OVG Münster: Fahrerbewertungsportal darf Ampelbewertungen von Autofahrern anhand des Kfz-Kennzeichens nur diesen selbst anzeigen - nicht beliebigen Lesern ohne Registrierung - 16 A 770/17

19.10.2017 19:25:51, Jürgen Auer, keine Kommentare

Im Internet gibt es inzwischen diverse Bewertungsportale. Ärzte, Dienstleister, Telekommunikationsunternehmen, Hotels: Alles darf bewertet werden.

Ist es aber auch zulässig, eine Liste mit Kfz-Kennzeichen zu erstellen und die Fahrer über ein Ampelschema (grün = positiv, gelb = neutral, rot = negativ) zu bewerten?

Und zwar so, daß diese Bewertungen für jeden sichtbar sind, der das Portal aufruft? Das Internetportal www.fahrerbewertung.de - derzeit offline - hatte so etwas gemacht. Und war deshalb vom NRW-Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit zur Änderung aufgefordert worden.

Die dagegen gerichtete Klage hatte das Verwaltungsgericht Köln (Urt. v. 16.02.2017, Az. 13 K 6093/15) bereits abgelehnt. Das OVG Münster hat diese Entscheidung heute bestätigt.
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Heutige Pressemitteilung: Fahrerbewertungsportal muss geändert werden

http://www.ovg.nrw.de/behoerde/presse/pressemitteilungen/48_171019/index.php

Das Urteil vom Februar: Verwaltungsgericht Köln, 13 K 6093/15

https://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/vg_koeln/j2017/13_K_6093_15_Urteil_20170216.html

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Das Bundesdatenschutzgesetz sei anwendbar, weil es sich bei Kfz-Kennzeichen um personenbezogene Daten handele. Insbesondere handele es sich bei den abgegebenen Bewertungen um personenbezogene Daten. Bei der Abwägung zwischen dem informationellen Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Kraftfahrzeughalter und den Interessen der Öffentlichkeit bzw. des Portalbetreibers sei das informationelle Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Kraftfahrzeughalter deutlich höher zu gewichten als das Interesse der Portalbetreiber bzw. der Öffentlichkeit.

Der NRW-Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hatte gefordert, daß sich eintragende Personen registrieren müssen. Ferner dürften die Bewertungen nur noch den Personen angezeigt werden, die Halter des Fahrzeugs mit dem zugeordneten Kfz-Kennzeichen sind. Dies erfordert ebenfalls eine Registrierung dieser Personen.

Revision wurde nicht zugelassen. Dagegen kann Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben werden.

Das Urteil vom VG Köln führte bereits aus, daß sich ein solches Bewertungsportal grundsätzlich von den zulässigen Bewertungsportalen unterscheiden würde (RN 72):

> Die Situation, die auf dem Fahrerbewertungsportal bewertet wird, unterscheidet sich grundlegend von den Sachverhalten, die Gegenstand der üblichen Bewertungsportale sind. Anders als etwa Lehrer, Ärzte, Handwerker, Gastronomen oder Reiseveranstalter, deren Verhalten ebenfalls auf verschiedenen Internetportalen bewertet wird, geben Autofahrer keinen beruflichen oder gewerblichen Anlass für eine Bewertung ihres Verhaltens.

Es seien keine beruflichen Verhaltensweisen, die hier bewertet werden. Damit gibt es ein erhöhtes Schutzbedürfnis. Ferner gäbe es das Risiko einer Prangerwirkung. Die Bewertungen würden nicht geprüft, jeder kann beliebiges eintragen.

Persönlich interessant finde ich allerdings, daß bereits das VG-Urteil ausdrücklich feststellt, daß ein solches Portal, das die Bewertungen nur den bewerteten Kfz-Haltern anzeigt, legitim wäre. Eine solche Lösung ist natürlich für den ursprünglich beabsichtigten Effekt eines öffentlich durch Werbung finanzierten Portals mit anonymer Suchmöglichkeit gänzlich ungeeignet. Aber grundsätzlich sind damit solche Bewertungsportale, die Daten aus der persönlichen Sphäre erfassen, durchaus zulässig.

Heise

Rote Linie für "Autofahrer-Pranger" – Bewertungsportal illegal

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Rote-Linie-fuer-Autofahrer-Pranger-Bewertungsportal-illegal-3865787.html

zitiert den Vertreter der NRW-Datenschutzbeauftragten in der mündlichen Verhandlung:

> "Ist Ihnen das eigentlich bewusst, dass Sie Daten sammeln, die Sie nicht beherrschen? Sie nehmen einen kleinen Schneeball und werfen diesen einen Hang herunter. Übernehmen Sie die Verantwortung für die Lawine, die da entsteht?"

Etwa ein Berufskraftfahrer, der auf einem solchen Portal bewertet wird. Ein möglicher neuer Arbeitgeber informiert sich über dieses Portal - und lehnt den Kandidaten ab.

Einen ähnlichen Eindruck habe ich auch immer wieder, wenn mir jüngere Leute sehr euphorisch von irgendwelchen Projekten berichten. Bei denen ich eher den Eindruck habe: "Nun ja. Kann gutgehen. Geht aber höchstwahrscheinlich grandios schief".

Bei einem "Falschparkerportal" müßten eigentlich ähnliche Regelungen gelten. Handelt es sich bei dem falsch parkenden Auto eindeutig um ein Auto (etwa ein Lieferfahrzeug), das der beruflichen Sphäre zuzuordnen ist, wäre ein solches Portal womöglich zulässig. Ähnlich beobachte ich hier in Berlin immer mal wieder Autos von Carsharing-Unternehmen, die falsch geparkt sind. Da ist der Fahrer nicht für einen Beobachter zu ermitteln, nur für das Carsharing-Unternehmen. Bei Autos, die dagegen wahrscheinlich von Privatpersonen gefahren und abgestellt wurden, würde ein solches öffentliches Bewertungsportal wohl ebenfalls unzulässig sein.

Sackgasse Minijob - Mehr als 3 Mio Erwerbstätige haben zum Hauptjob Nebenjob - meist ist Verdienst im Hauptjob nicht hoch - Studie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung - IAB

18.10.2017 18:01:52, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das deutsche Konzept der Minijobs: Ist das gut oder sorgt das nicht für jene gravierenden Probleme, die sich nun mit der Zeit zeigen?

Meine persönliche Befürchtung war schon lange: Die Minijobs sind eine Sackgasse. Sie führen eher zu Problemen als daß sie wirklich nutzen.

Die aktuelle Studie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, bestätigt diese Vermutung.
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Hauptjob von Nebenjobbern: eher Teilzeit, eher weniger gut bezahlt

http://www.iab.de/de/informationsservice/presse/presseinformationen/kb2217.aspx

Der Kurzbericht als PDF (12 Seiten): Zweitbeschäftigungen in Deutschland - Immer mehr Menschen haben einen Nebenjob

http://doku.iab.de/kurzber/2017/kb2217.pdf

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Die wesentlichen Aussagen:

- 3,07 Millionen Erwerbstätige haben zusätzlich zum Hauptjob einen Nebenjob.
- Frauen, mittlere Altersgruppen und Personen nichtdeutscher Nationalität sind überdurchschnittlich vertreten
- Die Hauptberufe der Nebenjobber sind Verwaltung, Büro, Allgemeine Dienstleistungen, Verkehr, Gesundheitswesen sowie Sozial- und Erziehungsberufe
- Die Entgeltverteilung: Personen mit den niedrigsten Einkommen im Hauptjob haben die größte Wahrscheinlichkeit für einen Nebenjob. Meist ein Teilzeit-Hauptjob und ein Nebenjob.
- Seit 2003 ist die Zahl der Nebenjobber massiv gestiegen. Meist als Kombination von versicherungspflichtigem Hauptjob und Minijob.
- Für die Verbesserung der Arbeitsmarktintegration und der Alterssicherung wäre eine Entlastung niedriger Verdienste im Hauptjob zielgenauer und wirkungsvoller als die derzeitige Begünstigung der Nebenjobs.

Der Einkommensunterschied zwischen Nur-Hauptjobbern und Haupt- und Nebenjobbern im Hauptberuf liegt bei 570 Euro pro Monat. Das sei nur zu einem geringen Teil auf die unterschiedliche Wochenzahl zurückzuführen. Weitaus wichtiger sei, daß die Hauptjobber mit Nebenjob meist in Berufen tätig sind, in denen wenig verdient wird.

Ein Drittel der Nebenjobber übt im Nebenjob denselben Job aus wie im Hauptjob.

Im PDF ist von zwei Typen von Nebenjobbern die Rede. Die einen machen den Nebenjob wegen dem Geld. Bei den anderen geht es um Spaß, um Prestige, da spricht die Studie vom Portfoliomotiv.

Es wird darauf hingewiesen, daß durch die Befreiung von Steuern und Abgaben für Minijobs auch die Arbeitgeber profitieren. Denn diese vereinbaren geringere Stundenlöhne.

> Deshalb ist ein Minijob als Nebenjob für beide Seiten besonders attraktiv.

Der Einkommensunterschied von 570 Euro zwischen Nur-Hauptjobbern und Haupt- und Nebenjobbern reduziert sich auf etwa 500 Euro / Monat, wenn die unterschiedliche Wochenzahl herausgerechnet wird. Sprich: Der größte Anteil steckt im unterschiedlichen Verdienst (PDF Seite 5).

> Im Vergleich zu den 10 Prozent Bestverdienern gehen die 10 Prozent Geringstverdiener mit einer um fast 13 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit einem Nebenjob nach.

Die Wahrscheinlichkeit der untersten 10 Prozent beim Einkommen liegt bei etwa 15 % Vollzeit- und 17 % Teilzeit-Job. In der benachbarten Gruppe der 10 - 20 Prozent Einkomen halbiert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Minijob dagegen und liegt nur noch bei ~8 % Vollzeit- und knapp 10 % für Teilzeit-Jobs (Abbildung 3, PDF Seite 4).

Einer der letzten Sätze aus dem PDF skizziert die Alternative:

> Im Kern geht es darum, dass sozialversicherungspflichtige Hauptbeschäftigungen auch bei geringen Brutto-Einkommen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber attraktiver werden. Letztlich führt dies auch dazu, dass mehr solcher Jobs mit einer größeren Stundenzahl entstehen. In der Summe verliert damit das Motiv, aus Beschränkungen der Arbeitszeit (und dadurch des Einkommens) heraus einen Nebenjob aufzunehmen, an Bedeutung. Auch geringfügige Hauptbeschäftigungen könnten mit der vorgeschlagenen Entlastung eher in sozialversicherungspflichtige umgewandelt werden.

So sind die derzeitigen Minijob-Regelungen (mit der Beschränkung auf maximal 450 Euro pro Monat) wie eine gläserne Decke. Leute haben einen schlechten Job in Teilzeit und suchen sich dazu einen Minijob. Anstatt daß es Anreize gäbe, die Hauptjobs aufzustocken und besser zu bezahlen.

Bundesfinanzhof: Kosten zur Beseitigung von durch den Mieter mutwillig verursachten Schäden sofort abziehbar - IX R 6/16

17.10.2017 22:19:33, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer eine Eigentumswohnung kauft, um daraus Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung zu erzielen: Der kann den Kaufpreis nicht sofort steuerlich geltend machen. Der Kaufpreis kann höchstens im Rahmen einer Abschreibung über einen langen Zeitraum steuerlich berücksichtigt werden. Dasselbe gilt für die sogenannten "anschaffungsnahen Herstellungskosten". Diese können nur im Rahmen der Absetzungen für Abnutzung (AfA) über einen Zeitraum von 50 Jahren mit 2 Prozent pro Jahr geltend gemacht werden.

Was aber ist, wenn die Wohnung betriebsbereit und mängelfrei übernommen wurde, der Mieter jedoch anschließend für einen umfangreichen Schaden sorgt, dessen Beseitigung Kosten von etwa 1/5 des Kaufpreises verursacht?

Die Vermieterin (Klägerin) wollte diese Kosten sofort als Werbungskosten geltend machen. Das Finanzamt versagte dies. Die dagegen gerichtete Klage war vor dem Finanzgericht erfolgreich. Die vom Finanzamt dagegen eingelegte Revision hat der Bundesfinanzhof nun verworfen.
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Sofortabzug für Kosten zur Beseitigung von Schäden, die der Mieter in einer gerade erst angeschafften Wohnung mutwillig verursacht hat - Urteil vom 9.5.2017   IX R 6/16

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&nr=35077&pos=1&anz=62

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Der Leitsatz aus der Pressemitteilung:

> Aufwendungen zur Beseitigung eines Substanzschadens, der nach Anschaffung einer vermieteten Immobilie durch das schuldhafte Handeln des Mieters verursacht worden ist, können als Werbungskosten sofort abziehbar sein. In diesen Fällen handelt es sich nicht um sog. „anschaffungsnahe Herstellungskosten“ (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 des Einkommensteuergesetzes --EStG--), wie der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 9. Mai 2017 IX R 6/16 entschieden hat.

Die Wohnung wurde 2007 gekauft. Im Folgejahr verweigerte die Mieterin fällige Nebenkosten, die Klägerin kündigte das Mietverhältnis. Bei der Übergabe der Wohnung wurden umfangreiche Schäden festgestellt, die es zum Kaufzeitpunkt noch nicht gab: Eingeschlagene Scheiben, Schimmelbefall, zerstörte Bodenfliesen. Ferner hatte die Mieterin einen Rohrbruch im Bad nicht gemeldet, das hatte zu Folgeschäden geführt.

Die Klägerin machte knapp 20.000 Euro in ihrer Einkommensteuererklärung 2008 als sofort abzugsfähigen Erhaltungsaufwand geltend. Da die Mieterin nicht zahlungsfähig sei, könnten keine Ersatzansprüche gegen die Mieterin geltend gemacht werden. Bei etwa 100.000 Euro Kaufkosten waren das etwa 20 Prozent des Kaufpreises.

Das Finanzamt erließ zunächst 2010 einen unter dem Vorbehalt der Nachprüfung stehenden Einkommensteuerbescheid für 2008. Da wurden die Kosten zunächst anerkannt. Im Mai 2013 gab es einen Einkommensteueränderungsbescheid, in dem der sofortige Abzug versagt wurde.

Der Bundesfinanzhof zu dem, was unter die AfA fällt:

> Zwar gehörten zu den als Herstellungskosten der AfA unterliegenden Aufwendungen nach dem Wortlaut von § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG sämtliche Aufwendungen für bauliche Maßnahmen, die im Rahmen einer im Zusammenhang mit der Anschaffung des Gebäudes vorgenommenen Instandsetzung und Modernisierung anfallen wie etwa sog. Schönheitsreparaturen oder auch Kosten für die Herstellung der Betriebsbereitschaft. Selbst die Beseitigung verdeckter --im Zeitpunkt der Anschaffung des Gebäudes jedoch bereits vorhandener-- Mängel oder die Beseitigung von bei Anschaffung des Gebäudes „angelegter“, aber erst nach dem Erwerb auftretender altersüblicher Mängel und Defekte fällt hierunter.

Das gelte aber nicht für Kosten für Instandhaltungsmaßnahmen zur Beseitigung eines Schadens, der zum Zeitpunkt der Anschaffung nicht vorhanden war, sondern nachweislich erst später durch einen Mieter verursacht wurde. Diese Kosten seien nicht den "anschaffungsnahen Herstellungskosten" zuzurechnen. Damit zählen diese Aufwendungen zum "Erhaltungsaufwand" und sind damit als Werbungskosten sofort abziehbar.

Fazit: Wer eine vermietete und mängelfreie Eigentumswohnung kauft, der geht "gewisse Risiken" ein. Wenn nun der Mieter nach dem Kauf massive Schäden verursacht, deren Beseitigung mehr als 15 % des Kaufpreises beträgt und wenn der Mieter selbst nicht zahlungsfähig ist: Dann kann der Wohnungsinhaber diese Kosten sofort mit den Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung verrechnen.

Startup-Gründer in Deutschland: Deutscher Startup Monitor 2017 (DSM) - Rückgang bei Kooperationen mit dem Mittelstand - Problem Wohnungsnot

16.10.2017 19:09:08, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer in Deutschland gründen will: Der steht vor diversen Herausforderungen. Aber wie sieht eigentlich die aktuelle Situation der Startup-Gründer in Deutschland aus?

Der Bundesverband Deutsche Startups e.V. hat zum inzwischen fünften Mal den "Deutschen Startup Monitor" veröffentlicht. Zusammen mit KPMG.
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Deutscher Startup Monitor 2017

http://deutscherstartupmonitor.de/

Der Direktlink auf das PDF (108 Seiten):

http://deutscherstartupmonitor.de/fileadmin/dsm/dsm-17/daten/dsm_2017.pdf

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Befragt wurden 1837 Startups, die 4245 Gründerinnen und Gründer mit insgesamt 19.913 Mitarbeitern repräsentieren.

Wobei als Merkmale eines Startups ein Alter von maximal 10 Jahren gilt, ein (hoch) innovatives Geschäftsmodell / Technologie existiert und ein signifikantes Mitarbeiter- und / oder Umsatzwachstum angestrebt wird (oder bereits existiert).

Stichworte:

- 82,7 % aller Startups wollen internationalisieren bzw. die Internationalisierung fortsetzen: Ziele sind Europa, Nordamerika und der asiatische Raum. Dabei werden aktuell noch fast 80 % der Umsätze in Deutschland gemacht.

Die größten Schwierigkeiten sehen die Startups nicht in der Sprache, sondern in Unterschieden der Gesetzgebung und Regulierung. Seite 3:

>  Alle Markteintrittsbarrieren zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten müssen abgeschafft werden, bis Sprache und Kultur als letzte Herausforderung verbleiben

- Startups haben internationale Mitarbeiter. Fast ein Drittel der Mitarbeiter kommt aus dem EU-Ausland.

- Die Kooperation mit etablierten Unternehmen sank: 2016 hatten noch 70 % der Startups angegeben, daß sie mit etablierten Unternehmen kooperieren. Das sank auf etwa die Hälfte ab (Seite 3).

> Der Mittelstand läuft Gefahr, den Anschluss bei der Digitalisierung zu verlieren. Damit er aufholt, muss er mit denjenigen zusammenarbeiten, die aus der Digitalisierung heraus entstanden sind: Startups.

Merkmale von Startup-Gründungen:

- Innovativ: Der Anteil von Marktneuheiten liegt bei etwa 84 %. Über alle Gründer wird nur eine Quote von 14 % erzielt.
- Teamgründungen: 73 % aller Startups werden im Team gegründet. Über alle Gründer hinweg sind 80 % Sologründer.
- Frauen sind unterrepräsentiert: Nur knapp 15 % aller Gründer sind weiblich. Über alle Gründer hinweg sind 40 % weiblich.
- Arbeitsplätze: Allgemeine Gründungen schaffen 0,4 neue Arbeitsplätze. Startups dagegen im Schnitt 10 Mitarbeiter - und 2,3 Gründerarbeitsplätze.
- Finanzierung: Allgemeine Gründungen sind zu knapp einem Viertel extern finanziert (24 %). Startups kommen auf knapp 2/3 (64 %).

Der Akademikeranteil ist mit 81,1 % sehr hoch (Seite 28). 26 % der Gründer haben ein Diplom, 22,6 % den Master, 17,1 % einen Bachelor und 15,4 % einen Promotionsabschluß.

Bei der Teamgröße gibt es 23,1 % Sologründer, 34,6 % der Startups werden durch zwei Gründer gegründet. 27,5 % durch drei Gründer und 10,1 % durch vier Gründer. 5 oder mehr Gründer gibt es bei 4,6 % (Seite 32).

Interessant ist, daß 60 % aller Startups B2B-Startups sind: 43,0 % erzielen ausschließlich B2B-Umsätze, 17,8 % überwiegend B2B (Seite 38).

Die Strategie: Profitabilität ist wichtiger als Wachstum (Seite 41):

> Profitabilität (84,3 %) geht für die DSM-Startups noch vor schnellem Wachstum (73,3 %).

Das PDF-Dokument enthält noch diverse weitere Daten. U.a. zu den größten Herausforderungen für Startups, eine Einschätzung der Regierungen und eigene Wahlpräferenzen.

Allerdings: Manche Probleme wachsen auch. So ist es für Startups schwierig, Mitarbeiter zu gewinnen. Und diese scheitern an der Wohnungssuche.

Wohnungsnot bremst Berlins Wirtschaft: Kein Platz für indische Programmierer

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/wohnungsnot-bremst-berlins-wirtschaft-kein-platz-fuer-indische-programmierer/20450816-all.html

Früher gab es in Berlin viele günstige Wohnungen. Aber dieser Standortvorteil ist längst Geschichte. Die Wohnungspolitik ist seit Jahren nicht existent.

Paul Wolter, der Sprecher des „Bundesverbands Deutsche Startups“:

> „Bisher war es für Berlin ein Standortvorteil, dass es genügend Wohnraum und Gewerbeflächen auch in Innenstadtlagen gab“

Nun dagegen:

> „Es wird problematischer, internationale Fachkräfte wie Programmierer in die Stadt zu holen“

Unternehmen berichten, daß sie eigentlich ständig neue Mitarbeiter einstellen könnten. Nur finden diese keine Wohnung. Je ausländischer der Name, desto größer das Problem. Oder es werden Mietverträge mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren abgeschlossen. Ein Mitarbeiter in Probezeit scheidet da aus.

Die Landesregierung spricht zwar von einer Stärkung der Startup-Metropole. Praktisch kümmert sich aber niemand um das Thema "Wohnraum für Fachkräfte".

Manche Startups haben inzwischen einen eigenen Pool von Wohnungen angemietet, um neuen Mitarbeitern zeitweilig eine Unterkunft bieten zu können. Eine wirkliche Lösung ist das natürlich nicht.

Da muß man sich über die schlechten Benotungen von Landesregierungen nicht wundern.

