Bundesfinanzhof: Gilt Steuersatzermässigung für Campingplätze auch für Bootsliegeplätze? Vorabentscheidungsersuchen zum Europäischen Gerichtshof - V R 33/17

14.11.2018 23:49:17, Jürgen Auer, keine Kommentare

Würde man die gesplitteten Steuersätze von 7 und 19 Prozent abschaffen und nur einen einheitlichen Steuersatz einführen: Das dürfte erhebliche Vereinfachungen nach sich ziehen. Denn die jetzigen Regelungen führen immer wieder zu Überschneidungen und neuen Situationen.

Der Bundesfinanzhof hatte sich im August mit so einer Geschichte beschäftigt.

Die kurzfristige Vermietung von Campingflächen ist laut Umsatzsteuerrecht ermäßigt, also nur mit 7 Prozent Umsatzsteuer belegt. Nun gibt es einen eingetragenen Verein. Dieser überließ Bootsliegeplätze in seinem Hafen Wassersportlern, diese zahlten dafür ein sogenanntes Hafengeld. Damit durften sie im Hafen ankern, übernachten und dortige sanitäre Einrichtungen nutzen.

Sie nutzen also eine Infrastruktur, wie das ähnlich für Campingplätze und Wohnmobilhäfen zutrifft.

Dann fiel jemandem diese Analogie auf. Und der eingetragene Verein klagte. Verlor zwar, ging aber weiter zum Bundesfinanzhof. Und dieser entschied, die Frage an den Europäischen Gerichtshof weiterzuleiten.
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EuGH-Vorlage: Steuersatzermäßigung für Campingplätze auch für Bootsliegeplätze? Beschluss vom 2.8.2018

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&nr=38291&pos=1&anz=60

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Der Gedanke gegenüber dem ablehnenden FG-Urteil:

> Demgegenüber sieht es der BFH als möglich an, dass es der in der Europäischen Grundrechtscharta verankerte allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz (Art. 20 EUGrdRCh), der im Steuerrecht im Grundsatz der steuerlichen Neutralität zum Ausdruck kommt, gebietet, die Steuersatzermäßigung für Campingplätze und damit für sog. „Wohnmobilhäfen“ auch auf die Überlassung von Bootsliegeplätzen anzuwenden, soweit diese gleichartige Umsätze ausführen.

Sprich: Da die erbrachten Leistungen "im wesentlichen" dieselben sind (Platz für eine eigene Übernachtung, sanitäre Anlagen), müssen die Erträge auch nach denselben Prinzipien besteuert werden. Und nicht im einen Fall ein Aufschlag von 7 Prozent, im anderen Fall einer von 19 Prozent.

> Da diese Frage die Auslegung des Unionsrechts betrifft, war dem BFH eine eigene Sachentscheidung verwehrt und eine Vorlage an den EuGH erforderlich.

Der Beschluß:

BUNDESFINANZHOF Beschluss (EuGH-Vorlage) vom 2.8.2018, V R 33/17
ECLI:DE:BFH:2018:VE.020818.VR33.17.0

EuGH-Vorlage zur Steuersatzermäßigung für die Vermietung von Bootsliegeplätzen

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2018&anz=60&pos=1&nr=38307&linked=ant

Das Finanzgericht hatte argumentiert, daß ein Boot zuallererst ein Beförderungsmittel sei.

> Dem stehe nicht entgegen, dass viele Boote auch Einrichtungen zum Übernachten (Kajüten) hätten und diese auf den Gastliegeplätzen entsprechend genutzt werden könnten.

Deshalb sei die Überlassung von Bootsliegeplätzen von der Formulierung "Vermietung von Plätzen für das Abstellen von Fahrzeugen" erfaßt. Dagegen wehrte sich der Kläger mit dem nachvollziehbaren Argument:

> Die Besteuerung mit dem Regelsteuersatz verletze den allgemeinen Gleichheitssatz, weil die Überlassung von Flächen für Wohnmobile und Wohnwagen dem ermäßigten Steuersatz unterläge. Damit werde ein vergleichbarer wirtschaftlicher Vorgang begünstigt.

Wohnmobile und Wohnwagen sind auch Fortbewegungsmittel, aber gleichzeitig zum Übernachten geeignet. Wie ein Boot mit Kajütte. Stattdessen sei es Wille des Gesetzgebers,

> der grundsätzlich alle kurzfristigen Beherbergungen in wie auch immer gearteten Einrichtungen mit dem ermäßigten Steuersatz habe besteuern wollen.

In dem Beschluß gibt es einen längeren Abschnitt (RN 28), in dem diverse Hinweise zu finden sind, warum das Bereitstellen von Ankerplätzen ähnlich wie das Bereitstellen von Wohnmobilplätzen zu behandeln sei.

> Denn einem reinen Freizeithafen kann im Gegensatz zu einem Industriehafen dieselbe Funktion zukommen wie einem Campingplatz. Diese funktionale und wirtschaftliche Identität kommt zum Ausdruck, wenn man auch bei Flächen für Wohnmobile von "Wohnmobilhäfen" spricht.

Dann wird darauf verwiesen, daß es zwar Regelungen zum kurzfristigen Vermieten auf Campingplätzen gäbe. Das wurde aber bereits auf die Vermietung von Campingflächen ausgedehnt. Damit könnten auch andere Flächen, insbesondere Wasserflächen, mit einbezogen werden. Und dann:

> So wie es für den Begriff des Grundstückes unerheblich ist, ob das Grundstück von Wasser überspült ist oder nicht (BFH-Urteil vom 8. Oktober 1991 V R 46/88, BFHE 167, 200, BStBl II 1992, 368), ist es für den Begriff der Campingfläche unerheblich, ob diese aus Rasen, Beton oder eben aus Wasser besteht.

Das Problem gibt es erst seit 2009, seitdem die damalige schwarz-gelbe Regierung auf Wunsch der FDP diese kurzfristigen Beherbergungen steuerlich begünstigt wurden.

> Denn wenn der Gesetzgeber Wohnmobilhäfen als "vergleichbare Einrichtungen" ansieht, gibt es keinen sachlich rechtfertigenden Grund, Bootsliegeplätze nicht als "vergleichbare Einrichtung" anzusehen. Denn entscheidend ist nicht der Aggregatzustand der überlassenen Fläche sondern ihre Funktion, d.h. es kommt darauf an, ob die Fläche zum Camping vorgesehen ist und überlassen wird. Der Begriff Camping aber umfasst eine breite Spanne von Aktivitäten, denen gemeinsam ist, dass nicht in Gebäuden übernachtet, sondern die Zeit in der freien Natur oder auf für das Campen vorgesehenen Einrichtungen verbracht wird. Das trifft auf den Bootsführer und den Wohnmobilisten gleichermaßen zu.

