Please respect our neighbours' privacy - doch was machen die Besucher der Tate Modern? Sie nutzen hingestellte Ferngläser zum In-die-Wohnungen-Gucken - eine Installation von Max Siedentopf

18.11.2018 23:55:02, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das Tate Modern in London hat täglich viele Besucher, der Eintritt ist meistens frei. Aber nicht alle kommen wegen der Kunst. Manche kommen nur deshalb, weil es dort eine hohe Aussichtsplattform gibt, die ebenfalls kostenlos zugänglich ist.

Drumherum gibt es einige - ebenfalls hohe - Luxusapartments. Das führt zu Konflikten, wenn die Besucher da reingucken und sich die Bewohner gestört fühlen.

Max Siedentopf hatte nun - ohne Absprache mit dem Tate Modern - dort zwölf Ferngläser angebracht. Simpel mit Schnüren befestigt.

Und was passierte?

Obwohl an der Seitenfront ein großes Schild mit der Beschriftung "Please respect our neighbours' privacy" angebracht ist, wurden die Ferngläser fleißig genutzt. Um in die Wohnungen zu gucken.
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Künstler installiert heimlich Ferngläser auf der Aussichtsplattform der Tate Modern mit Blick in umliegende Luxus-Apartments

http://urbanshit.de/kuenstler-installiert-heimlich-fernglaeser-auf-der-aussichtsplattform-der-tate-modern-mit-blick-in-umliegende-luxus-apartments/

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Der Künstler in einem Statement:

> „However, before an official decision has been made in court, I installed a dozen binoculars on the viewing platform to help the many museum visitors enjoy this contemporary artwork even more, and up close.“

Die Seite des Künstlers:
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PLEASE RESPECT OUR NEIGHBOURS’ PRIVACY

http://maxsiedentopf.com/please-respect-our-neighbours-privacy/

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Demnach scheint es da bereits einen gewaltigen Konflikt zu geben. Das Modern Tate hätte zwar tausende Besucher pro Woche aus der ganzen Welt. Aber:

> However, it turns out that one of the most popular sights around the museum is not an exhibited artwork but rather, the neighbouring apartments which can be seen from Tate’s viewing platform. Thousands of visitors gather in awe to take a peek inside the apartments. No other artwork on display attracts as much fascination as these open plan apartments.

Nicht die Ausstellungen seien interessant, sondern die benachbarten Apartments. Offenbar hat da niemand - weder beim Bau noch beim Verkaufen / Vermieten dieser Apartments - daran gedacht, daß es ja diesen Einblick vom Museum her gibt. Das immerhin schon im Jahr 2000 entstanden ist, also wohl früher dagewesen sein dürfte.

Das scheint sogar schon Gerichtsverfahren zu geben:

> This attraction has become such a success that most recently, legal action has been taken against the Tate.

Dezeen

Artist's binoculars let Tate Modern visitors look inside RSH+P's Neo Bankside

https://www.dezeen.com/2018/11/16/max-siedentopf-roger-stirk-harbour-neo-bankside-tate-modern/

spricht deutlicher von einer "guerrilla art installation". Das sind mehrere Gebäude des "Neo Bankside housing". Laut einem älteren Dezeen-Artikel dürften die 2013 entstanden sein. Einige Bewohner hatten Klage eingereicht.

Treffend:

> "I love the irony of it - you have massive windows to show your fancy apartment but then no one is allowed to look inside."

Fenster über die gesamte Höhe, die das gesamte Apartment zeigen. Aber niemand dürfe von draußen reingucken.

Mit ein bißchen Suchen fand sich die genaue Beschreibung:

Tate Modern Blavatnik Building

https://www.architecture.com/awards-and-competitions-landing-page/awards/riba-regional-awards/riba-london-award-winners/2017/tate-modern-switch-house

Es gibt die alte Industriehalle mit einem Turm. Um den geht es aber nicht. Sondern daneben gibt es noch ein hohes Gebäude, das Tate Modern Blavatnik Building. Das hat ganz oben eine umlaufende Galerie.

Etwas weiter unten in dem obigen Link gibt es eine Luftaufnahme, die das alte Gebäude mit dem Turm, das Blavatnik Building und die nur durch eine schmale Straße getrennten Apartments daneben zeigt.

Dabei ist doch die Lösung so einfach:

> "Nick Serota, former director of the Tate, had a brilliant idea how to solve this debacle – just buy some curtains."

Die Leute mögen Vorhänge kaufen.

Erst einen Glaskasten anmieten und sich dann wundern, wenn Leute reingucken.

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