Heimliches Kryptomining auf Websites - 500 Mio PC betroffen - Coinhive und JSEcoin-Plugins - Adguard-Untersuchung - Gegenmassnahme Filterregel setzen

15.10.2017 22:43:45, Jürgen Auer, keine Kommentare

Sie gehen auf eine große Website, bei der Sie annehmen, daß diese Website "hinreichend sicher" ist. Dann wundern Sie sich, daß Ihr PC plötzlich so aktiv ist? Oder Sie wundern sich nicht, weil Sie auf der Website einen Film sehen, der ohnehin zu einer hohen CPU-Auslastung führt.

Aber womöglich wird grade Ihr PC dafür verwendet, um Kryptomining zu betreiben. Daß also Rechenleistung genutzt wird, um Kryptowährungen zu berechnen. Wobei das Geld nicht Sie, sondern jener verdient, der das Script laufen läßt bzw. es verteilt.

Adguard, ein Unternehmen, das Adblocker entwickelt, hat sich die Liste der Top 100.000 Alexa-Websites vorgeknöpft und dort nach den beiden dafür nutzbaren Plugins Coinhive und JSEcoin gesucht. Diese werden direkt im Browser der Nutzer gestartet. Die Nutzer merken also gar nichts davon. Aber ihr PC wird womöglich etwas wärmer als sonst. Oder der Akku ist schneller erschöpft.

Das Ergebnis: Seit gut drei Wochen gibt es diese Scripte. 220 der 100.000 größten Websites haben es eingebunden. 500 Millionen Nutzer besuchen diese Seiten in 30 Tagen. Diese 500 Millionen Browser können zum Kryptomining genutzt werden. Zum Original Coinhive gibt es inzwischen drei Klone. Geschätzt wurden so 43.000 US-Dollar von den Websites verdient.
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Cryptocurrency mining affects over 500 million people. And they have no idea it is happening

https://blog.adguard.com/en/crypto-mining-fever/

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Die am häufigsten vertretenen Länder der Websites:

USA: 18,66 %
Indien: 13,4 %
Russland: 12,44 %
Brasilien: 8,13 %

Wenn man sich klarmacht, daß es CoinHive erst seit dem 14.09.2017 gibt, dann läßt sich leicht ahnen, daß sich das in Zukunft noch deutlich ausbreiten könnte.

Die 43.000 Dollar wirken niedrig. Allerdings: Das war in grade mal 3 Wochen. Bei praktisch keinerlei eigenen Kosten. Die Websites seien häufig "graue Seiten".

> mostly pirate TV and video sites, Torrent trackers and porn websites

Die Grafik drunter:

TV/Videos/Movies: 22,27 %
File Sharing: 17,73 %
Adult: 10,00 %
News and Media: 7,73 %

Letzteres finde ich etwas alarmierend: Denn mit Adblockern lassen sich solche Scripte blockieren. Wenn Medien Leser blockieren, die Adblocker nutzen, dann kann man ja auf die "interessante Idee" kommen, auf Newsseiten Kryptomining über die Browser der Nutzer zu betreiben. Eine mögliche Erklärung:

> There may be a further explanation for the fact that browser mining is found mostly on websites with a shady reputation. These sites traditionally have trouble making money through advertising, so they are open to experiments and innovation.

Die "grauen Sites" hätten traditionell Schwierigkeiten, Geld mit Werbung zu verdienen. So seien sie offener für Experimente.

"The Pirate Bay" war ja schon früh mit dabei. Aber auch die CBS-Sites Showtime.com und Showmeanytime.com beteiligten sich daran. Da hatten wohl einige Webmaster eine "Privatinitiative" ergriffen. Allerdings: Grade diese Sites seien ideal für Kryptomining: Viele Nutzer, die den Browser lange geöffnet haben.

Ethisch sei das Kryptomining im Browser zunächst einmal neutral. Problematisch sei, daß die Nutzer nicht gefragt werden. Coinhive will deshalb sein eigenes Plugin so umstricken, daß es nur nach einer expliziten Einwilligung des Nutzers startet. Dann könnte Kryptomining - zumindest in der Theorie - ein Ersatz für Werbung sein: Entweder Werbung ansehen oder Kryptomining zustimmen. Ein interessanter Satz:

> Mining parasitizes the user’s CPU, where ads parasitize the user’s attention, emotions, bandwidth, and often, their laptop or smartphone battery, and supports an industry of personal data harvesting that is a big headache in of itself.

Kryptomining strapaziert die CPU, wohingegen Werbung / Ads die Aufmerksamkeit und die Emotionen des Nutzers strapazieren.  Auf die Batterie gehen beide.

Der CDN-Dienstleister Cloudflare fängt inzwischen an, Accounts zu sperren, die ohne Einwilligung der Nutzer Kryptomining starten.

Wie kann man sich schützen? Adguard hat in die eigenen Adblocker bereits Filterregeln eingebaut.

Bei Gizmodo fand sich ein Hinweis:

How to Stop Pirate Bay and Other Sites From Hijacking Your CPU to Mine Cryptocoins

https://gizmodo.com/how-to-stop-pirate-bay-and-other-sites-from-hijacking-y-1818549856

Demnach genügt es, den Filter

https://coin-hive.com/lib/coinhive.min.js

im eigenen Adblocker zu setzen. Oder direkt die Domain coin-hive.com einzutragen, so daß der Filter auch dann noch funktioniert, falls sich diese Adresse ändern sollte.

Für Chrome gibt es einen expliziten Blocker:

https://chrome.google.com/webstore/detail/no-coin/gojamcfopckidlocpkbelmpjcgmbgjcl

Auch für FireFox gibt es ähnliche Angebote.

Kundengewinnung invers - britisches Fliesen-Unternehmen Casa Ceramica Tile Company baut sich grandiose optische Täuschung - aus Fliesen

14.10.2017 23:12:08, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wer neue Kunden gewinnen möchte, der muß sich etwas einfallen lassen. Nun kommt es ja in diversen Branchen auf eine hohe Exaktheit an. Was nutzt ein Haus, das schräg steht? Oder wie wäre das neue Bad, wenn die Fliesen mal so, mal so ausgerichtet wären?

Wenn also ein Fliesen-Unternehmen sich den Eingangsbereich seines Unternehmens mit Fliesen auslegt, dann liegt es nahe, daß dort besonders exakt gearbeitet wird. Schwarz-Weiß-Wechsel - ok, das ist einfach, das bekomme sogar ich hin. Und natürlich exakt eben sowie konstante Abstände zwischen den Platten.

Nur: Was heißt "Exaktheit" genau? Könnte es auch eine ganz andere Lösung geben?

Das britische Fliesen-Unternehmen Casa Ceramica Tile Company aus Manchester hat sich den "neuen Eingangsbereich" exakt fliesen lassen. Allerdings so, daß der - natürlich - waagerechte Boden wie abgesackt aussieht. Ein kleiner Absacker links, ein richtig großes Loch rechts. Und hinten sieht es auch noch arg wellig aus. Eine wunderbare optische Illusion.
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British Tile Company Creates an Amazing Curving Floor Optical Illusion for Their Showroom Entrance

https://laughingsquid.com/curving-floor-optical-illusion/

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Das sind also Fliesen, die nicht gleichmäßig quadratisch sind. Sondern von denen bald jede eine eigene Form haben dürfte. Das kleine Video

https://twitter.com/casaceramica/status/911324299767767040

zeigt, daß diese wohl sogar durchnummeriert waren. Ein Tweet vom Firmengründer drüber

https://twitter.com/DuncanCook10/status/911127680241881088

zeigt den Blick in den Flur von der anderen Seite. Da hat man den Eindruck, daß es doch irgendwie "ordentlich nach unten" geht.

Durch die zur Hälfte bis nach unten verglaste Eingangstür ist diese optische Täuschung auch für Passanten sichtbar, die zufällig am Gebäude vorbeikommen.

So daß sicher der eine oder andere auf die Idee kommt, gerade dieses Unternehmen zu beauftragen.

Fazit: Wer den Mut hat, in seiner "alten Branche" solche neuen Wege zu gehen und sich seinen Eingangsbereich so gestalten zu lassen. Und wer das nun auch noch per Twitter freimütig verbreitet, also über eigene Social-Media-Aktivitäten vervielfältigt. Der kann ganz neue Interessenten auf sich aufmerksam machen. Die nun bsp. womöglich einen Lieferanten für solch eine optische Täuschung suchen. Da liegt es nahe, dieses Unternehmen damit zu beauftragen.

Dies ist nun eine ganz eigene Form der Kundengewinnung. Weitab von jenen "ausgetretenen Pfaden" der Akquisition, die dieses Unternehmen gerne der Konkurrenz überlassen dürfte.

The trees, flowers and plants grow in silence ...

14.10.2017 02:40:27, Jürgen Auer, keine Kommentare

Man kann sich ständig mit Input versorgen. Für so manch einen ist es ja heute das Smartphone, nach dem in jeder verfügbaren Pause gegriffen wird. Oder es läuft ständig Musik. Für die einen per Ohrstöpsel. Die anderen setzen sich monumentale Kopfhöhrer auf, mit denen sie sich von der Umwelt abschotten, so daß sie keine Geräusche mehr wahrnehmen.

Dies beim Sich-Bewegen von hier nach dort, beim Warten, bei sportlichen Aktivitäten. Eine ständige Reizüberflutung mit zusätzlichen "hereinkommenden Daten".

Aber kann man so wirklich leben? Oder braucht es nicht immer wieder - das Gegenteil? Ausgedrückt in jener Formulierung, die sich in diesem Tweet fand:
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https://twitter.com/ramblingsloa/status/918189720047366144

> The trees, flowers and plants grow in silence
>
> The stars sun and moon move in silence.
>
> Silence gives us a new perspective.
>
> Mother Teresa

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Bäume, Blumen und Pflanzen: Sie wachsen in der Stille.

Die Sterne, die Sonne und der Mond: Sie bewegen sich in der Stille.

Stille gibt uns eine neue Perspektive.

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Komplexe Dinge, neue Dinge, individuelle Dinge: Die kann man nur entwickeln, wenn man immer mal wieder ganz abschaltet. Damit sich Gedanken sortieren können. Damit man Sackgassen der bisherigen Herangehensweisen entdecken kann.

Bei mir gibt es das ständig: Im Gespräch mit einem Kunden taucht irgendeine Fragestellung auf. Die ersten Lösungsansätze - sie sind meist nur zu 30 - 40 Prozent wirklich korrekt. Würde ich das sofort umsetzen: Dann wäre eine 40 % - Lösung implementiert. Bei der eine spätere Korrektur zusätzlich aufwendig wäre. Dann würde der Nutzer erst das lernen. Und müßte kurz darauf wieder umlernen.

Läßt man das dagegen einen Augenblick sacken. Womöglich nur eine Nacht. Dann stellt sich oft heraus: Ja, das geht so. Aber eigentlich geht es viel besser mit "gewissen Modifikationen". Nicht viel, aber entscheidend viel. So daß aus den 40 Prozent nun 60 - 70 Prozent werden. Dann denkt man nochmals drüber nach. Und kommt in den Bereich der 80 Prozent "brauchbare Lösung", die man nun auch im Kern implementieren kann. Der Rest findet sich schließlich von selbst.

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Insofern: Man kann von der Technik so manchesmal profitieren. Aber man kann sie auch ausschalten, den Stecker ziehen. Den ständigen Input in den eigenen Kopf stoppen. Um festzustellen. Daß das Leben dann eigentlich erst - so richtig beginnt.

Wer sich ständig mit neuen Inputs versorgt. Der kann nur reagieren. Erst der, der den Input von außen her stoppt. Der kann selbst aktiv werden. Und Neues - produzieren. Das es sonst nirgendwo so gibt. So daß sich daraus für einen selbst - neue Möglichkeiten ergeben.

Für Gründer und Unternehmer halte ich dieses "Immer wieder mal ganz leise sein" für essentiell. Sonst verstrickt man sich im Alltag. Springt nur planlos von Aktion zu Aktion. Und kümmert sich um zuviel Unwichtiges. Weil man die wichtigen Dinge - gar nicht mehr wahrnimmt.

Grade dann, wenn der Schreibtisch voll ist. Wenn es diverse Baustellen gibt, die Aufmerksamkeit wünschen: Wer da nur von Baustelle zu Baustelle springt.

Der wird in den Stürmen des Geschäfts - wohl eher untergehen.

Der dagegen, der sich immer wieder die Zeit nimmt. Das eigene Geschäft, das eigene Herumwuseln. Aus der Distanz zu betrachten. Der läßt sich zumindest selbst die Chance. Neue Prioritäten und Schwerpunkte zu entdecken. Die langfristig dafür sorgen, daß Stürme bewältigbar bleiben.

Das Hardenberg Berlin - ein Ausrufezeichen für das neue Berlin - vom Architekt Christoph Langhof - Politiker: Bewegt Euch!

13.10.2017 16:10:43, Jürgen Auer, keine Kommentare

Hier in Berlin gibt es die heilig-unheilige Traufhöhe. Die dafür sorgt, daß alles schön flach bleibt. Dabei ist der Platz in der Stadt knapp. Und der weitere Flächenverbrauch, der Grün- und Brachflächen kostet, ist eigentlich kaum mehr zu verantworten.

In anderen Städten gibt es längst weitaus weitergehende Lösungen: Die "vertikale Stadt": Hochhäuser, die mit viel Grün bestückt sind. Weil es diverse Erker und herausragende Flächen gibt, auf denen kleine Bäume oder Sträucher Platz finden.

Hier in Berlin sind solche Pläne bislang kaum vorhanden. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist das "Hardenberg Berlin" - Projekt des Architekten Christoph Langhof.
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Hardenberg Berlin

http://www.langhof.com/portfolio/hardenberg-berlin/

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Der Hardenbergplatz am Berliner Zoo-Bahnhof wäre der - prominente - Standort. 209 Meter Höhe, 52 Etagen. In der Nähe steht seit kurzem das "Upper West", ebenfalls von Christoph Langhof.

Ein PDF

http://www.langhof.com/wp-content/uploads/2015/10/LANGHOF_HARDENBERG_BERLIN.pdf

schlüsselt die Nutzung genauer auf. Unten soll es ein Hotel geben. Drüber Büros für die wachsende Stadt. Nochmals drüber Wohnungen. Ok, die wären teuer. Schließlich eine Skybar, ganz oben die Technik.

Dazwischen verjüngt sich das Haus. Was zusätzlichen Platz für Bepflanzungen schafft. Letzteres - die begrünte vertikale Stadt - wäre etwas, das Berlin dringend gut tun würde. Und wo Berlin gegenüber anderen Städten bereits deutlich hinterherhinkt.

So gibt es in Mailand die begrünten Hochhäuser Bosco Verticale:

Internationaler Hochhaus Preis 2014 geht an begrünte Wohnhochhäuser Bosco Verticale

https://www.baulinks.de/webplugin/2014/1941.php4

Ebenfalls mit vielen Erkern, die deutlich begrünt sind. Dafür gab es den Internationalen Hochhauspreis 2014.

In Kanada bauen penda + tmber ein 62-Meter-Holzhochhaus, das viel Platz für Grün bietet.

penda + tmber proposal for a timber tower bridges the gap between nature and culture

https://www.designboom.com/architecture/penda-architects-tree-tower-sustainable-timber-building-toronto-08-03-2017/

Ok, das ist als reines Holzhochhaus kleiner. Aber die 209 am Hardenbergplatz wären ein Ausrufezeichen. Vergleichbar dem Fernsehturm und dem Hotel daneben in der City Ost am Alexanderplatz. Von weither sichtbar.

Und Berlin? Berlin existiert da bislang nicht in einer solchen Liste, gehört da aber eigentlich mit dazu. Denn solche deutlich begrünten Hochhäuser gehen zum einen sparsamer mit der Bodenfläche um. Eben weil in die Höhe gebaut wird. Zum anderen schaffen sie durch diese diversen Erker weitere Lebensräume für Pflanzen und Tiere. So daß deutlich zusätzlicher Raum für Grünflächen entsteht. Die eben nicht nur für die unmittelbaren Bewohner und Nutzer der Büros die Lebensqualität verbessern. Sondern die sich mit Sicherheit auch merklich auf das Mikro-Stadtklima auswirken dürften.

Ganz im Gegensatz zu all jenen uniformen Gebäuden, die derzeit an vielen Stellen neu gebaut werden. Eingequetscht in die Traufhöhe wird eben versucht, den Platz maximal auszunutzen. Also entsteht ein kompakter Würfel. Die Verschandelung der Stadt für die nächsten Jahrzehnte.

Die Lösung bestünde eben darin, die Traufhöhe zu kippen. So daß Gebäude deutlich höher werden. Und deshalb Erker und Balkons bieten können, die von vornherein als Grünflächen angelegt sind. So daß die Gebäude deutlich höher, aber eben auch luftiger und filigraner, gegliederter wären.

Ein solches "Hardenberg Berlin" wäre ein Ausrufezeichen für eine neue Stadtentwicklung.

Cybercrime: Bereits jeder zweite Internetnutzer wurde Opfer - 43 Prozent Opfer von Schadprogrammen, jedem Fünften kamen Zugangsdaten abhanden - BITKOM-Umfrage

12.10.2017 18:44:57, Jürgen Auer, keine Kommentare

Das Internet ist für die allermeisten Menschen aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und wer Online-Dienstleistungen so wie ich betreibt, der weiß, daß es da diverse Herausforderungen in bezug auf die Sicherheit gibt.

Aber wieviele der Nutzer haben bereits die negative Erfahrung eines tatsächlichen Schadens gemacht? Eine repräsentative BITKOM-Umfrage kommt zu einer 50 % - Quote.
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Cybercrime: Jeder zweite Internetnutzer wurde Opfer

https://www.bitkom.org//Presse/Presseinformation/Cybercrime-Jeder-zweite-Internetnutzer-wurde-Opfer.html

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Insgesamt berichten 49 %, also knapp die Hälfte aller Befragten, von negativen Erfahrungen.

Der Spitzenreiter sind dabei Viren, damit haben 43 % aller Befragten schon Erlebnisse vorzuweisen. 19 Prozent berichten von abhandengekommenen Zugangsdaten zu Online-Diensten. Knapp dahinter (mit 18 Prozent) folgt die illegale Nutzung persönlicher Daten.

Bei den "abhandengekommenen Zugangsdaten" fehlt leider die Info, ob das auf Phishing oder aufgrund anderer Entwendungen geschah. Phishing wurde in anderen Untersuchungen bereits als ein zentrales Problem identifiziert. Umgekehrt können Viren auch Keylogger installieren, mit denen Zugangsdaten entwendet werden können.

16 Prozent berichten von Betrug beim Online-Shopping oder Online-Banking.

8 Prozent haben Erfahrungen mit massiven Beleidigungen gesammelt, 5 Prozent mit sexueller Belästigung.

Bei mehr als der Hälfte der Fälle (54 Prozent) gab es einen finanziellen Schaden. So mußten IT-Experten herangezogen werden (28 Prozent), um etwas zu reparieren. Oder es war neue Hardware notwendig (23 Prozent).

Bei 16 Prozent gab es einen finanziellen Schaden, weil bestellte Artikel nicht geliefert oder privat verschickte Artikel nicht bezahlt wurden. 8 Prozent wandten sich an einen Rechtsanwalt, 4 Prozent stolperten über fremde Transaktionen auf ihrem Konto bzw. ihren Kreditkarten-Zahlungen.

Die Reaktion in etwa 2/3 der Fälle: Keine (65 Prozent). 18 Prozent erstatteten Anzeige, 16 Prozent wandten sich an den Plattformbetreiber. 11 Prozent schalteten Beratungszentralen wie die Verbraucherzentrale ein, 5 Prozent informierten öffentliche Stellen darüber.

Warum wenden sich nicht mehr an die Polizei? Jeder zweite (45 Prozent), der keine Anzeige erstattete, meint, daß die Täter ohnehin nicht gefaßt werden. Jedem Dritten (34 Prozent) war der Aufwand zu hoch. 13 Prozent sprachen davon, daß Cybercrime nicht ernstgenommen werden würde. 12 Prozent meinten, daß der Fall ohnehin nicht verfolgt werden würde. 8 Prozent sagten, daß sich Ermittler damit ohnehin nicht auskennen würden. 5 Prozent wußten nicht, wen sie deshalb ansprechen könnten, 2 Prozent war das Thema unangenehm. 12 Prozent hatten allerdings die Sorge, daß der eigene PC beschlagnahmt werden könnte.

Die Erfahrungen mit einer Anzeige:

> Jeder Zweite (50 Prozent) gibt an, die Beamten hätten sehr kompetent gewirkt, was den Umgang mit Cybercrime angeht. Fast jeder Vierte (23 Prozent) sagt aber, dass die Beamten nicht den Eindruck gemacht hätten, die Vorgänge verstanden zu haben. Und ebenfalls jeder Vierte (25 Prozent) berichtet, die Beamten hätten versucht, ihn vom Erstatten der Anzeige abzuhalten.

Bei Anzeigen laufen die Fälle in 31 Prozent noch, 37 Prozent seien mangels Beweisen eingestellt worden. Nur in 7 Prozent der Anzeigen konnte ein Täter ermittelt werden.

Mails mit Viren dürfte ich so ziemlich täglich bekommen. Da darf man eben die Anhänge nicht öffnen. Selbst Online-Virenscanner erkennen oft nichts. Wer die öffnet, der muß mit dem Risiko leben. Eine Anzeige würde ich in so einem Fall bei Spammails, die weltweit verschickt werden, wohl auch nicht machen. Sondern mich an die eigene Nase fassen.

Anders sieht das bei unklaren Bankbewegungen oder bei verschickter Ware bzw. Vorkassebetrug aus. Da dürfte es zumindest in der Theorie eine gewisse Wahrscheinlichkeit geben, den Schaden zu minimieren. Umgekehrt ist das Kontrollieren der Bankkonten sehr viel einfacher geworden bzw. läßt sich häufiger durchführen, wenn man das online machen kann.

Gefühlt sind eigentlich 50 Prozent dieser deutlich negativen Erfahrungen viel zu hoch. Da 51 Prozent keine negativen Erfahrungen haben, haben diejenigen mit einem Schadenserlebnis eher mehrfach negative Erfahrungen gesammelt. Das legt nahe, daß erfahrene Nutzer das Risiko minimieren können.

