Eine Falltür als Beleuchtung für das Erdgeschoss - japanisches Architekturbüro Persimmon Hills verwandelt das Erdgeschoss in einen luftigen Raum

24.02.2018 23:13:49, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man selbst in einem zwei Stockwerke umfassenden Reihenhaus wohnt oder dort zu Besuch ist: Dann kennt man oft das Phänomen. Zwar mag es auf der Südseite einige Fenster geben. Aber spätestens, wenn Bäume im Garten stehen, ist es im Erdgeschoss meist relativ dunkel. Oft befinden sich dort die Küche und ein Wohnzimmer, die Schlafzimmer sind oben. Wie läßt sich dort unten Licht hineinbringen?

Das japanische Architekturbüro Persimmon Hills hat eine verblüffende Lösung bei der Renovierung und Modernisierung eines Reihenhauses entwickelt.

Im ersten Stock gibt es eine große Klappe. Wie eine Falltür. Allerdings gibt es dort keine Treppe, die ist statisch am Rand des Raumes untergebracht.

Aber die Unterseite der Falltür ist weiß gestrichen. Die Falltür kann mit einem Seil hochgezogen und in einer schrägen Position fixiert werden.

Die Wirkung: Oben gibt es eine großzügige Fensterfront. Dort kommt Tageslicht hinein. Und wird von der Unterseite der Falltür nach unten in den Raum reflektiert.

Dieser wirkt damit weitaus größer und luftiger.
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Watch the trap door! a japanese architect's solution to an age old problem

https://www.designboom.com/architecture/trap-door-japan-home-02-20-2018/

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Das Haus ist etwa 50 Jahre alt und steht in Habikino. Der Architekt hat das Haus für seine Mutter renoviert.

> the project was fairly simple and the design focused on one problem more than any other — i.e. bringing light into the dark abode that has no courtyards

Sie wollte es unten hell haben. Die Lösung ist eigentlich ganz einfach. In der Zwischendecke war ein Durchbruch notwendig, der wird durch die Klappe abgedeckt.

Die Mutter arbeitet und lebt normalerweise unten. Die Räume oben können von Gästen genutzt werden.

Interessant ist vor allem das das eine Bild, das den unteren Raum von hinten bei geöffneter Falltür zeigt. Da sieht man, daß von oben her doch so einiges an zusätzlichem Licht nach unten kommt.

Leider fehlt ein Bild von demselben Standort bei geschlossener Falltür. Allerdings ist klar, daß der Durchbruch dann fehlen würde, so daß die Decke insgesamt niedriger wäre. Und es dürfte weitaus dunkler sein.

Auf der Website der Architekten findet sich ein Querschnittsmodell:

House in Habikino (renovation)

https://www.persimmon-hills-architects.com/house-in-habikino

Man muß sich immer klar machen, daß die Treppe nach oben nicht zur Falltür führt, sondern daß die Treppe an der Hauswand angebracht ist und daß es einen ordentlichen Abstand zwischen beiden Elementen gibt.

Interessant ist auch die Gestaltung: Die tragenden Holzpfeiler sind im Erdgeschoss weiß gestrichen. Ebenso wie die dortigen Wände, die Decke und der Durchbruch. Im ersten Stock dominieren dagegen Holztöne: Der Fußboden und die Holzpfeiler sind in Naturfarben belassen. Die Wände sind teils hell, teils wurde das Holz irgendwie bearbeitet, so daß es bläulich wirkt, die Holzmusterung aber sichtbar ist. Die Decke ist in einem ähnlichen Blauton gehalten. Allerdings, ohne daß hier eine Holzmaserung sichtbar ist. Ferner gibt es zwei kräftige, waagerecht montierte Metallstangen. Diese fallen bei geschlossener Falltür nicht wirklich auf. Bei geöffneter Falltür leiten sie das Seil um, das die Falltür offen hält.

Insgesamt ist das eine faszinierende Lösung und eine gelungene Renovierung und Modernisierung.

PS: Per Twitter fand sich ein kleines Video, das das Öffnen der Falltür zeigt.

“House in Habikino” by PERSIMMON HILLS architects , video01

https://vimeo.com/251417331

Bei geschlossener Falltür ist das eben ein typischer, niedriger und dunkler Erdgeschoss-Raum. Das Aufklappen der Falltür führt zu einem "Durchfluten mit Licht". Selbst der Tragebalken dazwischen strahlt damit weitaus heller.

Unter

http://architecturephoto.net/66179/

gibt es noch einige weitere Bilder.

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