Das Silicon-Valley-Paradox - ein Viertel der Bevölkerung ist vom Hunger bedroht - hohe Mieten und Lebenshaltungskosten als Hauptursache

14.12.2017 23:45:01, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das hiesige Berlin schaut ja neidisch in die USA: Das Silicon Valley. Soviele Tech-Unternehmen und Gründer, soviele Geldgeber. Eine neue Studie wirft allerdings ein ziemlich skeptisches Licht auf die dortige Situation.

Denn: 26,8 Prozent der Bewohner haben Probleme, sich ordentlich zu ernähren. Weil die dortigen Mieten und Lebenshaltungskosten so dermaßen hoch sind, bleibt kaum mehr etwas fürs tagtägliche Essen übrig.
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Outside in America: The Silicon Valley paradox: one in four people are at risk of hunger

https://www.theguardian.com/us-news/2017/dec/12/the-silicon-valley-paradox-one-in-four-people-are-at-risk-of-hunger

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Berichtet wird von einer alleinstehenden Mutter mit zwei Töchtern, die bei Facebook in der Cafeteria arbeitet. Also umgeben von Essen. Das Essen ist für die Tech-Mitarbeiter kostenlos. Nicht aber für diejenigen, die deren Essen zubereiten.

Teils steht ihr nur die Hälfte des Geldes zur Verfügung, das von offizieller Seite als Minimum betrachtet wird.

Besonders merkwürdig: Das Silicon Valley kennt eine sehr exquisite Esskultur. Da gehen schon mal 500 Dollar für ein Menü drauf. Oder ein Brot kostet 29 Dollar.

Die Second Harvest food bank (etwa den deutschen Tafeln vergleichbar) hatte Interviews mit diversen Personen geführt. Die 26,8 Prozent sind etwa 720.000 Personen.

Diese lassen Mahlzeiten aus, greifen auf staatliche Essensmarken zurück, leihen sich Geld, um Essen zu kaufen oder schieben die Bezahlung von Rechnungen auf.

Das Paradox:

> “As the economy gets better we seem to be serving more people.”

So Steve Brennan, der Marketingdirektor der Second Harvest food bank.

Aufgrund der hohen Wohnkosten gilt schon eine vierköpfige Familie als arm, wenn sie 84.750 Dollar oder weniger verdient.

Eine Wirkung: Eine hohe Zahl von Wohnungslosen. In San Jose, der größten Stadt, gibt es etwa 4000 Obdachlose. Wobei laut Wikipedia die Stadt 2015 etwa 1,03 Millionen Einwohner hatte. Da wirken 4000 Obdachlose eher wenig.

Von dem Einkommen der Cafeteria-Mitarbeiterin geht 3/4 für die Miete drauf. Die Tech-Mitarbeiter werden umsorgt:

> “The first thing they do [for Facebook employees] is buy you an iPhone and an Apple computer, and all these other benefits,” she laughs. “It’s like, wow.”

Second Harvest gibt pro Monat Essen und Mahlzeiten an 257.000 Personen aus.

> “Often we think of somebody visibly hungry, the traditional homeless person,” Brennan said. “But this study is putting light on the non-traditional homeless: people living in their car or a garage, working people who have to choose between rent and food, people without access to a kitchen.”

Bei Hunger würde man oft an Wohnungslose denken. Aber diese Studie wirft ein Licht auf die nicht-traditionellen Wohnungslosen: Leute, die in ihrem Auto oder in einer Garage leben, Berufstätige, die die Wahl zwischen Miete und Essen haben, Leute ohne Zugang zu einer Küche.

Ein Student berichtet, daß fehlendes Essen ein tägliches Problem sei. Nicht nur für Studenten, sondern auch für Teilzeit-Professoren.

Irgendwie absurd. So betrachtet darf das Silicon Valley eigentlich kein Vorbild für Berlin sein. Allerdings sind hier die Mieten in den letzten Jahren so deutlich gestiegen, daß auch hier eigentlich schon zu viele Leute mehr als die kritischen 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete aufwenden müssen. Der frühere Standortvorteil "niedrige Mieten" ist in der Großstadt längst Geschichte.

Der Originalbericht findet sich in der Rubrik Newsroom ( http://www.shfb.org/newsroom ):

Hunger in Silicon Valley More Widespread and Diverse Than Previously Thought (PDF, 3 Seiten):

http://www.shfb.org/docs/news/release/20171212_FundingGap.pdf

vom 12.12.2017.

Die Konjunktur brummt - und über 310000 Unternehmen in Deutschland haben finanzielle Probleme - knapp 9 Prozent aller Unternehmen - CrifBürgel-Analyse

13.12.2017 23:55:13, Jürgen Auer, keine Kommentare

In Deutschland brummt die Wirtschaft. In manchen Bereichen gibt es kaum mehr Kapazitäten und damit lange Wartefristen für Auftraggeber. Aber trotz dieser rosigen Situation gilt das längst nicht für alle Unternehmen.

Von 3.514.796 Unternehmen weisen 311.723, damit 8,9 Prozent, eine schwache Bonität und ein hohes Zahlungsausfallrisiko auf. So eine aktuelle Analyse von CrifBürgel.
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Über 310.000 der Unternehmen in Deutschland haben finanzielle Probleme - Trendwende bei den Firmeninsolvenzen prognostiziert

https://www.crifbuergel.de/de/aktuelles/pressemitteilungen/ueber-310000-der-unternehmen-in-deutschland-haben-finanzielle-probleme

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Wesentlich dabei: Im Unterschied zum Sprachgebrauch bei Privatpersonen gelten diese Unternehmen als überschuldet und haben damit ein erhöhtes Insolvenzrisiko.

Besonders heikel: Die Zahl der finanzschwachen Unternehmen hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent erhöht.

Die Gegenentwicklung: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinkt erneut ab und dürfte am Jahresende bei etwa 20.500 Insolvenzen liegen. Das ist das achte Mal in Folge, der niedrigste Stand seit 1999.

Die CRIFBÜRGEL Geschäftsführerin Ingrid Riehl:

> „Der Anstieg der Zahlen bei den finanzschwachen Unternehmen zeigt jedoch, dass wir uns auf eine Trendwende bei den Firmeninsolvenzen einstellen müssen“

Die Zahlen:

> In absoluten Zahlen stehen Nordrhein-Westfalen (72.045), Bayern (39.745) und Baden-Württemberg (32.980) an der Spitze der Statistik der Bundesländer mit den meisten finanzschwachen Unternehmen.

Ein besserer Vergleichsmaßstab ist aber die Quote der kritischen Unternehmen: Da liegt der Schnitt bei 8,9 Prozent. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit 12,6 Prozent, gefolgt von Sachsen (12,2 Prozent) und Berlin (10,6 Prozent). Allerdings kommen auch noch Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Bremen über den Bundesdurchschnitt. Bremen ist mit 9,2 Prozent relativ nahe dran. Obwohl Bremen bei anderen Vergleichen oft zusammen mit Berlin sehr schlecht abschneidet.

Die Tendenz: In 15 von 16 Bundesländern nahm die Zahl der schwachen Unternehmen zu. Nur in Mecklenburg-Vorpommern verbesserte sich die Quote. Die stärksten Zunahmen gab es mit 12,8 Prozent in Baden-Württemberg und mit 12,6 Prozent in Bayern. Das sind nicht die einzigsten Länder mit zweistelliger Zunahme. Das gilt ebenfalls für Rheinland-Pfalz (12,1 Prozent), Bremen und das Saarland (11 Prozent), Schleswig-Holstein (10,3 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (10,1 Prozent).

Ein Blick auf die dreißig größten Städte listet als erstes Duisburg mit 12,2 Prozent. München (5,4 Prozent), Münster und Stuttgart (5,7 Prozent) sind die Städte mit den besten Quoten.

Bei den Rechtsformen liegt die UG mit 13,5 Prozent vorne. Gewerbebetriebe (9,5 Prozent) und GbR (9,2 Prozent) liegen über dem Schnitt.

Laut einem Tagesspiegel-Artikel

Insolvenzen: Berlin hat die meisten Pleiten

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/insolvenzen-berlin-hat-die-meisten-pleiten/20703098.html

ist die Insolvenzanmeldungsquote in Berlin allerdings besonders hoch. Von 10.000 Unternehmen hatten 93 Insolvenz angemeldet. In Baden-Württemberg betraf das nur 38 Unternehmen von 10.000.

Ein großes Problem: In Deutschland seien 2/3 der Vermögenswerte von Unternehmen durch Fremdkapital finanziert. Und 15 Prozent aller Unternehmen seien nicht in der Lage, die Zinsen aus dem Tagesgeschäft zu erwirtschaften. Sollten die Zinsen steigen, könnte das für diese Unternehmen rasch eng werden.

Ich denke da zusätzlich an jene "Zombies", von denen bei der OECD immer wieder die Rede ist. Etwa hier:

Breaking the Shackles: Zombie Firms, Weak Banks and Depressed Restructuring in Europe

http://www.oecd.org/officialdocuments/publicdisplaydocumentpdf/?cote=ECO/WKP(2017)65&docLanguage=En

Das sind Unternehmen, die eigentlich schon tot sein müßten. Die aber - eventuell nun auch wegen der niedrigen Zinsen - noch am Leben sind. Bei denen viel Kapital und Mitarbeiter gebunden sind. Anstatt daß die Unternehmen dichtgemacht und Kapital und Mitarbeiter in anderen Unternehmen eingesetzt werden könnten.

Wenn ich etwa an das Problem der Digitalisierung denke: Da hinken reihenweise Unternehmen hinterher. Jene dagegen, die sich schnell genug mit solchen Themen auseinandergesetzt haben: Die profitieren davon und haben nun ganz andere Möglichkeiten.

Die kleine kühne Holzeisenbahn - ein verspielter Kurzfilm mit Thomas the Tank Engine - von 5MadMovieMakers

12.12.2017 23:55:55, Jürgen Auer, keine Kommentare

Bei Holzeisenbahnen mag der eine oder andere an seine Kindheit denken. Als die Holzeisenbahn auch auf dem Boden oder Teppich unterwegs war. Unterwegs zu großartigen Unternehmungen. Dabei ging es doch meist nur im Kreis herum.

Aber das ist auch ganz anders möglich. Das zeigt der folgende Kurzfilm.
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Thomas Train Stunts

https://www.youtube.com/watch?v=me5ifeBFaFo

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> Thomas the Tank Engine goes pro skater and pulls off some sick jumps with his train friends. Filmed with an iPhone SE at 120 frames per second.

Da bewältigt die kleine Holzeisenbahn Thomas the Tank Engine diverse Schwierigkeiten, durchbricht eine Mauer, springt über Autos hinweg. Oder sie kippt um - und fährt gleich weiter.

Die kleine, auseinanderstehende Brücke ist ja noch leicht zu bewältigen. Aber dann überschlägt sich die Eisenbahn einmal - und fährt weiter. Der nächste Überschlag wird kombiniert mit einer Drehung um die eigene Achse. Und wenn die Brücke grade hochgeklappt ist: Dann wird sie eben angestoßen, so daß der Weg frei ist.

Schließlich wird eine zweite Holzeisenbahn angestoßen. Und es ergibt sich eine Art Wettrennen. Die zweite Eisenbahn darf dann schon ausruhen, Thomas dreht noch eine Extrarunde.

Beim Ansehen hatte ich mich gefragt, wie das eigentlich gedreht wurde. Als ob ein kleiner Motor in der Holzeisenbahn drinstecken würde, der sich allerdings fernsteuern läßt und der für eine gleichmäßige Fahrt sorgt.

Ohne daß es an den Haltestellen zu einem Durchdrehen der Räder kommt.

Das ist ein Kurzfilm von 5MadMovieMakers.

Auf dem YouTube-Kanal

5MadMovieMakers

https://www.youtube.com/5madmoviemakers

finden sich diverse dieser Filme.

Ähnlich auf der Website:

http://www.5madmoviemakers.com/videos

Alleine das obige Video hat seit dem 04.12.2017 über 6 Millionen Aufrufe.

Landgericht Berlin ruft Bundesverfassungsgericht an - dieses möge über die Mietpreisbremse entscheiden - nach Hinweisbeschluss im September nun Weiterleitung - 67 S 218/17

11.12.2017 23:50:38, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ist die sogenannte Mietpreisbremse mit der Verfassung vereinbar? Oder verstößt dieses Bundesgesetz, das in Landesrecht umgesetzt werden muß, um Gültigkeit zu bekommen, gegen die verfassungsmäßigen Rechte der Vermieter?

Das Landgericht Berlin (Zivilkammer 67) hatte bereits im September in einem ausführlichen Hinweisbeschluß die Meinung vertreten, daß die Mietpreisbremse verfassungswidrig sei. Damals wurden jedoch weitere Dinge während der Verhandlung festgestellt. So daß der damalige Rechtsstreit abgeschlossen wurde und nicht zum Bundesverfassungsgericht weiterging.

Nun hatten Mieter geklagt. Sie wollten die höchstzulässige Miete gerichtlich feststellen lassen. Das Amtsgericht hatte der Klage teilweise stattgegeben. Beim Landgericht war dieselbe Zivilkammer 67 für die von der Vermieterin angestrengte Berufung zuständig. Nun geht das vors Bundesverfassungsgericht.
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Die Pressemitteilung: Landgericht Berlin: Bundesverfassungsgericht soll über Mietpreisbremse entscheiden (PM 75/2017)

https://www.berlin.de/gerichte/presse/pressemitteilungen-der-ordentlichen-gerichtsbarkeit/2017/pressemitteilung.656821.php

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Zur Begründung wiederholte das Gericht die bereits in dem damaligen Beschluß vertretenen Positionen. Es hält die Regelung für verfassungswidrig. Über diese Verfassungswidrigkeit könne aber alleine das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Zum einen läge eine ungleiche Behandlung von Vermietern vor. Wesentlich Gleiches sei gleich zu behandeln. Die Bezugsgröße der zulässigen Neuvermietung auf maximal 110 % der örtlichen Vergleichsmiete würde zu einer stark ungleichen Behandlung führen.

> Damit habe der Gesetzgeber eine Bezugsgröße gewählt, die Vermieter in unterschiedlichen Städten wesentlich ungleich treffe. Weder der Gesetzeszweck noch die mit der gesetzlichen Regelung verbundenen Vorteile noch sonstige Sachgründe rechtfertigten dies.

Ferner seien die Vermieter bevorzugt, die in der Vergangenheit bereits überdurchschnittlich hohe Mieten gefordert hätten.

> Denn diese Vermieter dürften bei einer Neuvermietung die „alte“ Miete weiterhin unbeanstandet verlangen. Ein Bestandsschutz für diese „alte“ Miete könne jedoch bei einer Neuvermietung nicht angenommen werden.

Siehe zu dem damaligen Beschluß auch den hiesigen Beitrag

Landgericht Berlin: Vorschrift über Mietpreisbremse sei verfassungswidrig - da Fall entschieden, keine Weiterverweisung ans Bundesverfassungsgericht - Hinweisbeschluss 67 S 149/17

https://blog.server-daten.de/de/2017-09-20/Landgericht-Berlin--Vorschrift-ueber-Mietpreisbremse-sei-verfassungswidrig---da-Fall-entschieden--keine-Weiterverweisung-ans-Bundesverfassungsgericht---Hinweisbeschluss-67-S-149-17-24

Zusätzlich führte das Gericht aus, daß die Vorschrift der Mietpreisbremse auch gegen das Bestimmtheitsgebot verstoße. Denn es käme nicht nur auf die angespannte Situation am Wohnungsmarkt an. Sondern zusätzlich sei der politische Wille der zuständigen Landesregierung notwendig,

> ob von der im Gesetz enthaltenen Ermächtigung zum Erlass einer Verordnung zur Umsetzung der Mietpreisbremse Gebrauch gemacht werde.

Das Bundesgesetz verpflichte die Landesregierungen nicht zur Umsetzung.

> Deshalb seien Vermieter in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Saarland bislang nicht von der Mietpreisbremse betroffen, da die Landesregierungen dort trotz zumindest nicht auszuschließender Anspannung einzelner kommunaler Wohnungsmärkte weiterhin davon absähen, die bundesgesetzlichen Vorschriften zur Mietpreisbremse durch eine Landesverordnung zu vollziehen.

Noch deutlicher würde das für Vermieter in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gelten. Dort gäbe es neue Koalitionen, die laut Koalitionsvertrag bereits erlassene Verordnungen wieder aufheben wollen. Im Gegensatz dazu wären Vermieter durch die Mietpreisbremse bsp. in Berlin an einer höheren Miete gehindert, da hier die Landesregierung für die Großstadt eine entsprechende Landesverordnung erlassen habe.

Die Konsequenz:

> Durch dieses uneinheitlich bindende Regelungssystem verstoße der Bundesgesetzgeber in verfassungswidriger Weise gleichzeitig gegen das am Gesamtstaat zu messende Gleichheitsgebot und das Bestimmtheitsgebot.

Diese unterschiedliche Handhabung durch die Länder finde ich eher befremdlich. Von einem Bundesgesetz würde ich eigentlich erwarten, daß es bsp. in allen Gebieten mit einem "angespannten kommunalen Wohnungsmarkt" einheitlich gilt. So ist die Position der entsprechenden Landesregierung entscheidend.

Die schriftliche Begründung liegt noch nicht vor. Mal sehen, wann sich das Bundesverfassung mit dem Thema beschäftigt.

Laut Tagesspiegel

Mietpreisbremse: Berliner Landgericht schaltet Bundesverfassungsgericht ein

http://www.tagesspiegel.de/berlin/mietpreisbremse-berliner-landgericht-schaltet-bundesverfassungsgericht-ein/20695350.html

gibt es allerdings auch in Berlin eine "dramatische Entwicklung". So der Chef des Berliner Mietervereins, Reiner Wild im September. Demnach würden drei von vier Vermietern bei einer Mieterhöhung mehr Geld als zulässig fordern.

Munter als Neunzigjährige - wie leben Personen im zehnten Lebensjahrzehnt ohne akute medizinische Versorgung zu Hause - eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

10.12.2017 23:35:29, Jürgen Auer, keine Kommentare

Viele Leute gehen mit etwa 65 Jahren oder früher in Rente. Und dann? Manche verlieren völlig die Orientierung, bauen schnell ab und sterben nach fünf bis zehn Jahren. Andere werden zwar älter, aber sind gebrechlich oder erkranken. So daß sie in betreuten Einrichtungen wohnen und umfangreiche Pflege benötigen.

Aber inzwischen gibt es noch eine weitere Gruppe: Personen, die zwischen 90 und 100 Jahre alt sind. Sie leben zu Hause, in ihren eigenen vier Wänden. Und sie werden meist nicht akut medizinisch betreut.

Die beiden Lehrstühle für Gesundheitspsychologie und für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben gemeinsam mit der von der Schöller-Stiftung geförderten Beratung für gesundes Altern (BegA) eine Studie zu diesem Personenkreis durchgeführt.
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Die munteren Neunzigjährigen - FAU-Studie zeigt Überraschendes über die Lebenssituation hochbetagter Menschen

https://www.fau.de/2017/12/news/wissenschaft/die-munteren-neunzigjaehrigen-2/

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Das Studienziel:

> Zielsetzung war es zu untersuchen, welche Besonderheiten und Verhaltensweisen die Gesundheit und Lebensqualität von überdurchschnittlich aktiven hochbetagten Menschen kennzeichnen.

In Bayern gibt es aktuell etwa 107.000 Personen, die 90 Jahre oder älter sind. Die große Mehrheit lebt in den eigenen vier Wänden.

Dabei waren die untersuchten Personen nicht unbedingt "vollständig gesund":

> Erste Befunde der Nürnberger Studie zum Leben in der zehnten Lebensdekade belegen, dass viele der untersuchten Hochbetagten trotz einer oftmals hohen gesundheitlichen Belastung und trotz zahlreicher medizinisch diagnostizierter Krankheiten noch ein positives Lebensgefühl und einen aktiven Lebensstil pflegen, der sich insbesondere auch durch eine meist hohe Willenskraft auszeichnet.

Es gibt also auch in dieser Gruppe diverse medizinisch diagnostizierte Krankheiten. Allerdings hätten die meisten der Untersuchten sich deutlich jünger gefühlt.

Drei Punkte gab es:

> Für eine hohe Lebensfreude und ein hohes subjektives Gesundheitserleben in der zehnten Dekade des Lebens erscheint insbesondere körperliche Aktivität bedeutsam, ob es zufriedenstellende, enge Vertrauensbeziehungen im Umfeld gibt und wie gut es gelingt, den Alltag weitgehend aus eigener Kraft zu meistern.

Also körperliche Aktivität, enge Beziehungen und die Bewältigung des Alltags.

Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml zu der Studie:

> „Es ist wichtig, im Ruhestand fit zu bleiben und die eigene Gesundheit sinnvoll zu unterstützen – etwa durch Bewegung und eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Von großer Bedeutung ist aber auch die soziale Einbindung.

Intensiv wurden 125 Personen ab 90 Jahren untersucht und befragt.

Praktisch sieht man es doch schon bei den Jüngeren. Die einen sitzen eben abends vor dem Fernseher und gehen dann ins Bett. Womöglich noch kombiniert mit Alkohol, Süßigkeiten und anderen eher ungesunden Dingen. Die anderen bewegen sich und ernähren sich besser. Gehen raus, vertreten sich die Füße. Daß dann der Körper aktiver bleibt und sich immer wieder weitaus besser regenerieren kann: Das ist eher zu erwarten.

The Experience Tube - das ultimative Offline-Tool für alle Screen-staring-people, die nur noch auf ihre Smartphones gucken - von Meow Wolf

09.12.2017 23:43:46, Jürgen Auer, keine Kommentare

Was ist das für eine Welt, wo sechs Personen in einem Raum sind. Fünf sind intensiv mit ihren Smartphones beschäftigt. Der sechste versucht, etwas anzubieten. Keiner reagiert, das Smartphone ist wichtiger. Alles ist grau in grau.

Da sei es doch Zeit für ein ernsthaftes Upgrade. Nicht mehr YouTube, sondern "Experience Tube". Den Kurzfilm (1:31) dafür gibt es natürlich auf YouTube.
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The Experience Tube by Meow Wolf

https://www.youtube.com/watch?v=y9elKu-d9MA

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"The Experience Tube" ist ganz einfach: Ein langer Stoffschlauch. An den Öffnungen jeweils eingearbeitete Gummibänder oder etwas ähnliches. Zwei Leute ziehen sich die Enden über den Kopf, so daß ihre Gesichter in den Schlauch hineinragen und die "Experience Tube" nicht abrutscht.

Und schon haben sie die ultimative "Experience", die ultimative Erfahrung einer direkten Offline-Kommunikation.

Keine Probleme mehr mit einem Selfie-Stick. Nichts, was man abonnieren muß. Keinerlei Ablenkung durch Smartphones, Musik und anderes.

Das seien "real connections", reale Verbindungen. Für 24,99 Dollar gibt es das zu kaufen, das sei kein Joke.

Eine Website darf natürlich nicht fehlen:

The Experience Tube

https://www.experiencetube.com/

Das sei "analoges Social Media". Die Empfehlung unter "Buy now" ist doch einleuchtend:

https://www.experiencetube.com/buy-now/experience-tube/

> The Experience Tube is a revolutionary analog device which connects one experience to another! Using only soft striped fabric and the most sophisticated facial recognition technology ever developed (installed standard in current model human brains) the tube replaces all peripheral distractions with an unbridled visual feast of stripes and laughter! Simply upload a couple of faces into each end and make your own internet, instantaneously! Immediate vivid connection, with no subscriptions, user agreements, invasive advertisements, or spotty service!

Ein revolutionäres analoges Device. Es entfernt alle externen Ablenkungen durch einen ungezügelten Spaß an Sternen und Lachen. Nutzer machen sich sofort ihr eigenes Internet. Ohne Abo, AGB-Bestätigung, aufdringliche Werbung oder schlechtem Service.

Drunter gibt es natürlich

> Share the experience

Social-Media-Buttons zum Weiterempfehlen.

Natürlich dürfen auch die üblichen Warnungen nicht fehlen: Nicht beim Autofahren verwenden. Oder, wenn man mit schweren Maschinen hantiert. Und die forcierte, nicht konsensuale "Tube Experience" könne bei Menschen und Tieren zu Verletzungen führen. Schließlich mögen Eltern ihre Kinder unter 12 Jahren beaufsichtigen.

