Warum Gründungen scheitern - ein siebenfaches Bedauern von einem gefallenen Gründer - Gordon Tredgold über seine Erfahrungen

26.11.2017 23:53:23, Jürgen Auer, keine Kommentare

Warum scheitern Gründungen? Gordon Tredgold, der selbst gegründet hat, berichtet von 80 Prozent gescheiterter Gründungen. Dabei sei das Scheitern oftmals mit Gründen verbunden, die vermeidbar gewesen seien.

Er habe selbst so einige dieser Fehler bei sich entdeckt.

> Unfortunately, I have experienced plenty of that failure myself.

Nun listet er sie auf. Auf daß andere rechtzeitig davon lernen können. Um von Gründungsillusionen anderer zu profitieren.
.

7 Regrets of a Failed Entrepreneur - Things I learned that I would do differently in my next business.

https://www.inc.com/gordon-tredgold/7-regrets-of-a-failed-entrepreneur.html

Auf Twitter:

https://twitter.com/GordonTredgold/status/928381705349750784

.
> 1. Didn't do any market research

42 Prozent aller Gründungen würden scheitern, weil sie ein Produkt entwickeln oder einen Service anbieten, das einfach niemand braucht. Es sei toll, wenn Gründer ihr eigenes Produkt lieben. Aber wenn es die - potentiellen - Kunden nicht mögen, dann hat der Gründer kein Business. Stattdessen: Rechtzeitig Marktforschung betreiben.

> Find a problem that you can solve and offer a product that solves it.

Finde ein Problem, das Du lösen kannst. Und biete dafür ein Produkt an.

> 2. Didn't know who their customers were

Wer sind die idealen Kunden? Es würde ihn immer wieder überraschen, daß Gründer, die nach ihren idealen Kunden gefragt werden, darauf keine Antwort wüßten. Oder noch schlimmer: "Jeder könne unser Produkt nutzen". Wenn schon der Gründer nicht weiß, wer seine idealen Kunden sind. Dann wüßten diese auch nicht, wer der Gründer sei. Das macht es schwierig für sie, den Gründer zu finden und ihn zu bezahlen.

Es sei frustrierend, zu sehen, daß ein Geschäft kaputt geht. Mit einem ganzen Meer von unerschlossenen potentiellen Kunden drumherum.

> 3. Didn't use their network enough

An die eigene Familie und an Freunde und Bekannte verkaufen. Das könne sich falsch anfühlen. Oder wie ein Betteln um eine Spende. Aber er zitiert zwei Leute:

> "All things being equal, people will do business with and refer business to those people they know, like, and trust." --Bob Burg

und

> "Your network is your net worth." --Tim Sanders

Das eigene Netzwerk könne unschätzbare Leads liefern. Empfehlungen und direkte Geschäfte.

> 4. Didn't focus on sales enough

Nicht genügend auf den Verkauf fokussiert. Gründer - ihn mit eingeschlossen - würden gerne im Unternehmen arbeiten, sich mit den konkreten Fragestellungen ihres Produkts, ihrer Dienstleistung auseinandersetzen. Aber wenn Gründer zu sehr im Business arbeiten, würden sie über kurz oder lang außerhalb des Business landen.

Ein interessanter Satz:

> If you're not aggressive about sales, then you don't have a business. You have a hobby.

Wer nicht aggressiv verkauft, der hat kein Business. Der hat ein Hobby.

> 5. Set prices too low

Preise zu niedrig ansetzen. Wer einen Service anbietet, der läuft leicht Gefahr, in die Falle zu tappen. Er setzt die Preise anhand der Kosten an, nicht anhand des Wertes. Oft wird ein simples Kosten+-Preismodell gewählt.

Preise müßten sich daran orientieren, welchen Wert sie dem Kunden bringen. Nicht daran, wieviel Zeit aufgewendet wird.

> 6. Focused on revenue, not profit

Es sei nicht wichtig, wieviel man einnimmt. Entscheidend ist, wieviel einem bleibt. Fokussiert auf den Umsatz, nicht auf den Gewinn.

Er berichtet von einer Gründerin. Sie hatte einen Monatsumsatz von 20.000 Dollar und wollte den auf 40.000 Dollar steigern. Allerdings wußte sie nicht, wieviel Gewinn sie gemacht hatte. Zwei Wochen Klärungen ergaben, daß sie verschiedene Produkte mit verschiedenen Gewinnspannen hatte. Zwischen 5 und 50 Prozent. Im Schnitt kam sie auf 10 Prozent. Ergebnis: Sie arbeitete 240 Stunden im Monat für einen Gewinn von 1500 Dollar. Etwas mager.

Anstelle nun den Umsatz zu erhöhen, konzentrierten sie sich darauf, die teuren Lieferanten zu ersetzen. Das Ergebnis war, daß sich der Gewinn auf 40 Prozent erhöhte. Absolut ging das von 1000 Dollar auf 8000 Dollar pro Monat hoch. Ohne Umsatzsteigerung und ohne Mehrarbeit.

> 7. Increased costs too quickly

Die Kosten zu schnell steigern. Da werden zu teure Büros angemietet, zuviele Dinge gekauft. Zuviel Geld für eine aufwendige Website ausgegeben. Oder für einen Firmenwagen. Es gäbe viele Dinge, für die man Geld ausgeben kann. Aber die Kosten müßten parallel zum Gewinn steigen. Bei seiner ersten Gründung habe er Büroräume angemietet, die viel zu groß gewesen seien. Und er bezahlte noch ein Jahr länger, nachdem das Geschäft längst geschlossen war.

Gründungen könnten aus diversen Gründen scheitern. Aber dieser Punkt sei der, den man hinterher am meisten bedauern würde.

--

Das mit der Markterforschung finde ich schwierig. Denn wenn eine Dienstleistung eher neu ist: Wie will man dann einen "Markt erforschen"? Eigentlich kann man das nur dadurch machen, daß man startet und in den Markt geht. Und dann zusieht, daß man erste Kunden findet, über die man weiterlernt.

Die Fokussierung auf Sales ist eine Herausforderung. Grade dann, wenn es von Bestandskunden immer wieder Neuaufträge gibt, so daß man mit diesen beschäftigt ist.

Bei meinen eigenen Mietpreisen hatte ich ursprünglich ein zu stark degressives Modell. Bis mir klar wurde, daß ich damit Gefahr laufe, an zu großen Kunden pleite zu gehen. So daß die Hardware komplett ausgelastet ist. Aber zu wenig Gewinn übrig bleibt.

Die Umsatzorientiertheit sehe ich bei diversen großen deutschen bzw. europäischen Startups problematisch. Da werden zwar ständig wachsende Umsätze genannt. Aber das geht einher mit ständig wachsenden Marketingausgaben. Bei so manch einem dieser Essensvermittler und ähnlichen Dienstleistungen sehe ich nicht, wie da mal wirklich schwarze Zahlen draus werden sollen.

Die Kosten zu schnell hochjagen dürfte bei vielen Gründungen wirklich ein Hauptproblem sein. Da müssen zu viele Gründer ernährt werden. Oder es wird Fremdkapital eingeworben, das zu hohen Mitarbeiterkosten führt. Irgendwann laufen dann die Kosten davon und es gibt weder eine Anschlußfinanzierung noch ein nennenswerter Umsatz. Dann ist das Startup insolvent.

MADI - Flat-pack-Home - ein Haus zum Aufklappen - für 32000 Dollar mit einer Aufbauzeit von 6 Stunden - schickes tiny house von Renato Vidal

25.11.2017 23:37:39, Jürgen Auer, 3 Kommentare

Die tiny-house - Bewegung: Kompakte, kleine Häuser, die nur minimal Platz bieten. Davon gibt es inzwischen unterschiedlichste Varianten.

Der italienische Architekt Renato Vidal hat nun eine verblüffende Lösung entwickelt: Ein vormontiertes Haus. Genannt MADI.

Das steht für "modulo abitativo dispiegabile", ein modulares, zerlegbares Wohngebäude. Wobei eher die Umkehrung genutzt wird: Wesentliche Teile des Gebäudes werden "geschickt vormontiert" angeliefert und aufgeklappt. So ähnlich, wie man das aus manchen Büchern kennt. Bei denen beim Aufklappen dreidimensionale Gebilde entstehen.

Jedenfalls läßt sich so ein "kompakter Packen Haus" auf einem Laster oder per Container anliefern. Die Bodenplatte muß schon existieren. Das ist bei der Aufbauzeit nicht mit berücksichtigt. Und dann wird der Packen auf die Fläche gelegt. Per Kran ein Stück hochgezogen. Details klappen auf und das Haus wird zusammengebaut.
.

Flat-pack home costs $32K and can be built in six hours

https://nypost.com/2017/11/21/flat-pack-home-costs-32k-and-can-be-built-in-six-hours/

Die italienische Website: M.A.D.I

https://www.madihome.com/copia-di-home

.
Der Haupttext von der Website:

> M.A.Di. is an unfoldable modular living unit. Using an unfolding technique, this construction system allows to realize earthquake-resistant buildings for residential, leisure and hospitality. M.A.DI. can be also used to set-up of temporary villages for sports, fairs and first aid facilities in case of natural disasters.

Eine aufklappbare, modulare "Lebenszelle". Damit können erdbebensichere Gebäude für verschiedene Zwecke erbaut werden.

In dem (Facebook-) Video sieht man, wie das aufgeklappt wird. Die rechteckige Grundfläche hat bereits zwei Außenwände an den schmalen Seiten. Aus den geklappten Teilen entsteht einerseits das Spitzdach. Andererseits ist ein Zwischenstück mit dabei, das eine zweite Etage erzeugt.

Die relativ steilen Dächer können mit Solarpanels zur Stromerzeugung genutzt werden. Bei Bedarf kann das Haus auch wieder zusammengefaltet und an einem anderen Ort neu aufgebaut werden.

Auf der Website ist allerdings von einer Gesamtbauzeit von zwei Tagen die Rede.

Man kann nur ein einziges Modul nutzen. Dann stellt das Haus 27 Quadratmeter zur Verfügung. Oder zwei Module werden nebeneinandergestellt. Dann sind das 56 Quadratmeter. Auch eine Drei-Modul-Variante gibt es. Dann hat eine Familie 84 Quadratmeter Platz.

Auf der Website ist das Video unten per YouTube eingebunden.

MADI home flatpack, tiny house

https://www.youtube.com/watch?v=usbyJLOiFbE

Eine spannende Lösung. Nicht unbedingt für die enge Großstadt. Aber für Kleinstädte bzw. das Umland wäre das auch eine schicke Lösung.

Das einzigste Problem: Das Haus wird in Italien hergestellt. Dementsprechend teuer wäre der Transport.

Auf der Website ist auch eine Preisliste 2017 eingebunden. Demnach kostet die 27-Quadratmeter-Version 28.000 Euro. Das kommt mit 6 x 3 Metern plus einer kleineren oberen Etage daher. Die 84-Quadratmeter-Variante benötigt eine Grundfläche von 6 x 9 Metern und kostet 62.000 Euro. Alles innerhalb von 200 km rund um die Fabrik ist frei. Drüber kostet jeder Kilometer 1,5 Euro Transportkosten. Lieferzeit: 60 Tage.

Chaos auf dem Radweg? Shift - niederländische Gruppe von Studenten der Verhaltenswissenschaft - löst das Chaos in Nijmegen durch Klebeband auf - Nudging

24.11.2017 23:34:38, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn sich ein Radweg gabelt: Die einen wollen geradeaus die Straße überqueren und warten an der Ampel. Die anderen wollen nach rechts abbiegen. Dann kann es dort schnell zu Staus kommen.

Vielleicht noch nicht in Deutschland. Dafür sind hier noch zu wenige Radfahrer unterwegs. Aber in Nijmegen (Niederlande). Da kann es sich rasch stauen, so daß das Risiko von Auffahrunfällen oder Fehlern beim Abbiegen besteht.

Läßt sich so eine Situation mit "kleinen Hinweisen" deutlich verändern?

Shift, eine Gruppe von Studenten der Verhaltenswissenschaft, löste das Problem. Mit Klebeband. Und Nudging = einen Anstoß liefern.
.

SHIFT: Gedragsverandering op maat

http://www.shift-gv.nl/

Das Video direkt auf YouTube: Nudging cyclists at Keizer Karelplein Nijmegen

https://www.youtube.com/watch?v=0ziqlGgc8_k

.
> Nudging is a popular method for changing human behaviour in a subtle way. The situation at Keizer Karelplein Nijmegen has been annoying us for quite some time now, so we decided to put our nudging skills to the test. We managed to change the cyclists behaviour using only duct tape.

Das Prinzip (siehe Video) ist ganz einfach: Mit Klebeband wurden zwei Fahrspuren voneinander abgetrennt.

Und Pfeile sorgten für die Eindeutigkeit: Hier ging es gradeaus. Dort ging es rechts ab.

Am Anfang die übliche Situation: Es kommen immer mehr Fahrradfahrer von hinten. Der wartende Pulk wird breiter - und versperrt den Abbiegern immer mehr den Weg. Diese weichen auf den Rasen aus.

Ab 01:45 die Beobachtung nach den aufgebrachten Klebeband-Streifen: Die Radfahrer, welche die Straße überqueren wollten, blieben brav auf dem linken Streifen. Der rechte Streifen blieb komplett frei. Und konnte von jenen flüssig genutzt werden, die rechts abbiegen wollten.

Wer da mal vorbeikommt und die Straße überqueren will: Der dürfte sich in den häufigsten Fällen nicht klarmachen, daß er anderen im Weg steht. So gibt es einen optischen Hinweis. Und die rechte Spur bleibt frei.

Stadt- und Radwegeplaner können sich daran ein Beispiel nehmen. Manchmal sind ein paar Linien mehr hilfreich.

Bundesfinanzhof: Spielerüberlassung durch Sponsor ohne Bezahlung durch den Verein ist freigebige Zuwendung, damit schenkungsteuerpflichtig - II R 46/15

23.11.2017 22:46:36, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn ein Sponsor einen Fußballverein unterstützen möchte, dann gibt es verschiedene Varianten, wie er das tun kann.

Eine Möglichkeit: Der Sponsor stellt Spieler, Trainer und Betreuer bei sich als Angestellte bzw. Repräsentanten ein. Diese arbeiten jedoch nicht für den Sponsor. Sondern sie trainieren und spielen für den Verein. Der Sponsor erhält für diese Überlassung seiner Angestellten kein Entgelt vom Verein.

Damit, so der Bundesfinanzhof in einem jetzt veröffentlichten Urteil vom 30.08.2017, liegt eine freigebige Zuwendung des Sponsors an den Verein vor.

Der Fußballverein ist damit schenkungsteuerpflichtig.
.

Spielerüberlassung als freigebige Zuwendung an Fußballverein - Urteil vom 30.8.2017, II R 46/15

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&nr=35261&pos=1&anz=73

.
Der konkrete Fall:

> Im Urteilsfall stellte der damalige Sponsor des Fußballvereins Spieler, Trainer und Betreuer bei sich als kaufmännische Angestellte oder Repräsentanten ein und bezahlte sie. Die Spieler/Trainer/Betreuer arbeiteten aber nicht für den Sponsor, sondern spielten Fußball für den Verein. Der Sponsor erhielt für die Überlassung der Athleten kein Entgelt von dem Verein. Das Finanzamt erhob auf die Lohnzahlungen des Sponsors an die Athleten vom Verein Schenkungsteuer. Die hiergegen gerichtete Klage des Vereins vor dem Finanzgericht hatte keinen Erfolg.

Der Bundesfinanzhof bestätigte diese Auffassung. Normalerweise erfolgt eine Arbeitnehmerüberlassung nur gegen ein angemessenes Entgelt. Wenn sich alle Beteiligten darüber einig sind, daß die Mitarbeiter nicht für den Sponsor tätig sind, sondern trainieren und Fußball spielen und wenn der Verein hierfür nichts an den Sponsor zahlt: Dann ist das eine Schenkung, Schenkungsteuer wird fällig.

Die Pressemitteilung weist darauf hin, daß das Urteil auch für andere Sportarten bedeutsam sein könne.

Das Urteil: BUNDESFINANZHOF Urteil vom 30.8.2017, II R 46/15

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&anz=73&pos=1&nr=35265&linked=urt

.
Der Leitsatz:

> Überlässt ein Dritter von ihm angestellte und entlohnte Arbeitnehmer einem Fußballverein in vollem Umfang zum Einsatz als Spieler, Trainer oder Betreuer und verzichtet er auf die Geltendmachung eines Vergütungsersatzanspruchs für die Überlassung, liegt in dem Verzicht eine freigebige Zuwendung des Dritten an den Verein.

Die Situation war insgesamt noch "etwas komplizierter". Es gab eine D-KG mit X und Y als Kommanditisten. Die D-KG war Kommanditistin an der A-KG und an der B-KG.

Die Spieler, Trainer und Betreuer schlossen einerseits Arbeitsverträge mit dem klagenden Verein, gemäß derer sie unter Vollprofibedingungen trainieren. Außerdem schlossen verschiedene der Spieler, Trainer und Betreuer Arbeitsverträge mit der A-KG und der B-KG, die zusammen die C-Gruppe bildeten.

> Die Aktiven waren als kaufmännische Angestellte/ Bürokaufleute angestellt und hatten nach den Verträgen alle üblichen Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten im Rahmen dieser Positionen wahrzunehmen. In einzelnen Arbeitsverträgen war die Tätigkeit als "Repräsentant" angegeben. Die wöchentliche Arbeitszeit betrug jeweils 40 Stunden. Das vereinbarte Gehalt war umso höher, je länger die Karriere des Aktiven im Profifußballsport war. In einzelnen Arbeitsverträgen wurde angegeben, dass der Aktive für den Kläger spiele und für seinen persönlichen Erfolg als Imagewerbung eine Sieg-/Auflaufprämie zwischen 300 EUR bis 500 EUR pro Meisterschaftsspiel in der ersten Mannschaft erhalte.

Nach einer Steuerfahndungsprüfung vertrat das beklagte Finanzamt die Position, daß die Arbeitsverträge nicht wie vereinbart durchgeführt worden seien, sondern daß es sich um Schenkungen von X und Y an den Verein handele. Die Schenkungen waren jedoch nicht angezeigt worden, ebenso hatte der Verein keine Steuererklärung abgegeben. Damit wurden die Besteuerungsgrundlagen schließlich anhand der geltend gemachten Kosten der C-Gruppe geschätzt.

Die gesamte Situation war also "etwas intransparent". Allerdings ändert das nichts daran, daß so eine Gestaltung prinzipiell möglich ist. Dann aber sind die Gehaltszahlungen als Schenkungen anzuzeigen. So daß Schenkungsteuer fällig wird.

Man darf dabei nicht vergessen, daß eine solche Konstruktion den Gewinn des Sponsors (hier: Der C-Gruppe, damit effektiv der D-KG, damit von X und Y) deutlich reduziert. Das wiederum wirkt sich auf die Steuerzahlung der C-Gruppe, damit von X und Y aus.

Bundesgerichtshof: Verkäufer kann Kaufpreis erneut verlangen, wenn Käufer erfolgreich PayPal-Käuferschutz beantragt - VIII ZR 83/16 und VIII ZR 213/16

22.11.2017 23:07:54, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der Bundesgerichtshof hat sich heute erstmals mit der Frage des sogenannten Käuferschutzes beschäftigt.

Bei Zahlungsdienstleistern wie PayPal gibt es einen Käuferschutz. Wenn der Käufer den Artikel nicht erhalten hat oder wenn der zugesandte Artikel stark von der Beschreibung abweicht: Dann kann der Käufer bei PayPal Käuferschutz beantragen. PayPal prüft, ob der Antrag - nach PayPal's Ermessen - gerechtfertigt ist. Falls ja, bucht PayPal das Geld wieder vom Verkäufer zurück zum Käufer.

Der Verkäufer hat also in so einem Fall womöglich weder den Artikel noch das Geld. In zwei unterschiedlich gelagerten Fällen verklagten die Verkäufer die Käufer auf Zahlung.

Der Bundesgerichtshof hat beide Fälle gemeinsam entschieden. Und festgestellt: Der Verkäufer kann auf die erneute Zahlung des Kaufpreises klagen.
.

Verkäufer kann nach erfolgreichem Antrag des Käufers auf PayPal-Käuferschutz erneut Kaufpreiszahlung verlangen

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2017&Sort=3&nr=80112&pos=0&anz=187

.
Im ersten Verfahren VIII ZR 83/16 hatte eine GbR (spätere Beklagte) von dem Verkäufer ein Mobiltelefon für etwa 600 Euro auf eBay gekauft. Die Bezahlung erfolgte per PayPal. Der Kaufpreis wurde bezahlt, der Verkäufer verschickte das Gerät. Vereinbarungsgemäß unversichert. Das Päckchen kam nicht an. Ein Nachforschungsauftrag blieb erfolglos. Die Beklagte beantragte Käuferschutz. Der Kläger konnte PayPal keinen Versandnachweis erbringen. PayPal buchte das Geld zurück. Der Verkäufer klagte und bekam in zweiter Instanz recht. Das LG Essen (Urteil vom 10. März 2016 - 10 S 246/15) ließ Revision zu, die die Beklagte einlegte.

Im Verfahren VIII ZR 213/16 erwarb der Beklagte eine Metallbandsäge über den Onlineshop. Die Bezahlung erfolgte per PayPal. Später wurde Käuferschutz beantragt: Die gelieferte Säge entspreche nicht den gezeigten Bildern. Nach Aufforderung durch PayPal legte der Beklagte ein Privatgutachten vor. Demnach sei die Säge

> von "sehr mangelhafter Qualität" und "offensichtlich ein billiger Import aus Fernost".

