Mit legaler Blitzer-Attrappe Autofahrer zum Abbremsen bringen - in Oberöfflingen in der Eifel ist ein Scherz hilfreich

06.07.2018 23:48:44, Jürgen Auer, keine Kommentare

Rasende Autofahrer sind ein Ärgernis. Sie gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Ein Unfall ist immer deutlich teurer als "ein paar eingesparte Minuten".

Aber was kann man machen, wenn man erlebt, daß Autofahrer an manchen Stellen regelmäßig rasen, mit überhöhter Geschwindigkeit in einen Ort hineinbrettern? Wer da ein Privatgrundstück hat: Der kann eine Blitzer-Attrappe aufstellen.

Und damit womöglich den einen oder anderen Autofahrer zum Abbremsen bewegen.

In Oberöfflingen in der Eifel hatten das Leute gemacht. Eigentlich war das nur als Jux gedacht. Aber zumindest bei Ortsfremden wirkt der Kasten.
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Ein Tweet:

https://twitter.com/soliver/status/1014758821028356096

Falscher Blitzer bremst Raser aus - Fake-Gerät steht in Oberöfflingen in der Eifel

Der dort verlinkte Zeitungsartikel:

Oberöfflingen in der Eifel: Falscher Blitzer bremst Raser aus

https://rp-online.de/leben/auto/news/falscher-blitzer-bremst-raser-aus-fake-geraet-steht-in-oberoefflingen-in-der-eifel_aid-23797639

Eine Serie mit fünf Bildern: Diese (legale) Blitzer-Attrappe täuscht Autofahrer

https://rp-online.de/leben/auto/news/diese-legale-blitzer-attrappe-in-oberoeffling-taeuscht-autofahrer_bid-23797643

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Das ist ein kleiner Ort mit 290 Einwohnern. Am Ortseingang rasen Autofahrer oft noch. Zwei Bewohner stellten nur knapp hinter dem Ortseingangsschild einen "Blitzerkasten" auf. Das ist tatsächlich nur ein weiß gestrichener Holzkasten. Mit einem Fenster. Dahinter eine runde Holzplatte ("die Kamera") und eine CD ("der Blitzer") eingehängt.

Ferner gab es ein kleines Schild dazu, so daß das wie eine Standortangabe wirkt. All das wurde in der Nacht zum 01. Mai 2018 aufgestellt.

Prompt beobachteten die beiden, daß der Kasten Wirkung zeigte. Nicht ortsansässige Fahrer bremsten immer wieder deutlich ab. Jetzt bleibt der Kasten erst einmal stehen.

Die Polizei hatte sich den Kasten ebenfalls angesehen. Und war einverstanden.

Grund: Zum einen dürfen Grundstücksbesitzer auf ihrem Grundstück so ziemlich alles hinstellen. Zum anderen darf diese Blitzer-Attrappe sich nicht auf den Verkehr auswirken. Sie darf also nicht wirklich blitzen, sie darf keine Geräusche machen und es darf natürlich nicht eine tatsächliche Kamera drin sein, die Daten aufzeichnet.

Alle diese Bedingungen waren hier erfüllt. Folglich hatte die Polizei keine Einwände.

Laut dem Erbauer gibt es viele Kinder im Ort. Und inzwischen sehr viel mehr Autos als früher, da waren langsame Traktoren noch in der Mehrheit.

Auch der Oberbürgermeister unterstützt die Aktion. Die Ortsbewohner wissen, daß es eine Attrappe ist. Bei 280 Personen spricht sich das schnell rum.

Aber Ortsfremde wissen das nicht - und bremsen. Eine Bewohnerin, die schräg gegenüber der Attrappe wohnt, berichtet von wiederholten Geräuschen, die von Bremsmanövern stammen.

Die Polizei verwendet Anhänger mit mobilen Blitzern, die ziemlich ähnlich aussehen.

Inzwischen haben schon andere Gemeinden angefragt, ob die beiden Erbauer nicht auch für andere Gemeinden solche Blitzer-Attrappen aufstellen könnten.

Das wollen die beiden nicht. Aber wer mag, könnte daraus ein Geschäft machen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann könnte die Gemeinde so ein Fake-Gerät sogar auf öffentlichen Grundstücken aufstellen. Solange das "Gerät" nichts wirklich macht, dürfte auch das rechtlich ok sein.

Die obige Bilderserie wirkt allerdings so, als ob das zwei Kästen seien (Bild 4 und Bild 5). Bei Bild 5 steht der Blitzer mit der sichtbaren CD-Attrappe vor dem Ortsschild. Bild 4 zeigt ebenfalls einen Kasten mit CD, aber an einer anderen Stelle.

Bei mir hier gibt es vor der Spartakus-Grundschule in der Friedenstraße eigentlich auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h. Aber spätestens am Abend brettern hier immer mal wieder Autofahrer deutlich schneller durch.

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