Meow Wolf scheint wohl eine Künstlergruppe zu sein. In den FAQ

https://www.experiencetube.com/tube-faqs/

findet sich der Hinweis:

> Who is the creator of the Experience Tube?
>
> Nicholas Toll, a Meow Wolf artist based in Santa Fe. He has also designed a room called “Busy Box” in the House of Eternal Return exhibit.

Sei das ein Joke?

> This is most certainly not a joke. The Experience Tube exists and the experience is real.

Zu Weihnachten könne es eng werden. Aber die Experience Tubes werden produziert und weltweit verkauft.

Es gibt ja auch schon Kneipen, die als Faradaysche Käfige umgebaut wurden. So daß innen Smartphones keinen Empfang haben. Oder Hotels, die einzelne Zimmer ähnlich umbauen. Auf daß Gäste Online-Entzug praktizieren.

Wie nutzen Unternehmen Automatisierung? Meist nur auf Sparflamme - 540 Millionen Euro IT-Budget unsinnig verbrannt - Studie Cloud Automation Excellence

08.12.2017 23:55:09, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wie ist es um die Digitalisierung in deutschen Unternehmen bestellt? Crisp Research, Nexinto plus eine Kooperation mit HPE haben dazu eine Studie erstellt: "Cloud Automation Excellence".

Dabei wurden 155 Unternehmen in 12 Branchensegmenten befragt. Und Interviews mit Personen aus der IT, der Digitalisierung und der Ebene der Unternehmensentscheider geführt.

Die Befragung fand zwischen August und Oktober 2017 statt.
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Neue digitale Geschäftsmodelle - Cloud Automation Excellence

https://www.nexinto.com/automation

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Die obige Seite enthält einige zusammenfassende Ergebnisse. Ferner kann man sich - gegen Name und Mailadresse - die Studie herunterladen (die Mail mit dem Link kam bei mir sofort).

Einige Daten (von der Website):

Nur 6 Prozent der Unternehmen kommen auf einen Automatisierungsgrad von über 70 Prozent. Die Mehrheit der Unternehmen nutzt noch den "Manufaktur-Status" mit einer Automatisierung kleiner 10 Prozent. Oder es gibt einen semi-automatisierten Modus (10-30% Automatisierungsgrad).

540 Millionen Euro seien durch unzureichende Automatisierung der IT-Infrastruktur und der IT-Betriebsprozesse verbrannt worden. Die Unternehmen hätten dasselbe Geld auch in die Modernisierung der Infrastruktur stecken können.

Die Mehrheit der Unternehmen (68 Prozent) befindet sich inzwischen in der Umsetzungsphase ihrer Digitalisierungsstrategie.

Als "digitale Nachzügler" werden nur noch 32 Prozent eingeschätzt. Etwa 10 Prozent haben noch gar nichts unternommen. Etwa 20 Prozent sind in der Planungsphase und überlegen, wie sie ihre Prozesse anpassen könnten.

Auf Seite 7 finden sich die genauen Zahlen: 9,7 % ohne Initiative, 21,9 % sind in der Anfangsphase / Planung. 41 % beschäftigten sich mit der Umsetzung und 26,5 % sind bereits in der digitalen Wachstumsphase.

Dann gab es fünf Thesen, die Befragten sollten sagen, welches die wichtigste These sei. Die "negative These" "Automatisierung wird überschätzt und die hochgesteckten Erwartungen enttäuschen" wurde nur von 11 Prozent ausgewählt.

Interessant ist ein Hinweis, daß die "digitalen Vorreiter" in der Automatisierung weitaus eher einen Hebel für digitale Innovation sehen als die "digitalen Follower" (PDF Seite 9).

Da finden sich auch die genaueren Zahlen zur "Manufaktur-Automatisierung" (< 10 % Automatisierung). Die gibt es bei 25,8 % aller befragten Unternehmen. Semi-Automatisierung (10 - 30 %) gibt es in 47,1 % der Unternehmen. Assisted Drive (30 - 70 % Automatisierung) gibt es in 20,7 % aller Unternehmen. Nur 6,4 % aller Unternehmen sind schon in der Rubrik Autopilot angekommen.

Bei den "strategischen Zielsetzungen" geht es für 68,4 % um Kostensenkung. Die beiden nächsten Punkte IT-Sicherheit gewährleisten und Skalierbarkeit ermöglichen haben einen direkten IT-Bezug. 26,4 % wollen Personal abbauen. Erst später kommen die positiven Kriterien. Etwa Agilität / Time-to-market verbessern, das wollen nur 20,0 %. Eigentlich müßte so ein Punkt ganz oben stehen.

Richtig spannend wird es etwas später (Seite 21):

> Automatisierung der IT-Infrastruktur aus Kosten- und Qualitätsperspektive ist die Pflichtübung – die Entwicklung und der automatisierte Betrieb digitaler Produkte und Dienste die Kür.

Einerseits geht es bei der Automatisierung darum, die IT-Infrastruktur voranzubringen. So daß bislang manuell erledigte und zeitfressende Tätigkeiten automatisch ablaufen. Aber das ist nur die Pflicht. Die eigentliche Digitalisierung beginnt erst da, wo es neue digitale Produkte und Dienste gibt.

Es gibt noch einige weitere Punkte, die ich hier weggelassen habe.

Insgesamt ist das eine ziemlich spannende Studie. Die vor allem verdeutlicht, wie sehr die Unternehmen bereits auseinanderlaufen dürften. Jene, die sich frühzeitig Gedanken um die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse gemacht haben, profitieren längst von den Vorteilen und können damit ganz neue Aufgaben angehen. Jene dagegen, die sehr langsam und zögerlich sind, haben weiterhin ihre hohen Kosten. So daß ihnen erst recht die Möglichkeiten zur "Kür" fehlen.

Transient - Aufnahmen von flüchtigen Wolken und Blitzen mit 1000 Bildern pro Sekunde - ein Drei-Minuten-Kurzfilm von Dustin Farrell

07.12.2017 23:45:37, Jürgen Auer, keine Kommentare

Blitze: Als Kind hat man Angst davor. Später versteht man, daß der Donner harmlos ist, aber der Blitz sehr gefährlich werden kann. Im Auto, einem natürlichen Faradayschen Käfig, ist man sicher. Aber außerhalb gibt es immer wieder lebensgefährliche Situationen. Etwa auf Golfplätzen.

Aber wie kann man diese "einfangen"? So daß man sie per Kamera erfaßt? Im Vorfeld kennt man den Ort einer Blitzbildung nicht. Und blitzt es erst einmal, dann ist es zu spät, wenn man erst dann die Kamera hinhält.

Also bleibt nur ein ständiges Filmen. Der Filmmacher Dustin Farrell hat das im Sommer 2017 gemacht. Und das Ergebnis zu einem beeindruckenden 3-Minuten-Kurzfilm zusammengeschnitten.
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Transient: An Extraordinary Short Film That Captures Lightning at 1,000 Frames per Second

http://www.thisiscolossal.com/2017/12/transient-lighting-film-dustin-farrell/

Das Video direkt auf Vimeo: Transient

https://vimeo.com/245581179

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Er nutzte eine Phantom Flex 4K, war 30 Tage unterwegs und reiste 20.000 Meilen, das sind 32.186 Kilometer.

Sein Respekt vor "storm chasers", vor Sturmjägern, sei in dieser Zeit gestiegen. Es sei sehr stressig, auch dann, wenn es gelingt, einen Sturm zu filmen.

An 10 Tagen sei er zurückgekommen, ohne etwas gefilmt zu haben. Nach 10 Stunden und 500 Meilen (804 km). An anderen Tagen sei er mit einem "breiten Grinsen" zurückgekommen.

Blitze seien wie Schneeflocken. Jeder Blitz sei individuell. Die Geschwindigkeit der Blitze sei höchst unterschiedlich. Manche Blitze seien so schnell gewesen, daß sie nur auf einem von 1000 Frames zu sehen waren.

Die Kamera zeichnet wohl ständig Bilder auf und schreibt die Bilder in den RAM-Speicher. Wenn dann ein Blitz beobachtet wird, wird die Kamera ausgelöst und schreibt den RAM-Speicher auf die Festplatte. Er hatte etwa 10 Terabyte an Daten produziert.

Interessant ist an dem Film auch, daß man sieht, wieviele Blitze es immer wieder gibt, die gar nicht zum Boden kommen. Oder ein Blitz, der sich waagerecht bewegt. Und schließlich doch am Boden einschlägt.

Auf seiner Website gibt es unter

Phantom Flex 4K

http://dfvc.com/flex4k/

ein Bild von der Kamera und weitere Infos. Demnach hat die Kamera einen internen RAM-Speicher von 128 GB und eine 2 TB - Festplatte.

Unter

Videos

http://dfvc.com/video/

gibt es noch weitere Videos.

Amazon gegen Daimler-Benz - eine Klage um gefälschte Autoteile - Amazon war der Verkäufer - womöglich deutliche Auswirkungen auf Markenrechtsverletzungen auf eCommerce-Plattformen

06.12.2017 23:07:53, Jürgen Auer, ein Kommentar

In den USA deutet sich gerade ein interessanter Rechtsstreit an, der sehr spannend werden könnte.

Eigentlich ist das ganz simpel: Daimler-Benz fand gefälschte Reifenfelgen, die auf Amazon angeboten wurden. Üblicherweise sucht man dann nach dem Händler. Und verklagt diesen auf Unterlassung. Ferner fordert man von Amazon, daß diese Produkte entfernt werden.

Das alles aber heißt: Die Markeninhaber können immer nur im Nachhinein aktiv werden. Erst wenn sie etwas finden und das Amazon mitteilen, wird Amazon aktiv. Und das sei oft eher zögerlich.

Es gibt zwar inzwischen eine Unterstützung durch Amazon. Aber die greift nur dann, wenn die Markeninhaber ihr gesamtes Sortiment per Amazon verkaufen. Was viele Markeninhaber gerade ablehnen.

Die Besonderheit hier: Amazon war der Verkäufer.

Der folgende Forbes-Beitrag spricht davon, daß Daimler-Benz nun den "rauchenden Colt" aufgedeckt haben könnte. Mit dem Amazon zu nachhaltigen Veränderungen gezwungen werden könnte.
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Amazon Got Busted Selling Counterfeit Mercedes-Benz Parts -- Now Everything May Change

https://www.forbes.com/sites/wadeshepard/2017/12/05/amazon-got-busted-selling-counterfeit-mercedes-benz-parts-now-everything-may-change/

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Denn damit sei Amazon als Verkäufer gefälschter Produkte aufgetreten.

Das grundsätzliche Problem: Markenrechtsverletzungen gibt es auf Amazon sehr häufig. Das haben schon diverse Untersuchungen gezeigt. Allerdings hatte Amazon 2015 ein Verfahren gewonnen. Demnach sei Amazon nicht für die Markenrechtsverletzungen verantwortlich, wenn dritte Unternehmen etwas per Amazon verkaufen.

Da hatte ein Unternehmen aus Seattle, Milo & Gabby, es Händlern untersagt, Artikel über Amazon zu verkaufen. Einer der Gründer fand aber eine Amazon-Anzeige. Da war nicht nur das Produkt, sondern auch das Photo der Tochter mit dabei. Chinesische Markenpiraten hatten das Produkt kopiert, verkauften es auf Amazon. Und hatten sogar Bilder kopiert.

Und Amazon fördert das. Läßt sich die Ware liefern, verwahrt sie in den eigenen Lagern, verschickt sie über das Fulfillment-Programm. Und kassiert Provisionen.

> In a country that is packed with laws to prevent things like this from happening, how could they lose?

Die neunköpfige Jury urteilte pro Amazon:

> “the company was not behind the counterfeit content listed on its site, and had technically not made an 'offer to sell' — the legal requirement to hold Amazon liable for the counterfeit goods.”

Amazon habe die Artikel nicht angeboten. Dafür sei der Händler verantwortlich. Damit könnten diverse illegale Produkte per Amazon verkauft werden, gelagert und verschickt per Amazon. Mit kompletter Straffreiheit für das Unternehmen. Und werden die Artikel über Ländergrenzen hinweg verkauft, schützen diese die Verkäufer erst recht.

Andere Plattformen - Peer-to-peer-Musik und Filesharing-Plattformen - hatten ähnlich argumentiert. Aber da seien die Verantwortlichen "im Gerichtssaal getoastet" worden, einige bekamen Haftstrafen. Jeff Bezos dagegen sitze fest im Sattel, als einer der reichsten Personen, der direkt davon profitiert, daß viele illegale Artikel über seine Plattform verkauft werden. Die tausende kleiner Gründer in den USA ruinieren würden.

Ende Oktober hat die Daimler AG Klage eingereicht. Amazon habe gefälschte Mercedes-Benz-Produkte verkauft und vertrieben. Es gibt ein Bildschirmphoto in dem Beitrag. Demnach stand neben den Reifenfelgen:

> “Ships from and sold by Amazon.com.”

Daimler führt in der Klage aus, daß sie niemals

> “authorized or consented to Amazon’s use of the Mercedes-Benz Marks, or any confusingly similar marks, on vehicle parts” or “authorized Amazon to copy, manufacture, import, market, sell or distribute any vehicle parts bearing the Mercedes-Benz Marks.”

Keinerlei Erlaubnis für Amazon, diese Artikel zu kopieren, sie herzustellen, sie zu importieren, zu verkaufen oder zu vertreiben.

Die erste Reaktion von Amazon darauf war wohl ähnlich "bescheiden", wie das andere Markeninhaber auch kennen. Aber diesmal war eben Amazon selbst der Verkäufer.

Daimler hat sich u.a. deshalb besonders daran gestört, weil das Label “Ships from and sold by Amazon.com.” von Käufern als Schutz interpretiert wurde, daß es sich bei der Ware um erlaubte Markenware handelt. Grade nicht um Fälschungen.

Der Autor meint, daß zwar die Auswirkungen des konkreten Falls auf den Amazon-Marktplatz noch unklar seien. Aber es könnte sein, daß e-Commerce-Plattformen eine neue Verantwortlichkeit für die Produkte entwickeln müßten, die auf ihren Plattformen verkauft werden.

Bislang seien diese Plattformen ein Paradebeispiel für "Kapitalismus in Reinform": Die Plattformen verdienen an jedem Kauf, aber sind unter dem Schutzschirm, daß sie nicht für die Produkte verantwortlich seien. Bis jetzt.

Wobei ich persönlich nicht ganz weiß, ob dieser Schluß nicht zu weit geht. Wenn Amazon niemals selbst als Verkäufer auftritt, würde dieses Problem nicht existieren.

T3n weist hier

Amazon wird von Daimler verklagt: Wie gefälschte Radkappen den Marktplatz verändern könnten

http://t3n.de/news/amazon-daimler-verklagt-883589/

darauf hin, daß es das erste Mal sei, daß Amazon selbst direkt als Händler verklagt wird. Ferner würde Daimler präventive Maßnahmen von Amazon fordern, um solche Markenrechtsverletzungen in Zukunft zu verhindern.

Da ist es denkbar, daß Amazon die Überprüfungstechniken, die bislang nur ausgewählten Partnern zur Verfügung stehen, allen Markeninhabern zur Verfügung stellen müßte.

Wie die Politik jeden Bezug zur Realität verliert und sich Bürger verweigern - der absurde Rundfunkbeitrag, eine Vollstreckungsankündigung und der Weg zum Europäischen Gerichtshof - C-492/17

05.12.2017 22:51:55, Jürgen Auer, ein Kommentar

Gegen "das Internet" wird gerne eingewendet, daß es dort so etwas wie eine Blasenbildung gäbe: Leute würden sich nur mit jenen Meinungen umgeben, denen sie ohnehin zustimmen. So daß es zu sich selbst verstärkenden Resonanzräumen kommen würde.

Nur: Dieses Phänomen ist keinesfalls neu. Und schon gar nicht auf das Internet beschränkt.

Ein - man muß bald schon sagen - tragisches Beispiel dafür sind die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten in Deutschland. Sowie deren Finanzierung durch ein absurdes Gesetz, den Rundfunkstaatsvertrag bzw. den Rundfunkbeitragstaatsvertrag. Plus die Tatsache, daß die Politiker offenbar zu feige sind, diesem wuchernden Moloch Einhalt zu gebieten. Klar - sie wollen ja gerne von Rundfunk und Fernsehen gefragt, interviewt, gefilmt und eingeladen werden. Wer widerspricht schon gerne dem, der ihn päppelt. Also päppeln sich Politiker und Landesrundfunkanstalten gegenseitig - und schröpfen die Bürger. Bis diesen der Kragen platzt und sie anfangen, sich zu wehren.

Bis Ende 2012 konnte man darauf verweisen, daß man kein Radio und kein Fernsehen hat. Dann war man auch nicht zahlungspflichtig. Die Angelegenheit war erledigt, Wiedervorlage im nächsten Jahr. Aber die Gier kannte offenbar keine Grenzen: Alle sollten zahlen. Schließlich scheint es für Rundfunk- und Fernsehmacher ebenso wie für Politiker unvorstellbar zu sein, daß es Leute geben könnte, die freiwillig auf den Konsum dieser Angebote verzichten. Also wurde der Haushalt als Bezugsgröße ersonnen. Wer obdachlos ist, der muß keinen Rundfunkbeitrag zahlen. Bei allen anderen wird abkassiert. Das garniert mit einem Selbsttitulierungsrecht der Landesrundfunkanstalten. Das es ermöglicht, daß diese Bescheide selbst ausstellen und sofort vollstrecken dürfen. Anstatt erst über ein Gericht gehen zu müssen. Dieses sogenannte Inkassoprivileg macht das Schröpfen noch etwas einfacher.

Und dies, obwohl (1) das Gutachten von Prof. Kirchhoff, das der Systemumstellung zugrundeliegt, ausdrücklich eine Abmeldemöglichkeit vorgesehen hat (Quellenangaben folgen später). Die natürlich nicht ins Gesetz übernommen wurde. (2) Das Bundesverfassungsgericht bereits 2012 das Selbsttitulierungsrecht (Inkassoprivileg) von Landesbanken als unvereinbar mit dem Gleichheitsgrundsatz, also als verfassungswidrig beurteilt hat. Und wo (3) die EU-Vorgaben doch eindeutig sind. Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention lautet:

> Jede Person hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht schließt die Meinungsfreiheit und die Freiheit ein, Informationen und Ideen ohne behördliche Eingriffe und ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen zu empfangen und weiterzugeben.

Wenn ich "Informationen und Ideen" suche, dann kann ich auf öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehanstalten zurückgreifen. Auf private Rundfunk- und Fernsehanstalten. Auf ausländische Sender. Oder auch auf Zeitungen, Zeitschriften und Informationen aus dem Internet. Das kostet mich gegebenenfalls Geld. Wenn ich nun aber aufgrund eines Gesetzes über 200 Euro pro Jahr für etwas ausgeben soll, das ich nicht nutze und auch nicht nutzen möchte. Und mir deshalb mit einer Vollstreckung, etwa einer Kontenpfändung gedroht wird. So daß mir das Geld nicht für andere Informationsquellen bzw. zur anderweitigen Nutzung zur Verfügung steht. Dann ist das ein ganz erheblicher behördlicher Eingriff in meine Rechte als europäischer Bürger.

Eigentlich ist das - realistisch betrachtet - ganz einfach. Nur scheint die Einsicht bei den Politikern zu fehlen, daß das jetzige System vor der Implosion stehen dürfte. Zum einen gibt es inzwischen etwa 4 Millionen offene Beitragskonten. Bei m.W. etwa 40 Millionen Haushalten wäre das schon jeder zehnte Haushalt. Zum anderen wehren sich immer mehr Bürger gegen diese Zahlungen. Sei es, daß sie Widerspruch einlegen und klagen. Oder sei es, daß sie sich gegen eine Vollstreckung wehren.

--

Letzteres ist auch meine aktuelle Situation. In Berlin sind für Vollstreckungen die Finanzämter zuständig. Anderswo sind das Gerichtsvollzieher oder die Stadtkassen. Nachdem ich nun eine Zahlungsaufforderung zusammen mit einer Vollstreckungsankündigung erhalten hatte, ging das folgende Schreiben an die zuständige Stelle.

Das Schreiben nennt Originaldokumente. Etwa das Kirchhoff-Gutachten, das eine Abmeldemöglichkeit vorsieht. Sowie einen Beschluß des LG Tübingen, einige dortige Vollstreckungen auszusetzen und den Europäischen Gerichtshof im Rahmen eines Vorabentscheidungsersuchens einzuschalten. Da könnte Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention eine entscheidende Rolle spielen.

Dem Europäischen Gerichtshof liegt der Antrag seit dem 11.08.2017 vor. Bei einer durchschnittlichen Dauer von 15 Monaten könnte es im November 2018 eine Entscheidung geben.

Wer möchte, kann die Texte gerne weiterverwenden. Unter Verlinkung der Originalquelle. Anstelle des langen Links kann auch der unten angegebene Kurzlink genutzt werden.

--

[Briefkopf - übliche Angaben]

Sehr geehrte ...,

Ihre Zahlungsaufforderung bezüglich der ersuchenden Stelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg, XXX XXX XXX (Original: Nummer beim Beitragsservice) vom XX.11.2017 habe ich am YY.11.2017 erhalten.

Inhaltlich teile ich Ihnen mit: Bis zu einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in bezug auf die Rundfunkfinanzierung in Deutschland lehne ich jegliche freiwillige Zahlung ab.

Begründung (Kurzfassung):

(1) Ich habe seit Jahrzehnten weder Radio noch Fernseher und nutze die Angebote nicht.

(2) Das Gutachten von Prof. Kirchhoff zur Systemumstellung sah ausdrücklich eine Abmeldemöglichkeit vor. Da das seit Anfang 2013 geltende Gesetz, auf das sich das Ersuchen stützt, eine solche Abmeldung nicht vorsieht, gehe ich von der Verfassungswidrigkeit des Gesetzes aus. Allerdings ist es für Privatpersonen bzw. Nichtjuristen kaum möglich, sich durch die Instanzen hochzuklagen.

(3) Das LG Tübingen hat mit Beschluss vom 03.08.2017 einige vergleichbare Verfahren ausgesetzt und dem Europäischen Gerichtshof diverse Fragen bezüglich der gesamten Rundfunk- und Fernsehfinanzierung in Deutschland im Rahmen eines Vorabentscheidungsersuchens vorgelegt. Es gibt erhebliche richterliche Zweifel daran, daß der Rundfunkbeitragsstaatsvertrag mit den Grundrechten europäischer Bürger vereinbar ist.

(4) Nachdem das Bundesverfassungsgericht jahrelang in dieser Angelegenheit getrödelt und auf den Instanzenweg verwiesen hat, gab es Ende September (wohl als Reaktion auf die Einschaltung des EuGH) plötzlich die Mitteilung, daß das Bundesverfassungsgericht einen umfangreichen Fragenkatalog u.a. an sämtliche Landesregierungen verschickt habe und das Thema "Rundfunkfinanzierung" nun umfangreich aufrollen würde. Kombiniert mit einer ungewöhnlich kurzen Frist zur Stellungnahme.

Begründung (ausführlich mit Nachweisen):

Zu (1): Ich habe seit Jahrzehnten weder Radio noch Fernseher. Bis 2012 hatte es genügt, das formlos mitzuteilen. Radio und Fernsehen sind Privatvergnügen, keine staatliche Aufgabe. Es würde deshalb völlig genügen, nur die tatsächlichen Nutzer zu Beiträgen heranzuziehen. Eine Verschlüsselung und Sperrung für nicht zahlende Nutzer wäre ebenfalls unproblematisch möglich. Das können andere Fernsehanstalten auch, das können andere Internetdienstleister auch. Es ist auch den Radio- und Fernsehanstalten in Deutschland zumutbar.

