The Spark - Energy positive Data Center in Os (Norwegen) - ein Datencenter mitten in der Stadt, dessen Abwärme umgebende Häuser heizt - von Snohetta und MIRIS

14.07.2018 23:49:18, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Bedarf an Rechenzentren steigt. Diese haben üblicherweise einen hohen Energiebedarf. In Norwegen hat nun das Architekturunternehmen Snøhetta zusammen mit dem Immobilienentwickler MIRIS ein interessantes Konzept entwickelt.

Ein Datencenter, genannt "The Spark". Das mitten in der Stadt gebaut wird. Dessen Abwärme dazu genutzt wird, die umgebenden Häuser mit Fernwärme zu versorgen. Mit dem Ergebnis, daß die Stadt, die davon profitiert, energie-positiv werden kann. Das wird aktuell in Os gebaut. Eine Stadt im Südwesten von Norwegen, südlich von Bergen auf der Halbinsel mit etwa 20.000 Einwohnern (Quelle Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Os_(Hordaland) ).
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Snøhetta designs an energy-positive data center to fight climate change

https://inhabitat.com/snohetta-designs-an-energy-positive-data-center-to-fight-climate-change/

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Es gibt eine Kooperation mit Skanska, Asplan Viak und Nokia. Und eine Studie, die sich den energetischen Fingerabdruck von Datencentern angesehen hatte.

> According to their research, they found that 40 percent of the total energy consumption in the world could be attributed to buildings, while data centers alone account for approximately two percent of total energy consumption.

40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs läßt sich Gebäuden zuordnen. Auf Datencenter entfallen etwa 2 Prozent.

Üblicherweise werden Datencenter eher ausgelagert, in entfernten Gegenden untergebracht. Aber das verhindert natürlich, daß die Abwärme für andere Zwecke genutzt werden kann. Deshalb wird "The Spark" mitten in der Stadt gebaut. So daß die umliegenden Gebäude versorgt werden können. Zusätzlich wird Solarenergie erzeugt.

> “We have developed a cyclical energy concept,” explains Elin Vatn of Snøhetta. “By cyclical, we mean that the heat generated from the data center is looped through the city before it is brought back to the center. This system allows us to heat the buildings in the city, but also to cool down the center towards the end of the cycle. This way we can maximize the utilization from beginning to end.”

Ein zyklisches Energiekonzept wurde entwickelt. Die Wärme, die im Datencenter erzeugt wird, geht in die Stadt, wird dort heruntergekühlt. Das wird wiederum genutzt, das Datencenter zu kühlen.

Gebaut wird das in Lyseparken, da läuft das als Pilotprojekt. Da gibt es einen neuen Businesspark mit mindestens 4000 neuen Jobs und tausenden von Haushalten drumherum. Wenn das Projekt erfolgreich ist, wäre Lyseparken die weltweit erste energie-positive Stadt.

Das Datencenter wird nach dem Powerhouse-Standard gebaut. Das ist ein Regelwerk für Plus-Energie-Gebäude. Es enthält bsp. viel Holz anstelle von Beton. Und Stein aus der Umgebung anstelle von Stahl.

Bei Snøhetta gibt es große Bilder:

The Spark

https://snohetta.com/projects/388-the-spark

Kjetil Trædal Thorsen von Snøhetta:

> «The heat generated by data centers represents a huge untapped potential in terms of energy capture that we wanted to explore further. By efficiently and sustainably exploiting excess energy that would otherwise go to waste, we can use technology to generously support health, recreation and the environment»

Die Wärme, die von Datencentern produziert wird, repräsentiert ein großes, bislang nicht genutztes Potential, das in Zukunft erschlossen werden sollte. Ansonsten wird die Wärme derzeit verschwendet.

Das Datencenter selbst ist nur ein kleiner Teil des Gebäudes. Es bildet den dunklen Mittelteil. Links und rechts sind Sporthallen. Auf dem einen Dach gibt es einen Swimming Pool. Auf dem anderen größere Beete.

Der Gedanke dabei:

> The Spark can be adapted to a wide range of contexts, and can be scaled in size and located anywhere in the world.

Die Gebäude-Grundstruktur kann an verschiedene Kontexte angepaßt werden und im Prinzip überall in der Welt gebaut werden.

Die Wirkung dieses Kreislaufs: Der Energiebedarf des Datencenters sinkt um 40 Prozent.

Es gibt sogar eine eigene Website: The Spark City:

https://www.sparkcity.no/

Da findet sich auch der Hinweis, daß das ein Wasserkreislauf ist. Die Kapazität: 200 Racks, das ist ein 2 MW Data Center. Das heißeste Wasser wird genutzt, um Warmwasser bereitzustellen (40°C - 28°C). Dann folgt die Heizung für die Häuser (20°C), Industrieanlagen (18°C) und Sporthallen (15°C).

Tja, ein interessantes Konzept. Historisch gewachsene Städte dürften sich so kaum nachrüsten lassen, dafür fehlt die Infrastruktur der Leitungen. Aber für komplett neu entwickelte Stadtteile ist das denkbar. Und es stimmt ja: Aktuell werden Datencenter gerne "ausgelagert". Auch, um die Kühlung zu erleichtern. Aber damit wird die Abwärme verschleudert.

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