Old photos of Berlin recaptured to show how much it had changed over the years - Jo Furch photographiert alte Bilder von Berlin neu, um Änderungen zu zeigen

14.04.2019 23:53:15, Jürgen Auer, keine Kommentare

Eigentlich weiß man ja, daß sich Städte ändern, daß Häuser abgerissen und neue gebaut werden. Daß Bäume wachsen, manchmal sehr langsam. Und daß sich historische Einschätzungen ändern.

Faszinierend ist ein direkter Vergleich dennoch. Erst recht in Berlin, wenn Bilder mit der Mauer verglichen werden mit Bildern nach der Mauer.

Der Photograph Jo Furch hat sich diverse alte, historische Bilder als Vorlage genommen und hat versucht, von demselben Standort 10, 20 oder noch deutlich später ein neues Photo zu machen.
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I Recapture Old Photos Of Berlin To Show How Much It Has Changed Over The Years

https://www.boredpanda.com/history-berlin-then-and-now-jo-furch/

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Seit mehr als einem halben Jahr macht er das nun. Ein Gedanke:

> I started doing this to better understand how the banality of everyday life continues despite historically extreme periods of time.

Die "Banalitäten des täglichen Lebens".

Es gibt alte Häuser, die bis heute an derselben Stelle stehen. Mit gleicher oder modernisierter Fassade. Oder Bäume, welche die Zeit überdauert haben.

Der Bau der U-Bahn 1923. Nun ist das eine Grünfläche zwischen den beiden Fahrspuren für die Autos.

Ein historisches Bild - eine Rede aus der Nazizeit vor dem Alten Museum. Die Säulen und Stufen haben die Zeit überdauert.

Kriegsschäden am Hermannplatz 1945. Da kam der große Karstadt hin.

Aber auch das Forum Steglitz 1970 - 2019. Da hat man den Eindruck, daß sich nicht so viel geändert hat.

Und immer wieder: Die Mauer. Beim Bild

> Another generation of the Wall (1976/2018)

sieht man einmal mehr, wie diese "mitten durch die Stadt" ging. Heute parken dort Autos, die Häuser auf der Kreuzberger Seite sind modernisiert, das helle Hochhaus im Hintergrund gibt es immer noch.

Wobei mich bei dem Bild wundert, daß die Mauer 1976 noch "so bescheiden" war. Ich kenne die Mauer nur als deutlich massivere Einrichtung. Höher, aus jenen einheitlichen Betonteilen.

Faszinierend ist auch ein anderes Bild:

Heimstraße, Berlin Kreuzberg. Bio Markt (1977/2019)

Im Intergrund ein Hochhaus, 1977 stand das frei. Später kam ein zweites Hochhaus direkt davor dazu. Der Wand & Boden in dem Flachbau ist jetzt ein LPG-Biomarkt.

Aber auch: Das "Kaufhaus Kato (1979/2019)" - das ist ein Bereich am U-Bahnhof Schlesisches Tor. 1979 noch eher zerfallen, in einem schlechten Zustand. Inzwischen unter Erhalt der historischen Gestaltung schick modernisiert.

Besonders verblüffend: Die beiden Bäume auf diesem Bild. Nach oben hin kaum verändert, lediglich der Wurzelbereich und der Stamm sind etwas dicker geworden.

Der Gendarmenmarkt

War damage in the 80s: Gendarmenmarkt (1984/2019)

war 1984 noch eine einzige Baustelle. Mit einem interessanten Hinweis des Photographen:

> I moved to Berlin about 10 years ago and for me, old buildings were just buildings that looked like this since they were built. Researching old photographs, I realized, that large parts of Berlin stayed in a post-war state for almost 50 years.

Vor zehn Jahren sei er nach Berlin gekommen. Alte Gebäude sahen so aus, wie sie gebaut wurden. Erst durch die Photos hat er wahrgenommen, daß weite Teile von Berlin in einem beschädigten Nachkriegszustand lange Zeit überdauert hatten. Der Gendarmenmarkt sah 1984 noch schlimm aus. Der Rumpf des Gebäudes, verschmutzt, ohne Kuppel.

Ähnlich die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße, die 1985 noch wie "kurz nach dem Krieg" aussah.

Und das Verschwinden der Kinos in der City West:

Cinema turned into Zara (1985/2019)

Das Marmorhaus am Kurfürstendamm, der Name steht noch an der Fassade. Drinnen nun Zara.

Aber auch manche Ecken, die sich kaum verändert haben:

Some places don’t change, even in Berlin (1986/2018) - am Gleisdreieck.

Das Gewirr der Stahlträger unter der U-Bahn. Daneben ein Haus, dessen Fassade unverändert ist. Interessant ist auf dem Bild, daß die ganzen Werbeflächen weg sind.

Ein Photo aus Kreuzberg:

Inside the death zone (1990/2018)

Das muß 1990 unmittelbar um die Wende herum entstanden sein. Radfahrer radeln auf der Nordseite (ehemals DDR) auf dem ehemaligen Todesstreifen. Die Mauer links nach Kreuzberg mit dem Axel-Springer-Hochhaus steht noch. Aber die Grenzsicherungsanlagen sind bereits entfernt. Lediglich an den Lampen sieht man, daß da mal etwas anderes war.

Das letzte Photo zeigt auch eine Berliner Besonderheit:

Bridges and pipes (1995/2018)

Die Aufnahme von 1995, also schon nach der Wiedervereinigung, zeigt das Bodemuseum. Aber zu diesem Zeitpunkt noch ohne die Monbijoubrücke, die seit 2006 wieder die Spree in Richtung Monbijoupark überbrückt.

Die Brücke gab es ab 1904. Im Krieg wurde sie von der Wehrmacht zerstört, um den Vormarsch der Roten Armee zu stoppen. Später wurde eine temporäre Stahlbrücke gebaut, die mit dem Mauerfall wieder verschwand. Erst seit 2006 gibt es diese Brücke wieder.

Auf der Facebook-Seite

https://www.facebook.com/refilm.io

scheinen immer wieder neue Bilder dazuzukommen. Da gibt es noch einige Bilder mehr, die BoredPanda nicht auflistet.

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