Moca - Ceramics with handmade details created with a dripping machine - Keramik, die handgemacht aussieht, aber mit einer Tropfmaschine hergestellt wird - Studio Joachim-Morineau aus Eindhoven

19.10.2018 23:50:08, Jürgen Auer, keine Kommentare

Weiße Keramik, bemalt mit blauen Mustern. So mag man das einschätzen, was in dem Vorschaubild angezeigt wird. Sieht man sich aber einige der Gegenstände (auf der Website des Studios) genauer an, dann stellt man fest: Das gänzlich individuelle blaue Muster ragt nicht wie aufgemalt hervor. Sondern die Außenwand des Gefäßes oder Bechers ist völlig glatt.

Dahinter steckt eine faszinierende Technik, die in einem Video gezeigt wird.
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Dripping machine creates ceramics that marry technological precision with handmade details

https://www.dezeen.com/2018/10/18/studio-joachim-morineau-dripping-machine-ceramic-design/

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Das Video direkt auf YouTube:

Dripping machine creates ceramics that marry technological precision with hand-made characteristics

https://www.youtube.com/watch?v=f3UWMdO3450

> Eindhoven-based Studio Joachim-Morineau has designed a dripping machine that combines technology with human error to create ceramics with individual structures, patterns and textures.
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> Carla Joachim and Jordan Morineau, who make up Studio Joachim-Morineau, created the machine to expand the field of ceramics by fusing together the precision of technology with a human touch – or "glitches" as they call it – to make objects that are both unique and mathematical.

Das Prinzip: Es gibt vorgefertigte runde Hohlformen. Dann gibt es eine Konstruktion mit einer Standscheibe, die sich langsam dreht. Auf diese wird die runde Hohlform so gestellt, daß sie genau in der Mitte steht.

Und es gibt eine Vorrichtung, die mit einem Behälter verbunden ist. Diese ermöglicht es, daß eine relativ dicke Ausgangsflüssigkeit (flüssiges Porzellan, blau gefärbt) im Behälter ist und langsam aus einem Hahn heraustropft. Tropft das nun in die runde, sich langsam drehende Hohlform und landet dort auf der schrägen Fläche, dann ergibt sich ein Kreis, der ab und zu nach innen / unten zum Mittelpunkt fließt.

Das Ergebnis ist eine Struktur, die einerseits sehr gleichmäßig aussieht. Andererseits aufgrund der Herstellungstechnik gewisse Unregelmäßigkeiten aufweist. Die Hohlform kann bsp. das Negativ einer flachen Schale sein. Oder es ist das Negativ von einer Art Blumentopf mit kleinen, schrägen Stufen. Tropft dort über viele Durchläufe etwas herein, dann wandern die Tropfen langsam nach unten, so daß sich schließlich eine Art Gitterstruktur ergibt. Die Drehgeschwindigkeit, die Zahl der Tropfen pro Minute und die Zähigkeit des Ausgangsmaterials wirken sich - bei gleicher Hohlform - auf das Endergebnis aus.

Diese Formen könnte man als "feine Schalen" verwenden. Stattdessen: Eine andersfarbige Keramikmasse wird in die Hohlform geschüttet, so daß diese bis zum Rand gefüllt ist. Wohl nach ein paar Minuten Wartezeit wird die Hohlform wieder entleert. Ein Teil der eingefüllten Keramikmasse bleibt aber am Rand und verbindet sich mit der blauen Masse.

Ergebnis ist bsp. eine Schale, die nun aus zwei Arten von Keramik besteht: Der später weißen Keramik, in diese eingelassen die blaue Keramik. Mit Mustern, die mathematisch und einzigartig sind. Inzwischen gibt es das auch zum Kaufen - "Cups and Bowls".

Ein Satz, der die Technik gut beschreibt:

> "We can produce the same object at almost an industrial level, however each piece is unique."

Dasselbe Objekt läßt sich auf einem bald schon industriellen Level produzieren. Trotzdem ist jedes Stück einzigartig.

> "We are giving a frame to the pieces that are going to be made – by the shape of the mould and the computer program – but we let the material create its own path, and these differences give the ceramics a natural, human character"

Wir geben einen Rahmen für die Einzelteile vor. Bei der Wahl des Hohlkörpers, der Rotationsgeschwindigkeit, der Tropfgeschwindkeit. Aber das Material erzeugt sich seine eigenen Wege. Dies gibt der Keramik einen natürlichen, menschlichen bzw. individuellen Charakter.

Es gibt drei verschiedene Typen von Objekten:

Die ersten bestehen nur aus dem Ergebnis von Tropfen. Das sind flache Schalen oder Objekte mit diversen Zwischenräumen.

Die zweite Variante besteht darin, daß diese Objekte ausgegossen werden. Wobei die nun verwendete flüssige Keramik eine andere Grundfarbe hat.

Eine dritte Variante nutzt zum Tropfen und zum Ausgiessen dieselbe Keramik. Damit kann bsp. ein flacher Teller hergestellt werden, der innen lauter Erhebungen von diversen Tropfen hat. Da ist das Ausgangsmaterial so zäh, daß die Tropfen an Ort und Stelle bleiben und nicht ineinander verfließen.

Bei der diesjährigen Dutch Design Week in Eindhoven (20.-28.10.2018) sind diese Ergebnisse zu sehen.

Auf der Website gibt es unter "Cups"

http://studiojoachimmorineau.com/cups.html

Bilder von diesen Bechern und Schalen. Da sieht man, daß diese völlig glatt sind.

Unter "Projects" - "Moca"

http://studiojoachimmorineau.com/projects/moca-2/index.html

gibt es einige weitere Bilder und Beschreibungen.

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