Böllerei zu Silvester - muss das sein oder kann das weg? Warum nicht die ganze private Böllerei abschaffen?
Normalerweise gehe ich ja regelmäßig am Abend eine Runde raus. Als Ausgleich zur Schreibtischarbeit ist das notwendig und mir ein Bedürfnis.
Aber an Silvester - hatte ich diese Runde wieder einmal gestrichen.
Warum? Hier knallt es spätestens ab der Dämmerung. Und bald wird das zu einem ständigen Rauschen. Raketen, die nach oben zischen. Die müssen ja auch irgendwann wieder runterfallen. Und da muß es nicht mein Kopf sein, den das trifft.
Analog habe ich keine Lust, zufällig in eine Gruppe zu geraten, die meint, andere mit Raketen beschießen zu müssen oder Böller in Menschenmengen zu werfen. Augen und Ohren habe ich nur einmal. Sind die kaputt, wäre das ein "teurer Spaziergang" gewesen.
Interessant ist, daß es in diesem Jahr solche Positionen in etwas größerem Maße gab. Etwa Christoph Lauer in der ZEIT.
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Silvesterknaller: Die Freiheit, andere zu gefährden
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-01/silvesterknaller-freiheit-tradition-gefahr-verbot/komplettansicht
Und - teils mit Bezug darauf, teils ergänzend: Silvesterbilanz: Bereitet der Böllerei endlich ein Ende!
http://www.tagesspiegel.de/politik/silvesterbilanz-bereitet-der-boellerei-endlich-ein-ende/20808472.html
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Die Daten sind jedes Jahr dieselben. Diverse teils schwer verletzte Leute. Selbst wenn man der Meinung ist, daß jene, die mit gefährlichen Böllern hantieren und sich selbst schwerste Verletzungen zufügen, das selbst verschuldet hätten: Da ruinieren sich Leute ihr ganzes weiteres Leben. Ganz von jenen zu schweigen, die unbeteiligt sind und irgendetwas abbekommen.
Dann die Brände. Raketen auf Balkone, dort fängt Gerümpel Feuer, die Wohnung brennt aus. Oder das ganze Haus mit dazu. 432 Brände gab es dieses Jahr in Berlin. In Neukölln wurde eine Ladentür beschädigt, daraufhin Feuerwerkskörper reingeschossen. Der Laden brannte aus, die berufliche Existenz der Besitzer ist gefährdet. Drüber wurden Leute aus den Wohnungen geholt. Eine Hochhauswohnung brannte aus, ebenso ein Einfamilienhaus.
Bilanz der Silvesternacht in Berlin: Polizeigewerkschaften verurteilen Angriffe auf Einsatzkräfte
http://www.tagesspiegel.de/berlin/bilanz-der-silvesternacht-in-berlin-polizeigewerkschaften-verurteilen-angriffe-auf-einsatzkraefte/20802710.html
Plus acht Angriffe auf Einsatzkräfte und 57 Angriffe auf Einsatzfahrzeuge bei der Feuerwehr.
Dabei geht es doch auch ganz anders. Auf der großen Party am Brandenburger Tor knallen Profis. Privates Feuerwerk ist dort seit langem strikt untersagt. Ebenso in vielen anderen Ländern, in denen es diese unsägliche Tradition des privaten Knallens gar nicht gibt. Und in Deutschland gibt es das ja in dieser exzessiven Form auch nur in den Großstädten. Wo man sich bald fragt, ob das nun eine Art Ersatz-Erster-Mai ist, nachdem dieser inzwischen deutlich befriedet wurde. Oder wo Leute, die das bei sich nicht dürfen, nach Berlin kommen, um sich hier auszutoben.
Schließlich die Tiere, die jedes Jahr unter dem Krach leiden. Die Feinstaubbelastung liegt bei etwa 5000 Tonnen in ganz Deutschland. Das entspricht etwa 17 % dessen, was im Jahr im Straßenverkehr produziert wird. Am Ende liegt schließlich tagelang der Müll rum. Wenn dann noch unmittelbar nach Silvester Schnee fällt, dann bleibt der Silvesterdreck auch gerne mal bis Ende Januar oder Mitte Februar liegen.
Theoretisch könnte das jede Stadt selbst regeln. Teils wird das auch schon gemacht. In Städten wie Ravensburg, Konstanz und Tübingen ist das mit Blick auf die brandgefährdeten historischen Fachwerkhäuser bereits untersagt. Aber hier fürchtet die Politik wohl, als Spaßbremse und als Touristenschreck zu gelten.
Praktisch wäre das ein spannendes Thema für einen Volksentscheid. Es wäre interessant, zu erfahren, wie die Mehrheit der Bevölkerung tatsächlich darüber denkt. Die 137 Millionen Euro, die in Deutschland zu Silvester für Feuerwerk ausgegeben werden, könnte man jedenfalls für sinnvollere Dinge nutzen.
