Instravel - wenn die Originalität baden geht - alle reisen an dieselben Orte und stellen dieselben Bilder auf Instagram ein - Oliver Kmia baut eine Collage

06.02.2018 23:38:16, Jürgen Auer, keine Kommentare

Originalität? Etwas machen, das sonst so niemand macht. Aber wenn Leute auf Reisen gehen und auf Instagram Bilder von ihren Touren hochladen? Da scheinen sich gewisse Motive sehr zu wiederholen.

Der Filmemacher Oliver Kmia hat auf Instagram in öffentlichen Accounts unter Nutzung von Hashtags gesucht. Und fand, daß sich diverse "Reisemotive" extrem wiederholen.

Daraus baute er eine kleine filmische Montage.
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This Video Proves We All Share the Exact Same Travel Photos on Instagram

https://sploid.gizmodo.com/this-video-proves-we-all-share-the-exact-same-travel-ph-1822631349

Das Video direkt auf Vimeo: Instravel - A Photogenic Mass Tourism Experience

https://vimeo.com/253334732

Auf fstoppers berichtet er über die Entstehung: How I Created a Viral Video and What I Learned in the Process

https://fstoppers.com/bts/how-i-created-viral-video-and-what-i-learned-process-218052

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Am Anfang zeigen diverse Leute ihre Reisepässe. Dann folgen diverse Aufnahmen von Flugzeugen und Flugzeugflügeln. Die Frau, die ihren photographierenden Freund hinter sich herzieht. Der schiefe Turm von Pisa, der mit den Händen abgestützt wird oder der mit einer Eistüte kombiniert wird. Der Trevi-Brunnen in Rom. Die Mona Lisa, die man teils vor lauter hochgehobenen Smartphones kaum mehr sieht. Der Eifelturm aus den immergleichen Perspektiven. Das Empire State Building. Das groß aufgemalte US 66 an einer Hauswand. Oder auf der Straße, mit posierenden Reisenden. Die schnurgerade Straße in den USA, bei der man sich genau auf die Mitte setzt und sich abknipsen läßt. Känguru-Warnschilder in Australien. Der Blick in den Autospiegel plus photographierendes Smartphone. Machu Picchu, die Inkastadt auf dem Berg in Peru. Die Christusstatue von Rio de Janeiro mit unzähligen davor posierenden Touristen. Die Statuen auf der Osterinsel. Beim nächsten Bild mußte ich passen. Der Taj Mahal in Indien. Der Vulkan Fuji in Japan, von einer Terrasse her betrachtet. Das nächste Bild kenne ich nicht. Ein Bambuswald. Eine Budda-Statue. Photos vom Essen. Hochgehaltene Getränkebecher und wohl aufgeschnittene Kokosnüsse mit Strohhalm am Strand. Und natürlich diverse Selfies vor Spiegeln, die selbst abgelichteten Beine im Sand oder im Wasser. Schließlich erneut die Kombi Frau zieht photographierenden Partner hinter sich her, diesmal im Wasser. Und das über dem Strand landende Flugzeug. Der Blick in die U-Bahn oder auf U-Bahn-Spinnennetze.

Die Idee sei ihm in Rom gekommen. Da wollte er den Trevi-Brunnen photographieren. Aber das klappte nicht. Weil ständig hunderte Touristen da waren. Allerdings:

> At the moment, I found this sight deplorable and ridiculous, yet, I was one of these tourist, not better or worse. Like everybody else, I purchased a cheap flight to Rome and booked a hotel nearby.

Er war ja selbst einer dieser Touristen. Mit einem Billigflieger nach Rom, eingecheckt in einem nahen Hotel. Er erinnerte sich an ein Video mit einem ähnlichen Konzept:

Hiérophante - Clichés (Official Music Video)

https://vimeo.com/151297208

und wollte das für das Reisen machen. Manche Orte hat er auch explizit ausgeklammert. Etwa das Holocaust-Denkmal hier in Berlin.

Die Produktion war ziemlich aufwendig. Es galt, die richtigen Hashtags zu finden und die kommerziellen Bilder dazwischen zu überspringen. Ferner suchte er nach Bilder, die aus demselben Standpunkt und Blickwinkel aufgenommen worden waren. Etwa 4000 Bilder lud er sich von Instagram herunter, nur etwa 1000 wurden schließlich genutzt. Jedes Bild wurde dann in 3 - 8 Frames genutzt.

Das Video wurde von DPReview geteilt und ging dann viral. Etwa 250.000 Aufrufe an einem Tag. Dann ging das wieder runter.

Seine Zusammenfassung:

> It took about six month to produce this video and it became viral in a few hours. Three days later, the Internet has moved on to a next hot topic. Despite many reactions and heated comments about the meaning of this project, I never had any intention to deliver a deep social message

Sechs Monate hat das gedauert, das Video zu produzieren. Nach einigen Stunden ging das viral, dann ebbte das wieder ab. Vor einer Woche hatte er das Video online gestellt.

> During my trip, I felt that many people didn't really enjoy the moment and were hooked to their smartphones. As if the ultimate goal of travel was to brag about it online and run after the likes and followers.

Leute könnten gar nicht mehr das Reisen genießen. Sie seien nur noch mit ihren Smartphones beschäftigt. Das Ziel des Reisens: Bilder auf Instagram hochladen und den Likes und Followers hinterherjagen.

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