Nicht gekennzeichnete Werbung - 90 Prozent aller Affiliate Posts auf YouTube und Pinterest sind für Nutzer nicht gekennzeichnet - Studie der Princeton University

28.03.2018 22:50:23, Jürgen Auer, keine Kommentare

Werbung muß als Werbung gekennzeichnet sein. Das ist die Rechtslage sowohl in Deutschland als auch in den USA. Praktisch unterbleibt das aber im Internet häufig.

Die Princeton University hat sich nun in einer Studie mit der Frage beschäftigt, wie häufig das auftritt. Betrachtet wurden Affiliate Posts auf YouTube und Pinterest.

Das Ergebnis: Bei 90 Prozent der Posts mit Affiliate Links gab es keinen Hinweis darauf, daß mit den Klicks Geld verdient wird.
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90 percent of affiliate ads on YouTube and Pinterest aren’t disclosed, says study - The paper analyzed over 500,000 YouTube videos and 2.1 million unique pins on Pinterest

https://www.theverge.com/2018/3/27/17167006/princeton-university-research-affiliate-links-sponsored-posts-youtube-pinterest

Das PDF (7 Seiten) mit der Zusammenfassung der Studie: An Empirical Study of Affiliate Marketing Disclosures on YouTube and Pinterest

https://arxiv.org/pdf/1803.08488.pdf

Die drei Studienautoren: Arunesh Mathur, Arvind Narayanan, Marshini Chetty

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Zunächst fällt auf, daß die Quote dieser Werbung relativ gering ist:

0,67 Prozent der über 500.000 analysierten Videos hatten Affiliate Links, das waren absolut 3.472 Videos.

0,85 Prozent der etwa 2,1 Millionen betrachteten Pins auf Pinterest hatten diese, absolut 18.237 Pins.

Nur 10 Prozent davon waren irgendwie als Werbung markiert. Interessant ist, daß das Userengagement bei diesen Beiträgen immer höher lag als der Schnitt.

Die Zahlen in der Studie sind leicht abweichend: 10,49% der YouTube-Beiträge waren als Werbung gekennzeichnet. Nur 7,03% der Pinterest-Pins.

Es gab drei wesentliche Arten der Kennzeichnung:

- #affiliatelink

- Erklärungen der Form: “This video contains affiliate links, which means that if you click on one of the product links, I’ll receive a small commission”

- Oder Hinweise im Support Channel: “AMAZON LINK: (Bookmark this link to support the show for free!!!”)

In den USA ist die Federal Trade Commission (FTC) dafür zuständig. Diese sagt, die bloße Kennzeichnung als Werbung oder als #sponsored zu wenig sei. Publisher sollten einen kurzen Satz dazu schreiben, der das erläutert.

Diese Erklärungen gibt es aber in den allermeisten Fällen nicht:

> In fact, Explanation disclosures — which the FTC recommends — only appear in 1.82% and 2.43% of affiliate content on YouTube and Pinterest respectively.

Grade mal 1,82 % (Videos) bzw. 2,43 % (Pins) der Affiliate Links sind im FTC-Sinne hinreichend gekennzeichnet.

Eigentlich gibt es mindestens auf YouTube Regeln dafür:

Paid product placements and endorsements

https://support.google.com/youtube/answer/154235?hl=en

Demnach muß das explizit angehakt werden, damit YouTube darüber informiert wird:

> If you do, we require you to notify YouTube by checking the "video contains paid promotion" box in your Advanced Settings using the instructions below.

Etwas ähnliches gibt es auf Instagram:

Branded Content auf Instagram

https://help.instagram.com/116947042301556

Die obige Untersuchung spricht davon, daß solche "Disclosure Tools" ein Schritt in die richtige Richtung seien. Da könnten die Plattformen aber noch so manches ausbauen.

Ferner hoffen die Studienautoren, daß es bsp. Browsererweiterungen geben könnte, die Affiliate Links direkt anzeigen könnten.

Man könnte natürlich auch fragen: Warum zeigen das Browser nicht schon gleich an?

Die Studie führt genauer aus, daß der Federal Trade Commission eine bloße Kennzeichnung als Affiliate-Link nicht ausreichen würde, weil dies die meisten Nutzer nicht verstehen würden. Deshalb schlägt sie solche Sätze wie

> I get commissions for purchases made through links in this post

vor.

Die Seite mit den genauen Hinweisen:

The FTC’s Endorsement Guides: What People Are Asking

https://www.ftc.gov/tips-advice/business-center/guidance/ftcs-endorsement-guides-what-people-are-asking

Die Plattformen: Wenn die Social-Media-Plattformen bsp. Tweets auf 280 Zeichen und Texte zu Pins auf 500 Zeichen beschränken, dann könnten sie solche Beiträge direkt markieren. Schließlich "sieht" die Plattform ja, wie der Link aussieht und wo der hingeht.

Rolle der Unternehmen: Acht Unternehmen

> Amazon, AliExpress, Commission Junction, Rakuten Marketing, Impact Radius, Reward-Style, ShopStyle and ShareASale

wurden näher betrachtet. Von diesen bezogen sich lediglich Amazon und ShopStyle explizit auf die FTC-Empfehlungen. Sprich: Eigentlich müßten diese Unternehmen ihre Werber deutlicher auf diese Verpflichtung hinweisen.

Würde man so eine Untersuchung mit deutschen Beiträgen machen, sähe das womöglich nicht allzuviel anders aus.

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