Digitalisierung: Asien ist euphorisch, Europa skeptisch Online Umfrage in 9 Ländern im Auftrag des Vodafone Instituts

24.11.2018 23:58:45, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ok, eigentlich könnte man ja sagen: Das Ergebnis verwundert nicht. Europa und vor allem Deutschland ist skeptisch, was die Digitalisierung angeht. Interessant sind allerdings ein paar Details der Studie, die vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag des Vodafone Instituts durchgeführt wurde.
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Digitalisierung – Asien euphorisch, Europa skeptischer

https://www.vodafone-institut.de/de/studien/digitalisierung-asien-euphorisch-europa-skeptischer/

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Befragt wurden etwa 9000 Personen in 9 Ländern. Einerseits sind "die meisten" der Befragten der Digitalisierung gegenüber positiv eingestellt. Allerdings:

> Nationen in Westeuropa und die USA sind weit weniger euphorisch (nur um die 50 Prozent) als wirtschaftlich aufstrebende Nationen wie China, Indien oder neu EU Bulgarien (um die 80 Prozent).

50 % zu 80 % heißt, daß 30 % der Personen in den einen Ländern fehlen, in den anderen Ländern dazu kommen. Oder auch (wenn man gewisse Schwankungen mit dazu nimmt): In manchen Ländern sind 4 von 10 Personen positiv eingestellt, in anderen Ländern 8 von 10. Also doppelt so viele Personen.

Auffallend ist, daß es in aufstrebenden Nationen kaum Geschlechterunterschiede gibt. In Westeuropa und den USA sind Frauen dagegen deutlich skeptischer (25 % pro). Was wiederum bei einem Gesamtwert von 50 % und einer angenommenen 50:50 - Verteilung bei den Befragten hieße, daß Männer in Westeuropa und den USA auf 75 % kämen - also fast in der Höhe der anderen Staaten.

"Sparen von Ressourcen" durch smarte Systeme und eine Verbesserung der Verkehrssysteme. Da gäbe es den größten Nutzen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen China/Indien und Europa:

> Deutliche Mehrheiten in China und Indien gehen davon aus, dass durch die Digitalisierung ältere Menschen mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Vor allem in Europa findet sich für diese These allerdings keine Mehrheit.

Interessant ist ein Hinweis aus Indien von Parijat Chakraborty, Executive Director, Ipsos India zu der Studie. Man muß seine Sätze vertauschen, um den Unterschied zu Deutschland zu sehen:

> Die Mehrheit der Inder hatte vor zehn Jahren noch nicht einmal Zugang zu Festnetztelefonen. Heute können sie auf eine Vielzahl von Technologien zurückgreifen. Es ist eine neue und fortschrittliche Welt, die sich plötzlich vor ihnen öffnet.

Sowie:

> Mobile Unternehmen und andere Akteure des Ökosystems haben eine phänomenale Arbeit geleistet, indem sie erschwingliche Technologien für viele Herausforderungen des täglichen Lebens entwickelt haben.

In Westeuropa gibt es diese Techniken schon seit langem. Damit wird die Neuartigkeit, die mit der Digitalisierung kommt, gar nicht richtig wahrgenommen.

Ähnlich Lifeng Liu, CEO, Ipsos China:

> Früher waren Infrastrukturen und Gesellschaftssysteme in Asien sehr schlecht. Die Menschen haben jetzt das Gefühl, dass die Vorteile der neuen Technologien und die Gewinne durch die Akzeptanz neuer Technologien auf dem asiatischen Markt höher sind.

Damit verbreiten sich Techniken wie das mobile Bezahlen deutlich schneller.

Die Daten stammen aus dem ersten Teil der Studie und wurden im Oktober veröffentlicht. In bezug auf Pessimismus schneiden da Deutschland, Großbritannien und die USA ähnlich ab.

Ein zweiter Teil der Studie beschäftigt sich mit "The Tech Divide", den Teil gab es jetzt:

Deutsche empfinden ihr Land als digital abgehängt

https://www.vodafone-institut.de/de/studien/deutsche-empfinden-ihr-land-als-digital-abgehaengt/

> 59 Prozent der befragten Deutschen stimmen der Aussage zu, dass ihr Land bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Dies ist der höchste Wert aller befragten Länder, noch vor Indien (57 Prozent) und Bulgarien (55 Prozent). Am wenigsten pessimistisch sehen sich in dieser Hinsicht China (27 Prozent) und Schweden (16 Prozent). Auch im direkten Vergleich der Nationen bzw. Kontinente gelten USA, China und Schweden als digitale Elite-Nationen.

Da gibt es also einen klaren Unterschied zwischen Deutschland (sehr pessimistisch) und den USA, die bei dieser Frage zu 33 % mit "ja" antworten.

Ferner wären in China (24 %) und Indien (22 %) deutlich mehr Leute bereit, sich in ihrer Freizeit digital fortzubilden. In den USA liegt der Wert nur bei 13 %, in Deutschland und Schweden nur bei 6 %.

Wenn man sich die Studienergebnisse ansieht, dann könnte man auch sagen: Wer viel hat, der hat viele Verlustängste. Wer wenig hat, der sieht für sich neue Möglichkeiten.

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