Zu (2): Das Gutachten von Prof. Kirchhoff zur Systemumstellung

http://www.ard.de/download/398406/index.pdf

sieht ausdrücklich eine Abmeldemöglichkeit vor (Zitat Seite 62):

"Da der Beitrag in der Tradition des deutschen Beitragsrechts eher den öffentlich-rechtlichen Vorteilsausgleich regelt, den Vermögenswert eines Vorzugsangebotes abschöpft, den Interessenten an den Kosten einer öffentlichen, ihm einen individualisierbaren Vorteil anbietenden Einrichtung beteiligt, erscheint es um der Rechtssicherheit und der öffentlichen Akzeptanz willen geboten, eine widerlegbare Regelvermutung zu schaffen, also in der Beitragsbemessungsgrundlage eine allgemeine Nutzbarkeit des generellen Programmangebotes zu vermuten, dessen Widerlegung aber in einem individuellen Antragsverfahren zuzulassen."

Das ist zwar durchaus schwer verständliches Juristendeutsch. Es besagt aber: Normalerweise kann man davon ausgehen, daß alle die Rundfunk- und Fernsehangebote nutzen. Ich weiß, daß mein Verhalten das einer sehr geringen Minderheit ist. Aber es müsse eine Widerlegungsmöglichkeit in einem individuellen Antragsverfahren geben. Und es müsse eine solche Möglichkeit "um der Rechtssicherheit und der öffentlichen Akzeptanz willen" geben. Ich habe keinerlei Probleme damit, Steuern gemäß meiner Leistungsfähigkeit zu zahlen. Aber Rundfunk und Fernsehen sind Privatvergnügen. Keine staatliche Daseinsvorsorge. Es gibt Zeitungen und diverse Quellen im Internet, die man zur Informationsbeschaffung nutzen kann. Mindestens die Fernsehangebote lassen sich technisch problemlos für Schwarzseher sperren.

Die Politiker haben sich offenkundig aus dem Gutachten nur das herausgepickt, was die Pflichten der Bürger betraf (Zahlungspflicht für alle Haushalte). Die Rechte der Bürger, die das Gutachten ausdrücklich erwähnte, fielen unter den Tisch. Das spricht stark dafür, daß das jetzige Gesetz bereits aufgrund des der Systemumstellung zugrundeliegenden Gutachtens verfassungswidrig ist. Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, daß die Landesgesetzgeber das Gutachten 1:1 übernommen hätten.

Bislang ist mir nicht bekannt, daß dieser Punkt jemals in einem Gerichtsverfahren seit 2013 behandelt worden wäre.


Zu (3): Am 02.08.2017 hat das LG Tübingen mehrere Zwangsvollstreckungsverfahren zwischen dem SWR und verschiedenen Bürgern aus BW per Verfügung ausgesetzt. Die weitere Entscheidung

"hängt maßgeblich von der Beantwortung europarechtlicher Vorfragen durch den EUGH ab, weshalb zunächst eine Vorlage an den EUGH nach Art. 267 AEUV durch den Einzelrichter erfolgt".

Quelle: Eingescanntes Gesamtdokument (39 Seiten) des Schreibens des LG Tübingen. AZ 5 T 121/17, 5 T 20/17, 5 T 141/17, 5 T 122/17, 5 T 280/16, 5 T 246/17. In der Version, die an Rechtsanwältin Layla Sofan, Schuldnerin und Beschwerdegegnerin im Verfahren 5 T 246/17 gegangen ist (Rechtsanwaltskanzlei Sofan, Weilerburgstr. 3, D-72072 Tübingen, http://www.kanzlei-sofan.de/ ).

https://online-boykott.de/ablage/20170814-layla-sofan-beschluss-dr-sprissler-lg-tuebingen/20170814-02-layla-sofan-beschluss-dr-sprissler-lg-tuebingen-beschluss.pdf

Beim Europäischen Gerichtshof ging die Vorlage am 11.08.2017 ein und wird dort unter dem Aktenzeichen C-492/17 geführt.

Vorabentscheidungsersuchen des Landgerichts Tübingen (Deutschland) eingereicht am 11. August 2017 - Südwestrundfunk gegen Tilo Rittinger, Patric Wolter, Harald Zastera, Dagmar Fahner, Layla Sofan, Marc Schulte

(Rechtssache C-492/17)

http://curia.europa.eu/juris/fiche.jsf?id=C;492;17;RP;1;P;1;C2017/0492/P&lgrec=de&language=de

Unter

http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=197111&pageIndex=0&doclang=DE&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&cid=1860087

sind die sieben Vorlagefragen abrufbar (die Begründung findet sich dort aktuell nicht online).

Insgesamt betrifft das 6 Verfahren, die an den Amtsgerichten Reutlingen, Tübingen, Calw, Tübingen, Tübingen und Reutlingen liefen und vom LG Tübingen gemeinsam behandelt wurden.

Am 03.08.2017 folgte der Beschluß (zitiert werden Punkt 1-4 der 7 vorgelegten Punkte):

--Zitat Beginn (PDF Seite 4) bzw. online bei curia.europa.eu abrufbar:
Dem Gerichtshof der Europäischen Union werden nach Art. 267 AEUV folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:

1. Ist das nationale baden-württembergische Gesetz vom 18.10.2011 zur Geltung des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags (RdFunkBeitrStVBW) vom 17. Dezember 2010, zuletzt geändert durch Artikel 4 des Neunzehnten Rundfunkänderungsstaatsvertrages vom 3. Dezember 2015 (Gesetz vom 23. Februar 2016 – GBl. S. 126, 129) mit Unionsrecht unvereinbar, weil der dort grundsätzlich seit 1.1.2013 von jedem im deutschen Bundesland Baden-Württemberg wohnenden Erwachsenen voraussetzungslos zugunsten der Sendeanstalten SWR und ZDF erhobene Beitrag eine gegen Unionsrecht verstoßende bevorzugende Beihilfe zugunsten ausschließlich dieser öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten gegenüber privaten Rundfunkanstalten darstellt? Sind Art. 107/108 AEUV so auszulegen, dass das Gesetz betreffend den Rundfunkbeitrag der Zustimmung der Kommission bedurft hätte und mangels Zustimmung unwirksam ist?

2. Ist Art. 107/108 AEUV so auszulegen, dass er die im nationalen Gesetz „RdFunkBeitrStVtrBW“ festgesetzte Regelung erfasst, nach der grundsätzlich von jedem in Baden-Württemberg wohnenden Erwachsenen voraussetzungslos ein Beitrag zugunsten ausschließlich behördlicher/öffentlich-rechtlicher Sender erhoben wird, weil dieser Beitrag eine gegen Unionsrecht verstoßende bevorzugende Beihilfe zur technischen Ausgrenzung von Sendern aus EU-Staaten beinhaltet, da die Beiträge dazu verwendet werden, einen konkurrierenden Übertragungsweg zu errichten (DVB-T2 – Monopol), dessen Nutzung durch ausländische Sender nicht vorgesehen ist? Ist Art. 107/108 AEUV so auszulegen, dass er auch nicht unmittelbare Geldzuwendungen, sondern auch andere wirtschaftlich relevante Privilegierungen (Titulierungsrecht, Befugnis zum Handeln sowohl als wirtschaftliches Unternehmen als auch als Behörde, Besserstellung bei der Berechnung der Schulden) erfasst?

3. Ist es mit dem Gleichbehandlungsgebot und dem Verbot privilegierender Beihilfen vereinbar, wenn aufgrund eines nationalen, baden-württembergischen Gesetzes, ein deutscher Fernsehsender, der öffentlich-rechtlich organisiert und als Behörde ausgestaltet ist, zugleich aber im Werbemarkt mit privaten Sendern konkurriert, dadurch gegenüber diesen privilegiert wird, dass er nicht wie die privaten Wettbewerber seine Forderungen gegenüber Zuschauern beim ordentlichen Gericht titulieren lassen muss, bevor er zwangsvollstrecken kann, sondern selbst ohne Gericht einen Titel schaffen darf, der gleichermaßen zur Zwangsvollstreckung berechtigt?

4. Ist es mit Art. 10 EMRK/Art. 4 GRCh (Informationsfreiheit) [Anmerkung: Art. 4 bezieht sich auf das Folterverbot. Gemeint und S. 9 PDF aufgeführt ist Artikel 11 GRCh, wortgleich mit Art. 10 EMRK] vereinbar, dass ein Mitgliedstaat in nationalem, baden-württembergischen Gesetz vorsieht, dass ein Fernsehsender, der als Behörde ausgestaltet ist, einen Beitrag zur Finanzierung gerade dieses Senders von jedem im Sendegebiet wohnhaften Erwachsenen bußgeldbewehrt verlangen darf, unabhängig davon, ob er überhaupt ein Empfangsgerät besitzt oder nur andere, nämlich ausländische oder andere, private Sender nutzt?

sowie drei weitere Punkte
-- Zitat Ende

Art. 10 EMRK (Europäische Menschenrechtskonvention) lautet ( https://dejure.org/gesetze/MRK/10.html ):

(1) Jede Person hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht schließt die Meinungsfreiheit und die Freiheit ein, Informationen und Ideen ohne behördliche Eingriffe und ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen zu empfangen und weiterzugeben.

Art. 11 GRCh (Charta der Grundrechte der Europäischen Union) lautet ( https://dejure.org/gesetze/GRCh/11.html ):

Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit

(1) Jede Person hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht schließt die Meinungsfreiheit und die Freiheit ein, Informationen und Ideen ohne behördliche Eingriffe und ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen zu empfangen und weiterzugeben.
-- Ende

Im Klartext: Ist es zulässig und mit meinem Recht auf Informationsfreiheit vereinbar, daß ich, obwohl ich kein Gerät (und damit auch kein Interesse an ausländischen Sendern) habe, über 200 Euro pro Jahr für etwas zahlen muß, das ich nicht nutze und nicht nutzen möchte. So daß mir das Geld (das erst einmal verdient werden will) für andere Dinge fehlt? Das ist ein erheblicher behördlicher Eingriff in mein Recht, Informationen zu empfangen. Denn das Geld könnte ich auch für andere Dinge bzw. Informationen ausgeben.

Und ist es zulässig, daß die Landesrundfunkanstalt Berlin-Brandenburg ihre Forderungen nicht bei einem regulären Gericht geltend macht, sondern selbst - eigenmächtig und selbstherrlich - einen Bescheid zu eigenen Gunsten festsetzt und diesen über die örtlich zuständigen Vollstreckungsbehörden (in Berlin: Finanzämter) zu vollstrecken versucht? Der Beschluß führt in der Begründung (nur PDF) aus, daß das Selbsttitulierungsrecht für öffentlich-rechtliche Landesbanken bereits am 18.12.2012 vom Bundesverfassungsgericht als gleichheitswidrige Privilegierung, also als Verfassungsverstoß eingeschätzt wurde (Beschluß PDF Seite 33, dortige Zählung Seite 31, 1 BvL 8/11, 1 BvL 22/11 - https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2012/12/ls20121218_1bvl000811.html ).

Oder sind diese beiden (für mich zentralen) Punkte ein Verstoß gegen meine Grundrechte als europäischer Bürger? Punkt 1 - Beihilfe ohne Genehmigung durch die Kommission - wäre gegebenenfalls per Kommissionsbeschluß "heilbar". Punkt 4 betrifft mich fundamental. Wenn das unter 10 Euro pro Jahr wären, könnte man das ja noch ignorieren. Aber bei mir wächst das Geld jedenfalls nicht auf Bäumen. Punkt 2 und 3 betreffen u.a. das Inkassoprivileg, bei dem offenbar ebenfalls fraglich ist, ob es mit europäischem Recht vereinbar ist.

Die anderen Punkte in dem Tübinger Beschluss betreffen mich größtenteils auch. Ich verweise aber auf die dortigen Ausführungen.

Insgesamt ergibt sich aus diesem Beschluß, daß zentrale Punkte des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags gegen europäische Normen und Rechte von Bürgern verstoßen dürften.

(4) Bundesverfassungsgericht: Anfang Oktober wurde bekannt, daß das Bundesverfassungsgericht sich nun intensiv mit dem Rundfunkbeitrag beschäftigt:

Bundesverfassungsgericht verschickt detaillierten Fragenkatalog zum Rundfunkbeitrag

https://www.heise.de/tp/features/Bundesverfassungsgericht-verschickt-detaillierten-Fragenkatalog-zum-Rundfunkbeitrag-3848085.html

Bei der Neuen Juristischen Wochenzeitschrift (NJW) gab es dazu einen Beitrag (leider ohne Datum), der von den anderen Quellen zitiert wird:

http://rsw.beck.de/cms/?toc=njw.root&docid=395070

Demnach (Quelle Heise) hat das Bundesverfassungsgericht

> an den Bundestag, an den Bundesrat, die Landtage und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten "einen Katalog mit bohrenden Fragen verschickt". "Die Richter", so ein NJW-Informant aus einer Staatskanzlei, "rollen mit ihrem Fragenkatalog das Thema komplett auf" und sollen zudem "eine sehr kurze Frist für die Stellungnahmen gesetzt" haben.

Persönlich habe ich den Eindruck, daß das Bundesverfassungsgericht aufgrund der Tübinger Entscheidung nun die Sorge hat, daß der Europäische Gerichtshof diverse Regelungen kippen könnte. Das würde ab dem Tag der Entscheidung "sofort" für alle zahlungspflichtigen Bürger gelten, die folglich ihre Zahlungen sofort einstellen könnten. Das Bundesverfassungsgericht kann dagegen Übergangsfristen festsetzen, innerhalb derer bsp. für Nutzer des Rundfunk- und Fernsehangebots die Zahlungspflicht weiterbesteht, bis der Gesetzgeber eine neue Regelung verabschiedet hat.

--

Fazit: Aufgrund des Tübinger Beschlusses gehe ich davon aus, daß meine Rechte als Bürger Europas durch einen Zwangsbeitrag inklusive einer Vollstreckungsandrohung massiv beschnitten werden. Ich bin deshalb nicht bereit, bis zu einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs weitere Zahlungen freiwillig zu leisten. Verfahren beim EUGH dauern im Schnitt 15 Monate (Quelle: https://www.welt.de/kultur/medien/article168423698/Deutscher-Rundfunkbeitrag-wird-von-EU-Gericht-ueberprueft.html ). Das ist ein überschaubarer Zeitraum. Da das Vorabentscheidungsersuchen Mitte August beim EUGH eingegangen ist, ist - im Schnitt - im November 2018 mit einer Entscheidung zu rechnen.

Deshalb schlage ich vor, daß Sie das Amtshilfeersuchen gemäß § 250 AO an den RBB zurückgeben.


Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Auer

Japanisches Haus mit einer erdbeben-sicheren Bücherwand zum Begehen - von Shinsuke Fujii in Shinyoshida

04.12.2017 23:55:50, Jürgen Auer, keine Kommentare

Eine riesengroße Bücherwand vom Boden bis zur Decke: Das ist doch eigentlich toll. Man hat genügend Platz für unzählige Bücher. Man kann sich eines rausgreifen, darin lesen. Es wieder zurückstellen und zum nächsten Buch greifen. Aber so eine Bücherwand ist natürlich auch heikel. Wie kommt man an die Bücher oben dran? Mit einer großen Bücherleiter, die man hin und herschiebt? Oder fest eingebaut, mit Schienen? Ja, aber da kann es gewisse Risiken geben. Man kann stolpern, von der Leiter fallen. Außerdem gibt es in manchen Wohnungen relativ wenig Platz.

Der japanische Architekt Shinsuke Fujii hat in der Stadt Shinyoshida eine brilliante Idee verwirklicht.

Da ist das Gebäude wohl größtenteils aus Holz. Und die Bücherwand - steht schräg. Mit zwei Effekten.

Zum einen ist das eine begehbare Bücherwand. So daß man keine Leiter benötigt.

Zum anderen ist die Bücherwand - erdbebensicher.
.

Die Seite des Architekten: House in Shinyoshida

http://fujiia.c.ooco.jp/shinyo_e.html

Japanese Home Designed Around a Climbable Bookshelf

http://www.spoon-tamago.com/2017/11/29/climbable-bookshelf-home/

.
Das ist in der Nähe von Yokohama. Die Planung entstand kurz nach dem Erdbeben 2011. Der Auftrag des Bücherliebhabers war: Ein Haus mit einer großen Bücherwand. Die leicht zugänglich sein sollte. Und erdbebensicher sollte das sein. So daß nicht bei einem Erdbeben die ganzen Bücher durcheinanderfallen.

Die Lösung: Eine Seite des Hauses wurde abgeschrägt. Dort kam die ebenfalls schräge Bücherwand hin, deren Regale gleichzeitig als Leitersprossen fungieren. Damit kommen die Familienmitglieder leicht an alle Bücher ran. Und bei einem Erdbeben dürften die meisten Bücher an ihrem Platz bleiben.

Die Bücherwand bestimmt damit die Wohnung von innen. Ebenso wie die markante Schräge dem Haus von außen her eine ungewöhnliche Gestalt verpaßt. Durch die zusätzlichen inneren Fenster auf der oberen Ebene, die dort vom Boden bis zur Decke gehen, kommt an zwei Stellen großzügig Licht ins Innere.

Zwei Daten finden sich dort:

Site Area   105.67m2
Floor Area   86.16m2

Der erste Wert dürfte die Grundstücksgröße sein. Also etwa 10 x 10 Meter.

Die Einpassung der beiden Ebenen ist unter

http://fujiia.c.ooco.jp/shinyoplan_e.htm

zu finden.

Interessant ist auch das unterste Bild im Spoon-Tamago - Link: Hätte man das Haus mit senkrechten Wänden gebaut, dann wäre entweder der Abstand vom Haussockel zum Nachbargrundstück sehr viel geringer geworden. So daß nur eine ganz schmale Gasse freigeblieben wäre. Oder man hätte das Haus auf dem jetzigen Sockel mit senkrechten Wänden aufgesetzt. Damit wäre das im Inneren enger geworden.

So sorgt die schräge Wand dafür, daß außen unten mehr Platz ist. Und in der Wohnung öffnet sich das nach oben hin. So daß die Wohnung nach oben hin größer wird und damit lichter wirkt.

--

Auf der Website des Architekten finden sich noch weitere Häuser mit so einem ausdrucksstarken Äußeren. Etwa das

House in sugao

http://fujiia.c.ooco.jp/sugao_e.htm

Das wie eine große Welle daherkommt.

Wieviel mobiles 4G LTE-Datenvolumen gibt es für 30 Euro pro Monat? In 11 Staaten unlimitiert, vier mit maximal 100 GB - Deutschland mit 15 GB für knapp 25 Euro - Rewheel-Forschung

03.12.2017 23:55:18, Jürgen Auer, keine Kommentare
Rechts sind die Staaten mit unlimitiertem Traffic bzw. maximal 100 GB / Monat.

In den meisten Staaten gibt es für 30 Euro / Monat allerdings deutlich weniger.

Quelle: Bildschirmphoto aus dem verlinkten PDF.

Deutschland sei im digitalen Bereich eher mau. So die landläufige Einschätzung. Aber an welchen Zahlen läßt sich das festmachen?

Das finnische Beratungsunternehmen Rewheel beobachtet u.a. den Mobilfunkmarkt. Und hat nun eine Zusammenstellung veröffentlicht: Wieviel bekommt man für maximal 30 Euro pro Monat an mobilem 4G LTE-Datenvolumen?

Die Seite mit den neuesten Ergebnissen:

The state of 4G pricing – 2H2017 – Digital Fuel Monitor 8th release

http://research.rewheel.fi/insights/2017_nov_pro_2h2017_release/

Das 5-Seiten-PDF: Free summary, key findings, table of contents (5 pages, pdf)

http://research.rewheel.fi/downloads/The_state_of_4G_prcing_DFMonitor_8th_release_2H2017_PUBLIC.pdf

Die Grafik oben ist ein Bildschirmphoto aus dem PDF.

.
In 23 der insgesamt 41 EU28 & OECD - Länder gibt es nicht limitierte Pakete für die mobile Nutzung. Mindestens 1000 Minuten und 3 MBit/s.

Für maximal 30 Euro pro Monat gibt es in 16 dieser Staaten Tarife mit mindestens 100 GB oder unlimitiert. Merkwürdigerweise listet die Grafik nur 15 Staaten.

Unlimitierte Tarife gibt es in Irland, Finnland, Dänemark, Bulgarien, Schweiz, Niederlande, Slowakische Republik, Kroatien, Lettland, Estland und Litauen.

Tarife mit einer 100-GB-Limitierung gibt es in Großbritannien, Schweden, Frankreich und Israel.

Sieht man sich auf der Startseite

http://research.rewheel.fi/

die interaktive Grafik mit den Einzelpreisen an, dann liegen die Tarife teils deutlich unter 30 Euro / Monat. In Frankreich etwa bei 19,99 Euro, in Dänemark bei 25,87 Euro. In den Niederlanden zahlt man genau 25 Euro, in den drei baltischen Staaten geht das runter bis 15,75 in Litauen.

In Deutschland dagegen gibt es 15 GB für knapp 25 Euro, in Österreich gibt es für etwa denselben Preis 30 GB. Die USA sind da auch teuer - 10 GB für 21,25 Euro. In Europa ist die Tschechei mit 3 GB für 25,97 Euro Schlußlicht. Dahinter liegt nur noch Kanada, wo 2 GB 26,4 Euro kosten. Wobei für einige Staaten (Griechenland, Ungarn und Malta) solche Angebote gar nicht zu existieren scheinen.

Die umgerechneten Preise pro Gigabyte: Die Unterschiede sind extrem. Südkorea kommt auf 13,4 Euro pro GB, Kanada auf 12,1 Euro, die USA auf 9,6 Euro. Japan (5,7) und Deutschland (5,0) scheinen da besser abzuschneiden. Aber der Hinweis in der Grafik:

Exorbitante Preise für all diese Länder.

Der OECD-Schnitt liegt bei 3,3 Euro, der EU28-Schnitt bei 2,4 Euro. Länder wie Frankreich (0,8 Euro) und Finnland (0,3 Euro) sind deutlich günstiger.

Beim mobilen Breitband sehen die Daten ähnlich aus. Der Medianwert von Kanada liegt 117-fach über dem vergleichbaren Wert von Finnland.

Die zugrundeliegenden Zahlen werden aus tausenden von Smartphone-Tarifen der entsprechenden Staaten gesammelt.

Interessant dabei finde ich, daß zwei Staaten wie Finnland und Kanada, die beide relativ gering bevölkert sind, da so massiv auseinanderlaufen.

Daß dicht bevölkerte Staaten wie die Niederlande einen Vorteil haben, sieht auf den ersten Blick nachvollziehbar aus. Aber in den Niederlanden gibt es für 25 Euro unlimitierten Zugang. Im benachbarten Belgien gibt es für 26,40 Euro grade mal 5 GB.

The Art of Flying - Die Kunst zu fliegen - eine Aufnahme eines riesigen Schwarms fliegender Stare - vom niederländischen Filmmacher Jan van Ijken

02.12.2017 23:55:55, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ein Vogelschwarm: Da denkt man vielleicht an ein paar Störche, die gemeinsam unterwegs sind. Oder an die hier in Berlin grade im Winter häufig zu sehenden Nebel- und Aaskrähen.

Manchmal gibt es ja so vielleicht ein paar hundert Vögel auf einmal. Etwas andere Dimensionen hat der niederländische Filmmacher Jan van Ijken beobachtet.

Er konnte im relativ warmen Winter 2014/2015 einen großen Schwarm beobachten. Und filmen. Damals waren viele Stare in den Niederlanden geblieben.

Das Ergebnis ist beeindruckend.
.

‘The Art of Flying’ Captures the Shape-Shifting Wonder of a Murmuration of Starlings

http://www.thisiscolossal.com/2017/11/the-art-of-flying/

Die kurze Zwei-Minuten-Version direkt auf Vimeo:

The art of flying - short 2 min version

https://vimeo.com/241007433

.
> The art of flying is a short film about “murmurations”: the mysterious flights of the Common Starling. It is still unknown how the thousands of birds are able to fly in such dense swarms without colliding. Every night the starlings gather at dusk to perform their stunning air show.

Ein kurzer Film über den "Formationsflug". Es sei unbekannt, wie tausende Vögel so dicht fliegen können, ohne daß sie ständig kollidieren. Jede Nacht gäbe es diese überwältigende Luftshow.

Aus dem ersten Link:

> The phenomena appears like an undulating cloud, quickly shifting directions, density and shape as it traverses overhead.

Wie eine wogende Wolke, mit schnell sich ändernder Richtung, Dichtheit und Gestalt.