Da ist man dann schnell beim "Gleiches muß gleichartig besteuert werden".

Mal sehen, wie die Sache ausgehen wird.

Solstice - the Kinetic Clock - Wooden kinetic Clock expands and contracts with the passing Hours - hölzerne Uhr mit einem Stundenzeiger, die sich wie eine Blume öffnet und schliesst - von Animaro, London

13.11.2018 23:57:59, Jürgen Auer, keine Kommentare

Leute, die ständig auf die Uhr sehen. Die ständig herumhetzen und einen dicht getakteten Terminkalender haben. Die würden wohl mit so einer Uhr verzweifeln. Aber für alle anderen dürfte so eine Uhr ein Schmuckstück sein.

Solstice, der englische Ausdruck für die Sonnenwende. So heißt die Uhr. Sie hat "nur" einen Stundenzeiger. Aber dieser bewegt gleichzeitig über eine an ihm angebrachte Stange ein Geflecht von lauter kleinen Holzstangen, die durch Gelenke miteinander verbunden sind.

Um 12:00 ergibt sich so ein ein großer Kreis mit einem doppelten Rahmen. Wie die Sonne, die um 12:00 den höchsten Stand hat. Oder wie eine Blume, die zu diesem Zeitpunkt am weitesten geöffnet wird.

Am Nachmittag schließt sich diese Blume langsam. Bis sie um 18:00 ihren kleinsten Zustand erreicht hat und wie ein Weihnachtsstern aussieht.

Bei Kickstarter gibt es aktuell eine Kampagne dazu.
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Solstice, the Kinetic Clock

https://www.kickstarter.com/projects/animaro/solstice-the-kinetic-clock

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> In modern day life however, time and a need for absolute accuracy has become a source of stress. We at Animaro, believe the passing of time can be something of beauty.

Die Genauigkeit der Zeit, das führt bei Leuten zu Streß. Dagegen die Idee, daß das Vergehen der Zeit etwas Schönes sein kann.

Es gibt genau 24 Gelenkstellen. So daß es bsp. 13:00 ist, wenn der Zeiger genau über dem ersten Doppelelement nach der 12 steht. Mit etwas Übung kann man also die Zeit im Bereich von einer halben bis einer Viertelstunde relativ genau ablesen. Aber eben nicht exakt.

> Solstice is a 12 hour clock with a single hour hand, much like a sundial. It does not show minutes or seconds, but rather, shows the time of day. It offers a more relaxed and meditative view of time.

Eine Gelenkstelle stellt eine halbe Stunde dar.

Ferner gibt es einen "Demo Mode". Da läuft der Zeiger in einer Minute einmal rum und fungiert als Sekundenzeiger. Switcht man zurück, wird wieder die korrekte Zeit angezeigt.

Ein Ein-Minuten-Video zeigt den Demo-Modus:

Solstice - Demo mode

https://vimeo.com/300396939

> Solstice clock completing a single 60 second rotation in demo mode.

Die Uhr läuft ganz leise. Verwendet wird Aluminium, rostfreier Stahl und Walnussholz.

640 x 640 x 90 Millimeter sind die Maße.

Die Kickstarter-Kampagne lief jetzt an. Für 395 bzw. 450 englische Pfund gibt es eine Uhr. Auslieferung soll im Juni 2019 sein.

Auf der Website

Animarodesign

http://www.animarodesign.com/

gibt es noch ein zweites Produkt. Eine Lampe, die auf einem Gitter von Holzstäben aufsetzt.

Der Zielbetrag liegt bei 25.000 Pfund, das sind etwa 28.630 Euro. Von denen sind 13107 Pfund oder 15.010 Euro bereits zusammen - bei 32 Unterstützern. Und das, obwohl das Projekt noch 29 Tage läuft. Das scheint erst heute gestartet zu sein, die FAQ sind alle von heute.

Origami Lava pours from window of abandoned House - Lava-Origami ergiesst sich aus dem Fenster eines verlassenen Hauses - Installation zum LLUÈRNIA Festival in Katalonien

12.11.2018 23:57:49, Jürgen Auer, keine Kommentare

Fast wird einem beim Anblick dieser Bilder unheimlich. Aber nur fast. Denn einerseits wird schnell klar, daß es sich bei den Bildern nicht um wirkliches Lava handelt, das aus dem Fenster eines Hauses zu quellen scheint. Gefahr gebannt.

Umso faszinierender sieht nun das aus, was man da sieht. In der Dunkelheit, auf die Entfernung betrachtet: Sieht das eben doch so aus, als sei das eine zähflüssige Lava, die aus einer Quelle im Hausinneren hervordrückt und den Weg durch ein Fenster nach draußen nimmt. Dort geht es die Hauswand hinab. Dann über eine Kante ein Stockwerk tiefer. Dort "verläuft" sich die Lava.

In der Nacht, mit etwas Nebel dazu, sieht das faszinierend aus.
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Origami Lava Pours from the Window of an Abandoned Building in Catalonia for LLUÈRNIA

https://www.thisiscolossal.com/2018/11/origami-lava-catalonia/

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Erfunden und hergestellt wurde diese Installation von David Oliva und Anna Juncà. Im Rahmen des LLUÈRNIA - Festivals in Katalonien. Über 10.000 gefaltete Papierstücke waren notwendig, um diesen Lavastrom zu erzeugen. Hinzu kommen Lampen, die unterhalb des Lavastroms befestigt wurden und für die Beleuchtung sorgen. Schließlich wurden Nebelmaschinen eingesetzt.

Das Haus steht in Olot. Sehr grob nordöstlich von Barcelona, im nordöstlichsten Teil von Spanien. In der Gegend gibt es tatsächlich erloschene Vulkane.

Auf der Festivalseite

Origami lava

http://www.lluernia.cat/projecte/origami-lava/

findet sich nur ein kleiner spanischer Text. Mehr Bilder gibt es unter

ORIGAMI LAVA

https://www.sp25.es/treballs/origami-lava-2/

Dort findet sich der Hinweis, daß die mit Origami-Lava bedeckte Fläche größer als 100 Quadratmeter ist.

Auf der Festivalseite

Secció: instal·lacions destacades

http://www.lluernia.cat/categories-projectes/installacions-destacades/

finden sich noch weitere Hinweise zu anderen Installationen. Leider nur mit sehr wenigen Bildern. Die wird es wahrscheinlich erst nach dem Festival geben.