PayPal buchte daraufhin den Kaufpreis zurück. Hier blieb die Klage in beiden Instanzen erfolglos (zuletzt Landgericht Saarbrücken - Urteil vom 31. August 2016 - 5 S 6/16). Dagegen Revision des Klägers / Verkäufers.

Der Kern der heutigen Entscheidung:

> Der unter anderem für das Kaufrecht zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass der Anspruch eines Verkäufers auf Zahlung des Kaufpreises zwar erlischt, wenn der vom Käufer entrichtete Kaufpreis vereinbarungsgemäß dem PayPal-Konto des Verkäufers gutgeschrieben wird. Jedoch treffen die Kaufvertragsparteien mit der einverständlichen Verwendung des Bezahlsystems PayPal gleichzeitig stillschweigend die weitere Vereinbarung, dass die betreffende Kaufpreisforderung wiederbegründet wird, wenn das PayPal-Konto des Verkäufers nach einem erfolgreichen Antrag des Käufers auf Käuferschutz rückbelastet wird.

Sprich: Einigen sich beide Parteien auf die Nutzung von PayPal und erhält der Verkäufer das Geld, dann kann er keine weiteren Ansprüche mehr geltend machen. Bucht PayPal das Geld aber anschließend wieder zurück, kann der Händler - auf anderen Wegen - den Kaufpreis erneut fordern.

Die Begründung: Der Käufer kann Käuferschutz beantragen, das kann erfolglos sein. Dann kann er auch Gerichte bemühen. Damit muß aber - nach einem erfolgreichen Antrag auf Käuferschutz - auch der Verkäufer das Recht haben, seine Forderung nun auf gerichtlichem Wege durchzusetzen.

> Namentlich mit Rücksicht auf diese Bestimmungen besteht kein Zweifel, dass es dem Käufer unbenommen sein soll, anstelle eines Antrags auf Käuferschutz oder auch nach einem erfolglosen Antrag die staatlichen Gerichte in Anspruch zu nehmen, um etwa im Fall einer vom Verkäufer gar nicht oder nicht wie geschuldet erbrachten Leistung Rückgewähr des vorgeleisteten Kaufpreises zu verlangen. Vor diesem Hintergrund ist es allein interessengerecht, dass umgekehrt auch der Verkäufer nach einem erfolgreichen Antrag des Käufers auf PayPal-Käuferschutz erneut - im Wege der Wiederbegründung seines Anspruchs auf Zahlung des Kaufpreises - berechtigt sein muss, auf die Kaufpreisforderung zurückzugreifen und zu ihrer Durchsetzung gegebenenfalls die staatlichen Gerichte anzurufen.

Die Konsequenzen dieses Prinzips:

Im ersten Fall wurde die Revision zurückgewiesen. Denn der Kläger hat einen Zahlungsanspruch. Das Gerät sei unstreitig versandt worden. Damit geht das Risiko des Nichterhaltens auf die Beklagte über.

Im zweiten Fall hatte das Berufungsgericht

> den Anspruch des Verkäufers auf Kaufpreiszahlung verneint

Das wurde per Revision erfolgreich angegriffen. Allerdings war dort unklar, ob die Beklagte gesetzliche Mängelgewährleistungsrechte geltend machen könne. Deshalb ging das zurück zum LG Saarbrücken.

Persönlich hätte mich jede andere Entscheidung sehr verwundert. Denn das hätte geheißen, daß der Rechtsweg für den Verkäufer nach einem erfolgreichen Antrag auf Käuferschutz abgeschnitten gewesen wäre.

Immerhin ist mit diesem Käuferschutz die Situation für Käufer weitaus komfortabler. Denn bei Mängeln müßten sonst sie auf Erstattung des Kaufpreises klagen. So liegt das Klagerisiko nach einem erfolgreichen Antrag auf Käuferschutz beim Verkäufer.

Die Formulierungen bei Heise

BGH: Klagen trotz Paypal-Käuferschutzes möglich

https://www.heise.de/newsticker/meldung/BGH-Klagen-trotz-Paypal-Kaeuferschutzes-moeglich-3898019.html

> Bei einem Internet-Einkauf über Paypal hat im Streitfall nicht der Online-Bezahldienst das letzte Wort. Verkäufer können den Kunden trotz Paypal-Käuferschutzes später auf Zahlung in Anspruch nehmen

und im Tagesspiegel

Paypal: Wie ein Urteil die Position von Online-Käufern verschlechtert

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/paypal-wie-ein-urteil-die-position-von-online-kaeufern-verschlechtert/20620266.html

> Bundesgerichtshof weicht Schutzklausel des Bezahldienstes Paypal auf. Verkäufer können künftig klagen. Käufer haben das Nachsehen.

verwundern mich deshalb etwas. Natürlich müssen in einem Rechtsstaat Gerichte das letzte Wort haben. Und da die Käufer klagen können, muß auch den Verkäufern der Rechtsweg offenstehen.

Wichtig dabei ist, daß das Urteil über PayPal hinausgeht. Auch andere Zahlungsdienstleister bieten einen ähnlichen Käuferschutz. Etwa Paydirekt, Amazon Pay, Billpay und Sofortüberweisung von Klarna und Barzahlen.

Völlig überzogen finde ich die Aussage im Tagesspiegel vom vzbv:

> Verbraucherschützer halten die Rechtsprechung für einen schweren Schlag gegen Paypal. In seiner aktuellen Ausgestaltung sei das betroffene Käuferschutzprogramm „so gut wie wertlos“, wenn der Verkäufer den Kunden anschließend doch noch verklagen könne, befürchtet Heike Schulze vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV).

Ich sehe da überhaupt keinen "schweren Schlag gegen PayPal". Sondern schlichtweg Symmetrie: Können sich beide nicht einigen, steht beiden der Weg zum Gericht offen. Es kann auch nicht im Sinne von solchen Zahlungsdienstleistern sein, hier "endgültige Urteile" zu fällen. Die dortigen Mitarbeiter sind keine Richter. Sie können bsp. die Details lokaler Gesetzgebungen (etwa die Mängelgewährleistungsrechte) gar nicht so genau kennen. Der Käuferschutz greift aber in diese lokalen Rechte und Pflichten von Verkäufern und Käufern ein. Also muß eine gerichtliche Überprüfung möglich sein.

SEPA Instant Credit Transfer - SCT Inst - ist seit heute aktiv - Überweisungen zwischen acht europäischen Staaten in 15 Sekunden möglich - eventuell der Tod von Paydirekt

21.11.2017 23:38:01, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mit dem heutigen Tag ist es - endlich - soweit: Die endlos lahmen Überweisungen gehören der Vergangenheit an. Zumindest dann, wenn die eigene Bank und die Empfängerbank bereits "Instant Credit Transfer" - kurz: SCT Inst - unterstützen.

Vor den SEPA-Überweisungen dauerten Überweisungen teilweise mehrere Tage. Zeit, in der das Geld weder dem Überweiser noch dem Empfänger zur Verfügung stand. Und von den Banken für eigene Zwecke genutzt werden konnte.

Dann kam SEPA - die Single Euro Payments Area. Und sorgte dafür, Überweisungen innerhalb des SEPA-Zahlungsraums nur noch einen Arbeitstag dauern durften. Mit dem "Seiteneffekt", daß endlich auch die mehrtägigen innerdeutschen Überweisungen der Vergangenheit angehörten.

Mit dem Instant Credit Transfer ist nun auch das Geschichte.
.

Instant credit transfers are now a reality in eight European countries: A significant step towards faster, more innovative and digital payments in Europe

https://www.europeanpaymentscouncil.eu/news-insights/news/instant-credit-transfers-are-now-reality-eight-european-countries

.
585 Payment Service Provider (PSP) sind mit an Bord. Damit können bis zu 15.000 Euro überwiesen werden. Und dies zu jeder Zeit an jedem Tag, auch an Wochenenden und an Feiertagen. Einzigste Einschränkung: Die Transaktion muß in Euro abgewickelt werden.

Die 585 PSP sind in den folgenden acht Staaten zu finden:

> Austria, Estonia, Germany, Italy, Latvia, Lithuania, the Netherlands and Spain

Wenn man das mit den derzeit 19 Euro-Staaten

https://de.wikipedia.org/wiki/Eurozone

> Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Spanien und die Republik Zypern

vergleicht, dann fehlen noch ein paar Staaten. Frankreich, Belgien, Finnland, Irland, Luxemburg, Portugal dürften die größeren sein.

Bei SCT Inst gilt dasselbe wie bei SEPA-Überweisungen: Es spielt keine Rolle, ob es sich um eine Inlandsüberweisung oder eine Überweisung innerhalb des SCT-Inst-Raumes handelt.

Ein PDF

The top 10 benefits of the SEPA Instant Credit Transfer Scheme

https://www.europeanpaymentscouncil.eu/sites/default/files/infographic/2017-11/EPC%20infographic_SCT%20Inst%20benefits_November%202017.pdf

listet die Vorteile:

(1) Schnell, (2) jederzeit (24/7/365). (3) Mit 15.000 Euro deckt es viele der täglichen Zahlungen ab, so daß die Jahressummen kontinuierlich steigen dürften und das Verfahren damit auch für größere Unternehmen attraktiver werden dürfte.

(4) Dasselbe Schema für inländische und ausländische Überweisungen. In vielen Staaten sei es das einzigste Schema mit diesem Merkmal. Das dürfte für eine steigende Zahl der Nutzer sorgen.

(5) Es ist eine digitale Technik, die online genutzt werden kann. (6) Es könne das Cash-Management der Unternehmen erleichtern, weil Zahlungen sofort ausgeführt werden.

(7) Es habe das Potential, Bargeld und Schecks abzulösen.
(8) Es fördert die zukünftige Harmonisierung des Euro-Raumes.
(9) Es sei sicher und die Lösungen, die auf SCT Inst basieren, würden mit Kunden- und Datenschutz verträglich sein.
(10) Es basiert auf dem SEPA Credit Transfer Scheme, das sorgt dafür, daß die Implementation einfacher sei.

In einem Info-PDF werden die Top 20 Anwendungsfälle genannt:

20 top use-cases of  the SCT Inst scheme (among plenty more)

https://www.europeanpaymentscouncil.eu/sites/default/files/infographic/2017-11/EPC%20infographic_SCT%20Inst%20top%20uses_November%202017.pdf

Bei Bargeld- oder Schecktransaktionen. Aber auch bei Auktionen, entweder offline oder per Internet: Der Käufer zahlt sofort - oder ein anderer bekommt den Zuschlag.

Bei Zahlungen in Notfällen: Der Empfänger hat das Geld sofort. Oder bei Käufen unter Verbrauchern, ein Gebrauchtwagenkauf und ähnliches. Viel Bargeld ist risikoreich, die Überweisung dauert.

Ähnlich bei Zahlungen von Privatpersonen an Unternehmen: Etwa Zahlungen an Handwerker, Elektriker. Die sofortige Aktivierung von Diensten. Oder die Bezahlung eines neuen Autos. Die Bezahlung von Steuern, so daß bei Verzug sofort gezahlt werden kann.

Ähnlich von Unternehmen zu Personen: Freelancer und day-worker können jeden Tag oder sofort nach der Projektfertigstellung ihr Geld erhalten.

Beim Zahlungsverkehr zwischen Unternehmen könnten Bank-bestätigte Schecks der Vergangenheit angehören.

Weiter aus dem ersten Link:

Dieser Zahlungsraum soll ausgedehnt werden, bis er schließlich 34 europäische Staaten umfasst. PSP von

> Belgium, Finland, Germany, Malta, the Netherlands, Portugal and Sweden

Ferner soll SCT Inst regelmäßig geprüft werden. So sei eine Anhebung der 15.000 Euro denkbar. Das würde SCT Inst für größere Unternehmen attraktiver machen.

Wenn man etwas über die Konsequenzen nachdenkt, dann könnte SCT Inst Bargeld ersetzen. Ohne, daß man eine Karte oder ähnliches benötigt. Einfach mobil bei der eigenen Bank einloggen. Die Überweisung vornehmen. Der Verkäufer, mit dem man grade zusammen ist, sieht in seinem Bankkonto nach. Und sieht, daß das Geld angekommen ist. Also kann er die Ware übergeben.

Weitergedacht hieße dies allerdings, daß größere Unternehmen ihren Verkäufern entsprechende Zugriffsmöglichkeiten auf das Konto einrichten müßten. Da wird es spannend.

In Deutschland bietet aktuell wohl nur die Hypovereinsbank das bereits an.

HypoVereinsbank startet als erste Bank in Deutschland Instant Payments Angebot

https://press.hypovereinsbank.de/cms/german/press/showdetail.html?id=9552

Da wurde zum heutigen Start Geld in 2,5 Sekunden von Deutschland nach Italien überwiesen.

Kunden der Bank können ab sofort Instant Payments - Zahlungen empfangen. Ab dem 27.11.2017 sollen Kunden solche Überweisungen über das normale Online-Banking auch selbst auslösen.

Interessant ist, ob nicht SCT Inst dem Zahlungsdienst Paydirekt ( https://www.paydirekt.de/ ), der sich als Konkurrent von PayPal etwas herumschleppt, endgültig das Wasser abgräbt bzw. diesen überflüssig macht. Schließlich genügt es, daß der Verkäufer dem Käufer eine Rechnungsnummer oder eine Zufallszeichenfolge zum Bezahlen mitgibt. Der Käufer überweist das sofort. Kann der Verkäufer sein Konto abfragen, dann ist ein dazwischengeschalteter Dienst (sei es PayPal oder Paydirekt) überflüssig.

Kaffeesatz-Recycling - britisches Startup Bio Bean produziert mit Shell Biodiesel B20 aus Kaffeesatz - ein Doppeldeckerbus soll in London ein Jahr damit fahren

20.11.2017 23:18:34, Jürgen Auer, keine Kommentare

Kaffee wird in rauhen Mengen getrunken. Aber was passiert eigentlich mit dem Kaffeesatz? Der landet im besten Fall in der Biotonne und wird zu Kompost. Im schlechten Fall landet er auf dem Müll.

Aber kann man mit Kaffeesatz auch noch andere Dinge machen? Das britische Startup Bio Bean hat bereits verschiedene Dinge entwickelt. So gibt es Coffee Logs, das sind Briketts. Da wird der Kaffeesatz verbrannt. Ähnlich ist das bei Pellets. Aber es läßt sich auch Biodiesel daraus herstellen.

Zusammen mit Shell soll nun ein Londoner Doppeldeckerbus ein Jahr mit diesem Biodiesel B20 betrieben werden.
.

https://twitter.com/bio_bean_UK/status/932511386558763009

> We’re so excited to finally launch our coffee biodiesel project! Thanks to bio-bean, @Shell and Argent Energy, your #coffee is now helping fuel London buses! Visit https://buff.ly/2ARjJsx  to find out more. #makethefuture #London

Der Link geht zur Shell-Mitteilung: Helping to power London’s buses with coffee

http://www.shell.com/energy-and-innovation/make-the-future/bio-bean-helping-power-londons-buses-with-coffee.html

Das Video direkt auf YouTube: Coffee and a bright idea are helping power buses | Shell #makethefuture

https://www.youtube.com/watch?v=AnXR-MKhg64

.
Demnach gibt es alleine in London pro Jahr 200.000 Tonnen Kaffeesatz. Da kann man natürlich fragen: Läßt sich das sinnvoll nutzen?

Inzwischen ist das Unternehmen dazu in der Lage, pro Jahr 50.000 Tonnen Kaffeesatz zu verarbeiten. Der Kaffeesatz wird von Straßenläden eingesammelt, die Kaffee verkaufen. Und von Unternehmen. Daraus läßt sich Kaffeeöl gewinnen. Das läßt sich mit normalem Diesel mischen, daraus entsteht das B20. Die 20 steht für einen 20 % - Anteil von Biokomponenten.

Dieses B20 kann direkt von Londoner Doppeldeckerbussen genutzt werden. Hineingesteckt werden etwa 6000 Liter Kaffeeöl. Das reicht bei einem Bus insgesamt für ein Jahr.

Die Unternehmenswebsite enthält in der Rubrik Products

http://www.bio-bean.com/products/

Informationen zu den verschiedenen Produkten.

Wobei mich die Menge von 200.000 Tonnen alleine für London etwas wundert. Denn hier

Vier Kilo jährlich pro Kopf: Hoher Preis lässt Deutsche weniger Kaffee konsumieren

http://www.t-online.de/leben/essen-und-trinken/id_82482812/kaffeekonsum-der-deutschen-vier-kilo-jaehrlich-pro-kopf.html

ist mit Datum 14.10.2017 davon die Rede, daß in Deutschland etwa 345.000 Tonnen Kaffeebohnen 2016 in Deutschland verkauft wurden.

Photo-realistische Bleistiftzeichnungen - photo-realistic Pencil Drawings - der japanische Künstler Kohei Ohmori malt Personen und Metallgegenstände

19.11.2017 23:44:16, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mit Bleistiften zeichnen? Da mag man - als Laie - an alles mögliche denken. Aber daß die Bilder so genau werden, daß sie wie Schwarzweiß-Photographien wirken? Wohl eher nicht, wie soll das gehen.

Für den grade mal 22-jährigen japanischen Künstler Kohei Ohmori ist das sein Thema. Er malt - nur mit spitzen Bleistiften - Personen. Und Metallgegenstände.

Wenn Sie bei letzterem denken: "Was soll daran besonders sein?" Dann werfen Sie einen Blick auf diese Photos der Bleistiftzeichnungen.
.

Ein Bild von seinem Twitter-Account: Die rechte Seite der Schraubenmutter fehlt noch

https://twitter.com/kohei6620/status/927816146375532544

> PencilDrawing, Only in the right side of nut.

Ein Beitrag mit diversen Bildern: Photo-realistic Pencil Drawings by Japanese Artist Kohei Ohmori

https://www.designswan.com/archives/photo-realistic-pencil-drawings-by-japanese-artist-kohei-ohmori.html

.
Mehr als 200 Stunden wendet er für ein Bild auf. Bei einer 40-Stunden-Woche sind das mindestens fünf Wochen konzentriertes Arbeiten, bei dem jeder Strich korrekt sein muß.

Als Vorlage für diese Metallschraube, die auf einer Metallmutter liegt, verwendet er ein großes Photo, das er bis ins letzte Detail abzeichnet.

Der Twitter-Account: @kohei6620

https://twitter.com/kohei6620

Auf Instagram: @kohei6620

https://www.instagram.com/kohei6620/

Dazu gibt es eine ganze Armada von Bleistiften:

https://www.instagram.com/p/BUUQT4EgNQV/

Die Gesamtzahl der verschiedenen Bilder ist relativ niedrig. Aber bei einer "Produktionszeit" von fünf Wochen für ein Bild ist das irgendwie egal.

Wenn man sich die Größe von Schraube und Schraubenmutter ansieht, dann müßten mindestens drei Wochen alleine für die Schraube notwendig gewesen sein. Kaum zu begreifen, daß man so etwas mit einem Bleistift erschaffen kann.

Bundesfinanzhof: Kein Anspruch auf Prozesskostenhilfe (PKH) bei Nichtbeantwortung von Fragen zum Vermögen - Beschluss XI S 3/17

18.11.2017 23:03:54, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn jemand gegen Entscheidungen des Finanzamts oder des angerufenen Finanzgerichts vorgehen möchte, dann steht ihm - prinzipiell - ein Anspruch auf Prozesskostenhilfe zu. Aber: Wenn jemand so einen Antrag stellt: Gibt es dann Mitwirkungspflichten?

Der Bundesfinanzhof hat sich mit einem solchen Thema beschäftigt. Und am 21.09.2017 dazu einen Beschluss gefaßt, der am 15.11.2017 veröffentlicht wurde.
.

BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.9.2017, XI S 3/17 (PKH) - ECLI:DE:BFH:2017:B.210917.XIS3.17.0

Ablehnung von PKH bei Nichtbeantwortung von Fragen zum Vermögen

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=35207&pos=1&anz=53

.
Der Leitsatz:

> NV: Beantwortet der Antragsteller Fragen des Gerichts zu seinem Vermögen derart unvollständig, dass nicht beurteilt werden kann, ob er über einzusetzendes Vermögen verfügt oder eine Beleihung des Vermögens möglich ist, ist der Antrag auf Gewährung von PKH abzulehnen.

Der Antragsteller hatte Prozesskostenhilfe beantragt, um Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts (FG) vom 23. März 2017 11 K 276/16 einzulegen. Es gab schon früher ein Verfahren XI S 1/17 (PKH), da hatte der Antragsteller einen Fragebogen über seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse eingereicht.

Prozesskostenhilfe kann beantragt werden, wenn eine Partei nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann, falls

> die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint.

Allerdings hat ein Beteiligter sein Vermögen für die Prozessführung einzusetzen, sofern das zumutbar ist.

Dabei ging es nur um einen geringen Betrag:

> voraussichtlicher Kosten der Prozessführung von lediglich 385 EUR

Ferner teilte der Antragsteller mit:

> Der Antragsteller hat mit Schreiben vom 10. Juli 2017 angegeben, über Grundvermögen (Grundstück nebst Gebäude) zu verfügen, das einen Wert von 220.000 EUR hat, sowie über 11,3 ha Acker- und Grünland mit einem Wert von 135.000 EUR.