Teils kommen die Stare der Kamera relativ nahe. So daß man diverse Einzeltiere sieht und es relativ laut wird.

Auch hier in Berlin kann man so etwas - manchmal - beobachten. Nordwestlich vom Berliner Dom auf der Museumsinsel gibt es diverse hohe Bäume. Da fallen auch manchmal abends Schwärme ein. Und man kann beobachten, wie der Schwarm "vom Baum geschluckt" wird. Ohne daß es Zusammenstöße mit Ästen oder den bereits sitzenden Vögeln kommt.

Nur drunter durchlaufen sollte man nicht unbedingt. Sonst gibt es womöglich feuchte Ladungen von oben.

Auf seiner Website

http://www.janvanijken.com/

soll es noch eine Sieben-Minuten-Version geben. Leider ist die Website aktuell nicht erreichbar.

Über 13500 Dollar für Microtransactions - Süchtig nach Ingame-Käufen - der Spieler Kensgold berichtet aus seinem Leben und seinen Erfahrungen mit Spielen und Spielsucht

01.12.2017 23:50:05, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man kann Computerspiele spielen. Und man kann in diesen Spielen oft Dinge dazu kaufen. Das sind Ingame-Käufe. Aber diese Ingame-Käufe, bei denen es sich meist um Microtransactions, also um relativ geringe Einzelbeträge handelt, führen bei manchen Spielern zu einer Sucht: Der Sucht nach Ingame-Käufen.

Ein Spieler, der sich - anonym - Kensgold nennt, hatte einen öffentlichen Brief geschrieben. Kotaku, ein US-Portal hat mit ihm Kontakt aufgenommen. Und ihn interviewt.
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Der Artikel bei Kotaku: Meet The 19-Year-Old Who Spent Over $10,000 On Microtransactions

https://kotaku.com/meet-the-19-year-old-who-spent-over-10-000-on-microtra-1820854953

Der Beitrag in einem reddit-Forum: An open letter to DICE, EA, and other devs: I am 19, and addicted to gambling

https://www.reddit.com/r/StarWarsBattlefront/comments/7dfoqg/an_open_letter_to_dice_ea_and_other_devs_i_am_19/

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Seine Geschichte in Kurzform (aus seiner eigenen Zusammenfassung im zweiten Link):

Er ist 19, hat etwa 15 Dollar pro Stunde für Ingame-Käufe gezahlt. Wanderte von Spiel zu Spiel. Er habe über 10.000 Dollar ausgegeben. Teils hatte er zwei Jobs, um seine Spielsucht zu finanzieren.

> Please help micro transactions to be known as a far more dangerous type of purchase than a pack of gum.

Microtransactions seien deutlich kritischer als der Kauf einer Packung Kaugummi.

Angefangen habe seine Sucht, da war er 14. Da ging er auch auf die High School. Seine Sucht hätte ihn fast die High School gekostet. Anschließend schildert er Details. Wie er gearbeitet hat, um die nächsten Microtransactions zu finanzieren. Am Ende:

> Say no to unregulated Micro-Transactions. If you don't have the authority please find some one who does. Tell them about people like me and ask them for their help.

Erst war er bei Clash of Clans. Ein Jahr später wechselte er zu "The Hobbit: Kingdoms of Middle-earth". Da kann man Städte aufbauen, diese vergrößern. Und das mit Microtransactions beschleunigen.

Die Top-Spieler scheinen dort tausende von Dollars zu investieren. Sie werden "whales" genannt. Jene, die extrem viel ausgeben und damit andere zur Nachahmung anreizen.

> “It never feels like you’re making a good decision when you spend that hundred dollars,” he said. “But at the time I was like, ‘What else am I going to spend it on?’ There weren’t really any repercussions to enforce like, ‘Yo, idiot, stop.’”

Es fühle sich niemals als eine gute Entscheidung an, wenn man hunderte von Dollars ausgibt. Von den 300 - 400 Dollar, die er alle zwei Wochen erhielt, gingen 90 % in Ingame-Käufe. Dann gab es den zweiten Job.

Dann stieg er aus diesem Spiel aus. Aber nicht aus Einsicht. Sondern weil das Spiel nach China verkauft wurde. Daraufhin gab es Änderungen - und Spieler wanderten massiv ab. Nachdem die meisten Ingame-Freunde weg waren, gab es für ihn keinen Anreiz mehr für Ingame-Käufe.

Stattdessen ging es vom Smartphone auf dem PC weiter. Mit Smite und Counter-Strike: Global Offensive. Da gab er Geld für Dekorationen aus.

> “It’s not a really big deal if I see that skin and I really want it, because it looks awesome. And if I just drop 100 bucks I’m pretty much guaranteed to get that kind of thing.” He’d see a friend playing a character in a costume that he didn’t have and immediately feel the urge to spend the $10, $20, or $50 it cost to get it.

Inzwischen hat er damit aufgehört. Und seine Kollektion liquidiert. Entscheidend:

> “I had to get up the nerve to ask for help,” Kensgold said. “To get a therapist to lay it out for me, like ‘This is what you’re doing, this is how you can help yourself, here are the tools to help you.’”

Er hatte es geschafft, um Hilfe zu bitten. Das hatte schließlich ausgereicht.

Die Microtransactions seien nicht so harmlos, wie sie aussehen.

> “They can lead you down a path. It’s not like buying a stick of gum at the store.”

Seine Hoffnung:

> If more people realize how destructive microtransactions can be, Kensgold thinks that’ll help prevent others from dropping thousands of dollars on digital power-ups and cosmetics.

Wenn mehr Leute kapieren, wie destruktiv Microtransactions sein können, könne das Leute davor bewahren, tausende von Dollars für "digitale Stärke" und Verschönerungen auszugeben.

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Persönlich haben mich Spiele nie gereizt. Deshalb kenne ich das auch nicht. Daß diese "Kette von Ausgaben" für manche allerdings eine gewaltige Sogwirkung entwickeln kann, so daß das Spiel süchtig macht: Das kann ich mir gut vorstellen.

LavaRand - The Entropy Wall - Zufallszahlen zur Verschlüsselung wirklich zufällig erzeugen - mit einer Wand von Lavalampen - beim Content delivery network Cloudflare

30.11.2017 19:13:06, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Content delivery network - Anbieter Cloudflare hat ein Problem: Über ihn läuft etwa 10 Prozent des gesamten Internet-Traffics. Der ist zu verschlüsseln.

Aber: Für Verschlüsselungen braucht man Zufallszahlen. Immer wieder neu, in großer Anzahl. Nur: Wenn Computer Zufallszahlen mit "einfachen Techniken" berechnen, dann sind diese womöglich gar nicht mehr so zufällig. So daß man aus einigen Zufallszahlen die nächsten errechnen oder zumindest brauchbar genau schätzen kann. Und schon ist die Verschlüsselung gefährdet. Zufallszahlen müssen also nicht nur zufällig, sondern auch unvorhersagbar sein (unpredictable).

Deshalb nutzt Cloudflare zur Generierung von Zufallszahlen: Lavalampen. Und nicht nur eine oder vielleicht fünf. Stattdessen kommt eine ganze Schrankwand von Lavalampen zum Einsatz. Und diese "LavaRand" steht auch nicht irgendwo versteckt in einer hinteren Kammer. Sondern ist in der Lobby vom San Francisco Office aufgebaut.
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These are the Lava Lamps that Help Keep the Internet Secure. Seriously

http://tribunist.com/technology/these-are-the-lava-lamps-that-help-keep-the-internet-secure-seriously/

Der Originalartikel im Cloudflare-Blog mit diversen technischen Details: LavaRand in Production: The Nitty-Gritty Technical Details

https://blog.cloudflare.com/lavarand-in-production-the-nitty-gritty-technical-details/

Eine vereinfachte Version ohne zuviel Technik: Randomness 101: LavaRand in Production

https://blog.cloudflare.com/randomness-101-lavarand-in-production/

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Das Prinzip: Eine Kamera macht regelmäßig Aufnahmen. Jedes Bild unterscheidet sich von anderen Bildern, weil bereits eine Lavalampe extrem zufällige Bilder produziert. Erst recht gilt das für so eine Schrankwand von Lavalampen.

Die Wirkung: Die dort eingesetzten Verschlüsselungen sind "härter" als so manch eine andere Verschlüsselung, welche die aktuelle Uhrzeit und das Datum sowie diverse Hardwaremerkmale nutzen.

Denn bei diesen gibt es das "natürliche Problem", daß jeder Algorithmus aus demselben Input denselben Output produziert. Sehr schlecht für "richtige Zufallszahlen", noch schlechter für die darauf basierende Verschlüsselung. Computer sind eben gut, sich vorhersagbar = predictable zu verhalten.

Nick Sullivan, head of cryptography at Cloudflare:

> “Cloudflare was one of the first companies to provide free SSL encryption for websites, so the connection between your web browser and the website you are going to is fully encrypted and invisible for eavesdroppers to be able to look at.”

Cloudflare war eine der ersten Unternehmen, die kostenlose SSL-Verschlüsselung angeboten haben.

Das Video direkt auf YouTube: The Lava Lamps That Help Keep The Internet Secure

https://www.youtube.com/watch?v=1cUUfMeOijg

> At the headquarters of Cloudflare, in San Francisco, there's a wall of lava lamps: the Entropy Wall. They're used to generate random numbers and keep a good bit of the internet secure: here's how.

Praktisch wird die LavaRand - Wand genutzt, um den dort eingesetzten Servern eine weitere Entropiequelle zur Verfügung zu stellen. Die Server nutzen zunächst die Entropiequellen, die eben so üblich sind - etwa Datum/Uhrzeit, Temperatursensoren und andere Merkmale. Aber der Strom ständig neuer Bilder liefert nochmals eine neue Entropie. Die zusätzlich verwendet werden kann, um die Verschlüsselung unvorhersagbarer zu machen.

Ganz neu ist die Idee ebenfalls nicht. Silicon Graphics hatte sich das 1996 patentieren lassen, das Patent ist inzwischen ausgelaufen. Davon hatte sich Cloudflare inspirieren lassen.

Interessant daran ist, daß als Datenquelle nicht etwas serverinternes genutzt wird. Je mehr gleichartige Server es gibt, umso eher kann das zu Problemen führen. Sondern daß die "Offline-Welt" draußen als Entropiequelle verwendet wird.

Online-Marketing: Jeder sechste Nutzer bis 29 kauft Produkte, die von Influencern vorgestellt wurden - BVDW-Studie - Einnahmen ab 5000 Dollar pro Post bei 100K Followern

29.11.2017 23:55:14, Jürgen Auer, keine Kommentare

Einige interessante Daten zum "neueren Online-Marketing" per Influencer fanden sich in den folgenden zwei Links:

Zum einen eine Studie vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. und Influry zur Wirkung von Influencern:

Zum anderen ein Text, der Zahlen nennt, was Top-Influencer für einzelne Posts bekommen.
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Jeder Sechste kauft ein Produkt, das er zuvor bei einem Influencer sah

https://www.bvdw.org/der-bvdw/news/detail/artikel/jeder-sechste-kauft-ein-produkt-das-er-zuvor-bei-einem-influencer-sah-1/

Ganz schön viel Zaster: So viel verdienen die populärsten Social-Media-Stars

http://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Internet-Social-Media-Stars-Verdienst-Influencer-17198465.html

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In dem zweiten Text ist unten eine Grafik eingebunden. Demnach können "kleine Influencer" mit 100 - 500 Tausend Followern mit einem Post auf Instagram 5.000 Dollar verdienen. Auf Facebook gibt es im Schnitt 6.250 Dollar, auf YouTube bereits 12.500 Dollar.

Bei 500.000 - einer Million Follower verdoppelt sich das ungefähr. Zwischen einer und drei Millionen ist das eine erneute Verfünffachung (125.000 Dollar auf YouTube, 50.000 Dollar auf Instagram). Bei mehr als 7 Millionen Followern ist von 300.000 Dollar auf YouTube, 187.500 Dollar auf Facebook und 150.000 Dollar auf Instagram die Rede.

Die Studie gibt es auch als PDF zum Download:

https://www.bvdw.org/fileadmin/bvdw/upload/studien/171128_IM-Studie_final-draft-bvdw_low.pdf

Demnach hat jeder sechste Online-Nutzer zwischen 14 und 29 Jahren bereits Produkte gekauft, die von einem Influencer gezeigt wurden. Bei den 30 - 49 - Jährigen reduziert sich das auf 7 Prozent, wobei die 30 - 39 - Jährigen noch auf 8 Prozent, die ältere Gruppe nur noch auf 5 Prozent kommt. Bei den Gruppen ab 50 Jahren sind das nur noch jeweils 3 Prozent pro Altersgruppe. Noch höher liegt die Quote bei jenen Nutzern, die social-media-affin sind. Von diesen haben schon 22 % ein solches Produkt gekauft.

Facebook und YouTube sind die beiden wichtigsten Plattformen. Auf Facebook wurden 52 Prozent auf ein Produkt aufmerksam. Auf YouTube 37 Prozent. Whatsapp (22 Prozent), Instagram (15 Prozent) und Google+ (15 Prozent) folgen.

Die wichtigste Branche: Food.

Das PDF-Dokument nennt einige weitere interessante Daten. So wurden zwar 15 Prozent der Nutzer bei Influencern fündig. Aber 21 Prozent bei Angeboten von Unternehmen. Und 12 Prozent bei Angeboten von Privatpersonen. 47 Prozent meinten dagegen, daß sie nicht fündig geworden seien.

Die Form der Werbung: "Frage: „Wie wurde das Produkt oder der Service, das/den Sie online gesehen haben, präsentiert?“"

Auf je 47 % kommen Werbevideos und Banner. Die Variante "Person, die ein Produkt / Service präsentiert" kommt auf 38 %.

Die Frage nach der Glaubwürdigkeit:

> Frage: „Welche dieser Arten von Produktinfos ist für Sie besonders glaubwürdig?

Empfehlungen von Freunden und Bekannten kommen auf 63 %. Bewertungen von Kunden auf Produktseiten auf 48 %. Produktvorstellungen von Influencern auf 29 %. Das ist also deutlich weniger. Das ist allerdings noch mehr als Artikel in Zeitungen / Zeitschriften (27 %) und Empfehlungen von Privatpersonen in sozialen Netzwerken, denen ich folge (26 %). Anzeigen in Zeitungen / Zeitschriften und Empfehlungen von Unternehmen, denen ich folge, sind mit 11 % deutlich weniger glaubwürdig. TV-Spots kommen auf nur 7 %. Empfehlungen von Stars / Prominenten, denen ich auf sozialen Netzwerken folge, werden nur mit 5 % Glaubwürdigkeit eingeschätzt.

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Interessante Daten. Der Vergleich zu klassischen Werbemethoden ist spannend.

Digitalisierung der Unternehmen - jedes vierte Unternehmen sieht seine Existenz bedroht, 60 Prozent sehen sich als Nachzügler - BITKOM-Umfrage

28.11.2017 23:32:43, Jürgen Auer, keine Kommentare

Die Digitalisierung von Unternehmen: Einerseits ist das ja mein eigenes Kerngeschäft. Schließlich ist es für meine aktiven Kunden typisch, daß sie sich immer mal wieder neue Dinge einfallen lassen und sich das in ihrer Web-Datenbank dazu bauen lassen.

Andererseits beobachte ich immer wieder große Zögerlichkeiten und Bedenken bei Interessenten. Die sich lieber nicht auf so eine Dienstleistung einlassen und stattdessen bei effektiv zu schwachen Lösungen stecken bleiben. Dann sind Datenverwaltungen viel zu umständlich, Daten müssen mehrfach eingegeben und parallel gepflegt werden. So daß das Unternehmen Zeit verliert. Oder Daten und damit letztlich Aufträge, etwa weil Informationen veraltet sind.

Deutschlandweit scheint das ein sehr weit verbreitetes Phänomen zu sein. Die BITKOM-Studie kommt zu interessanten Ergebnissen:
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Unternehmen wünschen sich Digital-Offensive der Politik

https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Unternehmen-wuenschen-sich-Digital-Offensive-der-Politik.html

Die Studie als PDF: Digitalisierung der Wirtschaft (15 Seiten):

https://www.bitkom.org/Presse/Anhaenge-an-PIs/2017/11-November/Bitkom-Charts-Digitalisierung-der-Wirtschaft-28-11-2017-final.pdf

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Einerseits boomt die deutsche Wirtschaft. Andererseits sorgt aber genau das für volle Auftragsbücher und "keine Zeit". Mit der Wirkung, daß die Zeitfresser so beibehalten werden, anstatt daß man sie mal abstellen würde.

Chancen und Risiken: "Sehen Sie die Digitalisierung eher als Chance oder eher als Risiko für Ihr Unternehmen?"

13 % sahen eher Risiken, 86 % eher Chancen. Aber: Auf die Frage

> Welche Aussagen treffen im Zusammenhang mit der Digitalisierung auf Ihr Unternehmen zu?

antworteten 30 % mit: "Wir haben Probleme, die Digitalisierung zu bewältigen". Und gewaltige 25 %, also jedes vierte Unternehmen, stimmte der Aussage zu:

> Die Digitalisierung gefährdet die Existenz unseres Unternehmens.

Da muß ich gestehen, daß ich das einerseits "etwas schräg" finde. Andererseits: Wie ist das gemeint? Daß das Unternehmen versucht, zu digitalisieren und daran scheitert? Oder daß das Unternehmen nicht digitalisiert, die Konkurrenten aber digitalisieren. Und das Unternehmen deshalb Kunden verliert und irgendwann mangels Kunden untergeht?

44 % sagen: "Als Folge der Digitalisierung bieten wir neue Produkte bzw. Dienstleistungen an."

Anpassungen gibt es bei 62 %. Aber 31 % nehmen bestimmte Produkte und Dienstleistungen vom Markt.

Gibt es eine Digitalstrategie? 37 % haben eine zentrale digitale Strategie. 31 % haben in einzelnen Bereichen eine digitale Strategie. 28 % haben keine Strategie, 4 % können das nicht sagen.

Lediglich bei 21 % der befragten Unternehmen gibt es ein Team, das sich nur mit der Digitalisierung beschäftigt. Nur bei 10 % gibt es einen Chief Digital Officer oder Leiter Digitalisierung.

60 Prozent sehen sich selbst als digitale Nachzügler. Nur 20 % wollen in diesem Jahr gezielt in die Digitalisierung investieren. Und 57 % berichten, daß Wettbewerber aus der Internet- bzw. IT-Branche in ihren Markt drängen.

Bei der Einschätzung neuer Technologien fällt auf, daß die Unternehmen diesen deutschlandweit eine wesentliche Rolle zusprechen. Aber für das eigene Unternehmen ist die Relevanz durchweg niedriger.

85 % meinen, daß die Digitalisierung Top-Thema der nächsten Bundesregierung werden müsse. 53 % diagnostizieren aber, daß der Politik das Verständnis für die Digitalisierung fehlen würde.

Die Erwartungen an die nächste Bundesregierung sind hoch. So sollen Ämter und Behörden Leistungen auch auf digitalem Weg anbieten (97 %), Bund und Länder sollen die digitale Bildung fördern (95 %) und es soll eine zentrale Koordination in der Bundesregierung geben (92 %). Dahinter der Breitbandausbau bis 2025 (83 %).

Auf die Frage "Wo sehen Sie die deutsche Wirtschaft im weltweiten Vergleich beim Thema Digitalisierung im Jahr 2030?" sehen 10 % Deutschland weltweit führend, 38 % Deutschland in der Spitzengruppe, 32 % im Mittelfeld, 12 % als Nachzügler, 5 % als abgeschlagen und 3 % antworteten nicht oder mit "weiß nicht".

Befragt wurden 505 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern.

Der Bitkom-Präsident Achim Berg (aus der obigen PM):

> „Chancen muss man nicht nur erkennen, man muss sie ergreifen. Wir brauchen eine Vision für das digitale Deutschland – und wir brauchen einen konkreten Plan, wie wir sie schnell erreichen“

Und weiter:

> „Die Digitalisierung wartet nicht auf Deutschland. Unternehmen und Politik sind hier gleichermaßen in der Pflicht, sie aktiv zu treiben und zu gestalten.“

Die Aufgabe laute, aus dem Industriestandort Deutschland einen Digitalstandort Deutschland zu machen. Sowie:

> „Die Digitalisierung braucht Weichenstellungen und sie braucht Tempo. Es darf nicht länger der Langsamste das Tempo vorgeben, wir müssen runter von der Bremse.“

Nach meinem Eindruck wird es da für einige Unternehmen in den nächsten Jahren noch ein ziemlich böses Erwachen geben. Dann nämlich, wenn die Unternehmen feststellen, daß sie einfach abgehängt wurden.

Eine kleine Seitenbeobachtung: Gestern wurde im Stuttgarter Schlecker-Prozess das Urteil gesprochen. In einem Bericht

Pleite der Drogeriekette: Gericht verkündet Urteil über Anton Schlecker und seine Kinder

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/pleite-der-drogeriekette-gericht-verkuendet-urteil-ueber-anton-schlecker-und-seine-kinder/20630214.html

war die Rede davon, daß die Schlecker-Filialen noch bis zum Schluß per Fax neue Waren bestellt hatten. Es gab kein zentrales Warenwirtschaftssystem. Allerdings ist das nicht nur ein Phänomen dort. Sondern eben auch anderswo: Digitalisierung Fehlanzeige. Aufträge bitte per Fax. Dann wundert sich das Unternehmen, daß die Verwaltungslogik "unendlich lange" dauert und so teuer sei.

Das ist so einer der Punkte, wo meine Server-Daten - Kunden um Dimensionen weiter sind. Da werden die Aufträge gleich online eingegeben. Das Fax ist längst kein Thema mehr.

Death by Pokémon Go - Unglücksfälle durch abgelenkte Spieler - Studie der Purdue University in Indiana - mehrere Todesfälle und bis zu 7,3 Milliarden Dollar Schäden

27.11.2017 23:42:01, Jürgen Auer, keine Kommentare

Als Kind hatte ich manchmal in einem Buch gelesen - während ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs war. Ok, ein kleines Dorf, nicht zuviel Verkehr.

Etwas größere Dimensionen nimmt das inzwischen mit mobilen Geräten an: Da werden Spiele gespielt. Und das nicht nur in der Straßenbahn oder U-Bahn. Da ist es ungefährlich.

Sondern auch von Fußgängern und von Autofahrern.

Die Purdue University in Indiana hat nun versucht, abzuschätzen, zu wievielen Unglücken es durch Pokémon Go gekommen sein könnte.
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Ein Abstract: Death by Pokémon GO

https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3073723

Die ganze Studie: DEATH BY POKÉMON GO - Mara Faccio* and John J. McConnell**

https://papers.ssrn.com/sol3/Delivery.cfm/SSRN_ID3078063_code179428.pdf?abstractid=3078063&mirid=1

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Die Datengrundlage waren ausführliche Polizeiinformationen zu Unfällen in Tippecanoe County. Besonders betrachtet wurden die PokéStops, die Stellen, wo man die kleinen Monster einfangen konnte. Und zwar

> where users can play the game while driving

Ferner gab es andere Gebiete, Gyms, in denen Autofahrer explizit nicht spielen konnten. Bei den PokéStops gab es gehäuft Unfälle, in den Gyms dagegen nicht. Die Schlußfolgerung:

> We estimate the total incremental county-wide cost of users playing Pokémon GO while driving, including the value of the two incremental human lives lost, to be in the range of $5.2 million to $25.5 million over only the 148 days following the introduction of the game. Extrapolation of these estimates to nation-wide levels yields a total ranging from $2 to $7.3 billion for the same period.

Zwei Todesopfer, Gesamtkosten zwischen 5,2 und 25,5 Millionen Dollar in den 148 ersten Tagen. Das hochgerechnet auf die Gesamtzahl der US-Bürger wären 2 - 7,3 Milliarden Dollar.

Um den 06.07.2016 herum stieg die Zahl der Unfälle rund um die PokéStops signifikant an.

Tippecanoe County hat etwa 40.000 Studenten und eine Population von etwa 188.000 Personen (PDF Seite 6).

> Consistent with the use of mobile phones to play the game while driving, we find a significantly greater increase in the number of crashes in the vicinity of PokéStops than in the vicinity of Gyms.

