Polizei in Genf will zwei Adler gegen Drohnen einsetzen - in den Niederlanden scheiterte die Adler-Ausbildung, in Frankreich gibt es ebenfalls Adler als Drohnenjäger

25.02.2018 22:24:28, Jürgen Auer, keine Kommentare

Drohnen sind für die einen ein nettes Spielzeug. Auch heute waren im Volkspark Friedrichshain wieder Drohnen in der Luft. Für die anderen sind Drohnen inzwischen zu einer großen Bedrohung geworden. Schließlich kann man damit sowohl Film- und Tonaufnahmen machen. Ferner gibt es das wachsende Risiko von Anschlägen.

Die Polizei in Genf hat nun bestätigt, daß zwei Adler noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen sollen.
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Canton de Genève: Deux aiglons dressés pour intercepter les drones

https://www.lematin.ch/deux-aiglons-dresses-intercepter-drones/story/19342450

In Genf gehen Adler auf Drohnenjagd

https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/in-genf-gehen-adler-auf-drohnenjagd/story/27631914

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Die Genfer Polizei hat vor einiger Zeit zwei Adler-Eier gekauft. Die Küken sind inzwischen geschlüpft und werden bereits trainiert. So der Sicherheitsdirektor Pierre Maudet.

Sie sollen von vornherein daran gewöhnt werden, daß Drohnen ihre Beute sind, die sie vom Himmel holen. Es solle sich aber erst in einigen Monaten zeigen, ob die Tiere von ihrem Charakter her wirklich zur Drohnenjagd in der Lage sind.

In den Niederlanden gab es auch schon so einen Versuch. Vor etwa zwei Jahren gab es das folgende Video:

Des aigles prédateurs de drones aux Pays-Bas

https://www.youtube.com/watch?v=44H0Lrv_11c

Das scheiterte aber, weil die Tiere, die wohl erst als ausgewachsene Vögel auf die Drohnen trainiert wurden, zu ungehorsam gewesen seien.

In Frankreich gibt es inzwischen etwas Ähnliches:

Les aigles, la nouvelle arme de lutte anti-drone de l'armée de l'air

https://www.youtube.com/watch?v=kV-qQ64et9Q

Auch dort wurden die Adler schon als junge Küken an die Drohnen gewöhnt.

In Genf ist dagegen geplant, daß es ein ganzes Drohnen-Cluster geben soll. So daß die Region weltweit führend in bezug auf Drohnen wird.

Pierre Maudet:

> «Gemeinsam mit der Flugsicherung Skyguide testen wir die Integration von Drohnen in den Luftverkehr»

Wie der Stand in Deutschland aktuell ist, weiß ich nicht. Bei Heise fand sich ein Bericht vom Dezember 2017 zur Einstellung des Projekts in den Niederlanden:

Niederlande: Adler werden nicht zum Drohnenfang eingesetzt

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Niederlande-Adler-werden-nicht-zum-Drohnenfang-eingesetzt-3917414.html

Demnach waren die Vögel zwar bei einigen Veranstaltungen anwesend, wurden aber nicht eingesetzt. Die Idee sei nicht effektiv gewesen. Das Training habe viel zu lange gedauert. Schließlich sei das Verletzungsrisiko für die Vögel zu groß.

Wobei erfahrene Falkner schon 2016 Bedenken geäußert hatten:

Falconers: Plan to fight drones with birds very dangerous

https://nltimes.nl/2016/02/15/falconers-plan-fight-drones-birds-dangerous

Demnach würde das Video von 2016 eine unrelevante Situation zeigen: Das sei eine einfache Consumer-Drohne mit weichen Plastik-Propellern. Professionelle Drohnen seien mit Geschwindigkeiten von 70 - 300 km/h unterwegs und wiegen bis zu 3 kg. Robert Muster, ein Falkner in Enschede:

> "That will make mincemeat out of an eagle."

So eine Drohne würde Hackfleisch aus einem Adler machen. Ferner gibt es grundsätzliche Bedenken: Adler würden Thermiken zum Fliegen im Gebirge nutzen, deshalb leben sie dort. Auf dem flachen Land würden sie 50 Meter fliegen und seien erschöpft. Dann könnten sie leicht zur Gefahr werden.

> "If an eagle can not catch his prey, he may become so frustrated that he picks up something else. Eagle talons are so strong that it can easily pierce a child's head."

Wenn ein Adler seine Beute nicht fassen könne, könne er so frustriert werden, daß er nach etwas anderem schnappt. Die Krallen könnten für Kinderköpfe gefährlich werden.

Die Falknerin Tula Stapert stimmte ihrem Kollegen zu. Sie sei geschockt, daß die Polizei nicht den Rat von Falknern eingeholt hätte, bevor sie mit diesem Plan an die Öffentlichkeit gegangen sei. Sie hatte daraufhin eine Petition und Kampagne gestartet, um den Plan zu stoppen.

Tja: Diese eher biologischen Einwände dürften auch dann gelten, wenn Adler sehr früh an Drohnen gewöhnt werden. Mal sehen, was man von dem Projekt in Genf noch hören wird.

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