79&Park - ein Gebäude wie ein Gebirge - Haus mit 169 Wohnungen aus vorgefertigten Holzmodulen wurde im Gärdet District in Stockholm eröffnet - von Bjarke Ingels Group (BIG)

11.11.2018 23:54:31, Jürgen Auer, keine Kommentare

Manchmal kann man nur neidisch in andere Länder blicken. Die Bjarke Ingels Group (BIG) hatte erst im Oktober einen ähnlichen Häuserkomplex in Kopenhagen eröffnet. Vorgefertigte Holzmodule, Fenster bis zum Boden.

Dasselbe Prinzip wurde nun in Stockholm genutzt, um den 79&Park fertigzustellen.

Hier sind das 169 Wohnungen, die aus 3,6 x 3,6 Meter großen vorgefertigten Modulen zusammengesetzt wurden. Aber nicht einfach übereinander gestapelt, wie man das aus Berlin leider kennt.

Sondern als ein großer, ringförmiger Komplex. Mit ständigen Versetzungen, so daß es keine glatte Hauswand gibt, sondern jedes Modul seine eigene Hauswand bildet. Und mit wechselnden, ansteigenden Höhen: Vorne eine niedrigere Ebene. Nach hinten hin deutlich ansteigend. Schließlich sind die Dächer keine langweiligen Flachdächer. Sondern begrünt und wohl zum Nutzen gedacht.
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BIG’s dramatic “hillside” apartments officially open in Stockholm

https://inhabitat.com/bigs-dramatic-hillside-apartments-officially-open-in-stockholm/

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Wenn man sich das Bild 3 in dem Artikel ansieht, dann sieht man, wie gewaltig unterschiedlich hoch das Gebäude ist. Am niedrigsten Punkt dürften das etwa zwei Stockwerke übereinander sein. Am höchsten Punkt mindestens 10 Stockwerke.

Da es überall Fenster über die gesamte Seitenfront gibt, wirkt das auch nicht wie ein monolithischer Block. Sondern eher wie ein aufeinandergeschachtelter Berg von lauter Holzhütten.

Unten ist u.a. eine Vorschule untergebracht.

Im Innenhof gibt es auch diverses Grün. Bei

Även hyllade 79&Park invigt – Oscar laddar nu för Gasklockan

https://www.fastighetsvarlden.se/notiser/aven-hyllade-79park-invigt-oscar-laddar-nu-for-gasklockan/

finden sich Bilder zum Innenhof. Teils Hochbeete mit Holzverkleidung. Dazwischen auch Sitzflächen.

Bei Archdaily

79&PARK / BIG

https://www.archdaily.com/905534/79-and-park-big

findet sich die Information, daß das 25.000 Quadratmeter sind. Das wären bei 169 Wohnungen 147 Quadratmeter pro Wohnung. Da wird wohl noch etwas für die öffentlichen Flächen im Erdgeschoss abgehen. Ladugårdsgärdet, Stockholm, Sweden ist der genaue Ort.

Da gibt es einige interessante Skizzen. Zum Innenhof gibt es drei Eingänge. Die höchste Ecke im Nordosten überragt die umliegenden Gebäude deutlich.

Kann BIG nicht mal in Berlin so ein paar Häuser hinstellen?

Der Beitrag vom 09.10.2018 zu dem Haus in Kopenhagen:

Dortheavej Residence - 66 schicke Wohnungen in Kopenhagen für Personen mit nicht zu hohem Einkommen - Holz, Fenster bis zum Boden und kleine Balkone von Lejerbo und Bjarke Ingels Group - BIG

https://blog.server-daten.de/de/2018-10-09/Dortheavej-Residence---66-schicke-Wohnungen-in-Kopenhagen-fuer-Personen-mit-nicht-zu-hohem-Einkommen---Holz--Fenster-bis-zum-Boden-und-kleine-Balkone-von-Lejerbo-und-Bjarke-Ingels-Group---BIG-413

Holz, Fenster bis zum Boden und nicht ein "glatter Kasten", sondern eine Struktur mit vielen Ecken, Erkern und Winkeln. Für Vögel dürfte so ein Haus ein Paradies sein. Und nicht nur für Vögel.

New Public Hydrant - öffentliche Hydranten in New York als Trinkwasserspender nutzen, anstatt Wasser in Plastikflaschen zu kaufen - von Agency-Agency und Chris Woebken im Rahmen des Programms Water Futures

10.11.2018 23:55:02, Jürgen Auer, keine Kommentare

Persönlich habe ich mir wohl noch nie Sprudel oder ähnliches gekauft. Warum? Weil das Leitungswasser hier in Berlin Trinkqualität hat. Es wird ja auch zum Kaffeekochen und Kochen verwendet, ohne daß man sich deshalb Sorgen macht. Und weil ich einfach keinen Sinn darin sehe, etwas, das aus dem Hahn kommt, die Treppen hochzuschleppen.

In manchen Städten, etwa in Rom, ist das ebenfalls üblich. Es gibt öffentlich zugängliche Trinkwasserstellen, die werden fleißig genutzt.

Für New York gibt es nun eine ähnliche Idee: Aufsätze, die an vorhandene Hydranten angeschraubt werden können. Und die es ermöglichen, Tieren und Menschen Wasser zur Verfügung zu stellen. Entweder zum direkten Trinken. Oder zum Auffüllen von Flaschen.

Entwickelt hat dies die Agentur Agency-Agency und Chris Woebken.
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New Public Hydrant would let New Yorkers drink from city water mains

https://www.dezeen.com/2018/11/09/new-public-hydrant-agency-agency-chris-woebken-water-futures-ado/

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Im Sommer gab es ein Programm "Water Futures" von dem Creative Space A/D/O in Brooklyn.

> Curated by Jane Withers, the initiative aims to find design responses to the world's increasingly pressing water scarcity issues.

Die Website

https://a-d-o.com/research-programs/water-futures

spricht von einer "toxischen Wasserkultur" in den Großstädten:

> Responding both to tensions around access to clean drinking water in the urban environment and the shift for cities to ban single use disposable plastic bottles, Water Futures aims to inspire the creative community to take action in reimagining our toxic drinking water culture.

Allgemein ist es um die Wasserqualität in den USA wohl nicht so gut bestellt: Agency-Agency:

> "While New York City is one of only five major cities in the country with a high enough water quality that does not require filtration, this fact is often neglected in favour of purchasing filtered water in plastic bottles"

Es gibt wohl nur 5 große Städte, in denen die Wasserqualität hoch genug ist, ohne daß Filter notwendig sind.