Niederlande will ab 2030 nur noch emissionsfreie PKW zulassen - Pläne der neuen Vier-Parteien-Koalition

11.10.2017 18:19:35, Jürgen Auer, keine Kommentare

In den Niederlanden gibt es nach etwa 7 Monaten nun eine neue Regierungskoalition. Diese hat sich darauf geeinigt, daß ab 2030 keine Autos mit Benzin- oder Dieselantrieb mehr neu für den Straßenverkehr zugelassen werden.

Aktuell liegt der Anteil elektrisch betriebener Autos bei weniger als 2 Prozent.
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Niederlande: Ab 2030 sollen nur noch emissionsfreie Pkw auf die Straße

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Niederlande-Ab-2030-sollen-nur-noch-emissionsfreie-Pkw-auf-die-Strasse-3858413.html

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Allerdings wundert mich der Beschluß insofern, weil es schon vor etwa 1,5 Jahren einen Vorschlag der sozialdemokratischen Partij van de Arbeid gab, bereits ab 2025 keine Autos mit fossilem Antrieb neu zuzulassen. Dieser Vorschlag wurde von der zweiten Kammer des Parlaments angenommen.

Elektromobilität: Die Niederlande wollen Verbrennungsmotoren verbieten

http://www.golem.de/news/elektromobilitaet-die-niederlande-wollen-verbrennungsmotoren-verbieten-1604-120380.html

Etwas erinnert das an den Beschluß des Deutschen Bundestags vor etwa einem Jahr:

Europäische Strategie für emissionsarme Mobilität

http://www.bundesrat.de/DE/plenum/plenum-kompakt/16/948/948-pk.html?nn=4732016#top-70

Da hatte der Bundesrat vorgeschlagen, daß EU-weit die Anpassung von Steuern und Abgaben geprüft werden sollen, damit ab 2030 nur noch emissionsfreie PKW zugelassen werden.

> Die Kommission solle das bisherige Steuer- und Abgabesystem der Mitgliedstaaten auf ihre Wirksamkeit auswerten und Vorschläge zum effizienten Einsatz von steuerrechtlichen Instrumenten unterbreiten, damit spätestens ab dem Jahr 2030 unionsweit nur noch emissionsfreie Pkw zugelassen werden.

Der Beschluß war insofern etwas verblüffend, weil die Grünen das schon gefordert hatten. Nun wurde das aber als Bundesratsbeschluß auch von beiden großen Parteien mitgetragen.

Man kann nur hoffen, daß die womöglich vereinbarte Jamaika-Koalition in Deutschland da auch etwas mehr Druck dahinter macht. Auf daß das System von Ladestationen deutlich ausgebaut und der Anteil von E-Autos massiv ansteigt.

In den Niederlanden ist Fastned dafür zuständig, ein Netz aus Schnellladestationen auszubauen.

Eine Karte

https://fastned.nl/en/locations

zeigt diverse Standorte für diese Schnellladestationen, die ein Aufladen innerhalb von 20 Minuten ermöglichen sollen. Ein manuelles Durchzählen einer dortigen Liste ergab, daß es aktuell 63 Schnellladestationen gibt. Die Zahl dieser Ladestationen müßte sich in den nächsten Jahren deutlich steigern.

Pro Jahr müßte der Anteil von E-Autos um etwa 7,5 Prozent steigen, wenn das Ziel "2030 nur noch Neuzulassungen von E-Autos" erreicht werden soll (eine lineare Verteilung angenommen). Da wären also "gewaltige Sprünge" notwendig.

Deutlich ambitionierter ist dagegen Norwegen. Dort sollen bereits ab 2025 nur noch E-Autos neu zugelassen werden. Da es in allen Fällen Bestandsschutz für bestehende PKW gibt, wäre in Norwegen der gesamte Verkehr etwa 2050 auf E-Antrieb umgestellt. Noch ambitionierter ist Indien. Da sollen bereits 2030 nur noch Autos mit E-Antrieb unterwegs sein.

Großbritannien: Nutzer sollen schnelles Sonderkündigungsrecht bei zu geringem Datendurchsatz ihres Internetzugangs erhalten - Ankündigung der Regulierungsbehörde Ofcom

10.10.2017 18:56:12, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wer in Deutschland einen Internetzugang von bsp. 16 MBit/s bucht: Der bekommt noch lange keine 16 MBit. Denn hier heißt das "bis zu 16 MBit/s". Hier in Berlin komme ich zwar bei meinem Anschluß meist auf diesen Durchsatz. Aber es gibt genügend Berichte, daß dies eher die Ausnahme ist.

Bandbreiten von unter 50 % dessen, was eigentlich gebucht wurde, sind durchaus denkbar. Ein erhebliches Ärgernis. Was nutzt die "Breitbandinitiative", wenn zwar theoretisch jeder Nutzer 50 MBit/s buchen kann? Die Leitungen praktisch aber maximal die Hälfte davon hergeben? Anstatt 50 MBit/s zu buchen und 25 - 20 MBit/s zu erhalten, kann ich dann auch bei den wenigstens stabilen 16 MBit/s bleiben.

In Großbritannien hat die Ofcom, das Office of Communications, nun eine sehr weitgehende Regelung angekündigt. Demnach müssen Anbieter genauere Informationen über den Datendurchsatz bereitstellen. Kunden erhalten ein schnelles Sonderkündigungsrecht, falls der Durchsatz zu häufig unter das Minimum fällt.
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Better information before you buy broadband

https://www.ofcom.org.uk/about-ofcom/latest/media/media-releases/2017/better-information-buy-broadband

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Drei Punkte sind genannt:

- Anbieter müssen einen minimalen Datendurchsatz nennen. Und eventuelle Einschränkungen in Spitzenzeiten / peak times.

- Wenn der Durchsatz wiederholt schwächelt, hat der Anbieter einen Monat Zeit, das zu beheben. Gelingt das nicht, muß er den Kunden kostenlos ziehen lassen.

- Das soll für alle Breitbandtechnologien gelten.

Gillian Guy, Chief Executive of Citizens Advice:

> "For most people, a reliable broadband connection is a necessity - so when they don't get what they’ve paid for they should always have a quick and easy way out of their contract. These changes are an important step in giving consumers more power to hold their broadband provider to account for poor service."

Eine leistungsfähige Breitbandverbindung sei für viele Leute eine Notwendigkeit. Wer nicht das bekommt, was er bezahlt, soll eine schnelle und einfache Möglichkeit haben, aus dem Vertrag herauszukommen.

Vor dem Vertragsschluß müssen die Provider den garantierten minimalen Durchsatz angeben. Da gibt es ein interessantes Bildschirmphoto in dem Beitrag.

Die Spitzenzeiten sind ebenfalls vorgegeben.

> Peak times are 8-10pm for residential customers, and 12-2pm for businesses.

Die Regelung soll aktuell diskutiert und ab Anfang 2018 verbindlich werden.

Golem

Ofcom: Nutzer können bei schwachem Datendurchsatz sofort kündigen

https://www.golem.de/news/ofcom-nutzer-koennen-bei-schwachem-datendurchsatz-sofort-kuendigen-1710-130528.html

berichtet, daß es ein Sonderkündigungsrecht dann gibt, wenn die Datenrate an drei aufeinanderfolgenden Tagen unter dem vertraglich vereinbarten Mindestdurchsatz liegt. Der Dienstleister hat 30 Tage Zeit, das zu beheben. Gelingt es ihm in dieser Zeit nicht, greift das Sonderkündigungsrecht.

Eine analoge Regelung wäre für Deutschland dringend notwendig. Die ganzen "Breitbandinitiativen" sind etwas heiße Luft, wenn zwar theoretisch 50 MBit/s zur Verfügung stehen. Das aber praktisch nicht bereitgestellt, aber bezahlt wird.

Schliessung von Bankfilialen in Deutschland - seit 2000 jede vierte Zweigstelle geschlossen - höheres Schliessungstempo - Analyse KfW-Research und Universität Siegen

09.10.2017 17:07:44, Jürgen Auer, keine Kommentare

Im Jahr 2000 gab es 38.082 Bankfilialen in ganz Deutschland. Bis Ende 2015 wurden davon 10.200 Standorte geschlossen, also etwa jede vierte Filiale.

Das macht im Schnitt 680 Filialen pro Jahr, die dichtgemacht werden. Allerdings hat sich das Schließungstempo erhöht. 2014 / 2015 wurden zusammen 2.200 Filialen geschlossen, also im Schnitt 1.100 pro Jahr. Deutlich mehr als die durchschnittlich 680 pro Jahr.

Die Daten finden sich in einer Analyse von KfW-Research zusammen mit der Universität Siegen.
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KfW Research: Rückbau der Bankfilialen in Deutschland schreitet voran

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Details_436032.html

Das PDF mit den genauen Zahlen: Deutschlands Banken schalten bei Filialschließungen einen Gang höher – Herkulesaufgabe Digitalisierung

https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2017/Fokus-Nr.-181-Oktober-2017-Bankfilialen.pdf

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Alle Banktypen bauen in gleichem Maße Filialen ab. Der Unterschied zwischen dem Land und den Städten ist mit -27% zu -23% nicht mal so sonderlich groß.

Wesentlicher Grund: Die Digitalisierung, die dazu führt, daß Filialen kaum mehr genutzt werden. Stattdessen werden die Onlineangebote ausgebaut.

Im EU-Durchschnitt gibt es 3,7 Filialen pro 10.000 Einwohner. Deutschland liegt mit 3,5 Filialen knapp drunter.

Falls sich die Schließungen in demselben Tempo fortsetzen, wären im Jahr 2030 - 2035 nur noch die Hälfte der Filialen übrig, die es noch im Jahr 2000 gegeben hatte.

Wenn man sich die "Schließungsquoten pro Jahr" (PDF Seite 1) ansieht, dann fällt auf, daß die Jahre 2006 - 2013 geradezu gemütlich waren. Zweimal ein Rückgang von 1,7 %, ansonsten fast durchweg maximal nur 1 % pro Jahr. 2014 mit -3,3 % und 2015 mit -4,0 % lagen deutlich drüber.

Regional sind 94 % aller Kreise und kreisfreien Städte von Schließungen betroffen. Nur in 7 Regionen gibt es ein stabiles Netz, darunter in Hamburg, Cottbus und Emden.

Ferner gibt es 17 Regionen mit wachsenden Filialzahlen (PDF Seite 2):

> Spitzenreiter sind die Stadt Frankfurt (Oder) mit +59 % und der Landkreis Fürth +56 %.

Europaweit gibt es Länder mit deutlich schärferem Abbau.

> Spitzenreiter sind die Niederlande, mit einem Rückbau von 66 % der Bankfilialen zwischen 2000 und 2015, dicht gefolgt von Dänemark (-53 %) und Belgien (-48 %).

Verblüffend dabei: Manche Bankenmärkte wachsen sogar. In Frankreich und Portugal wuchs die Zahl der Filialen um jeweils fast 50 %. Wirkung: Frankreich hat etwa 10.000 Filialen mehr - bei etwa 14 Millionen weniger Einwohnern. Italien und Spanien haben jeweils deutlich weniger Einwohner als Deutschland - aber etwa genauso viele Filialen. Die Filialdichte ist dort also deutlich höher als in Deutschland.

Spanien kommt auf 6,7 Filialen pro 10.000 Einwohner, Frankreich auf 5,7 Filialen. Die Niederlande bilden mit 1,0 Filialen das Schlußlicht, gefolgt von Großbritannien mit 1,7 Filialen und Schweden mit 1,8 Filialen.

Für Deutschland gibt es drei Szenarien: Eine nur noch geringfügige Reduktion der Zahl der Filialen. Dann wären im Jahr 2035 etwa 25.000 Filialen zu erwarten.

Ein weiterer Rückgang um etwa 2 % pro Jahr. Dann gäbe es noch etwa 18.500 Filialen. Oder eine Verschärfung des Abbaus bei 3 % pro Jahr. Dann gäbe es noch etwa 15.000 Filialen.

Vergleicht man diese Prognosen allerdings mit den Werten anderer europäischer Länder, so kann man fragen: Wie schaffen das die Niederlande, mit so einem geringen Filialnetz klarzukommen? Und: Was ließe sich daraus für Deutschland lernen?

Dort ist eine Filiale für 10.000 Einwohner zuständig. Während in Deutschland aktuell eine Filiale etwa 2.900 Einwohner betreut.

Bundesgerichtshof: Sofortüberweisung ist als einzigste unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit nicht zumutbar, da es Kunden vertragswidriges Verhalten abverlangt - KZR 39/16

08.10.2017 20:17:03, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer online Artikel oder Dienstleistungen anbietet und zu diesen Zahlungsmöglichkeiten wie Rechnungskauf, Kreditkarte, PayPal und anderes anbietet: Der muß eine gängige und unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit anbieten.

Die Beklagte hatte auf ihrer Internetseite u.a. Flugreisen angeboten.

Die Bezahlung war mit Kreditkarte möglich. Mit einem Aufschlag von 12,90 Euro, also "durchaus happig". Alternativ war der Zahlungsdienstleister Sofortüberweisung als einzigste unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit angeboten.

Geklagt hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände - Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV). Dieser betrachtete Sofortüberweisung als nicht gängige, jedenfalls unzumutbare Zahlungsmöglichkeit. Denn bei Sofortüberweisung sei es notwendig, PIN und TAN auf einer Website einzugeben, die nicht von der eigenen Bank dafür legitimiert sei. Damit haftet der Kunde für mögliche Schäden in vollem Umfang und würde wissentlich gegen die AGB seiner Bank verstoßen.

Das Landgericht Frankfurt hatte der Klage stattgegeben. Im Rahmen des Berufungsverfahrens hatte das Bundeskartellamt mit Beschluß vom 29. Juni 2016 (B4-71/10) zwar festgestellt, daß die Beschlüsse der deutschen Kreditwirtschaft und der Bankenverbände hinsichtlich des Verbots, PIN und TAN außerhalb von explizit erlaubten Interneseiten einzugeben, rechtswidrig seien. Diese Regelungen (die von den allgemeinen Beschlüssen in die AGB der Banken übernommen wurden) würden gegen Kartellrecht verstoßen.

Die Berufung der Beklagten beim OLG Frankfurt führte zur Abweisung der Klage. Dagegen hatte der Kläger Revision eingelegt.

Der Bundesgerichtshof hat die OLG-Entscheidung verworfen und das LG-Urteil wiederhergestellt. Und fand dabei "deutliche Worte" zu Sofortüberweisung.

Das Urteil im Volltext (eingebundenes PDF):
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Urteil KZR 39/16 - 18.07.2017

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=79691&pos=0&anz=1


Der zweite Leitsatz ist deutlich:

> Ein  Zahlungssystem,  das  einem  erheblichen  Teil  der  Kunden  ein  vertragswidriges  Verhalten  abverlangt,  ist  als  einzige  unentgeltliche  Zahlungsmöglichkeit im Sinne von § 312a Abs. 4 Nr. 1 BGB nicht zumutbar.

Es könne dahinstehen, ob Sofortüberweisung ein "gängiges Zahlungsmittel" sei. Als einzigste unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit sei Sofortüberweisung jedenfalls nicht zumutbar. Denn die meisten Kunden könnten Sofortüberweisung nur nutzen, falls sie gegen die mit ihrer Bank vereinbarten AGB verstoßen würden.

Die konkreten Haftungsrisiken seien für Kunden nicht überschaubar.

Daß die AGB-Regelung womöglich gegen Kartellrecht verstößt, darauf käme es - entgegen der Meinung des Berufungsgerichts - nicht an. Zum einen sei der Beschluß des Bundeskartellamts noch nicht bestandskräftig. Zum anderen: Solange die Banken die entsprechenden Klauseln nicht entfernt hätten, müßte ein rechtstreuer Kunde, der Sofortüberweisung nutzen wolle, selbst die Kartellrechtswidrigkeit prüfen und durchsetzen. Das sei keine vertragliche Nebenpflicht des Kunden.

Für diese Einschätzung sei es auch unerheblich, daß Sofortüberweisung seit 2005 mehr als 100 Millionen Transaktionen ausgeführt habe. Denn (Seite 12 des Urteils):

> Es steht den Kunden frei, den Zahlungsauslösedienst der S. GmbH auf eigenes Risiko zu verwenden oder auf die Lektüre der Geschäftsbedingungen ihrer Bank zu verzichten.

Kunden können den Dienst also nutzen. Nur schließen die potentiell erheblichen rechtlichen Risiken einer Nutzung es aus, diesen Dienst als einzigste kostenlose Bezahlungsmöglichkeit anzubieten.

Händler können den Zahlungsdienst Sofortüberweisung also auch weiterhin anbieten.

> Ob die Kunden dann von der "Sofortüberweisung" Gebrauch machen, bleibt ihnen überlassen.

Händler dürfen den Dienst jedoch nicht als "einzigste kostenlose Zahlungsmöglichkeit" anbieten.

Wer das also bis jetzt gemacht hat: Der sollte seinen Online-Auftritt dringend überarbeiten.

Gigantische Reisstrohtiere bevölkern japanische Felder - das Wara Art Festival in Niigata City

07.10.2017 20:25:13, Jürgen Auer, ein Kommentar

Stroh? Das ist doch dieses Abfallprodukt von Getreide und Reis, das eben übrig bleibt. Das für Ställe genutzt wird oder zu riesigen Ballen gepresst wird.

In Japan werden aus Reisstroh noch ganz andere Dinge gemacht.

Das Wara Art Festival entstand 2008 in der japanischen Stadt Niigata City. Als eine kreative Zusammenarbeit zwischen der Tourismusabteilung und der Musashino Art University. Die Studenten bauten riesengroße Tierskulpturen.

Seither gibt es in jedem Jahr eine Neuauflage.
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Giant Straw Animals Invade Japanese Fields After Rice Harvest And They Are Absolutely Badass

https://www.boredpanda.com/straw-sculptures-wara-art-festival-niigata-japan/

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Das sind keine "kleinen Skulpturen". Sondern riesengroße Tiere, zwei bis drei Meter dürften das sein. BoredPanda zeigt nur die fertigen Skulpturen.

Auf der Facebook-Seite

Wara Art Festival

https://www.facebook.com/pg/waraartmatsuri/photos/

finden sich weiter unten Hinweise, wie diese Skulpturen entstehen. Es gibt hölzerne Gerüste, die einen Rahmen bilden. Auf diese Rahmen werden unzählige Strohbündel befestigt, so daß der Holzrahmen schließlich komplett unter dem Stroh verschwindet.

Das Ergebnis sind große Skulpturen, bei denen teils die Vollendung der weiter oben liegenden Bereiche eine ziemlich große Herausforderung darstellen.

https://www.facebook.com/waraartmatsuri/photos/a.441169942580368.102048.387338361296860/1888715041159177/?type=3&theater

zeigt so ein Beispiel: Die Hände des Gorillas oder des "affenähnlichen Ungeheuers" sind schon fertig. Der Kopf ist noch kahl, da gibt es nur ein Holzgerüst.

Aber die Klappleitern reichen grade mal bis zum aufgeklappten Unterkiefer.

https://www.facebook.com/waraartmatsuri/photos/a.1109107949119894.1073741829.387338361296860/1879003045463710/?type=3&theater

und

https://www.facebook.com/waraartmatsuri/photos/a.1109107949119894.1073741829.387338361296860/1876849702345711/?type=3&theater

zeigen, daß zusätzlich Stahlgerüste um die rohen Holzskelette herumgebaut wurden, um die Figuren mit Stroh zu vervollständigen.

Selbständigkeit und die Zeiteinteilung - japanisches karoshi darf kein Vorbild sein

06.10.2017 23:04:16, Jürgen Auer, ein Kommentar

Selbständigkeit wird von manch einem mit "selbst und ständig" übersetzt. Aber: Stimmt das? Oder ist das ein Mythos, den man sehr bewußt nicht umsetzen sollte?

Natürlich bedeutet Selbständigkeit, daß man immer wieder neu Dinge zu tun hat: Die eigentlichen Aufträge, mit denen das Geld verdient wird. Die machen nur einen Teil, teils sogar nur einen sehr kleinen Teil der eigenen Arbeit aus.

Hinzu kommen technische Dinge wie die Buchführung, die Steuern. Jetzt, zum Monatsanfang, natürlich auch die Umsatzsteuervoranmeldung. Die Pflege der Website und eigener Social-Media-Aktivitäten, wobei solche Tätigkeiten durchaus einen positiven Gegensatz zur eigenen Arbeit darstellen können. So daß sie konträr zur eigenen Arbeit wirken, damit eine ausgleichende Wirkung haben. Diverse denkbare Weiterbildungen. Im IT-Bereich gibt es da eigentlich sehr häufig etwas zu tun. Akquisition und Kundengewinnung, Gespräche mit Interessenten, ohne daß daraus Aufträge resultieren.

Aber gerade deshalb: Deshalb darf ein "Dauerarbeiten" kein Thema sein.

Eine Meldung aus Japan, gestern bei CNN veröffentlicht, macht das deutlich.
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Japanese reporter died after clocking 159 hours of overtime

http://money.cnn.com/2017/10/05/news/japan-work-overwork-woman-dies-karoshi/index.html

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Eine 31-jährige politische Reporterin in Japan starb 2013 an Herzversagen. Sie hatte in dem Monat vor ihrem Tod 159 Überstunden in einem Monat angesammelt.

Geht man von einer 40-Stunden-Woche aus, dann hat ein Monat etwa 160 Arbeitsstunden. Wenn dieselbe Zahl an Stunden nochmals draufkommt, dann heißt das: Die Reporterin hat entweder an jedem Werktag 16 Stunden gearbeitet. Oder - die etwa 320 Stunden im Monat verteilt auf 30 Tage inklusive Wochenende - pro Tag etwa 10,6 Stunden. Wenn man die Zahl betrachtet, dann dürfte so manch ein Selbständiger, aber auch bsp. Politiker, die ständig unterwegs sind, auf so ein Volumen von 10 - 12 Stunden pro Tag kommen.

Sprich: 10,6 Stunden pro Tag bedeutet für Angestellte eigentlich das "doppelte Pensum" eines Normalarbeitsverhältnisses. Das war in Japan zumindest für diese Angestellte tödlich.