Daraufhin ging nochmals Post vom Bundesfinanzhof zum Antragsteller:

> Der Senat hat daraufhin mit Schreiben vom 1. August 2017 den Antragsteller u.a. um Erläuterung der Wertansätze sowie Mitteilung der auf dem Grundbesitz ruhenden Grundschulden gebeten. Außerdem wurde der Antragsteller unter Hinweis auf eine Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 8. Februar 2010  22 B 09.2171 gebeten, dem Senat zu erläutern, warum die Prozesskosten nicht durch Aufnahme eines Darlehens finanziert werden können.

Die Antwort darauf hat der Bundesfinanzhof wohl als gänzlich ungenügend eingeschätzt.

> Diese Fragen hat der Antragsteller mit seinem Schreiben vom 19. August 2017 ungenügend beantwortet. Er macht geltend, dass der Beklagte (das Finanzamt) wegen einer Forderung von weniger als 1.400 EUR die Zwangsversteigerung betreibt. Der Erlös aus der Zwangsversteigerung dürfte sicher zu höheren Erlösen als 1.400 EUR und damit zur Zahlungsfähigkeit führen. Zum anderen wird die Zwangsversteigerung offenbar nur in eine von wohl mehreren Flurnummern betrieben. Ohne Mitteilung, wie hoch die gesamten Verbindlichkeiten momentan sind, welche Grundsicherheiten an welchen Grundstücken ggf. bestellt sind usw., kann in keiner Weise überprüft und beurteilt werden, ob dem Antragsteller die Verwertung/Beleihung von Immobilien zugemutet werden kann.

Da hat der Antragsteller also einerseits nach eigenen Angaben ein "relativ hohes Vermögen" von insgesamt 355.000 Euro. Andererseits scheint er über so geringe Barmittel zu verfügen, daß er die weniger als 1.400 Euro gegenüber dem Finanzamt nicht begleicht, so daß dieses eine Zwangsvollstreckung betreibt. Schließlich stellt er einen Antrag auf Prozesskostenhilfe, teilt dann aber nicht genau mit, wie sich die Bewertung zusammensetzt und ob es für die Finanzierung der grade mal 385 Euro nicht auch andere Möglichkeiten gäbe.

Persönlich fehlt mir für solche Anträge "etwas das Verständnis".

Indien erklärt Unsafe Selfies den Krieg - Zahl der Selfie-Toten in Indien besonders hoch - Killfie - #dangerousselfies für kritische Areale

17.11.2017 23:45:29, Jürgen Auer, keine Kommentare

Mal ein Selfie schießen? Solange die Situation harmlos ist, sollte das kein Problem sein. Allerdings: Offenbar scheinen manche Leute für das "perfekte Selfie" sehr weit zu gehen. Nämlich zu weit.

In Indien scheint das ein besonderes Phänomen zu sein.
.

India Declares War On Unsafe Selfies

https://www.npr.org/sections/goatsandsoda/2017/11/14/563255936/india-declares-war-on-unsafe-selfies

.
Der Mann auf diesem Photo oben: Hinter ihm scheint es massiv abwärts zu gehen. Im Juli war ein Mann mit Freunden in einen eigentlich abgesperrten Bereich im Bannerghatta Biological Park in Bengaluru geschlichen. Er machte ein Photo von sich mit einem Elephanten im Hintergrund. Das Tier trampelte ihn tot.

Ebenfalls im Juli: Vier Leute saßen auf einer Klippe, an die hohe Wellen brandeten. Machten Selfies. Bis sie von den Wellen fortgerissen wurden. Alle vier ertranken. Da ist sogar ein Video bei "The Times of India" verlinkt, das die vier unmittelbar vor und während der tödlichen Welle zeigt.

Caught on cam: 4 drown while taking selfie at Nagoa beach

https://timesofindia.indiatimes.com/videos/news/caught-on-cam-4-drown-while-taking-selfie-at-nagoa-beach/videoshow/59728348.cms

Die Polizei von Mumbai hat 16 kritische Zonen in der Stadt identifiziert. Das sind nun No-Selfie-Zonen. In dem Artikel ist von einem indischen "Selfie fever" die Rede.

Mumbai enforces 'no-selfie' zones after string of fatal accidents

https://www.theguardian.com/world/2016/feb/25/mumbai-no-selfie-zones-string-fatal-accidents-india


Da gibt es zwar Stellen mit "ikonischen Bildern". Aber im Januar 2016 fielen drei Frauen ins Wasser, während sie im "Bandra Fort" Selfies machten. Ein Mann konnte zwei retten. Und ertrank beim Versuch, die dritte zu finden.

Wenn man nach "Bandra Fort" sucht: Das sind alte Gemäuer, unmittelbar am Wasser.

Im Juni 2017 veröffentlichte Samsung ein Warnvideo. Das aktuell auf 150 Millionen Aufrufe kommt.

Samsung cares for a Safe India

https://www.youtube.com/watch?v=QZdP-G-F0a8

Mobile Geräte mögen doch bitte nicht während der Fahrt verwendet werden. Da gab es den Hashtag #SafeIndia dazu. Ein Familienvater verabschiedet sich morgens von seiner Frau und seiner kleinen Tochter, er fährt mit dem Moped los. Und verunglückt kurz darauf, weil er sein mobiles Gerät nutzt.

Im Jahr 2016 wurde eine Studie mit dem sprechenden Titel "Me, Myself and My Killfie" veröffentlicht.

> The title of the report uses the word "killfie" to describe selfies taken under circumstances dangerous enough to kill you.

Da hatten Forscher weltweit nach Todesfällen im Zusammenhang mit Selfies gesucht. Selfies könnten meist harmlos sein. Aber in bestimmten Situationen auch tödlich. Das für Indien alarmierende Ergebnis:

> The research team found accounts of 127 reported deaths by selfie between 2014 to 2016, with more than half in India.

Von 127 Berichten über Selfie-Tote zwischen 2014 und 2016 waren mehr als die Hälfte der Toten in Indien zu beklagen.

Daraufhin identifizierten die Forscher tausende gefährliche Stellen in Indien und in der ganzen Welt. Und bauten eine App "Saftie" (Safety + Selfie), die vor gefährlichen Zonen warnt. Nutzer werden auch darüber informiert, wenn das eine Zone mit einem der 127 Todesfälle war.

Auch die Polizei in Mumbai warnte in diesem Juni wieder auf Twitter: Die Monsunzeit verlockt wohl zu gefährlichen Selfies.

https://twitter.com/MumbaiPolice/status/879974642953240576

> Don't make 'taking a selfie' mean 'taking your own life' #SafeMonsoonTips

Man hat nur ein einziges Leben. Das sollte man nicht für ein "spektakuläres Photo" aufs Spiel setzen. Sonst war das womöglich die letzte eigene Aktivität.

Nacht - Nebel - Neon - Nachtszenen in Neonlicht getaucht - die Bilderwelten der Photographin Elsa Bleda

16.11.2017 23:36:38, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn ich hier in Berlin jetzt im November aus dem Fenster sehe, dann fällt mein Blick auf den Fernsehturm. Umgeben von einem relativ hellen Horizont. Klar, hier in Berlin gibt es viele Lichter. Aber meist sind das normale Lampen, so daß das ein diffuser heller Ton ist.

Ganz anders dagegen die intensiven Nachtbilder der Photographin Elsa Bleda. Sie war in Osteuropa und in Südafrika unterwegs. Und hat diverse Photographien mit intensivem Neonlicht mitgebracht.
.

Nighttime City Scenes Bathed in Neon by Photographer Elsa Bleda

http://www.thisiscolossal.com/2017/11/nighttime-city-scenes-bathed-in-neon-by-photographer-elsa-bleda/

.
Etwa die Tankstelle, die in einem mysteriösen Blau schimmert. Gedämpft durch den Nebel.

Oder die Tauben, die von einem intensiven pinken Neonlicht beleuchtet werden. Oder eine einzelne, entfernte Person, die vielleicht von einem Autoscheinwerfer angestrahlt wird. Kontrastiert von einem türkisfarbenen Neonlicht, das aus einem Haus hinter kahlen, schwarz aufragenden Bäumen kommt.

2016 gab es eine Ausstellung "Nightscapes" in der Kalashnikovv Gallery gallery in Johannesburg. Auf der Redbull-Seite finden sich weitere Bilder von ihr.

The hauntingly beautiful nightscapes of Elsa Bleda

https://www.redbull.com/za-en/elsa-bleda-nightscapes

Das war wohl eine von Red Bull Südafrika finanzierte Tätigkeit. Auf Instagram berichtet sie davon:

https://www.instagram.com/p/BYTbC2ADb6v/

> Driving endlessly every night, discovering new places, chasing fog(literally), trying to light crazy places, stargazing at pitch black spots and only sleeping after the sun is up.

Endlose Fahrten jede Nacht, die Suche nach neuen Orten, den Nebel jagend. Und geschlafen hat sie immer nur tagsüber. Die Rückkehr in die Realität

> It's always strange coming back to reality after such intense and dreamy shoots.

Das sei jedesmal "strange" nach solchen intensiven Photoaufnahmen.

Ihr Instagram-Account:

https://www.instagram.com/elsableda/

Geheimnisvolles Licht zwischen den Bäumen:

https://www.instagram.com/p/BQtLcnrDHqy/

Einzelne Bäume, von Nebel umhüllt.

https://www.instagram.com/p/BNkvR4DFKdI/

Eine beeindruckende Sammlung von Bildern. Bei denen man den Eindruck hat, daß hinter jedem einzelnen dieser vielen Nebel-Bilder ein unendlicher Aufwand steckt.

Bundesgerichtshof: Widerrufsrecht beim Online-Matratzenkauf wird dem Europäischen Gerichtshof zur Vorabentscheidung vorgelegt - VIII ZR 194/16

15.11.2017 23:34:50, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer als Verbraucher im Internet Waren bestellt, der schließt einen sogenannten Fernabsatzvertrag ab. Damit hat er einen Anspruch auf ein üblicherweise 14-tägiges Widerrufsrecht. Allerdings: Dieses Widerrufsrecht gilt nicht, wenn versiegelte Ware geliefert wurde, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet ist und wenn die Versiegelung entfernt wurde.

Ferner hat der Verkäufer die Pflicht, den Käufer über diese Einschränkung des Widerrufsrechts zu informieren.

Nur: Gilt das auch für Matratzen?

Der Kläger hatte im Jahr 2014 eine "Dormiente Natural Basic" Matratze zum Preis vom 1.094,52 € bestellt. Diese war bei der Auslieferung mit einer Schutzfolie versehen, der Kläger entfernte diese.

Einige Tage später teilte er der Verkäuferin mit, daß er die Matratze zurückgeben wolle, eine Spedition möge das erledigen. Die Verkäuferin kam dieser Aufforderung nicht nach, der Kläger beauftragte schließlich selbst eine Spedition.

Anschließend reichte er Klage ein (Erstattung Kaufpreis und Rücksendekosten - 1.190,11 €). Amtsgericht und Landgericht Mainz gaben der Klage statt. Das Landgericht ließ Revision zu.

Der Bundesgerichtshof hat dies nun mit heutigem Beschluß dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgelegt.
.

Bundesgerichtshof legt Fragen zum Widerrufsrecht beim Online-Matratzenkauf dem Europäischen Gerichtshof zur Vorabentscheidung vor - Beschluss vom 15. November 2017 - VIII ZR 194/16

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2017&Sort=3&nr=80023&pos=0&anz=178

.
Die EU-Vorschrift:

> Art. 16 Buchst. e Verbraucherrechterichtlinie
>
> Die Mitgliedstaaten sehen bei Fernabsatzverträgen und außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen kein Widerrufsrecht nach den Art. 9 bis15 vor, wenn versiegelte Waren geliefert werden, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder aus Hygienegründen nicht zur Rückgabe geeignet sind und deren Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde.

Einerseits spricht der Senat davon, daß die Vorschrift Ausnahmen aufzählt. So daß Matratzen eher nicht dazu gehören, weil Reinigungsmaßnahmen möglich seien, so daß die zurückgesandte Matratze zumindest als gebrauchte Sache wieder verkauft werden könnte. Andererseits gibt es einen zwar nicht verbindlichen, aber eben vorhandenen Leitfaden der Generaldirektion Justiz der Europäischen Kommission, der Auflegematratzen als Beispiel für das Eingreifen dieses Ausnahmetatbestandes benennt (neben Kosmetika).

Sprich: Da soll der Europäische Gerichtshof entscheiden, ob Matratzen nun unter diese Ausnahme fallen oder nicht.

Sollte der EuGH feststellen, daß Matratzen unter diese Ausnahmeregelung fallen, so daß das Widerrufsrecht erlischt, wenn die versiegelte Verpackung entfernt wird. Dann will der Bundesgerichtshof wissen, wie eine solche "versiegelte Verpackung" beschaffen sein muß und wie die Informationspflichten des Verkäufers über diesen Verlust des Widerrufsrechts bei der Öffnung der Versiegelung auszusehen haben.

Angesichts des boomenden Online-Handels dürfte die EuGH-Entscheidung für so einige Unternehmen sehr wichtig werden. Ist die Regelung über die Ausnahmen eher eng auszulegen, so daß Matratzen nicht darunter fallen? Und wenn sie darunterfallen: Wie muß die Versiegelung aussehen und wie kommen Händler ihren dann existierenden Informationspflichten nach.

Re:Scam - Scammer per Chatbot in sinnfreie Kommunikation verwickeln - und sie damit von Dialogen mit anderen Scam-Opfern abhalten

14.11.2017 23:55:31, Jürgen Auer, keine Kommentare

Sicherlich kennen Sie das auch: Irgendwelche Spam-Nachrichten, die einem riesige Summen versprechen. Oder Romance-Scammer, die ein angebliches Interesse an einer Beziehung suggerieren. Oder Phishing-Mails, die versuchen, Sie auf eine Website zu locken. Persönlich habe ich mich zwar noch nie auf solche Dialoge eingelassen, weil mir meine Zeit dafür einfach zu schade war.

Aber ich hatte schon davon gelesen, daß Leute das absichtlich ausprobiert haben. So als kleine soziale Studie. Was für Argumente genannt werden, wie sich das entwickelt.

Das neuseeländische Sicherheitsunternehmen Netsafe hat nun den Spieß rumgedreht. Und einen Chatbot geschrieben, der auf Spam- und Phishing-Mails reagiert. Um so den Spammer in einen möglich lang anhaltenden Dialog zu verwickeln.

Ein YouTube-Video:

Re:scam

https://www.youtube.com/watch?v=jPajqAJWiNA

.
Das Prinzip: Nutzer mögen E-Mails an me@rescam.org weiterleiten. Und dann:

> Next time you get sent a scam email FORWARD it me@rescam.org. Hey, like the video said, I’m Re:scam. Netsafe built me as a new weapon in the fight against the billion-dollar email scam industry. I’m a sophisticated AI email program designed to reply to email scammers. When you forward a scam to me I adopt one of my many personas and I engage them in conversation, so they waste their time talking to a computer instead of targeting real people. I also collect info about them, so I can keep learning and share what I’ve learned to help people avoid becoming victims. I never use your email, so it’s safe for you.

Einer der fiktiven Persönlichkeiten wird ausgewählt, um auf die Anfrage zu reagieren. Mit dem Ziel, daß diese sich mit einem Computer unterhalten, anstatt weitere tatsächliche Personen anzugreifen. Ferner soll damit die Datenbank über Scammer ausgebaut werden.

Die Website

Re:scam

https://www.rescam.org/

spricht von 12 Milliarden Dollar Schaden pro Jahr durch Scammer. Die Scammer agieren weltweit, die Verfolgung scheitert aber meist schon an den Ländergrenzen. Dann gibt es Beispiele:

- Banking Scam
- Beneficiary Scam (Sie haben gewonnen)
- Romance Scam
- Western Union Scam

Allerdings funktioniert da teilweise der nächste Punkt nicht. Ein Problem, das auch bei der FAQ auftaucht.

71,578 Mails wurden bislang weitergeleitet. Wer weiterlesen möchte, kann die FAQ-Punkte mit der rechten Maustaste im neuen Tab öffnen. So lassen sich diese lesen.

Grade dorthin eine Mail weitergeleitet. Nun werden schon 72,261 Mails als empfangen gemeldet.

Grossbritannien: Pro Tag ohne funktionierendes Internet oder Telefon - 8 britische Pfund - kommt Techniker nicht, kostet das 25 Pfund - vorbildliche Ofcom-Regelung

13.11.2017 23:50:21, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man kann ja fast neidisch werden. Die britische Ofcom, die Regulierungsbehörde für Telefon- und Internetzugänge, hat eine interessante Mitteilung veröffentlicht.

Viele Telekommunikationsunternehmen würden sich nicht um den Service kümmern. Deshalb gäbe es - ok, erst ab 2019 - automatische Entschädigungszahlungen. Die sich durchaus zusammenläppern könnten.
.

Automatic compensation for broadband and landline users

https://www.ofcom.org.uk/about-ofcom/latest/media/media-releases/2017/automatic-compensation

.
> So Ofcom set out plans for people to be compensated automatically by providers for slow repairs, missed appointments and delayed installations. This means credit on a customer’s account – without having to ask.

Für langsame Reparaturen, nicht eingehaltene Termine und verzögerte Installationen. Also für all das, was auch hier in Deutschland immer wieder für deutlichen Ärger sorgt. Leute ziehen um - und sind wochen- oder monatelang ohne Telefon- und Internetanschluß. Dann wird ein Termin vereinbart. Der Kunde muß sich dafür einen Tag frei nehmen. Der Techniker kommt nicht. Oder etwas funktioniert nicht. Und es dauert Tage oder Wochen, bis das repariert ist.

Die Gesellschaften BT, Sky, TalkTalk, Virgin Media and Zen Internet, die zusammen etwa 90 Prozent der britischen Nutzer abdecken, beteiligen sich an dem Programm.

Dann gibt es drei Varianten:

- Eine verzögerte Reparatur nach einer Störung, die nicht innerhalb von zwei Kalendertagen vollständig repariert ist. Da gibt es 8 britische Pfund für jeden Tag ohne Reparatur.

- Nicht eingehaltene Termine: Ein Techniker erscheint nicht zum vereinbarten Termin. Oder er sagt den Termin in weniger als 24 Stunden ab. Das kostet 25 britische Pfund.

- Verzögerung beim Neuanschluß: Es gibt einen Bereitstellungstermin, der wird nicht eingehalten. Das kostet pro Tag 5 britische Pfund.

Aktuell gäbe es nur in 15 Prozent der Fälle Entschädigungen. Das seien meist nur sehr geringe Beträge. Nun sollen die Zahlungen automatisch erfolgen. Da dies umfangreiche Änderungen bei den Abrechnungssystemen und in Callcentern erfordert, gibt es dafür eine 15-monatige Einführungszeit. Deshalb der Start erst 2019.

Ein Problem sei, daß viele der Verträge mit kleinen und mittleren Unternehmen eigentlich schon Entschädigungszahlungen vorsehen. Aber Ofcom habe herausgefunden, daß etwa die Hälfte der Unternehmen da nicht so genau Bescheid weiß.

Ofcom will sich die Umsetzung ansehen und ein Jahr nach dem Start klären, ob das Programm für die Kunden den Nutzen bringt, den sich Ofcom davon verspricht.

Die Gesamtschätzung geht davon aus, daß pro Jahr 152 Millionen britische Pfund über diesen Weg an Kunden zurückgezahlt wird. Das Neunfache der bisherigen Zahlungen.

An solchen Stellen ist Deutschland weit hinterher. Da könnte doch Jamaika mal ein bißchen Dampf machen.

Mobuno - autonomes Fahren in kompakten Kleinwagen mit Fokus auf kompaktem Parken - designt von Xoio

13.11.2017 00:30:49, Jürgen Auer, keine Kommentare

Erst gestern war hier die Rede vom Ende der klassischen Automobilindustrie. Stattdessen Flotten, die bsp. auf Autobahnen dicht hintereinander fahren.

Nun fand sich dazu eine passende Designstudie. Von Xoio, die hier in Berlin beheimatet sind.
.

xoio's mobuno provides autonomous driving system with a focus on compact parking

https://www.designboom.com/technology/xoio-mobuno-autonomous-car-sharing-11-10-2017/

Die Seite bei Xoio: Mobuno - Mobilitätsstudie

http://xoio.de/mobuno-zukunfts-mobilitaetskonzept/

Konzeption und Realisierung: xoio GmbH, wissenschaftlicher Partner: IUM - Institut für urbane Mobilität

.
Bis zu vier Personen können in einem solchen rechteckigen Mobuno gleichzeitig unterwegs sein. Aber diese Module können auch zusammen unterwegs sein, so daß das wie ein autonomer Kleinbus wirkt. Wenn also 12 Personen dasselbe Ziel haben, dann fahren nicht drei Autos voneinander unabhängig. Sondern 3 Mobunos fahren gekoppelt hintereinander.

Nutzer kommunizieren per Smartphone mit den Modulen. Diese parken autonom auf sehr wenig Raum, da kein Fahrer am Ende aussteigen muß. Damit entfällt der Platz für die geöffneten Türen.

Und wenn sie direkt hintereinander gekoppelt fahren, dann ist der Luftwiderstand bei so einer Kolonne erheblich niedriger.

Die Verwaltungslogik (aus dem zweiten Link):

> Man stelle sich vor, Tanken, Reparatur und Reinigung des Fahrzeugs sind für den Nutzer nicht mehr relevant. Die Fahrzeuge steuern selbstständig Servicestationen an, wenn ein Check oder eine Reparatur notwendig werden.

