Von der Schiffswerft zum Theater - eine nicht mehr genutzte Shipyard von 1972 erwacht in Lujiazui - Shanghai zu neuem Leben - von Kengo Kuma

30.04.2018 23:54:21, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wenn sich eine Gegend stark wandelt: Was macht man dann mit "alten Gebäuden"? Die womöglich noch gar nicht so alt sind, etwa weniger als 50 Jahre? Aber deren damalige Verwendung heute auf jeden Fall nicht mehr Thema ist? Abreißen oder umbauen?

Das Viertel Lujiazui in Shanghai boomt. Ein bekanntes Panorama vom Wasser her zeigt diverse Hochhäuser des Viertels. Aber da gibt es auch noch eine Schiffswerft. Die 1972 erbaut wurde und die nun als letztes Fabrikgebäude noch in Lujiazui übrig war. Inzwischen ist das Viertel das wachsende Finanzzentrum.

Die Schiffe wurden in der dortigen "höhlenartigen" Struktur gebaut und konnten dann direkt ins Wasser gelassen werden. Folglich hat das Gebäude mehrere etwa 200 Meter lange säulenlose Bereiche.
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kengo kuma transforms shanghai shipyard with graduated brick façades

https://www.designboom.com/architecture/kengo-kuma-shanghai-shipyard-1862-china-04-29-2018/

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Die Aufgabe für Kengo Kuma and Associates (KKAA): Ein Theater und diverse Möglichkeiten für eine kommerzielle Nutzung.

Um das Gebäude herum gibt es einen etwa 30 Meter breiten leeren Streifen. Der es Besuchern ermöglichen soll, die Dimensionen der ehemaligen Schiffswerft wahrzunehmen.

Besonders verblüffend ist ein Teil der Fassadengestaltung: Einerseits sieht man die rohen Betonpfeiler der ursprünglichen Werft.

Andererseits war ein Teil der Fassade ursprünglich aus Backsteinen gemauert.

Das sieht aus der Entfernung immer noch wie eine Backsteinfassade aus. Beim Näherkommen zeigt sich jedoch, daß zwischen den Backsteinen große Lücken sind.

Tatsächlich ist das eine Glasfassade. Die Backsteine sind frei verteilt zur Dekoration dazwischen. Aufgehängt an 8 Millimeter starken rostfreien Stahlkabeln.

In die Innenräume fällt dadurch sehr viel Licht herein. Und es ergibt sich ein vielfältiges Muster aus Licht und Schatten.

Innen gibt es teils mächtige der alten Beton- und Stahlstrukturen. Dazwischen neue Verkaufsräume.

Das Theater ist am östlichen Ende des Gebäudes untergebracht. Mit einer wohl einzigartigen industriellen Ästhetik. Hinter der Bühne gibt es eine riesige Glasfront. Da kann der Vorhang geöffnet werden. Dann gibt es einen direkten Blick auf den Huangpu River für alle Zuschauer.

Die Gesamtfläche von 31.626 Quadratmetern zeigt die Dimensionen.

Auf der Seite der Architekten

Shipyard 1862

http://kkaa.co.jp/works/architecture/shipyard1862/

> A “hole” with a height of 20 m and a length of 150 m, which makes you feel the scale of a huge ship, penetrates the center of the building and creates a strong impression in the space. The effect is further strengthened with concrete columns that have supported the existing building.

Ein Video auf YouTube (8:28)

[摄界]Shanghai Shipyard

https://www.youtube.com/watch?v=cEgsuJAmxaI

zeigt die Dimensionen des Gebäudes und den Standort. Das ist direkt neben den bekannten Wolkenkratzern, nicht auf der anderen Seite des Wassers.

Das Video enthält auch einige historische Schnitte aus der Werft. Und Filmaufnahmen vom damaligen Bau.

Da scheint sehr viel von der Bausubstanz erhalten geblieben zu sein. Die neue Struktur wurde gewissermaßen in den alten Rahmen hineingebaut.

Wenn man die allerersten Bilder aus dem Video betrachtet, dann wirkt es wie ein Wunder, daß die Schiffswerft nicht abgerissen und durch Hochhäuser ersetzt wurde.

In der englischen Wikipedia

Lujiazui

https://en.wikipedia.org/wiki/Lujiazui

gibt es dieses Bild von 2014:

https://en.wikipedia.org/wiki/File:Shanghai_Pudong_Jan_2_2014.JPG

Die ehemalige Schiffswerft müßte links hinter dem bläulich schimmernden Hochhaus liegen.

05.06.2018 18:21:18, Lise
Beautiful...perfect !!!

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