In Japan scheint es das häufiger zu geben. Deshalb gibt es dort das Wort "karoshi": Tod durch Überarbeitung. Eine staatliche Studie, die im letzten Jahr in Japan publiziert wurde, kam zu dem Ergebnis, daß etwa 20 % der Angestellten Gefahr laufen, sich zu Tode zu arbeiten.

Aber sowohl für Angestellte als auch für Selbständige gilt doch: Überarbeiten kann nicht das Ziel sein. Und wer selbständig ist, weil er aus den Zwängen einer Angestelltentätigkeit heraus wollte. Weil er sein eigenes bisheriges Leben entschleunigen möchte. Für den gilt doch erst recht, daß es nun nicht sein Ziel sein kann: Daß er sich nun selbst so sehr stresst, daß sich daraus gesundheitliche Probleme entwickeln.

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Insofern: Wenn Sie selbständig sind bzw. wenn Sie überlegen, sich selbständig zu machen. Wenn Sie dabei Wochenendarbeit mit einplanen, was durchaus Vorteile haben kann. Etwa, weil man sich dann die Arbeitszeit elastischer verteilen kann. Dann gehen Sie lieber von durchschnittlichen Arbeitszeiten von unter acht Stunden pro Tag aus.

So daß Sie - pro Tag - genügend Zeit haben, sich nicht mit der Arbeit zu beschäftigen. Ihre Arbeit - wird es ihnen danken. Und Sie bleiben langfristig fitt.

Selbständigkeit darf Spaß machen. Richtig viel Spaß. Womöglich durchaus mehr Spaß als ein Arbeiten als Angestellter. Aber den Spaß gibt es nur dann, wenn es kein Überarbeiten und daraus resultierende gesundheitliche Probleme gibt.

Bundesgerichtshof: Welche Angaben zum Energieverbrauch gehören in Immobilienanzeigen? Notwendige Angaben sind zu nennen - I ZR 229/16, I ZR 232/16, I ZR 4/17

06.10.2017 16:20:55, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer eine Immobilie erwerben möchte und deshalb die Anzeigen von Maklern studiert: Welche Informationen müssen Makler zum Energieverbrauch nennen? Muß die Anzeige Informationen darüber enthalten, welcherart der Energieausweis ist? Welches der wesentliche Energieträger für die Heizung ist, wie alt das Gebäude ist und welche Energieeffizienzklasse es hat?

Die Deutsche Umwelthilfe hatte in drei Verfahren Makler auf Unterlassung nach § 3a UWG verklagt. In der ersten Instanz hatte das LG Münster den Beklagten antragsgemäß verurteilt, die Landgerichte Bielefeld und München II hatten zwei weitere Klagen abgewiesen. Alle drei Berufungsinstanzen hatten den Klagen stattgegeben.

Der Bundesgerichtshof hat mit gestrigen Urteilen zwei Revisionen dagegen zurückgewiesen, also die Entscheidungen der Oberlandesgerichte bestätigt. Im dritten Fall wurde die Entscheidung aufgehoben und zur erneuten Verhandlung zurückverwiesen, da eine weitere Beweisaufnahme erforderlich ist.
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Bundesgerichtshof zu Angaben über den Energieverbrauch in Immobilienanzeigen von Maklern

Urteile vom 5. Oktober 2017 – I ZR 229/16, I ZR 232/16, I ZR 4/17

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2017&Sort=3&nr=79679&pos=0&anz=156

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Angeboten waren Immobilien zur Miete oder zum Kauf.

> In den Anzeigen fehlten Angaben zur Art des Energieausweises, zum wesentlichen Energieträger für die Heizung des Wohngebäudes, zum Baujahr des Wohngebäudes oder zur Energieeffizienzklasse.

Der Unterlassungsanspruch nach § 3a UWG wurde abgelehnt. Stattdessen:

> Die Klägerin kann die Beklagten jedoch unter dem Gesichtspunkt einer Irreführung der Verbraucher durch Vorenthalten wesentlicher Informationen nach § 5a Abs. 2 UWG mit Erfolg in Anspruch nehmen.

Makler sind damit verpflichtet, notwendige Angaben zum Energieverbrauch in die Anzeige aufzunehmen.

Diese sind:

> Zu den wesentlichen Informationen, die angeführt werden müssen, rechnen die Art des Energieausweises, der wesentliche Energieträger, das Baujahr des Wohngebäudes, die Energieeffizienzklasse und der Wert des Endenergiebedarfs oder Endenergieverbrauchs.

Im noch offenen Fall war unklar, ob zum Zeitpunkt der Anzeigenschaltung ein Energieausweis vorlag oder nicht.

Sprich: Informationen wie das Baujahr und der wesentliche Energieträger, die bei jedem Haus bekannt sind, müssen zwingend in Anzeigen genannt werden. Sonst müssen die Immobilienmakler oder auch die Hausbesitzer bzw. -verwalter mit einer Abmahnung rechnen.

Bei Informationen wie dem Energieausweis hängt es davon ab, ob ein solcher zum Zeitpunkt der Anzeige bereits existierte.

Wohnungssuchende sollten umgekehrt eher mißtrauisch sein, wenn solche Angaben fehlen.

PostBOT - elektrisch fahrender Roboter unterstützt Postboten und transportiert Briefe - Praxistest der Deutschen Post in Bad Hersfeld

05.10.2017 17:27:54, Jürgen Auer, ein Kommentar
Der PostBOT im Einsatz

Bild: Pressematerial der Deutschen Post

Die Deutsche Post hat einen interessanten Praxistest in der "Smart City" Bad Hersfeld in Hessen gestartet.

Ein Roboter mit Elektroantrieb kann bis zu 150 kg Briefe und Päckchen tragen. Bei einer eigenen Höhe von etwa 1,5 Metern und einem Eigengewicht von 180 kg. Er folgt seinem Zusteller "auf Schritt und Tritt", ist wetterunempfindlich und erleichtert so den Postboten die Arbeit.
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Neuer Zustell-Roboter unterstützt Postboten beim Austragen ihrer Sendungen

http://www.dpdhl.com/de/presse/pressemitteilungen/2017/neuer_zustell_roboter_unterstuetzt_postboten.html

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Basis ist EffiBOT, ein Roboter der französischen Firma "Effidence S.A.S", der entsprechend ergänzt wurde. Die Beine "seines Zustellers" erkennt er und kann Hindernissen eigenständig ausweichen. Oder er stoppt, wenn sein Zusteller stoppt oder jemand dazwischen tritt.

Hier in Berlin sind inzwischen viele Postboten mit E-Bikes unterwegs. Wobei die Strecken vom Augsgangspostamt bis zum Verteilen oftmals im Bereich von mehreren Straßenbahnstationen liegen. Da wäre so ein PostBOT eher langsam, das E-Bike ist ideal. Wenn sich dagegen Mietshaus an Mietshaus reiht, lohnt das Fahren auf dem E-Bike kaum, weil die Strecken zu kurz sind.

Bad Hersfeld bekommt während der Testphase ebenfalls einen PostBOT zur Verfügung gestellt. Dieser soll die interne Postverteilung zwischen den verschiedenen Standorten erleichtern.

Bürgermeister Thomas Fehling:

> Überschaubare räumliche Dimensionen und eine engagierte Stadtverwaltung mit kurzen Wegen bei Planung und Genehmigung haben da wohl den Ausschlag gegeben. Der Test reiht sich optimal in unsere Smart City-Aktivitäten ein - mit einem sehr konkreten Nutzen, da wir uns erhoffen, dass in der Testphase die Post-Verteilung zwischen unseren Verwaltungsstandorten deutlich einfacher wird

Der Test soll mit sechs Wochen allerdings ziemlich kurz ausfallen. Das würde also nur den Oktober und etwa den halben November umfassen.

Etwa 8 Stunden reicht eine Akkuladung, die Maximalgeschwindigkeit liegt bei 6 km/h, also ein zügiges Gehen.

Zu dem EffiBOT gibt es hier

EffiBOT

http://www.effidence.com/effibot

einige Videos. So zeigt

17 Nov 2016: Effidence wins the DHL Robotics Challenge

https://www.youtube.com/watch?v=j5V9X-tvnb0

wie der Roboter (nur das Fahrgestell mit einer verkleinerten Auflage) unebenen Boden und schräge Auffahrten bewältigt. Dabei auch vor "schlechten Straßen" mit Laub und wassergefüllten Schlaglöchern nicht zurückschreckt.

Auch die Gewerkschaften begrüßen den Versuch. Postboten werden so von dem hohen Gewicht entlastet, wenn der PostBOT ihnen hinterherfährt. Briefe einwerfen kann er gar nicht. Bei 11.000 - 14.000 Schritten, die ein Postbote pro Tag zurücklegt, ist das eine deutliche Entlastung.

Die Post hat ohnehin einen Mitarbeitermangel. Um das Ersetzen von Mitarbeitern geht es nicht.

Rasende Autofahrer in der deutschen Grossstadt - Hamburg ist Spitzenreiter mit 18 Prozent Rasern - Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV)

04.10.2017 16:20:45, Jürgen Auer, ein Kommentar

Rasende Autofahrer gefährden sich und andere. Sie machen den Verkehr unruhig und gewinnen dabei selbst kaum Zeit. Aber in welcher der vier deutschen Großstädte Berlin, Hamburg, München und Köln wird eigentlich am meisten gerast?

Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) kommt zu einem interessanten Ergebnis: Hamburg steht nicht im Stau, sondern rast am meisten.
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Hamburg ist neue Metropole der Temposünder

https://udv.de/de/medien/mitteilungen/hamburg-neue-metropole-der-temposuender

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Etwa 440.000 Kraftfahrzeuge wurden gemessen, davon fuhren auf Tempo-50-Straßen knapp 80.000 zu schnell, damit etwa 18 %.

Der UDV-Leiter Siegfried Brockmann:

> „Obwohl sich viele Hamburger in einer ‘Staustadt‘ wähnen, wird auch hier gerast – und zwar nachts deutlich öfter als in den anderen Metropolen“

Die Messungen fanden vom März bis Juni in diesem Jahr statt, 43 Stellen wurden mit Meßgeräten bestückt.

In Hamburg zeigte sich dassselbe Bild wie in anderen Städten: Je niedriger die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist, umso eher wird sie übertreten.

Aus den 18 % Überschreitungen bei 50 Stundenkilometern wurden 54 % Überschreitungen bei 30 Stundenkilometern. Also fuhr bereits mehr als die Hälfte der Autofahrer zu schnell.

Die Unterschiede zwischen den Großstädten sind allerdings gravierend:

> „Damit haben die Hamburger auf Tempo-30-Strecken mit Abstand die schlechteste Geschwindigkeitsmoral“, sagt Brockmann (Berlin: 18 Prozent, Köln: 27 Prozent, München: 44 Prozent).

Berlin liegt mit 18 Prozent bei den Tempo-30-Strecken in dem Bereich, in dem Hamburg bei den Tempo-50-Strecken liegt.

Die Ausschilderung von Tempo-30-Zonen hilft nicht wirklich:

> In Tempo-30-Zonen sieht es nicht viel besser aus. Hier fuhren 41 Prozent schneller als 35 km/h. Im Durchschnitt kommt hier an einer der neun gemessenen Straßen alle vier Minuten ein Fahrzeug mit mehr als 50 km/h vorbei, alle 42 Minuten eines mit mehr als 60 km/h.

Interessant ist diese Quote: Alle vier Minuten ein Raser, der mit 50 km/h durchbrettert. Die Wahrscheinlichkeit, daß es da mal zu einem Unfall kommt, ist doch relativ hoch. Und wenn, dann hat ein Unfall bei 50 km/h deutlichere Folgen als ein Unfall mit 30 km/h.

Etwas, das ich auch hier bei mir in der Friedenstraße in Berlin-Friedrichshain immer wieder - grade am Abend - beobachte: Freifahrende Autos rasen eher als Kolonnen. Ist mehr los, bremst das die Raser.

Deshalb eine Schlußfolgerung der Forscher:

> Verkehrsteilnehmer, die sich an Tempolimits halten, sorgen insgesamt für eine Dämpfung des Geschwindigkeitsniveaus.

In Hamburg waren Motorradfahrer ein spezielles Problem. Die Quote der Übertretungen lag bis zu achtmal höher als jene von Autofahrern.

In den Jahren 2014 - 2016 gab es vergleichbare Studien für Berlin, Köln und München.

„Geschwindigkeitsmoral“ in Berlin recht gut – Einzelne Raser trüben das Bild

https://udv.de/de/medien/mitteilungen/geschwindigkeitsmoral-berlin-recht-gut

„Geschwindigkeitsmoral“ in Köln nicht so gut wie in Berlin

https://udv.de/de/medien/mitteilungen/koelner-schneller-unterwegs-berliner

München ist Metropole der Temposünder

https://udv.de/de/medien/mitteilungen/muenchen-metropole-der-temposuender

In Berlin lag 2014 die Quote der zu schnell fahrenden Autos in 50-km/h-Zonen bei grade mal 4 %. Auch 2014 gab es bereits den deutlichen Effekt des Pulks:

> „Je mehr Fahrzeuge sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, umso schwerer haben es die Schnellfahrer“, so der Leiter der UDV, Siegfried Brockmann, „Diejenigen, die vorschriftsmäßig unterwegs sind, tragen so zu mehr Verkehrssicherheit bei und sollten sich auf keinen Fall durch Drängler zu schnellerem Fahren verleiten lassen“.

Damals war die Rede davon, daß bei deutlichen Geschwindigkeitsüberschreitungen die Bußgelder überproportional erhöht werden sollten.

Der Tagesspiegel

Verkehr in Berlin Weniger Raser, mehr Aggressivität

http://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr-in-berlin-weniger-raser-mehr-aggressivitaet/20408288.html

zitiert Brockmann, der selbst erstaunt war, daß die Berliner Daten so positiv waren:

> „Es gibt hier offenbar eine Übereinkunft, dass es bis 60 km/h gerade noch okay ist. Darüber ist es sozial geächtet“

Teils wurden hier in Berlin ein paar Mal andere Geräte eingesetzt, um die Messungen explizit zu überprüfen. Das Bild war dasselbe: Eine geringe Quote von Rasern.

Vielleicht - so meine Spekulation - ist Berlin einfach "voll genug". So daß deshalb der soziale Druck steigt, das Rasen zu unterlassen.

Google scheint domaininterne Kurzlinks auf Artikel zu lieben - Struktur der Links auf einzelne Artikel innerhalb eines Content Management Systems (CMS)

03.10.2017 17:16:46, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man - als Entwickler - ein wie immer geartetes Content Management System entwickelt, mit dem regelmäßig Artikel veröffentlicht werden sollen:

Dann stellt sich die Frage: Wie soll man die Links zu den Artikeln gestalten?

Da finden sich unterschiedlichste Varianten.

Bsp. /2017/10/03/Artikelname/ für einen heute veröffentlichten Beitrag.

Wobei "Artikelname" den tatsächlichen Artikelnamen in Kleinbuchstaben enthält, bereinigt um alle Sonderzeichen.

Allerdings hat das einen entscheidenden Nachteil: Wenn im Artikelnamen einzelne Buchstaben fehlen oder zuviel sind, wird ein 404 Http-Statuscode, ein "nicht gefunden" ausgegeben.

Anstatt daß auf die korrekte Version weitergeleitet wird.

Problematisch kann das bei Schreibfehlern im Titel sein, die man erst hinterher bemerkt. Wenn der Link bereits bei Facebook, Twitter oder Xing geteilt wurde oder wenn der falsche Link bereits von Suchmaschinen gespidert wurde und erst dann angepaßt wird: Die Besucher über soziale Netzwerke und die Suchmaschinen laufen ins Leere.

Ich hatte deshalb hier eine andere Lösung entwickelt:

Einer Abfrage werden die beiden Url-Ausdrücke /path-1/path-2 übergeben. Wobei der Webserver bereits im Vorfeld versucht, alles nach dem letzten Bindestrich in path-2 abzuschneiden und als Zahl zu übergeben.

Dann gibt es drei Möglichkeiten:

  1. /path-1/ ist ein Datum der Form YYYY-MM-DD, also Jahr-Monat-Tag. /path-2/ ist der korrekte Titel eines Beitrags in Groß/Kleinschreibung, wobei diverse Sonderzeichen und deutsche Umlaute ersetzt werden: ä -> ae, ö -> oe usw., Leerzeichen, Fragezeichen, Komma, Punkt, Doppelpunkt und andere Sonderzeichen werden durch einen Bindestrich ersetzt. Der Beitrag hat die als Zahl übergebene ID. Dann ist die Url korrekt, es wird ein Status 200 zurückgegeben.
  2. /path-1/ ist ein Jahr, zu dem es Beiträge gibt, /path-2 ist leer. Dann ist die Url korrekt, eine spätere Abfrage gibt alle Beiträge aus diesem Jahr zurück.
  3. /path-1/ ist eine Kombination aus Jahr und Monat (YYYY-MM), /path-2 ist leer. Auch hier ist die Url korrekt, die spätere Abfrage liefert alle Beiträge zu dieser Kombination aus Jahr und Monat zurück.
  4. /path-1/ und /path-2 sind "irgendetwas", die übergebene Zahl ist die Zahl zu einem Beitrag. Dann wird die korrekte Url /Jahr-Monat-Tag/Beitragstitel-BeitragsId übergeben und per 301-Status darauf weitergeleitet.
  5. Keiner dieser Fälle trifft zu. Dann läßt sich die Url nicht auflösen. Die Abfrage gibt einen 404-Status (nicht gefunden) zurück.

Der Webserver prüft, ob ein 200 oder 404 von der Abfrage zurückgegeben wurde. In diesen Fällen läuft der Code weiter. Im 301-Fall wird per Http-Statuscode 301 auf die in einer zusätzlichen Spalte übergebene korrekte Url weitergeleitet.

Vom Sql-Code her ist das simpel: Man baut vier Einzelabfragen, welche in ihren Where-Bedingungen die Varianten 1 - 4 abfragen, hängt eine Spalte Position dran, die 1 = 10, 2 = 20 usw. codiert, kombiniert diese per UNION, sortiert nach der Position - Spalte und läßt sich nur die oberste Zeile per Top 1 zurückgeben. Unten hängt man noch eine fünfte Zeile dran, die 404 als Wert der entsprechenden Zelle zurückgibt.

Ergebnis: Beliebige Links der Form

https://blog.server-daten.de/de/irgend-etwas/etwas-anderes-39

leiten auf den Artikel mit der Id 39 (den hiesigen Artikel) weiter. Fehlerhafte Einträge werden mit einem 404 beantwortet. Fehlerhafte interne Verlinkungen lassen sich mit einem Tool wie Xenu finden und bereinigen. So daß es keine fehlerhaften internen Verlinkungen gibt. Fehlerhafte Verlinkungen kann es damit nur von außerhalb her geben.

Das ermöglicht Kurzlinks der Form https://blog.server-daten.de/de/-39, die ebenfalls auf den hiesigen Beitrag mit dem vollständigen Titel weiterleiten.

Ähnliches findet man bsp. bei Heise, die Kurzlinks der Form /-3849106 nutzen: Das leitet auf den Artikel mit der Id 3849106 weiter. Der Tagesspiegel nutzt Konstruktionen der Form /Ressort/Artikeltitel/BeitragsId.html. Da funktioniert /20402618.html und leitet auf /politik/deutsche-einheit-was-ost-von-west-unterscheidet-eine-aufzaehlung/20402618.html weiter, auch wenn dort (im Gegensatz zu Heise) die Kurzlinks gar nicht explizit zu finden sind.

Die eigentliche Verblüffung: Google scheint diese Kurzlinks zu lieben. Inzwischen sind einige der hiesigen Artikel nicht mit dem langen Link, sondern mit dem Kurzlink im Index zu finden.

Wenn man bsp. bei Google nach

wie man wahlen verliert facebook seehofer

sucht, findet man den hiesigen Artikel mit der Id 32. Aber nicht mit der langen Url. Sondern mit der Kurz-Url https://blog.server-daten.de/de/-32 ganz oben. Eigentlich waren diese Kurzlinks nur für Benutzer gedacht, die auf diese einfache Art Beiträge verlinken können. Bei Google hatte ich gedacht, daß Google diesen Links zwar einmal folgt. Sie ab dann aber ignoriert und nicht in den Index aufnimmt. Das ist eigentlich der Zweck eines 301 - MovedPermanently - Status.

Eigentlich sollten diese Links also niemals bei Google in den Ergebnislisten auftauchen. Warum einige der Beiträge dennoch auftauchen? Da kann ich nur spekulieren. Vielleicht "sieht" Google, daß die Wörter in der Url "im wesentlichen" den Wörtern im Titel entsprechen. Und zeigt die Kurzlinks an, um zu lange Titel in den Suchergebnissen zu vermeiden.

Wenn man sich die Liste der obigen Fundstellen ansieht, fällt auf, daß es diverse Zeitungen mit teils sehr langen Seiten-Urls gibt. So daß Google die Url für den Benutzer abschneidet und durch ... begrenzt. Da ist so ein kompakter Link mit grade mal 35 Zeichen (inklusive https) durchaus praktisch.

Ferner verwende ich intern (von den Tags her) ausschließlich die lange Version. Das bevorzugt also nicht die Kurzlinks. Diese tauchen immer nur einmal am Ende des jeweiligen Artikels auf.

Folglich: Wenn Sie überlegen, einen Blog oder etwas ähnliches aufzusetzen.

1. Das genutzte Content Management System sollte es sicherstellen, daß bei späteren Titeländerungen die bisherigen Links nicht ins Leere laufen, sondern korrekt weitergeleitet werden. Das erzwingt irgendeine Variante, bei der die Beitrags-Id in der Url ist. Ob diese per Bindestrich, per Punkt oder per /BeitragsId.html abgetrennt wird, ist dabei eher egal. Wobei die letztere Variante eigentlich zu teuer ist und nochmals 5 Zeichen mehr braucht.

2. Wenn (1) erfüllt ist, dann sollten Kurzlinks /-Id ebenfalls funktionieren. Dann bauen Sie solche Kurzlinks auch direkt ein. Ob solche zusätzlichen internen Verlinkungen nutzen, kann ich nicht beurteilen. Sie scheinen jedenfalls nicht zu schaden.

