New South Wales (Australia) starts world first mobile phone detection cameras - Handynutzung am Steuer durch Infrarotaufnahmen erkennen - in der Testphase bereits 100000 erwischte Autofahrer

01.12.2019 22:46:35, Jürgen Auer, keine Kommentare

New South Wales, der australische Bundesstaat an der Südostküste von Australien, in dem auch Sydney liegt, macht nun Ernst. Seit heute sind erste Kameras aktiv, die Autofahrer automatisch erfassen und darauf scannen, ob sich diese während der Fahrt mit Smartphones beschäftigen.

Die Kameras sollen die erste Sitzreihe in Autos auswerten. Anschließend untersucht Software per künstlicher Intelligenz, ob womöglich eine - in Australien ebenfalls verbotene - Smartphonenutzung des Fahrers vorliegt. Falls ja, werden die Daten jemandem zur Überprüfung vorgelegt. Bestätigt sich die Einschätzung der Software, dann gibt es in den ersten drei Monaten (also bis Ende Februar) "nur" eine Verwarnung. Ab dann kostet das: Strafpunkte und Geld.

Ein Artikel in einer australischen Zeitung vom 30.10.2019:
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Mobile phone detection cameras to start targeting drivers by year's end

https://www.9news.com.au/national/mobile-phone-detection-cameras-to-start-targeting-drivers-by-years-end/7bb75013-6b08-4394-8147-36b13a01eee7

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Dort ist noch von einem Start Ende des Jahres die Rede.

Die Seite der zuständigen Behörde:

Mobile phone detection cameras: Cameras targeting illegal phone use across NSW

https://roadsafety.transport.nsw.gov.au/stayingsafe/mobilephones/technology.html

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> Mobile phone detection cameras will start targeting illegal phone use across NSW on 1 December and will include fixed and transportable trailer-mounted cameras. Together, these cameras will target illegal mobile phone use anywhere, anytime.

Das System funktioniert sowohl bei Tag als auch bei Nacht, ferner bei jedem Wetter.

Die Konsequenzen:

> Warning letters will be issued for the first three months. Following this period, the penalty for offending drivers is five demerit points and a $344 fine ($457 in a school zone). The penalty increases to 10 demerit points during double-demerit periods.

Erst gibt es schriftliche Warnungen. Dann gibt es fünf Punkte und 344 Dollar. Wird jemand in einer Schulzone damit erwischt, sind das 457 Dollar. Bei einer Wiederholung gibt es 10 Punkte.

Während der Testphase wurden bereits mehr als 100.000 Fahrer beim illegalen Smartphone-Nutzen ertappt. Das wären mal flott 34 Millionen Dollar Einnahmen, das System dürfte sich schnell rechnen.

Ziel: Die Zahl der schweren Verletzungen bis 2021 um 30 % abzusenken (im Vergleich zum Niveau 2008-2010).

Schätzungen eines Forschungszentrums (Monash University Accident Research Centre) gehen davon aus, daß etwa 100 tödliche und schwere Verletzungen innerhalb von fünf Jahren vermieden werden können. Laut einem Guardian-Artikel gab es im letzten Jahr insgesamt 354 Todesopfer in NSW, in diesem Jahr bislang 329.

Das Programm soll über drei Jahre ausgebaut werden, so daß am Ende (2022/2023) 45 Kameras aktiv sind, die etwa 135 Millionen Autos pro Jahr checken. Bilder, auf denen die Software nichts Verdächtiges entdeckt, sollen innerhalb einer Stunde endgültig gelöscht werden. Diese werden "unbetrachtet durch Menschen" gelöscht. Technisch werden Infrarot-Aufnahmen genutzt.

> In NSW from 2012 to 2018 (provisional) , there were 158 casualty crashes involving a driver or rider using a handheld mobile phone, resulting in 12 deaths and 212 injuries.

Es gab zwischen 2012 und 2018 158 Unfälle, bei denen ein Fahrer mit Smartphone-Nutzung involviert war. Damit 12 Tote und 212 Verletzte. New South Wales hat etwa 7,5 Millionen Einwohner.

Schätzungen (aus dem ersten Link) gehen davon aus, daß über 1 Million Fahrer pro Jahr erwischt werden. Was auch bedeutet: Mehr als 300 Millionen Einnahmen.

Assistant NSW Police Commissioner Michael Corboy:

"What we need is a system to change the culture"

Dem kann man nur zustimmen. Wenn man hier in Berlin sieht, wieviele Autofahrer am Steuer ein Smartphone nutzen und damit sich und andere gefährden: Australien sollte das System weltweit exportieren.

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