Reservoir - Rainwater collecting sculpture mimic elaborate chandeliers - Skulptur von John Grade im Arte Sella sammelt Regenwasser und wirkt wie ein Kronleuchter

05.05.2019 23:59:11, Jürgen Auer, keine Kommentare

Beim Stichwort "Kronleuchter" denkt man normalerweise an alte Häuser, vielleicht an ein Schloß. Dort, im "Großen Saal", mag es einen opulenten und schweren Kronleuchter geben.

Eine Art "natürlicher Kronleuchter" hat dagegen der Künstler John Grade geschaffen. An einem für Kronleuchter sehr untypischen Ort: Im Wald.

Im Arte Sella, the contemporay mountain. In Borgo Valsugana in der italienischen Provinz Trient, also im Nordosten von Italien.

Dort hat er etwa 5000 tropfenförmige Gebilde aufgehängt, die Regenwasser sammeln. Jedes einzelne besteht aus einem feinen Holzrahmen, der in Heißdampf gebogen wurde. Und hängt an einem von zwei Netzen, die beide zwischen den Bäumen aufgespannt sind.
.

suspended among the trees, rainwater collecting sculptures mimic elaborate chandeliers

https://www.designboom.com/art/john-grade-reservoir-rainwater-sculpture-05-02-19/

.
Die Wirkung: Die Gestalt ändert sich immer wieder. Regenwasser oder Schnee sammelt sich im Netz und tropft in diese kleinen Gebilde, diese werden schwerer, verändern die Position des Netzes. Verdunstet das Wasser wieder, nähert sich die Struktur wieder ihrer ursprünglichen Gestalt an.

Die Bewegung in der Vertikalen ist wohl gebremst: Die Fäden, die das Netz halten, sind wohl mit Federn befestigt, so daß die gesamte Skulptur immer mindestens drei Meter über dem Boden bleibt.

Die Dimensionen scheinen beachtlich zu sein: Im trockenen Zustand wiegt die Skulptur 70 Pfund, bei starkem Regenfall kann das auf 800 Pfund hochgehen. Das wären also etwa 31 kg trocken und bis zu 360 kg nach einem kräftigen Regenguß.

Da die Skulptur in einem abschüssigen Pinienwald installiert wurde, können Besucher die Skulptur sowohl von unten als auch von der Seite betrachten. Die Skulptur ist wohl ständig in Bewegung.

Die Technik dahinter ist wohl doch etwas aufwendiger, wie im letzten Abschnitt zu lesen ist:

> the cluster comprises 5000 heat-formed plastic droplets wrapped around steam-bent strips of alaskan yellow cedar attached with fishing line to a pair of marine nets. the nets have been designed to generate a fluted tapering from above and a larger cupping below. the nets are supported by central stainless steel rings, measuring two feet in diameter, which serve to maintain a tension between the low centers of the nets and supportive tree trunks above. sheathed springs on ten tree trunks allow the lower net to incrementally descend twelve feet as the water weight accumulates in the droplets then gradually rise as the water evaporates.

5000 heißgeformte Plastiktröpfchen mit Rändern von Streifen gelber Zeder. Befestigt mit Angelschnüren an einem der beiden Meeresnetze. Am unteren Ende gibt es Edelstahlringe, die einen Durchmesser von 2 Fuß haben (etwa 60 Zentimeter). An zehn Baumstämmen sind ummantelte Federn angebracht, die ein Absinken von etwa 3,6 Metern ermöglicht.

Das sieht also auf den ersten Blick sehr luftig und leicht aus. Tatsächlich steckt einiges an Technik und sehr viel Zeit für die Herstellung dieser 5000 Elemente dahinter.

Auf der Website vom Arte Sella

http://www.artesella.it/en/news/2017/arte-sella-faq.html

gibt es zwar ein paar große Bilder. Leider aber keine weiteren Informationen.

Ergiebiger ist die Website des Künstlers:

RESERVOIR (Ascesa)

http://www.johngrade.com/#/projectwithdescription/RESERVOIR%20(Ascesa)/true

und vor allem die Unterseite

Process

http://www.johngrade.com/#/process/RESERVOIR%20(Ascesa)%20%20PROCESS

die Bilder vom Aufbau zeigt.

Ferner gibt es unter

RESERVOIR (Ascesa)

https://vimeo.com/281515551

ein kleines Video, das einige der 5000 Elemente zeigt.

*
* (wird nicht angezeigt)
Die Erläuterungen zum Datenschutz habe ich gelesen und stimme diesen zu.