Wie nutzen Unternehmen Automatisierung? Meist nur auf Sparflamme - 540 Millionen Euro IT-Budget unsinnig verbrannt - Studie Cloud Automation Excellence

08.12.2017 23:55:09, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wie ist es um die Digitalisierung in deutschen Unternehmen bestellt? Crisp Research, Nexinto plus eine Kooperation mit HPE haben dazu eine Studie erstellt: "Cloud Automation Excellence".

Dabei wurden 155 Unternehmen in 12 Branchensegmenten befragt. Und Interviews mit Personen aus der IT, der Digitalisierung und der Ebene der Unternehmensentscheider geführt.

Die Befragung fand zwischen August und Oktober 2017 statt.
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Neue digitale Geschäftsmodelle - Cloud Automation Excellence

https://www.nexinto.com/automation

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Die obige Seite enthält einige zusammenfassende Ergebnisse. Ferner kann man sich - gegen Name und Mailadresse - die Studie herunterladen (die Mail mit dem Link kam bei mir sofort).

Einige Daten (von der Website):

Nur 6 Prozent der Unternehmen kommen auf einen Automatisierungsgrad von über 70 Prozent. Die Mehrheit der Unternehmen nutzt noch den "Manufaktur-Status" mit einer Automatisierung kleiner 10 Prozent. Oder es gibt einen semi-automatisierten Modus (10-30% Automatisierungsgrad).

540 Millionen Euro seien durch unzureichende Automatisierung der IT-Infrastruktur und der IT-Betriebsprozesse verbrannt worden. Die Unternehmen hätten dasselbe Geld auch in die Modernisierung der Infrastruktur stecken können.

Die Mehrheit der Unternehmen (68 Prozent) befindet sich inzwischen in der Umsetzungsphase ihrer Digitalisierungsstrategie.

Als "digitale Nachzügler" werden nur noch 32 Prozent eingeschätzt. Etwa 10 Prozent haben noch gar nichts unternommen. Etwa 20 Prozent sind in der Planungsphase und überlegen, wie sie ihre Prozesse anpassen könnten.

Auf Seite 7 finden sich die genauen Zahlen: 9,7 % ohne Initiative, 21,9 % sind in der Anfangsphase / Planung. 41 % beschäftigten sich mit der Umsetzung und 26,5 % sind bereits in der digitalen Wachstumsphase.

Dann gab es fünf Thesen, die Befragten sollten sagen, welches die wichtigste These sei. Die "negative These" "Automatisierung wird überschätzt und die hochgesteckten Erwartungen enttäuschen" wurde nur von 11 Prozent ausgewählt.

Interessant ist ein Hinweis, daß die "digitalen Vorreiter" in der Automatisierung weitaus eher einen Hebel für digitale Innovation sehen als die "digitalen Follower" (PDF Seite 9).

Da finden sich auch die genaueren Zahlen zur "Manufaktur-Automatisierung" (< 10 % Automatisierung). Die gibt es bei 25,8 % aller befragten Unternehmen. Semi-Automatisierung (10 - 30 %) gibt es in 47,1 % der Unternehmen. Assisted Drive (30 - 70 % Automatisierung) gibt es in 20,7 % aller Unternehmen. Nur 6,4 % aller Unternehmen sind schon in der Rubrik Autopilot angekommen.

Bei den "strategischen Zielsetzungen" geht es für 68,4 % um Kostensenkung. Die beiden nächsten Punkte IT-Sicherheit gewährleisten und Skalierbarkeit ermöglichen haben einen direkten IT-Bezug. 26,4 % wollen Personal abbauen. Erst später kommen die positiven Kriterien. Etwa Agilität / Time-to-market verbessern, das wollen nur 20,0 %. Eigentlich müßte so ein Punkt ganz oben stehen.

Richtig spannend wird es etwas später (Seite 21):

> Automatisierung der IT-Infrastruktur aus Kosten- und Qualitätsperspektive ist die Pflichtübung – die Entwicklung und der automatisierte Betrieb digitaler Produkte und Dienste die Kür.

Einerseits geht es bei der Automatisierung darum, die IT-Infrastruktur voranzubringen. So daß bislang manuell erledigte und zeitfressende Tätigkeiten automatisch ablaufen. Aber das ist nur die Pflicht. Die eigentliche Digitalisierung beginnt erst da, wo es neue digitale Produkte und Dienste gibt.

Es gibt noch einige weitere Punkte, die ich hier weggelassen habe.

Insgesamt ist das eine ziemlich spannende Studie. Die vor allem verdeutlicht, wie sehr die Unternehmen bereits auseinanderlaufen dürften. Jene, die sich frühzeitig Gedanken um die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse gemacht haben, profitieren längst von den Vorteilen und können damit ganz neue Aufgaben angehen. Jene dagegen, die sehr langsam und zögerlich sind, haben weiterhin ihre hohen Kosten. So daß ihnen erst recht die Möglichkeiten zur "Kür" fehlen.

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