Es gibt drei verschiedene Konzepte: Das erste ist das, was man in dem Vorschaubild sieht: Hydrants for All. Unten gibt es eine Schale für Hunde. Drüber zwei kleine Becken zum direkten Trinken und zum Auffüllen von Flaschen. Ganz oben nochmals eine kleine Schale für Vögel. Verbunden mit einem senkrechten Rohr.

Die zweite Variante ist zum Auffüllen von Flaschen gedacht. Ein senkrechtes Rohr nach oben, das einen Bogen wieder nach unten macht. Ein Hebel am unteren Verbindungsstück zum Hydranten. So daß man dort gezielt aufdrehen und mit der anderen Hand die Flasche drunterhalten kann.

Die dritte Variante "Hydration Space" ist ein senkrechtes Rohr nach oben, das eine Fontäne erzeugt. Zur Abkühlung der Umgebung und für Kinder gedacht.

Alle drei Varianten sollen integrierte Abschaltventile haben, die eine Wasserverschwendung verhindern sollen.

In Verwendung werden zwei der drei Varianten bei Chris Woebken

New Public Hydrants

https://chriswoebken.com/New-Public-Hydrants

gezeigt.

MyU - Self-repair umbrella - Regenschirm aus ersetzbaren Einzelteilen, der leicht repariert werden kann - von der israelischen Designerin Liad David

09.11.2018 23:53:17, Jürgen Auer, keine Kommentare

"Den will ich haben" - fällt mir da eigentlich nur ein. MyU - my Umbrella. Ein Regenschirm aus Einzelteilen, die ausgetauscht / ersetzt werden können.

Bei Regenschirmen ist das Problem ganz einfach: Die Dinger gibt es zwar relativ günstig. Und zum Zusammenklappen, so daß sie in eine schmalere Tasche reinpassen. Aber irgendwann gibt es einmal einen kräftigen Windstoß. Oder sehr böigen Wind aus wechselnden Richtungen. Dann stülpt es den Regenschirm um. Einzelne Streben verbiegen sich. Oder irgendetwas reißt.

Schließlich wird der Schirm irgendwann so lummelig, daß er nicht mehr seinen Zweck erfüllt. Aber nun eben komplett weggeworfen werden muß, obwoh bsp. nur zwei nebeneinanderliegende Streben kaputt sind.

Die israelische Designerin Liad David hat deshalb ein Konzept bzw. einen fertigen Schirm entworfen. Der aus einzelnen, austauschbaren Komponenten besteht. Die sich bei Beschädigungen austauschen lassen. So daß der Schirm weiterhin genutzt werden kann.
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the self-repair myu umbrella is a long-term relationship you can commit to

https://www.designboom.com/design/self-repair-myu-umbrella-design-11-09-2018/

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Die jetzige Form mit zusammenklappbaren Streben geht wohl auf den Engländer Samuel Fox zurück, der so einen Schirm 1852 zum ersten Mal anbot. Schirme gibt es aber schon viel länger, im alten China gab es bereits welche.

Die Idee von Liad David:

> she imagines the popular use of an easy-to-repair umbrella designed to put the shelf-life of the product in the hands of the person using it

Sie stellte sich vor, wie es wäre, wenn es einen einfach zu reparierenden Regenschirm geben würde. So daß die Lebensdauer des Schirms von der Person abhängt, die den Schirm nutzt. Die Folgerung:

> MYU is an umbrella that allows the user to repair and change it by using simple components such as screws, rods and fabrics, which are readily accessible.

Der Nutzer kann den Regenschirm reparieren. Oder einzelne Komponenten austauschen, etwa eine andersfarbige Bespannung.

> David sees the self-repair element of a product as a starting point for a significant change in the consumption of disposable products.

Sie sieht diese Möglichkeit zur Selbstreparatur eines Produktes als Startpunkt für eine signifikante Veränderung im Konsum dieser "Einmalprodukte".

> ‘repair it yourself is better for the environment, saves your money and makes us attached to our objects. the ability to ‘fix it yourself’ gives back the designers the power to extend shelf-life of products and calls’.

Das Reparieren ist besser für die Umwelt, spart Geld und verbindet den Nutzer mit seinem Objekt. Damit wird die Fähigkeit zur Reparatur etwas, das für Designer interessant wird.

Ansonsten hat der Schirm noch einen besonderen Griff: Nämlich nicht einfach ein Griff, sondern ein großzügiges Rechteck mit abgerundeten Ecken. So daß man auch einen Arm durchschieben kann. Bei Trockenheit läßt sich der Schirm auch einhängen, so daß man keine Hand dafür braucht. Oder zwei Personen halten den Schirm gemeinsam.

Mit 6 Streben bildet die Schirmfläche ein Sechseck. Er ist also etwas kantiger als ein 8-Eck.

Leider gibt es keine genaueren Bilder. Auch sonst fanden sich kaum weitere Informationen. Das einzigste sind drei Photos auf dem Portal

https://www.yooying.com/p/1793507779963270736

von der Nutzerin Tali Tsour @talitsour, die fünf Monate alt sind.

Das müßte mal jemand zur Produktreife entwickeln, daß ein Unternehmen die Einzelteile produziert. Und man so ein Set kaufen könnte.

Bursts of Stylized Flowers - Louise Jones (Ouizi) bemalt graue Hauswände mit riesengroßen Blumen - Flowers For Buffalo - Part of the Public Art Initiative of the Albright-Knox Art Gallery in New York

08.11.2018 23:50:27, Jürgen Auer, keine Kommentare

In Großstädten gibt es viele Häuser mit hohen Hauswänden. Meist sind die grau oders andersfarbig. Jedenfalls meist einfarbig und wenig anregend.

Aber ginge das auch anders? Louise Jones, die unter dem Künstlernamen Ouizi aktiv ist, bemalt hohe Hauswände. Mit riesengroßen, stilisierten und farbigen Blumen.

Im Rahmen der Public Art Initiative der Albright-Knox Art Gallery in New York hat sie nun im Stadtteil Buffalo, New York ein großes Mural fertiggestellt: "Flowers For Buffalo". Das ist nun das - zumindest derzeit - größte Mural im westlichen New York.
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Bursts of Stylized Flowers by ‘Ouizi’ Transform Buildings Into Floral Canvases

https://www.thisiscolossal.com/2018/11/ouizi/

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Teils orientiert sie sich an Blumen aus der Natur. Teils praktiziert sie auch etwas wie einen Mix aus

> botanical realism with a stylized, sinuous technique

"Flowers For Buffalo" hat ein dichtes Zentrum, wie ein Blumenstrauß. Dort ist die Hauswand komplett bemalt. Einzelne Zweige mit Blüten und Früchten ragen nach außen, dort dient die bisherige Farbe der Hauswand als Hintergrund.