Vor dem Start lag die Zahl der Unfälle pro Tag bei 17,25 Unfällen. Dann ging das hoch auf 19,26. Also etwa zwei Unfälle pro Tag mehr. Die Kosten stiegen von $4,370 auf $4,726. Die Zahl der Verletzten stieg von 0.196 auf 0.217.

Das Verhältnis der Unfälle zu den PokéStops versus Gyms:

> 19.75% of the locations of crashes are within 100 meters of a PokéStop, and 7.29% are within 100 meters of a Gym.

Die Daten sind erschreckend. Das PDF enthält diverse Informationen, wie das statistisch ermittelt wurde.

Denkbare Schlußfolgerungen: Das Spiel könnte unterbrochen werden, wenn sich der Spieler zu schnell bewegt. Oder es ploppt ein Hinweis auf, daß der Spieler bestätigen muß, daß er Passagier und kein Fahrer sei.

Praktisch ist das jene Unvernunft, bei der man nur hoffen kann, daß möglichst schnell autonomes Fahren Realität werden. Und daß Privatpersonen dann gar nicht mehr autofahren dürfen. Dann können sie sich aufs - ach so wichtige - Spielen konzentrieren.

Warum Gründungen scheitern - ein siebenfaches Bedauern von einem gefallenen Gründer - Gordon Tredgold über seine Erfahrungen

26.11.2017 23:53:23, Jürgen Auer, keine Kommentare

Warum scheitern Gründungen? Gordon Tredgold, der selbst gegründet hat, berichtet von 80 Prozent gescheiterter Gründungen. Dabei sei das Scheitern oftmals mit Gründen verbunden, die vermeidbar gewesen seien.

Er habe selbst so einige dieser Fehler bei sich entdeckt.

> Unfortunately, I have experienced plenty of that failure myself.

Nun listet er sie auf. Auf daß andere rechtzeitig davon lernen können. Um von Gründungsillusionen anderer zu profitieren.
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7 Regrets of a Failed Entrepreneur - Things I learned that I would do differently in my next business.

https://www.inc.com/gordon-tredgold/7-regrets-of-a-failed-entrepreneur.html

Auf Twitter:

https://twitter.com/GordonTredgold/status/928381705349750784

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> 1. Didn't do any market research

42 Prozent aller Gründungen würden scheitern, weil sie ein Produkt entwickeln oder einen Service anbieten, das einfach niemand braucht. Es sei toll, wenn Gründer ihr eigenes Produkt lieben. Aber wenn es die - potentiellen - Kunden nicht mögen, dann hat der Gründer kein Business. Stattdessen: Rechtzeitig Marktforschung betreiben.

> Find a problem that you can solve and offer a product that solves it.

Finde ein Problem, das Du lösen kannst. Und biete dafür ein Produkt an.

> 2. Didn't know who their customers were

Wer sind die idealen Kunden? Es würde ihn immer wieder überraschen, daß Gründer, die nach ihren idealen Kunden gefragt werden, darauf keine Antwort wüßten. Oder noch schlimmer: "Jeder könne unser Produkt nutzen". Wenn schon der Gründer nicht weiß, wer seine idealen Kunden sind. Dann wüßten diese auch nicht, wer der Gründer sei. Das macht es schwierig für sie, den Gründer zu finden und ihn zu bezahlen.

Es sei frustrierend, zu sehen, daß ein Geschäft kaputt geht. Mit einem ganzen Meer von unerschlossenen potentiellen Kunden drumherum.

> 3. Didn't use their network enough

An die eigene Familie und an Freunde und Bekannte verkaufen. Das könne sich falsch anfühlen. Oder wie ein Betteln um eine Spende. Aber er zitiert zwei Leute:

> "All things being equal, people will do business with and refer business to those people they know, like, and trust." --Bob Burg

und

> "Your network is your net worth." --Tim Sanders

Das eigene Netzwerk könne unschätzbare Leads liefern. Empfehlungen und direkte Geschäfte.

> 4. Didn't focus on sales enough

Nicht genügend auf den Verkauf fokussiert. Gründer - ihn mit eingeschlossen - würden gerne im Unternehmen arbeiten, sich mit den konkreten Fragestellungen ihres Produkts, ihrer Dienstleistung auseinandersetzen. Aber wenn Gründer zu sehr im Business arbeiten, würden sie über kurz oder lang außerhalb des Business landen.

Ein interessanter Satz:

> If you're not aggressive about sales, then you don't have a business. You have a hobby.

Wer nicht aggressiv verkauft, der hat kein Business. Der hat ein Hobby.

> 5. Set prices too low

Preise zu niedrig ansetzen. Wer einen Service anbietet, der läuft leicht Gefahr, in die Falle zu tappen. Er setzt die Preise anhand der Kosten an, nicht anhand des Wertes. Oft wird ein simples Kosten+-Preismodell gewählt.

Preise müßten sich daran orientieren, welchen Wert sie dem Kunden bringen. Nicht daran, wieviel Zeit aufgewendet wird.

> 6. Focused on revenue, not profit

Es sei nicht wichtig, wieviel man einnimmt. Entscheidend ist, wieviel einem bleibt. Fokussiert auf den Umsatz, nicht auf den Gewinn.

Er berichtet von einer Gründerin. Sie hatte einen Monatsumsatz von 20.000 Dollar und wollte den auf 40.000 Dollar steigern. Allerdings wußte sie nicht, wieviel Gewinn sie gemacht hatte. Zwei Wochen Klärungen ergaben, daß sie verschiedene Produkte mit verschiedenen Gewinnspannen hatte. Zwischen 5 und 50 Prozent. Im Schnitt kam sie auf 10 Prozent. Ergebnis: Sie arbeitete 240 Stunden im Monat für einen Gewinn von 1500 Dollar. Etwas mager.

Anstelle nun den Umsatz zu erhöhen, konzentrierten sie sich darauf, die teuren Lieferanten zu ersetzen. Das Ergebnis war, daß sich der Gewinn auf 40 Prozent erhöhte. Absolut ging das von 1000 Dollar auf 8000 Dollar pro Monat hoch. Ohne Umsatzsteigerung und ohne Mehrarbeit.

> 7. Increased costs too quickly

Die Kosten zu schnell steigern. Da werden zu teure Büros angemietet, zuviele Dinge gekauft. Zuviel Geld für eine aufwendige Website ausgegeben. Oder für einen Firmenwagen. Es gäbe viele Dinge, für die man Geld ausgeben kann. Aber die Kosten müßten parallel zum Gewinn steigen. Bei seiner ersten Gründung habe er Büroräume angemietet, die viel zu groß gewesen seien. Und er bezahlte noch ein Jahr länger, nachdem das Geschäft längst geschlossen war.

Gründungen könnten aus diversen Gründen scheitern. Aber dieser Punkt sei der, den man hinterher am meisten bedauern würde.

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Das mit der Markterforschung finde ich schwierig. Denn wenn eine Dienstleistung eher neu ist: Wie will man dann einen "Markt erforschen"? Eigentlich kann man das nur dadurch machen, daß man startet und in den Markt geht. Und dann zusieht, daß man erste Kunden findet, über die man weiterlernt.

Die Fokussierung auf Sales ist eine Herausforderung. Grade dann, wenn es von Bestandskunden immer wieder Neuaufträge gibt, so daß man mit diesen beschäftigt ist.

Bei meinen eigenen Mietpreisen hatte ich ursprünglich ein zu stark degressives Modell. Bis mir klar wurde, daß ich damit Gefahr laufe, an zu großen Kunden pleite zu gehen. So daß die Hardware komplett ausgelastet ist. Aber zu wenig Gewinn übrig bleibt.

Die Umsatzorientiertheit sehe ich bei diversen großen deutschen bzw. europäischen Startups problematisch. Da werden zwar ständig wachsende Umsätze genannt. Aber das geht einher mit ständig wachsenden Marketingausgaben. Bei so manch einem dieser Essensvermittler und ähnlichen Dienstleistungen sehe ich nicht, wie da mal wirklich schwarze Zahlen draus werden sollen.

Die Kosten zu schnell hochjagen dürfte bei vielen Gründungen wirklich ein Hauptproblem sein. Da müssen zu viele Gründer ernährt werden. Oder es wird Fremdkapital eingeworben, das zu hohen Mitarbeiterkosten führt. Irgendwann laufen dann die Kosten davon und es gibt weder eine Anschlußfinanzierung noch ein nennenswerter Umsatz. Dann ist das Startup insolvent.

MADI - Flat-pack-Home - ein Haus zum Aufklappen - für 32000 Dollar mit einer Aufbauzeit von 6 Stunden - schickes tiny house von Renato Vidal

25.11.2017 23:37:39, Jürgen Auer, 3 Kommentare

Die tiny-house - Bewegung: Kompakte, kleine Häuser, die nur minimal Platz bieten. Davon gibt es inzwischen unterschiedlichste Varianten.

Der italienische Architekt Renato Vidal hat nun eine verblüffende Lösung entwickelt: Ein vormontiertes Haus. Genannt MADI.

Das steht für "modulo abitativo dispiegabile", ein modulares, zerlegbares Wohngebäude. Wobei eher die Umkehrung genutzt wird: Wesentliche Teile des Gebäudes werden "geschickt vormontiert" angeliefert und aufgeklappt. So ähnlich, wie man das aus manchen Büchern kennt. Bei denen beim Aufklappen dreidimensionale Gebilde entstehen.

Jedenfalls läßt sich so ein "kompakter Packen Haus" auf einem Laster oder per Container anliefern. Die Bodenplatte muß schon existieren. Das ist bei der Aufbauzeit nicht mit berücksichtigt. Und dann wird der Packen auf die Fläche gelegt. Per Kran ein Stück hochgezogen. Details klappen auf und das Haus wird zusammengebaut.
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Flat-pack home costs $32K and can be built in six hours

https://nypost.com/2017/11/21/flat-pack-home-costs-32k-and-can-be-built-in-six-hours/

Die italienische Website: M.A.D.I

https://www.madihome.com/copia-di-home

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Der Haupttext von der Website:

> M.A.Di. is an unfoldable modular living unit. Using an unfolding technique, this construction system allows to realize earthquake-resistant buildings for residential, leisure and hospitality. M.A.DI. can be also used to set-up of temporary villages for sports, fairs and first aid facilities in case of natural disasters.

Eine aufklappbare, modulare "Lebenszelle". Damit können erdbebensichere Gebäude für verschiedene Zwecke erbaut werden.

In dem (Facebook-) Video sieht man, wie das aufgeklappt wird. Die rechteckige Grundfläche hat bereits zwei Außenwände an den schmalen Seiten. Aus den geklappten Teilen entsteht einerseits das Spitzdach. Andererseits ist ein Zwischenstück mit dabei, das eine zweite Etage erzeugt.

Die relativ steilen Dächer können mit Solarpanels zur Stromerzeugung genutzt werden. Bei Bedarf kann das Haus auch wieder zusammengefaltet und an einem anderen Ort neu aufgebaut werden.

Auf der Website ist allerdings von einer Gesamtbauzeit von zwei Tagen die Rede.

Man kann nur ein einziges Modul nutzen. Dann stellt das Haus 27 Quadratmeter zur Verfügung. Oder zwei Module werden nebeneinandergestellt. Dann sind das 56 Quadratmeter. Auch eine Drei-Modul-Variante gibt es. Dann hat eine Familie 84 Quadratmeter Platz.

Auf der Website ist das Video unten per YouTube eingebunden.

MADI home flatpack, tiny house

https://www.youtube.com/watch?v=usbyJLOiFbE

Eine spannende Lösung. Nicht unbedingt für die enge Großstadt. Aber für Kleinstädte bzw. das Umland wäre das auch eine schicke Lösung.

Das einzigste Problem: Das Haus wird in Italien hergestellt. Dementsprechend teuer wäre der Transport.

Auf der Website ist auch eine Preisliste 2017 eingebunden. Demnach kostet die 27-Quadratmeter-Version 28.000 Euro. Das kommt mit 6 x 3 Metern plus einer kleineren oberen Etage daher. Die 84-Quadratmeter-Variante benötigt eine Grundfläche von 6 x 9 Metern und kostet 62.000 Euro. Alles innerhalb von 200 km rund um die Fabrik ist frei. Drüber kostet jeder Kilometer 1,5 Euro Transportkosten. Lieferzeit: 60 Tage.

Chaos auf dem Radweg? Shift - niederländische Gruppe von Studenten der Verhaltenswissenschaft - löst das Chaos in Nijmegen durch Klebeband auf - Nudging

24.11.2017 23:34:38, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn sich ein Radweg gabelt: Die einen wollen geradeaus die Straße überqueren und warten an der Ampel. Die anderen wollen nach rechts abbiegen. Dann kann es dort schnell zu Staus kommen.

Vielleicht noch nicht in Deutschland. Dafür sind hier noch zu wenige Radfahrer unterwegs. Aber in Nijmegen (Niederlande). Da kann es sich rasch stauen, so daß das Risiko von Auffahrunfällen oder Fehlern beim Abbiegen besteht.

Läßt sich so eine Situation mit "kleinen Hinweisen" deutlich verändern?

Shift, eine Gruppe von Studenten der Verhaltenswissenschaft, löste das Problem. Mit Klebeband. Und Nudging = einen Anstoß liefern.
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SHIFT: Gedragsverandering op maat

http://www.shift-gv.nl/

Das Video direkt auf YouTube: Nudging cyclists at Keizer Karelplein Nijmegen

https://www.youtube.com/watch?v=0ziqlGgc8_k

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> Nudging is a popular method for changing human behaviour in a subtle way. The situation at Keizer Karelplein Nijmegen has been annoying us for quite some time now, so we decided to put our nudging skills to the test. We managed to change the cyclists behaviour using only duct tape.

Das Prinzip (siehe Video) ist ganz einfach: Mit Klebeband wurden zwei Fahrspuren voneinander abgetrennt.

Und Pfeile sorgten für die Eindeutigkeit: Hier ging es gradeaus. Dort ging es rechts ab.

Am Anfang die übliche Situation: Es kommen immer mehr Fahrradfahrer von hinten. Der wartende Pulk wird breiter - und versperrt den Abbiegern immer mehr den Weg. Diese weichen auf den Rasen aus.

Ab 01:45 die Beobachtung nach den aufgebrachten Klebeband-Streifen: Die Radfahrer, welche die Straße überqueren wollten, blieben brav auf dem linken Streifen. Der rechte Streifen blieb komplett frei. Und konnte von jenen flüssig genutzt werden, die rechts abbiegen wollten.

Wer da mal vorbeikommt und die Straße überqueren will: Der dürfte sich in den häufigsten Fällen nicht klarmachen, daß er anderen im Weg steht. So gibt es einen optischen Hinweis. Und die rechte Spur bleibt frei.

Stadt- und Radwegeplaner können sich daran ein Beispiel nehmen. Manchmal sind ein paar Linien mehr hilfreich.

Bundesfinanzhof: Spielerüberlassung durch Sponsor ohne Bezahlung durch den Verein ist freigebige Zuwendung, damit schenkungsteuerpflichtig - II R 46/15

23.11.2017 22:46:36, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn ein Sponsor einen Fußballverein unterstützen möchte, dann gibt es verschiedene Varianten, wie er das tun kann.

Eine Möglichkeit: Der Sponsor stellt Spieler, Trainer und Betreuer bei sich als Angestellte bzw. Repräsentanten ein. Diese arbeiten jedoch nicht für den Sponsor. Sondern sie trainieren und spielen für den Verein. Der Sponsor erhält für diese Überlassung seiner Angestellten kein Entgelt vom Verein.

Damit, so der Bundesfinanzhof in einem jetzt veröffentlichten Urteil vom 30.08.2017, liegt eine freigebige Zuwendung des Sponsors an den Verein vor.

Der Fußballverein ist damit schenkungsteuerpflichtig.
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Spielerüberlassung als freigebige Zuwendung an Fußballverein - Urteil vom 30.8.2017, II R 46/15

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&nr=35261&pos=1&anz=73

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Der konkrete Fall:

> Im Urteilsfall stellte der damalige Sponsor des Fußballvereins Spieler, Trainer und Betreuer bei sich als kaufmännische Angestellte oder Repräsentanten ein und bezahlte sie. Die Spieler/Trainer/Betreuer arbeiteten aber nicht für den Sponsor, sondern spielten Fußball für den Verein. Der Sponsor erhielt für die Überlassung der Athleten kein Entgelt von dem Verein. Das Finanzamt erhob auf die Lohnzahlungen des Sponsors an die Athleten vom Verein Schenkungsteuer. Die hiergegen gerichtete Klage des Vereins vor dem Finanzgericht hatte keinen Erfolg.

Der Bundesfinanzhof bestätigte diese Auffassung. Normalerweise erfolgt eine Arbeitnehmerüberlassung nur gegen ein angemessenes Entgelt. Wenn sich alle Beteiligten darüber einig sind, daß die Mitarbeiter nicht für den Sponsor tätig sind, sondern trainieren und Fußball spielen und wenn der Verein hierfür nichts an den Sponsor zahlt: Dann ist das eine Schenkung, Schenkungsteuer wird fällig.

Die Pressemitteilung weist darauf hin, daß das Urteil auch für andere Sportarten bedeutsam sein könne.

Das Urteil: BUNDESFINANZHOF Urteil vom 30.8.2017, II R 46/15

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&anz=73&pos=1&nr=35265&linked=urt

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Der Leitsatz:

> Überlässt ein Dritter von ihm angestellte und entlohnte Arbeitnehmer einem Fußballverein in vollem Umfang zum Einsatz als Spieler, Trainer oder Betreuer und verzichtet er auf die Geltendmachung eines Vergütungsersatzanspruchs für die Überlassung, liegt in dem Verzicht eine freigebige Zuwendung des Dritten an den Verein.

Die Situation war insgesamt noch "etwas komplizierter". Es gab eine D-KG mit X und Y als Kommanditisten. Die D-KG war Kommanditistin an der A-KG und an der B-KG.

Die Spieler, Trainer und Betreuer schlossen einerseits Arbeitsverträge mit dem klagenden Verein, gemäß derer sie unter Vollprofibedingungen trainieren. Außerdem schlossen verschiedene der Spieler, Trainer und Betreuer Arbeitsverträge mit der A-KG und der B-KG, die zusammen die C-Gruppe bildeten.

> Die Aktiven waren als kaufmännische Angestellte/ Bürokaufleute angestellt und hatten nach den Verträgen alle üblichen Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten im Rahmen dieser Positionen wahrzunehmen. In einzelnen Arbeitsverträgen war die Tätigkeit als "Repräsentant" angegeben. Die wöchentliche Arbeitszeit betrug jeweils 40 Stunden. Das vereinbarte Gehalt war umso höher, je länger die Karriere des Aktiven im Profifußballsport war. In einzelnen Arbeitsverträgen wurde angegeben, dass der Aktive für den Kläger spiele und für seinen persönlichen Erfolg als Imagewerbung eine Sieg-/Auflaufprämie zwischen 300 EUR bis 500 EUR pro Meisterschaftsspiel in der ersten Mannschaft erhalte.

Nach einer Steuerfahndungsprüfung vertrat das beklagte Finanzamt die Position, daß die Arbeitsverträge nicht wie vereinbart durchgeführt worden seien, sondern daß es sich um Schenkungen von X und Y an den Verein handele. Die Schenkungen waren jedoch nicht angezeigt worden, ebenso hatte der Verein keine Steuererklärung abgegeben. Damit wurden die Besteuerungsgrundlagen schließlich anhand der geltend gemachten Kosten der C-Gruppe geschätzt.

Die gesamte Situation war also "etwas intransparent". Allerdings ändert das nichts daran, daß so eine Gestaltung prinzipiell möglich ist. Dann aber sind die Gehaltszahlungen als Schenkungen anzuzeigen. So daß Schenkungsteuer fällig wird.

Man darf dabei nicht vergessen, daß eine solche Konstruktion den Gewinn des Sponsors (hier: Der C-Gruppe, damit effektiv der D-KG, damit von X und Y) deutlich reduziert. Das wiederum wirkt sich auf die Steuerzahlung der C-Gruppe, damit von X und Y aus.

Bundesgerichtshof: Verkäufer kann Kaufpreis erneut verlangen, wenn Käufer erfolgreich PayPal-Käuferschutz beantragt - VIII ZR 83/16 und VIII ZR 213/16

22.11.2017 23:07:54, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Bundesgerichtshof hat sich heute erstmals mit der Frage des sogenannten Käuferschutzes beschäftigt.

Bei Zahlungsdienstleistern wie PayPal gibt es einen Käuferschutz. Wenn der Käufer den Artikel nicht erhalten hat oder wenn der zugesandte Artikel stark von der Beschreibung abweicht: Dann kann der Käufer bei PayPal Käuferschutz beantragen. PayPal prüft, ob der Antrag - nach PayPal's Ermessen - gerechtfertigt ist. Falls ja, bucht PayPal das Geld wieder vom Verkäufer zurück zum Käufer.

Der Verkäufer hat also in so einem Fall womöglich weder den Artikel noch das Geld. In zwei unterschiedlich gelagerten Fällen verklagten die Verkäufer die Käufer auf Zahlung.

Der Bundesgerichtshof hat beide Fälle gemeinsam entschieden. Und festgestellt: Der Verkäufer kann auf die erneute Zahlung des Kaufpreises klagen.
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Verkäufer kann nach erfolgreichem Antrag des Käufers auf PayPal-Käuferschutz erneut Kaufpreiszahlung verlangen

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2017&Sort=3&nr=80112&pos=0&anz=187

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Im ersten Verfahren VIII ZR 83/16 hatte eine GbR (spätere Beklagte) von dem Verkäufer ein Mobiltelefon für etwa 600 Euro auf eBay gekauft. Die Bezahlung erfolgte per PayPal. Der Kaufpreis wurde bezahlt, der Verkäufer verschickte das Gerät. Vereinbarungsgemäß unversichert. Das Päckchen kam nicht an. Ein Nachforschungsauftrag blieb erfolglos. Die Beklagte beantragte Käuferschutz. Der Kläger konnte PayPal keinen Versandnachweis erbringen. PayPal buchte das Geld zurück. Der Verkäufer klagte und bekam in zweiter Instanz recht. Das LG Essen (Urteil vom 10. März 2016 - 10 S 246/15) ließ Revision zu, die die Beklagte einlegte.

Im Verfahren VIII ZR 213/16 erwarb der Beklagte eine Metallbandsäge über den Onlineshop. Die Bezahlung erfolgte per PayPal. Später wurde Käuferschutz beantragt: Die gelieferte Säge entspreche nicht den gezeigten Bildern. Nach Aufforderung durch PayPal legte der Beklagte ein Privatgutachten vor. Demnach sei die Säge

> von "sehr mangelhafter Qualität" und "offensichtlich ein billiger Import aus Fernost".

PayPal buchte daraufhin den Kaufpreis zurück. Hier blieb die Klage in beiden Instanzen erfolglos (zuletzt Landgericht Saarbrücken - Urteil vom 31. August 2016 - 5 S 6/16). Dagegen Revision des Klägers / Verkäufers.

Der Kern der heutigen Entscheidung:

> Der unter anderem für das Kaufrecht zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass der Anspruch eines Verkäufers auf Zahlung des Kaufpreises zwar erlischt, wenn der vom Käufer entrichtete Kaufpreis vereinbarungsgemäß dem PayPal-Konto des Verkäufers gutgeschrieben wird. Jedoch treffen die Kaufvertragsparteien mit der einverständlichen Verwendung des Bezahlsystems PayPal gleichzeitig stillschweigend die weitere Vereinbarung, dass die betreffende Kaufpreisforderung wiederbegründet wird, wenn das PayPal-Konto des Verkäufers nach einem erfolgreichen Antrag des Käufers auf Käuferschutz rückbelastet wird.

Sprich: Einigen sich beide Parteien auf die Nutzung von PayPal und erhält der Verkäufer das Geld, dann kann er keine weiteren Ansprüche mehr geltend machen. Bucht PayPal das Geld aber anschließend wieder zurück, kann der Händler - auf anderen Wegen - den Kaufpreis erneut fordern.

Die Begründung: Der Käufer kann Käuferschutz beantragen, das kann erfolglos sein. Dann kann er auch Gerichte bemühen. Damit muß aber - nach einem erfolgreichen Antrag auf Käuferschutz - auch der Verkäufer das Recht haben, seine Forderung nun auf gerichtlichem Wege durchzusetzen.

