Life Expectancy and Mortality Rates in the United States - sinkende Lebenserwartung in den USA von 2014 - 2017 aufgrund von Drogen-/Alkoholmissbrauch und Suizid der 25-64-Jährigen

30.11.2019 23:18:28, Jürgen Auer, keine Kommentare

Über einen Artikel in der FAZ stieß ich auf ein Thema, von dem ich zwar schon gehört hatte. Aber US-Forscher hatten nun nochmals genauer hingesehen.

Und Zahlen gefunden, die alarmierend sind.

Anderswo, in Afrika, Mittel- und Südamerika oder Asien, fehlen Leuten oft notwendige Dinge. Reines Wasser ist bereits ein Luxus - siehe den Beitrag vor ein paar Tagen über eine Wasseraufbereitungsanlage in Kenia.

In Industrieländern sind solche Infrastrukturen eigentlich selbstverständlich. Eine Wirkung: In Industrienationen liegt die durchschnittliche Lebenserwartung sehr hoch. Und sie stieg in den letzten Jahrzehnten an.

Das gilt "fast überall". Die Ausnahme sind die USA. Die waren wohl schon seit längerer Zeit das "Schlußlicht" beim Wachstum. Aber seit 2014 stieg die Lebenserwartung nicht mehr langsam an, sondern ging zurück. Drei Jahre in Folge.

Forscher hatten sich Daten zwischen 1959 und 2016 zur Lebenserwartung und zu ursachenspezifischen Sterblichkeitsraten für den Zeitraum 1999 - 2017 aus zwei Datenquellen gezogen - aus der US Mortality Database und der CDC WONDER. Die Analysen konzentrierten sich auf Todesfälle in der Lebensmitte (25 - 64 Jahre), die hinreichend fein gegliedert waren: Nach Geschlecht, Rasse / ethnischer Zugehörigkeit, sozioökonomischem Status und geografischer Lage (einschließlich der 50 Bundesstaaten).
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Life Expectancy and Mortality Rates in the United States, 1959-2017

https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2756187

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Das Ergebnis: Einerseits stieg die Lebenserwartung in den USA von 1959 bis 2016 von 69,9 Jahren auf 78,9 Jahre. Andererseits gab es in den drei Jahren ab 2014 einen Rückgang.

Grund für den Rückgang: Ab den 90-er Jahren stieg die Sterblichkeit im Bereich der 25 - 64-Jährigen an. Das führte zunächst zu einem langsameren Anstieg der Lebenserwartung, schließlich war der Effekt so stark, daß die durchschnittliche Lebenserwartung sank.

Die genauen Daten:

> During 2010-2017, midlife all-cause mortality rates increased from 328.5 deaths/100 000 to 348.2 deaths/100 000.

Pro 100.000 Einwohnern gab es also - wohl pro Jahr - 20 zusätzliche Todesfälle.

Die Gründe:

> By 2014, midlife mortality was increasing across all racial groups, caused by drug overdoses, alcohol abuse, suicides, and a diverse list of organ system diseases.

Drogenmißbrauch bzw. Überdosierung, Alkoholmißbrauch und Selbstmord sind die drei Haupttodesursachen. Und eine vielfältige Liste von organischen Erkrankungen. Bei denen es sich laut dem FAZ-Artikel hauptsächlich um Krankheiten handelt, die mit einer ungesunden Lebensweise zusammenhängen: Übergewicht, unbehandelter hoher Blutdruck und Nierenversagen.

> The increase in midlife mortality during 2010-2017 was associated with an estimated 33.307 excess US deaths

Der Anstieg der Sterblichkeit im Bereich der 25 - 64-Jährigen zwischen 2010 und 2017 führte zu einer geschätzten Zahl von 33.307 "Exzess-Toten". 32,8 % dieser gab es in den vier Bundesstaaten der Ohio Valley states (West Virginia, Ohio, Indiana, Kentucky). Die stärksten Anstiege gab es in den New England - Bundesstaaten und den Ohio Valley States:

> New England (New Hampshire, 23.3%; Maine, 20.7%; Vermont, 19.9%) and the Ohio Valley (West Virginia, 23.0%; Ohio, 21.6%; Indiana, 14.8%; Kentucky, 14.7%)

Laut dem Wikipedia-Artikel zu West-Virginia ( https://de.wikipedia.org/wiki/West_Virginia ) waren dort 38,1 % der Bevölkerung 2017 übergewichtig, das ist der höchste Anteil unter allen Bundesstaaten.

Die Relevanz der Untersuchung:

> The implications for public health and the economy are substantial, making it vital to understand the underlying causes.

Die Implikationen für die öffentliche Gesundheit und die Wirtschaft sind erheblich. Es ist wichtig, die zugrundeliegenden Ursachen zu verstehen.

Der FAZ-Artikel:

Sinkende Lebenserwartung : Amerika ist gebeutelt vom „Verzweiflungstod“

https://www.faz.net/aktuell/wissen/usa-krisenursachen-fuer-sinkende-lebenserwartung-16504092.html

Die Vorschaugrafik ist in dem oben verlinkten Artikel nicht sichtbar. Sie ist dort aber als og:image definiert. Sie scheint die Entwicklung der Lebenserwartung in den US-Bundesstaaten zu zeigen. Hawaii (HI) liegt mit über 80 Jahren an der Spitze, Mississippi (MS) am Ende. Die schwarze Kurve zeigt den US-Durchschnitt. Die südlichen Bundesstaaten (grün dargestellt) liegen größtenteils unter dem US-Durchschnitt.

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