Einen anderen Aufbau gibt es teilweise bei den anderen dortigen Bildern. Wobei oft die bisherige Hausfarbe dunkel ist, so daß die hellen Blumen das Gebäude aufhellen. Dort gibt es immer wieder "Endlosbänder", bei denen Zweige mit Blüten von links und rechts hineinzuragen scheinen.

Viele weitere Arbeiten finden sich auf ihrem Instagram-Account:

Ouizi

https://www.instagram.com/0uizi/

Dort gibt es auch Aufnahmen von Blumen, die quasi als Modell dienen. Und Arbeiten, bei denen Holzplatten als Untergrund dienen.

Auf ihrer Website

http://www.louisechen.com/

sind zumindest auf der Unterseite

Murals

http://www.louisechen.com/murals/

meistens die Standorte angegeben. Viele sind in Detroit zu sehen, wo sie wohnt. Aber es gibt auch Bilder in New York, Los Angeles, Shanghai und anderswo.

Der erste Link enthält ein kleines Video:

#AKPublicArt Spotlight: Louise Jones's "Wildflowers for Buffalo"

https://www.youtube.com/watch?v=N7MvLGPzEVY

Da gibt es Ausschnitte aus dem Entstehungsprozess von "Flowers For Buffalo". Und den genauen Standort:

> Louise Jones’s mural for The Sinclair Building, located at 465 Washington Street, draws inspiration from the structure’s original tenets: an early-20th-century hat manufacturer. Based on conversations with building owners, historians, and horticulturalists, Jones has incorporated aspects of period design, hatpins, and flora native to Western New York into her composition, which builds on the dynamic and often borderless floral motifs found in her public works.

465 Washington Street. Allerdings scheint wohl bei Google Maps die Nummerierung nicht ganz zu stimmen. Da findet man das Haus, es wird aber mit der Hausnummer 451Washington Street, Buffalo, New York ausgegeben.

451 Washington St Buffalo, New York

Stand Sommer 2017, da war das Haus noch in diesem weißen Ton gestrichen.

Faszinierend, wenn man bei dieser Ecke - ein Parkplatz - den Eindruck davor und danach vergleicht.

NET GUARD Drone - UAV drone concept rescues people from highrise fire emergencies - Drohne, die sich zu einem Sicherheitsnetz auseinanderzieht und Menschen aus brennenden Hochhäusern rettet

07.11.2018 23:40:48, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ein Hochhaus, das in Brand gerät, so daß Menschen oberhalb des Brandherds der Fluchtweg versperrt ist. Oder, eigentlich bereits weitaus simpler: Ein normales, fünfstöckiges Wohnhaus. In einer Wohnung im ersten oder zweiten Stock bricht ein Brand aus, der sich nach oben ausbreitet. Das Treppenhaus ist als Fluchtweg versperrt.

Ein Drohnen-Konzept schlägt eine andere Lösung vor.

Eine Drohne, die zunächst wie ein Quadrocopter aussieht: Also vier Rotoren hat. Damit kann die Drohne schnell aufsteigen und gelangt in die Nähe eines Fensters. Oben ziehen sich die Rotoren auseinander. Und ziehen ein Sicherheitsnetz aus. Dort kann ein erwachsener Mensch hineinspringen und wird dann sicher zum Boden geflogen.

Aktuell ist das eine Konzeptstudie von 6 Studenten aus Guangzhou, China. Das kam auf die Shortlist des Golden Pin Concept Design Award.
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NET GUARD drone rescues people from highrise fire emergencies

https://www.designboom.com/technology/net-guard-drone-11-07-2018/

Ein Video zeigt die Idee des Einsatzes: Net Guard

https://www.youtube.com/watch?v=9VwhlPXxzWI

> NET GUARD is a high-altitude rescue UAV design concept. It won the Golden Pin Concept Design Award 2018 Design Mark.

Die Drohne soll gestartet werden, wenn es Brandmeldungen gibt. Per GPS findet sie das brennende Hochhaus.

Das Netz soll aus vier Schichten aus Polyurethan bestehen. Stark genug, um eine erwachsene Person tragen zu können. Sensoren sollen die Person beim Sprung erfassen. Die Steuerung soll sicherstellen, daß die Person sicher vom Netz aufgefangen wird.

Aktuell ist das eine Konzeptstudie von Diao Hao-Ming (刁浩明), Liu Xiang (刘翔), Li Hao-Hua (李浩华), Zhu Nan-Tong (朱南通), Li Guo-Yu (李国宇) und Hu Zhen-Yuan (胡振源).

Bis zur Umsetzung dürfte das noch ein sehr weiter Weg sein. Aber wenn man sich die Entwicklungen aus den letzten Jahrzehnten ansieht, dann dürfte das auf längere Sicht lösbar sein.

Mal sehen, ob die Studenten die Idee weiterentwickeln und damit irgendwann den Markteintritt schaffen. Überall dort, wo Helfer relativ nah an eine Person in Not herankommen können, die "letzten Meter" aber unüberwindlich sind, könnte so eine Drohne eingesetzt werden.

Auf der Website des Golden Pin Award

http://www.goldenpin.org.tw/en/

fanden sich noch keine Informationen. Da scheinen bis jetzt nur die Preisträger vom Vorjahr gelistet zu sein.

A third of UK-people are now eating less or no meat - Supermarktkette Waitrose beobachtet, dass ein Drittel der Kunden sich meist fleischlos ernährt

06.11.2018 23:58:19, Jürgen Auer, keine Kommentare

Sich fleischlos ernähren oder nur ein oder zweimal pro Woche Fleisch zu essen: Das war noch vor zwanzig Jahren bei vielen Leuten eher die Ausnahme. Die britische Supermarktkette Waitrose hat sich nun genauer angesehen, wie das bei eigenen und anderen Kunden gehandhabt wird.

Mit dem Ergebnis: Etwa jeder achte Brite ist Veganer, also etwa 12 %. Etwa 21 % kann man als Flexitarians bezeichnen. Es gibt also nur selten Fleisch, Fleisch steht nicht im Mittelpunkt der Ernährung. Zusammen sind das 33 %, also jeder dritte Brite.
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A third of people in the UK are now eating less or no meat

https://inhabitat.com/a-third-of-people-in-the-uk-are-now-eating-less-or-no-meat/

Beim Guardian: Third of Britons have stopped or reduced eating meat - report

https://www.theguardian.com/business/2018/nov/01/third-of-britons-have-stopped-or-reduced-meat-eating-vegan-vegetarian-report

Der Report zum Download: The Waitrose Food & Drink Report

https://www.waitrose.com/home/about_waitrose/the-waitrose-fooddrinkreport.html

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Waitrose hat aber nicht nur die eigenen Kunden beobachtet, sondern Kunden aller Ketten. Leute denken darüber nach, wie sie selbst etwas gegen den Klimawandel tun können. Die Reduktion von Fleisch und Milchprodukten ist eine Möglichkeit.

