im weltweiten Vergleich beim Thema Digitalisierung im Jahr 2030?" sehen 10 % Deutschland weltweit führend, 38 % Deutschland in der Spitzengruppe, 32 % im Mittelfeld, 12 % als Nachzügler, 5 % als abgeschlagen und 3 % antworteten nicht oder mit "weiß nicht".

Befragt wurden 505 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern.

Der Bitkom-Präsident Achim Berg (aus der obigen PM):

> „Chancen muss man nicht nur erkennen, man muss sie ergreifen. Wir brauchen eine Vision für das digitale Deutschland – und wir brauchen einen konkreten Plan, wie wir sie schnell erreichen“

Und weiter:

> „Die Digitalisierung wartet nicht auf Deutschland. Unternehmen und Politik sind hier gleichermaßen in der Pflicht, sie aktiv zu treiben und zu gestalten.“

Die Aufgabe laute, aus dem Industriestandort Deutschland einen Digitalstandort Deutschland zu machen. Sowie:

> „Die Digitalisierung braucht Weichenstellungen und sie braucht Tempo. Es darf nicht länger der Langsamste das Tempo vorgeben, wir müssen runter von der Bremse.“

Nach meinem Eindruck wird es da für einige Unternehmen in den nächsten Jahren noch ein ziemlich böses Erwachen geben. Dann nämlich, wenn die Unternehmen feststellen, daß sie einfach abgehängt wurden.

Eine kleine Seitenbeobachtung: Gestern wurde im Stuttgarter Schlecker-Prozess das Urteil gesprochen. In einem Bericht

Pleite der Drogeriekette: Gericht verkündet Urteil über Anton Schlecker und seine Kinder

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/pleite-der-drogeriekette-gericht-verkuendet-urteil-ueber-anton-schlecker-und-seine-kinder/20630214.html

war die Rede davon, daß die Schlecker-Filialen noch bis zum Schluß per Fax neue Waren bestellt hatten. Es gab kein zentrales Warenwirtschaftssystem. Allerdings ist das nicht nur ein Phänomen dort. Sondern eben auch anderswo: Digitalisierung Fehlanzeige. Aufträge bitte per Fax. Dann wundert sich das Unternehmen, daß die Verwaltungslogik "unendlich lange" dauert und so teuer sei.

Das ist so einer der Punkte, wo meine Server-Daten - Kunden um Dimensionen weiter sind. Da werden die Aufträge gleich online eingegeben. Das Fax ist längst kein Thema mehr.

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