Kayashima - eine Eisenbahnstation in Neyagawa in der Präfektur Osaka, die um einen 700 Jahre alten Camphor-Baum herumgebaut wurde

08.04.2018 23:53:14, Jürgen Auer, keine Kommentare

In den Großstädten wird immer wieder neu gebaut. Grundstücke, die lange verwilderten und zugewachsen sind, werden geräumt, tiefe Baugruben entstehen. Das heißt auch immer wieder, daß Bäume gefällt werden.

Aber geht so etwas - zumindest in Einzelfällen - auch anders?

Die Kayashima Station in der japanischen Präfektur Osaka: Eröffnet wurde sie 1910, damals stand ein großer Camphor-Baum neben ihr. Der Baum wird heute auf ein Alter von etwa 700 Jahren geschätzt, damals müßten das auch schon 600 Jahre gewesen sein.

Dann gab es Neubaupläne, etwa 1972. Der Baum hätte gefällt werden sollen. Dagegen gab es Proteste. Schließlich wurde die Station rund um den Baum herum geplant.

Und 1980 eingeweiht. Nun sieht das aus, als ob ein Brokkoli aus dem Dach herauswachsen würde.
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Kayashima: The Japanese Train Station Built Around a 700 Year Old Tree

http://www.spoon-tamago.com/2017/01/21/kayashima-the-japanese-train-station-built-around-a-700-year-old-tree/

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Wenn man bei Google Maps nach

Kayashima Station, Japan

sucht

https://www.google.com/maps/place/%E8%90%B1%E5%B3%B6%E9%A7%85/@34.747463,135.6089423,914m/

auf die Bildansicht umschaltet und reinzoomt, sieht man den Baum von oben. Ursprünglich dürften das zwei Gleise gewesen sein, die am Baum vorbei gingen. Dann sollten zwei weitere dazu kommen, der Baum ist genau zwischen den beiden neuen Gleisen.

60 Jahre lang, von 1910 - 1970, war das unproblematisch. Aber die Bevölkerung wuchs, die Station sollte erweitert werden. Mit dem Baum war ein lokaler Schrein verbunden. Als die lokale Bevölkerung erfuhr, daß der Baum gefällt werden solle, gab es Proteste. Es gab Gerüchte, der Baum würde böse werden. Wer ihn fällt, dem stößt etwas zu. Jemand, der einen Ast abbrach, bekam hohes Fieber. Von einer weißen Schlange war die Rede.

Ergebnis: 1973 willigten die Planer ein, daß der Baum stehenbleiben möge und daß die Gestaltung der neuen Haltestelle den Baum berücksichtigt.

Fertiggestellt wurde das 1980, also nun auch schon vor 38 Jahren. Am Fuß des Baumes gibt es einen kleinen Schrein.

> To this day, the tree still stands thanks to a strong, local community and a little bit of superstition.

Der Baum steht bis heute, dank einer lokalen Gemeinschaft und ein klein wenig Aberglauben.

In der englischen Wikipedia

Cinnamomum camphora

https://en.wikipedia.org/wiki/Cinnamomum_camphora

die den lateinischen Namen nutzt, ist rechts ein Bild mit einer Bildunterschrift: Demnach gibt es in Japan auch einen Camphor-Baum, der mindestens 1000 Jahre alt sein soll.

Manchmal bin ich auch schon über Beiträge gestolpert, daß Häuser um alte Bäume herumgebaut werden.

Hier in Berlin gibt es teils noch Kriegslücken, die erst jetzt allmählich wieder zugebaut werden. Hohe Bäume, die 50 - 60 Jahre alt und nun gefällt wurden. Beim Ausheben der Baugrube werden alte Mauern sichtbar. Das Grundstück muß also früher bebaut gewesen sein. In der DDR-Zeit verwilderte das Grundstück. Aber das ist natürlich nicht mit 600 - 700 Jahren vergleichbar.

Die Kayashima Station hat sogar einen eigenen englischen Wikipedia-Artikel.

Kayashima Station

https://en.wikipedia.org/wiki/Kayashima_Station

Da wird zwar der Baum erwähnt. Ein Bild fehlt dort aber leider.

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