Zur Arbeit pendeln: Anstieg von 8,7 auf 10,5 Kilometer innerhalb von 14 Jahren - Personen mit hohem Bildungsabschluss pendeln am häufigsten - IAB-Studie
Wer als Angestellter berufstätig ist, der wohnt üblicherweise nur selten "direkt um die Ecke". Folglich muß er irgendwie zur Arbeit kommen. Aber wie hat sich die Gesamtlänge des zurückgelegten Weges in den letzten Jahren entwickelt?
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat dazu eine Untersuchung durchgeführt. Dabei den Zeitraum 2000 - 2014 betrachtet.
Mit dem Ergebnis: Die durchschnittliche Entfernung stieg in diesem Zeitraum von 8,7 Kilometern auf 10,5 Kilometer. Das ist ein Zuwachs von 21 Prozent. Besonders betroffen sind Personen mit hohem Bildungsabschluß und komplexen Tätigkeiten.
Allerdings steckt in dieser Durchschnittszahl ein stärkeres Auseinanderdriften drin: Die Zahl der Pendler mit einem Weg bis zu 10 Kilometern ist rückläufig, die Zahl der Pendler mit einem Weg zwischen 10 und 50 Kilometern stieg an.
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Klarer Trend zu längeren Pendeldistanzen
http://www.iab.de/de/informationsservice/presse/presseinformationen/kb1018.aspx
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Die Verteilung auf die verschiedenen Berufsabschlüsse:
Personen ohne Berufsabschluß pendeln nur 8,8 Kilometer. Personen mit Berufsabschluß (ohne Hochschulabschlüsse) pendeln 10,5 Kilometer, liegen also genau im Durchschnitt.
Personen mit Hochschulabschlüssen pendeln dagegen 14,5 Kilometer, also deutlich drüber. Allerdings lag bei den beiden anderen Gruppen der Anstieg von 2000 - 2014 mit 22 Prozent (ohne Berufsabschluß) und 18 Prozent (mit Berufsabschluß) höher als bei den Personen mit Hochschulabschluß, bei denen das nur 7 Prozent wuchs.
Ein Grund für das Ansteigen: Es wird nicht nur vom Land in die Stadt, sondern auch stärker zwischen Städten gependelt.
Bei den einfachen Tätigkeiten liegt die Pendeldistanz bei 9,2 Kilometern. Bei qualifizierten Tätigkeiten sind das 10,9 Kilometer. Bei Ingenieuren gibt es den Spitzenwert von 18 Kilometern.
Auffällig ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen: Männer pendeln im Schnitt 12,5 Kilometer, Frauen 8,8 Kilometer.
Den Kurzbericht gibt es als 12-seitiges PDF:
Berufliches Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort: Klarer Trend zu längeren Pendeldistanzen
http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb1018.pdf
Zusätzlich wurden drei Regionen verglichen: Berlin, München und die Rhein-Ruhr-Region um Düsseldorf, Essen und Dortmund. In letzterer sind die Pendeldistanzen deutlich kürzer als in Berlin und München.
Die Abbildung 3 im PDF nennt die genauere Entwicklung bei fünf Entfernungsklassen:
So pendelten im Jahr 2000 35 Prozent bis maximal 5 Kilometer, das ging auf 30 Prozent zurück (Jahr 2014).
Zwischen 5 und 10 Kilometer pendelten 2000 20 Prozent, das sank leicht auf 19 Prozent.
Der Bereich 10 - 15 Kilometer blieb mit 13 Prozent der Beschäftigten konstant, der Bereich der 15 - 20 Kilometer stieg leicht von 8 auf 9 Prozent an.
Den stärksten Zuwachs gab es im Bereich von mehr als 20 Kilometern. Da stieg die Quote von 24 Prozent auf 30 Prozent.
Ferner steigt die Pendelstrecke mit der Betriebsgröße an.
> Die meisten Personen (51 %) pendeln von einen Wohn- in einen Arbeitsort innerhalb von städtischen Regionen. 24 Prozent pendeln zwischen ländlichen Regionen sowie 18 Prozent vom Land in die Stadt.
Die Land-Stadt-Pendler sind also nicht die Mehrzahl der Pendler.
Die Datenerhebung beruht darauf, daß Informationen zum Wohn- und zum Beschäftigungsort genutzt wurden. So daß die tatsächliche Entfernung berücksichtigt werden konnte. Seite 9 des PDF zeigt, wie deutlich sich die Pendlerstruktur zwischen Berlin + München einerseits und dem Ruhrgebiet andererseits unterscheidet. Betrachtet wurden 1x1-Kilometer-Würfel, die entsprechend der Pendlerlänge eingefärbt wurden.
In Berlin und München ist der Innenstadtbereich hell- oder sogar dunkelblau. Hellblau = eine Pendeldistanz von 5 - 10 Kilometern. Drumherum gibt es einen gelben Ring mit einer Pendeldistanz von 10 - 15 Kilometern. Dann folgen orangene (15 - 20 Kilometer) und rote Flächen (über 20 Kilometer).
Das Ruhrgebiet ist dagegen größtenteils hellblau eingefärbt, mit wenigen gelben Bereichen. Rote Punkte gibt es nur sehr selten.
Man könnte auch sagen: In einer "verstädterten Landschaft" wie im Ruhrgebiet gibt es einerseits hinreichend viele Arbeitsmöglichkeiten. Andererseits immer wieder Möglichkeiten für "nicht zu teure Wohnungen". So daß Leute umziehen, falls ihnen der Arbeitsweg zu weit wird. In einer Gegend, die stark auf ein Zentrum ausgerichtet ist, fehlt im Zentrum der Platz. Die Wohnungen werden zu teuer, die Leute suchen sich günstigere Wohnungen außerhalb. Aber damit steigt der Zeitaufwand fürs Pendeln.
