Reimagined fire hydrant - ein neugedachter Feuerwehr-Hydrant, der Menschen und Tieren als Trinkwasserspender dienen kann - von Dimitri Nassisi

28.07.2018 23:40:20, Jürgen Auer, keine Kommentare

Aktuell ist es sehr heiß. Da tut Erfrischung gut. Und eigentlich gibt es ja in Großstädten bereits ein weit verzweigtes System von Wasserentnahmestellen. In Form von Feuerwehr-Hydranten. Aber diese stehen der Allgemeinheit nicht zur Verfügung. Hier in Berlin war 2015 die Rede davon, daß es berlinweit grade mal 24 Trinkwasserbrunnen gibt. Die intensiv genutzt werden. Die Grünen wollten damals eine Erweiterung auf mindestens 200 für die Stadt.

Der Industriedesigner Dimitri Nassisi von der Ecole cantonale d'art de Lausanne (ÉCAL) hat nun eine interessante Lösung entwickelt:

Ein Feuerwehrhydrant, der auf den ersten Blick gar nicht wie ein solcher aussieht, trotzdem aber für diesen Zweck genutzt werden kann. Und der gleichzeitig als Trinkwasserspender dient: Für Menschen und Tiere. Ferner ist er in einem kräftigen Blauton gestrichen.
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Reimagined fire hydrant doubles up as a water fountain for people and dogs

https://www.dezeen.com/2018/07/28/ecal-dimitri-nassisi-fire-hydrant-water-fountain-dogs-design/

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Er berichtet von seinen Beobachtungen aus der Schweiz:

> "In Switzerland you find some drinking fountains, but I don't feel there is enough of them. The problem I saw was that they would often be very discreet and people don't know where to find them"

Es gibt dort zwar Trinkwasserspender, aber es könnten gerne mehr sein. Oft seien diese sehr diskret aufgestellt, so daß Leute gar nicht wissen, wo sie zu finden sind.

Ferner sei es sehr kompliziert, neue Trinkwasserspender aufzustellen. Es sei sehr viel Entwicklungszeit notwendig und die Kosten seien hoch.

Seine Lösung: Oben gibt es einen schwarzen großen Knopf, der sich in zwei verschiedene Richtungen runterdrücken läßt. Wählt man die eine Richtung, erzeugt das eine kleine Fontäne zum direkten Trinken. Wählt man die andere Richtung, so kommt Wasser direkt senkrecht nach unten raus. Damit kann man entweder eine Flasche auffüllen. Oder das Wasser landet im Fuß des Hydranten und wird dort aufgefangen. Dieser Fuß ist als Trinkschale für Hunde gebaut.

Das Ziel:

> to create a new drinking fountain that was both intuitive, attractive and used existing infrastructure in the city.

Die Straßen seien in der Schweiz mit diversen, wohlbekannten Objekten gefüllt. Es gäbe einen Überschuß an Informationen, Leute betrachten die Straße wie ein abstraktes Gemälde. Ihm fiel auf, daß die Feuerwehrhydranten quasi unsichtbar wurden. Aufgrund all dieser anderen Objekte. Die Konsequenz:

> The hydrant had to be aesthetically pleasing to as many people as possible and be practical in case of city fires, but also had to appear new.

Der neue Hydrant sollte ästhetisch ansprechend sein. Und im Falle eines Feuers praktikabel sein. Aber eben auch neu sein, auffallen.

Die neue Form orientiert sich an dem Konstruktionsprozeß für reguläre Hydranten. Aktuell existiert wohl nur das Konzept als Prototyp. Aber die Konstruktion sei so, daß ein bestehender Hydrant einfach gegen einen solchen neuen Hydranten ausgetauscht werden könne. Die Komplexität steckt unter Tage.

Ein doppeltes Ventilsystem sorgt dafür, daß Feuerwehrmänner Wasser mit hohem Druck bekommen. Für Personen, die den Hydranten als Wasserspender nutzen, ist der Druck dagegen reduziert.

Eine Wirkung wäre auch, daß Flaschen aus Plastik massiv wiederverwendet werden könnten.

In Rom gibt es das schon lange:

Nasone: Trinkwasser kostenlos

http://www.ciao-roma.de/nasone-trinkwasser-kostenlos/

Die Nasone, spezielle, öffentliche Trinkwasserbrunnen. Da läuft das Wasser aber meist kontinuierlich.

Laut

Gesundheit in der Hauptstadt: Berlin soll mehr Wasserspender bekommen

https://www.tagesspiegel.de/berlin/gesundheit-in-der-hauptstadt-berlin-soll-mehr-wasserspender-bekommen/22814732.html

sollen nun auch in Berlin mehr Wasserspender aufgestellt werden. 100 neue sollen dazu kommen. Da kostet bereits der Brunnen etwa 5000 Euro, Bauarbeiten und Anschlüsse erfordern nochmals mindestens dieselbe Summe. In der Frostperiode werden sie allerdings immer abgeschaltet.

Da wäre so eine Lösung, die vorhandene Feuerwehrhydranten ohne Funktionseinschränkung für die Feuerwehr in Trinkwasserspender umwandelt, insgesamt kostengünstiger.

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