Ein Szenario kommt zu dem Schluß, daß nur 5 % der bisher in Städten genutzten Autos notwendig wären, um dasselbe Maß an Mobilität sicherzustellen. Dementsprechend würden 95 % der bis jetzt zum Parken benötigten Flächen frei.

Einen ähnlichen Effekt gibt es bereits jetzt zumindest im Kleinen durch Carsharing-Unternehmen. Aber bei diesen gibt es noch das Problem, daß der Fahrer initial zum Auto kommen muß. Bei autonom fahrenden Autos könnte so ein Mobuno seine Fahrgäste erst einmal einsammeln, bevor er die Stadt verläßt.

Tja: Von maximal 20 Jahren war in dem Beitrag von gestern die Rede. Wenn solche kleinen, kastenförmigen Autos erst einmal die Straßen bevölkern und die ersten 10 - 20 Prozent der Stadtbewohner ihr Auto abschaffen. Dann dürften die Effekte schnell merkbar sein.

Das Ende der Automobil-Ära - stattdessen standardisierte Module und Fahrgäste - Bob Lutz zur Zukunft der Autobranche - analog zur Aussage von Angela Merkel im Juni 2017

12.11.2017 02:45:13, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hat die Autobranche eine Zukunft? Die Meinung von Bob Lutz ist da eindeutig. Die Ära der Autobranche ist vorbei. Spätestens in zwanzig Jahren sei das Thema erledigt.

Für hunderte von Jahren sei das Pferd wesentlich gewesen, in den letzten 120 Jahren war es das Auto. Aber damit sei nun Schluß.

In Zukunft gäbe es nur noch standardisierte Module. Man bestellt sich eines, steigt ein. Das Modul fährt eigenständig zur Autobahn. Reiht sich dort in eine lange Kette dieser autonom fahrenden Module ein. Die mit ordentlicher Geschwindigkeit, er spricht von 120 - 150 Meilen, im Konvoi fahren.

Ist das Ziel erreicht, schert das Modul aus und fährt den Insassen an den Zielort. Das wird relativ automatisch abgerechnet, per Kreditkarte, Fingerabdruck oder einer anderen Technik.

Das Modul fährt wieder zum Sammelplatz und steht für den nächsten Fahrgast bereit.
.

Bob Lutz: Kiss the good times goodbye: 'Everyone will have 5 years to get their car off the road or sell it for scrap'

http://www.autonews.com/article/20171105/INDUSTRY_REDESIGNED/171109944/industry-redesigned-bob-lutz

.
Die meisten dieser standardisierten Module würden von Firmen wie Uber und Lyft betrieben. Warum das so eintreffen wird?

> The tipping point will come when 20 to 30 percent of vehicles are fully autonomous. Countries will look at the accident statistics and figure out that human drivers are causing 99.9 percent of the accidents.

Der kritische Punkt wird erreicht werden, wenn 20 - 30 Prozent der Fahrzeuge völlig autonom unterwegs sind. Länder und Politiker würden sich die Unfallstatistiken ansehen. Und feststellen: Für 99,9 Prozent aller Unfälle seien menschliche Fahrer verantwortlich.

Dann mag es eine fünfjährige Übergangsperiode geben. Leute verkaufen ihr Auto für nichts, erwerben ein Modul. Aber eigentlich lohnt sich ja der eigene Modulkauf gar nicht mehr.

Er wurde mal von CNBC gefragt. Leute wollten keine autonomen Autos kaufen. Sie würden den Herstellern nicht trauen. Die Autos müßten von Google oder Apple kommen. Dann ginge das. Seine Position sei aber, daß eine öffentliche Akzeptanz zunächst gar nicht notwendig sei. Die großen Flotten wie Uber, Lyft, FedEx, UPS, der U.S. Postal Service. Und Amazon. Die würden solche Module beauftragen, kaufen und einsetzen. Alle paar Monate 100.000 low-end, 100.000 medium und 100.000 high-end - Module. Wer das am günstigsten herstellen kann, der bekommt den Auftrag.

Diese Module würden nicht mehr nach den Automobilfirmen benannt werden. Sondern nach den Flottenbesitzern.

Das sei wie beim Handy. Da wird das Geld auch nicht mehr nur mit der Hardware verdient. Sondern mit der Software.

Dann wird es deutlich: Auf die Autobahn kommen dann nur noch solche "passenden Module", die im Konvoi fahren können. Überholen ist nicht mehr möglich. Die Folgerung:

> That is the death knell for companies such as BMW, Mercedes-Benz and Audi. That kind of performance is not going to count anymore.

Der Autohersteller, die Automarke, wird unrelevant.

Es wird einfache Basismodule und komplex ausgestattete Luxusmodule geben. Mit TV, Kühlschrank und Computerterminals. Trinken und SMS während des Fahrens zu schreiben ist kein Problem. Das Auto fährt, nicht mehr der Fahrgast.

Die Module werden vorne und hinten sehr senkrecht sein. So daß sie auf der Autobahn möglichst dicht aneinander fahren, so daß der Luftwiderstand deutlich sinkt. Design wird damit keine Rolle mehr spielen.

Die Zukunft der Autoverkäufer? Es wird Autosport geben, just for fun. Oder Leute lassen sich personalisierte Module bauen. Nur bleibt der Autosport abseits, jenseits der Autobahnen. So, wie das heutzutage Golfclubs seien. Elitär, für eine kleine Minderheit. Am Anfang mögen das noch viele nutzen. Irgendwann wird das weniger werden. Der Zeithorizont:

> The era of the human-driven automobile, its repair facilities, its dealerships, the media surrounding it — all will be gone in 20 years.

Die Ära der von Menschen gefahrenen Autos, die Reparaturwerkstätten, die Händler und die Medien drumherum - das wird in 20 Jahren gehen.

Die Automobilunternehmen, die sich rechtzeitig anpassen und selbst Werte schaffen, die können überleben. Den anderen werden die großen Flottenunternehmen die Bedingungen diktieren: "Wir wollen ein Modul mit dieser Größe und jenen Eigenschaften".

General Motors habe die Zeichen der Zeit erkannt. Das Unternehmen wolle nicht zum Handyhersteller werden. Stattdessen wurde in Lyft investiert.

Jeder würde das kommen sehen, aber keiner wolle darüber reden. Sie wüßten, daß es noch für ein paar Jahre so gehen würde. Aber irgendwann kippt das. Und die Werte werden von den großen Flotten geschaffen.

Meine persönliche Meinung dazu. Das wird kommen. Und zwar hoffentlich schneller. Die Nebenkosten der Verkehrstoten und -verletzten der derzeitigen Automobilindustrie sind einfach zu teuer. Solange hier Betrunkene Leute totfahren oder nachts Rennen veranstalten, bei denen Unbeteiligte sterben. Diese Seiteneffekte sind einfach inakzeptabel.

Interessant dabei ist der Gedanke, daß die Konvois wie Züge wirken. Also eine Mischung aus Individual- und standardisiertem Schienenverkehr.

Die andere Konsequenz: Heute noch als Jugendlicher eine Automobillehre zu beginnen? Eigentlich muß man davon abraten.

Im übrigen ist der Gedanke nicht neu. Angela Merkel hatte im Juni 2017 eine ähnliche Aussage in Argentinien gemacht.

„Gar nicht so weit weg“: Als Merkel in die Zukunft blicken soll, lacht das Auditorium

https://www.welt.de/politik/deutschland/article165359594/Als-Merkel-in-die-Zukunft-blicken-soll-lacht-das-Auditorium.html

Da hatte ein Student nach der Welt in 20 Jahren gefragt. Die Feststellung von Merkel:

> „Wir werden in 20 Jahren nur noch mit Sondererlaubnis selbstständig Auto fahren dürfen.“

Grund:

> „Wir sind das größte Risiko.“

Die Fahrer sind das größte Risiko. Und die Technik wird sich so schnell weiterentwickeln, daß sich die Frage nach der Risikominimierung für die Politik ganz zwangsläufig stellen wird.

Die deutschen Hersteller: Sie sind peinlich hinterher. Zwei Beispiele: Deutsche Kommunen suchen händeringend nach Elektrobussen im Ausland, weil sie im Inland nichts finden. Und die Deutsche Post hat ein Startup aufgekauft, das elektrisch betriebene Transporter entwickelt. Dafür interessieren sich inzwischen auch andere Unternehmen. Weil die deutschen Autofirmen nichts derartiges haben.

Was heisst eigentlich "Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse"? Nicht die Technik, sondern Ihre Kunden und Ihre Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt

11.11.2017 00:34:51, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn Sie als Unternehmer davon hören, daß Sie "Ihre Geschäftsprozesse digitalisieren" sollen, dann mag bei Ihnen vielleicht Panik ausbrechen. Riesige IT-Systeme, unendlich teuer. Und der Nutzen? Keiner, die teure Technik wird nur zum Staubfänger.

Nur: Bei der "Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse" geht es gar nicht um die Technik. Mag sich komisch anhören, noch dazu von jemandem, der mit Server-Daten genau dafür Web-Datenbank-Lösungen anbietet.

Allerdings: Das ist genau der Punkt. Es geht nicht um die Technik. Die Technik ist nur dienendes Hilfsmittel. Werkzeug. Sonst nichts.

Stattdessen geht es um Ihre Kunden und um Ihre Mitarbeiter. Wenn sich ein Kunde bei einem Mitarbeiter meldet, dann kennt der Kunde die Historie der Beziehung zu Ihrem Unternehmen. Aber kennt auch Ihr Mitarbeiter diese Historie? Oder kann er diese schnell abrufen?

Wenn nicht, dann darf der Kunde seine Geschichte jedesmal von vorne erzählen. Und wird sich fragen, was das eigentlich soll. Ob er hier noch richtig ist. Oder ob die Konkurrenz das nicht besser kann.

Wenn also Informationen im Unternehmen zu einzelnen Kunden nur in den Köpfen weniger Mitarbeiter existieren. Dann gibt es spätestens dann ein Problem, wenn diese Mitarbeiter ausscheiden. Bzw. dann, wenn Mitarbeiter Wissen über Kunden als "Herrschaftswissen" für sich behalten. Dieses "Silodenken" ist das, was durch eine - erfolgreiche - Digitalisierung aufgebrochen wird.

Folgerung: "Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse" kann heißen, daß Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit verschaffen, Informationen zu einzelnen Kunden sinnvoll ablegen zu können. So daß andere Mitarbeiter sich schnell einen Überblick verschaffen können. Das wiederum hängt entscheidend von der Art Ihrer Geschäftsprozesse ab. Ein System, das für andere Unternehmen wunderbar geeignet ist: Das kann für Sie viel zu groß, viel zu unpassend sein. So daß Sie eigentlich nur 20 % der Eingabemöglichkeiten bräuchten.

Wenn Sie dann allerdings so ein überdimensioniertes System nutzen: Dann kostet das sinnfrei die Ressourcen Ihrer Mitarbeiter. Die ständig mit 80 % Eingabemöglichkeiten konfrontiert sind, die sie ignorieren sollen. Womit sich zwangsläufig die Frage einer möglichst genauen Anpassung an Ihre (sich womöglich ändernden) Bedürfnisse stellt.

Analog kann "Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse" bedeuten, daß Kunden bsp. automatisch Statusmails zu Vorgängen erhalten. Anfrageeingang, Bearbeitung, Abschluß. Oder daß sich Kunden selbst einloggen können. Und den Status ihrer Aufträge direkt im System sehen können.

Aber auch da: Der IT-ler bzw. der Anbieter von Web-Datenbanken für solche Lösungen: Der kann Ihnen nicht sagen, ob das, was bei einigen Kunden wunderbar funktioniert, für Ihr Unternehmen die richtige Lösung ist. Pauschal zu sagen: "Alle Kunden benötigen ein eigenes Login" ist Unsinn.

Ähnliches gilt für Dinge wie Terminüberwachungen, Hinweismails (Termin ist in Kürze fällig) oder Systeme zur Auftrags- und Rechnungsverwaltung. Die Ihren Mitarbeitern Zeit und Ressourcen sparen. Was da im Einzelnen für speziell Ihr Unternehmen sinnvoll sein könnte: Das kann Ihnen kein IT-ler mitteilen. Das hängt von Ihren Geschäftsprozessen ab.

Allerdings (und da wird es interessant): Wenn das IT-Unternehmen, das mit Ihnen zusammen Ihr System so schrittweise entwickelt, mit sehr unterschiedlichen Kunden aus sehr verschiedenartigen Branchen zusammenarbeitet. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß Sie als Unternehmer nicht "das Rad erneut erfinden müssen". Sondern daß es in so einem Baukastensystem bereits Lösungen gibt, die Sie sich erst einmal "ganz klein" einbauen lassen. Dann sammeln Sie Erfahrungen. Und passen so Ihr "dienendes Hilfsmittel Web-Datenbank" immer wieder neu an Ihre Geschäftsprozesse an.

Sprich:

- Wie verwalten Sie die Informationen zu Ihren Kunden, so daß jeder Ihrer Mitarbeiter, der diese Informationen benötigt (etwa, weil der Kunde anruft), schnell Zugriff auf alle relevanten Daten hat?

- Wo kann es sinnvoll sein, Ihre Kunden per Mail zu informieren? Oder wo ist ein eigenes Login hilfreich?

- Wo hakt es bei Ihren eigenen Arbeitsabläufen? So daß bsp. Termine verloren gehen, die Liquidität leidet, weil zuviel Geld versickert? Oder wo das Forderungsmanagement nicht funktioniert?

Ziel ist es immer, nicht eine "maximal große" Lösung zu finden. Sondern das Ziel bei der Nutzung webbasierter Systeme ist eher gegenteilig: Möglichst wenige Eingabefelder. Nur das, was wirklich für Ihr Unternehmen relevant ist. Das spart die Ressourcen und die Aufmerksamkeit Ihrer Mitarbeiter. Die sich damit auf das konzentrieren können, was relevant ist: Die Kommunikation mit Ihren Kunden.

Kunden jedoch, die solche Erfahrungen mit Ihnen machen. Die werden das von sich her weitertragen. So daß sich die Kundengewinnung für Sie vereinfacht.

Chrome will ab Januar 2018 Redirects durch iFrames, das Öffnen angeklickter Inhalte in neuen Fenstern bei Werbung im bisherigen Fenster und irreführende Schliessen-Buttons unterbinden

09.11.2017 23:39:05, Jürgen Auer, keine Kommentare

Redirects können ja durchaus eine feine Sache sein. So nutze ich das im hiesigen Blog, um zu jedem Beitrag einen Kurzlink der Form /de/-BeitragsId zur Verfügung zu stellen. Ebenso kann man bsp. bei Formularen nach dem Speichern eines Datensatzes diesen erneut zum Editieren anzeigen oder - bei erfolgreichem Speichern - auf eine neue Seite weiterleiten.

Allerdings gibt es seit einiger Zeit auch so manches an merkwürdigen Techniken. Die in Nutzerreports an Googles Chrome-Browser immer wieder auftauchen.

Ab Januar 2018 soll Chrome deshalb neue Features zum Unterbinden solcher Dinge enthalten.
.

Expanding user protections on the web

https://blog.chromium.org/2017/11/expanding-user-protections-on-web.html

.
Die meisten Website-Ersteller verhalten sich ordentlich. Aber:

> While most content producers are interested in providing excellent experiences for their users, we've found that a small number use the flexibility and power of the web to take advantage of users and redirect them to unintended destinations.

Ein kleiner Teil der Seitenbetreiber nutzt Redirects, um Nutzer auf Seiten zu bringen, wo diese eigentlich gar nicht hinwollen. Die Dimension des Problems:

> 1 out of every 5 feedback reports from Chrome users on desktop mention encountering some type of unwanted content, and we take this feedback seriously when considering how to improve Chrome.

Jeder fünfte Feedback-Report dreht sich um solche Dinge. Drei neue Features soll es geben.

1. Nutzer werden immer wieder auf Seiten geleitet, an denen sie nicht interessiert sind. Und scheinbar, ohne daß es dafür einen ersichtlichen Grund gibt. Google fand heraus, daß das meist Einbindungen von Drittanbietern (third-party content) sind, die in die Seite bsp. per iFrame eingebunden sind und die solche Redirects initiieren. Die eigentlichen Seitenbetreiber wußten meist gar nichts davon. Chrome wird ab der Version 64 (aktuell: Version 62) solche Redirects unterbinden und stattdessen eine Infomeldung anzeigen. Das soll dafür sorgen, daß die Nutzer auf der Seite bleiben und von solchen überraschenden Redirects verschont bleiben.

2. Eine zweite ärgerliche Variante: Nutzer klicken auf einen Link, der wie ein seiteninterner Link aussieht. Stattdessen öffnet sich ein neuer Tab, dort findet sich der gesuchte Inhalt. Aber im bisherigen Fenster wird Werbung nachgeladen. Das sei effektiv eine Umgehung der Chrome-PopUp-Blocker, eines der meist geschätzten Chrome-Features. Das soll ab der Version 65 unterbunden werden. Damit wird die Weiterleitung im bisherigen Hauptfenster unterbunden.

3. Die dritte Variante bezieht sich auf Objekte, die sich anders verhalten, als Nutzer denken. Der Nutzer schließt ein Objekt - und wird auf eine andere Seite weitergeleitet. Auch das soll unterbunden werden. Ebenfalls in der Version 64.

In der Google Search Console soll es Hinweise auf solche "Machenschaften" auf der eigenen Website geben. Wird das nicht innerhalb von 30 Tagen entfernt, laufen die Websites Gefahr, selbst auf Blacklists zu landen.

Manchmal bin ich per Twitter auch schon auf solche "schrägen Seiten" gestoßen. Wenn Chrome es schafft, das konsequent zu unterbinden und andere Browserhersteller nicht nachziehen: Dann dürfte der Anteil von Chrome-Nutzern nochmals deutlich steigen.

Neue Versionen gibt es meist so etwa alle 4 - 6 Wochen. Die aktuelle Version 62 ist schon ein paar Tage alt. So daß mit der Version 64 irgendwann im Januar 2018 zu rechnen ist.

Huhn an Bord - Torflok zieht mobilen Hühnerstall für 1000 Hennen herum - Geflügelhof Onken in Friedeburg Ostfriesland mit tierfreundlichem Eigenbau

08.11.2017 23:26:50, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wie kann man Legehennen am besten halten? Im Geflügelhof Onken in Friedeburg (Ostfriesland) gibt es zwar auch Großställe. Aber für etwa 1000 Legehennen gibt es einen ganz besonderen Genuß.

Sie sind in einem mobilen Stall untergebracht. Da können sie tagsüber raus - und im Gras picken. Nur: Zum einen bleiben die Hühner gerne in der Nähe des Stalls. So daß sie zur Not in diesen flüchten können. Zum anderen picken tausend Hühner "ziemlich viel". Folglich bleibt von dem Gras im Bereich von 20 - 30 Metern rund um den Stall nach ein paar Tagen nicht mehr so viel übrig.

Die Lösung: Der Stall wird - mit der ehemaligen Torflok - auf Schienen etwa 30 - 50 Meter weitergezogen. Zur nächsten Runde.
.

Kurioses Aus Ostfriesland: Dieser Zug ist für die Hühner

https://www.nwzonline.de/wirtschaft/weser-ems/friedeburg-kurioses-aus-ostfriesland-dieser-zug-ist-fuer-die-huehner_a_32,1,1287150421.html

.
17 Meter ist der Stall lang. Mit Sitzstangen, Trinkvorrichtungen, einer Belüftung. Ein Futterband läuft täglich sechsmal rundum, ein Rundum-Kotband gibt es ebenfalls.

Aber der Stall ist eben nur für die Nacht gedacht. Tagsüber sind die Hühner draußen. Das entspricht auch am ehesten ihrer Natur, sie sind Waldrandbewohner.

So daß der mobile Hühnerstall immer als Fluchtort erreichbar bleibt.

Ein kleines Video auf YouTube:

Die weltweit erste Hühnereisenbahn

https://www.youtube.com/watch?v=8-pRMTQrb1A

Die Torflok hat den Vorteil, daß ein Standortwechsel für den Boden schonender ist. Würde man einen Trecker bei schlechtem Wetter einsetzen, würde das den Boden zusätzlich belasten.

Die 1000 Hennen legen etwa 900 Eier pro Tag. Das ist mehr als die Stallhennen, bei denen etwa 37.000 Hennen täglich 30.000 Eier legen.

Ein interessantes Konzept. Das zeigt, wie man eigentlich schon ausrangierte Dinge (Schienen und die Torflok) neu nutzen kann, um die vorhandenen Grasflächen einigermaßen gleichmäßig auszulasten. Und die 1000 Legehennen haben so eine vergleichsweise natürliche Umgebung.

Kammergericht Berlin: Facebook darf personenbezogene Daten deutscher Nutzer nicht ohne wirksame Einwilligung an Dritte weitergeben - ungenügende Datenschutzeinwilligung - 5 U 155/14

08.11.2017 02:12:24, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn Facebook-Nutzer Spiele über Facebook spielen: Darf Facebook die personenbezogenen Daten der Nutzer an die Spielehersteller weitergeben? Darf es den Spieleherstellern vor allem erlaubt werden, im Namen der Spieler auf deren Pinnwand zu posten?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte Facebook wegen der Gestaltung dieser Zustimmung vor dem Start der Spiele zunächst 2012 abgemahnt. Das Landgericht Berlin hat in dem anschließenden Verfahren Facebook zur Unterlassung verurteilt (November 2014). Das Kammergericht hat diese Entscheidung nun bestätigt.
.

