Weltgesundheitsorganisation (WHO) will Gaming Disorder - exzessives Computerspielen - als Krankheit einstufen - Definition als 6D11 im ICD-11 zu erwarten

29.12.2017 23:40:49, Jürgen Auer, keine Kommentare

Die Weltgesundheitsorganisation ist grade dabei, die nächste Version der International Classification of Diseases in der Version 11 (ICD-11) vorzubereiten.

In dem aktuellen "Beta Draft" wird "Gaming Disorder" als neue Krankheit genannt.
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6D11 Gaming disorder

https://icd.who.int/dev11/l-m/en#/http%3a%2f%2fid.who.int%2ficd%2fentity%2f1448597234

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Demnach:

> Gaming disorder is characterized by a pattern of persistent or recurrent gaming behaviour (‘digital gaming’ or ‘video-gaming’), which may be online (i.e., over the internet) or offline, manifested by: 1) impaired control over gaming (e.g., onset, frequency, intensity, duration, termination, context); 2) increasing priority given to gaming to the extent that gaming takes precedence over other life interests and daily activities; and 3) continuation or escalation of gaming despite the occurrence of negative consequences. The behaviour pattern is of sufficient severity to result in significant impairment in personal, family, social, educational, occupational or other important areas of functioning. The pattern of gaming behaviour may be continuous or episodic and recurrent. The gaming behaviour and other features are normally evident over a period of at least 12 months in order for a diagnosis to be assigned, although the required duration may be shortened if all diagnostic requirements are met and symptoms are severe.

Ein ständiges oder wiederholtes Spielverhalten / digital oder per Video, bei dem der Spieler die Kontrolle über das Spiel verliert. Er spielt sehr häufig, sehr intensiv, verliert seinen Kontext. Das Spielen wird wichtiger als alle anderen Lebensaktivitäten. Es wird trotz negativer Konsequenzen fortgesetzt. Eine Mindestzeit von 12 Monaten ist notwendig, um das diagnostizieren zu können. Wobei sich dieser Zeitraum in schweren Fällen auch verkürzen könne.

Das ist in der Kategorie "Disorders due to addictive behaviours", also Krankheiten, die mit suchterzeugenden Verhaltensweisen in Zusammenhang stehen. Direkt davor findet sich "6D10 Gambling disorder", damit sind bereits seit längerem Spielstörungen erfaßt, etwa exzessives Automatenspielen. Auffallend ist, daß die Beschreibung der Gaming disorder praktisch mit der Beschreibung von Gambling Disorder identisch ist. Wenn ich mich nicht vertan habe, dann ist im wesentlichen nur "Gambling" durch "Gaming" ausgetauscht.

Sollte das wie geplant verabschiedet und ab Sommer 2018 gültig werden, dann hätte das bsp. Auswirkungen auf Krankenkassen, welche die Behandlung von so klassifizierten Krankheiten übernehmen.

Laut Golem

WHO: "Gaming Disorder" wird offiziell als Krankheit eingestuft

https://www.golem.de/news/who-gaming-disorder-wird-offiziell-als-krankheit-eingestuft-1712-131895.html

hat der US-Verband Entertainment Software Association (ESA) versucht, die Aufnahme in den ICD-11 zu verhindern. Und schrieb unmittelbar nach der Veröffentlichung:

> "Gesunder Menschenverstand und objektive Forschung beweisen, dass Videospiele nicht süchtig machen"

Wenn ich allerdings an jenen Beitrag vom 01.12.2017 denke, den ich hier eingestellt hatte:

Über 13500 Dollar für Microtransactions - Süchtig nach Ingame-Käufen - der Spieler Kensgold berichtet aus seinem Leben und seinen Erfahrungen mit Spielen und Spielsucht

https://blog.server-daten.de/de/2017-12-01/Ueber-13500-Dollar-fuer-Microtransactions---Suechtig-nach-Ingame-Kaeufen---der-Spieler-Kensgold-berichtet-aus-seinem-Leben-und-seinen-Erfahrungen-mit-Spielen-und-Spielsucht-101

Dann scheint die spezielle Form von Computerspielen mit diesen Microtransactions durchaus dazu geeignet zu sein, labile Leute da "hineinzuziehen".

Allerdings muß man dann auch in der Umkehrung feststellen: Labile Leute können in diverse Richtungen Suchtverhaltensweisen entwickeln. Bei dem einen ist es der Alkohol. Bei dem zweiten ist es exzessiver, faktisch schädlicher Sport. Der dritte spielt oder arbeitet zu viel.

Insofern halte ich persönlich die Frage, ob man online-spielsüchtig werden könne, für längst beantwortet. Natürlich geht das. Man kann so ziemlich nach allen Verhaltensweisen süchtig werden, sofern diese eine Ersatzfunktion für einen haben. Wenn das ein Interessensverband bestreitet, dann halte ich das - auch im Interesse seiner Mitglieder - für eher kontraproduktiv.

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