Bundesfinanzhof: Wechsel von degressiver AfA (Absetzung für Abnutzung) zu AfA nach tatsächlicher Nutzungsdauer unzulässig - Festlegung bei Gebäudeabschreibung - IX R 33/16

11.07.2018 22:58:03, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer ein Gebäude errichtet, der hat hohe Kosten. Diese kann er steuerlich geltend machen, in Form der Absetzung für Abnutzung (AfA), die als Werbungskosten auftreten können. Da gibt es drei Varianten.

Entweder nutzt er eine lineare Abschreibung über 50 Jahre - pro Jahr 2 % der Kosten.

Oder er entscheidet sich für die degressive AfA, die nur in bestimmten Fällen zulässig ist. Dann kann er in den ersten 8 Jahren jeweils 5 % der Kosten geltend machen (= 40 % der Gesamtsumme). In den folgenden 6 Jahren jeweils 2,5 % der Kosten (= 15 % der Gesamtsumme). Schließlich 1,25 % in den verbleibenden 36 Jahren (= 45 %).

Schließlich gibt es - bei einer Nutzungsdauer unterhalb von 50 Jahren - auch die Möglichkeit, auf diesen verkürzten Zeitraum linear abzuschreiben. Das ist die AfA nach tatsächlicher Nutzungsdauer.

Der Vorteil der degressiven AfA liegt darin, daß man bei hohen Steuerzahlungen in den ersten 8 - 14 Jahren nach der Erstellung des Gebäudes auch hohe Beträge abziehen kann. Später kommt dann "fast gar nichts mehr".

Aber: Ist es auch zulässig, zunächst mit der degressiven Variante zu starten. Und dann auf die AfA nach tatsächlicher Nutzungsdauer zu wechseln?

Das hat der Bundesfinanzhof in einem nun veröffentlichten Urteil abgelehnt.
.

Kein Wechsel von der degressiven AfA zur AfA nach tatsächlicher Nutzungsdauer - Urteil vom 29.5.2018, IX R 33/16

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=37051&pos=0&anz=38

Das Urteil: BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.5.2018, IX R 33/16 - ECLI:DE:BFH:2018:U.290518.IXR33.16.0

Gebäude-AfA - Wechsel von der degressiven AfA zur AfA nach der tatsächlichen Nutzungsdauer - Nachträgliche Herstellungskosten bei degressiver AfA

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=38&pos=0&nr=37075&linked=urt

Der Leitsatz:

> Ein Wechsel von der in Anspruch genommenen degressiven AfA gemäß § 7 Abs. 5 EStG zur AfA nach der tatsächlichen Nutzungsdauer gemäß § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG ist nicht möglich.

Der verhandelte Fall: Die Klägerin

> vermietete ein im Jahr 1994 bebautes Grundstück an ihren Ehemann zum Betrieb eines Autohauses. Bei ihren Einkünften aus Vermietung und Verpachtung nahm sie die degressive AfA in Anspruch (8 x 5 %, 6 x 2,5 % und 36 x 1,25 %). Nach Ablauf der ersten 14 Jahre, im Jahr 2009, errichtete die Klägerin auf dem Grundstück u.a. einen Anbau und machte im Übrigen geltend, die Nutzungsdauer sämtlicher Gebäude betrage nur noch 10 Jahre. Sie begehrte nunmehr eine AfA entsprechend der tatsächlichen Nutzungsdauer.

Das Finanzgericht hatte die Klage bereits abgewiesen. Das bestätigte nun der Bundesfinanzhof. Der wesentliche Grund: Die Regeln zur Abschreibung dienen zur Typisierung und sollen damit die Verfahren vereinfachen.

> § 7 Abs. 5 EStG typisiert die Nutzungsdauer eines Gebäudes und dient damit der Rechtsvereinfachung. Bei Wahl der degressiven AfA nach § 7 Abs. 5 EStG erübrigt sich die Feststellung der tatsächlichen Nutzungsdauer des Gebäudes. Der Steuerpflichtige entscheidet sich bei Wahl der degressiven AfA bewusst dafür, die Herstellungskosten des Gebäudes in 50 der Höhe nach festgelegten Jahresbeträgen geltend zu machen. Die Vereinfachung tritt nur ein, wenn die Wahl über die gesamte Dauer der Abschreibung bindend ist. Die Wahl der degressiven AfA ist deshalb unabänderlich.

Das würde aber konterkariert werden, wenn sich der Steuerpflichtige erst für die für ihn günstigere Variante (degressiv über 50 Jahre), dann aber plötzlich für die AfA nach tatsächlicher Nutzungsdauer entscheidet.

Sprich: Wer ein Gebäude errichtet, der muß sich bei der Wahl der Abschreibung festlegen. Das Urteil zählt zwar Fälle auf, in denen die Abschreibmethode später noch geändert werden kann. Aber beliebige Wechsel widersprechen dem Prinzip der Typisierung, damit der erwünschten Vereinfachung.

*
* (wird nicht angezeigt)
Die Erläuterungen zum Datenschutz habe ich gelesen und stimme diesen zu.