Die Konjunktur brummt - und über 310000 Unternehmen in Deutschland haben finanzielle Probleme - knapp 9 Prozent aller Unternehmen - CrifBürgel-Analyse

13.12.2017 23:55:13, Jürgen Auer, keine Kommentare

In Deutschland brummt die Wirtschaft. In manchen Bereichen gibt es kaum mehr Kapazitäten und damit lange Wartefristen für Auftraggeber. Aber trotz dieser rosigen Situation gilt das längst nicht für alle Unternehmen.

Von 3.514.796 Unternehmen weisen 311.723, damit 8,9 Prozent, eine schwache Bonität und ein hohes Zahlungsausfallrisiko auf. So eine aktuelle Analyse von CrifBürgel.
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Über 310.000 der Unternehmen in Deutschland haben finanzielle Probleme - Trendwende bei den Firmeninsolvenzen prognostiziert

https://www.crifbuergel.de/de/aktuelles/pressemitteilungen/ueber-310000-der-unternehmen-in-deutschland-haben-finanzielle-probleme

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Wesentlich dabei: Im Unterschied zum Sprachgebrauch bei Privatpersonen gelten diese Unternehmen als überschuldet und haben damit ein erhöhtes Insolvenzrisiko.

Besonders heikel: Die Zahl der finanzschwachen Unternehmen hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent erhöht.

Die Gegenentwicklung: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinkt erneut ab und dürfte am Jahresende bei etwa 20.500 Insolvenzen liegen. Das ist das achte Mal in Folge, der niedrigste Stand seit 1999.

Die CRIFBÜRGEL Geschäftsführerin Ingrid Riehl:

> „Der Anstieg der Zahlen bei den finanzschwachen Unternehmen zeigt jedoch, dass wir uns auf eine Trendwende bei den Firmeninsolvenzen einstellen müssen“

Die Zahlen:

> In absoluten Zahlen stehen Nordrhein-Westfalen (72.045), Bayern (39.745) und Baden-Württemberg (32.980) an der Spitze der Statistik der Bundesländer mit den meisten finanzschwachen Unternehmen.

Ein besserer Vergleichsmaßstab ist aber die Quote der kritischen Unternehmen: Da liegt der Schnitt bei 8,9 Prozent. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit 12,6 Prozent, gefolgt von Sachsen (12,2 Prozent) und Berlin (10,6 Prozent). Allerdings kommen auch noch Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Bremen über den Bundesdurchschnitt. Bremen ist mit 9,2 Prozent relativ nahe dran. Obwohl Bremen bei anderen Vergleichen oft zusammen mit Berlin sehr schlecht abschneidet.

Die Tendenz: In 15 von 16 Bundesländern nahm die Zahl der schwachen Unternehmen zu. Nur in Mecklenburg-Vorpommern verbesserte sich die Quote. Die stärksten Zunahmen gab es mit 12,8 Prozent in Baden-Württemberg und mit 12,6 Prozent in Bayern. Das sind nicht die einzigsten Länder mit zweistelliger Zunahme. Das gilt ebenfalls für Rheinland-Pfalz (12,1 Prozent), Bremen und das Saarland (11 Prozent), Schleswig-Holstein (10,3 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (10,1 Prozent).

Ein Blick auf die dreißig größten Städte listet als erstes Duisburg mit 12,2 Prozent. München (5,4 Prozent), Münster und Stuttgart (5,7 Prozent) sind die Städte mit den besten Quoten.

Bei den Rechtsformen liegt die UG mit 13,5 Prozent vorne. Gewerbebetriebe (9,5 Prozent) und GbR (9,2 Prozent) liegen über dem Schnitt.

Laut einem Tagesspiegel-Artikel

Insolvenzen: Berlin hat die meisten Pleiten

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/insolvenzen-berlin-hat-die-meisten-pleiten/20703098.html

ist die Insolvenzanmeldungsquote in Berlin allerdings besonders hoch. Von 10.000 Unternehmen hatten 93 Insolvenz angemeldet. In Baden-Württemberg betraf das nur 38 Unternehmen von 10.000.

Ein großes Problem: In Deutschland seien 2/3 der Vermögenswerte von Unternehmen durch Fremdkapital finanziert. Und 15 Prozent aller Unternehmen seien nicht in der Lage, die Zinsen aus dem Tagesgeschäft zu erwirtschaften. Sollten die Zinsen steigen, könnte das für diese Unternehmen rasch eng werden.

Ich denke da zusätzlich an jene "Zombies", von denen bei der OECD immer wieder die Rede ist. Etwa hier:

Breaking the Shackles: Zombie Firms, Weak Banks and Depressed Restructuring in Europe

http://www.oecd.org/officialdocuments/publicdisplaydocumentpdf/?cote=ECO/WKP(2017)65&docLanguage=En

Das sind Unternehmen, die eigentlich schon tot sein müßten. Die aber - eventuell nun auch wegen der niedrigen Zinsen - noch am Leben sind. Bei denen viel Kapital und Mitarbeiter gebunden sind. Anstatt daß die Unternehmen dichtgemacht und Kapital und Mitarbeiter in anderen Unternehmen eingesetzt werden könnten.

Wenn ich etwa an das Problem der Digitalisierung denke: Da hinken reihenweise Unternehmen hinterher. Jene dagegen, die sich schnell genug mit solchen Themen auseinandergesetzt haben: Die profitieren davon und haben nun ganz andere Möglichkeiten.

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