Es gab einerseits eine Stichprobe von 2000 Personen. Zusätzlich wurden Millionen von Einkäufen offline und online ausgewertet.

"The Vegan Society" berichtet, daß die Zahl der Veganer in Großbritannien von 150.000 auf 600.000 in den letzten vier Jahren gestiegen sei. Waitrose hatte im letzten Mai damit begonnen, vegane Bereiche in seinen Supermärkten einzurichten.

Natalie Mitchell, Waitrose’s head of brand development:

> “This year, we’ve seen vegan food go mainstream”
> “Whether cooking at home, buying prepared food or trying the newly vegan-friendly restaurants, people are discovering that it tastes amazing.”

Vegetarische Ernährung kommt im Mainstream an.

60 % der Veganer und 40% der Vegetarier berichteten, daß sie in den letzten fünf Jahren ihren Lebensstil geändert hätten. Für 55 % war das Wohl der Tiere wesentlich, 45 % ging es um die eigene Gesundheit und 38 % um die Umweltfolgen.

In diesem Jahr gab es einen Forschungsbericht. Würde man komplett auf Fleisch und Milcherzeugnisse verzichten, könnten die globalen landwirtschaftlich genutzten Flächen um 75 % reduziert werden. Das wäre die Fläche der USA, China, der EU und Australien zusammengenommen.

Siena International Photo Awards - faszinierende Photos aus der ganzen Welt, ausgewählt aus 48.000 Vorschlägen

05.11.2018 23:57:16, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer hier in Deutschland arbeitet, der mag manchmal viel um die Ohren haben. Aber immer wieder kann man über Entwicklungen und Projekte von anderen Stellen der Welt erfahren.

So gibt es die Siena International Photo Awards. Einen Wettbewerb um die besten, eindrücklichsten oder auch erschütternsten Bilder.

Die Aufgabe, aus über 48.000 Vorschlägen die besten Photos auszuwählen, ist schon eine Mammutaufgabe. BoredPanda zeigt eine Auswahl davon, deren Reihenfolge sich durch Nutzerbewertungen verschieben kann.
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20+ Amazing Photos That Won The Prestigious Siena International Photo Awards

https://www.boredpanda.com/siena-international-photo-awards-winners-2018/

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Persönlich sind mir zuallererst einmal diese Tieraufnahmen ein Rätsel. Auch wenn es starke Teleobjektive gibt, muß man doch "einigermaßen nah ran".

Leider lassen sich - im Gegensatz zu anderen Beiträgen bei BoredPanda - die Einzelbilder nicht direkt verlinken.

Auf der Website

https://sipacontest.com/gallery/2018/

gibt es die einzelnen Kategorien:

Gallery: Animals in their Environment

https://sipacontest.com/gallery/2018/category.php?cat=6

Ein Seeleopard, der das Maul weit aufreißt, vor ihm ein kleiner Pinguin. Zweimal schaffte es der Pinguin wohl, zu entkommen. Beim dritten Mal wurde er geschnappt.

Oder Ameisen, die gemeinsam einen Frosch festhalten. Da hat wohl der Frosch versucht, Ameisen zu fressen. Aber nun halten diese ihn an beiden Hinterbeinen fest, der Frosch hängt nach unten.

Ein Braunbär in einem See. Die Fische versuchen, Abstand zu halten.

Ein Winter in Ontario. Da kommen Schneeeulen von der Arktis, um Feldmäuse auf den Feldern zu jagen. Dann gab es einen Schneesturm. Und eine Schneeeule, die - kaum sichtbar - mitten im Sturm auf dem Feld sitzt.

Lauter Barracudas, die einen Ring bilden. Drunter ein Taucher.

Unter

https://sipacontest.com/gallery/2018/category.php?cat=5

gibt es weitere Tierbilder. Etwa ein Chamäleon, dessen endlos lange Zunge grade auf eine Libelle zusteuert, die wohl gleich geschnappt und verspeist wird.

Es fällt auf, daß immer wieder Bilder mit dabei sind, die wohl von Drohnen gemacht wurden. Eine neue Art, auf die Welt zu blicken, die es früher so noch nicht gab.

The Gantry - WikiHouse workplaces on former Olympic Broadcast Centre at the Queen Elizabeth Olympic Park in London - in ehemaliges Fernsehzentrum der Olympischen Spiele 2012 werden 21 kleine Häuser eingebaut - von Hawkins\Brown

04.11.2018 23:50:38, Jürgen Auer, keine Kommentare

Olympische Spiele sind in den Industriestaaten inzwischen durchaus umstritten. Diverse Gebäude werden extra gebaut. Und danach womöglich wieder abgerissen oder sie zerfallen. Teils stimmt die Bevölkerung (siehe Hamburg) nun gegen die Durchführung von Spielen.

Bei den Londoner Spielen 2012 gab es ein großes Pressezentrum. Das sollte - so der ursprüngliche Plan - nach den Spielen wieder abgerissen werden. Stattdessen wurde es auf sein Stahlgerüst reduziert. Und in dieses 21 kleine Häuser eingebaut. Das Projekt heißt nun "The Gantry". "Here East" ist der Teil des Queen Elizabeth Olympic Park, wo das Pressezentrum stand. Geplant und gebaut wurde das von Hawkins\Brown.
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The Gantry at Here East - A new creative community

https://www.hawkinsbrown.com/projects/the-gantry-at-here-east

Bei Dezeen: Hawkins\Brown installs WikiHouse workplaces on former Olympic Broadcast Centre

https://www.dezeen.com/2018/10/26/hawkins-brown-wikihouse-workplaces-here-east-olympic-broadcast-centre-architecture/

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Ein 240 Meter langer Stahlrahmen, der Belüftungsequipment für das Broadcast-Studio dahinter enthielt. Eigentlich sollte das abgerissen werden. Aber:

> Rather than demolish this striking construction, we saw potential in its ultra-rational grid and opportunities to insert objects onto its enormous decks.

Anstatt das zu demolieren, sah Hawkins Brown die Möglichkeit, dort Objekte hineinzubauen. 21 individuelle Studios für Künstler wurden dort eingebaut. Die über Wege miteinander verbunden sind.

