World Heritage BVG - Berliner Verkehrsbetriebe will Weltkulturerbe werden - als Idee absurd, als Werbekampagne cool

10.12.2019 23:40:15, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man kann ja rätseln: Ist das absurd oder ist das genial? Die BVG, die Berliner Verkehrsbetriebe, haben eine Aktion gestartet.

Die BVG will Weltkulturerbe werden. Also rauf auf jene Liste, auf der in Berlin die Museumsinsel, die Schlösser in Parks in Berlin und Potsdam und die Siedlungen der Berliner Moderne bereits drauf sind.

Allerdings sieht man bereits an diesen aufgenommenen Objekten: Unternehmen gehören eher nicht auf diese Liste.
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Die Website: Nächster Halt: Weltkulturerbe

https://www.bvg-weltkulturerbe.de/

Das - schräge und gute - Video:

BVG – Nächster Halt: Weltkulturerbe

https://www.youtube.com/watch?v=1Pipy_7nyr0

> Du denkst, wir sind komplett bescheuert? Ja, vielleicht. Aber Weltkulturerbe wollen wir trotzdem werden! Denn schließlich gibt es genug Gründe, die für uns sprechen.

Berlin ändert sich ständig. Aber es gibt eine unterschütterliche Konstante: Die BVG. Hält die Mundart am Leben (ein Döner-futternder Fahrgast wird angeraunzt), prägt das Stadtbild und hat ein zeitloses Design. Alle gesprochenen Kommentare sind staatstragend ernst, die dazu gezeigten Szenen sind eher von der Rubrik "Was Berliner mit der BVG durchmachen". "Wir bewegen die Berliner" - der rennt vergeblich zum Bus, der ihm vor der Nase wegfährt.

Man kann dann auch abstimmen: Entweder mit "Ja" oder mit "Ja!".

Das zweite Kriterium der UNESCO (es gibt ein paar, mindestens eines muß man erfüllen):

> die Stätte muss (ii) für einen Zeitraum oder in einem Kulturgebiet der Erde einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf Entwicklung der Architektur oder Technik, der Großplastik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung aufzeigen;

Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf die Entwicklung der ... Technik.

> Mobilität ist ein wesentlicher Wert der Menschen. Mobilität ist ein persönliches, soziales und wirtschaftliches Grundbedürfnis. Die BVG bietet diese Mobilität im Kulturraum Berlin 24 Stunden am Tag an.

Damit könnte sich natürlich jedes öffentliche Verkehrsnetz bewerben.

Auf das vierte UNESCO-Kriterium wird ebenfalls Bezug genommen:

> die Stätte muss (iv) ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften darstellen, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen;

Da wird auf die Leuchtturmfunktion während der deutsch-deutschen Geschichte verwiesen. Und die Geisterbahnhöfe, die es während der Mauerzeit gab. Das ist einerseits etwas, das es wohl tatsächlich nur hier in Berlin gegeben haben dürfte. Andererseits sind diese Geisterbahnhöfe eben längst Geschichte. Sie sind heute nicht mehr als solche zu erkennen.

Auf die berechtigte Frage

> Wäre die Métro Paris oder die London Underground nicht viel geeigneter?

gibt es nur ein simples "Nö."

Sieht man sich die Liste bei der UNESCO an:

World Heritage List

https://whc.unesco.org/en/list/

dann scheint mir ein Unternehmen, das eben seiner Kerndienstleistung "Öffentlicher Nahverkehr" betreibt, da nicht draufzugehören.

Die offiziellen Regularien:

https://de.wikipedia.org/wiki/UNESCO-Welterbe

> Für jedes Jahr darf jeder Vertragsstaat zwei Vorschläge zur Aufnahme in das UNESCO-Welterbe einreichen. Diese Vorschläge müssen jedoch bereits zwei Jahre auf der Vorschlagsliste (Tentativliste) enthalten gewesen sein, die jedes Land bei der UNESCO hinterlegt und regelmäßig aktualisiert.

Ein Vorschlag für Deutschland müßte es also erst einmal auf die deutsche Liste schaffen, da müßte er zwei Jahre drauf bleiben. Dann könnte der Vorschlag eine Ebene höher wandern.

Als Werbekampagne ist die Geschichte natürlich eher von der Rubrik "ziemlich gut gemacht".

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