Mal sehen, wie sich das Verhältnis von Beitragslanglinks zu Beitragskurzlinks im Google-Index weiterentwickeln wird.

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Ergänzung 17:55: Das ist ja eine Überraschung. Ich sehe ins Protokoll, um 17:44 hatte sich der Microsoft Bingbot den hiesigen Artikel geholt. Den Bot hatte ich bis jetzt noch fast nicht gesehen. Dann überprüfe ich per site:blog.server-daten.de bei bing.com, wieviele Seiten dort drin sind. Und stelle um 17:46 fest, daß die grade gespiderte Seite bereits im Index ist. Die Suche nach

Google Kurzlinks

listet die Seite aktuell oben.

AG München: Handy gefunden, nach sechs Monaten rechtmässiger Besitzer - kein Anspruch auf Entsperrung - 213 C 7386/17

02.10.2017 15:05:26, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer ein Handy findet, der bringt das zum Fundbüro. Wenn das Handy nach sechs Monaten nicht abgeholt wird, erwirbt der Finder das Eigentum an dem Handy. So der einschlägige Paragraph § 973 BGB.

Aber wenn das Handy gesperrt ist: Kann der Finder eine Entsperrung beanspruchen?

Das Amtsgericht München hat ein solches Ansinnen nun abgelehnt. Mit Urteil vom 24.07.2017.
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Kein Finderglück mit einem gesperrten Handy

https://www.justiz.bayern.de/gerichte-und-behoerden/amtsgerichte/muenchen/presse/2017/69.php

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Gefunden wurde das Handy, ein iPhone, am 27.06.2016. Der Finder hatte es noch am gleichen Tag im Fundbüro abgegeben. Am 29.12.2016 war er der neue Eigentümer, da sich niemand gemeldet hatte.

Anschließend wollte er über den Apple-Support das Handy freischalten. Das verweigerte die Apple-Mitarbeiterin. Der Finder erhob Klage, die abgewiesen wurde.

Er sei zwar Eigentümer. Aber er habe das Eigentum an der Sache lediglich "ex nunc", in dem Zustand, in dem das Handy nach Ablauf der sechs Monate war. Das heißt, er sei Eigentümer an einem gesperrten Handy geworden.

> Ein freigeschaltetes iPhone war zu keinem Zeitpunkt Fundgegenstand.

Gegen eine Freischaltung würden auch erhebliche datenschutzrechtliche Bedenken stehen. Da der neue Besitzer dann Zugriff auf sämtliche Daten hätte.

> Dies soll das Sperren des Mobiltelefons jedoch gerade verhindern.

Der neue Besitzer hat nun also ein "dekoratives Stück Technik". Das er allerdings in keinster Weise nutzen kann.

Die Konsequenz wäre eigentlich: Findet man ein gesperrtes Handy, dann bringt man es zwar zum Fundbüro. Man beansprucht aber nach 6 Monaten (sofern das Handy nicht bis dahin abgeholt wurde) nicht, der neue Besitzer zu werden. Denn man kann es ja ohnehin nicht nutzen. Da die Apple-Id fest mit dem Gerät verknüpft ist, funktioniert auch ein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen nicht.

Persönlich verblüfft mich dabei allerdings: Theoretisch könnte doch Apple den rechtmäßigen Besitzer informieren bzw. das Fundbüro veranlassen, daß Apple das macht. Dann hätte dieser sein Gerät wieder - und der Finder könnte einen Finderlohn beanspruchen. Aber an der Stelle ist wahrscheinlich das Fundbüro zu sehr Behörde, so daß solche Aktivitäten unterbleiben.

Bundesverwaltungsgericht: Rundfunkbeitragspflicht für Hotelzimmer nur bei Empfangsmöglichkeit - Bundesverfassungsgericht verschickt umfangreichen Fragenkatalog an Landesregierungen - BVerwG 6 C 32.16

01.10.2017 17:45:56, Jürgen Auer, ein Kommentar

Das Bundesverwaltungsgericht hat - angesichts der Konstruktion des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags durchaus verblüffend - entschieden, daß es für Hotel- und Gästezimmer sowie für Ferienwohnungen nur dann eine Rundfunkbeitragspflicht pro Zimmer gilt, wenn in diesen Räumlichkeiten auch tatsächlich Rundfunk bzw. Fernsehen bereitgestellt wird.

Eigentlich müssen solche Betriebe für jedes Zimmer bzw. für jede Ferienwohnung einen Drittelbeitrag zahlen. Dabei ist das erste Zimmer beitragsfrei.

Geklagt hatte die Betreiberin eines Hostels in Neu-Ulm. In den Vorinstanzen war die Klage noch erfolglos geblieben.
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Rundfunkbeitragspflicht für Hotel- und Gästezimmer sowie Ferienwohnungen nur bei bereitgestellter Empfangsmöglichkeit verfassungsgemäß

http://bundesverwaltungsgericht.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung.php?jahr=2017&nr=66

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Das Urteil stellt zwar einerseits fest, daß die Beitragspflicht für Wohnungen und Betriebsstätten gültig sei. Bei einer zusätzlichen Beitragspflicht für Hotel- und Gästezimmer sei das aber anders. Hier sei es problemlos bereits aufgrund der Werbung der Hotels möglich, festzustellen, ob es in den Zimmern entsprechende Geräte gäbe.

> Die Ausstattung der Zimmer mit Empfangsgeräten oder Internetzugang gehört zu denjenigen Merkmalen, die das Geschäftsmodell des Inhabers prägen und daher z.B. Gegenstand von Internetauftritten, Werbeprospekten und Bewertungen von Gästen im Internet sind.

Damit sei es auch verfassungsrechtlich nur dann zu vertreten, daß der Rundfunkbeitrag dafür gezahlt wird, wenn es die Möglichkeit zum Empfang gibt.

Eine interessante Feststellung:

> Für die anderen erweist sich die Beitragsregelung als verfassungswidrig, weil der Gesetzgeber ihnen nicht den Nachweis ermöglicht hat, dass ihre Zimmer nicht mit Empfangsgeräten oder einem geeigneten Internetzugang ausgestattet sind.

Da das Berufungsgericht den Sachverhalt nicht aufgeklärt hat, geht das zurück. Wenn es entsprechende Geräte gibt, wäre die Betreiberin zahlungspflichtig. Gibt es entsprechende Geräte nicht, wäre

> die Frage der Verfassungsmäßigkeit des Beherbergungsbeitrags dem Bundesverfassungsgericht vorzulegen

Ferner berichtete die Neue Juristische Wochenschrift davon, daß sich das Bundesverfassungsgericht gerade mit dem Thema beschäftigt.
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Bundesverfassungsgericht rollt Rundfunkbeitrag auf

http://rsw.beck.de/cms/?toc=njw.root&docid=395070

Die Verfassungsrichter hätten einen umfangreichen Fragenkatalog u.a. an alle Landesregierungen geschickt.

> „Die Richter rollen mit ihrem Fragenkatalog das Thema komplett auf“, heißt es aus einer der Staatskanzleien. Zudem habe der Erste Senat unter Vorsitz von Ferdinand Kirchhof eine sehr kurze Frist für die Stellungnahmen gesetzt.

Persönlich halte ich diesen Rundfunkbeitrag für einen Treppenwitz der Geschichte. Ich lebe seit Jahrzehnten ohne Radio und ohne Fernsehen. Und meinen PC mit Internetzugang brauche ich zum Arbeiten. Mit Sicherheit nicht dafür, um mir irgendwelche Filme von ARD und ZDF anzusehen. Wer meint, daß Radio und Fernsehen zur "Grundversorgung" gehören, der möge mal abschalten. Er wird sein Leben neu genießen können. Im übrigen enthielt das Gutachten von Prof. Paul Kirchhoff, das der Systemumstellung zugrunde lag, die explizite Forderung nach einer Abmeldemöglichkeit.

Gutachten über die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

http://www.ard.de/download/398406/index.pdf

Zitat Seite 62:

> "Da der Beitrag in der Tradition des deutschen Beitragsrechts eher den öffentlich-rechtlichen Vorteilsausgleich regelt, den Vermögenswert eines Vorzugsangebotes abschöpft, den Interessenten an den Kosten einer öffentlichen, ihm einen individualisierbaren Vorteil anbietenden Einrichtung beteiligt, erscheint es um der Rechtssicherheit und der öffentlichen Akzeptanz willen geboten, eine widerlegbare Regelvermutung zu schaffen, also in der Beitragsbemessungsgrundlage eine allgemeine Nutzbarkeit des generellen Programmangebotes zu vermuten, dessen Widerlegung aber in einem individuellen Antragsverfahren zuzulassen."

Das ist zwar schwer verständliches Juristendeutsch, besagt aber im Kern: Es wird zwar vermutet, daß jeder das Angebot nutzt. Aber es müsse die Möglichkeit einer Widerlegung in einem individuellen Antragsverfahren geben. Das sei um der Rechtssicherheit und um der öffentlichen Akzeptanz willen geboten.

Eine "Versicherung an Eides statt" würde problemlos genügen, um jenen wenigen Personen eine Nichtzahlung zu erlauben, die das Angebot tatsächlich nicht nutzen. Jahrzehntelang ging das schließlich auch so. Aber dafür gibt es eben nun über 4 Millionen "offene Beitragkonten". Wohlgemerkt: Es geht nicht um Schwarzseher. Für die habe ich auch kein Verständnis. Sondern es geht um jene, die das Angebot explizit nicht nutzen. Von denen über 200 Euro pro Jahr abzuknöpfen ist indiskutabel.

Sprich: Die Länderparlamente haben sich bei der Formulierung des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags nur die Rosinen, die Pflichten für die Bürger herausgepickt. Die - laut Gutachten (!) - verfassungsrechtlich gebotene Möglichkeit einer Abmeldung haben die Länderparlamente unter den Tisch fallen lassen. Ein deutliches Indiz dafür, daß das Gesetz in der jetzigen Form - ohne individuelle Abmeldemöglichkeit - verfassungswidrig sein dürfte.

Insofern ist es interessant, daß sich nun das Bundesverfassungsgericht erneut mit dem Thema zu beschäftigen scheint. Mal sehen, was dabei herauskommt.

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Ergänzung (19:25):

Erst jetzt gelesen: Das LG Tübingen (das schon mehrere kritische Entscheidungen zum Rundfunkbeitrag getroffen hat) hat im August den Europäischen Gerichtshof eingeschaltet.

Rundfunkbeitrag wird dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt

https://www.heise.de/tp/features/Rundfunkbeitrag-wird-dem-Europaeischen-Gerichtshof-vorgelegt-3820760.html

U.a. mit der Frage, ob der Rundfunkbeitrag eine Beihilfe, also eine Subvention sei. Ferner soll der EuGH prüfen, ob es nicht dem europäischen Gleichbehandlungsgrundsatz widerspricht, daß öffentliche Behörden Bescheide ausstellen und vollstrecken können. Würde das gekippt, wäre das Inkassoprivileg hinfällig.

Angesichts dieser Fragen wirkt die plötzliche Eile des Bundesverfassungsgerichts in dieser Frage eher so, als ob die Verfassungsrichter die Sorge umtreibt, der Europäische Gerichtshof könne den bisherigen Rundfunkbeitrag sehr substantiell kippen. Pikant daran: Eine EuGH - Entscheidung könnte m.W. nach sofort gelten.

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Update II (21:20): In dem obigen Heise-Artikel ist der Beschluß des LG Tübingen verlinkt. Az. 5 T 20/17, 5 T 99/17 und 5 T 246/17

https://online-boykott.de/ablage/20170814-layla-sofan-beschluss-dr-sprissler-lg-tuebingen/20170814-02-layla-sofan-beschluss-dr-sprissler-lg-tuebingen-beschluss.pdf

Die Zusammenfassung bei Heise läßt einen wesentlichen Punkt weg.

Punkt 4 auf Seite 6 des PDF:

Da ist explizit die Frage gestellt, ob ein Sender einen Beitrag zur Finanzierung bußgeldbewehrt verlangen darf, unabhängig davon, ob der Zahlungspflichtige ein Empfangsgerät besitzt bzw. ob er ausschließlich ausländische bzw. private Sender nutzt.

Diese für Nicht-Radio und Nicht-Fernsehbesitzer zentrale Frage ist also ebenfalls dem EuGH vorgelegt worden. Da wundert es mich nicht mehr, daß das Bundesverfassungsgericht nun mit kurzen Fristen Anfragen stellt.

Dreidimensionaler Zebrastreifen - Isafjordur in Island bremst Autofahrer mit optischer Illusion - von Gusti Productions

30.09.2017 15:38:10, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn Autofahrer rasen: Wie kann man sie dann bremsen? Der Ort Ísafjörður, im hohen Nordwesten von Island zu finden, hat mit 2527 Einwohnern (Stand 2014) sicherlich nicht so ein riesengroßes Problem mit rasenden Autofahrern wie bsp. hier in Berlin, wo es immer wieder zu Unfällen aufgrund überhöhter Geschwindigkeit kommt.

Und doch gibt es dort von Gústi Productions eine interessante Lösung:

Ein Zebrastreifen, der aus der Entfernung dreidimensional wirkt. Wie weiße Betonklötze, die mitten auf der Straße stehen.

Das erste Photo direkt per Link:

https://www.facebook.com/gustiphotography/photos/a.280892131984233.66235.260825003990946/1663344027072363/?type=3&theater

Aktuell sind die Bilder ganz oben. In einigen Wochen, wenn neue Photos dazu kommen, wird dieser Link hoffentlich weiterhin funktionieren.

Ein kleines Video gibt es ebenfalls dazu auf YouTube:

Vegamálun GÍH

https://www.youtube.com/watch?v=szJbz-z7iJw

Interessant ist, wenn die Kamera verschiedene Perspektiven zeigt: Erst sieht man, daß alles nur flach auf den Boden aufgemalt ist. Wandert die Kamera weiter, springt das irgendwann um. Aus dem flachen, von der Seite her betrachtet kaum verständlichen Muster wird ein dreidimensionaler Zebrastreifen.

Die Infos zu Ísafjörður fanden sich hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%8Dsafj%C3%B6r%C3%B0ur

Hier in Berlin wäre so etwas zwar auch wünschenswert. Das würde sicherlich den einen oder anderen Raser bremsen.

Allerdings dürften hier die Behörden nicht mitspielen. Mit Sicherheit gibt es für Zebrastreifen Ausführungsvorschriften, die solche Lösungen nicht zulassen.

Don't worry about failures, worry about the chances you miss if you don't even try - Jack Canfield - Gründen heisst, Fehler zu machen und es erneut zu versuchen

29.09.2017 22:52:49, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer überlegt, zu gründen: Dem werden sich unzählige Fragen stellen. Die schrittweise bearbeitet werden müssen. Deren Prioritäten sich immer wieder ändern, sich verschieben, die neu gewichtet werden. Rechtsform, Kundengewinnung, Verwaltung, Buchhaltung, Steuern, die Website. Die eigentliche Kerndienstleistung, für die Kunden tatsächlich bezahlen, ist nur ein kleiner Teil dieser Aufgaben.

Die meisten Themen davon werden für Gründer immer wieder Neuland sein. Zu denen sie sich aus unterschiedlichsten Quellen schlau machen. Einzelne Punkte selbst erledigen. Anderes von externen Dienstleistern einkaufen und erledigen lassen.

Schließlich können sich auch die Rahmenbedingungen immer wieder mal ändern. Manches klappt, besser als man zunächst denkt. Anderes klappt überhaupt nicht. Gleichzeitig "geht" es irgendwie, so daß das Nicht-Klappen nicht mal so sehr ins Gewicht fällt. Und trotzdem können manche Schwächen bestehen bleiben, lassen sich irgendwie nicht so richtig knacken.

Die Fehler, die man dabei immer wieder macht: Die gibt es einfach gratis dazu. Manchmal stellt man fest, daß die Informationen unvollständig oder fehlerhaft waren. Oder es gibt diverse neue technische Probleme.

Aber immer gilt das, was dieser obige Satz von Jack Canfield so treffend ausdrückt:

https://twitter.com/Cindy_Locher/status/913413833292763136

Nur der, der immer wieder neu versucht, der damit immer wieder neu Fehler macht: Nur der kommt auch Schritt für Schritt voran.

Und wenn man Dinge diverse Male versucht und jedesmal erneut irgendetwas nicht so wirklich funktioniert: Dann lernt man doch bei jedem Mal wieder etwas dazu.

Technisch passiert mir das immer wieder innerhalb meiner eigenen Dienstleistung: Etwas funktioniert seit Jahren. Ich baue an einer Stelle etwas dazu. Und irgendwo ist da eben ein Fehler drin. So daß plötzlich "alte, funktionierende Stellen" nicht mehr funktionieren.

Meistens findet sich dann der Fehler doch relativ flott. Und ein Verzicht auf ein solches Dazubauen? Das kann nun wirklich keine Option sein. Schließlich ergibt sich ja der Wunsch, der dem Dazubauen zugrunde lag, praktisch immer aus neuen Ideen von Kunden. Auf die ich selbst nie gekommen wäre.

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Insofern: Sorgen Sie sich nicht um das Scheitern. Wer etwas Neues entwickelt, der scheitert ständig. Wirklich Sorgen machen muß man sich dann, wenn man vor lauter Sorge vor dem Scheitern - gar nichts mehr versucht. Das mag in gewissen Angestelltenpositionen gut gehen. Womöglich auch in großen Konzernen mit kleinen Nischen. Womöglich auch für einige Jahre, wenn das Geschäft "irgendwie so läuft".

Aber Gründer und Unternehmer, die nichts mehr versuchen. Die nichts mehr ausprobieren. Die nur noch im Alltagsgeschäft gefangen sind. Die laufen Gefahr, daß sie damit das Schicksal ihres Unternehmens besiegeln.

Das ist auch etwas das Risiko, wenn Kinder einen elterlichen Betrieb übernehmen, ohne selbst gegründet zu haben. Oder wenn Angestellte zu angestellten Geschäftsführern werden und einen laufenden Betrieb übernehmen. Ohne daß sie jemals in der Situation einer solchen "totalen Neugründung" gewesen wären, bei der die Strukturen von Null an erschaffen werden.

Ausprobieren. Gucken, was dabei herauskommt. Überprüfen. Und der nächste Zyklus beginnt. Nicht-mehr-Ausprobieren: Das geht nicht.

Bundesfinanzhof ändert Rechtsprechung zu eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen - keine nachträglichen Anschaffungskosten aus Bürgschaften im Insolvenzverfahren - IX R 36/15

29.09.2017 17:04:46, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wenn eine Kapitalgesellschaft (etwa eine GmbH) Geld braucht: Dann können bsp. Banken von Gesellschaftern eine persönliche Bürgschaft verlangen, um die Forderungen abzusichern. Geht die Kapitalgesellschaft in die Insolvenz, so daß die Forderungen nicht mehr bedient werden können: Dann kann die Bank das Geld von den Gesellschaftern verlangen, so daß diese mit ihrem Privatvermögen zahlungspflichtig sind.

Da die Gesellschafter das Geld nicht mehr von der Kapitalgesellschaft erhalten können (die ist insolvent), konnten Gesellschafter nach bisheriger Rechtsprechung diese Kosten als "nachträgliche Anschaffungskosten" auf ihre Beteiligung steuerlich geltend machen.

Das basierte auf dem Eigenkapitalersatzrecht, das aber aufgehoben und durch das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen vom 23. Oktober 2008 ersetzt wurde.

Mit dem Wegfall dieses Eigenkapitalersatzrechts ist nun auch die Möglichkeit entfallen, diese Kosten als nachträgliche Anschaffungskosten geltend zu machen.
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Rechtsprechungsänderung zu eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen - Urteil vom 11.7.2017   IX R 36/15

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&pm_nummer=0060/17

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Der nun behandelte Fall:

> In dem vom BFH entschiedenen, das Jahr 2010 betreffenden Fall, hatte ein Alleingesellschafter einer GmbH Bürgschaften für deren Bankverbindlichkeiten übernommen. In der Insolvenz der GmbH wurde er von der Gläubigerbank aus der Bürgschaft in Anspruch genommen. Da er mit seinem Regressanspruch gegen die insolvente GmbH ausgefallen war, begehrte er die steuerliche Berücksichtigung der in diesem Zusammenhang geleisteten Zahlungen auf der Grundlage der bisherigen Rechtsprechung.

Dies hat der Bundesfinanzhof nun gekippt. Im neuen Gesetz fehlt hierfür die Grundlage.

> Mit dem Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen vom 23. Oktober 2008 hat der Gesetzgeber allerdings das Eigenkapitalersatzrecht aufgehoben und durch eine insolvenzrechtliche Regelung ersetzt. Darlehen, die ein Gesellschafter seiner Gesellschaft gegeben hat, sind danach im Insolvenzverfahren der Gesellschaft nachrangig zu erfüllen. Eine Kapitalbindung tritt nicht mehr ein. Seitdem war umstritten und höchstrichterlich ungeklärt, welche Auswirkungen dies steuerrechtlich auf die Rechtsprechung zu nachträglichen Anschaffungskosten hat.

Die Konsequenz: Eine deutliche Einschränkung gegenüber den bisherigen Anrechnungsmöglichkeiten. Die nachträglichen Anschaffungskosten können nur noch nach der handelsrechtlichen Definition (§ 255 Handelsgesetzbuch) anerkannt werden.

> Darin liegt eine wesentliche Einschränkung gegenüber der bisherigen Praxis.

Allerdings gibt es einen deutlichen Vertrauensschutz. Alle eigenkapitalersetzenden Zahlungen, die bis zum 27.09.2017 (dem Tag der obigen Veröffentlichung) geleistet wurden, können nach dem bisherigen Recht entschieden werden. Sofern dies für den Steuerpflichtigen günstiger ist.

Ferner gibt es einen Hinweis auf die weitgehenden Folgewirkungen:

> Die Entscheidung des BFH hat große Auswirkung auf die Finanzierung von Kapitalgesellschaften durch Gesellschafterdarlehen und die Absicherung von Darlehen durch Bürgschaften des Gesellschafters. In einer Reihe weiterer Fälle wird der BFH demnächst die neuen Grundsätze konkretisieren.