> Namentlich mit Rücksicht auf diese Bestimmungen besteht kein Zweifel, dass es dem Käufer unbenommen sein soll, anstelle eines Antrags auf Käuferschutz oder auch nach einem erfolglosen Antrag die staatlichen Gerichte in Anspruch zu nehmen, um etwa im Fall einer vom Verkäufer gar nicht oder nicht wie geschuldet erbrachten Leistung Rückgewähr des vorgeleisteten Kaufpreises zu verlangen. Vor diesem Hintergrund ist es allein interessengerecht, dass umgekehrt auch der Verkäufer nach einem erfolgreichen Antrag des Käufers auf PayPal-Käuferschutz erneut - im Wege der Wiederbegründung seines Anspruchs auf Zahlung des Kaufpreises - berechtigt sein muss, auf die Kaufpreisforderung zurückzugreifen und zu ihrer Durchsetzung gegebenenfalls die staatlichen Gerichte anzurufen.

Die Konsequenzen dieses Prinzips:

Im ersten Fall wurde die Revision zurückgewiesen. Denn der Kläger hat einen Zahlungsanspruch. Das Gerät sei unstreitig versandt worden. Damit geht das Risiko des Nichterhaltens auf die Beklagte über.

Im zweiten Fall hatte das Berufungsgericht

> den Anspruch des Verkäufers auf Kaufpreiszahlung verneint

Das wurde per Revision erfolgreich angegriffen. Allerdings war dort unklar, ob die Beklagte gesetzliche Mängelgewährleistungsrechte geltend machen könne. Deshalb ging das zurück zum LG Saarbrücken.

Persönlich hätte mich jede andere Entscheidung sehr verwundert. Denn das hätte geheißen, daß der Rechtsweg für den Verkäufer nach einem erfolgreichen Antrag auf Käuferschutz abgeschnitten gewesen wäre.

Immerhin ist mit diesem Käuferschutz die Situation für Käufer weitaus komfortabler. Denn bei Mängeln müßten sonst sie auf Erstattung des Kaufpreises klagen. So liegt das Klagerisiko nach einem erfolgreichen Antrag auf Käuferschutz beim Verkäufer.

Die Formulierungen bei Heise

BGH: Klagen trotz Paypal-Käuferschutzes möglich

https://www.heise.de/newsticker/meldung/BGH-Klagen-trotz-Paypal-Kaeuferschutzes-moeglich-3898019.html

> Bei einem Internet-Einkauf über Paypal hat im Streitfall nicht der Online-Bezahldienst das letzte Wort. Verkäufer können den Kunden trotz Paypal-Käuferschutzes später auf Zahlung in Anspruch nehmen

und im Tagesspiegel

Paypal: Wie ein Urteil die Position von Online-Käufern verschlechtert

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/paypal-wie-ein-urteil-die-position-von-online-kaeufern-verschlechtert/20620266.html

> Bundesgerichtshof weicht Schutzklausel des Bezahldienstes Paypal auf. Verkäufer können künftig klagen. Käufer haben das Nachsehen.

verwundern mich deshalb etwas. Natürlich müssen in einem Rechtsstaat Gerichte das letzte Wort haben. Und da die Käufer klagen können, muß auch den Verkäufern der Rechtsweg offenstehen.

Wichtig dabei ist, daß das Urteil über PayPal hinausgeht. Auch andere Zahlungsdienstleister bieten einen ähnlichen Käuferschutz. Etwa Paydirekt, Amazon Pay, Billpay und Sofortüberweisung von Klarna und Barzahlen.

Völlig überzogen finde ich die Aussage im Tagesspiegel vom vzbv:

> Verbraucherschützer halten die Rechtsprechung für einen schweren Schlag gegen Paypal. In seiner aktuellen Ausgestaltung sei das betroffene Käuferschutzprogramm „so gut wie wertlos“, wenn der Verkäufer den Kunden anschließend doch noch verklagen könne, befürchtet Heike Schulze vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV).

Ich sehe da überhaupt keinen "schweren Schlag gegen PayPal". Sondern schlichtweg Symmetrie: Können sich beide nicht einigen, steht beiden der Weg zum Gericht offen. Es kann auch nicht im Sinne von solchen Zahlungsdienstleistern sein, hier "endgültige Urteile" zu fällen. Die dortigen Mitarbeiter sind keine Richter. Sie können bsp. die Details lokaler Gesetzgebungen (etwa die Mängelgewährleistungsrechte) gar nicht so genau kennen. Der Käuferschutz greift aber in diese lokalen Rechte und Pflichten von Verkäufern und Käufern ein. Also muß eine gerichtliche Überprüfung möglich sein.

SEPA Instant Credit Transfer - SCT Inst - ist seit heute aktiv - Überweisungen zwischen acht europäischen Staaten in 15 Sekunden möglich - eventuell der Tod von Paydirekt

21.11.2017 23:38:01, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mit dem heutigen Tag ist es - endlich - soweit: Die endlos lahmen Überweisungen gehören der Vergangenheit an. Zumindest dann, wenn die eigene Bank und die Empfängerbank bereits "Instant Credit Transfer" - kurz: SCT Inst - unterstützen.

Vor den SEPA-Überweisungen dauerten Überweisungen teilweise mehrere Tage. Zeit, in der das Geld weder dem Überweiser noch dem Empfänger zur Verfügung stand. Und von den Banken für eigene Zwecke genutzt werden konnte.

Dann kam SEPA - die Single Euro Payments Area. Und sorgte dafür, Überweisungen innerhalb des SEPA-Zahlungsraums nur noch einen Arbeitstag dauern durften. Mit dem "Seiteneffekt", daß endlich auch die mehrtägigen innerdeutschen Überweisungen der Vergangenheit angehörten.

Mit dem Instant Credit Transfer ist nun auch das Geschichte.
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Instant credit transfers are now a reality in eight European countries: A significant step towards faster, more innovative and digital payments in Europe

https://www.europeanpaymentscouncil.eu/news-insights/news/instant-credit-transfers-are-now-reality-eight-european-countries

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585 Payment Service Provider (PSP) sind mit an Bord. Damit können bis zu 15.000 Euro überwiesen werden. Und dies zu jeder Zeit an jedem Tag, auch an Wochenenden und an Feiertagen. Einzigste Einschränkung: Die Transaktion muß in Euro abgewickelt werden.

Die 585 PSP sind in den folgenden acht Staaten zu finden:

> Austria, Estonia, Germany, Italy, Latvia, Lithuania, the Netherlands and Spain

Wenn man das mit den derzeit 19 Euro-Staaten

https://de.wikipedia.org/wiki/Eurozone

> Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Spanien und die Republik Zypern

vergleicht, dann fehlen noch ein paar Staaten. Frankreich, Belgien, Finnland, Irland, Luxemburg, Portugal dürften die größeren sein.

Bei SCT Inst gilt dasselbe wie bei SEPA-Überweisungen: Es spielt keine Rolle, ob es sich um eine Inlandsüberweisung oder eine Überweisung innerhalb des SCT-Inst-Raumes handelt.

Ein PDF

The top 10 benefits of the SEPA Instant Credit Transfer Scheme

https://www.europeanpaymentscouncil.eu/sites/default/files/infographic/2017-11/EPC%20infographic_SCT%20Inst%20benefits_November%202017.pdf

listet die Vorteile:

(1) Schnell, (2) jederzeit (24/7/365). (3) Mit 15.000 Euro deckt es viele der täglichen Zahlungen ab, so daß die Jahressummen kontinuierlich steigen dürften und das Verfahren damit auch für größere Unternehmen attraktiver werden dürfte.

(4) Dasselbe Schema für inländische und ausländische Überweisungen. In vielen Staaten sei es das einzigste Schema mit diesem Merkmal. Das dürfte für eine steigende Zahl der Nutzer sorgen.

(5) Es ist eine digitale Technik, die online genutzt werden kann. (6) Es könne das Cash-Management der Unternehmen erleichtern, weil Zahlungen sofort ausgeführt werden.

(7) Es habe das Potential, Bargeld und Schecks abzulösen.
(8) Es fördert die zukünftige Harmonisierung des Euro-Raumes.
(9) Es sei sicher und die Lösungen, die auf SCT Inst basieren, würden mit Kunden- und Datenschutz verträglich sein.
(10) Es basiert auf dem SEPA Credit Transfer Scheme, das sorgt dafür, daß die Implementation einfacher sei.

In einem Info-PDF werden die Top 20 Anwendungsfälle genannt:

20 top use-cases of  the SCT Inst scheme (among plenty more)

https://www.europeanpaymentscouncil.eu/sites/default/files/infographic/2017-11/EPC%20infographic_SCT%20Inst%20top%20uses_November%202017.pdf

Bei Bargeld- oder Schecktransaktionen. Aber auch bei Auktionen, entweder offline oder per Internet: Der Käufer zahlt sofort - oder ein anderer bekommt den Zuschlag.

Bei Zahlungen in Notfällen: Der Empfänger hat das Geld sofort. Oder bei Käufen unter Verbrauchern, ein Gebrauchtwagenkauf und ähnliches. Viel Bargeld ist risikoreich, die Überweisung dauert.

Ähnlich bei Zahlungen von Privatpersonen an Unternehmen: Etwa Zahlungen an Handwerker, Elektriker. Die sofortige Aktivierung von Diensten. Oder die Bezahlung eines neuen Autos. Die Bezahlung von Steuern, so daß bei Verzug sofort gezahlt werden kann.

Ähnlich von Unternehmen zu Personen: Freelancer und day-worker können jeden Tag oder sofort nach der Projektfertigstellung ihr Geld erhalten.

Beim Zahlungsverkehr zwischen Unternehmen könnten Bank-bestätigte Schecks der Vergangenheit angehören.

Weiter aus dem ersten Link:

Dieser Zahlungsraum soll ausgedehnt werden, bis er schließlich 34 europäische Staaten umfasst. PSP von

> Belgium, Finland, Germany, Malta, the Netherlands, Portugal and Sweden

Ferner soll SCT Inst regelmäßig geprüft werden. So sei eine Anhebung der 15.000 Euro denkbar. Das würde SCT Inst für größere Unternehmen attraktiver machen.

Wenn man etwas über die Konsequenzen nachdenkt, dann könnte SCT Inst Bargeld ersetzen. Ohne, daß man eine Karte oder ähnliches benötigt. Einfach mobil bei der eigenen Bank einloggen. Die Überweisung vornehmen. Der Verkäufer, mit dem man grade zusammen ist, sieht in seinem Bankkonto nach. Und sieht, daß das Geld angekommen ist. Also kann er die Ware übergeben.

Weitergedacht hieße dies allerdings, daß größere Unternehmen ihren Verkäufern entsprechende Zugriffsmöglichkeiten auf das Konto einrichten müßten. Da wird es spannend.

In Deutschland bietet aktuell wohl nur die Hypovereinsbank das bereits an.

HypoVereinsbank startet als erste Bank in Deutschland Instant Payments Angebot

https://press.hypovereinsbank.de/cms/german/press/showdetail.html?id=9552

Da wurde zum heutigen Start Geld in 2,5 Sekunden von Deutschland nach Italien überwiesen.

Kunden der Bank können ab sofort Instant Payments - Zahlungen empfangen. Ab dem 27.11.2017 sollen Kunden solche Überweisungen über das normale Online-Banking auch selbst auslösen.

Interessant ist, ob nicht SCT Inst dem Zahlungsdienst Paydirekt ( https://www.paydirekt.de/ ), der sich als Konkurrent von PayPal etwas herumschleppt, endgültig das Wasser abgräbt bzw. diesen überflüssig macht. Schließlich genügt es, daß der Verkäufer dem Käufer eine Rechnungsnummer oder eine Zufallszeichenfolge zum Bezahlen mitgibt. Der Käufer überweist das sofort. Kann der Verkäufer sein Konto abfragen, dann ist ein dazwischengeschalteter Dienst (sei es PayPal oder Paydirekt) überflüssig.

Kaffeesatz-Recycling - britisches Startup Bio Bean produziert mit Shell Biodiesel B20 aus Kaffeesatz - ein Doppeldeckerbus soll in London ein Jahr damit fahren

20.11.2017 23:18:34, Jürgen Auer, keine Kommentare

Kaffee wird in rauhen Mengen getrunken. Aber was passiert eigentlich mit dem Kaffeesatz? Der landet im besten Fall in der Biotonne und wird zu Kompost. Im schlechten Fall landet er auf dem Müll.

Aber kann man mit Kaffeesatz auch noch andere Dinge machen? Das britische Startup Bio Bean hat bereits verschiedene Dinge entwickelt. So gibt es Coffee Logs, das sind Briketts. Da wird der Kaffeesatz verbrannt. Ähnlich ist das bei Pellets. Aber es läßt sich auch Biodiesel daraus herstellen.

Zusammen mit Shell soll nun ein Londoner Doppeldeckerbus ein Jahr mit diesem Biodiesel B20 betrieben werden.
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https://twitter.com/bio_bean_UK/status/932511386558763009

> We’re so excited to finally launch our coffee biodiesel project! Thanks to bio-bean, @Shell and Argent Energy, your #coffee is now helping fuel London buses! Visit https://buff.ly/2ARjJsx  to find out more. #makethefuture #London

Der Link geht zur Shell-Mitteilung: Helping to power London’s buses with coffee

http://www.shell.com/energy-and-innovation/make-the-future/bio-bean-helping-power-londons-buses-with-coffee.html

Das Video direkt auf YouTube: Coffee and a bright idea are helping power buses | Shell #makethefuture

https://www.youtube.com/watch?v=AnXR-MKhg64

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Demnach gibt es alleine in London pro Jahr 200.000 Tonnen Kaffeesatz. Da kann man natürlich fragen: Läßt sich das sinnvoll nutzen?

Inzwischen ist das Unternehmen dazu in der Lage, pro Jahr 50.000 Tonnen Kaffeesatz zu verarbeiten. Der Kaffeesatz wird von Straßenläden eingesammelt, die Kaffee verkaufen. Und von Unternehmen. Daraus läßt sich Kaffeeöl gewinnen. Das läßt sich mit normalem Diesel mischen, daraus entsteht das B20. Die 20 steht für einen 20 % - Anteil von Biokomponenten.

Dieses B20 kann direkt von Londoner Doppeldeckerbussen genutzt werden. Hineingesteckt werden etwa 6000 Liter Kaffeeöl. Das reicht bei einem Bus insgesamt für ein Jahr.

Die Unternehmenswebsite enthält in der Rubrik Products

http://www.bio-bean.com/products/

Informationen zu den verschiedenen Produkten.

Wobei mich die Menge von 200.000 Tonnen alleine für London etwas wundert. Denn hier

Vier Kilo jährlich pro Kopf: Hoher Preis lässt Deutsche weniger Kaffee konsumieren

http://www.t-online.de/leben/essen-und-trinken/id_82482812/kaffeekonsum-der-deutschen-vier-kilo-jaehrlich-pro-kopf.html

ist mit Datum 14.10.2017 davon die Rede, daß in Deutschland etwa 345.000 Tonnen Kaffeebohnen 2016 in Deutschland verkauft wurden.

Photo-realistische Bleistiftzeichnungen - photo-realistic Pencil Drawings - der japanische Künstler Kohei Ohmori malt Personen und Metallgegenstände

19.11.2017 23:44:16, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mit Bleistiften zeichnen? Da mag man - als Laie - an alles mögliche denken. Aber daß die Bilder so genau werden, daß sie wie Schwarzweiß-Photographien wirken? Wohl eher nicht, wie soll das gehen.

Für den grade mal 22-jährigen japanischen Künstler Kohei Ohmori ist das sein Thema. Er malt - nur mit spitzen Bleistiften - Personen. Und Metallgegenstände.

Wenn Sie bei letzterem denken: "Was soll daran besonders sein?" Dann werfen Sie einen Blick auf diese Photos der Bleistiftzeichnungen.
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Ein Bild von seinem Twitter-Account: Die rechte Seite der Schraubenmutter fehlt noch

https://twitter.com/kohei6620/status/927816146375532544

> PencilDrawing, Only in the right side of nut.

Ein Beitrag mit diversen Bildern: Photo-realistic Pencil Drawings by Japanese Artist Kohei Ohmori

https://www.designswan.com/archives/photo-realistic-pencil-drawings-by-japanese-artist-kohei-ohmori.html

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Mehr als 200 Stunden wendet er für ein Bild auf. Bei einer 40-Stunden-Woche sind das mindestens fünf Wochen konzentriertes Arbeiten, bei dem jeder Strich korrekt sein muß.

Als Vorlage für diese Metallschraube, die auf einer Metallmutter liegt, verwendet er ein großes Photo, das er bis ins letzte Detail abzeichnet.

Der Twitter-Account: @kohei6620

https://twitter.com/kohei6620

Auf Instagram: @kohei6620

https://www.instagram.com/kohei6620/

Dazu gibt es eine ganze Armada von Bleistiften:

https://www.instagram.com/p/BUUQT4EgNQV/

Die Gesamtzahl der verschiedenen Bilder ist relativ niedrig. Aber bei einer "Produktionszeit" von fünf Wochen für ein Bild ist das irgendwie egal.

Wenn man sich die Größe von Schraube und Schraubenmutter ansieht, dann müßten mindestens drei Wochen alleine für die Schraube notwendig gewesen sein. Kaum zu begreifen, daß man so etwas mit einem Bleistift erschaffen kann.

Bundesfinanzhof: Kein Anspruch auf Prozesskostenhilfe (PKH) bei Nichtbeantwortung von Fragen zum Vermögen - Beschluss XI S 3/17

18.11.2017 23:03:54, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn jemand gegen Entscheidungen des Finanzamts oder des angerufenen Finanzgerichts vorgehen möchte, dann steht ihm - prinzipiell - ein Anspruch auf Prozesskostenhilfe zu. Aber: Wenn jemand so einen Antrag stellt: Gibt es dann Mitwirkungspflichten?

Der Bundesfinanzhof hat sich mit einem solchen Thema beschäftigt. Und am 21.09.2017 dazu einen Beschluss gefaßt, der am 15.11.2017 veröffentlicht wurde.
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BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.9.2017, XI S 3/17 (PKH) - ECLI:DE:BFH:2017:B.210917.XIS3.17.0

Ablehnung von PKH bei Nichtbeantwortung von Fragen zum Vermögen

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=35207&pos=1&anz=53

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Der Leitsatz:

> NV: Beantwortet der Antragsteller Fragen des Gerichts zu seinem Vermögen derart unvollständig, dass nicht beurteilt werden kann, ob er über einzusetzendes Vermögen verfügt oder eine Beleihung des Vermögens möglich ist, ist der Antrag auf Gewährung von PKH abzulehnen.

Der Antragsteller hatte Prozesskostenhilfe beantragt, um Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts (FG) vom 23. März 2017 11 K 276/16 einzulegen. Es gab schon früher ein Verfahren XI S 1/17 (PKH), da hatte der Antragsteller einen Fragebogen über seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse eingereicht.

Prozesskostenhilfe kann beantragt werden, wenn eine Partei nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann, falls

> die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint.

Allerdings hat ein Beteiligter sein Vermögen für die Prozessführung einzusetzen, sofern das zumutbar ist.

Dabei ging es nur um einen geringen Betrag:

> voraussichtlicher Kosten der Prozessführung von lediglich 385 EUR

Ferner teilte der Antragsteller mit:

> Der Antragsteller hat mit Schreiben vom 10. Juli 2017 angegeben, über Grundvermögen (Grundstück nebst Gebäude) zu verfügen, das einen Wert von 220.000 EUR hat, sowie über 11,3 ha Acker- und Grünland mit einem Wert von 135.000 EUR.

Daraufhin ging nochmals Post vom Bundesfinanzhof zum Antragsteller:

> Der Senat hat daraufhin mit Schreiben vom 1. August 2017 den Antragsteller u.a. um Erläuterung der Wertansätze sowie Mitteilung der auf dem Grundbesitz ruhenden Grundschulden gebeten. Außerdem wurde der Antragsteller unter Hinweis auf eine Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 8. Februar 2010  22 B 09.2171 gebeten, dem Senat zu erläutern, warum die Prozesskosten nicht durch Aufnahme eines Darlehens finanziert werden können.

Die Antwort darauf hat der Bundesfinanzhof wohl als gänzlich ungenügend eingeschätzt.

> Diese Fragen hat der Antragsteller mit seinem Schreiben vom 19. August 2017 ungenügend beantwortet. Er macht geltend, dass der Beklagte (das Finanzamt) wegen einer Forderung von weniger als 1.400 EUR die Zwangsversteigerung betreibt. Der Erlös aus der Zwangsversteigerung dürfte sicher zu höheren Erlösen als 1.400 EUR und damit zur Zahlungsfähigkeit führen. Zum anderen wird die Zwangsversteigerung offenbar nur in eine von wohl mehreren Flurnummern betrieben. Ohne Mitteilung, wie hoch die gesamten Verbindlichkeiten momentan sind, welche Grundsicherheiten an welchen Grundstücken ggf. bestellt sind usw., kann in keiner Weise überprüft und beurteilt werden, ob dem Antragsteller die Verwertung/Beleihung von Immobilien zugemutet werden kann.

Da hat der Antragsteller also einerseits nach eigenen Angaben ein "relativ hohes Vermögen" von insgesamt 355.000 Euro. Andererseits scheint er über so geringe Barmittel zu verfügen, daß er die weniger als 1.400 Euro gegenüber dem Finanzamt nicht begleicht, so daß dieses eine Zwangsvollstreckung betreibt. Schließlich stellt er einen Antrag auf Prozesskostenhilfe, teilt dann aber nicht genau mit, wie sich die Bewertung zusammensetzt und ob es für die Finanzierung der grade mal 385 Euro nicht auch andere Möglichkeiten gäbe.

Persönlich fehlt mir für solche Anträge "etwas das Verständnis".

Indien erklärt Unsafe Selfies den Krieg - Zahl der Selfie-Toten in Indien besonders hoch - Killfie - #dangerousselfies für kritische Areale

17.11.2017 23:45:29, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mal ein Selfie schießen? Solange die Situation harmlos ist, sollte das kein Problem sein. Allerdings: Offenbar scheinen manche Leute für das "perfekte Selfie" sehr weit zu gehen. Nämlich zu weit.

In Indien scheint das ein besonderes Phänomen zu sein.
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India Declares War On Unsafe Selfies

https://www.npr.org/sections/goatsandsoda/2017/11/14/563255936/india-declares-war-on-unsafe-selfies

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Der Mann auf diesem Photo oben: Hinter ihm scheint es massiv abwärts zu gehen. Im Juli war ein Mann mit Freunden in einen eigentlich abgesperrten Bereich im Bannerghatta Biological Park in Bengaluru geschlichen. Er machte ein Photo von sich mit einem Elephanten im Hintergrund. Das Tier trampelte ihn tot.

Ebenfalls im Juli: Vier Leute saßen auf einer Klippe, an die hohe Wellen brandeten. Machten Selfies. Bis sie von den Wellen fortgerissen wurden. Alle vier ertranken. Da ist sogar ein Video bei "The Times of India" verlinkt, das die vier unmittelbar vor und während der tödlichen Welle zeigt.

Caught on cam: 4 drown while taking selfie at Nagoa beach

https://timesofindia.indiatimes.com/videos/news/caught-on-cam-4-drown-while-taking-selfie-at-nagoa-beach/videoshow/59728348.cms

Die Polizei von Mumbai hat 16 kritische Zonen in der Stadt identifiziert. Das sind nun No-Selfie-Zonen. In dem Artikel ist von einem indischen "Selfie fever" die Rede.

Mumbai enforces 'no-selfie' zones after string of fatal accidents

https://www.theguardian.com/world/2016/feb/25/mumbai-no-selfie-zones-string-fatal-accidents-india


Da gibt es zwar Stellen mit "ikonischen Bildern". Aber im Januar 2016 fielen drei Frauen ins Wasser, während sie im "Bandra Fort" Selfies machten. Ein Mann konnte zwei retten. Und ertrank beim Versuch, die dritte zu finden.

Wenn man nach "Bandra Fort" sucht: Das sind alte Gemäuer, unmittelbar am Wasser.