Urteil gegen Facebook: Datenschutzeinwilligung ungenügend

https://www.vzbv.de/pressemitteilung/urteil-gegen-facebook-datenschutzeinwilligung-ungenuegend

Das Urteil als eingescanntes PDF:

https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2017/11/03/facebook_kg_berlin_ua_14227-3.pdf

.
Im November 2012 wurde u.a. das Spiel "The Ville" angeboten. Es gab einen Button "Sofort spielen". Dort wurden Hinweise zur Weitergabe personenbezogener Daten angezeigt.

So sollten mit Beginn des Spiels die E-Mail-Adresse, Statusmeldungen und weitere Informationen über den Nutzer an den Betreiber des Spiels übermittelt werden. Angaben über den Zweck der Datenverarbeitung fehlten. Beim Spiel "Scrabble" hieß es bsp.:

> „Diese Anwendung darf Statusmeldungen, Fotos und mehr in deinem Namen posten.“

Das Kammergericht stellte zunächst fest, daß deutsches Datenschutzrecht anwendbar sei, auch wenn Facebook einen irischen Sitz geltend macht. Das Angebot richtet sich an inländische Nutzer. Ferner gibt es eine Tochter in Hamburg, die für die Vermarktung des deutschen Angebotes zuständig sei.

Sachlich stellte das Gericht fest, daß die bereitgestellen Erklärungen unzureichend seien. Speziell die Ermächtigung, im Namen des Spielers zu posten, sei unzureichend. Dazu aus dem Urteil (PDF Seite 11):

> Diese Ermächtigung ist darauf angelegt, die Empfänger des Posts durch (jedenfalls auf den ersten Blick) scheinbar von dem ihnen bekannten Spieler selbst stammende Nachrichten für das so beworbene Spiel in einem größeren Umfang zu interessieren.

Denn nur deshalb wollen die Spieleanbieter die Einwilligung, ansonsten könnten sie ja in eigenem Namen posten. Aber die damit erlaubten Postings seien für die Nutzer in keinster Weise absehbar - weder in bezug auf die Anzahl noch auf den Inhalt.

Ferner sei diese Klausel zu unbestimmt, so daß sie den Nutzer entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligt. Da griff das AGB-Recht, die Klausel unterliege einer Inhaltskontrolle. Selbst Werbung für Produkte anderer Unternehmer bis hin zur Bewerbung sexuell anzüglicher Produkte sei möglich.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Revision zum Bundesgerichtshof wurde wegen rechtsgrundsätzlicher Bedeutung zugelassen.

Heiko Dünkel, Rechtsreferent beim vzbv, in der obigen PM:

> „Facebook muss besser darüber informieren, was Drittanbieter auf seiner Webseite mit den Daten der Nutzerinnen und Nutzer anstellen“, sagt Heiko Dünkel, Rechtsreferent beim vzbv. „Es kann nicht sein, dass Spieleanbieter ohne jegliche Einschränkung im Profil des Nutzers Beiträge posten können.“

Facebook muß da also erheblich nachbessern. Wobei es das Posten im Namen des Nutzers bsp. bei Twitter-Anwendungen auch häufig gibt.

Void Rug - ein Loch im Boden oder nur ein schwarzer Rundteppich mit grauer Mondsichel? Scott Jarvie konstruiert Teppiche als optische Illusionen

06.11.2017 23:55:34, Jürgen Auer, keine Kommentare

Ein Teppich ist ein Teppich. Ein schwarzer Rundteppich ist ein schwarzer Rundteppich. Aber wenn man einen sichelförmigen Teil davon grau färbt. Ok, dann ist das eben ein zweifarbiger Teppich.

Aus der Entfernung betrachtet wirkt der Teppich nun aber - wie ein großes Loch im Boden. Und der graue Teil wirkt wie die senkrechte Wand nach unten.

Dasselbe gibt es in einer rechteckigen Variante. Da ist ein schwarzes Rechteck mit zwei verschieden grauen Randstreifen ergänzt. So daß sich ebenfalls die Wirkung einer Absenkung ergibt.
.

scott jarvie's void rug creates the illusion of a gaping black hole

https://www.designboom.com/design/scott-jarvie-into-the-void-illusion-rug-10-19-2017/

.
> the illusion of depth is achieved by careful consideration of perspective, light and texture.

Steht man direkt davor, ist das eben ein kreisförmiger Teppich. Erst in der "richtigen Entfernung" mutiert das zum Loch.

> the illusion is only apparent to the keenest observers – who are standing in the right place and looking in the right direction.

Die Wirkung gibt es auch nur von einem speziellen Punkt.

Weil das Design aber "eigentlich" so einfach ist, kann man diese Teppiche an ziemlich vielen Stellen einsetzen.



Auf der Website des Künstlers

Scott Jarvie

https://scottjarvie.co.uk/

gibt es noch diverse andere Dinge. Etwa diese Skulptur:

Languoreth Sculptural Installation Glasgow

https://scottjarvie.co.uk/portfolio-item/languoreth/

Große Teile, die aus der Wand herauszuwachsen scheinen.

Die beiden Teppiche sind ein schönes Beispiel dafür, daß man hinterher sagen kann: "Ist ja ganz einfach, hätte ja jeder draufkommen können". Aber hinterher, nachdem man die umgesetzte Idee gesehen hat: Da ist das kein Kunststück. Wer das als erstes so sieht und umsetzt: Der ist eben einen entscheidenden Schritt voraus.

Die Website enthält zu dem Teppich

Void Rug

https://scottjarvie.co.uk/portfolio-item/void-rug/

ein Update: Demnach gibt es Kontakte mit einem Teppichhersteller, um diese Teppiche zum Verkauf anzubieten.

Wer sich vormerken lassen möchte, kann eine Mail mit einigen Details an Scott Jarvie schicken.

SD-Encrypt-Tool: Daten stark verschlüsselt per Mail versenden - kleines Nebenprodukt von Server-Daten

06.11.2017 00:29:32, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer beruflich mit hoch sensiblen Daten zu tun hat: Wie kann dieser mit seinen Kunden kommunizieren?

Etwa Rechtsanwälte, die mit ihren Klienten Schriftsätze austauschen. Oder Nutzer, die einfach sicherstellen möchten, daß auf keinen Fall jemand mitliest. Schnell gibt es das Problem, daß es eigentlich kein Tool für solche Zwecke gibt.

Das kleine Tool sd-encrypt-tool.exe kann dafür genutzt werden. Es entstand gewissermaßen als Seiteneffekt innerhalb von Server-Daten.

Zu finden unter

https://www.sql-und-xml.de/freeware-tools/

Das Tool kennt drei Funktionen:

sd-encrypt-tool -k MaxMustermann

Dies erzeugt zwei Dateien rsa-key.MaxMustermann.xml und rsa-key.MaxMustermann.public.xml. Erstere enthält den öffentlichen und den zugehörigen privaten Schlüssel (RSA, 8192 Bit). Zweitere enthält nur den öffentlichen Schlüssel.

Ein öffentlicher Schlüssel eines asymmetrischen Schlüsselpaars kann problemlos per Mail verschickt werden. Max Mustermann verschickt also diesen Schlüssel an John Doe, der ihm eine Datei verschlüsselt zusenden möchte.

John Doe speichert den Schlüssel von Max Mustermann und die zu verschlüsselnde Datei in demselben Ordner, in dem auch das Tool sd-encrypt-tool.exe liegt. Dann führt er das Tool einmal aus (-e = encrypt):

sd-encrypt-tool -e rsa-key.MaxMustermann.public.xml CV-TopSecret.docx 3

Dabei gibt er die Datei mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers (MaxMustermann) an, ferner die zu verschlüsselnde Datei. Eine optionale Zahl legt die Zahl der Dateien fest.

Das Tool verschlüsselt zunächst CV-TopSecret.docx in die Datei CV-TopSecret.docx.enc.all. Anschließend macht es drei Teile draus:

CV-TopSecret.docx.encrypted.001
CV-TopSecret.docx.encrypted.002
CV-TopSecret.docx.encrypted.003

Dann wird der für diese Verschlüsselung einmalig erzeugte Schlüssel (genauer: Schlüssel und Initialisierungsvektor einer AES-Verschlüsselung) mit dem öffentlichen RSA-Schlüssel von MaxMustermann verschlüsselt und in der Datei

CV-TopSecret.docx.key

abgelegt.

Nun kann John Doe diese Daten (CV-TopSecret.docx.key und die drei Dateien 001 - 003) an Max Mustermann übermitteln. In einer Mail, in drei oder auch in vier Mails. Oder auch über verschiedene Mailkonten. Aber selbst wenn er das in einer Mail verschickt: Wer nicht den privaten Schlüssel von Max Mustermann hat, für den dürfte das nicht zu knacken sein.

Max Mustermann kopiert alle Dateien in das Verzeichnis, in dem sein eigener Hauptschlüssel rsa-key.MaxMustermann.xml und das Programm liegt. Dann führt er einen Befehl aus (-d = decrypt):

sd-encrypt-tool -d rsa-key.MaxMustermann.xml CV-TopSecret.docx.key

Das Programm liest zunächst den Hauptschlüssel rsa-key.MaxMustermann.xml ein. Sucht dann nach allen Dateien der Form

CV-TopSecret.docx.001
CV-TopSecret.docx.002

usw. und macht aus diesen (vorausgesetzt, die Nummern stimmen) eine Datei CV-TopSecret.docx.enc.all.

Dann wird der Hauptschlüssel genutzt, um aus CV-TopSecret.docx.key den eigentlichen Verschlüsselungs- und Entschlüsselungsschlüssel für die symmetrische AES-Entschlüsselung zu gewinnen. Mit diesem wird CV-TopSecret.docx.enc.all zu CV-TopSecret.docx entschlüsselt.

Technisch funktioniert das aktuell auf der Kommandozeilenebene. Der Programmstart ohne Parameter zeigt die Hilfe mit Beispielen an. Es ist denkbar, daß noch ein paar Fehlermeldungen fehlen. Deshalb aktuell die Variante 0.9.

Das Programm enthält selbst keinen Schlüssel und "telefoniert" auch nicht mit der Domain https://www.sql-und-xml.de/. Es läßt sich also offline verwenden und arbeitet nur auf den vom Nutzer angegebenen Dateien.

Viel Vergnügen bei der Nutzung.

Wie kommt man zu Millionenumsätzen? Artikel bei Walmart einkaufen und bei Amazon verkaufen - das Geschäftsmodell von Ryan Grant

04.11.2017 23:39:24, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man kann mit einer Geschäftsidee gründen, die eher konventionell und bekannt ist. Vom Friseurladen über einen Imbiss oder ein Geschäft aus der Gas-, Wasser- und Heizungsbranche. Da gibt es immer Bedarf.

Man kann auch hochspekulativ gründen. Indem man mit einer ganz neuen Dienstleistung startet, bei der unklar ist, ob es dafür einen Markt gibt. Wenn es schief läuft, legt man eine krachende Pleite hin.

Aber dann gibt es noch Gründungen, bei denen man erst denkt? Kann doch gar nicht sein. Etwa Waren im lokalen Supermarkt einkaufen. Und bei Amazon verkaufen.

Dies ist das Geschäftsmodell von Ryan Grant. Er hat das so perfektioniert, daß er inzwischen Mitarbeiter beschäftigt und auf einen Umsatz von 200.000 Dollar pro Monat kommt.
.

This 28-year-old's company makes millions buying from Walmart and selling on Amazon

https://www.cnbc.com/2017/11/02/28-year-olds-company-makes-millions-selling-walmart-buys-on-amazon.html

.
Als Student hatte er schon einmal etwas in diese Richtung gemacht. Da kaufte er gebrauchte Bücher auf und verkaufte sie wieder bei Amazon. Über die Amazon Seller App konnte er sehen, wieviel Gewinn er mit einem bestimmten Buch machen konnte. Allerdings war ihm das Einzelverpacken und Versenden zu aufwendig. Aber dafür konnte er Amazons Fulfillment-Logik nutzen. Damit ließen sich die Artikel gesammelt zu Amazon einliefern, dort wurde das Einzelverpacken und Versenden erledigt.

Dann arbeitete er als Angestellter. Merkte aber, daß das nichts für ihn war. Stattdessen suchte er nach einer Selbständigkeit:

> "That experience really had me looking for other options and I was starting to explore ways that I could basically leave that job and have my own schedule and be on my own time."

Und knüpfte an seine studentischen Erfahrungen an. Barbiepuppen, Lego-Sets und anderes versprach Profit. Vor allem dann, wenn diese Waren bei Rabattverkäufen erhältlich waren.

Nach drei Monaten war er bei 25.000 Dollar Umsatz und einem Gewinn von 9.000 Dollar. In einem Monat.

Als er bei 30 Stunden Einkaufen und 15 Stunden Verpacken in einer Woche war, kam der erste Mitarbeiter dazu.

Ein Erfolgsmodell: Die Nachsaison. Da gab es nach Neujahr Weihnachtsdekoration für den halben Preis. Und es gibt Leute, die das außerhalb der Saison kaufen.

Von 3000 - 5000 Dollar Umsatz pro Monat auf nun 11 Mitarbeiter und 200.000 Dollar Umsatz pro Monat. In vier Jahren. Der Gewinn wird meist reinvestiert, er könnte sich aber auch 150.000 Dollar auszahlen.

Seine Position: Jeder könnte das. Wenn er gewillt ist, sich die Arbeit zu machen.

> "I think anyone can do it if they're willing to put in the work"

Inzwischen schreibt er an einem Blog. Auf daß Leute, die ebenfalls mit ihrem Job unzufrieden sind, dieselbe Unabhängigkeit finden wie er.

Sein Blog:Onlinesellingexperiment

http://www.onlinesellingexperiment.com/

Das Motto: Control your time and have freedom selling on Amazon.

Eine interessante Idee. Die wurde konsequent durchgezogen. Nun hat er sich freigeschwommen.

Be strong enough to stand alone, smart enough to know when you need help, and brave enough to ask for it - Gründer machen Fehler - da kann ein Link als Kommunikationsangebot die Lösung sein

04.11.2017 01:18:33, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer gründet, der erschafft "neues Gelände", "neue Räumlichkeiten". Die es davor - zumindest für den Gründer - so noch nicht gab. Wer beginnt, irgendwo als Angestellter zu arbeiten: Der ist meist einsortiert in eine mehr oder weniger funktionierende Struktur. Mit mehr oder weniger regelmäßigen Gehaltszahlungen.

Aber wer gründet, der erschafft alles neu. Da werden Strukturen gebaut und wieder verändert. Die "regelmäßigen Gehaltszahlungen" - die sind schon gar nicht sicher. Dafür immer wieder neu unterschiedlichste Tätigkeiten. Bei denen man ständig dazu lernt.

.

Da baue ich so rum. Mal an dieser Kundendatenbank etwas. Mal an jener. Einige von Externen genutzte Seiten bei einem Kunden funktionieren eigentlich wunderbar. Schließlich bekommt der Kunde darüber immer wieder neue Anfragen.

Aber dann kommt nochmals ein "großer Verbund" dazu. Damit eine ganze Menge neuer, jeweils einmaliger Nutzer. PC-fremde Nutzer. Und irgendwie. Irgendwie gibt es "merkwürdige Berichte". Über leere Seiten, die zunächst kaum nachvollziehbar sind.

Ok, die Lösung: Die Nutzer hatten keine Cookies zugelassen. Also einen Hinweis eingebaut, der leider immer nur nach einem Klick auf einen Button angezeigt wurde. Weil es erst dann eine "zweite Verbindung" gab, bei der sich überprüfen ließ, ob Cookies wieder zurückgeschickt wurden.

Aber irgendwie schien das immer noch zu klemmen. Also einen Link eingebaut: Wer irgendwie hängt, der möge sich doch da (Link zu meiner Website) melden. Prompt klingelte ein paar Tage später das Telefon. Ein Nutzer, der zwar den Hinweis sah. Aber ihn nicht verstand. Er hatte doch Cookies für die besuchte Website zugelassen.

Tja - dumm nur, daß das Formular per iFrame eingebunden war. Und der Browser des Nutzers solche Seiten nicht als besuchte Websites betrachtet hat. Da hat - technisch betrachtet - der Browser recht. Aber der Nutzer - hat auch recht, weil er das nicht wissen kann, es ihn auch nicht interessieren sollte.

Die Konsequenz: Ein asynchrones Nachladen eingebaut. Das - bei nicht zugelassenen Cookies - etwa eine Sekunde nach dem Erstaufruf eine Meldung ausgibt. Die explizit erklärt, wo das Problem liegt. Und die dem Nutzer anbietet, das Formular direkt, nicht per iFrame zu öffnen. Ohne daß er deshalb seine Cookie-Einstellungen kurzzeitig anpassen muß.

Das auf Twitter Mitte Oktober gefundene Bild
.

https://twitter.com/MunirBandali/status/919269329572646912

> Be strong enough to stand alone,
> smart enough to know when you need help,
> and brave enough to ask for it
>
> Mark Amend

.
paßt da dazu. Vieles muß ein Gründer eben erst einmal alleine machen. Entweder wird es gar nicht gemacht. Oder der Gründer kümmert sich drum. Was aber auch heißen kann, daß für andere Dinge die Zeit fehlt. Man gibt sich mit 80-%-Lösungen zufrieden. Weil es genügend andere Baustellen gibt.

Aber dann: Dann kann es auch sein, daß einem einfach Informationen fehlen. Wie kommt man an die? Warum verhalten sich die Nutzer so? Ok, es sind nicht viele. Aber jeder ist eigentlich einer zu viel.

An der Stelle die Einsicht: Aktuell kapiere ich den Fehler nicht. Aber bauen wir mal einen Link ein. So daß sich vielleicht jemand meldet.

Prompt machte das jemand. Und lieferte mir damit die fehlenden Puzzleteile. Über die klar wurde, woran es hakt. Inzwischen ist auch sichtbar, daß es daran nun jedenfalls nicht mehr hakt.

Der dritte Teil

> and brave enough to ask for it

hieß also: Den Link zur eigenen Website einbauen, damit dem "hängenden Nutzer" ein Kommunikationsangebot machen. Direktes Fragen ging nicht. Aber die Umkehrung, ein Kommunikationsangebot: Das ging.

Insofern: Da war der Link. Als Kommunikationsangebot. Wirklich die Lösung.

OLG München: Rechtsmissbrauch beim Verschweigen der Reaktion des Abgemahnten im Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung - 29 U 1210/17

02.11.2017 22:47:17, Jürgen Auer, ein Kommentar

Das OLG München hat ein interessantes Urteil in bezug auf die Pflichten eines Abmahners beim Antrag auf einen Erlass einer Einstweiligen Verfügung getroffen.

Wenn ein Unternehmen der Meinung ist, daß sich ein anderes Unternehmen bsp. nicht an Gesetze hält, dann kann es das andere Unternehmen abmahnen. Das geht üblicherweise einher mit einer Aufforderung zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung.

Lehnt es der Abgemahnte ab, diese Unterlassungserklärung abzugeben, dann kann - in dringenden Fällen - der Abmahner einen Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung stellen. Wird diesem Antrag von einem Gericht stattgegeben, so ist die Einstweilige Verfügung (EV) ab Zustellung an den Abgemahnten gültig. Bis der Fall womöglich im Rahmen einer Hauptverhandlung entschieden wird. Da das dauern kann, kann eine Einstweilige Verfügung ein mächtiges Mittel sein.

Welche Pflichten aber hat ein Antragssteller, wenn er eine Einstweilige Verfügung beantragt?

In dem entschiedenen Fall hatte der Antragssteller nur erwähnt, daß der Abgemahnte keine Unterlassungserklärung abgegeben habe. Er hatte jedoch nicht erwähnt, daß sich der Abgemahnte umfangreich dazu geäußert habe, weshalb er die Abmahnung für ungerechtfertigt hält. Das hat das OLG München als rechtsmissbräuchlich eingeschätzt.
.

Missbrauchseinwand bei Nichtvorlage der Reaktion auf die Abmahnung im Verfügungsverfahren

OLG München, Urteil v. 08.06.2017 – 29 U 1210/17

http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2017-N-124245

.
Die drei Leitsätze (die Reihenfolge 3 / 1 / 2 ist original):

> 3. Die Geltendmachung von Unterlassungsansprüchen ist missbräuchlich i. S. d. § 8 Abs. 4 UWG und § 242 BGB, wenn der Antragsteller versucht, den Erlass der einstweiligen Verfügung durch eine grobe Verletzung seiner prozessualen Wahrheitspflicht zu erschleichen. Das kann der Fall sein, wenn der Antragsteller seine Verpflichtung aus § 138 Abs. 1 ZPO, sich vollständig und wahrheitsgemäß zu erklären, dadurch verletzt, dass er lediglich vorträgt, der Antragsgegner habe auf Abmahnung keine Unterlassungserklärung abgegeben, und verschweigt, dass sich der Antragsgegner umfangreich dazu geäußert hat, weshalb die Abmahnung unberechtigt sei.
>
> 1. Die Geltendmachung von lauterkeitsrechtlichen Unterlassungsansprüchen ist missbräuchlich, wenn die Antragsteller versucht haben, sich den Erlass einer einstweiligen Verfügung durch grobe Verletzung ihrer prozessualen Wahrheitspflicht zu erschleichen.  (Rn. 6) (red. LS Dirk Büch)
>
> 2. Die Nichtvorlage der Stellungnahme auf eine Abmahnung kann einen groben Verstoß gegen die prozessuale Wahrheitspflicht darstellen.  (Rn. 7 – 11) (red. LS Dirk Büch)

In der RN 6 wird die Begründung deutlich:

> Die Geltendmachung der Ansprüche ist vorliegend aber missbräuchlich, weil die Antragsteller versucht haben, den Erlass der einstweiligen Verfügung durch eine grobe Verletzung ihrer prozessualen Wahrheitspflicht zu erschleichen.