Wer also Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft ist, die "etwas unterkapitalisiert" ist oder Verlust macht und wer bislang Werkzeuge wie Gesellschafterdarlehen u.ä. genutzt hat: Da dürfte es ab dem Stichtag 27.09.2017 zu wesentlichen Veränderungen kommen.

Tschüss Preisvergleichsportal: Autoversicherung HUK Coburg verlässt alle Vergleichsportale - zu teuer, an der Spitze oft abgespeckte Versicherungen

28.09.2017 12:57:38, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wer ein Unternehmen führt, der steht immer vor der Frage: Wie findet man regelmäßig neue Kunden? Mit dem Wachsen des Internets entstanden Vermittlerportale.

Diese listen verschiedenste Anbieter, die untereinander Konkurrenten sind. Die Portale verdienen durch Provisionszahlungen an der Vermittlung oder lassen sich die Listung direkt bezahlen (kostenlose Basismitgliedschaft ohne Link zur Website und ohne Logo versus kostenpflichtige Premiummitgliedschaft mit Link und Logo).

Das gibt es bei Versicherungen, für Strom-, Gas- und Telefon/Internettarife ebenso wie für Hotels, Girokonten und vieles mehr. Auch Lieferdienste haben für Restaurants eine ähnliche Vermittlungsposition eingenommen.

Personen, welche solche Dienstleistungen suchen, stehen damit immer vor der Wahl: Informiert man sich direkt über die Website der einzelnen Anbieter? Oder nutzt man ein solches Vergleichsportal? Was prompt zu der Frage führt: Nach welchen Kriterien sind dort die Anbieter gelistet. Steht der oben, der am meisten an den Betreiber zahlt?

So daß sich für die Dienstleister immer die Frage stellt: Verkaufen wir unsere Produkte / Dienstleistungen nur über die eigene Website und offline? Oder lassen wir uns zusätzlich dort listen? Mit der Konsequenz, daß dafür zusätzliche Kosten entstehen. Und mit dem Risiko einer Abhängigkeit von den Betreibern dieser Vermittlungsportale? Die sehr hoch werden kann, wenn ein Großteil der eigenen Kunden über diesen Weg kommt.

Die Autoversicherung HUK Coburg hat nun mitgeteilt, daß sie sich ab Oktober von allen Vergleichsportalen zurückziehen wird.
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„Vergleichsportale sind zu teuer“: HUK-COBURG-Produkte ab Oktober nur noch bei HUK-COBURG erhältlich

https://www.huk.de/presse/nachrichten/aktuelles/ausstieg-vergleichsportale.html

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Der wesentliche Grund laut Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der HUK-COBURG:

> „Unsere Autoversicherungen zählen preislich zu den günstigsten im Markt. Um diese Preisposition nicht zu gefährden, haben wir uns dazu entschieden, auf die relativ teuren Vergleichsportale zu verzichten und uns dort nicht mehr listen zu lassen.“

Praktisch möchte die Versicherung nicht mehr den Vermittlungsportalen hohe Vermittlungsgebühren bezahlen. Sondern stattdessen die Einsparungen lieber direkt an die Kunden weitergeben.

Dr. Jörg Rheinländer, für Autoversicherungen im Vorstand zuständig, verweist auf ein strukturelles Phänomen bei diesen Vergleichsportalen:

> „Oftmals handelt es sich bei Angeboten, die preislich an der Spitze stehen, um abgespeckte Produkte, bei denen wichtige Leistungen fehlen. Spätestens beim Schadenfall kann sich das dann rächen, wenn der Versicherungsnehmer sieht, dass sein Versicherungsschutz Lücken hat.“

Teils gäbe es auf den Portalen Tarife, die auf anderen Wegen gar nicht erhältlich seien. Teils gäbe es Tagespreise und Angebote, die es an einem Tag gibt. Am nächsten Tag seien sie verschwunden.

Erst im April 2017 gab es ein Urteil vom Bundesgerichtshof, das von den Vermittlungsportalen eine Aufklärung über die Provisionszahlungen forderte.

Bundesgerichtshof zu Informationspflichten eines Preisvergleichsportals im Internet - Urteil vom 27. April 2017 - I ZR 55/16 – Bestattungspreisvergleich

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2017&Sort=3&nr=78117&pos=3&anz=60

Da ging es um ein Portal, das nur jene Dienstleister listete, die zur Zahlung einer 15 % - Provision bereit waren. Diese Information durfte nicht bloß auf der Geschäftskundenseite zu finden sein. Sondern muß so eingefügt werden, daß der Verbraucher / der Nutzer des Portals diese zur Kenntnis nehmen kann.

Wenn sich ein Unternehmen eine eigene Marke, einen eigenen Namen aufbauen möchte: Da sind solche Vergleichsportale ohnehin kontraproduktiv. Man stelle sich ein solches Vergleichsportal einmal für Automarken vor: "Der VW ist aber günstiger als der Porsche".

Interessant wird sein, ob andere Autoversicherungen folgen werden und ebenfalls auf Vergleichsportale verzichten. Persönlich finde ich das nur konsequent. Denn ein Preisvergleichsportal erbringt nicht selbst jene eigentlichen Leistungen, für die der Kunde bezahlt. Sondern hat lediglich eine Zwischenposition und sollte die eigenen Kosten durch den IT-Einsatz minimal halten. Alles ab 10 % Vermittlungsprovision finde ich da persönlich zu hoch.

Wie man Wahlen verliert - die Facebook-Seiten von Politikern wie Horst Seehofer - keine Reaktion auf diverse Kommentare - Social-Media nur als Sprachrohr statt interaktiv

27.09.2017 16:09:20, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wer Social Media - Plattformen nutzt: Der muß sich fragen: Was will ich da eigentlich? Wer die Plattform jedenfalls nur verwendet, um eigene Statements zu posten, der muß sich nicht wundern, wenn ihm die Ergebnisse - etwa die letzte Bundestagswahl 2017 - um die Ohren fliegen.

Ein interessanter Beitrag bei Heise läßt ahnen, daß bei den großen Parteien so einiges im Argen liegt. Und daß diese Social Media bis heute nicht verstanden haben. Also doch "Neuland".
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Der missglückte Online-Wahlkampf von CDU und CSU

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Der-missglueckte-Online-Wahlkampf-von-CDU-und-CSU-3843345.html

Die Facebook-Seite von Horst Seehofer als Beispiel:

https://www.facebook.com/HorstSeehofer/

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Reihenweise Kommentare unter

https://www.facebook.com/HorstSeehofer/posts/10154975778303034

> Sehr geehrter Herr Seehofer , 38,5% in Bayern.... jeder bekommt was er verdient. Gute Ansätze.... raus kommt ein heißer Furz. Wer die Wähler an der Nase herum führt, wird abgestraft. Es gibt doch noch Gerechtigkeit.

Oder direkt gegen Politiker:

> Um sich dann wieder über 3 Jahre auszuruhen, Massen an Geld zu verdienen, keine Rentenbeiträge zahlen zu müssen und fette Pensionen abzukassieren. Beide Stimmen sicherlich nicht für CSU selbst wenn ich könnte.

Heise zitiert diverse Kommentare zur Flüchtlingspolitik. Und konstatiert:

> Das Erstaunliche: Es fehlte weitgehend die Reaktion der Wahlkampfteams von CDU und CSU – keine Erklärung der eigenen Politik, keine Richtigstellungsversuche von Falschbehauptungen, nichts.

Sprich: Die Facebook-Seiten der Politiker sind nicht Social-Media-Seiten, auf denen interagiert wird. Sondern sie sind Sprachrohr-Seiten, auf denen nur die eigenen Statements und Positionen eingestellt werden. Die Richtung ist klar: Wir stellen unsere Position ein. Ihr Wähler dürft das lesen. Der Rest - ist unbeachtetes Rauschen. Oder kurz gesagt: Eure Reaktionen interessieren uns nicht. Uns interessiert nur Eure Stimme.

Ein weiteres Zitat von der Facebook-Seite:

> Was soll ich sagen Herr Seehofer, man kann nicht in jedem Bett schlafen. Manchmal schläft es sich besser alleine. Meine Familie hat jahrzehntelang, quasi Familientradition, Ihre Partei gewählt. Die Zeiten sind vorbei. Seit 2013. Und ihr habt den Warnschuss nicht verstanden.

Wo man reinklickt: Praktisch ausschließlich kritische bzw. negative Positionen. Die "Realität" der offiziellen Einträge und die Realität der Kommentare läuft diametral auseinander.

Wenn sich ein Wähler unschlüssig ist und auf einer solche Seite nach Hinweisen sucht, weshalb er die Partei wählen könnte und dann einige Kommentare liest. Dann dürfte die Wahrscheinlichkeit einer solchen Wahl deutlich sinken.

Heise konstatiert per Überschrift:

> Soziale Medien nicht verstanden

Und zitiert den Parteichef-Vorgänger:

> Erwin Huber, Seehofers alter Widersacher und Vorgänger als Parteichef, hält die Strategie des weitgehenden Ignorierens für einen Fehler: "Aus meiner Sicht eine Unterlassung, die sich bitter gerächt hat."

Wobei ich das persönlich eher nicht glaube, daß Seehofer da noch umsteuern wird. Das wird eher per Abwahl enden als durch ein Umsteuern.

Interessant ist auch, daß die AfD in den Kommentaren zwar teilweise auftaucht. Der Ton ist aber oft durchaus ok. Von "nur hetzenden Anhängern anderer Parteien" kann eher nicht die Rede sein.

Wenn man sich klarmacht, daß politische Kampagnen - etwa die Brexit-Kampagne in Großbritannien - immer wieder stark auf Hausbesuche gesetzt haben, also auf direkte Gespräche: Dann ist das gänzliche Nicht-Reagieren über solche Kanäle bald schon tragisch.

Phishing is the new Black - 46000 neue Phishing-Websites pro Tag, Lebensdauer von 4 - 8 Stunden - statt Gieskannen-Prinzip spezielle Angriffe - Webroot-Studie

26.09.2017 18:44:07, Jürgen Auer, keine Kommentare

Phishing hat sich zu einer zentralen Angriffstechnik im Internet entwickelt. Obwohl - in der Theorie - Phishing, also das Abfischen von Nutzerdaten auf nachgemachten Websites - eigentlich sehr einfach erkannt und Angriffe darüber vermieden werden könnten, scheint sich der gegenteilige Trend entwickelt zu haben. Das Unternehmen Webroot hat dazu einen Report veröffentlicht. Mit teils erstaunlichen Daten.
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Quarterly Threat Trends: For vendors in the security industry, enterprises, and partners

https://www.webroot.com/us/en/business/resources/threat-trends/sept-2017

Das PDF (13 Seiten) als Direktlink:

SEPTEMBER 2017: QUARTERLY THREAT TRENDS: Phishing Attacks Growing in Scale and Sophistication

https://www.webroot.com/download_file/1595

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Der Report hebt gleich in der Einleitung hervor: Früher seien das eher krude Massenmails gewesen. Die darauf abzielten, möglichst viele Leute zum Draufklicken zu bewegen. Heute dagegen seien Phishing-Mails sehr viel gezielter auf Empfänger zugeschnitten. Sie seien damit schwieriger zu entdecken. Und noch schwieriger zu umgehen.

Im ersten Halbjahr 2017 gab es im Schnitt 1.385 Millionen neue Sites pro Monat. Mit einem Höhepunkt von 2,3 Millionen Sites im Mai. In den USA gibt es eine FBI-Schätzung, nach der durch Phishing Schäden von etwa 500 Millionen $ pro Jahr entstehen.

Nach einer Verizon-Statistik ist Phishing bei 90 % aller Sicherheitsvorfälle im Internet beteiligt.

Rechnet man den Monatsschnitt auf Tage runter, ergeben sich die etwa 46.000 neuen Phishing-Websites pro Tag. Damit:

> Today, it’s clear that putting together a list of bad URLs and blocking them will no longer work. No list, even if updated hourly, can hope to keep up with this volume of new sites.

Jedes Pflegen von Url-Listen scheitert an der schieren Fülle dieser Websites. Keine Liste könne das bewältigen, auch dann nicht, wenn sie stündlich aktualisiert wird.

Früher waren das "Mails an Millionen". Heute wird gezielt auf LinkedIn, Facebook und Twitter nach Opfern gesucht. Damit gehen Mails an Individuen oder kleine Gruppen. Ferner sind es scheinbar Bekannte, die diese Nachrichten versenden:

> Because the message is targeted, and the recipient believes that it comes from a trusted sender, the target is much more likely to open the email and click on a link or attachment.

Es wird also nicht nur nach Empfänger-, sondern auch nach Versenderadressen gesucht. Auf daß der Empfänger denkt, der Bekannte hätte die Nachricht geschickt. Sprich: Social Engineering-Techniken, die auf Daten in sozialen Netzwerken beruhen. Ein Spezialfall davon sind "whaling" - Attacken, die sich gegen CEOs und andere leitende Personen richten. Laut FBI gab es etwa 22.000 Attacken gezielt in diese Richtung. "CEO Fraud" geht ebenfalls in diese Richtung.

Hinzu kommen "Advanced Payloads": Es geht nicht nur drum, Logindaten abzufischen. Sondern zusätzlich soll Malware heruntergeladen und installiert werden. Eine gewaltige Zahl:

> 93% of all phishing emails now lead to ransomware

Typische Betreff-Zeilen verweisen auf unübliche Accountnutzung, eine Verifikation sei notwendig, ein Account wird geschlossen.

Ich hatte nach dem Domainumzug meiner sql-und-xml.de immer wieder Phishing-Mails erhalten, daß der Webspace voll sei. Dumm nur, wenn ich den Webserver selbst betreibe.

> These scare-tactic emails include links that take users to cleverly-executed web pages with the goal of heightening fear, implying that the user will suffer dire consequences unless action is taken immediately.

Mails sollen Angst auslösen, Nutzer sollen schnell handeln.

Die Lebensdauer von oft nur vier bis acht Stunden erschwert eine Erkennung von Phishing-Sites.

Die Phishing-Sites sind isoliert:

> the vast majority of phishing sites are presented as if they’re pages on a trusted domain, when instead they are disconnected pages with no inbound or outbound links.

Sie wirken (auf den ersten Blick) so, als würden sie zu großen Sites gehören. In Wirklichkeit sind das isolierte Sites ohne eingehende und ausgehende Links. Mit der Wirkung, daß die Sites für Suchmaschinen unsichtbar sind:

> This lack of links makes it impossible for web crawlers to find these pages, so they remain hidden.

Die Warnungen, die Google in Suchmaschinenergebnissen ausgibt, funktioniert also nur dann, wenn die Site "altbekannt" und gehackt wurde. Dann bemerkt Google Änderungen und gibt bei den Ergebnissen eine Warnung aus. Bei kurzlebigen Phishing-Sites können solche Warnungen nicht funktionieren.

Die Konsequenz: Es werden Techniken zur "real time url validation" benötigt. So daß Bots die Sites abrufen und per maschinellem Lernen prüfen, ob das eine Phishing-Site sein könnte. Wobei gleichzeitig Bildschirmphotos gemacht werden - falls es die Site in wenigen Stunden nicht mehr gibt.

Das Nachbauen von Originalseiten wird immer besser. Die Phishing-Sites wirken authentisch. Klar - mit Html geht das ja auch relativ einfach, man kann sich die ganzen Daten grabben.

Die meist gephishten Sites werden von Google (35 %) angeführt, gefolgt von Chase (15 %), Dropbox (13 %), PayPal (10 %) und Facebook (7 %). Dann folgen Apple (6 %), Yahoo (4 %), Citi (3 %) und Adobe (3 %). Wobei Yahoo, Apple und Wells Fargo 2016 in den Top 5 waren. Das hat sich aber massiv geändert: Yahoo von 20 % auf 4 %, Apple von 15 % auf 6 %.

Interessante Zahlen. Ich bekomme ja auch "In-sich-Phishing-Mails": Von info[at]sql-und-xml.de an tools[at]sql-und-xml.de, daß das Mailkonto überlaufen würde.

Eine Sache verstehe ich nicht ganz: Diese sehr vielen neuen Phishing-Sites erfordern es, daß die Domains registriert werden. Ließe sich nicht an dieser Stelle etwas machen?

Top 10 Startup-Delusions - zehn Startup-Illusionen - eine Slideshare-Darstellung von Vidar Andersen

25.09.2017 19:18:22, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer überlegt, zu gründen: Dem schwirren alle möglichen und unmöglichen Sorgen durch den Kopf. Aber was sind eigentlich die großen Illusionen, die sich Gründer gerne machen?

Vidar Andersen hatte auf der Maastricht Week of Entrepreneurship im Mai 2017 einen Vortrag zu den 10 größten Startup-Illusionen gehalten.

Diese gibt es inzwischen als Slideshare-Darstellung.
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Top 10 Startup Delusions

https://www.slideshare.net/blacktar/top-10-startup-deluisons

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Die 10 Punkte kompakt in absteigender Reihenfolge:

10. Ich muß dieses komplexe Ding mit allen Features bauen.
9. Alles geht als Solo-Gründer oder läßt sich outsourcen.
8. Es gibt keine Konkurrenten.
7. Die Technologie ist das größte Risiko.
6. Wir haben gelauncht - und sind damit fertig.
5. In drei Jahren werden wir Gewinn machen.
4. Keine Verkäufe, aber eine gefüllte Pipeline (B2B) oder 500 Zufallsnutzer nach 6 Monaten (B2C).
3. Kein Gespräch mit Kunden notwendig.
2. Alles, was ich brauche, ist ein Investor.
1. Gewinnen heißt, Geld einzuwerben und Awards zu gewinnen.

Stattdessen:

10. Einfachheit zählt, hunderttausend Features lenken nur ab.
9. Es gibt nicht unendlich viele Ressourcen, Auslagern kann auch nach hinten losgehen.
8. Konkurrenten gibt es - mehr als man denkt.
7. Die Kunden seien das größte Risiko. Wobei ich bei Kunden nicht von "Risiko" sprechen würde. Aber zum einen wird es zum Problem, wenn es zu wenige davon gibt. Zum anderen, wenn es sich um "unpassende Kunden" handelt, mit denen man sich in eine längerfristig falsche Richtung bewegt.
6. "Fire & Forget" ist grade im IT-Bereich die Regel. Aber für Startups gänzlich unbrauchbar. Eine "kontinuierliche Weiterentwicklung", bei der man auch niemals fertig wird, ist bzw. sollte der Normalfall sein.
5. Dazu gibt es eine schöne Folgeformulierung: Kein Businessplan habe jemals den ersten Kontakt mit Kunden überlebt.
4. Eine "Pipeline" gefüllt mit Arbeit ist irrelevant. Verkäufe zählen. Und im B2C-Bereich: Wachstum.
3. Umfragen unter Kunden sind keine Gespräche.
2. Da ist eine schöne Karikatur eingebunden: Ein Gründer hat eine "tolle Idee". Er braucht nur eine Seed-Finanzierung und einen Entwickler. Sein Gesprächspartner meint, der wirtschaftliche Ausdruck dafür sei: Der Gründer habe nichts. Kürzlich gab es den treffenden Ausdruck: Finanziers seien keine "Sugar-Daddies", die Geld zum Leben zur Verfügung stellen würden.
1. Funding und Awards = Startup-Theater. Stattdessen: Gewinn machen und wachsen.

Wer gründen will, der muß langfristig hinreichend viele Kunden finden. Da heißt es immer wieder neu: Zu schrauben, die eigenen Prinzipien und Darstellungen zu überprüfen. Auszuprobieren, testen. Wer sich da nur ums Funding, um das Einwerben von Gelder kümmert: Der läuft Gefahr, daß das Geld verplempert, verbrannt wird. Schönes Büro, aber am Ende pleite. Anstatt daß aus diesen Investitionen etwas Nachhaltiges gebaut wird.

Raindrop - ein stylischer Wassertank sammelt Regenwasser an der Regenrinne - vom niederländischen Designer Bas van der Veer

24.09.2017 18:55:40, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer einen Garten hat, der braucht immer mal wieder Wasser zum Gießen. Ok, man kann dafür Leitungswasser nutzen. Aber wenn das Haus ein einigermaßen großes Dach hat, dann ist es doch viel praktischer, wenn man das Wasser nutzen kann, das über die Regenrinne ohnehin abläuft.

Dafür kann man - mehr oder weniger schicke - Blechtonnen nutzen. Der niederländische Designer Bas van der Veer hat sich eine deutlich elegantere Lösung einfallen lassen.
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Raindrop

http://basvanderveer.nl/portfolio/raindrop-for-elho/

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Das ist eine Art tropfenförmiges Gebilde, das in die Regenrinne hineinmontiert wird. Oben kann direkt eine passende Gieskanne mit einer speziellen Form eingestellt werden.

Ergebnis: Wenn es regnet, wird zunächst die Gieskanne aufgefüllt. Läuft diese über, geht der Rest in den großen bauchigen Wassertank, der - optisch geschätzt - vielleicht 8 - 10 mal so viel Wasser aufnehmen kann.

Dieser hat unten einen Hahn, an den man einen Schlauch anschließen oder die Gieskanne wieder auffüllen kann.

Es gab eine Vorgängerarbeit "A Drop of Water", das war eine Graduiertenarbeit von Bas van der Veer von 2009.

Für die 2018-Saison wurde das Design überarbeitet, mit neuen Farben, einigen technischen Ergänzungen und einer neuen Oberfläche. 2018 soll "Raindrop" erhältlich sein. Regenrinnen von 50 - 80 Millimetern können so angezapft werden.

Laut Mashable

Modern gardeners, this raindrop-shaped rain collection tank will complete your yard

http://mashable.com/2017/09/21/raindrop-water-tank/

soll Raindrop für etwa 250 Euro erhältlich sein.