Im Juni 2017 veröffentlichte Samsung ein Warnvideo. Das aktuell auf 150 Millionen Aufrufe kommt.

Samsung cares for a Safe India

https://www.youtube.com/watch?v=QZdP-G-F0a8

Mobile Geräte mögen doch bitte nicht während der Fahrt verwendet werden. Da gab es den Hashtag #SafeIndia dazu. Ein Familienvater verabschiedet sich morgens von seiner Frau und seiner kleinen Tochter, er fährt mit dem Moped los. Und verunglückt kurz darauf, weil er sein mobiles Gerät nutzt.

Im Jahr 2016 wurde eine Studie mit dem sprechenden Titel "Me, Myself and My Killfie" veröffentlicht.

> The title of the report uses the word "killfie" to describe selfies taken under circumstances dangerous enough to kill you.

Da hatten Forscher weltweit nach Todesfällen im Zusammenhang mit Selfies gesucht. Selfies könnten meist harmlos sein. Aber in bestimmten Situationen auch tödlich. Das für Indien alarmierende Ergebnis:

> The research team found accounts of 127 reported deaths by selfie between 2014 to 2016, with more than half in India.

Von 127 Berichten über Selfie-Tote zwischen 2014 und 2016 waren mehr als die Hälfte der Toten in Indien zu beklagen.

Daraufhin identifizierten die Forscher tausende gefährliche Stellen in Indien und in der ganzen Welt. Und bauten eine App "Saftie" (Safety + Selfie), die vor gefährlichen Zonen warnt. Nutzer werden auch darüber informiert, wenn das eine Zone mit einem der 127 Todesfälle war.

Auch die Polizei in Mumbai warnte in diesem Juni wieder auf Twitter: Die Monsunzeit verlockt wohl zu gefährlichen Selfies.

https://twitter.com/MumbaiPolice/status/879974642953240576

> Don't make 'taking a selfie' mean 'taking your own life' #SafeMonsoonTips

Man hat nur ein einziges Leben. Das sollte man nicht für ein "spektakuläres Photo" aufs Spiel setzen. Sonst war das womöglich die letzte eigene Aktivität.

Nacht - Nebel - Neon - Nachtszenen in Neonlicht getaucht - die Bilderwelten der Photographin Elsa Bleda

16.11.2017 23:36:38, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn ich hier in Berlin jetzt im November aus dem Fenster sehe, dann fällt mein Blick auf den Fernsehturm. Umgeben von einem relativ hellen Horizont. Klar, hier in Berlin gibt es viele Lichter. Aber meist sind das normale Lampen, so daß das ein diffuser heller Ton ist.

Ganz anders dagegen die intensiven Nachtbilder der Photographin Elsa Bleda. Sie war in Osteuropa und in Südafrika unterwegs. Und hat diverse Photographien mit intensivem Neonlicht mitgebracht.
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Nighttime City Scenes Bathed in Neon by Photographer Elsa Bleda

http://www.thisiscolossal.com/2017/11/nighttime-city-scenes-bathed-in-neon-by-photographer-elsa-bleda/

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Etwa die Tankstelle, die in einem mysteriösen Blau schimmert. Gedämpft durch den Nebel.

Oder die Tauben, die von einem intensiven pinken Neonlicht beleuchtet werden. Oder eine einzelne, entfernte Person, die vielleicht von einem Autoscheinwerfer angestrahlt wird. Kontrastiert von einem türkisfarbenen Neonlicht, das aus einem Haus hinter kahlen, schwarz aufragenden Bäumen kommt.

2016 gab es eine Ausstellung "Nightscapes" in der Kalashnikovv Gallery gallery in Johannesburg. Auf der Redbull-Seite finden sich weitere Bilder von ihr.

The hauntingly beautiful nightscapes of Elsa Bleda

https://www.redbull.com/za-en/elsa-bleda-nightscapes

Das war wohl eine von Red Bull Südafrika finanzierte Tätigkeit. Auf Instagram berichtet sie davon:

https://www.instagram.com/p/BYTbC2ADb6v/

> Driving endlessly every night, discovering new places, chasing fog(literally), trying to light crazy places, stargazing at pitch black spots and only sleeping after the sun is up.

Endlose Fahrten jede Nacht, die Suche nach neuen Orten, den Nebel jagend. Und geschlafen hat sie immer nur tagsüber. Die Rückkehr in die Realität

> It's always strange coming back to reality after such intense and dreamy shoots.

Das sei jedesmal "strange" nach solchen intensiven Photoaufnahmen.

Ihr Instagram-Account:

https://www.instagram.com/elsableda/

Geheimnisvolles Licht zwischen den Bäumen:

https://www.instagram.com/p/BQtLcnrDHqy/

Einzelne Bäume, von Nebel umhüllt.

https://www.instagram.com/p/BNkvR4DFKdI/

Eine beeindruckende Sammlung von Bildern. Bei denen man den Eindruck hat, daß hinter jedem einzelnen dieser vielen Nebel-Bilder ein unendlicher Aufwand steckt.

Bundesgerichtshof: Widerrufsrecht beim Online-Matratzenkauf wird dem Europäischen Gerichtshof zur Vorabentscheidung vorgelegt - VIII ZR 194/16

15.11.2017 23:34:50, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer als Verbraucher im Internet Waren bestellt, der schließt einen sogenannten Fernabsatzvertrag ab. Damit hat er einen Anspruch auf ein üblicherweise 14-tägiges Widerrufsrecht. Allerdings: Dieses Widerrufsrecht gilt nicht, wenn versiegelte Ware geliefert wurde, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet ist und wenn die Versiegelung entfernt wurde.

Ferner hat der Verkäufer die Pflicht, den Käufer über diese Einschränkung des Widerrufsrechts zu informieren.

Nur: Gilt das auch für Matratzen?

Der Kläger hatte im Jahr 2014 eine "Dormiente Natural Basic" Matratze zum Preis vom 1.094,52 € bestellt. Diese war bei der Auslieferung mit einer Schutzfolie versehen, der Kläger entfernte diese.

Einige Tage später teilte er der Verkäuferin mit, daß er die Matratze zurückgeben wolle, eine Spedition möge das erledigen. Die Verkäuferin kam dieser Aufforderung nicht nach, der Kläger beauftragte schließlich selbst eine Spedition.

Anschließend reichte er Klage ein (Erstattung Kaufpreis und Rücksendekosten - 1.190,11 €). Amtsgericht und Landgericht Mainz gaben der Klage statt. Das Landgericht ließ Revision zu.

Der Bundesgerichtshof hat dies nun mit heutigem Beschluß dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgelegt.
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Bundesgerichtshof legt Fragen zum Widerrufsrecht beim Online-Matratzenkauf dem Europäischen Gerichtshof zur Vorabentscheidung vor - Beschluss vom 15. November 2017 - VIII ZR 194/16

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2017&Sort=3&nr=80023&pos=0&anz=178

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Die EU-Vorschrift:

> Art. 16 Buchst. e Verbraucherrechterichtlinie
>
> Die Mitgliedstaaten sehen bei Fernabsatzverträgen und außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen kein Widerrufsrecht nach den Art. 9 bis15 vor, wenn versiegelte Waren geliefert werden, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder aus Hygienegründen nicht zur Rückgabe geeignet sind und deren Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde.

Einerseits spricht der Senat davon, daß die Vorschrift Ausnahmen aufzählt. So daß Matratzen eher nicht dazu gehören, weil Reinigungsmaßnahmen möglich seien, so daß die zurückgesandte Matratze zumindest als gebrauchte Sache wieder verkauft werden könnte. Andererseits gibt es einen zwar nicht verbindlichen, aber eben vorhandenen Leitfaden der Generaldirektion Justiz der Europäischen Kommission, der Auflegematratzen als Beispiel für das Eingreifen dieses Ausnahmetatbestandes benennt (neben Kosmetika).

Sprich: Da soll der Europäische Gerichtshof entscheiden, ob Matratzen nun unter diese Ausnahme fallen oder nicht.

Sollte der EuGH feststellen, daß Matratzen unter diese Ausnahmeregelung fallen, so daß das Widerrufsrecht erlischt, wenn die versiegelte Verpackung entfernt wird. Dann will der Bundesgerichtshof wissen, wie eine solche "versiegelte Verpackung" beschaffen sein muß und wie die Informationspflichten des Verkäufers über diesen Verlust des Widerrufsrechts bei der Öffnung der Versiegelung auszusehen haben.

Angesichts des boomenden Online-Handels dürfte die EuGH-Entscheidung für so einige Unternehmen sehr wichtig werden. Ist die Regelung über die Ausnahmen eher eng auszulegen, so daß Matratzen nicht darunter fallen? Und wenn sie darunterfallen: Wie muß die Versiegelung aussehen und wie kommen Händler ihren dann existierenden Informationspflichten nach.

Re:Scam - Scammer per Chatbot in sinnfreie Kommunikation verwickeln - und sie damit von Dialogen mit anderen Scam-Opfern abhalten

14.11.2017 23:55:31, Jürgen Auer, keine Kommentare

Sicherlich kennen Sie das auch: Irgendwelche Spam-Nachrichten, die einem riesige Summen versprechen. Oder Romance-Scammer, die ein angebliches Interesse an einer Beziehung suggerieren. Oder Phishing-Mails, die versuchen, Sie auf eine Website zu locken. Persönlich habe ich mich zwar noch nie auf solche Dialoge eingelassen, weil mir meine Zeit dafür einfach zu schade war.

Aber ich hatte schon davon gelesen, daß Leute das absichtlich ausprobiert haben. So als kleine soziale Studie. Was für Argumente genannt werden, wie sich das entwickelt.

Das neuseeländische Sicherheitsunternehmen Netsafe hat nun den Spieß rumgedreht. Und einen Chatbot geschrieben, der auf Spam- und Phishing-Mails reagiert. Um so den Spammer in einen möglich lang anhaltenden Dialog zu verwickeln.

Ein YouTube-Video:

Re:scam

https://www.youtube.com/watch?v=jPajqAJWiNA

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Das Prinzip: Nutzer mögen E-Mails an me@rescam.org weiterleiten. Und dann:

> Next time you get sent a scam email FORWARD it me@rescam.org. Hey, like the video said, I’m Re:scam. Netsafe built me as a new weapon in the fight against the billion-dollar email scam industry. I’m a sophisticated AI email program designed to reply to email scammers. When you forward a scam to me I adopt one of my many personas and I engage them in conversation, so they waste their time talking to a computer instead of targeting real people. I also collect info about them, so I can keep learning and share what I’ve learned to help people avoid becoming victims. I never use your email, so it’s safe for you.

Einer der fiktiven Persönlichkeiten wird ausgewählt, um auf die Anfrage zu reagieren. Mit dem Ziel, daß diese sich mit einem Computer unterhalten, anstatt weitere tatsächliche Personen anzugreifen. Ferner soll damit die Datenbank über Scammer ausgebaut werden.

Die Website

Re:scam

https://www.rescam.org/

spricht von 12 Milliarden Dollar Schaden pro Jahr durch Scammer. Die Scammer agieren weltweit, die Verfolgung scheitert aber meist schon an den Ländergrenzen. Dann gibt es Beispiele:

- Banking Scam
- Beneficiary Scam (Sie haben gewonnen)
- Romance Scam
- Western Union Scam

Allerdings funktioniert da teilweise der nächste Punkt nicht. Ein Problem, das auch bei der FAQ auftaucht.

71,578 Mails wurden bislang weitergeleitet. Wer weiterlesen möchte, kann die FAQ-Punkte mit der rechten Maustaste im neuen Tab öffnen. So lassen sich diese lesen.

Grade dorthin eine Mail weitergeleitet. Nun werden schon 72,261 Mails als empfangen gemeldet.

Grossbritannien: Pro Tag ohne funktionierendes Internet oder Telefon - 8 britische Pfund - kommt Techniker nicht, kostet das 25 Pfund - vorbildliche Ofcom-Regelung

13.11.2017 23:50:21, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man kann ja fast neidisch werden. Die britische Ofcom, die Regulierungsbehörde für Telefon- und Internetzugänge, hat eine interessante Mitteilung veröffentlicht.

Viele Telekommunikationsunternehmen würden sich nicht um den Service kümmern. Deshalb gäbe es - ok, erst ab 2019 - automatische Entschädigungszahlungen. Die sich durchaus zusammenläppern könnten.
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Automatic compensation for broadband and landline users

https://www.ofcom.org.uk/about-ofcom/latest/media/media-releases/2017/automatic-compensation

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> So Ofcom set out plans for people to be compensated automatically by providers for slow repairs, missed appointments and delayed installations. This means credit on a customer’s account – without having to ask.

Für langsame Reparaturen, nicht eingehaltene Termine und verzögerte Installationen. Also für all das, was auch hier in Deutschland immer wieder für deutlichen Ärger sorgt. Leute ziehen um - und sind wochen- oder monatelang ohne Telefon- und Internetanschluß. Dann wird ein Termin vereinbart. Der Kunde muß sich dafür einen Tag frei nehmen. Der Techniker kommt nicht. Oder etwas funktioniert nicht. Und es dauert Tage oder Wochen, bis das repariert ist.

Die Gesellschaften BT, Sky, TalkTalk, Virgin Media and Zen Internet, die zusammen etwa 90 Prozent der britischen Nutzer abdecken, beteiligen sich an dem Programm.

Dann gibt es drei Varianten:

- Eine verzögerte Reparatur nach einer Störung, die nicht innerhalb von zwei Kalendertagen vollständig repariert ist. Da gibt es 8 britische Pfund für jeden Tag ohne Reparatur.

- Nicht eingehaltene Termine: Ein Techniker erscheint nicht zum vereinbarten Termin. Oder er sagt den Termin in weniger als 24 Stunden ab. Das kostet 25 britische Pfund.

- Verzögerung beim Neuanschluß: Es gibt einen Bereitstellungstermin, der wird nicht eingehalten. Das kostet pro Tag 5 britische Pfund.

Aktuell gäbe es nur in 15 Prozent der Fälle Entschädigungen. Das seien meist nur sehr geringe Beträge. Nun sollen die Zahlungen automatisch erfolgen. Da dies umfangreiche Änderungen bei den Abrechnungssystemen und in Callcentern erfordert, gibt es dafür eine 15-monatige Einführungszeit. Deshalb der Start erst 2019.

Ein Problem sei, daß viele der Verträge mit kleinen und mittleren Unternehmen eigentlich schon Entschädigungszahlungen vorsehen. Aber Ofcom habe herausgefunden, daß etwa die Hälfte der Unternehmen da nicht so genau Bescheid weiß.

Ofcom will sich die Umsetzung ansehen und ein Jahr nach dem Start klären, ob das Programm für die Kunden den Nutzen bringt, den sich Ofcom davon verspricht.

Die Gesamtschätzung geht davon aus, daß pro Jahr 152 Millionen britische Pfund über diesen Weg an Kunden zurückgezahlt wird. Das Neunfache der bisherigen Zahlungen.

An solchen Stellen ist Deutschland weit hinterher. Da könnte doch Jamaika mal ein bißchen Dampf machen.

Mobuno - autonomes Fahren in kompakten Kleinwagen mit Fokus auf kompaktem Parken - designt von Xoio

13.11.2017 00:30:49, Jürgen Auer, keine Kommentare

Erst gestern war hier die Rede vom Ende der klassischen Automobilindustrie. Stattdessen Flotten, die bsp. auf Autobahnen dicht hintereinander fahren.

Nun fand sich dazu eine passende Designstudie. Von Xoio, die hier in Berlin beheimatet sind.
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xoio's mobuno provides autonomous driving system with a focus on compact parking

https://www.designboom.com/technology/xoio-mobuno-autonomous-car-sharing-11-10-2017/

Die Seite bei Xoio: Mobuno - Mobilitätsstudie

http://xoio.de/mobuno-zukunfts-mobilitaetskonzept/

Konzeption und Realisierung: xoio GmbH, wissenschaftlicher Partner: IUM - Institut für urbane Mobilität

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Bis zu vier Personen können in einem solchen rechteckigen Mobuno gleichzeitig unterwegs sein. Aber diese Module können auch zusammen unterwegs sein, so daß das wie ein autonomer Kleinbus wirkt. Wenn also 12 Personen dasselbe Ziel haben, dann fahren nicht drei Autos voneinander unabhängig. Sondern 3 Mobunos fahren gekoppelt hintereinander.

Nutzer kommunizieren per Smartphone mit den Modulen. Diese parken autonom auf sehr wenig Raum, da kein Fahrer am Ende aussteigen muß. Damit entfällt der Platz für die geöffneten Türen.

Und wenn sie direkt hintereinander gekoppelt fahren, dann ist der Luftwiderstand bei so einer Kolonne erheblich niedriger.

Die Verwaltungslogik (aus dem zweiten Link):

> Man stelle sich vor, Tanken, Reparatur und Reinigung des Fahrzeugs sind für den Nutzer nicht mehr relevant. Die Fahrzeuge steuern selbstständig Servicestationen an, wenn ein Check oder eine Reparatur notwendig werden.

Ein Szenario kommt zu dem Schluß, daß nur 5 % der bisher in Städten genutzten Autos notwendig wären, um dasselbe Maß an Mobilität sicherzustellen. Dementsprechend würden 95 % der bis jetzt zum Parken benötigten Flächen frei.

Einen ähnlichen Effekt gibt es bereits jetzt zumindest im Kleinen durch Carsharing-Unternehmen. Aber bei diesen gibt es noch das Problem, daß der Fahrer initial zum Auto kommen muß. Bei autonom fahrenden Autos könnte so ein Mobuno seine Fahrgäste erst einmal einsammeln, bevor er die Stadt verläßt.

Tja: Von maximal 20 Jahren war in dem Beitrag von gestern die Rede. Wenn solche kleinen, kastenförmigen Autos erst einmal die Straßen bevölkern und die ersten 10 - 20 Prozent der Stadtbewohner ihr Auto abschaffen. Dann dürften die Effekte schnell merkbar sein.

Das Ende der Automobil-Ära - stattdessen standardisierte Module und Fahrgäste - Bob Lutz zur Zukunft der Autobranche - analog zur Aussage von Angela Merkel im Juni 2017

12.11.2017 02:45:13, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hat die Autobranche eine Zukunft? Die Meinung von Bob Lutz ist da eindeutig. Die Ära der Autobranche ist vorbei. Spätestens in zwanzig Jahren sei das Thema erledigt.

Für hunderte von Jahren sei das Pferd wesentlich gewesen, in den letzten 120 Jahren war es das Auto. Aber damit sei nun Schluß.

In Zukunft gäbe es nur noch standardisierte Module. Man bestellt sich eines, steigt ein. Das Modul fährt eigenständig zur Autobahn. Reiht sich dort in eine lange Kette dieser autonom fahrenden Module ein. Die mit ordentlicher Geschwindigkeit, er spricht von 120 - 150 Meilen, im Konvoi fahren.

Ist das Ziel erreicht, schert das Modul aus und fährt den Insassen an den Zielort. Das wird relativ automatisch abgerechnet, per Kreditkarte, Fingerabdruck oder einer anderen Technik.

Das Modul fährt wieder zum Sammelplatz und steht für den nächsten Fahrgast bereit.
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Bob Lutz: Kiss the good times goodbye: 'Everyone will have 5 years to get their car off the road or sell it for scrap'

http://www.autonews.com/article/20171105/INDUSTRY_REDESIGNED/171109944/industry-redesigned-bob-lutz

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Die meisten dieser standardisierten Module würden von Firmen wie Uber und Lyft betrieben. Warum das so eintreffen wird?

> The tipping point will come when 20 to 30 percent of vehicles are fully autonomous. Countries will look at the accident statistics and figure out that human drivers are causing 99.9 percent of the accidents.

Der kritische Punkt wird erreicht werden, wenn 20 - 30 Prozent der Fahrzeuge völlig autonom unterwegs sind. Länder und Politiker würden sich die Unfallstatistiken ansehen. Und feststellen: Für 99,9 Prozent aller Unfälle seien menschliche Fahrer verantwortlich.

Dann mag es eine fünfjährige Übergangsperiode geben. Leute verkaufen ihr Auto für nichts, erwerben ein Modul. Aber eigentlich lohnt sich ja der eigene Modulkauf gar nicht mehr.

Er wurde mal von CNBC gefragt. Leute wollten keine autonomen Autos kaufen. Sie würden den Herstellern nicht trauen. Die Autos müßten von Google oder Apple kommen. Dann ginge das. Seine Position sei aber, daß eine öffentliche Akzeptanz zunächst gar nicht notwendig sei. Die großen Flotten wie Uber, Lyft, FedEx, UPS, der U.S. Postal Service. Und Amazon. Die würden solche Module beauftragen, kaufen und einsetzen. Alle paar Monate 100.000 low-end, 100.000 medium und 100.000 high-end - Module. Wer das am günstigsten herstellen kann, der bekommt den Auftrag.

Diese Module würden nicht mehr nach den Automobilfirmen benannt werden. Sondern nach den Flottenbesitzern.

Das sei wie beim Handy. Da wird das Geld auch nicht mehr nur mit der Hardware verdient. Sondern mit der Software.

Dann wird es deutlich: Auf die Autobahn kommen dann nur noch solche "passenden Module", die im Konvoi fahren können. Überholen ist nicht mehr möglich. Die Folgerung:

> That is the death knell for companies such as BMW, Mercedes-Benz and Audi. That kind of performance is not going to count anymore.

Der Autohersteller, die Automarke, wird unrelevant.

Es wird einfache Basismodule und komplex ausgestattete Luxusmodule geben. Mit TV, Kühlschrank und Computerterminals. Trinken und SMS während des Fahrens zu schreiben ist kein Problem. Das Auto fährt, nicht mehr der Fahrgast.

Die Module werden vorne und hinten sehr senkrecht sein. So daß sie auf der Autobahn möglichst dicht aneinander fahren, so daß der Luftwiderstand deutlich sinkt. Design wird damit keine Rolle mehr spielen.

Die Zukunft der Autoverkäufer? Es wird Autosport geben, just for fun. Oder Leute lassen sich personalisierte Module bauen. Nur bleibt der Autosport abseits, jenseits der Autobahnen. So, wie das heutzutage Golfclubs seien. Elitär, für eine kleine Minderheit. Am Anfang mögen das noch viele nutzen. Irgendwann wird das weniger werden. Der Zeithorizont:

> The era of the human-driven automobile, its repair facilities, its dealerships, the media surrounding it — all will be gone in 20 years.

Die Ära der von Menschen gefahrenen Autos, die Reparaturwerkstätten, die Händler und die Medien drumherum - das wird in 20 Jahren gehen.

Die Automobilunternehmen, die sich rechtzeitig anpassen und selbst Werte schaffen, die können überleben. Den anderen werden die großen Flottenunternehmen die Bedingungen diktieren: "Wir wollen ein Modul mit dieser Größe und jenen Eigenschaften".

General Motors habe die Zeichen der Zeit erkannt. Das Unternehmen wolle nicht zum Handyhersteller werden. Stattdessen wurde in Lyft investiert.

Jeder würde das kommen sehen, aber keiner wolle darüber reden. Sie wüßten, daß es noch für ein paar Jahre so gehen würde. Aber irgendwann kippt das. Und die Werte werden von den großen Flotten geschaffen.

Meine persönliche Meinung dazu. Das wird kommen. Und zwar hoffentlich schneller. Die Nebenkosten der Verkehrstoten und -verletzten der derzeitigen Automobilindustrie sind einfach zu teuer. Solange hier Betrunkene Leute totfahren oder nachts Rennen veranstalten, bei denen Unbeteiligte sterben. Diese Seiteneffekte sind einfach inakzeptabel.

Interessant dabei ist der Gedanke, daß die Konvois wie Züge wirken. Also eine Mischung aus Individual- und standardisiertem Schienenverkehr.

Die andere Konsequenz: Heute noch als Jugendlicher eine Automobillehre zu beginnen? Eigentlich muß man davon abraten.

Im übrigen ist der Gedanke nicht neu. Angela Merkel hatte im Juni 2017 eine ähnliche Aussage in Argentinien gemacht.