Demnach wirkte die Antragsschrift so, als habe der Abgemahnte auf die Abmahnung gar nicht reagiert. Stattdessen hätte der Abmahner das Schreiben des Abgemahnten als Reaktion auf die Abmahnung dem Gericht eigenständig vorlegen müssen.

Besonders schwer ist dieser Verstoß, weil der Abmahner ausdrücklich den Erlass einer Einstweiligen Verfügung ohne mündliche Verhandlung beantragt hatte. Ferner hatte der Abgemahnte in dem Schreiben als Reaktion auf die Abmahnung in Fettdruck darauf hingewiesen, daß das Schreiben gemäß § 138 Abs. 1 ZPO, § 263 StGB dem Gericht unaufgefordert vorzulegen sei.

Keine Rolle spielte es, daß der Abgemahnte zusätzlich eine Schutzschrift hinterlegt hatte.

Ebenfalls spielte es keine Rolle, daß der Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung am 20.01.2017 gestellt wurde, das Schreiben des Abgemahnten jedoch erst am 19.01.2017 um 16.25 eingetroffen ist. Ende RN 10:

> Den Verfügungsantrag wie geplant am 20.01.2017 aber ohne das Schreiben vom 19.01.2017 einzureichen, verletzt das Gebot aus § 138 Abs. 1 ZPO zum vollständigen Sachvortrag und war daher unzulässig.

Der Abmahner hatte die rechtzeitige Bearbeitung als unzumutbar abgelehnt. Da entgegnete das Gericht, daß dann eben der Antrag auf eine EV ein paar Tage später hätte eingereicht werden können.

Da es sich um eine Entscheidung in bezug auf eine Einstweilige Verfügung handelt, war keine Revision möglich, die Entscheidung damit endgültig.

Einerseits finde ich das Urteil völlig korrekt. Andererseits verblüfft es mich. Denn das bedeutet in der Konsequenz (die mir so bis jetzt noch nicht klar war): Erhält man eine Abmahnung, will man keine Unterlassungserklärung abgeben (bsp., weil man die ganze Sache für völlig unbegründet hält) und muß man trotzdem mit dem Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung rechnen, so hatte ich bis jetzt gedacht, daß man zwingend eine Schutzschrift einreichen muß.

Stattdessen kann man - zumindest hinterläßt das Urteil bei mir den Eindruck - den Inhalt der Schutzschrift auch gleich als Reaktion auf die Abmahnung dem Abmahner schicken. Denn nun ist er verpflichtet, dieses Schriftstück seinem Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung zumindest beizulegen. Damit findet die Position des Abgemahnten zwangsläufig Gehör, auch wenn der Abgemahnte aufgrund der geltend gemachten Dringlichkeit gar nicht gehört wird.

Das Urteil vom LG München I fand sich hier:

Rechtsmissbräuchlicher Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung - LG München I, Endurteil v. 14.03.2017 – 33 O 2806/17

http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2017-N-124991

Bereits das LG München I hatte den Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung für rechtsmissbräuchlich eingeschätzt.

Das OLG München hat diese Position bestätigt.

Zukunft der Strasse - selbstheilend, stromliefernd und beheizt - das Strassenforschungsgelände duraBASt am Autobahnkreuz Köln-Ost

01.11.2017 23:56:40, Jürgen Auer, keine Kommentare
Das duraBASt im Autobahnkreuz Köln-Ost mit Demonstrations- (rot), Untersuchungs- (gelb) und Referenzabschnitten (grün) (Quelle: BASt Link unten)

Strassen: Da denkt man vielleicht daran, daß diese "zu funktionieren" haben. An Staus wegen Baustellen. Eigentlich ist doch die beste Strasse die, die man gar nicht merkt.

Nur: Auch bei Strassen gibt es Erstellungsprinzipien, die sich schrittweise weiterentwickeln. Teilweise dauert es 20 Jahre und mehr, bis neue Verfahren in der Praxis ankommen.

Um diesen Prozess etwas beschleunigen zu können, wurde am Autobahnkreuz Köln-Ost nun - nach zweijähriger Bauzeit - das Strassenforschungsgelände duraBASt eingeweiht.
.

Innovatives Testgelände für den Strassenbau

http://www.bast.de/DE/Presse/2017/presse-12-2017.html

.
Das Kürzel duraBASt steht für "Demonstrations-, Untersuchungs- und Referenzareal der Bundesanstalt für Straßenwesen". Da geht es darum, daß dort neue Baustoffe, Bauweisen und Bauverfahren getestet werden können.

Das Gelände ist quasi ins Autobahnkreuz Köln-Ost hineingebaut worden. Dort gibt es Demonstrations-, Untersuchungs- und Referenzstrecken. Letztere dienen dazu, Meßfahrzeuge zu prüfen, die anschließend bundesweit Messungen durchführen.

Detailinformationen finden sich hier:

duraBASt - Demonstrations-, Untersuchungs- und Referenzareal der BASt

http://www.bast.de/durabast/DE/Home/home_node.html

bzw. unter dem Unterpunkt

Demonstrator- und Untersuchungsstrecken

http://www.bast.de/durabast/DE/Untersuchungen/untersuchungen_node.html

Ein Thema ist "HEALROAD":

http://www.bast.de/durabast/DE/Untersuchungen/HEALROAD/HEALROAD-kurz.html

Da werden der Asphalt-Deckschicht mikroskopische magnetische Metallpartikel beigemischt. Gibt es feine Risse im Asphalt, die normalerweise zu einer Beschädigung führen würden, kommt ein Fahrzeug, das einen kräftigen Induktionsstrom erzeugt. Ergebnis: Die Metallteile heizen sich auf, das flüssigere Bitumen kann die Risse wieder schließen. Eine Art "selbstheilender Asphalt", der durch Induktionsstrom "geheilt" wird. Das Verfahren existiert bereits im Labor und wird nun im größeren Masstab getestet.

Bald noch spannender ist SEDA:

http://www.bast.de/durabast/DE/Untersuchungen/Seda/seda_node.html

Da werden lange Schlangen aus Kollektoren unter die Straße gelegt. Diese sollen die Wärme zwecks Verstromung abführen, die durch die Sonneneinstrahlung entsteht. Ferner soll geprüft werden, ob die so heruntergekühlte Straße länger haltbar ist.

Die quasi inverse Variante dazu ist die "temperierte Strasse":

http://www.bast.de/durabast/DE/Untersuchungen/temperierte/ts_node.html

Im Winter Frost, im Sommer Hitze, das setzt der Strasse zu. Man könnte aber auch Geothermie nutzen, um im Winter zu heizen und im Sommer zu kühlen. Auch dafür soll es ein Testgelände geben.

Ferner gibt es noch einige weitere Dinge, die derzeit erprobt werden. Etwa Offenporiger Asphalt (OPA), Offenporiger Beton (OPB) und ein schnellerer Bau durch Betonfertigteile.

Kronleuchter und Lampen aus recycelten PET-Plastikflaschen - Flaschen werden zerschnitten, gedreht und erhitzt - von Veronika Richterová

31.10.2017 23:08:36, Jürgen Auer, keine Kommentare

Was kann man mit PET-Plastikflaschen alles machen? Wenn man sich die Lampen und Kronleuchter ansieht, die Veronika Richterová daraus macht, dann sieht man zwar an ein paar Stellen noch die ursprünglichen Flaschen.

Ansonsten wirken diese Kronleuchter aber schon fast so, als seien sie aus Glas gemacht. Obwohl die Künstlerin laut der Erklärung die Flaschen auch erhitzt, sieht da nichts "angebrannt" aus.
.

Art: Chandeliers Constructed From Recycled Plastic PET Bottles by Veronika Richterová

http://www.thisiscolossal.com/2017/10/chandeliers-constructed-from-recycled-plastic-pet-bottles-by-veronika-richterova/

.
Die verdrehten langen Streifen wirken wie elektrische Kabel, sind aber ebenfalls aus PET-Flaschen gemacht.

Da diese Kronleuchter hitzeempfindlich sind, werden nur Kabel und Lampen eingesetzt, die wenig Wärme produzieren.

Auf der Website

Pet-Art-Lights

http://www.veronikarichterova.com/en/my-works/pet-art-lights/

gibt es sogar eine Kerosinlampe.

Wobei es in der Unterrubrik

Lights and Lamps

http://www.veronikarichterova.com/en/my-works/pet-art-lights/lights-and-lamps/

noch viel mehr Lampen gibt. Einige der Lampen unten wirken wie Quallen mit einem Mittelteil und einem großen Lampenschirm.

Unter

http://www.veronikarichterova.com/en/pet-2/

gibt es noch diverse weitere Hinweise zu diesem "kreativen Recycling". U.a. große Blumenvasen und Hinweise, wie man PET-Flaschen im Garten für nützliche Zwecke wiederverwenden kann.

Fleetlights - Drohnenservice bringt nachts Licht - von der britischen Versicherung Direct Line - wie man kreativ Werbung macht

31.10.2017 01:23:11, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wie kann ein Unternehmen sinnvoll auf sich und seine Dienstleistungen hinweisen? Die britische Versicherung Direct Line hat jedenfalls einen Weg gefunden, dies abseits von blinkender "Kauf-mich-Werbung" im Internet zu machen.

Sie hat ein Projekt FLeetlights entwickelt. Das sind Drohnen, die einfach nur Licht bringen. Für abendliche Heimkehrer in spärlich beleuchteten Landgegenden ist das eine Hilfe.
.

Ein Video zeigt den Einsatz: Discover Fleetlights from Direct Line | Drones on land

https://www.youtube.com/watch?v=VyGxAu8L_t4

Die Unterseite der Unternehmenswebsite: Fleetlights - Search and Rescue

https://www.directline.com/fleetlights

.
Demnach werden die Drohnen nun auch Caister Lifeboat Association zur Verfügung gestellt. Um bei der Suche nach Vermißten auf See zu helfen.

Die aufsteigenden Drohnen sind dort zusätzlich mit Kameras ausgestattet.

Drunter findet sich dasselbe Video, das auch auf YouTube zu finden ist.

Mit dem treffenden Zitat: Licht ist wichtiger als die (fest installierte) Laterne.

Auch da sind es u.a. Rettungsdienste, welche die Drohnen anfordern. Die Beleuchtung ist abends meist schlecht, die Mitarbeiter wissen nicht, was sie erwartet.

Die Mitarbeiterin aus dem Pub, die spätabends auf dem Heimweg ist, bekommt so ebenso ihr "gesondertes Licht" wie Mitarbeiter von Rettungsdiensten, die am späten Abend unterwegs sind.

Via

Werbung kann auch nützlich sein: So gelingen positive Markenerlebnisse

http://t3n.de/news/werbung-markenerlebnis-ubx-ubx17-virtual-identity-marketing-868729/

dort war Fleetlights im Artikel erwähnt (Ende der ersten Seite).

Wer seinen Instagram-Account mit tollen Bildern im Flugzeug aufmöbeln will - russisches Unternehmen PrivateJetStudio bietet Fotosessions in ausrangiertem Flugzeug an

29.10.2017 23:01:22, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man kann Social-Media-Plattformen nutzen, um über sich zu informieren, um sich auszutauschen. Man kann diese Plattformen aber auch nutzen, um ein Fake-Image von sich selbst aufzubauen.

Da ist der Job im Alltag zwar langweilig. Aber wo bekommt man nun von sich ein Photo her, wie man elegant im Privatjet herumlümmelt?

Das russische Unternehmen PrivateJetStudio hat sich ein ausrangiertes Flugzeug gekauft. Eine Gulfstream 65. Und vermietet es nun für solche Fotosessions.
.

Grounded private jet for hire helps Russians fake lavish lifestyles on Instagram

http://www.telegraph.co.uk/news/2017/10/20/grounded-private-jet-hire-helps-russians-fake-lavish-lifestyles/

.
Eine Zwei-Stunden-Session mit einem professionellen Fotografen gibt es für 14.000 Rubel. Das sind aktuell etwa 206 Euro. 11.000 Rubel kostet das ohne Fotografen, das sind aktuell 163 Euro.

Eigentlich verblüffend finde ich ja, daß das Unternehmen einen eigenen Instagram-Account

privatejetstudio

https://www.instagram.com/privatejetstudio/

betreibt. Und dort nicht nur eigene Bilder, sondern auch jene von Kunden präsentiert. Damit darüber informiert, daß es sich um Fakes handelt. Aber wahrscheinlich wollen dies die meisten Leute auf Instagram gar nicht so genau wissen. Oder sie interessieren sich dafür, um das Angebot ebenfalls zu nutzen.

Da werden dann Leute erst noch geschminkt, auf daß sie ja perfekt aussehen. Und im Flugzeug gibt es große Scheinwerfer, damit alles richtig toll wirkt.

Und zwei Damen sehen ganz interessiert nach draußen. Dabei gibt es dort nur - Asphalt zu sehen, das Flugzeug steht ja.

Das erinnert etwas an ein kleines Video, das diese "Instagram-Lügen" aufs Korn nimmt.

Are You Living an Insta Lie? Social Media Vs. Reality

https://www.youtube.com/watch?v=0EFHbruKEmw

Da wacht eine Frau morgens auf. Dann schminkt sie sich, legt sich wieder hin - und fotografiert sich, als ob sie grade aufgewacht sei. Das Foto kommt dann auf Instagram. Und animiert den nächsten zum nächsten Fake.

Unter dem Gesichtspunkt "Geschäftskonzept" ist das Tun von PrivateJetStudio interessant. Es gibt einen Markt für solche Bilder. Also wird dieser Markt bedient. Insofern dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis es solche Angebote auch in anderen Ländern gibt.

Stubby: DNS-Anfragen unter Windows per TLS verschlüsselt abfragen - Windows Installer vom DNS Privacy Project

28.10.2017 23:19:53, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn ein Nutzer im Browser eine Adresse wie blog.server-daten.de eintippt, dann kann der Browser mit dieser Adresse zunächst nichts anfangen.

Denn der Browser kann nur auf IP-Adressen (85.215.2.228) zugreifen. Aber woher weiß der Browser, daß zum Domainnamen blog.server-daten.de die IP-Adresse 85.215.2.228 gehört?

Der Browser fragt beim Domain Name System (DNS) an. Zunächst bei der Instanz für .de, wo die Informationen zu server-daten.de zu finden sind. Dann dort, wo die Informationen zu blog.server-daten.de zu finden sind. Dort gibt es schließlich die IP-Adresse zurück. Anschließend schickt der Browser seine Anfrage an die zurückerhaltene IP-Adresse.

Aber: Das gesamte DNS wird seit Jahrzehnten unverschlüsselt genutzt. Die Wirkung: Der gesamte Netzverkehr zwischen dem Browser und den DNS-Servern kann mitgelesen werden.

Inzwischen gibt es erste Ansätze, das zu ändern. So hat das "DNS Privacy Project" nun einen Windows-Installer für Stubby veröffentlicht.
.

Windows installer for Stubby

https://dnsprivacy.org/wiki/display/DP/Windows+installer+for+Stubby

.
Technisch hat die Internet Engineering Task Force im RFC 7858 die Grundlage dafür gelegt, der RFC wurde 2016 veröffentlicht.

Specification for DNS over Transport Layer Security (TLS)

https://tools.ietf.org/html/rfc7858

Es handelt sich also um ein ganz offizielles, weltweit festgeschriebenes Verfahren, wie Clients / Browser DNS-Anfragen per TLS absichern können.

Die Windows-Version gibt es aktuell für Windows 10 und Windows 8. Das läuft offiziell noch als Beta.

Man kann sich die stubby.msi herunterladen und installieren. Dann marschiert man in das Verzeichnis

C:\Program Files\Stubby

und startet dort das Programm. Am einfachsten mit dem Befehl, der im Readme.txt drinsteht:

"C:\Program Files\Stubby\stubby.exe" -C "C:\Program Files\Stubby\stubby.yml" -l

Ergebnis ist, daß ein lokaler DNS-Server unter 127.0.0.1 läuft.

Zum Testen kann man einen Befehl der Form

"C:\Program Files\Stubby\getdns_query" -s @127.0.0.1 blog.server-daten.de

nutzen. Dann sollte zum Schluß etwas wie

"status": GETDNS_RESPSTATUS_GOOD

dastehen. Will man nun alle DNS-Anfragen über Stubby laufen lassen, muß man 127.0.0.1 als DNS-Server eintragen. Das geht entweder mit einem beiliegenden PowerShell-Script, das man mit Administratorberechtigung ausführt.

PowerShell -ExecutionPolicy bypass -file  "C:\Program Files\Stubby\stubby_setdns_windows.ps1"

Oder man kann in die Netzwerkverbindungen rein, bei "Eigenschaften" das TCP-Protokoll Version 4 auswählen und dort per "Eigenschaften" die folgenden DNS-Serveradressen verwenden:

127.0.0.1

Den zweiten Eintrag läßt man leer. Standard war bei mir davor "DNS-Serveradresse automatisch beziehen". Wenn da etwas drinsteht, sollte man sich die Einträge notieren, damit man das rückgängig machen kann.

Ein kleiner Test zeigt, daß Stubby ständig Bildschirmausgaben produziert. Allerdings scheint das Programm zumindest bei mir nach einiger Zeit "überzulaufen". So daß DNS-Anfragen ins Leere gehen. Ein Programmstop mit Strg+C in der laufenden DosBox und ein Neustart behebt das Problem.

Langfristig soll es einen Dienst geben, so daß ein interaktives Starten entfallen würde. Ferner soll noch eine graphische Oberfläche dazu kommen.

Interessant daran ist, daß Google seit kurzem ähnliche Möglichkeiten im Developer-Android anbietet.

DNS über TLS: Google bringt sichere DNS-Abfragen in Developer-Android

https://www.golem.de/news/dns-ueber-tls-google-bringt-sichere-dns-abfragen-in-developer-android-1710-130827.html

Dort gibt es neu eine Funktion, mit der sich DNS per TLS aktivieren bzw. deaktivieren läßt.

Den Stubby - Daemon gibt es schon für Linux und für macOS.

DNS Privacy Daemon - Stubby

https://dnsprivacy.org/wiki/display/DP/DNS+Privacy+Daemon+-+Stubby

Technisch nutzt Stubby den im RCF 7858 festgelegten Port 853. Wenn ich mir die Entwicklung von TLS in den letzten Jahren und die Ausdehnung des verschlüsselten Datenverkehrs in den letzten Jahren ansehe: Dann dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Betriebssysteme solche Funktionen direkt anbieten.

So daß über kurz oder lang der ganze DNS-Traffic verschlüsselt ablaufen dürfte.

Der namensgebende Hund

https://en.wikipedia.org/wiki/Sergeant_Stubby

war das Maskottchen des 102nd Infantry Regiment. Er war der am häufigsten ausgezeichnete Hund des ersten Weltkriegs.

WannaCry: Englische Krankenhäuser hätten mit einfachen Mitteln geschützt werden können - XP-Einsatz und falsch konfigurierte Firewalls hatten Ausbruch begünstigt - NAO-Bericht

27.10.2017 22:36:19, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der WannaCry-Virus, der ab dem 12.05.2017 wütete, hat viele PC-Nutzer überhaupt nicht interessiert. Denn das zugrundeliegende Loch hatte Microsoft bereits im März 2017 gepatcht.

Allerdings hatte der Virus in einigen Bereichen für heftigste Probleme gesorgt. U.a. waren diverse englische Krankenhäuser betroffen. WannaCry verschlüsselte Daten und wollte ein Lösegeld. Es handelte sich also um eine Ransomware. Das Besondere daran: Über alte Lücken konnte der Virus sich auf andere PCs weiterverbreiten und so ganze interne Netzwerke befallen.

Der National Audit Office (NAO), der britische Rechnungshof hat nun einen Bericht zu WannaCry veröffentlicht. In dem diverse Versäumnisse des NHS, des National Health Service benannt werden.
.

Health and social care: Investigation: WannaCry cyber attack and the NHS

https://www.nao.org.uk/report/investigation-wannacry-cyber-attack-and-the-nhs/

.
WannaCry sei noch eher simpel gewesen. Bekanntlich gab es in der Virensoftware einen "Notfallschalter", eine Domain mit einem kryptischen Namen. Ein Forscher fand diese Domain, registrierte sie - und stoppte damit die weitere Ausbreitung.

Der Bericht führt aus:

- Schon 2014 hatte es die Forderung gegeben, einen robusten Plan zur Abschaltung von XP vorzulegen. Im März und April 2017 habe es konkrete Warnungen an die NHS, die britische Gesundheitsbehörde gegeben.

- Der NHS sei nicht so wirklich darüber informiert, wieviele Systeme betroffen waren.

> However, the Department does not know how many NHS organisations could not access records or receive information, because they shared data or systems with an infected trust.

- Tausende von Untersuchungen und Operationen mußten verschoben werden. Aber auch da: Die Datenbasis war unzureichend:

> NHS England identified 6,912 appointments had been cancelled, and estimated over 19,000 appointments would have been cancelled in total. Neither the Department nor NHS England know how many GP appointments were cancelled, or how many ambulances and patients were diverted from the five accident and emergency departments that were unable to treat some patients.