Bundesfinanzhof legt Frage zur Sollbesteuerung über zweijährige Vorfinanzierung EuGH vor - Frage von erheblichem Praxisbezug - V R 51/16

23.09.2017 20:35:40, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn kleinere Unternehmen Rechnungen schreiben, die Umsatzsteuer enthalten: Dann müssen sie die vereinnahmte Umsatzsteuer abzüglich selbst gezahlter Vorsteuern in der Regel erst dann ans Finanzamt abführen, wenn die Rechnung bezahlt wird. Bzw. umgekehrt: Sie können Vorsteuer aus selbst bezahlten Rechnungen erst dann geltend machen, wenn sie die Rechnungen tatsächlich bezahlt haben. Diese - in der Regel kleineren - Unternehmen unterliegen der Istbesteuerung.

Größere Unternehmen müssen dagegen ausgewiesene Umsatzsteuern in eigenen Rechnungen mit dem Datum der Rechnungsstellung erfassen und in der Regel binnen Monatsfrist ans Finanzamt abführen. Umgekehrt können diese Unternehmen Vorsteuerbeiträge aus erhaltenen Rechnungen sofort geltend machen. Auch dann, wenn sie die Rechnungen erst später bezahlen. Diese Unternehmen unterliegen der Sollbesteuerung.

Was aber ist, wenn ein Unternehmen für eine Dienstleistung eine Rechnung schreibt, die erst über mehrere Jahre hinweg bezahlt wird? Etwa, weil es sich um die Vermittlung eines Fussballspielers handelt und bestimmte Zahlungen erst dann erfolgen, wenn der Fussballspieler ein zweites Jahr nach der Vermittlung noch einen Arbeitsvertrag hat. Ähnliches gilt bei Ratenkäufen über einen längeren Zeitraum.

Über Jahrzehnte hinweg war es gängige Besteuerungspraxis, daß das rechnungstellende Unternehmen auch in diesen Fällen die in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer sofort abführen muß. Mit der Wirkung, daß Leistungen bsp. 2012 zu versteuern sind, bei denen die Zahlungen erst 2015 beansprucht werden konnten.

Offenkundig kann die Liquidität eines Unternehmens ganz empfindlich von solchen sofortigen Zahlungen abhängen.

Der Bundesfinanzhof stellt nun diese bis jetzt praktizierte Besteuerungspraxis infrage. Und unterbricht deshalb ein Verfahren, um dem Europäischen Gerichtshof diese Frage im Rahmen eines Vorabentscheidungsersuchens vorzulegen.
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Umsatzsteuer: EuGH-Vorlagen zur Sollbesteuerung und zur Margenbesteuerung

Beschluss vom 21.6.2017   V R 51/16
Beschluss vom 3.8.2017   V R 60/16

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&nr=35012&pos=0&anz=59

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> Der Bundesfinanzhof (BFH) zweifelt an der bislang uneingeschränkt angenommenen Pflicht zur Vorfinanzierung der Umsatzsteuer durch den zur Sollbesteuerung verpflichteten Unternehmer und am Ausschluss des ermäßigten Steuersatzes bei der Überlassung von Ferienwohnungen im Rahmen der sog. Margenbesteuerung.

Der Fall mit der in voraus zu zahlenden Umsatzsteuer: Es ging um eine Spielervermittlerin im Fußball.

> Bei der Vermittlung von Profifußballspielern erhielt sie Provisionszahlungen von den aufnehmenden Fußballvereinen. Der Vergütungsanspruch für die Vermittlung setzte dem Grunde nach voraus, dass der Spieler beim neuen Verein einen Arbeitsvertrag unterschrieb und die DFL-GmbH als Lizenzgeber dem Spieler eine Spielerlaubnis erteilte. Die Provisionszahlungen waren in Raten verteilt auf die Laufzeit des Arbeitsvertrages zu leisten, wobei die Fälligkeit und das Bestehen der einzelnen Ratenansprüche unter der Bedingung des Fortbestehens des Arbeitsvertrages zwischen Verein und Spieler standen.

Da kann also so einiges dazwischenkommen, so daß der Vertrag bsp. über drei Jahre läuft, die Zahlungen im dritten Jahr aber aufgrund einer veränderten Situation nicht mehr fällig sind. Das Finanzamt orientierte sich an der bisherigen Praxis:

> Das Finanzamt (FA) ging davon aus, dass die Klägerin ihre im Streitjahr 2012 erbrachten Vermittlungsleistungen auch insoweit bereits in 2012 zu versteuern habe, als sie Entgeltbestandteile für die Vermittlungen vertragsgemäß erst im Jahr 2015 beanspruchen konnte.

Der Bundesfinanzhof bezweifelt, daß diese Praxis mit der Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem vereinbar ist. Deshalb:

> Auf seine Vorlage soll der EuGH insbesondere entscheiden, ob der Steuerpflichtige verpflichtet ist, die für die Leistung geschuldete Steuer für einen Zeitraum von zwei Jahren vorzufinanzieren, wenn er die Vergütung für seine Leistung (teilweise) erst zwei Jahre nach Entstehung des Steuertatbestands erhalten kann.

Ferner wird in der Pressemitteilung ausdrücklich auf die hohe Praxisbedeutung hingewiesen.

> Die dem EuGH in dieser Rechtssache vorgelegten Fragen sind von erheblicher Praxisbedeutung. Sie beziehen sich in erster Linie auf bedingte Vergütungsansprüche, können aber auch bei befristeten Zahlungsansprüchen wie etwa beim Ratenverkauf im Einzelhandel oder bei einzelnen Formen des Leasings von Bedeutung sein. Auch hier besteht nach gegenwärtiger Praxis für den der Sollbesteuerung unterliegenden Unternehmer die Pflicht, die Umsatzsteuer für die Warenlieferung bereits mit der Übergabe der Ware vollständig abführen zu müssen. Dies gilt nach bisheriger Praxis auch dann, wenn er einzelne Ratenzahlungen erst über eine Laufzeit von mehreren Jahren vereinnahmen kann.

Wer also solche Rechnungen schreibt, die Zahlungen über mehrere Jahre hinweg vorsehen und wer gleichzeitig der Sollbesteuerung unterliegt: Für den könnten sich in Zukunft - in Abhängigkeit von der EuGH-Entscheidung - deutliche Veränderungen ergeben.

Von gebremsten Rasern - Entschleunigung in der Großstadt Berlin - der Zebrastreifen vor der Spartacus-Grundschule in der Friedenstrasse beruhigt den Kiez

22.09.2017 23:55:33, Jürgen Auer, keine Kommentare

Im Sommer 2015 wurde gebaut. Im November 2015 war das schließlich fertig. Hier, in der Friedenstraße in Friedrichshain, neben der Spartacus-Grundschule.

Zum einen wurden auf dem Straßenabschnitt vor dem Umweltforum in beide Richtungen die Fahrspuren von zwei Spuren auf je eine Spur verringert. Der freiwerdende Platz wurde zu Parkplätzen umgewidmet, gleichzeitig fielen die Parkplätze auf dem Mittelstreifen weg.

Zum anderen gab es dann einen Zebrastreifen. Der vorrangig von den Schülern der direkt daneben liegenden Spartacus-Grundschule genutzt wird.

Ein Suchen per Google listete Berichte über die "Posse von Friedrichshain". Und die Feststellung, daß dieser Zebrastreifen 120.000 Euro gekostet habe, das Dreifache des Normalpreises von 40.000 Euro. Keine Rede davon, daß auf knapp hundert Metern die Hälfte der bisherigen Fahrbahnen in Parkplätze umgewandelt wurde und an der eigentlichen Stelle des Zebrastreifens der Mittelstreifen um zwei große Nasen erweitert wurde. Mit entsprechender Neuverlegung der Bordsteinkanten und diversen Pfosten, die Autofahrern das Hineinfahren in diesen Bereich untersagen. Daß dies deutlich über einen "gewöhnlichen Zebrastreifen" hinausgeht, ist offenkundig.

Allerdings: Die Verkehrslenkung Berlin hatte den 2010 vorgetragenen Wunsch einer Mutter nach einem Zebrastreifen an dieser Stelle abgelehnt. Die Fahrbahn mit je zwei Spuren in jede Richtung sei für einen Zebrastreifen zu breit. Also wurde schließlich die Fahrbahn verengt, die beiden "Nasen" gebaut. Und die beiden Zebrastreifen führen nun lediglich über je eine Fahrbahn. Zusätzlich ist die Fläche auf dem Mittelstreifen deutlich größer geworden. Bei der Überquerung durch Schulklassen ist das auch sinnvoll.

Das Ergebnis für den Kiez: Dieser Spurverengung auf eine Spur je Richtung wirkt sich seither geradezu dramatisch auf die Lebensqualität im Kiez aus.

Denn bis dahin gab es regelmäßig Raser. In beide Richtungen. Klar: Die Friedenstraße ist hier völlig gerade, da kann man so richtig Gas geben.

Seit der Fertigstellung des Zebrastreifens hat sich das jedoch deutlich verändert. Die Autos fahren, wenn sie bsp. von der Karl-Marx-Allee kommen, deutlich langsamer als früher. Weil sie wissen bzw. bereits sehen, daß sich die zwei Spuren auf eine Spur verengen und sich die Autos auf der linken Spur einfädeln müssen.

In der umgekehrten Richtung gilt dasselbe.

Wie groß das Problem der Raser immer noch ist, sieht man an einer erschreckenden Kleinigkeit: Von den auf dem Vorschaubild sichtbaren Pfosten - ist immer mal wieder einer plattgefahren. So daß Autos mit hoher Geschwindigkeit dort fahren, zu spät einfädeln und dann gegen einen dieser Pfosten krachen.

Fazit: Zum einen scheinen sich Journalisten nicht unbedingt die Gegebenheiten vor Ort angesehen zu haben. Sonst hätte deutlich werden müssen, daß erheblich mehr als nur ein Zebrastreifen gebaut wurde.

Zum anderen: Als ob es auf diesen etwa 850 Metern zwischen der Karl-Marx-Allee und der Kreuzung zur Landsberger Allee irgendeinen Sinn machen würde, zu rasen. Autofahrer, die auf einem solchen Abschnitt aufs Gaspedal drücken. Die gefährden sich und andere. So werden sie zur Entschleunigung gebracht. Durch eine "große Engstelle" auf halbem Weg. Mit der Wirkung, daß man auch an der anderen Seite der neuen Engstelle nun weitaus sicherer die Straße überqueren kann. Obwohl es dort keinen Zebrastreifen gibt. In dem Bereich davor, von der Landsberger Allee her kommend: Da wird eben an der Kreuzung zur Friedrichsberger Straße längst nicht mehr so aufs Tempo gedrückt. Der Zebrastreifen ist durch das drüber hängende Verkehrsschild bereits sichtbar. Nach der Engstelle ist die Strecke für neue Rasereien eher zu kurz.

Der Beitrag vom Dezember 2015:

Farce in Friedrichshain: Fünf Jahre Planung und 120.000 Euro für einen Zebrastreifen!

http://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/fuenf-jahre-planung-und-120-000-euro-fuer-einen-zebrastreifen

Google-Maps zeigt übrigens noch die ursprüngliche Situation. Wenn man per Google-Maps nach Umweltforum Berlin sucht, findet man das leicht.

Bundesgerichtshof: Bildersuche durch Suchmaschinen grundsätzlich keine Urheberrechtsverletzung - Vorschaubilder III - I ZR 11/16

22.09.2017 13:17:28, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer Texte und Bilder ohne Zugriffsschutz ins Internet stellt, der muß damit rechnen, daß dieses urheberrechtlich geschützte Material von Lesern und Suchmaschinen gefunden wird. Letztere kopieren die Inhalte und bieten Nutzern eine Suchmöglichkeit an.

Aber wie verhält sich das mit dem Urheberrecht, wenn ein Anbieter (der Kläger in diesem Verfahren) Bilder nur in einem passwortgeschützten Bereich anbietet. Nutzer laden diese Bilder herunter, laden sie an frei zugänglichen Stellen wieder hoch. Suchmaschinen finden diese Bilder und zeigen sie in den Suchergebnissen an.

Einen solchen Fall hat der Bundesgerichtshof nun entschieden. Und diesen in der Pressemitteilung als "Vorschaubilder III" bezeichnet. Es gibt bereits zwei Entscheidungen zu demselben Themenkomplex vom April 2010 und vom Oktober 2011.
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Keine Urheberrechtsverletzung bei der Bildersuche durch Suchmaschinen: Urteil vom 21. September 2017 - I ZR 11/16 - Vorschaubilder III

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2017&Sort=3&nr=79566&pos=0&anz=146

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Der Hauptsatz:

> Der unter anderem für das Urheberrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute entschieden, dass eine Anzeige von urheberrechtlich geschützten Bildern, die von Suchmaschinen im Internet aufgefunden worden sind, grundsätzlich keine Urheberrechte verletzt.

Die Klägerin hatte erotische Bilder angeboten. Kostenpflichtig und per Passwort geschützt, also für Suchmaschinen unzugänglich. Laut Pressemitteilung durften die Bilder von den Nutzern heruntergeladen werden (aber eben nicht wieder hochgeladen werden).

Beklagter war AOL mit der dortigen, von Google genutzten Bildersuche. Die Klägerin

> sieht in der Anzeige der Vorschaubilder auf der Internetseite der Beklagten eine Verletzung ihrer urheberrechtlichen Nutzungsrechte und hat diese auf Unterlassung, Auskunftserteilung und Schadensersatz in Anspruch genommen.

Das Landgericht Hamburg hatte die Klage bereits abgewiesen. Die Berufung blieb beim OLG Hamburg ohne Erfolg. Die Revision dagegen hat der Bundesgerichtshof nun zurückgewiesen.

Grundlage der BGH-Entscheidung ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs.

> Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union (GRUR 2016, 1152 - GS Media/Sanoma u.a.) stellt das Setzen eines Links auf eine frei zugängliche Internetseite, auf der urheberrechtlich geschützte Werke ohne Erlaubnis des Rechtsinhabers eingestellt sind, nur dann eine öffentliche Wiedergabe dar, wenn der Verlinkende die Rechtswidrigkeit der Veröffentlichung der Werke auf der anderen Internetseite kannte oder vernünftigerweise kennen konnte.

Das Internet sei für die Meinungs- und Informationsfreiheit von besonderer Bedeutung, Links würden zum "guten Funktionieren" beitragen. Die Kernfrage damit: Konnte die Beklagte die Rechtswidrigkeit dieser Bilder kennen? Nein.

> Im Streitfall musste die Beklagte nicht damit rechnen, dass die Fotografien unerlaubt in die von der Suchmaschine aufgefundenen Internetseiten eingestellt worden waren.

Wichtig dabei: Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen manuell gesetzten Links auf Seiten mit Gewinnerzielungsabsicht. Und Links, die von Suchmaschinen bereitgestellt werden.

Bei Links auf Seiten mit Gewinnerzielungsabsicht auf rechtswidrige Inhalte gibt es eine widerlegbare Vermutung, daß diese in Kenntnis der fehlenden Erlaubnis gesetzt wurden.

> Diese Bewertung beruht auf der Annahme, dass von demjenigen, der Links mit Gewinnerzielungsabsicht setzt, erwartet werden kann, dass er sich vor der öffentlichen Wiedergabe vergewissert, dass die Werke auf der verlinkten Internetseite nicht unbefugt veröffentlicht worden sind.

Allerdings gilt dieses Kriterium bei händisch gesetzten Links nicht für Suchmaschinen:

> Diese Vermutung gilt wegen der besonderen Bedeutung von Internetsuchdiensten für die Funktionsfähigkeit des Internets jedoch nicht für Suchmaschinen und für Links, die zu einer Suchmaschine gesetzt werden.

Denn diese arbeitet mit automatisierten Verfahren, das schließt eine manuelle Überprüfung aus.

Im vorliegenden Fall hätte der Suchmaschinenanbieter von der Rechtswidrigkeit der gefundenen Bilder wissen müssen. Das konnte aber das Berufungsgericht rechtsfehlerfrei nicht feststellen. Damit die Zurückweisung der Revision.

Wer die beiden älteren Urteile zu diesem Komplex nicht kennt: Vorschaubilder I:

Keine Urheberrechtsverletzung durch Bildersuche bei Google - Urteil vom 29. April 2010 – I ZR 69/08 – Vorschaubilder

Zulässigkeit der Bildersuche bei Google

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=51777&linked=pm

Das Urteil besagt im wesentlichen: Wer Bilder ins Internet stellt, sie damit Suchmaschinen zugänglich macht und keine Sperre (robots.txt, Zugriffsbeschränkung) einbaut, erklärt damit sein Einverständnis, daß die Werke im Rahmen von Suchmaschinen angezeigt werden.


Bundesgerichtshof entscheidet erneut über die urheberrechtliche Zulässigkeit der Bildersuche bei Google - Urteil vom 19. Oktober 2011 - I ZR 140/10 - Vorschaubilder II

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&Sort=12288&anz=665&pos=7&nr=57881&linked=pm&Blank=1

"Vorschaubilder II" dehnte das auf die Fälle aus, in welchen Urheber Dritten das Recht einräumen, Bilder im Internet öffentlich zugänglich zu machen. Daraus ergibt sich das Recht der Suchmaschinen, diese Bilder anzeigen zu dürfen. Veröffentlichen zusätzlich weitere Internetseiten dieselben Bilder ohne Genehmigung, dann kann der Rechteinhaber gegen diese direkt vorgehen. Die Klage gegen Google wurde aber abgewiesen.

Das jetzige Urteil "Vorschaubilder III" geht über diesen Fall hinaus, da hier niemand die Berechtigung hatte, die Bilder ungeschützt zu veröffentlichen. Da Google dies nicht erkennen kann, dürfen die Bilder trotzdem angezeigt werden.

Persönlich verblüfft mich die Argumentation aus einem anderen Grund: Erst, wenn man über eine Suchmaschine solche unberechtigt eingestellten Bilder findet, kann man als Inhaber der Rechte gegen diese Seiten vorgehen. Der Rechteinhaber profitiert also davon, daß die Suchmaschine ständig das Internet nach Material durchforstet.

Bei Heise

BGH: Googles Bildersuche verletzt Urheberrecht nicht

https://www.heise.de/newsticker/meldung/BGH-Googles-Bildersuche-verletzt-Urheberrecht-nicht-3837840.html

wird darauf verwiesen, daß sich das Urteil noch auf die alte Google-Bildersuche bezieht. Diese zeigte stark verkleinerte Photos (Thumbnails) an. Inzwischen zeigt Google Bilder an, die nur noch leicht verkleinert sind. Da läuft eine Klage beim LG Hamburg.

Wählen gehen - sonst ist alles Käse - cooles Video zur Bundestagswahl 2017 von Kein Veedel für Rassismus

21.09.2017 17:50:19, Jürgen Auer, 3 Kommentare

Am Sonntag ist Bundestagswahl. Gehen Sie wählen? Wenn Sie nicht wählen gehen: Dann ist jedenfalls alles Käse.

Ein cooles Video gibt es dazu von "Kein Veedel für Rassismus".
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Aus dem Leben eines Nichtwählers

https://www.facebook.com/KeinVeedelfuerRassismus/videos/784502088400992/

Die Facebook-Hauptseite:

https://www.facebook.com/pg/KeinVeedelfuerRassismus/videos/

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Der Nichtwähler kann sich angesichts der vielen Käsesorten nicht entscheiden. Es sei doch alles Käse. Also wählt die Verkäuferin einen Käse für ihn aus und packt den ein. Ein großes Stück, sicherlich ein teurer Edelkäse.

An der Kasse wundert er sich dann, daß der so teuer sei. Und kann sich nicht entscheiden, wie er bezahlen soll. Bar oder per Karte.

So geht es eben dem Nichtwähler. Er muß das nehmen, was ihm vorgesetzt wird.

Dem Hinweis auf der Facebook-Seite

> Ob Nichtwähler die stärkste Partei bleiben, entscheidet ihr am 24. September!

kann ich nur zustimmen.

Insofern: Wählen Sie. Falls Sie nicht schon per Briefwahl gewählt haben. Hier in Berlin gibt es zusätzlich den Volksentscheid zum Flughafen Tegel. Klar - ein innerstädtischer Flughafen mag bequem sein, das BER-Desaster ist offenkundig. Aber hunderttausende, die vom Fluglärm betroffen sind, sollten endlich ihre Ruhe bekommen. Eine solche innerstädtische Fläche ist zu schade, um für einen Flughafen genutzt zu werden. Stattdessen sollte der Platz für Wohnungen und Gewerbe genutzt werden.

Landgericht Berlin: Vorschrift über Mietpreisbremse sei verfassungswidrig - da Fall entschieden, keine Weiterverweisung ans Bundesverfassungsgericht - Hinweisbeschluss 67 S 149/17

20.09.2017 17:15:05, Jürgen Auer, keine Kommentare

Die Mietpreisbremse, per Bundesgesetz festgelegt, soll eigentlich das Steigen der Mieten in Großstädten bremsen.

Das Landgericht Berlin hat nun als erstes Gericht darüber informiert, daß es die Vorschriften zur Mietpreisbremse für verfassungswidrig hält.
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Landgericht Berlin hält Vorschrift über Mietpreisbremse für verfassungswidrig (PM 55/2017)

Pressemitteilung vom 19.09.2017

https://www.berlin.de/gerichte/presse/pressemitteilungen-der-ordentlichen-gerichtsbarkeit/2017/pressemitteilung.632168.php

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Es gab einen Hinweisbeschluß der 67. Zivilkammer vom 14. September 2017. In diesem begründete die Kammer ausführlich ihre Position und teilte mit, daß sie beabsichtige, den Rechtsstreit auszusetzen und eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts einzuholen, ob die Vorschrift mit dem Grundgesetz vereinbar sei.

In der Verhandlung wurden allerdings weitere Sachverhalte vorgetragen. Damit konnte das Gericht den vorliegenden Fall selbst entscheiden.

Die Gründe für die Verfassungswidrigkeit:

Vermieter würden unterschiedlich behandelt.

> Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz gebiete dem Gesetzgeber, wesentlich Gleiches gleich zu behandeln. Soweit der Gesetzgeber Differenzierungen vornehme, müssten diese durch Gründe gerechtfertigt werden, die dem Ziel der Differenzierung und dem Ausmaß der Ungleichbehandlung angemessen seien.

Das sei bei dem strittigen Paragraph nicht beachtet worden, deshalb sei in unzulässiger Weise in die das Recht der Mietvetragsparteien eingegriffen worden, den Mietpreis zu regeln.