„Gar nicht so weit weg“: Als Merkel in die Zukunft blicken soll, lacht das Auditorium

https://www.welt.de/politik/deutschland/article165359594/Als-Merkel-in-die-Zukunft-blicken-soll-lacht-das-Auditorium.html

Da hatte ein Student nach der Welt in 20 Jahren gefragt. Die Feststellung von Merkel:

> „Wir werden in 20 Jahren nur noch mit Sondererlaubnis selbstständig Auto fahren dürfen.“

Grund:

> „Wir sind das größte Risiko.“

Die Fahrer sind das größte Risiko. Und die Technik wird sich so schnell weiterentwickeln, daß sich die Frage nach der Risikominimierung für die Politik ganz zwangsläufig stellen wird.

Die deutschen Hersteller: Sie sind peinlich hinterher. Zwei Beispiele: Deutsche Kommunen suchen händeringend nach Elektrobussen im Ausland, weil sie im Inland nichts finden. Und die Deutsche Post hat ein Startup aufgekauft, das elektrisch betriebene Transporter entwickelt. Dafür interessieren sich inzwischen auch andere Unternehmen. Weil die deutschen Autofirmen nichts derartiges haben.

Was heisst eigentlich "Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse"? Nicht die Technik, sondern Ihre Kunden und Ihre Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt

11.11.2017 00:34:51, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn Sie als Unternehmer davon hören, daß Sie "Ihre Geschäftsprozesse digitalisieren" sollen, dann mag bei Ihnen vielleicht Panik ausbrechen. Riesige IT-Systeme, unendlich teuer. Und der Nutzen? Keiner, die teure Technik wird nur zum Staubfänger.

Nur: Bei der "Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse" geht es gar nicht um die Technik. Mag sich komisch anhören, noch dazu von jemandem, der mit Server-Daten genau dafür Web-Datenbank-Lösungen anbietet.

Allerdings: Das ist genau der Punkt. Es geht nicht um die Technik. Die Technik ist nur dienendes Hilfsmittel. Werkzeug. Sonst nichts.

Stattdessen geht es um Ihre Kunden und um Ihre Mitarbeiter. Wenn sich ein Kunde bei einem Mitarbeiter meldet, dann kennt der Kunde die Historie der Beziehung zu Ihrem Unternehmen. Aber kennt auch Ihr Mitarbeiter diese Historie? Oder kann er diese schnell abrufen?

Wenn nicht, dann darf der Kunde seine Geschichte jedesmal von vorne erzählen. Und wird sich fragen, was das eigentlich soll. Ob er hier noch richtig ist. Oder ob die Konkurrenz das nicht besser kann.

Wenn also Informationen im Unternehmen zu einzelnen Kunden nur in den Köpfen weniger Mitarbeiter existieren. Dann gibt es spätestens dann ein Problem, wenn diese Mitarbeiter ausscheiden. Bzw. dann, wenn Mitarbeiter Wissen über Kunden als "Herrschaftswissen" für sich behalten. Dieses "Silodenken" ist das, was durch eine - erfolgreiche - Digitalisierung aufgebrochen wird.

Folgerung: "Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse" kann heißen, daß Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit verschaffen, Informationen zu einzelnen Kunden sinnvoll ablegen zu können. So daß andere Mitarbeiter sich schnell einen Überblick verschaffen können. Das wiederum hängt entscheidend von der Art Ihrer Geschäftsprozesse ab. Ein System, das für andere Unternehmen wunderbar geeignet ist: Das kann für Sie viel zu groß, viel zu unpassend sein. So daß Sie eigentlich nur 20 % der Eingabemöglichkeiten bräuchten.

Wenn Sie dann allerdings so ein überdimensioniertes System nutzen: Dann kostet das sinnfrei die Ressourcen Ihrer Mitarbeiter. Die ständig mit 80 % Eingabemöglichkeiten konfrontiert sind, die sie ignorieren sollen. Womit sich zwangsläufig die Frage einer möglichst genauen Anpassung an Ihre (sich womöglich ändernden) Bedürfnisse stellt.

Analog kann "Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse" bedeuten, daß Kunden bsp. automatisch Statusmails zu Vorgängen erhalten. Anfrageeingang, Bearbeitung, Abschluß. Oder daß sich Kunden selbst einloggen können. Und den Status ihrer Aufträge direkt im System sehen können.

Aber auch da: Der IT-ler bzw. der Anbieter von Web-Datenbanken für solche Lösungen: Der kann Ihnen nicht sagen, ob das, was bei einigen Kunden wunderbar funktioniert, für Ihr Unternehmen die richtige Lösung ist. Pauschal zu sagen: "Alle Kunden benötigen ein eigenes Login" ist Unsinn.

Ähnliches gilt für Dinge wie Terminüberwachungen, Hinweismails (Termin ist in Kürze fällig) oder Systeme zur Auftrags- und Rechnungsverwaltung. Die Ihren Mitarbeitern Zeit und Ressourcen sparen. Was da im Einzelnen für speziell Ihr Unternehmen sinnvoll sein könnte: Das kann Ihnen kein IT-ler mitteilen. Das hängt von Ihren Geschäftsprozessen ab.

Allerdings (und da wird es interessant): Wenn das IT-Unternehmen, das mit Ihnen zusammen Ihr System so schrittweise entwickelt, mit sehr unterschiedlichen Kunden aus sehr verschiedenartigen Branchen zusammenarbeitet. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß Sie als Unternehmer nicht "das Rad erneut erfinden müssen". Sondern daß es in so einem Baukastensystem bereits Lösungen gibt, die Sie sich erst einmal "ganz klein" einbauen lassen. Dann sammeln Sie Erfahrungen. Und passen so Ihr "dienendes Hilfsmittel Web-Datenbank" immer wieder neu an Ihre Geschäftsprozesse an.

Sprich:

- Wie verwalten Sie die Informationen zu Ihren Kunden, so daß jeder Ihrer Mitarbeiter, der diese Informationen benötigt (etwa, weil der Kunde anruft), schnell Zugriff auf alle relevanten Daten hat?

- Wo kann es sinnvoll sein, Ihre Kunden per Mail zu informieren? Oder wo ist ein eigenes Login hilfreich?

- Wo hakt es bei Ihren eigenen Arbeitsabläufen? So daß bsp. Termine verloren gehen, die Liquidität leidet, weil zuviel Geld versickert? Oder wo das Forderungsmanagement nicht funktioniert?

Ziel ist es immer, nicht eine "maximal große" Lösung zu finden. Sondern das Ziel bei der Nutzung webbasierter Systeme ist eher gegenteilig: Möglichst wenige Eingabefelder. Nur das, was wirklich für Ihr Unternehmen relevant ist. Das spart die Ressourcen und die Aufmerksamkeit Ihrer Mitarbeiter. Die sich damit auf das konzentrieren können, was relevant ist: Die Kommunikation mit Ihren Kunden.

Kunden jedoch, die solche Erfahrungen mit Ihnen machen. Die werden das von sich her weitertragen. So daß sich die Kundengewinnung für Sie vereinfacht.

Chrome will ab Januar 2018 Redirects durch iFrames, das Öffnen angeklickter Inhalte in neuen Fenstern bei Werbung im bisherigen Fenster und irreführende Schliessen-Buttons unterbinden

09.11.2017 23:39:05, Jürgen Auer, keine Kommentare

Redirects können ja durchaus eine feine Sache sein. So nutze ich das im hiesigen Blog, um zu jedem Beitrag einen Kurzlink der Form /de/-BeitragsId zur Verfügung zu stellen. Ebenso kann man bsp. bei Formularen nach dem Speichern eines Datensatzes diesen erneut zum Editieren anzeigen oder - bei erfolgreichem Speichern - auf eine neue Seite weiterleiten.

Allerdings gibt es seit einiger Zeit auch so manches an merkwürdigen Techniken. Die in Nutzerreports an Googles Chrome-Browser immer wieder auftauchen.

Ab Januar 2018 soll Chrome deshalb neue Features zum Unterbinden solcher Dinge enthalten.
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Expanding user protections on the web

https://blog.chromium.org/2017/11/expanding-user-protections-on-web.html

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Die meisten Website-Ersteller verhalten sich ordentlich. Aber:

> While most content producers are interested in providing excellent experiences for their users, we've found that a small number use the flexibility and power of the web to take advantage of users and redirect them to unintended destinations.

Ein kleiner Teil der Seitenbetreiber nutzt Redirects, um Nutzer auf Seiten zu bringen, wo diese eigentlich gar nicht hinwollen. Die Dimension des Problems:

> 1 out of every 5 feedback reports from Chrome users on desktop mention encountering some type of unwanted content, and we take this feedback seriously when considering how to improve Chrome.

Jeder fünfte Feedback-Report dreht sich um solche Dinge. Drei neue Features soll es geben.

1. Nutzer werden immer wieder auf Seiten geleitet, an denen sie nicht interessiert sind. Und scheinbar, ohne daß es dafür einen ersichtlichen Grund gibt. Google fand heraus, daß das meist Einbindungen von Drittanbietern (third-party content) sind, die in die Seite bsp. per iFrame eingebunden sind und die solche Redirects initiieren. Die eigentlichen Seitenbetreiber wußten meist gar nichts davon. Chrome wird ab der Version 64 (aktuell: Version 62) solche Redirects unterbinden und stattdessen eine Infomeldung anzeigen. Das soll dafür sorgen, daß die Nutzer auf der Seite bleiben und von solchen überraschenden Redirects verschont bleiben.

2. Eine zweite ärgerliche Variante: Nutzer klicken auf einen Link, der wie ein seiteninterner Link aussieht. Stattdessen öffnet sich ein neuer Tab, dort findet sich der gesuchte Inhalt. Aber im bisherigen Fenster wird Werbung nachgeladen. Das sei effektiv eine Umgehung der Chrome-PopUp-Blocker, eines der meist geschätzten Chrome-Features. Das soll ab der Version 65 unterbunden werden. Damit wird die Weiterleitung im bisherigen Hauptfenster unterbunden.

3. Die dritte Variante bezieht sich auf Objekte, die sich anders verhalten, als Nutzer denken. Der Nutzer schließt ein Objekt - und wird auf eine andere Seite weitergeleitet. Auch das soll unterbunden werden. Ebenfalls in der Version 64.

In der Google Search Console soll es Hinweise auf solche "Machenschaften" auf der eigenen Website geben. Wird das nicht innerhalb von 30 Tagen entfernt, laufen die Websites Gefahr, selbst auf Blacklists zu landen.

Manchmal bin ich per Twitter auch schon auf solche "schrägen Seiten" gestoßen. Wenn Chrome es schafft, das konsequent zu unterbinden und andere Browserhersteller nicht nachziehen: Dann dürfte der Anteil von Chrome-Nutzern nochmals deutlich steigen.

Neue Versionen gibt es meist so etwa alle 4 - 6 Wochen. Die aktuelle Version 62 ist schon ein paar Tage alt. So daß mit der Version 64 irgendwann im Januar 2018 zu rechnen ist.

Huhn an Bord - Torflok zieht mobilen Hühnerstall für 1000 Hennen herum - Geflügelhof Onken in Friedeburg Ostfriesland mit tierfreundlichem Eigenbau

08.11.2017 23:26:50, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wie kann man Legehennen am besten halten? Im Geflügelhof Onken in Friedeburg (Ostfriesland) gibt es zwar auch Großställe. Aber für etwa 1000 Legehennen gibt es einen ganz besonderen Genuß.

Sie sind in einem mobilen Stall untergebracht. Da können sie tagsüber raus - und im Gras picken. Nur: Zum einen bleiben die Hühner gerne in der Nähe des Stalls. So daß sie zur Not in diesen flüchten können. Zum anderen picken tausend Hühner "ziemlich viel". Folglich bleibt von dem Gras im Bereich von 20 - 30 Metern rund um den Stall nach ein paar Tagen nicht mehr so viel übrig.

Die Lösung: Der Stall wird - mit der ehemaligen Torflok - auf Schienen etwa 30 - 50 Meter weitergezogen. Zur nächsten Runde.
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Kurioses Aus Ostfriesland: Dieser Zug ist für die Hühner

https://www.nwzonline.de/wirtschaft/weser-ems/friedeburg-kurioses-aus-ostfriesland-dieser-zug-ist-fuer-die-huehner_a_32,1,1287150421.html

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17 Meter ist der Stall lang. Mit Sitzstangen, Trinkvorrichtungen, einer Belüftung. Ein Futterband läuft täglich sechsmal rundum, ein Rundum-Kotband gibt es ebenfalls.

Aber der Stall ist eben nur für die Nacht gedacht. Tagsüber sind die Hühner draußen. Das entspricht auch am ehesten ihrer Natur, sie sind Waldrandbewohner.

So daß der mobile Hühnerstall immer als Fluchtort erreichbar bleibt.

Ein kleines Video auf YouTube:

Die weltweit erste Hühnereisenbahn

https://www.youtube.com/watch?v=8-pRMTQrb1A

Die Torflok hat den Vorteil, daß ein Standortwechsel für den Boden schonender ist. Würde man einen Trecker bei schlechtem Wetter einsetzen, würde das den Boden zusätzlich belasten.

Die 1000 Hennen legen etwa 900 Eier pro Tag. Das ist mehr als die Stallhennen, bei denen etwa 37.000 Hennen täglich 30.000 Eier legen.

Ein interessantes Konzept. Das zeigt, wie man eigentlich schon ausrangierte Dinge (Schienen und die Torflok) neu nutzen kann, um die vorhandenen Grasflächen einigermaßen gleichmäßig auszulasten. Und die 1000 Legehennen haben so eine vergleichsweise natürliche Umgebung.

Kammergericht Berlin: Facebook darf personenbezogene Daten deutscher Nutzer nicht ohne wirksame Einwilligung an Dritte weitergeben - ungenügende Datenschutzeinwilligung - 5 U 155/14

08.11.2017 02:12:24, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn Facebook-Nutzer Spiele über Facebook spielen: Darf Facebook die personenbezogenen Daten der Nutzer an die Spielehersteller weitergeben? Darf es den Spieleherstellern vor allem erlaubt werden, im Namen der Spieler auf deren Pinnwand zu posten?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte Facebook wegen der Gestaltung dieser Zustimmung vor dem Start der Spiele zunächst 2012 abgemahnt. Das Landgericht Berlin hat in dem anschließenden Verfahren Facebook zur Unterlassung verurteilt (November 2014). Das Kammergericht hat diese Entscheidung nun bestätigt.
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Urteil gegen Facebook: Datenschutzeinwilligung ungenügend

https://www.vzbv.de/pressemitteilung/urteil-gegen-facebook-datenschutzeinwilligung-ungenuegend

Das Urteil als eingescanntes PDF:

https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2017/11/03/facebook_kg_berlin_ua_14227-3.pdf

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Im November 2012 wurde u.a. das Spiel "The Ville" angeboten. Es gab einen Button "Sofort spielen". Dort wurden Hinweise zur Weitergabe personenbezogener Daten angezeigt.

So sollten mit Beginn des Spiels die E-Mail-Adresse, Statusmeldungen und weitere Informationen über den Nutzer an den Betreiber des Spiels übermittelt werden. Angaben über den Zweck der Datenverarbeitung fehlten. Beim Spiel "Scrabble" hieß es bsp.:

> „Diese Anwendung darf Statusmeldungen, Fotos und mehr in deinem Namen posten.“

Das Kammergericht stellte zunächst fest, daß deutsches Datenschutzrecht anwendbar sei, auch wenn Facebook einen irischen Sitz geltend macht. Das Angebot richtet sich an inländische Nutzer. Ferner gibt es eine Tochter in Hamburg, die für die Vermarktung des deutschen Angebotes zuständig sei.

Sachlich stellte das Gericht fest, daß die bereitgestellen Erklärungen unzureichend seien. Speziell die Ermächtigung, im Namen des Spielers zu posten, sei unzureichend. Dazu aus dem Urteil (PDF Seite 11):

> Diese Ermächtigung ist darauf angelegt, die Empfänger des Posts durch (jedenfalls auf den ersten Blick) scheinbar von dem ihnen bekannten Spieler selbst stammende Nachrichten für das so beworbene Spiel in einem größeren Umfang zu interessieren.

Denn nur deshalb wollen die Spieleanbieter die Einwilligung, ansonsten könnten sie ja in eigenem Namen posten. Aber die damit erlaubten Postings seien für die Nutzer in keinster Weise absehbar - weder in bezug auf die Anzahl noch auf den Inhalt.

Ferner sei diese Klausel zu unbestimmt, so daß sie den Nutzer entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligt. Da griff das AGB-Recht, die Klausel unterliege einer Inhaltskontrolle. Selbst Werbung für Produkte anderer Unternehmer bis hin zur Bewerbung sexuell anzüglicher Produkte sei möglich.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Revision zum Bundesgerichtshof wurde wegen rechtsgrundsätzlicher Bedeutung zugelassen.

Heiko Dünkel, Rechtsreferent beim vzbv, in der obigen PM:

> „Facebook muss besser darüber informieren, was Drittanbieter auf seiner Webseite mit den Daten der Nutzerinnen und Nutzer anstellen“, sagt Heiko Dünkel, Rechtsreferent beim vzbv. „Es kann nicht sein, dass Spieleanbieter ohne jegliche Einschränkung im Profil des Nutzers Beiträge posten können.“

Facebook muß da also erheblich nachbessern. Wobei es das Posten im Namen des Nutzers bsp. bei Twitter-Anwendungen auch häufig gibt.

Void Rug - ein Loch im Boden oder nur ein schwarzer Rundteppich mit grauer Mondsichel? Scott Jarvie konstruiert Teppiche als optische Illusionen

06.11.2017 23:55:34, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ein Teppich ist ein Teppich. Ein schwarzer Rundteppich ist ein schwarzer Rundteppich. Aber wenn man einen sichelförmigen Teil davon grau färbt. Ok, dann ist das eben ein zweifarbiger Teppich.

Aus der Entfernung betrachtet wirkt der Teppich nun aber - wie ein großes Loch im Boden. Und der graue Teil wirkt wie die senkrechte Wand nach unten.

Dasselbe gibt es in einer rechteckigen Variante. Da ist ein schwarzes Rechteck mit zwei verschieden grauen Randstreifen ergänzt. So daß sich ebenfalls die Wirkung einer Absenkung ergibt.
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scott jarvie's void rug creates the illusion of a gaping black hole

https://www.designboom.com/design/scott-jarvie-into-the-void-illusion-rug-10-19-2017/

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> the illusion of depth is achieved by careful consideration of perspective, light and texture.

Steht man direkt davor, ist das eben ein kreisförmiger Teppich. Erst in der "richtigen Entfernung" mutiert das zum Loch.

> the illusion is only apparent to the keenest observers – who are standing in the right place and looking in the right direction.

Die Wirkung gibt es auch nur von einem speziellen Punkt.

Weil das Design aber "eigentlich" so einfach ist, kann man diese Teppiche an ziemlich vielen Stellen einsetzen.



Auf der Website des Künstlers

Scott Jarvie

https://scottjarvie.co.uk/

gibt es noch diverse andere Dinge. Etwa diese Skulptur:

Languoreth Sculptural Installation Glasgow

https://scottjarvie.co.uk/portfolio-item/languoreth/

Große Teile, die aus der Wand herauszuwachsen scheinen.

Die beiden Teppiche sind ein schönes Beispiel dafür, daß man hinterher sagen kann: "Ist ja ganz einfach, hätte ja jeder draufkommen können". Aber hinterher, nachdem man die umgesetzte Idee gesehen hat: Da ist das kein Kunststück. Wer das als erstes so sieht und umsetzt: Der ist eben einen entscheidenden Schritt voraus.

Die Website enthält zu dem Teppich

Void Rug

https://scottjarvie.co.uk/portfolio-item/void-rug/

ein Update: Demnach gibt es Kontakte mit einem Teppichhersteller, um diese Teppiche zum Verkauf anzubieten.

Wer sich vormerken lassen möchte, kann eine Mail mit einigen Details an Scott Jarvie schicken.

SD-Encrypt-Tool: Daten stark verschlüsselt per Mail versenden - kleines Nebenprodukt von Server-Daten

06.11.2017 00:29:32, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer beruflich mit hoch sensiblen Daten zu tun hat: Wie kann dieser mit seinen Kunden kommunizieren?

Etwa Rechtsanwälte, die mit ihren Klienten Schriftsätze austauschen. Oder Nutzer, die einfach sicherstellen möchten, daß auf keinen Fall jemand mitliest. Schnell gibt es das Problem, daß es eigentlich kein Tool für solche Zwecke gibt.

Das kleine Tool sd-encrypt-tool.exe kann dafür genutzt werden. Es entstand gewissermaßen als Seiteneffekt innerhalb von Server-Daten.

Zu finden unter

https://www.sql-und-xml.de/freeware-tools/

Das Tool kennt drei Funktionen:

sd-encrypt-tool -k MaxMustermann

Dies erzeugt zwei Dateien rsa-key.MaxMustermann.xml und rsa-key.MaxMustermann.public.xml. Erstere enthält den öffentlichen und den zugehörigen privaten Schlüssel (RSA, 8192 Bit). Zweitere enthält nur den öffentlichen Schlüssel.

Ein öffentlicher Schlüssel eines asymmetrischen Schlüsselpaars kann problemlos per Mail verschickt werden. Max Mustermann verschickt also diesen Schlüssel an John Doe, der ihm eine Datei verschlüsselt zusenden möchte.

John Doe speichert den Schlüssel von Max Mustermann und die zu verschlüsselnde Datei in demselben Ordner, in dem auch das Tool sd-encrypt-tool.exe liegt. Dann führt er das Tool einmal aus (-e = encrypt):

sd-encrypt-tool -e rsa-key.MaxMustermann.public.xml CV-TopSecret.docx 3

Dabei gibt er die Datei mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers (MaxMustermann) an, ferner die zu verschlüsselnde Datei. Eine optionale Zahl legt die Zahl der Dateien fest.

Das Tool verschlüsselt zunächst CV-TopSecret.docx in die Datei CV-TopSecret.docx.enc.all. Anschließend macht es drei Teile draus:

CV-TopSecret.docx.encrypted.001
CV-TopSecret.docx.encrypted.002
CV-TopSecret.docx.encrypted.003

Dann wird der für diese Verschlüsselung einmalig erzeugte Schlüssel (genauer: Schlüssel und Initialisierungsvektor einer AES-Verschlüsselung) mit dem öffentlichen RSA-Schlüssel von MaxMustermann verschlüsselt und in der Datei

CV-TopSecret.docx.key

abgelegt.

Nun kann John Doe diese Daten (CV-TopSecret.docx.key und die drei Dateien 001 - 003) an Max Mustermann übermitteln. In einer Mail, in drei oder auch in vier Mails. Oder auch über verschiedene Mailkonten. Aber selbst wenn er das in einer Mail verschickt: Wer nicht den privaten Schlüssel von Max Mustermann hat, für den dürfte das nicht zu knacken sein.

Max Mustermann kopiert alle Dateien in das Verzeichnis, in dem sein eigener Hauptschlüssel rsa-key.MaxMustermann.xml und das Programm liegt. Dann führt er einen Befehl aus (-d = decrypt):

sd-encrypt-tool -d rsa-key.MaxMustermann.xml CV-TopSecret.docx.key

Das Programm liest zunächst den Hauptschlüssel rsa-key.MaxMustermann.xml ein. Sucht dann nach allen Dateien der Form

CV-TopSecret.docx.001
CV-TopSecret.docx.002

usw. und macht aus diesen (vorausgesetzt, die Nummern stimmen) eine Datei CV-TopSecret.docx.enc.all.

Dann wird der Hauptschlüssel genutzt, um aus CV-TopSecret.docx.key den eigentlichen Verschlüsselungs- und Entschlüsselungsschlüssel für die symmetrische AES-Entschlüsselung zu gewinnen. Mit diesem wird CV-TopSecret.docx.enc.all zu CV-TopSecret.docx entschlüsselt.

Technisch funktioniert das aktuell auf der Kommandozeilenebene. Der Programmstart ohne Parameter zeigt die Hilfe mit Beispielen an. Es ist denkbar, daß noch ein paar Fehlermeldungen fehlen. Deshalb aktuell die Variante 0.9.

Das Programm enthält selbst keinen Schlüssel und "telefoniert" auch nicht mit der Domain https://www.sql-und-xml.de/. Es läßt sich also offline verwenden und arbeitet nur auf den vom Nutzer angegebenen Dateien.

Viel Vergnügen bei der Nutzung.