Crown Shyness - Trees avoid touching - Bäume, deren Kronen Abstand halten, so dass sich von unten her zellenartige Muster ergeben

01.01.2019 23:57:15, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das Phänomen ist - eigentlich - schon seit langem bekannt. Forscher beschäftigen sich schon etwa seit 100 Jahren damit, Leuten auf dem Land wird das mit Sicherheit schon weitaus länger bekannt gewesen sein. An mir ist das bis jetzt vorübergegangen, obwohl ich eigentlich in einer ländlichen Gegend aufgewachsen bin und auch oft genug im Wald war.

Stehen diverse Bäume bestimmter Arten nebeneinander, dann sind die Kronen nicht miteinander "verfilzt". Sondern halten brav Abstand zueinander, so daß sich größere Lücken ergeben.

Der englische Begriff "Crown Shyness" - Kronenschüchternheit - drückt das treffend aus.

Grade bei mir aus dem Fenster gesehen: Hier gibt es genau das Gegenteil. Sehr hohe Bäume, die ineinander ragen. Auch von diversen Wegen in Berlin kenne ich das. Links gibt es Bäume, rechts gibt es Bäume. Und die Kronen kommen sich oben so nahe, daß bsp. Eichhörnchen problemlos von einer Seite zur anderen gelangen können. Also exakt das Gegenteil einer Crown Shyness.

Umso faszinierender wirken die Bilder in dem folgenden Beitrag, die aus verschiedensten Quellen zusammengetragen wurden.
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Stunning Examples Of “Crown Shyness”, A Phenomenon Where Trees Avoid Touching

https://designyoutrust.com/2018/12/stunning-examples-of-crown-shyness-a-phenomenon-where-trees-avoid-touching/

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Beobachtet wird das mindestens beim Eukalytus und bei der Sitka-Fichte. Über die Gründe wird eher spekuliert.

Es könnte sein, daß dies eine erfolgreiche Abwehr gegen Schädlinge ist. Die so nicht von einer Baumkrone zur nächsten wandern können. Oder daß es eine Maßnahme ist, daß nicht um Licht konkurriert wird.

Eine andere These vermutet, daß sich die Äste bei Wind berühren. Und daß diese Berührungen dazu führen, daß die Äste das Wachstum einstellen.

Da gibt es eine Arbeit von 2015 dazu:

Mechanical abrasion, and not competition for light, is the dominant canopy interaction in a temperate mixed forest

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378112715001486

Da wurde über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahren ein älterer Mischwald beobachtet. Der aus vier Baumarten besteht:

Fagus sylvatica, Fraxinus excelsior, Carpinus betulus, Tilia cordata - Rotbuchen, Eschen, Hainbuchen und Winterlinden.

Lediglich bei der Esche schien es einen Zusammenhang zum Licht zu geben. Bei den anderen waren mehr als 50 % der Astverkürzungen auf Abbrüche zurückzuführen. Also auf irgendeine Variante einer "mechanical interaction".

> Crown shyness was highest in the Fagus–Fraxinus neighbourhood (average minimum distance: 1.0 m), intermediate in Carpinus–Fagus pairs (0.6 m), and low in Fagus–Fagus (0.2 m) and Fagus–Tilia pairs (0 m; direct contact).

Interaktionen seien meist asymmetrisch gewesen und hingen von der Art ab.

Die meisten Photos in dem obigen Artikel scheinen dagegen Bäume von jeweils einer Art zu zeigen.

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