Das WikiHouse:

> Wikihouse is an open source design and construction toolkit that harnesses these changes for the building industry. It uses a standardised kit of parts but enables a high degree of customisation in size, shape, openings, cladding and plug + play equipment.

Ein Design- und Konstruktionstoolkit. Einerseits standardisiert. Andererseits ermöglicht es hohe individuelle Anpassungen.

Ein kleines Video versucht, einige der Prinzipien zu erklären.

The Future of Construction with The Gantry

https://www.youtube.com/watch?v=p59SRXKYcM8

Demnach gab es vor 10 Jahren solche Konstruktionstechniken noch gar nicht.

Nick Gaskell zu Dezeen:

> "We were very focused on humanising what could have been a very brutal and relentless structure."

Diese metallische Struktur sei eigentlich brutal und erbarmungslos gewesen. Aber so konnte sie humanisiert werden.

Die Wikihäuser konnten außerhalb in Teilen vorgefertigt werden. Die Teile kamen auf die Baustelle, direkt in das stählerne Gerüst hinein. Und wurden dort sehr schnell zusammengebaut.

> "Spatial and structural constraints prevented us from assembling entire studios off-site and lifting them onto the gantry"

Die Stahlstruktur hatte es ausgeschlossen, ganze Häuser außerhalb zusammenzubauen und sie dann in die Stahlstruktur hineinzuheben. Dagegen ist dieses Wikihouse-System ideal: Das Haus kommt in einzelnen flachen Paketen an.

Einerseits sei das Broadcast Centre ein 240 Meter langer Schuppen ohne Fenster gewesen. Und es hatte ursprünglich keine Idee für eine Nachnutzung gegeben - außer eben den Abriß. Gleichzeitig gab es eine hochmoderne Datenanbindung mit einer entsprechenden Infrastruktur. Das machte es eigentlich ideal für eine technologische Nutzung. Schließlich gab es eine "strukturelle Großzügigkeit", die man sonst in London kaum mehr findet.

> The long spans and 10-metre-tall spaces allowed us to create a variety of space types through cuts and insertions of new floor plates.

10 Meter Höhe pro Stockwerk.

Das Ergebnis sind 21 Gebäude in einem Rahmen, die es so nirgendwo sonst geben würde. Weil niemand auf die Idee käme, ein neues Gebäude nach so einem Prinzip - Stahlrahmen mit eingebauten kleinen Holzhäusern - zu entwerfen und zu bauen.

Brixel Mirror - an interactive kinetic art sculpture - Brixel kombinieren Backsteine mit Pixeln und erschaffen eine dynamische Wand - vom New Yorker Studio Breakfast

03.11.2018 23:51:09, Jürgen Auer, keine Kommentare

Eine Wand, die sich bewegt. Die auf Bewegungen reagieren kann. Oder die ganz ruhig, einfach als Raumtrenner fungiert. All das ist der "Brixel Mirror", der Spiegel bzw. die Wand aus "Brixeln".

Brixel sind von der Form wie Backsteine. Die eine Seite ist schwarz, die andere Seite trägt einen Spiegel. Davon wurden insgesamt 540 dieser Brixel wohl so aufgehängt, daß das zuerst einmal wie eine geschlossene Wand wirkt. Jeder Brixel kann sich um sein Zentrum horizontal drehen. So daß sich entweder eine geschlossene Wand. Oder - bei einer 90°-Grad-Drehung aller Brixel - eine durchlässige Struktur ergibt.

Aber das kann noch mehr.
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Brixels are modular blocks that can be combined to create moving walls

https://www.dezeen.com/2018/11/02/brixels-modular-blocks-breakfast-moving-walls-installation/

Das Video aus dem Beitrag direkt auf YouTube:

BREAKFAST - Brixel Mirror (interactive kinetic art sculpture)

https://www.youtube.com/watch?v=Z-5cVpWhp30

Brixel Mirror is a 19 foot wide by 6 foot-tall installation made up of 540 Brixels™, black on one side and mirrored on the other. Brixel Mirror is the first installation built by BREAKFAST to utilize their Brixels technology.

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19 Fuß sind etwa 5,7 Meter, 6 Fuß sind 1,82 Meter. Wichtig ist der Hinweis am Anfang des Videos. Da wurde nichts nachbearbeitet. Die "kinetische Skulptur" verhält sich direkt so.

Das kann wie ein Display funktionieren: Die meisten Brixel sind so gedreht, daß die spiegelnde Seite zum Betrachter zeigt. Wenige zeigen die schwarze Seite, das erzeugt Nummern oder kurze Texte.

Das kann aber auch die Dynamik von Musik anzeigen. Wie Balken, die nach oben und unten gehen. Oder die Skulptur reagiert auf Hand- und Armbewegungen.

> Viewed from a distance, an installation made with Brixels can look like a digital display, with each brick standing in for one pixel. And as with pixels, each Brixel is controllable, via an app that communicates with the installation.

Interessant ist, wenn sich die Mauer auflöst in Drehbewegungen. Oder wieder zur Mauer wird. Und sind alle Spiegel auf einer Seite, kommt es zu unzähligen Spiegelungen aus der Umgebung.

Ein kurzes Video auf Instagram

https://www.instagram.com/p/BpZUKabB9Jh/

zeigt das Innenleben eines Brixels. Es gibt eine zentrale Stange, die vom Bodenelement nach oben geht. In diese werden die einzelnen Brixel eingehängt.

Laut der Website des Studios

Brixel mirror

https://breakfastny.com/brixel-mirror

gibt es auch in kleines Video, welches das "Making Of" zeigt:

BREAKFAST - The Making of Brixels™ and Brixel Mirror

https://www.youtube.com/watch?v=nKzrupwnI0M

> Take a behind the scenes look at the team prototyping and building the first Brixels, eventually culminating in Brixel Mirror, the first installation to leverage the new tech.

Mal sehen, ob es irgendwann einmal einen deutlich größeren "Brixel Mirror" geben wird.

Browser Extension stole private Facebook Messages - Browser-Erweiterung hat die privaten Nachrichten von mindestens 81.000 Accounts gestohlen

02.11.2018 23:50:06, Jürgen Auer, keine Kommentare

Browser sind aus der heutigen Computernutzung nicht mehr wegzudenken. Und eigentlich sind Browser inzwischen auch meist sehr sicher. Sofern sie aktuell und gepatcht sind.

Allerdings gibt es eine strukturelle Sicherheitslücke: Das sind Browsererweiterungen, Extensions. Manche verwenden diese gar nicht. Ich nutze praktisch nur einen Adblocker.

Andere nutzen sehr viele Browsererweiterungen. Aber eine Browsererweiterung kann per definitionem auf so gut wie alles zugreifen, was im Browser angezeigt wird.

