Coal Drops Yard Shopping Centre - zwei nebeneinander liegende Kohlenlager aus dem 19. Jahrhundert verbinden sich durch eine ausgestülpte Dachstruktur - King's Cross London - Heatherwick Studio

28.10.2018 23:51:47, Jürgen Auer, keine Kommentare

Was macht man - mitten in London - mit zwei "historischen Gemäuern"? Abreißen und neu bauen? Aber die alten Mauern bringen ein Flair mit, das Neubauten im Regelfall fehlt.

Im Londonder King's Cross - Viertel gibt es zwei Kohlenlager aus dem 19. Jahrhundert. Zweistöckig, fast parallel zueinander, mit einer Stahlkonstruktion auf der Ebene des ersten Stocks, die wie ehemalige Gleise aussieht. Da sollte ein Shopping Center rein.

Der Entwickler hatte den Wunsch, daß es zwei Brücken zwischen den beiden Gebäuden gibt. Die Lösung. Es gibt einerseits auf der Höhe des ersten Stocks zwei flache Brücken. Eine vorne, die andere hinten.

Andererseits fächern die beiden Dächer in einer langen, geschwungenen Struktur auf, bleiben dabei Schrägflächen und treffen sich mit der Unterkante in der Mitte, zwischen den beiden Gebäuden. Auf der Höhe der Dachtraufen verbindet eine Bodenfläche die beiden Gebäude.

Damit entsteht ein zusätzlicher, gläsern eingefaßter Raum zwischen den beiden Gebäuden. Es wirkt, als würden sich die beiden Gebäude einander entgegenstrecken.
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Heatherwick Studio joins roofs of two warehouses at Coal Drops Yard shopping centre

https://www.dezeen.com/2018/10/26/thomas-heatherwick-studio-coal-drops-yard-shopping-centre-kings-cross-architecture/

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Das sind 9290 Quadratmeter Verkaufsfläche, also eigentlich gar nicht so viel. Shops und Restaurants sollen da unterkommen. Es sollte aber nicht wie eine klassische Shopping Mall aussehen.

Thomas Heatherwick:

> "How could we make something that was a true shopping street for London? Something that was porous, with many routes and entrances."

Viele verschiedene Wege und Eingänge sollte es geben.

Die 35 Meter breite Erweiterung der Dächer wird durch eine Stahlstruktur aus 52 Trägern gestützt, die im Inneren der Gebäude verankert sind.

Die jetzige Dachstruktur ist mit denselben blau-grauen Schieferplatten aus Wales belegt, die auch beim historischen Gebäude genutzt worden waren.

Wenn man sich das von unten her ansieht und ungefähr unter der Berührungsfläche steht, dann laufen die beiden Gebäude im Hintergrund leicht zusammen (sie stehen nicht exakt parallel zueinander). Und die bogenförmige Struktur produziert einen herzförmigen Blick in den Londoner Himmel.

Entworfen wurde das vom Heatherwick Studio. Das Unternehmen hofft, daß das Coal Drops Yard ein neuer Platz wird, an dem sich Leute treffen. Um dies zu erreichen, war es wichtig, ein Gebäude zu erschaffen, das hinreichend interessant ist.

Dort

Coal Drops Yard

http://www.heatherwick.com/projects/buildings/coal-drops-yard/

gibt es diverse weitere Bilder, die den Zustand vor dem Beginn der Bauarbeiten und Bilder dieser zeigen. Eine historische Zeichnung zeigt, daß ursprünglich die Kohlelohren direkt auf der Ebene des zweiten Stocks in die Gebäude hineingefahren sind. Die Kohle wurde im Stockwerk darunter gelagert. Ferner gab es verschiedenste Entwürfe, wie man die beiden Dächer miteinander verbinden könnte.

Eine Zeichnung zeigt schließlich, wie die tragende Stahlkonstruktion aufgebaut ist. Das sind einerseits waagerechte Stahlträger, die die Bodenfläche tragen. Andererseits je drei bogenförmige Elemente, die von schrägen Stützen getragen werden.

Eine faszinierende Lösung. Aus den zwei alten schlichten Kohlespeichern wurde so ein neues, einzigartiges Gebäude.

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