Niemand wußte genau, wieviele der "GP appointments" gestrichen wurden.

- Es habe zwar niemand Lösegeld gezahlt. Aber die Kosten für die Verlegungen und das Reaktivieren der Systeme seien unklar.

- Es gäbe zwar einen Plan, wie man auf nationaler und lokaler Ebene auf eine Attacke reagieren könne. Aber das sei nie lokal getestet worden.

Dann wird es deutlich:

> NHS Digital told us that all organisations infected by WannaCry shared the same vulnerability and could have taken relatively simple action to protect themselves.

Es seien überall dieselben Verwundbarkeiten gewesen, es hätten relativ einfache Techniken für einen Selbstschutz genügt. Ungepatchte und nicht mehr unterstützte Windows-Versionen, vor allem XP. Und Firewalls, die wohl viel zu großzügig Traffic durchließen, so daß sich WannaCry intern ausbreiten konnte.

Nun solle es besser werden.

> The NHS has accepted that there are lessons to learn from WannaCry and is taking action.

Man kann nur hoffen, daß die NHS und alle Nutzer anderswo, die immer noch uralte Betriebssysteme vernetzt betreiben, den Warnschuß gehört haben. Und diese Systeme rechtzeitig ausmisten. Bevor sich so etwas wiederholt.

Wobei die XP-Quote weltweit immer noch "viel zu hoch" ist.

In der oben verlinkten Seite ist noch ein längeres PDF (35 Seiten) eingebunden.

Investigation: WannaCry cyber attack and the NHS

https://www.nao.org.uk/wp-content/uploads/2017/10/Investigation-WannaCry-cyber-attack-and-the-NHS.pdf

Da findet sich bsp. auf Seite 17 eine Karte mit der Verteilung der betroffenen Einrichtungen.

Bundesfinanzhof: Keine Umsatzsteuer auf Pokergewinne für Berufspokerspieler - Umsatzsteuer aber fällig für platzierungsunabhängiges Antrittsgeld - XI R 37/14

26.10.2017 22:34:27, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man bei einem Pokerturnier antritt, dann will man gewinnen. Aber muß man auf den Gewinn Umsatzsteuer abführen? In dem behandelten Fall vertraten sowohl das Finanzamt als auch das angerufene Finanzgericht die Auffassung: Von diesen Einnahmen muß Umsatzsteuer abgeführt werden.

Der Bundesfinanzhof war anderer Meinung. Und entschied, daß der Berufspokerspieler keine Umsatzsteuer auf den Pokergewinn abführen müsse.
.

Keine Umsatzsteuer auf Pokergewinne - Urteil vom 30.8.2017   XI R 37/14

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&nr=35144&pos=0&anz=66

Das Urteil im Volltext: Zur Unternehmereigenschaft und Steuerbarkeit der Leistungen eines "Berufspokerspielers"

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&anz=66&pos=0&nr=35150&linked=urt

.
Die Position von Finanzamt und Finanzgericht (aus der PM):

> Das Finanzamt und das Finanzgericht vertraten dagegen die Auffassung, dass der Kläger als Berufspokerspieler Unternehmer sei und in der Absicht, Einnahmen zu erzielen, nach den jeweils vorgegebenen Spielregeln bei diesen Veranstaltungen unter Übernahme eines Wagnisses - Verlust seines Geldeinsatzes - gegen andere Teilnehmer Poker gespielt habe. Dies sei als umsatzsteuerbare Tätigkeit gegen Entgelt anzusehen.

Dagegen der Bundesfinanzhof:

> Zwischen der Teilnahme an Pokerturnieren, Cash-Games und Internet-Pokerveranstaltungen und den erhaltenen Zahlungen (Preisgeldern und Spielgewinnen) bestehe nicht der für eine Leistung gegen Entgelt erforderliche unmittelbare Zusammenhang. Das Preisgeld oder der Spielgewinn werde nicht für die Teilnahme am Turnier, sondern für die Erzielung eines bestimmten Wettbewerbsergebnisses gezahlt.

Das Urteil holt weit aus. U.a. gibt es EuGH-Entscheidungen zu Pferderennen. Der Umsatzsteuer unterliegen u.a. sonstige Leistungen, die ein Unternehmer gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt.

Allerdings führt die "Ungewissheit der Zahlung" bei einem Preisgeld dazu, daß es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Teilnahme am Wettbewerb und dem Erhalt des Preisgeldes gäbe. Das Ergebnis (RN 25 c):

> Zwischen der bloßen Teilnahme am Kartenspiel und dem im Erfolgsfall erhaltenen Preisgeld oder Gewinn fehlt dann der für einen Leistungsaustausch erforderliche unmittelbare Zusammenhang.

Anders wäre das, wenn es ein Antrittsgeld gegeben hätte. Aus der PM:

> In einem solchen Fall ist die vom Veranstalter geleistete Zahlung die tatsächliche Gegenleistung für die vom Spieler erbrachte Dienstleistung, an dem Pokerspiel teilzunehmen.

Der Veranstalter bietet das an, der Spieler erbringt die Dienstleistung, an der Veranstaltung teilzunehmen. Dann ist diese Anwesenheit mit vertraglich festgelegter Zahlung eine umsatzsteuerpflichtige Dienstleistung.

Im behandelten Fall gab es allerdings ein solches Antrittsgeld nicht.

Wenn umgekehrt ein Veranstalter von Teilnehmern eine Teilnehmergebühr / Turniergebühr / Startgeld erhebt, dann gibt es ebenfalls diesen direkten Zusammenhang zwischen Leistung und Gegenleistung. Folglich muß der Veranstalter von diesen Gebühren Umsatzsteuer abführen.

Die Konsequenz: Wenn ein Spieler sowohl ein Antrittsgeld erhält als auch ein Preisgeld gewinnt, dann muß er auf das Antrittsgeld Umsatzsteuer zahlen, auf das Preisgeld dagegen nicht.

Laut Urteil hatte das Finanzamt ausführlich Kritik am EuGH-Urteil Bastova (EU:C:2016:855, UR 2016, 913, MwStR 2016, 991) geäußert. Da war der Bundesfinanzhof jedoch anderer Meinung (RN 26):

> Der BFH muss aber als Fachgericht einschlägige Rechtsprechung des EuGH auswerten und seine Entscheidung hieran orientieren, um u.a. festzustellen, ob eine Rechtsfrage bereits durch die Rechtsprechung des EuGH geklärt ist (vgl. u.a. Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts --BVerfG-- vom 8. April 2015  2 BvR 35/12, juris, Rz 26; vom 15. Dezember 2016  2 BvR 221/11, Zeitschrift für das gesamte Lebensmittelrecht 2017, 472, Rz 37, m.w.N.). Wollte der BFH von der Auslegung des einschlägigen Unionsrechts durch den EuGH abweichen, müsste er ihn erneut um Vorabentscheidung ersuchen, um nicht den gesetzlichen Richter i.S. des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes zu verletzen (vgl. BVerfG-Beschlüsse vom 8. April 1987  2 BvR 687/85, BVerfGE 75, 223, Rz 37 f.; vom 19. Juli 2011  1 BvR 1916/09, BVerfGE 129, 78, Rz 98). Zu einer erneuten Vorlage besteht aus Sicht des erkennenden Senats vorliegend kein Anlass, da der Senat der Auffassung des EuGH folgt und die Rechtsfrage unionsrechtlich für bereits geklärt hält.

Da hielt also der Bundesfinanzhof die Sache bereits per EuGH-Urteil für entschieden.

Smombies - beim Strassen-Überqueren aufs Smartphone gucken? Das kostet in Honolulu / Hawaii Geld: Erstkosten 15 - 35 Dollar, bei Wiederholung bis zu 99 Dollar - Kontrapunkt zur Bodenampel

25.10.2017 22:23:17, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hier in Berlin gibt es das ja auch ständig: Smombies, Personen die ständig auf ihr Smartphone starren oder sogar tippen. Auch dann, wenn sie die Straße überqueren.

Honolulu in Hawaii hat im Juli ein Gesetz verabschiedet, das den Blick auf das Smartphone beim Überqueren einer Straße unter Strafe stellt.

Dieses Gesetz ist am heutigen Mittwoch in Kraft getreten.
.

Crossing the street? Whatever you do, don't look at your phone

http://www.hawaiinewsnow.com/story/36674508/crossing-the-street-whatever-you-do-dont-look-at-your-phone

.
Honolulu sei nach Auskunft von Offiziellen die erste Stadt, die so eine Regelung erläßt. Ferner gilt das nicht nur für Smartphones, sondern auch für Tablets und Videospiele.

Sgt. James Shyer vom Police Department:

> "For obvious reasons, your eyes aren't where they're supposed to be and it puts everyone at risk. Just looking down for one text, you can have your eyes off the road for five seconds"

Bis zu fünf Sekunden seien Leute mit ihren Augen am Text, weg von der Straße.

Das sei weniger als die 130 Dollar, die es für Jaywalking gäbe, das unerlaubte Überqueren einer Straße.

Ein genaugenommen tragischer Satz von Mayor Kirk Caldwell:

> Sometimes I wish there were laws that we did not have to pass, that perhaps common sense would prevail. But sometimes we lack common sense

Er hätte sich manchmal gewünscht, daß der "gesunde Menschenverstand" siegt. Aber manchmal würde dieser leider fehlen. Leute bringen sich und andere mit diesem Verhalten in Gefahr.

Eine Beobachtung:

> "It can be very frustrating, especially if you're the driver and you see somebody walking very slow because they're on the phone texting," said resident Lisa Alexander.

Ein Autofahrer kann sehr frustriert sein, wenn ein Fußgänger sehr langsam die Straße überquert, weil er mit seinem Smartphone beschäftigt ist.

Ich hatte auch schon die Umkehrung erlebt. Ein Autofahrer steht an der Ampel, sieht kurz hoch, es ist rot. Er widmet sich seinem Smartphone, es wird grün. Hinter ihm hupt es schließlich, er fährt "etwas überstürzt" los.

Angesichts der aktuell wieder steigenden Zahl von Verkehrstoten (sowohl in DE als auch in den USA) muß man sich durchaus die Frage stellen, wieviel davon auf "gänzlich unangemessene Smartphone-Nutzung" zurückzuführen ist.

Dabei gibt es das ja auch schon an anderen Stellen. Etwa im Theater, wo der Laserpointer droht:

Handy beim Konzert: Chinesen erziehen per Laser: Wer im Theater mit Smartphone textet oder telefoniert, wird angestrahlt

http://www.pressetext.com/news/20160317015

Oder der englische Pub, der zu einem Faraday'schen Käfig umgebaut wurde, damit die Leute nicht mehr ständig auf ihre Smartphones starren.

Britischer Pub blockiert Handyempfang: Saufen statt surfen

http://www.crn.de/telekommunikation/artikel-111072.html

Auch in Deutschland waren bsp. beim Verkehrsgerichtstag in Goslar höhere Strafen für die Smartphone-Nutzung am Steuer im Gespräch.

Wer "Smombie" nicht kennt: Das ist ( https://de.wikipedia.org/wiki/Smombie ) eine Kombination aus Smartphone und Zombie.

Die Strafvariante in Honolulu ist ein Kontrapunkt zu jenen Lösungen von Bodenampeln, die es bsp. in Augsburg gibt. Dort wurden Ampelanlagen in den Boden eingelassen, so daß sogar Smartphone-Nutzer diese sehen können - und weiterhin auf ihr Smartphone starren.

Google Transparenzbericht: Traffic mit https-Verschlüsselung steigt deutlich an - 74 der 100 meistbesuchten Sites sind verschlüsselt erreichbar

24.10.2017 23:40:11, Jürgen Auer, keine Kommentare
Bildschirmphoto aus dem Google Transparency Report:

Rubrik:

HTTPS usage in Chrome worldwide

Google hat seinen eigenen "Transparency Report" aktualisiert. Und damit Zahlen aufgrund der Chrome-Statistik vorgelegt, wie sich die Nutzung verschlüsselter Sites in den letzten Jahren entwickelt hat.

Chrome-Nutzer, die das Senden von automatisch erstellten Berichten aktiviert haben, übermittelten diese Daten.
.

Transparency Report: HTTPS encryption on the web

https://transparencyreport.google.com/https/overview?hl=en

.
Google vertritt die Position:

> Security is a top priority at Google. We are investing and working to make sure that our sites and services provide modern HTTPS by default. Our goal is to achieve 100% encryption across our products and services.

Sicherheit (inklusive Verschlüsselung) sei eine Top-Priorität bei Google. Ziel sei es, daß alle Google Sites und Services modernes https per Default unterstützen. Das Ziel ist eine 100 % - Verschlüsselung bei allen Produkten und Diensten.

Der verschlüsselte Traffic, den Google erreicht, lag am 01.01.2014 noch bei etwa 50 %. Am 15.10.2017 waren 88 % erreicht.

Aufteilung nach Produkten: Manche Produkte wie Google-Mail laufen schon seit Jahren praktisch zu 100 % verschlüsselt. Den deutlichsten Sprung machte Werbung: Von 10 % Verschlüsselung Anfang 2015 bis nun 92 %. YouTube entwickelte sich in dieser Zeit von etwa 25 % auf praktisch 100 %.

Die Top 10 Länder mit dem höchsten Anteil verschlüsselten Traffics gehen von Mexico (96 %) über Großbritannien (95 %) und Indien (94 %) runter zu den USA (82 %), Deutschland (79 %) und Kanada mit einem deutlichen Abstand (63 %).

Von dem unverschlüsselten Traffic entfällt 94,8 % auf mobile Geräte, nur 5,2 % des unverschlüsselten Traffics stammt vom Desktop.

HTTPS usage in Chrome worldwide:

> HTTPS usage in Chrome is growing faster in some countries than others. For example, the prevalence of HTTPS has increased quickly in Russia compared to Japan, which has seen slower growth of HTTPS usage

Die Entwicklung pro Land (Bildschirmphoto oben eingebunden) zeigt, wie unterschiedlich die Ausgangssituation ist: Japan (unterste Linie) kam im März 2015 auf lediglich 24 % verschlüsselten Traffic. Das stieg auf inzwischen 56 % an. Die USA wuchsen in derselben Zeit von 44 % auf nun 74 % (schwarze Linie).

Deutschland hatte 2015 nur 33 % verschlüsselten Traffic. Inzwischen sind das 71 % und damit Platz 2.

Die obere Registerkarte der Top Sites listet 100 Non-Google - Sites. Auf die insgesamt (so eine Google-Schätzung) etwa 25 % des weltweiten Traffics entfällt.

Von diesen funktionieren 62 per https, haben eine moderne TLS-Konfiguration und nutzen standardmäßig https, leiten also unverschlüsselte Nutzer um.

Fünf weitere funktionieren per https, haben eine moderne TLS-Konfiguration, nutzen aber nicht standardmäßig TLS.

Schließlich gibt es noch 33 weitere Site. Bei diesen fehlt https teils komplett, teils ist die TLS-Konfiguration veraltet. Von diesen sind 7 zumindest per https erreichbar.

Damit sind 62 + 5 + 7 = 74 der 100 größten Sites zumindest verschlüsselt erreichbar.

Warum bsp. bei Heise

Google Transparenzbericht: HTTPS-Traffic nimmt weltweit zu

https://www.heise.de/security/meldung/Google-Transparenzbericht-HTTPS-Traffic-nimmt-weltweit-zu-3870427.html

von 71 der größten Sites die Rede ist, erschließt sich mir nicht so ganz. Die 71 Sites finden sich allerdings auch bsp. bei ZDNet. Laut diesen Berichten waren es im Vorjahr erst 37 Sites, die Zahl hätte sich also deutlich erhöht.

Für Webmaster ist die Botschaft eindeutig: Über kurz oder lang sollten alle Sites auf SSL / https umgestellt werden. Aufgrund der kostenlosen Zertifikate von Letsencrypt bieten Massenhoster inzwischen ohnehin Verschlüsselung oft schon kostenlos mit zum Webspace an. So daß neue Websites gleich verschlüsselt anfangen können.

KRACK-Entdecker Mathy Vanhoef: Viele Geräte werden niemals Schutzupdate erhalten - Attacken über Spezialantennen aus 2 - 3 km Entfernung - Grundlagenproblem einmalige Software-Bezahlung

23.10.2017 22:48:43, Jürgen Auer, keine Kommentare

Der KRACK-Hack (Key Reinstallation Attacks) beschäftigt derzeit die Welt. Man kann damit WPA2, die Verschlüsselung von WLAN-Verbindungen, aufbrechen, so daß eigentlich unverschlüsselte Kommunikation, die lediglich aufgrund von WPA2 im Funknetz verschlüsselt ist, für den Angreifer lesbar ist. Die Schwäche liegt nicht in einzelne Produkten, sondern steckt im WPA2-Standard selbst drin.

Der belgische Sicherheitsforscher Mathy Vanhoef, der zusammen mit Frank Piessens diese Lücke entdeckt hat, hat sich in einem Video zu einigen Details geäußert.
.

Tech News Weekly 3: Mathy KRACKs the Code - KRACK researcher describes the WPA2 hack

https://twit.tv/shows/tech-news-weekly/episodes/3?autostart=false

.
Sein grundsätzlicher Hinweis: Viele Geräte würden niemals ein Update erhalten. Vor allem Android-Geräte würden von diversen Herstellern nach wenigen Jahren nicht mehr mit Updates versorgt. Jedes Gerät, das einen WLAN-Chip eingebaut hat, ist prinzipiell gefährdet.

Auf der Seite

Key Reinstallation Attacks: Breaking WPA2 by forcing nonce reuse

https://www.krackattacks.com/

> The attack works against all modern protected Wi-Fi networks. Depending on the network configuration, it is also possible to inject and manipulate data. For example, an attacker might be able to inject ransomware or other malware into websites.

Besonders gefährdet sind Linux und Android ab Version 6. Diese nutzen wpa_supplicant, einen Wi-Fi-Client. Bei dem gibt es einen zusätzlichen Fehler, der es ermöglicht, einen 0-Key zu installieren. Bei einer XOr-Verschlüsselung mit einem 0-Key wird nichts verschlüsselt.

Damit sind etwa 50 % der Android-Geräte von diesem Problem unmittelbar betroffen.

Ein Schutz: Nur Verbindungen per https nutzen. Was umgekehrt für Websites bedeutet: Wer noch nicht auf https/SSL umgestiegen ist, der sollte das nun womöglich forcieren.

Ferner weist er in dem Video darauf hin, daß es Spezialantennen gäbe, mit denen sich Angriffe auch noch aus zwei bis drei Kilometern Entfernung durchführen lassen (Video, etwa  04:50).

Heimnutzer, die schnell updaten, seien eher nicht von der Attacke betroffen. Heikler ist das für Personen, die bsp. in Universitäten oder anderen öffentlichen Räumen aktiv sind. Dort, wo es viele öffentliche Access Points gäbe.

Ein Vorteil sei, daß es dieses Loch schon sehr lange gibt, aber das bis jetzt wohl noch niemand herausgefunden habe (~ 08:30).

Das Gespräch findet sich am Anfang des Videos, etwa bis Minute 12.

Die Lücke wirft ein Schlaglicht darauf, daß Android-Geräte nur mangelhaft über einen längeren Zeitraum mit Updates versorgt werden. Praktisch sehe ich darin das eigentliche Problem. Das ist so, wie wenn Autohersteller Autos verkaufen würden, ohne daß es ein Netz von Wartungsfirmen und sogar die Verpflichtung zur regelmäßigen Wartung gäbe. In so einem Fall würden die "Schrottkarren" andere Verkehrsteilnehmer gefährden.

Bei Software ist es leider üblich, daß oft ohne einen Updatemechanismus verkauft wird.

Wobei bei Autos selbstverständlich davon ausgegangen wird, daß die Autokäufer die Wartungen bezahlen. Nur bei Software wollen alle immer nur Einmalzahlungen - und wundern sich dann über solche Seiteneffekte.

Persönlich war dieser Punkt für mich ein Grund, Server-Daten auf Mietbasis zu entwickeln. Damit verdiene einerseits ich kontinuierlich durch Mieteinnnahmen. Andererseits ist aber für die Kunden auch sichergestellt, daß das System immer wieder gepatcht wird.

Monumentale und detaillierte Landschaften - Reales und Fiktives wird kombiniert - die Bilderlandschaften von Olivia Kemp

22.10.2017 23:17:58, Jürgen Auer, keine Kommentare

Landschaften malen. Nur mit einem schwarzen Stift. Die britische Künstlerin Olivia Kemp "baut" riesige Bilder, gefüllt mit unzähligen Details.

In denen bsp. reihenweise kräftige Bäume vorkommen - mit unzähligen Baumhäusern, Erkern und Verbindungsstegen dazwischen.

Oder unzählige kleine Inseln, mit Bäumen und Häusern. Selbst ein Campingwagen ist auf einer der Inseln zu finden.
.

Monumentally Detailed Pen Drawings That Combine Real and Imagined Landscapes by Olivia Kemp

http://www.thisiscolossal.com/2017/10/monumentally-detailed-pen-drawings-by-olivia-kemp/

Die Website: OLIVIA KEMP

https://www.oliviakemp.co.uk/

.
Sie konstruiert ihre Bilder - und reorganisiert sie damit. Sie baut Welten und "imaginary places". So in ihrem Statement zu ihrer Arbeit.

https://www.oliviakemp.co.uk/statement

Wenn sie arbeitet, dann fällt sie immer wieder in einen trance-artigen Zustand. So daß die Ergebnisse ihrer Bilder sie selbst überraschen.

