Digitale Plattformen als Neuland: Für 54 Prozent aller Unternehmen ist das unbekannt - und ich mache das seit 13 Jahren - BITKOM-Umfrage

25.01.2018 23:54:23, Jürgen Auer, keine Kommentare

Im Jahr 2013 gab es teils Spott, teils mildes Lächeln. Teils ein Haha. Als Angela Merkel beim Besuch von Barak Obama am 19.06.2013 jenen Satz sagte: "Das Internet ist für uns alle Neuland". Ich fand das damalige Gespött ziemlich albern. Denn die Spötter zeigten nur, wie wenig sie verstanden hatten. Das Internet ist eben mehr als nur ein paar kleine Online-Plattformen oder eine Umgebung wie Twitter. Und natürlich war das 2013 noch deutlich mehr Neuland.

Aber praktisch? Praktisch gilt das heute immer noch. Spätestens dann, wenn man so eine Pressemitteilung wie die des BITKOM liest.

Dort wurden 505 Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten gefragt. Ob sie denn wüßten, was "digitale Plattformen" seien bzw. ob sie wüßten, was man unter "Plattform-Ökonomie" versteht. 54 Prozent teilten mit, daß sie das nicht wüßten.
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Mehrheit hat noch nie etwas von digitalen Plattformen gehört

https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Mehrheit-hat-noch-nie-etwas-von-digitalen-Plattformen-gehoert.html

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Die zwei Hauptergebnisse:

> 54 Prozent der Unternehmen kennen den Begriff Plattform-Ökonomie nicht
> Jeder Dritte, der damit etwas anfangen kann, hält Plattformen für sein Unternehmen nicht für relevant

2013 hätte ich womöglich noch gesagt: "Na ja, wird schon". Aber Anfang 2018 sind solche Ergebnisse bald schon erschütternd. Und das nicht bei Leuten, bei denen man vermutet, daß sie wenig Ahnung haben. Sondern bei Leuten aus der Wirtschaft. Die sich doch eigentlich längst mit dem Digitalisierung beschäftigen müßten.

Amazon ist eine riesige Plattform-Ökonomie. Ebenso Ebay. Aber es sind nicht nur jene großen US-Plattformen. Und auch nicht nur jene europäischen Plattformen, die nur zu einem speziellen Thema Nutzer zusammenführen.

Bitkom-Präsident Achim Berg:

> „Wer als Unternehmer heute die Möglichkeiten digitaler Plattformen ignoriert, der handelt grob fahrlässig. Das ist so, als ob Unternehmer in früheren Jahren vor der Automatisierung oder der Elektrifizierung die Augen verschlossen hätten“

Und weiter:

> „Digitale Plattformen werden sich in praktisch jeder Branche etablieren. Die Plattformen brechen über Jahrzehnte gewachsene Wertschöpfungsketten auf, sorgen für größere Transparenz und schaffen mehr Wettbewerb. Unternehmen sollten alle Möglichkeiten ausloten, solche Plattformen aufzubauen oder zu nutzen.“

Von jenen 43 Prozent, die die Begriffe zumindest kennen, sind 39 Prozent der Meinung, daß digitale Plattformen für das eigene Geschäft nicht relevant seien. Bei Industrieunternehmen ist die Skepsis mit 67 Prozent besonders hoch. Dabei bieten 55 Prozent dieser Unternehmen selbst schon eigene Produkte oder Dienstleistungen auf solchen Plattformen an. 43 Prozent kaufen bzw. buchen Produkte oder Dienstleistungen auf diesen Plattformen. Und 10 Prozent betreiben solche Plattformen selbst.

Dazu nochmals Achim Berg:

> „Jedes Unternehmen braucht dringend eine Digitalstrategie – und Teil einer solchen Strategie muss auch die Beschäftigung mit dem Thema Plattformen sein.“

Die zwei Fragen lauteten:

> „Haben Sie schon einmal von den Begriffen digitale Plattform-Ökonomie, Plattform-Märkte oder kurz digitale Plattformen gehört?“ und „Inwiefern ist die digitale Plattform bzw. sind digitale Plattformen für Ihr Unternehmen relevant?“

Mit meiner Dienstleistung Server-Daten, auf der auch der hiesige Blog läuft, betreibe ich eine eigene Plattform für Web-Datenbank - Lösungen. Bei der sich Kunden unterschiedlichster Größe Hard- und Software gemeinsam teilen. So daß auch kleine Kunden (Datenbank mit 15 oder 25 MB) dieselbe Sicherheit haben wie große Kunden mit Datenbanken im GB-Bereich.

Ebenso teilen sich die Kunden die - teure - Plattformentwicklung auf. Wobei ich die in den Jahren 2003 - 2005 "vorgeleistet" habe. So daß nun alle Kunden von Skaleneffekten profitieren, die bei lauter Einzelkunden gerade nicht zum Tragen kommen würden. Etwas wird einmal im Gesamtsystem entwickelt und eingebaut. Ab dann können alle Kunden davon zu Pauschalpreisen profitieren.

Umgekehrt bedeutet dies auch: Kunden, die Server-Daten oder andere, analoge Dienstleistungen nutzen, sind teils seit Jahren von Problemen entlastet, mit denen sich andere Unternehmen immer wieder neu herumschlagen müssen. Nutzer digitaler Plattformen können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und mieten die Dienstleistungen der digitalen Plattform einfach pauschal dazu.

Für mich selbst heißt das: Wenn ich mir vorstelle, daß ich zu jedem einzelnen meiner Kunden bei einem Provider pro Kunde jeweils eigene Hardware betreuen, aktualisieren und patchen müßte: Ein Alptraum. So bestand die "wesentliche Weiterentwicklung der Hardware" in den letzten 13 Jahren darin, daß die Arbeitsspeicher von Web- und Datenbankserver größer, die Festplatten größer und die CPU-Leistung stärker wurde. Und ich miete analog die Hardware an, die irgendwo in einem Rechenzentrum hier in Berlin steht. Mit Zutrittskontrolle, Brandschutz, automatisierten Sicherungen. Ohne daß ich solche Prozesse einzeln pro Kunde erledigen müßte. Die Hardware wird proaktiv gewartet, so daß ich mich da um nichts kümmern muß und mich auf die Weiterentwicklung von Server-Daten konzentrieren kann.

Sprich: "Digitalisierung der Geschäftsprozesse" bedeutet eben auch, daß ich nicht ständig Dinge manuell erledige, die Computer viel besser und zuverlässiger erledigen können. Und man komme mir da nicht mit den Ausfallproblemen lokaler PC. Diese vermeidet man, wenn man so einen Online-Dienst wie Server-Daten nutzt. Denn dann ist der lokale PC austauschbar. Im Zweifelsfall gegen ein Smartphone oder Tablet.

Wer einen Artikel von 2013 zu der Merkel-Bemerkung sucht: Etwa hier

Die Kanzlerin entdeckt #Neuland

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/kanzlerin-merkel-nennt-bei-obama-besuch-das-internet-neuland-a-906673.html

im Spiegel.

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