Die Flut der Fahrräder - In China gibt es Berge von ausrangierten Bikes - Fahrräder als neue Umweltverschmutzung in Shanghai und Beijing

02.04.2018 23:45:22, Jürgen Auer, keine Kommentare

Fahrräder sind ja eigentlich eine sinnvolle Sache. In den Großstädten kommt man damit oft schneller zum Ziel als auf anderen Wegen. Die Räder können im Gegensatz zum öffentlichen Nahverkehr Abkürzungen fahren und sich am Stau vorbeischlängeln. Und sie produzieren keine Abgase.

Damit sind - eigentlich - auch Fahrradverleihunternehmen zu begrüßen. Früher gab es die kaum. Inzwischen gibt es hier in Berlin mehrere Unternehmen. Plus Hotels und andere Unternehmen, die teils ebenfalls ein paar Räder zum Verleih anbieten.

In China wird nun allerdings die Schattenseite dieses Booms deutlich. Bilder, die bald irrational wirken: Unmengen von Rädern, die teils noch ordentlich nebeneinanderstehen. Teils aber auch über- und durcheinander liegen.
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Huge graveyards of abandoned bikes are piling up in China after sharing craze reaches peak

https://inhabitat.com/huge-graveyards-of-abandoned-bikes-are-piling-up-in-china-after-sharing-craze-reaches-peak/

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Da gab es in den letzten Jahren einige Startups, die massiv in diese Systeme investierten. Und die Städte, etwa Shanghai und Beijing, mit Rädern überfluteten. Was zu der provokanten Frage führt:

> are bicycles polluting metropolises they were intended to aid?

Verschmutzen nun Fahrräder die Metropolen, obwohl sie gedacht waren, diesen zu helfen?

Ein paar Leihräder, die nebeneinander stehen und - neu - den Gehweg blockieren.

Aber die Bilder zeigen für chinesische Städte eine andere Realität: Nicht "ein paar", sondern hunderte von Rädern, die über hunderte Meter die Hälfte des Gehwegs beanspruchen.

Noch extremere Bilder hat The Atlantic am 22.03.2018 veröffentlicht:

The Bike-Share Oversupply in China: Huge Piles of Abandoned and Broken Bicycles

https://www.theatlantic.com/photo/2018/03/bike-share-oversupply-in-china-huge-piles-of-abandoned-and-broken-bicycles/556268/

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Demnach gab es im letzten Jahr dutzende neuer Unternehmen, welche die Städte mit Millionen von Fahrrädern fluteten. Ohne daß die Infrastruktur irgendwie darauf ausgelegt wäre.

Etwas, das man auch in Berlin inzwischen immer wieder sieht:

> Riders would park bikes anywhere, or just abandon them, resulting in bicycles piling up and blocking already-crowded streets and pathways.

Irgendjemand hat das Fahrrad genutzt, dann nutzte er es nicht mehr. Seither steht es irgendwo im öffentlichen Raum herum. Aber im Vergleich zu China scheinen das hier in Berlin derzeit "mikroskopische Andeutungen" zu sein:

> Vast piles of impounded, abandoned, and broken bicycles have become a familiar sight in many big cities.

Riesige Berge von beschlagnahmten, verlassenen und defekten Fahrrädern seien ein normaler Anblick in manchen der großen Städte.

Meterhohe Berge von Rädern.

Bluegogo war Chinas drittgrößtes Bike-Sharing-Unternehmen. Im November letzten Jahres ging das Geld aus.

> Bluegogo, once China's third-largest bike-rental service, ceased operations last November having run out of money, leaving tens of thousands of its bicycles in limbo.

Nun sind zehntausende Räder verwaist.

> This is not a field of tulips, but a drone's-eye-view of tens of thousands of unused share bikes lined up in a field near Shanghai.

Eine Aufnahme mit einer Drohne. Nein, das sind keine Tulpenfelder, das sind alles Fahrräder.

Die Polizei scheint immer wieder Räder sehr massiv zu beschlagnahmen. Aber wohin damit? Dann stapeln sich die Räder auf Feldern.

Dann werden Fahrräder in Parks abgelegt. Irgendwann fängt die Natur an, drüberzuwachsen.

Insgesamt zeigt The Atlantic 30 dieser Bilder. Eines bald unglaublicher als das andere.

Wobei man sich hier in Berlin auch fragen kann, warum der Senat eigentlich noch einen Anbieter bezuschußt. Erst hatte das ein paar Jahre die Bahn gemacht. Nun kam ein anderer Anbieter zum Zug. Die Bahn bietet nun mit Lidl grüne Bikes an. Plus ebenfalls einige Anbieter aus China.

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