Dabei sind die Bilder teils riesig.

Only Then, We'll Leave The Woods

https://www.oliviakemp.co.uk/fullscreen-page/comp-j8ycgrt0/612c1117-508f-44c7-8d14-73f3358ad2f0/0/%3Fi%3D0%26p%3Dc22j5%26s%3Dstyle-j8ydcq6a

hat eine Größe von 220 x 115 cms.

In London gibt es in der Browse & Darby Gallery grade eine Ausstellung:

'Where The Land Lies'
Solo exhibition
Browse & Darby
19 Cork Street
6th Oct - 3rd Nov

http://www.browseanddarby.co.uk/exhibitions/olivia-kemp-1st-floor-gallery/

Da finden sich auch "kleinere Motive": Ein Bus, der im Wald abgestellt ist und schon zuzuwuchern beginnt. Ein Baumstumpf - mit verblüffenden Detailstrukturen.

In dem Punkt "Exhibition Details" findet sich ein interessanter Hinweis:

> Thrilled by the challenge of being ‘always on the edge of making an irrevocable mistake’, Kemp relishes the all-consuming aspect of working with such unforgiving media.

Man könne da jederzeit einen nicht mehr änderbaren Fehler machen, wenn man nur mit diesen schwarzen Stiften arbeitet.

Der Schlußsatz:

> I draw in order to make sense of the landscape, but also to construct and re-model it. I build worlds and imaginary places…this encompasses everything, from the visions of a grand landscape right down to the details of the land, the plants and creatures that may inhabit it.’

Daß man beim Arbeiten durchaus die Zeit verlieren und völlig in der eigenen Arbeit versinken kann: Das kenne ich nur zu gut. Nur hat man bei der Softwareentwicklung immer die Möglichkeit zur Korrektur. Das geht bei solchen Kompositionen nicht.

Auf Instagram

https://www.instagram.com/livvykemp/

gibt es weitere Bilder.

Autonom fahrender Kleinbus auf dem Flughafen Frankfurt - R+V und Fraport testen selbstfahrende Kleinbusse auf belebter Strasse

21.10.2017 22:47:17, Jürgen Auer, keine Kommentare
Fraport: Test auf einer belebten Straße

Bildquelle: Pressemitteilung (unten verlinkt), dort Download-Material

Aktuell benötigt jedes Fahrzeug einen Fahrer. Der am Steuer sitzt und dafür verantwortlich ist, daß er keine Unfälle baut. Aber das Konzept autonom fahrender Fahrzeuge wird immer häufiger bereits getestet.

Einen interessanten Versuch starten nun der Versicherer R+V und die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport.

R+V hat zwei autonom fahrende Kleinbusse angeschafft. Diese sollen in den nächsten Wochen auf einer 1,5 km langen Strecke am Frankfurter Flughafen unterwegs sein. Am Ende - sofern es die Genehmigungen dafür gibt - sollen diese Tests auch auf öffentlichen Straßen durchgeführt werden.
.

Investition in die Mobilität der Zukunft: R+V startet Forschungsprojekt zum autonomen Fahren auf dem Flughafen Frankfurt

https://www.ruv.de/presse/pressemitteilungen/20171020-ruv-autonomes-fahren

.
Die Straße ist zwar einerseits keine öffentliche Straße. Andererseits tummeln sich dort, am Tor 3, PKW, Flugzeugschlepper, Rettungsdienste, Fracht- und Gepäcktransporter.

Etwa 2.600 Fahrzeuge kommen dort täglich vorbei, etwa die Hälfte sind LKW. Plus Fußgänger und Radfahrer. Der Effekt:

> Ein Glücksgriff für R+V, da sich ihr hochautomatisierter Kleinbus hier in einem realistischen und äußerst belebten Straßenszenario mit Fußgängern und den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln bewegen kann.

Für die Versicherung, die u.a. Kfz-Versicherungen anbietet, bieten die eigenen Busse die Möglichkeit, selbst Daten zu sammeln.

Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG:

> „Noch bevor die neue Kfz-Technik mit ihrer komplexen Software und einer Vielzahl von Sensorsystemen und Kameras Standard auf den Straßen ist, wollen wir mit unserem Forschungsprojekt präzise Erkenntnisse zu den Chancen und Risiken autonomer Fahrzeuge gewinnen – und zwar auf Basis eigener Daten.“

Fraport plant selbst bereits den Einsatz solcher Systeme. Da kommt der Test ebenfalls zum richtigen Zeitpunkt.

Genutzt wird der von dem französischen Unternehmen Navya entwickelte elektrisch betriebene Bus "Arma". Die Länge von 4,75 Metern und die Breite von 2,11 Metern entsprechen den Dimensionen eines Transporters. Allerdings ist "Arma" 2,75 Meter hoch. Der Akku reicht normalerweise etwa 9 Stunden. Aktuell ist noch ein Operator an Bord, der jederzeit eingreifen kann. Theoretisch kann "Arma" 45 km/h schaffen. Bei dem Test werden sie mit maximal 20 km/h eingesetzt.

Die Busse werden inzwischen an diversen Stellen weltweit getestet:

Navya - News

http://navya.tech/en/news/news/

Hier in Berlin laufen an der Charité und am Virchow-Klinikum ebenfalls Tests, die im Januar endgültig starten sollen. Dort testen BVG und die Charité Busse auf verschiedenen Routen.

Fahrzeuge mit Elektroantrieb: Berlin testet fahrerlose Kleinbusse auf Klinikgelände

http://www.tagesspiegel.de/berlin/fahrzeuge-mit-elektroantrieb-berlin-testet-fahrerlose-kleinbusse-auf-klinikgelaende/20130710.html

Persönlich erhoffe ich mir sehr viel von diesen Tests und hoffe, daß diese Systeme möglichst schnell praxistauglich werden. Auf daß nicht nur Busse, sondern auch Privatfahrzeuge durch autonom fahrende Autos abgelöst werden. Und daß damit die Zahl tödlicher Unfälle aufgrund von Rasern, Alkohol und Übermüdung deutlich zurückgeht.

Niemals darf Ihr tolles Unternehmen scheitern ... weil Sie versuchen, mit Esslöffeln eine Baugrube auszuheben und sich wundern, daß dies unendlich lange dauert

21.10.2017 01:32:59, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn Sie überlegen, zu gründen. Oder wenn Sie bereits gegründet haben, selbständig sind, als Unternehmer tätig sind. Oder auch, wenn Sie als Nachfolger eines Gründers ein bestehendes Unternehmen übernehmen, ohne selbst gegründet zu haben.

Natürlich gibt es dann immer mal wieder die Angst vor dem Scheitern.

Aber warum scheitern Unternehmen? Wo können Klippen liegen?

Aus Texten, die ich in den letzten Jahren immer mal wieder gelesen hatte, blieben verschiedene Gründe hängen:

(1) Konflikte im Team - der eine will Gas geben, der andere plant den Ausstieg
(2) Zu wenige Kunden, zu schwache Akquise
(3) Fehler in der Struktur / Buchhaltung / Finanzmanagement / Forderungsmanagement
(4) Produkt geht am Markt vorbei, falsches Geschäftsmodell
(5) Finanzen (Unterkapitalisierung oder Überkapitalisierung)

So gab es 2011 eine beeindruckende Analyse von 3800 Startups im Rahmen des "The Startup Genome Report", um gemeinsame Gründe für ein Scheitern zu finden.

A Deeper Look At Blackbox’s Data On Startup Failure And Its Top Cause: Premature Scaling [Infographic]

https://techcrunch.com/2011/09/01/a-deeper-look-at-blackboxs-data-on-startup-failure-and-its-top-cause-premature-scaling-infographic/

Da gab es fünf Dimensionen:

> product, customer, team, finances and business model

und die Feststellung, daß scheiternde Startups immer dadurch gekennzeichnet seien, daß es ein "premature scaling" gäbe: Die fünf Dimensionen entwickeln sich nicht gleichförmig weiter, sondern eine Dimension wächst so stark, daß sie das Unternehmen zerreißt.

Etwa, wenn ein Unternehmen frühzeitig von Kunden überrannt wird, so daß die Qualität der eigenen Dienstleistung absinkt und nicht gegengesteuert werden kann. Oder wenn ein Produkt entwickelt wird (weil zuviel Kapital da ist), das gänzlich am Markt vorbei geht. Im IT-Bereich gibt es das häufig. Oder wenn ein Geschäftsmodell gewählt wird (zu großzügiges Freemium-Modell), das für wachsende Kosten ohne dazugehörende Einnahmen sorgt.

Allerdings fällt dabei auch auf: Wenn sich ein Unternehmen erst einmal "so einigermaßen zurechtgeruckelt" hat. Wenn es einen gewissen Kundenstamm gibt, der zu einigermaßen regelmäßigen Geldeingängen führt:

Dann wird der Punkt (3), die eigene Verwaltungsstruktur, immer wichtiger. Dort können sich - grade bei einem wachsenden Unternehmen - so manche Löcher bilden, in denen Geld verschwindet.

Sei es, daß Termine übersehen werden, verloren gehen, weil der Überblick fehlt. Oder daß auf nicht pünktlich gezahlte Rechnungen zu spät / zu umgänglich reagiert wird. So daß es immer mehr dazu kommt, daß Gelder erst sehr viel später kommen und die Liquidität sinkt. Eigentlich gibt es genügend Ausgangsrechnungen. Aber eine Ausgangsrechnung ist noch kein Geldeingang. Wenn der Abstand zwischen Rechnungsausgang und vollständigem Geldeingang immer mehr wächst und niemand gegensteuert, dann wird die Lücke irgendwann einmal kritisch.

Dabei hatte ich kürzlich etwas gelesen, daß der Grund für eine Insolvenz in den allermeisten Fällen nicht die Überschuldung, etwa in Form von strukturell zu wenigen Kunden sei. Sondern daß Insolvenzen in den meisten Fällen auf unzureichende Liquidität zurückzuführen seien. "Global" betrachtet reicht das Geld. Nur eben nicht für die nächsten drei bis fünf Monate.

All diese Gründe weisen auf unzureichende interne Systeme hin. Systeme, die noch gereicht haben, als das Unternehmen "klein und überschaubar" war. Aber Systeme, die den wachsenden Anforderungen nicht mehr genügen. Systeme, die damit einfach überfordert sind. Weil sie nicht mitwachsen konnten.

Und das ist wiederum etwas, für das Sie als Gründer oder Unternehmer - eben vollständig verantwortlich sind. Nicht nur für die eigentliche produktive Arbeit, die das Geld bringt. Sondern ebenso, daß diese internen Prozesse laufen. Und daß Ihr Unternehmen dafür die richtigen Werkzeuge zur Verfügung hat.

Ich selbst muß mit meiner Dienstleistung da auch noch so manches lernen. Meine Kunden von Server-Daten machen das teils schon sehr viel besser als ich, der ich diese Logiken für meine Kunden betreibe. Da werden Web-Datenbanken genutzt, um aus Aufträgen automatisiert Rechnungen zu schreiben und die gesamte Kommunikation mit Kunden zu sammeln. Wobei meine eigene Buchhaltung auch schon längst über eine Web-Datenbank läuft.

Aber eben auch für mich gilt: Irgendwann müssen die internen Prozesse neu justiert werden. Immerhin habe ich den Vorteil, daß mir ein dafür geeignetes und erweiterbares System bereits zur Verfügung steht. Und ich die teils schon seit Jahren funktionierenden Ideen meiner Kunden als Vorbild nehmen kann.

Indoor Skydiving - Windobona eröffnet in Berlin Lichtenberg Inhouse-Windkanal - entspricht Fallschirmspringen bis zu 280 km/h Windgeschwindigkeit

20.10.2017 18:07:22, Jürgen Auer, keine Kommentare
Vermutlich eine Schülerin, die mit einem Windtunnelinstruktor fliegt.

Bildquelle: Mediadaten Windobona.berlin

Dort sind noch diverse weitere Bilder zu finden.

Wer mal gerne Fallschirmspringen möchte, aber das Risiko scheut: Der kann in Zukunft hier in Berlin eine Alternative nutzen.

Das österreichische Unternehmen Windobona eröffnet morgen, nach einem gestrigen Vorabtermin, eine Indoor Skydiving - Anlage. Ein "vertikaler Tunnel" mit einem Durchmesser von 4,3 Metern und einer Gesamthöhe von 32 Metern.

Da die ganze Geschichte inhouse stattfindet, ist der Betrieb wetterunabhängig. Die "Flugkammer" besteht aus dreischichtigem Panzerglas bei einer Wandstärke von 4 cm.
.

Windobona Berlin

http://www.windobona.berlin/

Wem es nicht schwindelig wird: Zum Standort Prater in Wien gibt es ein kurzes Video vom Dezember 2016:

PURE FLYING - Imagevideo WINDOBONA

https://www.youtube.com/watch?v=widBWgPVFHg

In Berlin wird das sicherlich ähnlich aussehen

.
Die "typische Flughöhe" liegt bei 17 Metern, so daß zu den 32 Metern Gesamthöhe noch "etwas Platz" ist.

Bis zu acht Personen können gleichzeitig fliegen. Die Windstärke läßt sich anpassen - je nach Erfahrungsstand und Anzahl der Flieger.

Solche Indoor Skydiving - Windkanäle gibt es bislang nur in Wien und Madrid. Für Hamburg gibt es allerdings auch bereits Planungen.

Die Preise wirken mit 49 Euro für zwei Minuten auf den ersten Blick ziemlich happig. Aber die Alternative - ein Flug und ein Fallschirmabsprung - dürften weitaus teurer sein. Und der Stromverbrauch der Anlage dürfte ziemlich heftig sein.

Vor allem kann man das - wenn man mag - natürlich ein paar mal hintereinander buchen.

Bei den Angeboten für Anfänger ist immer ein "Windtunnelinstruktor" im Windkanal mit dabei, der den Einsteiger betreut. Die Flugausrüstung, bestehend aus Anzug, Helm und Brille, wird ohnehin gestellt. Auch muß man 45 Minuten vor dem vereinbarten Termin einchecken.

Für Sportflieger und Kurse gibt es die Peak-Zeiten, die Freitags von 15:00 - 18:00 sind und Samstag/Sonntag/Feiertag jeweils von 11:00 - 18:00 gehen. Außerhalb dieser Zeiten scheint es für Sportflieger und Kurse vergünstigte Tarife zu geben.

Der Standort ist in Lichtenberg, an der Landsberger Allee 268 gelegen. Nur wenig hinter der großen Kreuzung Landsberger Allee / Weißenseer Weg entfernt. Auf dem Gelände des ehemaligen Lichtenberger Wasserwerks. Mit der M6 (Halt Genslerstraße) kommt man vom Alexanderplatz in 15 Minuten hin.

Laut dem Tagesspiegel

"Indoor Skydiving": Der Traum vom Fliegen wird in Lichtenberg wahr

http://www.tagesspiegel.de/berlin/indoor-skydiving-der-traum-vom-fliegen-wird-in-lichtenberg-wahr/20479174.html

wird der Windkanal in Wien auch vom österreichischen Militär zu Trainingszwecken genutzt. Ferner lagen die Baukosten bei etwa 10 Millionen Euro.

Aus der Sicht eines Unternehmers ist das natürlich einerseits eine gewaltige Investition. Andererseits dürfte sich der Standort Berlin sicherlich über kurz oder lang rechnen. Hinzu kommen neu geschaffene Arbeitsplätze. So etwas ist sowohl für die Bewohner vor Ort als auch für Berlin-Touristen ein lohnendes Ziel.

OVG Münster: Fahrerbewertungsportal darf Ampelbewertungen von Autofahrern anhand des Kfz-Kennzeichens nur diesen selbst anzeigen - nicht beliebigen Lesern ohne Registrierung - 16 A 770/17

19.10.2017 19:25:51, Jürgen Auer, keine Kommentare

Im Internet gibt es inzwischen diverse Bewertungsportale. Ärzte, Dienstleister, Telekommunikationsunternehmen, Hotels: Alles darf bewertet werden.

Ist es aber auch zulässig, eine Liste mit Kfz-Kennzeichen zu erstellen und die Fahrer über ein Ampelschema (grün = positiv, gelb = neutral, rot = negativ) zu bewerten?

Und zwar so, daß diese Bewertungen für jeden sichtbar sind, der das Portal aufruft? Das Internetportal www.fahrerbewertung.de - derzeit offline - hatte so etwas gemacht. Und war deshalb vom NRW-Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit zur Änderung aufgefordert worden.

Die dagegen gerichtete Klage hatte das Verwaltungsgericht Köln (Urt. v. 16.02.2017, Az. 13 K 6093/15) bereits abgelehnt. Das OVG Münster hat diese Entscheidung heute bestätigt.
.

Heutige Pressemitteilung: Fahrerbewertungsportal muss geändert werden

http://www.ovg.nrw.de/behoerde/presse/pressemitteilungen/48_171019/index.php

Das Urteil vom Februar: Verwaltungsgericht Köln, 13 K 6093/15

https://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/vg_koeln/j2017/13_K_6093_15_Urteil_20170216.html

.
Das Bundesdatenschutzgesetz sei anwendbar, weil es sich bei Kfz-Kennzeichen um personenbezogene Daten handele. Insbesondere handele es sich bei den abgegebenen Bewertungen um personenbezogene Daten. Bei der Abwägung zwischen dem informationellen Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Kraftfahrzeughalter und den Interessen der Öffentlichkeit bzw. des Portalbetreibers sei das informationelle Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Kraftfahrzeughalter deutlich höher zu gewichten als das Interesse der Portalbetreiber bzw. der Öffentlichkeit.

Der NRW-Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hatte gefordert, daß sich eintragende Personen registrieren müssen. Ferner dürften die Bewertungen nur noch den Personen angezeigt werden, die Halter des Fahrzeugs mit dem zugeordneten Kfz-Kennzeichen sind. Dies erfordert ebenfalls eine Registrierung dieser Personen.

Revision wurde nicht zugelassen. Dagegen kann Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben werden.

Das Urteil vom VG Köln führte bereits aus, daß sich ein solches Bewertungsportal grundsätzlich von den zulässigen Bewertungsportalen unterscheiden würde (RN 72):

> Die Situation, die auf dem Fahrerbewertungsportal bewertet wird, unterscheidet sich grundlegend von den Sachverhalten, die Gegenstand der üblichen Bewertungsportale sind. Anders als etwa Lehrer, Ärzte, Handwerker, Gastronomen oder Reiseveranstalter, deren Verhalten ebenfalls auf verschiedenen Internetportalen bewertet wird, geben Autofahrer keinen beruflichen oder gewerblichen Anlass für eine Bewertung ihres Verhaltens.

Es seien keine beruflichen Verhaltensweisen, die hier bewertet werden. Damit gibt es ein erhöhtes Schutzbedürfnis. Ferner gäbe es das Risiko einer Prangerwirkung. Die Bewertungen würden nicht geprüft, jeder kann beliebiges eintragen.

Persönlich interessant finde ich allerdings, daß bereits das VG-Urteil ausdrücklich feststellt, daß ein solches Portal, das die Bewertungen nur den bewerteten Kfz-Haltern anzeigt, legitim wäre. Eine solche Lösung ist natürlich für den ursprünglich beabsichtigten Effekt eines öffentlich durch Werbung finanzierten Portals mit anonymer Suchmöglichkeit gänzlich ungeeignet. Aber grundsätzlich sind damit solche Bewertungsportale, die Daten aus der persönlichen Sphäre erfassen, durchaus zulässig.

Heise

Rote Linie für "Autofahrer-Pranger" – Bewertungsportal illegal

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Rote-Linie-fuer-Autofahrer-Pranger-Bewertungsportal-illegal-3865787.html

zitiert den Vertreter der NRW-Datenschutzbeauftragten in der mündlichen Verhandlung:

> "Ist Ihnen das eigentlich bewusst, dass Sie Daten sammeln, die Sie nicht beherrschen? Sie nehmen einen kleinen Schneeball und werfen diesen einen Hang herunter. Übernehmen Sie die Verantwortung für die Lawine, die da entsteht?"

Etwa ein Berufskraftfahrer, der auf einem solchen Portal bewertet wird. Ein möglicher neuer Arbeitgeber informiert sich über dieses Portal - und lehnt den Kandidaten ab.

Einen ähnlichen Eindruck habe ich auch immer wieder, wenn mir jüngere Leute sehr euphorisch von irgendwelchen Projekten berichten. Bei denen ich eher den Eindruck habe: "Nun ja. Kann gutgehen. Geht aber höchstwahrscheinlich grandios schief".

Bei einem "Falschparkerportal" müßten eigentlich ähnliche Regelungen gelten. Handelt es sich bei dem falsch parkenden Auto eindeutig um ein Auto (etwa ein Lieferfahrzeug), das der beruflichen Sphäre zuzuordnen ist, wäre ein solches Portal womöglich zulässig. Ähnlich beobachte ich hier in Berlin immer mal wieder Autos von Carsharing-Unternehmen, die falsch geparkt sind. Da ist der Fahrer nicht für einen Beobachter zu ermitteln, nur für das Carsharing-Unternehmen. Bei Autos, die dagegen wahrscheinlich von Privatpersonen gefahren und abgestellt wurden, würde ein solches öffentliches Bewertungsportal wohl ebenfalls unzulässig sein.