So sei als Vergleichsmaßstab die ortsübliche Vergleichsmiete gewählt worden. Diese betrage in München 12,28 € für 2016, in Berlin dagegen 7,14 € (Berlin West).

> Damit habe der Gesetzgeber eine Bezugsgröße gewählt, die Vermieter in unterschiedlichen Städten wesentlich ungleich treffe. Weder der Gesetzeszweck noch die mit der gesetzlichen Regelung verbundenen Vorteile noch sonstige Sachgründe rechtfertigten dies.

Ein zweiter Punkt sei, daß jene Vermieter, die schon in der Vergangenheit immer den Mieterhöhungsspielraum ausgeschöpft hätten, nun bevorzugt werden. Sie müßten ihre Mieten nicht senken.

>  Denn diese Vermieter dürften bei einer Neuvermietung die „alte“ Miete weiterhin unbeanstandet verlangen. Ein Bestandsschutz für diese „alte“ Miete könne jedoch bei einer Neuvermietung nicht angenommen werden.

Diejenigen Vermieter, die in der Vergangenheit maßvoll die Miete erhöht erhätten, würden erheblich gegenüber jenen Vermietern benachteiligt werden, die durch das Ausschöpfen des Spielraums stärker zur Wohnraumverknappung beigetragen hätten.

Den Hinweisbeschluß gibt es als PDF zum Download:

https://www.berlin.de/gerichte/kammergericht/presse/67-s-149-17-hinweisbeschluss-vom-14-09-2017-anonymisiert.pdf

Laut dem Tagesspiegel

Wohnungspolitik: Berliner Landgericht stuft Mietpreisbremse als verfassungswidrig ein

http://www.tagesspiegel.de/berlin/wohnungspolitik-berliner-landgericht-stuft-mietpreisbremse-als-verfassungswidrig-ein/20349550.html

rechnen Experten damit, daß bald ein vergleichbarer Rechtsfall ausgesetzt und zur Einholung einer Entscheidung an das Bundesverfassungsgericht weitergeleitet wird.

Interessant finde ich den Hinweis, daß das Gericht darauf verweist, daß bei einer Neuvermietung die Miete womöglich gesenkt werden müsse. Das könnte eine gewisse Bremse für die Mieten bedeuten.

Mozilla FireFox Browser führt Multi Account Container für getrennte Online-Aktivitäten ein - ideal bsp. zur Verwaltung mehrerer Twitter-Accounts

19.09.2017 17:24:41, Jürgen Auer, ein Kommentar

Wer viel online unterwegs ist, der ist manchmal in verschiedenen Funktionen unterwegs: Privat, für Bankgeschäfte, als Angestellter oder auch womöglich als Selbständiger, der für unterschiedliche Unternehmen tätig ist.

Um da eine bessere Trennung zu ermöglichen, hat FireFox nun eine Erweiterung für "multiple Persönlichkeiten" entwickelt: Die Multi-Account-Container.
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Put your multiple online personalities in Firefox Multi-Account Containers

https://blog.mozilla.org/firefox/introducing-firefox-multi-account-containers/

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Wenn man sich das Addon installiert, gibt es eine neue Schaltfläche "Multi-Account-Containers". Klickt man sich durch die ersten Hinweise durch, gibt es vier vorgegebene Container "Privat", "Arbeit", "Banking" und "Einkaufen". Man kann per "Edit Containers" die Container umbenennen oder per "+" neue hinzufügen.

Öffnet man einen dieser Container, dann ist das zunächst ein neuer Tab mit einer Signalfarbe.

Jeder Container hat seine eigene Cookie-Sammlung und nutzt einen eigenen Cache. Man kann also bsp. in zwei verschiedenen Containern zwei verschiedene Twitter-Accounts (beruflich und privat) managen. Oder die Facebook-Nutzung in einen eigenen Container abtrennen. Das hieße auch, daß seitenübergreifende Cookies nicht mehr aus solchen Containern heraus können: Wer privat shoppt, der erhält nicht mehr im Arbeit-Container Hinweise auf seine privaten Vorlieben bzw. entsprechend angepaßte Werbung.

Laut Heise

Firefox: "Multi-Account Containers" für getrennte Online-Identitäten

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Firefox-Multi-Account-Containers-fuer-getrennte-Online-Identitaeten-3834831.html

teilen sich alle Container die Chronik, die gespeicherten Passwörter und die Logindaten.

Eine Möglichkeit: In einem Tab ist man auf Twitter / Xing / Facebook eingeloggt. Im Tab daneben ist man anonym unterwegs, weil der in einem gesonderten Container läuft.

Für mich persönlich sehe ich das aktuell als nicht so wahnsinnig relevant an. Aber das hängt mehr mit meinen Nutzungsgewohnheiten und mit meinem sehr seltenen Online-Einkaufen zusammen. Wer dagegen als Selbständiger mit unterschiedlichen Unternehmen zusammenarbeitet und bsp. verschiedene Twitter-Accounts betreut: Für den sind solche Container sehr hilfreich. Einen Container pro Account. Nicht, daß man den Tweet für Kunde 1 aus Versehen im Account vom Kunden 2 abschickt.

PS: Kleine Ergänzung: Wenn man einen Link per rechter Maustaste anklickt, gibt es nun die zusätzliche Option

> Link in neuem Tab in Umgebung öffnen

Rechts gibt es ein zusätzliches Menü, das die vorhandenen Container anzeigt, so daß man einen davon auswählen kann.

21 Prozent der Gründer sind Migranten - Anteil von Akademikern überdurchschnittlich hoch - KfW-Studie

18.09.2017 18:04:06, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer gründet in Deutschland? Die Zahl der Gründer ist eher niedrig, viele bevorzugen die - auch oft nur scheinbare - Sicherheit einer Festanstellung.

2016 waren 21 Prozent der Gründer in Deutschland Ausländer oder eingebürgert. Die absolute Zahl lag allerdings nur bei 139.000, das ist der niedrigste Wert seit der Erhebung ab 2009. Etwas, das allerdings für die Zahl aller Gründungen in Deutschland gilt.

Die Zahlen finden sich in einer Studie der KfW.
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21 % der Gründer in Deutschland sind Migranten

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Details_432960.html

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Der Bevölkerungsanteil liegt bei 20 %, die Gründerquote liegt also leicht oberhalb des Durchschnitts. Allerdings ist der Anteil gründender Akademiker besonders hoch:

> Diese überragt mit 3,1 Gründern/100 Erwerbsfähigen (im Durchschnitt der Jahre 2009–2016) sowohl die Gründerquote bei Migranten insgesamt (1,8 %) als auch die allgemeine Gründerquote bei Akademikern (2,3 %) deutlich.

Sehr grob gesagt: Von 100 Akademikern gründen im Schnitt 2, bei Migranten sind das 3, also 50 % mehr.

Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe:

> „Akademische Gründer sind bei Migranten nicht nur wachstumsorientierter sondern auch bestandsfester. Das ist eine Erfolg versprechende Kombination.“

Migrantengründer gründen eher offensiv: Sie investieren mehr Zeit (32 Stunden zu 29 Stunden im Schnitt), gründen eher im Team (23 % zu 20 %) und sorgen eher für neue Arbeitsplätze (39 % zu 28 %). Den letzten Unterschied finde ich verblüffend hoch. Auch das sind über 30 % mehr im Vergleich zu durchschnittlichen Gründungen.

Allerdings ist auch die Zahl der Gründungen mangels Alternativen eher hoch. Bei 41 Prozent aller Migrantengründungen kommt es innerhalb der ersten drei Jahre zum Abbruch, die allgemeine Quote liegt bei etwa 30 %.

Bei der Finanzierung wird seltener auf Bankdarlehen zurückgegriffen, so daß eher Überziehungskredite oder Kredite von Verwandten zurückgegriffen wird.

Interessant finde ich die deutlich höhere Gründungsquote von akademischen Migranten. Grade deutsche Akademiker scheinen sehr viel häufiger die "Sicherheit" eines großen Konzerns zu bevorzugen. Anstatt neue, eigene Ideen zu entwickeln und sich mit diesen selbständig zu machen.

Bundesfinanzhof: Rettung für alle mobilen Wiesnbrezn-Verkäufer auf dem Oktoberfest - Verkauf unterliegt nur 7 Prozent Mehrwertsteuer - V R 15/17

17.09.2017 18:41:18, Jürgen Auer, keine Kommentare

Rechtzeitig zum grade begonnenen Oktoberfest hat der Bundesfinanzhof eine Entscheidung vom 03.08.2017 veröffentlicht.

Demnach ist der Verkauf von Wiesnbrezn durch mobile Verkäufer als ein steuerbegünstigter Verkauf von Lebensmitteln zu betrachten. Folglich sind nur 7 Prozent Mehrwertsteuer abzuführen. Nicht 19 Prozent. Faktisch bleibt damit bei gleichem Preis mehr für den Verkäufer übrig.
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Wiesnbrezn auf dem Oktoberfest steuerbegünstigt: Urteil vom 3.8.2017, V R 15/17

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&nr=34994&pos=0&anz=58

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Der Leitsatz:

> Verkauft ein Brezelverkäufer auf den Oktoberfest in Festzelten "Wiesnbrezn" an die Gäste des personenverschiedenen Festzeltbetreibers, ist der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 % für Lebensmittel anzuwenden. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 3. August 2017 (V R 15/17) die Rechtsauffassung der Finanzverwaltung zurückgewiesen, die im Verkauf der Brezeln durch den Brezelverkäufer einen restaurantähnlichen Umsatz gesehen hatte, der dem Regelsteuersatz von 19 % unterliegen sollte.

Die Argumentation von Finanzamt und Finanzgericht war, daß die Klägerin, eine Brezelverkäuferin, die Infrastruktur des Zeltes inklusive Biertischgarnituren und Musik, ebenfalls nutzen würde. Demnach wäre das eine Art "erweiterte Unterhaltung" bzw. wie ein Restaurant einzuschätzen.

> Im Streitfall pachtete die Klägerin während des Oktoberfestes Verkaufsstände in mehreren Festzelten an. Die von ihr beschäftigten „Breznläufer“ gingen durch die Reihen des Festzelts und verkauften die Brezeln an die an Bierzelttischen sitzenden Gäste des Festzeltbetreibers. Das Finanzamt (FA) sah hierin umsatzsteuerrechtlich eine sog. sonstige Leistung, die dem Regelsteuersatz unterliege. Es sei ein überwiegendes Dienstleistungselement gegeben, weil der Klägerin die von den Festzeltbetreibern bereitgestellte Infrastruktur, bestehend aus Zelt mit Biertischgarnituren und Musik, zuzurechnen sei. Das Finanzgericht bestätigte dies.

Der Bundesfinanzhof korrigierte diese Entscheidung:

> Demgegenüber hob der BFH das Urteil der Vorinstanz auf und gab der Klage statt. Danach führt der Verkauf der Brezeln umsatzsteuerrechtlich zu einer Lieferung der Backwaren, die ermäßigt zu besteuern ist.

Ok, da gäbe es zwar Tische und Bänke. Aber diese gehören dem Festzeltbetreiber, daran hat die Klägerin kein Mitbenutzungsrecht.

> Die in den Festzelten aufgestellten Biertischgarnituren, bestehend aus Tischen und Bänken, dienten den eigenen Gastronomieumsätzen des Festzeltbetreibers. Damit handelte es sich um für die Klägerin fremde Verzehrvorrichtungen, an denen der Klägerin kein eigenes Mitbenutzungsrecht zugestanden habe.

Auch könne sie über diese Gegenstände nicht verfügen.

> Sie habe keine Verfügungs oder Dispositionsmöglichkeit in dem Sinne erlangt, dass sie Besuchern Sitzplätze im Festzelt zuweisen konnte. Es sei nach der "Realität" im Bierzelt auch nicht davon auszugehen, dass Personen, die ausschließlich Brezeln von der Klägerin erwarben, zur Nutzung der Biertischgarnituren berechtigt gewesen wären, ohne zusätzliche Leistungen des Festzeltbetreibers in Anspruch nehmen zu müssen.

Schließlich gäbe es keine Besucher, die ausschließlich Wiesnbrezn verzehren und sich dafür an den Tischen niederlassen.

Damit wurde das Urteil des Finanzgerichts München vom 22. Februar 2017  3 K 2670/14 aufgehoben.

Das Urteil

BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.8.2017, V R 15/17 - Wiesnbrezn auf dem Oktoberfest

https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2017&anz=58&pos=0&nr=35002&linked=urt

erwähnt, daß die Klägerin "hohe fünfstellige Beträge" gezahlt habe, um in den Festzelten verkaufen zu dürfen.

Die Pressemitteilung verweist darauf, daß das Urteil auch für die Folgejahre gilt.

> Das Urteil ist zu den Streitjahren 2012 und 2013 ergangen. Bei gleichbleibenden Verhältnissen ist die kurz vor Beginn des Oktoberfests 2017 veröffentlichte BFH-Entscheidung auch für die Folgejahre zu beachten.

Ergebnis ist also: Die Wiesnbrezn, welche die Festzeltbetreiber verkaufen (das gab es laut Urteil, RN 6), müßten mit 19 Prozent besteuert werden. Denn die Festzeltbetreiber bieten ja ein "Gesamterlebnis" aus Festzelt, Musik, Tischen, Bänken und dem Speisenverkauf, also eine Dienstleistung. Gibt es zusätzliche Breznläufer, die im Auftrag eines personenverschiedenen Unternehmers unterwegs sind, sind deren Wiesnbrezn Lieferungen. Da es sich um "einfache Lebensmittel" handelt, die der Kategorie

> "Zubereitungen aus Getreide, Mehl, Stärke oder Milch; Backwaren"

zuzurechnen sind, sind das Lieferungen von Nahrungsmitteln, damit 7 Prozent Steuersatz.

Zippelin - eine aufblasbare Reisetasche aus gebrauchten LKW-Planen zum Aufpumpen und Zusammenrollen - von FREITAG aus Zürich

16.09.2017 23:14:57, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wenn man etwas "ordentlich verpacken" möchte, was nimmt man dann als Umhüllung? Stoff? Kunststoff?

Und wenn das "hinreichend stabil" sein soll: Dann steht es, wenn es nicht gebraucht wird, im Weg herum. Läßt sich das Problem auflösen?

Das Unternehmen FREITAG aus Zürich hat aktuell eine Kickstarter-Kampagne laufen. Mit einer verblüffenden Lösung:
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ZIPPELIN: An inflatable, one-of-a-kind travel bag by FREITAG

https://www.kickstarter.com/projects/freitaglab/zippelin-an-inflatable-one-of-a-kind-travel-bag-by/posts/1986052

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Als Ausgangsmaterial werden gebrauchte LKW-Planen genutzt. Die sind ja nun wirklich "Wind und Wetter" gewöhnt. Aber das Gestell wäre relativ schwer gewesen, erste Versuche waren ein Fehlschlag.

Die Lösung: Anstelle des Gestells wird ein aufpumpbarer Fahrradschlauch genutzt. Der liefert - straff aufgepumpt - denselben Halt wie ein Gestell. Bei einem Gesamtfassungsvermögen von 85 Litern geht ordentlich etwas rein.

Wird die Luft rausgelassen, kann die Tasche zusammengerollt werden. Und ist dann "ziemlich klein". Das sieht nach der "Dimension Schuhkarton" aus.

Eine Stange gibt es - für die Räder. Die werden rangesteckt, können aber auch abgezogen und in einem integrierten Fach verstaut werden.

Das Teil läßt sich mit der Hand tragen, als Rucksack verwenden oder an den Rädern rollen.

Da die Planen alle individuell gemustert sind, sind auch die Zippelins individuell. Ein Vorteil am Flughafen.

Die Kickstarter-Kampagne sollte eigentlich 100.000 Euro bringen. Aber ist jetzt bereits bei 266.000 Euro angekommen.

Die Website: Zippelin

https://www.freitag.ch/de/zippelin

Eine interessante Entwicklung eines R.I.P: Ein Rezykliertes Individuelles Produkt. Das zeigt, wie man mit einer "geschickten Kombination vorhandener Materialien" eine neue Lösung für ein altes Problem finden kann.

Vom Sport im Dunkeln ...

15.09.2017 23:25:06, Jürgen Auer, keine Kommentare

Manche Dinge sind ja schon witzig. Bei mir hier in Berlin liegt der Volkspark Friedrichshain "um die Ecke". Ok, im Sommer sind da - auch am Abend - viele Leute.

Aber Jogger, Radfahrer und Gruppen, die Gymnastik treiben: Die gibt es auch jetzt noch. Mitte September.

Nur: Inzwischen geht die Sonne schon gegen 19:30 unter. Und was passiert? Kommen die Leute früher? Das geht ja kaum, dafür sind die beruflich fixierten Zeiten zu sehr festgezurrt.

Die Aktivitäten finden auf dem danebenliegenden Sportplatz im Flutlicht statt. Da trainieren jeden Abend Fußballer. Das große Rund im "Neuen Hain", welches das ehemalige Schwimmstadion Karl-Friedrich-Friesen-Stadion umgibt: Das liegt größtenteils im Dunkeln.

Und wird trotzdem von so einigen Leuten für dieselben Aktivitäten wie im Sommer genutzt. Paare, die als Inline-Skater unterwegs sind und dicht hintereinander - nicht nebeneinander - fahren. Eltern mit ihren Kindern auf kleinen Rädern. Die ganz verblüfft reagieren, wenn sie sehen, daß noch andere Leute plötzlich aus dem Dunkeln auftauchen und sie überholen. Gruppen, die gemeinsam Gymnastik treiben. Mit bunten Bändern, die trotz der Dunkelheit etwas sichtbar sind.

Oder größere Jogger-Gruppen. Die teils mit Taschenlampen ausgestattet schnell an jenen Personen vorbeiziehen, die eher gemächlich unterwegs sind.

Alle Aktivitäten könnte man - in der Theorie - auch auf beleuchteten Straßen durchführen. Aber dort sind eben Autos, Fahrradfahrer und andere Verkehrsteilnehmer unterwegs. Der Park dagegen - ist frei und kann genutzt werden.

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Insofern: Wer möchte und das wirklich will: Der treibt auch im Herbst am Abend Sport. Im Park. Nicht auf der Straße. Nicht im Sportstudio.

Und findet dort - genügend Gleichgesinnte.

--

Daten vom Volkspark Friedrichshain:

https://de.wikipedia.org/wiki/Volkspark_Friedrichshain

Hohe Belastung durch Mieten - für 40 Prozent der Haushalte in Grossstädten Miete zu hoch - Studie der Hans Böckler Stiftung

14.09.2017 23:17:58, Jürgen Auer, keine Kommentare

Wer in einer deutschen Großstadt wohnt, der weiß das: Die Mieten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Und eigentlich sind sie schon zu hoch. Denn grade die Haushalte, die nur geringe Einkünfte haben, wenden bis zu 40 Prozent ihrer Einnahmen für die Miete auf.

Von denen gibt es in Großstädten bis zu 40 Prozent.
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Haushalte an der Armutsgrenze: Fast 40 Prozent der Einkünfte gehen für Mieten drauf

http://www.tagesspiegel.de/politik/haushalte-an-der-armutsgrenze-fast-40-prozent-der-einkuenfte-gehen-fuer-mieten-drauf/20320466.html

Bei der Hans-Böckler-Stiftung:

Neue Studie mit Daten für alle 77 Großstädte: Miete: Vier von zehn Haushalten in deutschen Großstädten tragen eine prekär hohe Belastung

https://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/106575_110740.htm

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40 Prozent der Haushalte in Großstädten wenden 30 Prozent und mehr für die Bruttokaltmiete auf. Sowohl Sozialwissenschaftler als auch Immobilienexperten betrachten diese 30 Prozent als kritische Grenze. Weil dann zu wenig Geld für das restliche Leben übrig bleibt.

Teils ist das Problem aber noch deutlich schärfer. Aus der PM:

> Gut eine Million Haushalte (mit rund 1,6 Millionen Menschen) in den 77 deutschen Großstädten müssen sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aufwenden. Etwa 1,3 Millionen Großstadt-Haushalte haben nach Abzug der Mietzahlung nur noch ein Resteinkommen, das unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze liegt.

Durchgeführt wurde die Studie hier in Berlin an der Humboldt-Universität. Ausgewertet wurden Daten des Mikrozensus.

In Großstädten fehlen besonders kleine Wohnungen. Menschen mit geringerem Einkommen haben kleinere, schlechter ausgestattete Wohnungen und zahlen dafür relativ sehr viel mehr.

> So liegt der Medianwert der Miethöhe bei den Haushalten, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens haben, laut der Studie bei 7,20 Euro pro Quadratmeter. Haushalte, die über mehr als 140 Prozent des Einkommensmittels verfügen, zahlen im Mittel 8,10 Euro. Dementsprechend gravierend sind die Unterschiede bei der Belastungsquote: Während die Haushalte mit höherem Einkommen im Mittel 17,2 Prozent davon für die Bruttokaltmiete aufwenden müssen, sind es bei den Haushalten an der Armutsgrenze 39,7 Prozent.

Von den 77 deutschen Großstädten wachsen 54 Städte, 31 davon überdurchschnittlich. Damit muß in diesen der Wohnungsmarkt als angespannt gelten. Das heißt, daß etwa 80 Prozent der Großstadtbewohner mit teuren Wohnungen zu tun haben. Das sind etwa 20,4 Millionen bzw. ungefähr ein Viertel der Gesamtbevölkerung.

Die Belastung gibt es nicht nur in "armen Städten" wie Berlin oder Bremerhaven. Sondern auch in Groß- und Mittelstädten wie Hamburg, Düsseldorf, Bonn, Mannheim oder Neuss.

Eine Tabelle mit den Quoten der Großstädte:

Datenblatt : Mietbelastungsquoten

https://www.boeckler.de/pdf_fof/99312.pdf

Praktisch dürfte die lokale Politik das Problem über Jahre hinweg verschlafen haben. Zumindest hier in Berlin wurde die Situation noch lange schöngeredet, obwohl das Problem eigentlich schon so ab 2008 / 2009 absehbar war.