Bundesfinanzhof: Nichtselbständiger Fussballtrainer kann Sky Bundesliga Abo als Werbungskosten geltend machen - VI R 24/16

08.05.2019 23:54:24, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Kosten für ein Fernseh-Bundesliga-Abonnement würde man auf den ersten Blick davon ausgehen, daß solche Ausgaben prinzipiell privater Natur seien.

Folglich könnten die Kosten nicht steuerlich geltend gemacht werden: Bei Selbständigen als Betriebsausgaben, bei Angestellten als Werbungskosten.

Was aber ist, wenn der Steuerpflichtige hauptberuflich Torwarttrainer im Bereich des Lizenzfussballs ist? Ein solcher Torwarttrainer hatte bei Sky ein Abo gebucht, das drei Pakete "Fußball Bundesliga", "Sport" und "Sky Welt" umfasste. Den Aufwand für das Paket "Fußball Bundesliga" machte er als Werbungskosten geltend. Er begründete das damit, daß er sich die Bundesligaspiele nur im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit ansehen würde.

Finanzamt und Finanzgericht lehnten das ab. Mit der Begründung, daß ein Sky-Bundesliga-Abonnement immer privat sei und daß das Angebot nicht auf die speziellen Belange professioneller Nutzer zugeschnitten sei. Das sei ein Unterschied zu Fachzeitschriften.

Anders entschied der Bundesfinanzhof:
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Sky-Bundesliga-Abo als Werbungskosten - Urteil vom 16.1.2019, VI R 24/16

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2019&nr=40402&pos=1&anz=28

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Dieser entschied zunächst grundsätzlich:

Das, was etwas kostet, muß ausschließlich oder überwiegend beruflich genutzt werden. Die geringfügige private Nutzung ist zulässig. Ob das im Einzelfall gilt, muss im Einzelfall entschieden werden.

Und dann die eigentliche Feststellung:

> Bei einem (Torwart)Trainer eines Lizenzfußballvereins hielt der BFH eine weitaus überwiegende berufliche Nutzung des Pakets „Bundesliga“ jedenfalls nicht für ausgeschlossen.

Da das Finanzgericht das anders gesehen und dazu keine Feststellungen getroffen habe, müsse es das nachholen.

Das Urteil:

BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.1.2019, VI R 24/16
ECLI:DE:BFH:2019:U.160119.VIR24.16.0

Sky-Bundesliga-Abo als Werbungskosten

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2019&anz=28&pos=1&nr=40428&linked=urt

Der Leitsatz:

> Die Aufwendungen eines Fußballtrainers für ein Sky-Bundesliga-Abo können Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit sein, wenn tatsächlich eine berufliche Verwendung vorliegt.

Demnach betrugen die Gesamtkosten für alle drei Pakete 46,90 Euro pro Monat, also 562,80. Davon entfielen 26,90 Euro / Monat auf das Fußball-Bundesliga-Paket, also ging es um eine jährliche Summe von 322,80 Euro.

Das Finanzgericht hatte das Abo mit dem Bezug von allgemeinen Tageszeitungen verglichen, deren Bezug - im Gegensatz zu Fachzeitschriften - nicht abziehbar sei. Das hat der BFH allerdings zurückgewiesen. Denn das Abo beschäftigt sich nicht allgemein mit Sport, sondern nur speziell mit Bundesligafußball. Und ein Satz, der wohl in analogen Fällen relevant werden dürfte:

> Allein aus dem allgemeinen Charakter des Abonnements kann daher nicht auf seinen konkreten Verwendungszweck im Streitfall geschlossen werden.

Es gibt zwar nicht - analog zu Fachzeitschriften - spezielle Angebote nur für Trainer. Aber das heißt nicht, daß im konkreten Fall das Abo nicht beruflichen Zwecken dient.

Da die Möglichkeiten für solche "speziellen Angebote", die nur relativ enge Themen umfassen, im Rahmen der Digitalisierung und der Ausdifferenzierung von Angeboten zunehmen dürften, lassen sich solche "speziellen Angebote" auch eher ausschließlich oder überwiegend beruflich nutzen. Die Kosten dafür können folglich analog als Werbungskosten geltend gemacht werden.

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