Freie Journalisten in Deutschland - etwa 9600 der 41250 hauptberuflich tätigen Journalisten sind frei - 28 Prozent verdienen weniger als 1800 Euro

11.03.2018 23:48:38, Jürgen Auer, keine Kommentare

In der neuen Online-Zeitschrift Journalistik wurde ein interessanter Artikel zur Lage der frei tätigen Journalisten veröffentlicht. Basis sind Daten der international-kollaborativen Worlds of Journalism Study.

Das DFG-geförderte Projekt umfaßte 775 Interviews mit festangestellten und freien Journalisten. Die Auswertung stammt von Nina Steindl, Corinna Lauerer und Thomas Hanitzsch von der Ludwig-Maximilians-Universität München.
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„Die Zukunft ist frei!”: Eine Bestandsaufnahme des freien Journalismus in Deutschland

http://journalistik.online/ausgabe-012018/die-zukunft-ist-frei/

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Die drei Leitfragen:

> FF1: Wer ist der „typische“ Freie in Deutschland?
> FF2: In welchen Bereichen und Positionen sind freie Journalist*innen tätig?
> FF3: Welches Rollenverständnis leitet ihre journalistischen Tätigkeiten an?

Betrachtet wurden lediglich professionell tätige Journalisten. Diese erwirtschaften mindestens 50 Prozent ihres Einkommens mit journalistischen Tätigkeiten.

Neben den "freien Journalisten" gibt es "fest angestellte Journalisten", diese sind als Arbeitnehmer tätig. Ferner gibt es "feste Freie", diese haben aber länger laufende Verträge mit Kündigungsfristen und monatlichen Pauschalen.

"Richtig freie Journalisten" sind Selbständige, die Texte und Bilder eigenständig vermarkten. Allerdings scheinen laut einer späteren Tabelle "feste Freie" und Pauschalisten hier zu den Freien zu zählen. Das sind 137 Personen der insgesamt 775 Befragten.

Die Freien sind eher männlich (58,5 %), eher links und haben 18,08 Jahre Berufserfahrung. Der Akademikergrad ist mit 82 % relativ hoch und gegenüber früheren Studien deutlich gestiegen.

Unter 1800 Euro verdienen 27,9 Prozent pro Monat, bei Festangestellten sind das nur 15 %. Allerdings entfällt bei Freien der Arbeitgeberanteil zu den Sozialversicherungen, so daß ein 1800-Euro-Einkommen pro Monat eigentlich zu wenig ist.

Besonders hoch (mit 52,1 %) ist der Anteil der unter 1800 Euro verdienenden Journalisten in Lokalmedien. Bei regionalen Medien sind das 14,9 %, bei nationalen Medien 20 %. Bei Männern liegt die Quote bei 23,3 %, bei Frauen bei 35,4 %.

Bei einer Grundgesamtheit von 137 Personen waren 8,8 % Pauschalisten, 46 % feste Freie und nur 45,3 % richtig freie Journalisten.

Beim Radio sind mit 35,8 % die meisten beschäftigt, gefolgt von Zeitschriften (31,4 %) und Fernsehen (23,4 %). Erst dann folgen mit 19,7 % Tageszeitungen.

54 % arbeiten für mehr als zwei Auftraggeber. Ferner haben 32,6 %, also knapp 1/3, eine Nebentätigkeit außerhalb des Journalismus.

Die Autonomie müßte ja eigentlich hoch sein:

> Auch unsere Daten zeigen, dass 68,1 Prozent der freien Journalist*innen viel bzw. volle Autonomie im Hinblick auf Entscheidungen über die Auswahl von Geschichten sowie 72,6 Prozent hinsichtlich der Entscheidungen, welche Aspekte in einer Geschichte betont werden sollen, empfinden.

Tatsächlich sind die Werte bei Festangestellten aber um etwa 10 % höher.

Was sind die wichtigsten eigenen Aufgaben? "Dinge so zu berichten, wie sie sind" ist für 86,6 % extrem wichtig und sehr wichtig, "Aktuelles Geschehen einordnen und analysieren" kommt auf 83,1 %, "Ein unparteiischer Beobachter sein" auf 81,0 %. Das sind die wichtigsten Punkte. "Toleranz und kulturelle Vielfalt fördern" folgt mit 65,5 % und einem gewissen Abstand.

Interessante Daten. Die Autoren interpretieren die geringere Autonomie der Freien mit der Notwendigkeit, die eigenen Artikel verkaufen zu müssen.

> Dies könnte dem Umstand geschuldet sein, dass sich die Freien den Bedürfnissen der Auftraggeber anpassen müssen. Denn um Geld zu verdienen, müssen die Medienhäuser als Käufer ihrer journalistischen Produkte befriedigt werden.

Wobei das auch für andere Berufsgruppen gelten dürfte. Setze ich als IT-ler einen Wunsch 1:1 um, den ich für fachlich schlecht halte? Oder weise ich den Interessenten darauf hin, daß sein Vorschlag unvollständig ist und zu Problemen führen wird? Mit dem Risiko, dadurch den Auftrag zu verlieren?

Die "zunehmende Präkarisierung"

> Zusammen mit überschaubaren Netto-Gehältern, die sie im Journalismus erzielen, wirft dies erneut die Frage einer zunehmenden Präkarisierung im Journalismus auf

scheint in der Branche ein Thema zu sein.

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