Nun wurde bekannt: Eine Erweiterung hatte es auf private Facebook-Nachrichten abgesehen. Und auf diesem Weg Daten von mindestens 81.000 Accounts geklaut.
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A Browser Extension Apparently Stole the Private Facebook Messages of at Least 81,000 Accounts

https://gizmodo.com/a-browser-extension-apparently-stole-the-private-facebo-1830175571

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Ausgangspunkt ist ein BBC-Report: Private messages from 81,000 hacked Facebook accounts for sale

https://www.bbc.com/news/technology-46065796

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Demnach wurden die privaten Nachrichten zum Verkauf angeboten. BBC Russian Service erhielt ein entsprechendes Angebot. Die meisten Accounts waren aus Russland oder der Ukraine. Aber es gab auch Accounts aus Großbritannien, den USA, Brasilien und aus anderen Ländern. Angeboten wurden Accounts für 10 Cents.

Guy Rosen, VP of Product Management von Facebook, verweist darauf, daß sie die Browserhersteller informiert hätten, so daß die kritische Browsererweiterung nicht mehr verfügbar sei.

Allerdings scheint nicht ganz klar zu sein, wieviele Accounts tatsächlich davon betroffen sind. Ursprünglich berichteten die Anbieter, daß sie 120 Millionen Accounts hätten. Die 81.000 online verfügbaren Accounts waren wohl nur ein Beispiel. Da waren aber auch private Nachrichten drin.

BBC Russia Service hatte fünf Nutzer kontaktiert, deren Daten in diesem Sample waren. Die bestätigten die Echtheit der Daten. Teils waren das Photographien aus dem Urlaub. Ein Chat über ein Konzert. Ein Klagen über einen Schwiegersohn. Aber auch intime Korrespondenz von einem Paar.

Facebook berichtet, daß es eine Erweiterung gewesen sei, hat aber den Namen dieser Erweiterung nicht genannt.

> Facebook has not named the extensions it believes were involved but says the leak was not its fault.

Die Lücke sei nicht ihr Fehler.

Guy Rosen:

> “We encourage people to check the browser extensions they’ve installed and remove any that they don’t fully trust. As we continue to investigate, we will take action to secure people’s accounts as appropriate.”

Das stimmt zwar. Nur: Wie sollen das Laien wissen bzw. herausfinden, daß eine solche Browsererweiterung Facebook-Nachrichten abschöpft? So daß man ihr nicht vertrauen sollte. Die Konsequenz kann dann nur heißen: Möglichst gar keine Browsererweiterung nutzen. Oder eben eine Plattform wie Facebook möglichst nicht nutzen.

Gacha Bus - self driving bus that works in any weather condition - MUJI und sensible 4 entwickeln autonomen Kleinbus, der auch bei extremen Wetterbedingungen funktioniert - Start 2019 in Helsinki

01.11.2018 23:06:28, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hier in Berlin ist das ja manchmal ein Spott: Im Winter hat die S-Bahn mit der Kälte Probleme, im Sommer mit der Hitze. Aber in Berlin ist es noch vergleichsweise mild. In einem Land wie Finnland oder auch Japan mit diversen Gebirgen können ganz andere Bedingungen herrschen als hier im märkischen Flachland.

Wenn dort ein autonomer Bus unterwegs ist, dann muß dieser auch deutlich robuster sein.

Sensible 4 ist ein finnisches Unternehmen, das sich mit der Entwicklung von autonomen Fahrzeugen beschäftigt, die zu jeder Jahreszeit funktionieren. Auch im Winter. Nicht im deutschen, sondern im finnischen Winter. MUJI ist ein japanisches Unternehmen, das für das Design des Gacha Busses verantwortlich ist.
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MUJI is developing self-driving buses that can function in any weather condition

https://www.designboom.com/technology/muji-self-driving-bus-sensible-4-helsinki-11-01-2018/

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10 Sitzplätze und 6 Stehplätze hat der Bus. Von außen her ist das ein rundes Design, das keine richtige Front- oder Hinterseite kennt. Nach dem Start in Helsinki im März 2019 soll der Bus in drei finnischen Städten eingesetzt und getestet werden.

Derzeit sei es so, daß heftiger Regen, Nebel und Schnee für die autonom fahrenden Fahrzeuge große bis unüberwindliche Hindernisse sind. Aber sensible 4 hat sich schon lange mit solchen Außenbedingungen beschäftigt und hat damit einen Vorsprung.

Wenn die Tests erfolgreich sind, soll es 2020 eine ganze Gacha - Flotte geben.

Bei https://www.muji.net/store/ fand sich ein Link zu

Project for Public Bus Transportation in Finland: Announcement of design collaboration: Gacha - Autonomous Shuttle Bus for All Weather Conditions

https://ryohin-keikaku.jp/eng/news/2018_1101_e.html

Demnach hat ein Gacha Bus die Maße 4.5 * 2.5 * 2.8m (L*W*H) und eine Maximalgeschwindigkeit von 40 km/h. Die Reichweite liegt bei 100 Kilometern, es gibt eine Schnellladestation. Kabelloses Laden gibt es als Option.

Bei http://sensible4.fi/

gibt es ein kleines Video:

Sensible 4 autonomous system ultimate winter challenge at Muonio Lapland 2018

https://www.youtube.com/watch?v=tEDMm7x9ONk

> Compiled video of our test and demo week in Lapland, open road conditions during January 2018

Da fährt ein kleines autonomes Auto bei -27° herum. Dann verläßt es bei Schneefall die Straße, biegt in eine Seitenstraße ein - und läßt erst einmal eine Person auf Skiern vorbei. Wenn eine Person vor dem Auto im Weg steht, hält es an. Läuft die Person weg vom Auto, folgt es. Macht die Person schließlich den Weg frei, wird das Auto wieder schneller. Das alles im Dunkeln auf einem Schneeboden.

Wenn man an Entwicklungen autonomer Autos in Kalifornien denkt: Ob die dort entwickelten Autos mit Schnee, Nebel und starkem Regen klarkommen würden? Umgekehrt gilt offenkundig: Ist ein autonomes Fahrzeug (inklusive des Algorithmus zum Steuern) unter solchen Bedingungen einsetzbar, dann sollte es auch bei schönem Wetter funktionieren.

Ferner könnte so ein Algorithmus auch leicht so angepaßt werden, daß er unter tropischen Bedingungen (kurze, heftige Regenfälle) funktioniert. Damit wären solche im "kühlen Finnland" entwickelten Algorithmen und Autos weltweit einsetzbar.

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