Interessante Entwicklung: Facebook stoppt Werbung für Finanzprodukte und Services wie Kryptowährungen, Initial Coin Offering (ICO) und binäre Optionen

31.01.2018 23:47:22, Jürgen Auer, keine Kommentare

Auf größeren Plattformen ist das immer wieder ein Ärgernis. Die Plattformen wollen Geld mit Online-Werbung verdienen. Aber das kann eben auch bedeuten, daß eher zweifelhafte Angebote und Dienstleistungen beworben werden. Und die Plattform auch noch munter daran verdient.

Das Problem betrifft alle "hinreichend großen Plattformen", bei denen es in der Regel irgendwelche automatischen Systeme zum Buchen gibt. Aufgrund der Fülle der Werbebuchungen und der fehlenden Verbote wird Werbung gebucht, die fragwürdig ist.

Facebook scheint allerdings nun einen neuen Weg einzuschlagen. So gab es gestern einen Blogbeitrag, in dem über eine neue Einschränkung für Werbung informiert wurde.
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New Ads Policy: Improving Integrity and Security of Financial Product and Services Ads

https://www.facebook.com/business/news/new-ads-policy-improving-integrity-and-security-of-financial-product-and-services-ads

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Zunächst die Prinzipien:

> Two of our core advertising principles outline our belief that ads should be safe, and that we build for people first. Misleading or deceptive ads have no place on Facebook.

Werbung sollte sicher sein. Und Facebook sei für Personen. Irreführende oder täuschende Werbung habe keinen Platz auf Facebook.

Das wird aber weit gefaßt:

> We’ve created a new policy that prohibits ads that promote financial products and services that are frequently associated with misleading or deceptive promotional practices, such as binary options, initial coin offerings and cryptocurrency.

Finanzprodukte und Services, die häufig mit solchen irreführenden und täuschenden Werbungen in Verbindung gebracht werden, sind untersagt.

Die Regel hat die "deutliche Überschrift":

> 29. Prohibited Financial Products and Services

und lautet:

> Ads must not promote financial products and services that are frequently associated with misleading or deceptive promotional practices, such as binary options, initial coin offerings, or cryptocurrency.

https://www.facebook.com/policies/ads/prohibited_content/prohibited_financial_products_and_services

Dann folgen vier Beispiele.

Interessant daran ist, daß dieses Verbot ausdrücklich weit gefaßt ist. Aktuell scheint das alle Anbieter dieser Konzepte zu umfassen. Facebook will daran arbeiten, irreführende Werbung genauer zu erkennen. Die neue Regel gilt nicht nur für Facebook, sondern auch für Instagram und das Audience Network.

Facebook sei sich auch im Klaren darüber, daß das Unternehmen nicht all diese Werbung erkennen könne. Die Mitglieder werden ausdrücklich aufgefordert, Werbung zu melden, welche die neue Regel mißachtet.

Der Schlußsatz:

> This policy is part of an ongoing effort to improve the integrity and security of our ads, and to make it harder for scammers to profit from a presence on Facebook.

Scammern soll es erschwert werden, von einer Präsenz auf Facebook zu profitieren.

Bei so manch einer Versprechung, die man da liest, erinnern solche Konzepte an Schneeballsysteme. Bei denen es unklar ist, wer dahintersteckt und ob tatsächlich eine Kryptowährung aufgebaut wird. Oder ob nicht nur Geld eingesammelt wird, das dann verschwindet.

Golem

Kryptowährungen: Facebook schickt den Bitcoin ins Minus

https://www.golem.de/news/kryptowaehrungen-facebook-schickt-den-bitcoin-ins-minus-1801-132501.html

berichtet, daß die Kurse einiger dieser Währungen nach dem Blogbeitrag von Facebook deutlich gefallen seien.

Interessant wäre, ob andere Social-Media-Plattformen wie Twitter und LinkedIn mitziehen. Und ob weitere Werbenetzwerke wie Google sich daran beteiligen.

Angesichts der Änderungen von Facebook beim Newsfeed sieht das nun doch etwas danach aus, als ob Facebook aus dem Desaster um das Thema "Beeinflussung US-Wahlen" etwas gelernt hat. Nutzer, die aufgrund der zugelassenen Werbebuchungen solche Werbungen wiederholt sehen: Die gehen womöglich.

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